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Blasenentzündung (akute Zystitis)

Brennen und Schmerzen beim Wasserlassen – viele Frauen kennen diese Symptome einer Blasenentzündung. Manchmal genügen bei einer akuten Zystitis Hausmittel zur Therapie, in anderen Fällen müssen es Antibiotika sein


Schmerzhaftes Brennen: Reagiert die Blase gereizt, kann das sehr unangenehm sein

Was ist eine Blasenentzündung?

Viele wissen es aus eigener Erfahrung: Eine Blasenentzündung ist schmerzhaft. Männer sind eher selten davon betroffen, wohingegen laut Schätzungen jede zweite Frau einmal im Leben unter der Erkrankung leidet.

Üblicherweise handelt es sich bei der Blasenentzündung um eine Infektion der Harnwege mit Bakterien, selten sind Viren, Parasiten oder Pilze im Spiel. Die Keime gelangen meist von außen über die Harnröhre in die Blase und führen dort zu einer Entzündung und Reizung der Blasenwand. Verkühlung und eine geschwächte Immunabwehr – etwa durch andere Krankheiten – begünstigen den Infekt.


Mediziner unterscheiden:

•    Die unkomplizierte Zystitis:
Dabei handelt es sich um eine Blasenentzündung bei einem Patienten, der keine Risikofaktoren für eine derartige Erkrankung besitzt.

•    Die komplizierte Zystitis:
Eine Blasenentzündung bei einem Patienten mit Risikofaktoren, die das Leiden begünstigen. Dazu zählen zum Beispiel

-    Abwehrschwäche oder Immunsuppression durch Medikamente
-    Harnstau und eine Einengung der Harnwege (z.B. bei vergrößerter Prostata, Harnröhrenverengung, Harnsteinen, Tumoren ...)
-    Rückfluss von Urin aus der Blase in den Harnleiter (vesiko-ureteraler Reflux)
-    Blasenfunktionsstörungen (z.B. bei Nervenerkrankungen)
-    wiederkehrende Blasenentzündungen und Harnwegsinfekte


Bei leichten Blasenentzündungen sind Hausmittel eine gute Therapie: Warm halten und  viel trinken – am besten Blasen- und Nierentees. Bei komplizierten Fällen, Vorerkrankungen wie z.B. Diabetes mellitus oder in der Schwangerschaft sollte man auf jeden Fall einen Arzt aufsuchen. Meist erfolgt die Behandlung dann mit Antibiotika.

Unbehandelt kann es zu Komplikationen kommen, etwa zu einer Nierenbeckenentzündung.



Naheliegend: Blasenentzündungen betreffen vor allem Frauen

Ursachen

Der häufigste Auslöser für eine Blasenentzündung sind Escherichia coli-Bakterien. Sie gehören zur normalen menschlichen Darmflora. Wird nach dem Stuhlgang fälschlicherweise von hinten nach vorne gesäubert, können sie vom After in die Harnröhre und von dort in die Blase gelangen.

Andere Erreger einer Zystitis sind zum Beispiel Proteus mirabilis, Staphylokokken, Streptokokken, Klebsiellen oder auch Pilze wie die Hefe Candida albicans. In seltenen Fällen können auch Viren oder Parasiten die Blase reizen.

Gelegentlich kann eine Blasenentzündung statt durch Keime auch durch andere Ursachen bedingt sein. So kann es zum Beispiel als Nebenwirkung bestimmter Medikamente oder durch eine Bestrahlung zu einer Zystitis kommen.

Beim Mann geht eine Blasenentzündung fast immer mit einer Entzündung der Prostata einher, beziehungsweise eine akute oder chronische Prostataentzündung löst die anschließende Blasenentzündung aus.

