Wimperntusche, Lippenstift und Anti-Falten-Creme sind eigentlich dazu gedacht, uns hübscher zu machen. Manchmal klappt das aber nicht so ganz. Wenn die Mascara statt dem tollen Augenaufschlag einen roten, entzündeten Augenrand fabriziert, dann kann man in der Regel davon ausgehen, dass man auf das Kosmetikprodukt allergisch reagiert.
"Eine allergische Reaktion auf Schminke kann eine Kontaktallergie sein", erklärt Julia Weißkirchen, Allergieexpertin beim Deutschen Allergie- und Asthmabund in Mönchengladbach. Betroffene entwickeln nach der Berührung bestimmter Inhaltsstoffe ein sogenanntes Kontaktekzem.
Das ist eine trockene, rötliche Stelle mit relativ scharf begrenzten Außenrändern. "Manchmal schuppt sich die Haut an der betroffenen Stelle auch", fügt Weißkirchen hinzu. Meist tritt das Ekzem 48 bis 72 Stunden nach dem Verwenden des allergieauslösenden Inhaltsstoffes auf. Nimmt man keine Rücksicht auf die Warnzeichen der Haut und nutzt die allergenen Kosmetika weiterhin, dann kann sich die Fläche nach einiger Zeit sogar verdicken. Das ist allerdings bei Reaktionen auf Kosmetika nicht oft der Fall. Kaum ein Mensch verwendet das Produkt trotz der unangenehmen Reaktion stur weiter.
Häufiger kommt es zu einer Hautirritation mit Pusteln, Quaddeln und Juckreiz. Auch sie kann nach dem Schminkkontakt auftreten, oft bereits nach fünf bis 20 Minuten.
Das macht der Arzt
"Wenn man Anzeichen eines Ekzems oder einer Irritation bei sich beobachtet, sollte man das verdächtigte Kosmetikprodukt sofort weglassen", rät Weißkirchen. Außerdem sollte ein Dermatologe die betroffene Stelle untersuchen. Um sicherzustellen, welchen Inhaltsstoff der Patient nicht verträgt, führt der Hautarzt einen Epikutantest durch.
Hierfür klebt er dem Patienten mit einem Pflaster verschiedene Inhaltsstoffe auf den Rücken. Danach herrscht zwei Tage lang Duschverbot. Nach Ablauf der Zeit untersucht der Arzt den Rücken erneut und kann anhand der entstandenen Reaktionen feststellen, welche Stoffe eine Allergie auslösen und welche harmlos sind.
Die Therapie erfolgt – je nach Schweregrad – mit Kortison oder anderen Wirkstoffen. Das wichtigste ist aber das Weglassen des Auslösers, denn die Allergieneigung lässt sich nicht rückgängig machen, sie bleibt ein Leben lang. Eine Hyposensibilisierung, wie beispielsweise bei der Hausstauballergie oder einer Allergie auf Bienengift, funktioniert hier nicht.
Die Allergene
Die häufigsten Allergieauslöser in Kosmetikprodukten sind übrigens die Duft-, Konservierungs- und Farbstoffe und Nickel. "Das Metall befindet sich in vielen dunklen Schminkutensilien wie Mascara oder Kajalstiften", erläutert unsere Expertin. Wer weiß, welche Stoffe er nicht verträgt, sollte sich vor dem Kauf die Liste der Inhaltsstoffe durchlesen. Die Allergene stecken genauso in Marken- wie in Discounterprodukten.
Und wie sieht es mit Naturkosmetik aus? "Das bringt nichts!", so Weißkirchen. In Bio-Schminke sind die Duftstoffe oft durch ätherische Öle ersetzt, und diese können ebenfalls eine Kontaktallergie auslösen. "Ungünstigerweise reizen die natürlichen Duftträger die Haut oft zusätzlich", so Weißkirchen.
Die INCI-Liste
Es gibt ein paar Kosmetikfirmen, die auf spezielle Stoffe verzichten. Hier kann mitunter der Apotheker weiterhelfen. Ansonsten heißt es, vor dem Kauf zu kontrollieren. "Die Hersteller sind verpflichtet, alle Inhaltsstoffe aufzulisten", erklärt Weißkirchen. Und zwar einheitlich mit der sogennanten INCI-Bezeichnung (International Nomenclature of Cosmetic Ingredients) in englischer Sprache. Die Pflanzenbestandteile hingegen stehen unter ihrem lateinischen Namen auf der Verpackung.
Die Deklaration kann mitunter zu Verwirrungen führen. Denn häufig kennen die Patienten nur den deutschen Namen der Stoffe, die sie nicht vertragen. Um dieses Problem zu lösen, hat der Deutsche Allergie- und Asthmabund eine INCI-Übersetzungshilfe entwickelt. Es ist sinnvoll, die verschiedenen Bezeichnungen der bekannten Allergieauslöser aufzuschreiben und zum Beispiel im Portemonnaie bei sich zu tragen. So kann man im Laden gleich nachschauen, ob der neue Glitzer-Lidschatten auch keine weniger glamourösen Folgen haben wird.
Sophie Kelm / www.apotheken-umschau.de;
16.02.2011
Bildnachweis: Thinkstock/Pixland
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