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Glaukom, ein tückisches Leiden

Ein Glaukom kommt ohne Ankündigung. Vorsorge ist daher unverzichtbar


Aufschlussreich: Die Augeninnendruckmessung

„Es ist fünf vor zwölf vor dem Dunkelwerden“ – als Anne Meier (Name von der Redaktion geändert) den Satz von ihrem Augenarzt hörte, wusste sie: Jetzt wird es ernst. Ihr Augeninnendruck lag schon seit mehreren Jahren viel zu hoch. Bisher behandelte die 61-Jährige diesen Missstand mit Medikamenten. Auch ein kleiner Eingriff mit Laserlicht lag schon hinter ihr. Aber nichts davon half mehr. Nur noch eine richtige Operation, so die Prognose, könne die schlimmste zu befürchtende Auswirkung verhindern: eine Erblindung.

Zum Glück war Anne Meier gerade zum richtigen Zeitpunkt am richtigen Ort: Die Diagnose erhielt sie am Zentrum für Augenheilkunde der Universitätsklinik in Köln. Dort behandeln Mediziner täglich Patienten mit erhöhtem Augeninnendruck – die Operation ist Routine.


Das liegt auch daran, dass diese Komplikation am Auge so häufig vorkommt. Schätzungsweise 800.000 Deutsche leiden darunter. Eine typische Alterserscheinung: Durch anatomische Veränderungen fließt das Kammerwasser nicht mehr richtig ab. Diese Flüssigkeit gibt dem Auge seine Form und gewährleistet damit ein einwandfreies Funktionieren aller Komponenten. Steigt ihr Druck aber, übt sie zunehmend Druck auf den Sehnerv am hinteren Ende des Augapfels aus. Bei vielen Erkrankten greift das die Nervenzellen auf Dauer so stark an, dass diese absterben. Der Befund lautet dann: Glaukom.

Jeder zehnte Patient wird operiert

Das Tückische dabei: Ein Betroffener merkt das erst, wenn der Sehnerv schon stark geschädigt ist. So ging es auch Anne Meier. Ihr Visus (Sehschärfe) war stets bestens. Im Oktober 1996 dann der Unfall im Garten: Sie rutschte aus, brach sich Schienbein und Knöchel. Eine Woche später bemerkte sie eine Störung im Auge. „Irgendetwas stimmte nicht.“ Weil es sie nicht behinderte, ignorierte sie eineinhalb Jahre lang die Anzeichen. Doch das „Etwas“ im Auge wurde schlimmer. Anne Meier ging zum Augenarzt. Die Messung des Augeninnendrucks ergab einen Wert von über 30, normal sind Werte zwischen 10 und 20.

Bis zu sechsmal am Tag träufelte sie nun Tropfen mit geeigneten Wirkstoffen in ihre Augen. Eine Zeit lang hielt das die Werte in akzeptablen Bereichen. Doch zuletzt stieg der Innendruck wieder. Wie für zehn Prozent aller Betroffenen blieb für die Rentnerin nur eine Operation als letzter Ausweg. Die verschiedenen Verfahren haben allesamt zum Ziel, den Abfluss des Kammerwassers wieder zu verbessern. Doch nicht immer hält die Wirkung eines Eingriffs lange an. Bei Anne Meier mussten Ärzte dreimal in drei Monaten operieren. Nun hofft sie, dass die Maßnahmen eine Weile helfen.

Die Kontrolle des Augeninnendrucks allein reicht jedoch nicht aus, um ein Glaukom zu verhindern. Immerhin liegt dieser Wert bei ungefähr einem Drittel der Patienten im normalen Bereich. Eine Vorsorge sollte deswegen auch die Untersuchung des Augenhintergrunds und eine Gesichtsfeldmessung umfassen. Aber diese Maßnahmen lösen häufig falschen Alarm aus. „Wir sind immer noch auf der Suche nach den besten Methoden einer Früherkennung“, sagt denn auch Professor Georg Michelson von der Augenklinik der Universität in Erlangen.        



Burkhardt Röper / www.apotheken-umschau.de; 10.04.2008, aktualisiert am 26.06.2010
Bildnachweis: W&B/Aleksander Perkovic

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