Risikofaktoren

Blasenentzündungen treten vor allem bei Frauen auf. Schuld sind daran wohl die kurze Harnröhre der Frau (circa 4 cm im Gegensatz zu 20 – 25 cm beim Mann) sowie die Nähe des Harnröhrenausgangs zum After.
Eine Blasenentzündung wird außerdem begünstigt durch:

  • Abwehrschwäche und bestimmte Stoffwechselstörungen (z.B. Zuckerkrankheit)
  • Geschlechtsverkehr: Flitterwochen-Blasenentzündung (englisch: „honeymoon-Zystitis“) ist eine augenzwinkernde Bezeichnung für eine Blasenentzündung bei jungen und sexuell aktiven Frauen. Denn auch beim Geschlechtsverkehr können Bakterien in die Harnröhre und von dort in die Blase gelangen.
  • Schwangerschaft: In der Schwangerschaft verändert sich der Hormonhaushalt. Eine unliebsame Folge davon ist, dass sich die Harnwege weiten und Keime daher leichter in die Harnröhre eindringen können.
  • Harnstau oder Restharn in der Blase: Ein Harnstau kann verschiedene Ursachen haben. Unter anderem können eine Prostatavergrößerung, Harnröhrenverengung, Harnsteine oder ein Tumor die Harnwege einengen und dafür sorgen, dass der Urin nicht richtig oder nicht vollständig abfließen kann. Auch Blasenfunktionsstörungen, die zum Beispiel bei Krankheiten des Nervensystems und Querschnittslähmungen auftreten, können die Entleerung der Blase behindern. Staut sich der Harn oder bildet sich ein „Urinsee“ am Boden der Blase, finden Bakterien darin einen idealen Nährboden. Wiederkehrende Harnwegsinfektionen können die Folge sein.
  • Dauerkatheter: Sie führen zu einer mechanischen Reizung der Blase. Zudem schaffen sie eine offene Verbindung von den Harnwegen nach außen und ermöglichen es damit Bakterien, in die Harnröhre zu gelangen.


Gefährlich: Die Infektion kann bis in die Nieren aufsteigen

Symptome und mögliche Komplikationen

Typische Anzeichen einer Blasenentzündung sind Schmerzen und Brennen beim Wasserlassen, häufiger Harndrang sowie Schmerzen im Unterleib. Der Urin kann getrübt sein und seinen Geruch verändern. Auch Blut im Urin ist möglich.

Mögliche Komplikationen

Eine Blasenentzündung kann über die Harnleiter aufsteigen und dann auch die Nieren befallen. Ohne eine entsprechende Therapie kann eine Entzündung der Nierenbeckens und der Nieren (Pyelonephritis) zu bleibenden Nierenschäden führen.

Eine unbehandelte Blasenentzündung in der Schwangerschaft kann vorzeitige Wehen auslösen und damit zu einer Früh- oder Fehlgeburt führen.



Früherkennung: Der Streifentest gehört zu den Vorsorgeuntersuchungen in der Schwangerschaft dazu

Früherkennung

Da schwangere Frauen besonders anfällig für Blasenentzündungen sind und diese schwerwiegende Folgen für sie und ihr Kind haben können, wird der Urin im Rahmen der 
Vorsorgeuntersuchungen in der Schwangerschaft unter anderem auf Anzeichen einer Blasenentzündung untersucht. 

Zum Check-up 35 gehört ebenfalls ein Streifentest, bei dem der Urin auf Entzündungszeichen analysiert wird. Gesetzlich Versicherte haben ab dem 35. Geburtstag alle zwei Jahre Anspruch auf diese Untersuchung.



Bei wiederkehrenden Blasenentzündungen besser zum Arzt

Wann zum Arzt?

Nicht jedes leichte Brennen in der Harnröhre muss Sie zum Arzt jagen. Bei ersten Anzeichen einer Harnwegsinfektion können Hausmittel oft helfen, das Schlimmste zu verhindern. Auf jeden Fall zum Arzt sollten Sie mit einer Blasenentzündung, wenn

  • Sie ein Mann sind: Bei Männern sind Harnwegsentzündungen selten. Wenn Sie dennoch auftreten, sollte unbedingt die Ursache geklärt werden.
  • Sie Schwanger oder zuckerkrank sind beziehungsweise Medikamente einnehmen, die das Immunsystem schwächen
  •  ein Kind betroffen ist
  •  die Krankheitszeichen nach drei Tagen nicht verschwunden sind
  • Fieber auftritt: Das kann ein Zeichen dafür sein, dass die Infektion aufgestiegen ist und nun auch die Nieren betrifft
  • Sie immer wieder unter Blasenentzündungen leiden


Blasenentzündung? Der Urinbefund hilft, das zu klären

Diagnose

Ihr Arzt wird Sie zunächst genau befragen und so eine Anamnese erstellen. Anschließend untersucht er sie und misst eventuell auch Fieber. 

