Millionen Frauen wollen sein wie sie – Carrie Bradshaw, die Hautfigur aus der Fernsehserie und den Kinofilmen "Sex and the City". Geliebt, beneidet, tausendfach kopiert, stöckelt die sexy Modeikone auf den heißesten Riemchensandalen, Pumps und Peeptones durch New York City.
Carrie lebt auf High-Heels. Flache Schuhe wird man in ihrem begehbaren Kleiderschrank vergeblich suchen. Ganz klar – wir normalsterblichen Modeopfer verehren sie für ihre Eleganz, aber was sagt eine Fußexpertin dazu?
"Natürlich darf man ab und zu hohe Absätze tragen", so Mechthild Geismann, Podologin aus Lüdinghausen im Münsterland und Erste Vorsitzende des Zentralvereins der Podologen. Ihr ist es aber wichtig zwischen Schuhen zu unterscheiden, die man im Alltag trägt und solchen für besondere Anlässe.
Jedes Mal, wenn Carrie ihre 12-Zentimeter-Stilettos besteigt, dann verlagert sie beinahe ihr komplettes Körpergewicht auf den Vorderfuß. Dadurch kann sich dieser mit der Zeit regelrecht verformen. "Das beginnt mit einem Senk-Plattfuß und der wiederum kann zu einem Spreizfuß werden", warnt Geismann. Außerdem kann sich der Ballen deformieren und ein schmerzhafter Hallux Valgus entstehen. So heißt die Verschleißerscheinung des Großzehgelenks. Diese können wir oft auf Fotos von Hollywoodstars bewundern, die ohne High-Heels kaum noch zum Bäcker laufen.
"Frauen, die immer auf hohen Hacken unterwegs sind, können zum Teil überhaupt keine flachen Schuhe mehr tragen", warnt Geismann. Die Wadenmuskulatur kann sich im Laufe der Jahre derart verkürzen, dass die Betroffenen sogar zu Hause auf hohen Schuhen herumlaufen müssen. Außerdem leiden auch die Sehnen und Bänder unter der Dauerbelastung.
Auch Schuhe mit mittelhohen Absätzen sind medizinisch gesehen nicht optimal. Aber süß aussehen tun sie schon!
Na gut, dann sparen wir die Carrie-Schuhe eben für die Dates und ganz besonderen Anlässe auf. Aber wie sieht es mit etwas flacheren Absätzen aus? Die Beine drei Zentimeter länger zu schummeln wirkt ja auch schon super. "Bei kleinen Absätzen sind die gesundheitsschädlichen Auswirkungen natürlich nicht ganz so extrem wie bei den richtigen High-Heels. Für den Alltag ist aber auch diese Variante nicht empfehlenswert", zerstört Geismann unsere Hoffnungen.
Es gibt nur eine Ausnahme, die hohe Hacken erlaubt: ein Fersensporn. Wer unter der dornartigen Verformung des Fersenbeins leidet, darf zur Entlastung der schmerzenden Partie, Absätze tragen. "Zwei bis vier Zentimeter sind optimal", so Geismann. Ob Carries Schuhe wohl auch orthopädischen Zwecken dienen? Kaum vorstellbar.
Also schrauben wir die modischen Ansprüche noch eine Etage tiefer. Was sagt unsere Expertin wohl zu Ballerinas, den niedlichen flachen Sommerschuhen für Frauen und Mädchen? "In Ballerinas haben die Zehen oft zu wenig Platz, aber immerhin sind sie flach", so die Podologin.
An der Frage, ob das fehlende Fußbett der Schuhe einen Vor- oder Nachteil darstellt, scheiden sich laut Geismann die Geister. Der eine Orthopäde beurteilt es positiv, dass der Fuß selber arbeiten muss, der nächste bemängelt die fehlende Stütze. Das optimale Fußkleid für den Alltag ist laut unserer Expertin ein flacher Lederschuh, der weder zu eng noch zu weit sitzt. "So bekommt der Fuß keine Druckstellen und kann auch atmen", so Geismann.
Okay, atmen kann die Käsemauke auch wunderbar in Flipflops. Sind die denn eigentlich erlaubt? "Am Strand und von Zeit zu Zeit auf jeden Fall, aber nicht jeden Tag", urteilt unsere Expertin. Das Gleiche gilt übrigens auch für Turnschuhe. Das Material der Sportschuhe lässt meistens nicht genügend Luft an den Fuß. Bei den Badelatschen hingegen ist das ständige Ankrallen das Problem – es sorgt für einen unnatürlichen Gang.
Designerpumps versus No-Name-Produkt
Carrie Bradshaw sollte uns also in Punkto Absatzhöhe kein Vorbild sein. Dafür achtet die Schuhliebhaberin aber stets auf Qualität. Ihre Stöckelschuhe stammen ausnahmslos von namhaften Modeschöpfern und kosten somit leider auch ein Vermögen. Macht Carrie wenigstens das richtig? "Teure Schuhe sind nicht automatisch gesünder als billige", schmettert Geismann auch diesen letzten Punkt ab.
Allerdings kann man davon ausgehen, dass ein italienischer Schuhdesigner bessere Materialien verwendet, als man bei einem Modell vom Discounter erwarten darf. "Trotzdem kommt es auch immer noch auf die Passform an", so Geismann. Fazit: Solange die pinken Riemchensandalen mit dem strassglitzernden Pfennigabsätzen die Ausnahme bleiben, darf Frau diese international anerkannten Waffen gerne ab und an einsetzen.
Sophie Kelm / www.apotheken-umschau.de;
04.06.2010, aktualisiert am 24.11.2011
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