Sehr wahrscheinlich wird Ihr Arzt Sie bitten, Urin abzugeben. Idealerweise sollten Sie dazu ihren Intimbereich vorher gereinigt haben und dann die Schamlippen mit den Fingern spreizen beziehungsweise die Vorhaut zurückziehen und in einem sauberen Becher etwas Harn auffangen. Dabei sollte es sich nicht um die ersten Tropfen zu Beginn der Blasenentleerung und auch nicht um den letzten Rest, sondern um so genannten Mittelstrahlurin handeln. Das bedeutet, dass Sie erst nach einigen Sekunden den Becher unter den Strahl halten.

Der Arzt untersucht den Urin dann mit Hilfe eines Harnstreifentestes. Mit einer Veränderung der Farbe zeigt dieser an, ob bestimmte Stoffe im Harn vorhanden sind. Getestet wird der Urin unter anderem auf:

  • weiße Blutkörperchen (Leukozyten): Sie zeigen eine Entzündungsreaktion an.
  • Nitrit: Das ist ein Stoffwechselprodukt der Bakterien. Es ist normalerweise nicht im Urin enthalten. Seine Anwesenheit weist also darauf hin, dass sich auch Keime im Harntrakt befinden.

Sind die Symptome eindeutig und handelt es sich um eine unkomplizierte Harnwegsinfektion, genügt der Harnstreifentest, um die Diagnose Blasenentzündung zu stellen und eine Therapie einzuleiten.

 Um zu ermitteln wie viele und welche Bakterien im Urin enthalten sind, muss der Harn im Labor untersucht werden. Vor allem bei einer wiederkehrenden oder komplizierten Blasenentzündung ist das wichtig, damit der Arzt gezielt behandeln kann. Gleiches gilt für Blasenentzündungen, die sich trotz Antibiotikabehandlung nicht bessern. Die im Harn enthaltenen Bakterien werden als Urinkultur auf einem Nährmedium angezüchtet. Dabei wird auch ermittelt, welche Antibiotika am besten gegen den Erreger helfen. Das Ergebnis bekommt der Arzt zwar erst nach etwa zwei Tagen, aber falls es notwendig ist, kann er die Therapie dann entsprechend anpassen.

Bei komplizierter Zystitis geht es weiter

Gerade bei wiederkehrenden oder komplizierten Harnwegsentzündungen ist zusätzlich eine Ultraschalluntersuchung der Harnwege sinnvoll. Mit dem Ultraschallgerät lassen sich anatomische Veränderungen an den Nieren und Harnwegen erkennen. So kann der Arzt zum Beispiel feststellen, ob die Prostata vergrößert ist, ob Veränderungen oder Steine in der Blase vorliegen und ob die Nieren ebenfalls von der Entzündung betroffen sind.

Zusätzlich zeigt eine Restharnbestimmung, ob nach dem Wasserlassen Urin in der Blase zurück bleibt. Dafür muss der Patient zunächst die Blase auf der Toilette vollständig entleeren. Anschließend überprüft der Arzt mit dem Ultraschallgerät, ob und wie viel Harn sich noch in dem Hohlorgan befindet. Überschreitet der Wert ein bestimmtes Volumen, gilt das als Hinweis auf eine Entleerungsstörung.

Spezielle und aufwendigere Untersuchungen fordert gegebenenfalls der Urologe an: Ob die Blasenentleerung richtig funktioniert oder Urin in den Harnleiter zurückfließt, lässt sich mit Röntgenuntersuchungen oder einer Harnflussmessung (Uroflowmetrie) feststellen. Beim Miktionszystogramm bekommt der Patient Kontrastmittel durch die Harnröhre in die Blase gespritzt. In aufeinander folgenden Röntgenbildern wird dann dokumentiert, wie sich die Blase entleert. Wird das Kontrastmittel in die Vene verabreicht, entsteht nicht nur ein Röntgenbild der Blase (Zystogramm), sondern es können auch die Nieren (intravenöses Pyelogramm) und Harnleiter beurteilt werden.

In seltenen Fällen ist auch eine Blasenspiegelung (Zystoskopie) angebracht. Dabei führt der Urologe ein Endoskop durch die Harnröhre in die Blase ein. Auf diese Weise kann er die Blase direkt von Innen betrachten und Veränderungen wie Entzündungen und Tumoren feststellen. 

Diese aufwendigen Untersuchungen sind jedoch nur bei wiederkehrenden Harnwegsinfekten und bei einem begründeten Verdacht auf entsprechende Veränderungen angezeigt.



Tut gut: Ein Wärmflasche kann die Beschwerden lindern

Therapie

  • Selbsthilfe

Wenn Sie unter einer Blasenentzündung leiden, sollten Sie – sofern gesundheitlich bei Ihnen nichts dagegen spricht - zwei bis drei Liter pro Tag trinken und die Blase häufig entleeren. So werden die Keime möglichst schnell ausgespült. Gut geeignet sind Nieren- und Blasentees, die es zum Beispiel in der Apotheke gibt. Sie enthalten unter anderem Bärentraubenblätter, denen eine antibakterielle Wirkung nachgesagt wird.
Auch eine Wärmflasche, warme Sitzbäder oder feuchtwarme Umschläge im Blasenbereich können die Beschwerden lindern, weil sie die glatte Muskulatur der Blase entspannen und so die Schmerzen mildern.

  • Therapie durch den Arzt

Bei einer bakteriellen Blasenentzündung helfen Antibiotika, die Symptome rasch und effektiv zu beseitigen. Welches Präparat der Arzt verordnet, hängt von der Art der Infektion ab. Häufig verschriebene Wirkstoffe sind Cotrimoxazol, Fosfomycin oder Nitrofurantoin. Üblicherweise müssen Sie die Tabletten drei bis zehn Tage einnehmen. Es gibt aber auch Präparate bei denen eine einmalige Einnahme genügt.

Schlucken Sie das Medikament auf jeden Fall so lange, wie der Arzt es Ihnen verordnet hat. Wenn Sie es zu früh absetzen, kann der Infekt unter Umständen wiederkehren. Nach einem Tag Antibiotikatherapie sollten sich die Beschwerden bereits gebessert haben. Nach drei bis fünf Tagen ist auch der Urinbefund wieder unauffällig. 

Bei immer wieder auftretenden Infekten sollte unbedingt ein sogenanntes Antibiogramm, also eine Testung auf die Resistenzlage der Bakterien erfolgen. Dies ist erforderlich, um ein passendes Antibiotikum zu finden. Durch häufige Antibiotikatherapie können manche Bakterien eine sogenannte Resistenz, also Unempfindlichkeit gegen manche Medikamente entwickeln.

Sind Pilze die Auslöser der Blasenentzündung, wird der Arzt pilztötende Mittel (Antimykotika) verordnen. Dies ist jedoch relativ selten der Fall.

 Bei starken Schmerzen können zusätzlich krampflösende Medikamente, wie zum Beispiel Butylscopolamin, hilfreich sein, um die Blasenmuskulatur zu entspannen.



Trinken ist wichtig, um die Blase zu spülen

Vorbeugen

Immer wieder eine Blasenentzündung – das muss nicht sein. Denn Sie können bereits mit einfachen Maßnahmen vorbeugen:

1)    Viel trinken: Wer seine Blase gut spült, verringert das Risiko, dass sich dort Bakterien festsetzen. Wer sich zum Beispiel bei Herzerkrankungen an eine vom Arzt verordnete Trinkmenge halten muss, sollte diese natürlich nicht überschreiten.

2)    Regelmäßig zur Toilette: Die Blase regelmäßig und vollständig entleeren – nicht erst wenn sie prall voll ist. Frauen, die zu Blasenentzündungen neigen, können vorbeugen, in dem sie nach dem Geschlechtsverkehr innerhalb von 15 Minuten Wasserlassen. Keime, die zu einer Infektion führen könnten, werden so einfach ausgespült.

3)    Immer von vorne nach hinten säubern: Bei der Reinigung nach dem Stuhlgang sollten Sie immer von der Scheide zum After wischen. Das verringert das Risiko, dass Bakterien aus dem Magen-Darmtrakt in die Harnröhre gelangen.

4)    Baumwollunterwäsche tragen und diese bei 60° waschen: Das macht den meisten Keimen den Garaus. Die Slips sollten zudem nicht zu eng sitzen, um eine Reizung des Schambereiches zu vermeiden.

5)    Intimhygiene: Den Schambereich am besten nur mit warmem Wasser (ohne Seife!) waschen.

6)    Auswahl des Verhütungsmittels: Für Frauen, die zu Blasenentzündungen neigen, sind bestimmte Verhütungsmittel geeigneter als andere. So schützen zum Beispiel Kondome sehr gut vor beim Geschlechtsverkehr übertragenen Erregern, während von spermiziden Cremes und mechanischen Verhütungsmitteln wie der Spirale eher abzuraten ist. Sprechen Sie darüber mit Ihrem Frauenarzt!

7)    Kalte Füße vermeiden und feuchte Badeanzüge gleich nach dem Schwimmen ausziehen: So beugen Sie einer Unterkühlung vor.

8)    Cranberrysaft (Moosbeere, Kranbeere) trinken: Es gibt Hinweise auf eine antibakterielle Wirkung von Cranberrysaft. Dieser soll hauptsächlich bei jüngeren Frauen mit Infekten mit E. coli wirken.

Eine dauerhafte Antibiotikatherapie (zum Beispiel mit Nitrofurantoin, Trimethoprim oder Cotrimoxazol) zur Vorbeugung ist nur angezeigt, wenn mehr als drei Harnwegsinfektionen im Jahr auftreten. Wie lange eine solche Behandlung nötig ist, legt der Arzt fest. Eventuell kann es für Frauen auch sinnvoll sein, nach dem Geschlechtsverkehr vorbeugend eine Tablette eines Antibiotikums einzunehmen.

Manche Frauen neigen nach den Wechseljahren vermehrt zu Harnwegsinfektionen. Eine mögliche Ursache dafür ist ein Östrogenmangel, der die Schleimhaut empfindlicher für Bakterien macht. In diesem Fall kann eine Behandlung mit Östrogenpräparaten unter Umständen helfen. Eine lokale Anwendung von östrogenhaltigen Cremes im Bereich der vorderen Scheidenwand und Harnröhre ist möglicherweise empfehlenswert. Ihr Frauenarzt berät Sie zu Risiken und Nebenwirkungen.

Manchmal kann es auch sinnvoll sein, den Urin anzusäuern, um Harnwegsinfekten vorzubeugen. Ob diese Maßnahme bei Ihnen Nutzen verspricht, weiß Ihr Arzt. Eine sogenannte Impfung der Blase, das heißt das Einspritzen von das Immunsystem stimulierenden Substanzen in die Blase kann ebenfalls die lokale Abwehr in der Blase verbessern. Diese sogenannten Impfstoffe sind meistens Extrakte von E.coli oder anderen Bakterien und könne mehrfach in die Blase eingebracht werden, ohne dass sie Harnwegsinfekte auslösen.



Nasse Badesachen möglichst rasch wechseln

Bakterien im Urin: Immer Anzeichen eines Harnwegsinfekts?

Der Nachweis von Bakterien im Urin ist an sich nichts Schlimmes. Denn da die Harnröhre durch Bakterien besiedelt und eine saubere Harngewinnung nicht einfach ist, sind Verunreinigungen der Proben durch Keime häufig. Ob es sich um eine Verunreinigung oder tatsächlich um eine Infektion handelt, entscheidet der Arzt anhand einiger Kriterien:

1)    Bakterienzahl
Erst wenn mehr als 100.000 Keime pro Mililiter enthalten sind, gilt dies als sicherer Hinweis auf eine Harnwegsinfektion.

2)    Symptome
Hat der Patient keine Beschwerden, die für eine Blasenentzündung sprechen und finden sich im Urin weniger als 100.000 Keime pro Milliliter sprechen Mediziner von einer asymptomatischen Bakteriurie. Diese wird nur bei Personen mit einem erhöhten Risiko für eine Zystitis (zum Beispiel Diabetiker, Schwangere ...) behandelt. Klagt der Patient jedoch über Beschwerden, die für eine Blasenentzündung typisch sind, kann der Arzt auch bei geringeren Keimzahlen eine Therapie mit Antibiotika erwägen.

3)    Bakterienart
Bei einer Blasenentzündung wäre ein auslösender Erreger zu erwarten. Zeigt sich in der Urinkultur, dass im Harn mehr als zwei verschiedene Bakterienarten enthalten sind, spricht das eher für eine Verunreinigung der Probe als für eine Zystitis. Ebenso ist es verdächtig, wenn typische Hautkeime nachgewiesen werden. Möglicherweise sind diese über die Finger in den Becher geraten.

Werden wiederholt verschiedene Keime im Urin oder ein Harnwegsinfekt ohne Symptome festgestellt, so sollte der Urin einmal über einen Katheter gewonnen werden. Dann lässt sich mit Sicherheit sagen, ob der Urin bereits in der Blase Keime enthält, oder ob die Bakterien erst beim Wasserlassen hineingelangt sind.

Gibt es eine chronische Blasenentzündung?

Meist handelt es sich bei einer Blasenentzündung um eine akute Infektion, die richtig behandelt in ein paar Tagen wieder vorbei ist. Manche Menschen haben jedoch längerfristig Symptome einer Blasenentzündung, ohne dass sich Bakterien oder andere Keime im Urin nachweisen lassen. In diesem Zusammenhang sprechen viele von einer Reizblase. Dabei handelt es sich jedoch nicht um eine eigene Krankheit. Vielmehr steht diese Bezeichnung für ein Beschwerdebild (häufiger Harndrang bei geringer Urinmenge, teilweise einhergehend mit Schmerzen oder Inkontinenz), das verschiedene Ursachen haben kann.

Eine davon ist die interstitielle Zystitis. Dabei handelt es sich um eine äußerst schmerzhafte chronische Harnblasenentzündung ohne Keimnachweis, deren Ursache noch nicht endgültig geklärt ist. Die endgültige Diagnose kann letztlich nur nach einer Gewebeentnahme und –untersuchung gestellt werden. Gelegentlich werden Patienten nur aufgrund der Symptome jahrelang unter der fälschlichen Annahme einer interstitiellen Zystitis behandelt, was unnötig ist. Die verschiedensten Behandlungsansätze sind bei interstitieller Zystitis in Erprobung: In Frage kommt zum Beispiel die Gabe von Schmerzmitteln oder Antidepressiva. Eine anderer Möglichkeit sind Medikamente, die in die Blasen eingefüllt werden (zum Beispiel Dimethylsulfoxyd, Hyaluronsäure, Chondroitinsulfat ...). Auch eine Dehnung der Blase mit Wasser ist in Vollnarkose möglich. Bleibt die Behandlung erfolglos und entwickelt sich durch die chronische Entzündung eine Schrumpfblase, ist eine operative Entfernung der Harnblase die letzte Möglichkeit.

Da eine Reizblase auch durch einen oberflächlichen Tumor (Carcinoma in situ) in der Blase entstehen kann, sollten wiederholt auftretende Blasenentzündungen gerade in höherem Alter mit einer Blasenspiegelung abgeklärt werden.



Unser Experte: Prof. Dr. med. Rainer Hofmann

Beratender Experte

Herr Professor Dr. med. Rainer Hofmann ist Facharzt für Urologie und spezielle urologische Chirurgie. Er habilitierte sich 1989 an der Technischen Universität München. Anschließend war er von 1990 bis 1991 Associate Professor an der University of California in San Francisco und danach Leitender Oberarzt der Urologischen Klinik des Klinikums Rechts der Isar in München. Seit Dezember 1998 ist er Direktor der Klinik für Urologie und Kinderurologie der Philipps-Universität Marburg.


Wichtiger Hinweis:
Dieser Artikel enthält nur allgemeine Hinweise und darf nicht zur Selbstdiagnose oder –behandlung verwendet werden. Er kann einen Arztbesuch nicht ersetzen. Die Beantwortung individueller Fragen durch unsere Experten ist leider nicht möglich.



Bildnachweis: PhotoDisc/RYF, W&B/Martin Ley, PhotoDisc/ RYF, BrandXPictures/ RYF, W&B/Winfried Fischer, W&B/Privat, W&B/Ulrike Möhle, Banana Stock/RYF, Fotolia/S.H. exclusiv, W&B/Martina Ibelherr

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www.apotheken-umschau.de; aktualisiert am 25.03.2015,
Bildnachweis: PhotoDisc/RYF, W&B/Martin Ley, PhotoDisc/ RYF, BrandXPictures/ RYF, W&B/Winfried Fischer, W&B/Privat, W&B/Ulrike Möhle, Banana Stock/RYF, Fotolia/S.H. exclusiv, W&B/Martina Ibelherr

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