Alkoholabhängigkeit (Alkoholsucht)

Wie lässt sich eine Alkoholsucht erkennen? Welche Symptome treten bei Alkoholmissbrauch auf? Informationen zu Diagnose und Therapie der Alkoholkrankheit

aktualisiert am 10.11.2015

Ob Schnaps, Bier oder Wein: Zuviel davon ist nicht gut

W&B/Winfried Fischer

nach obenWas bedeutet Alkohosucht?

Alkoholsucht bedeutet krankhafte Abhängigkeit von Alkohol. Sie ist gekennzeichnet durch körperliche, psychische und soziale Symptome sowie zahlreiche Folgeschäden. Etwa 1,9 Millionen Menschen in Deutschland sind alkoholabhängig. Für die Diagnose einer Alkoholsucht werden bestimmte Kriterien herangezogen. Erfüllt ein Betroffener eine gewisse Anzahl dieser Kriterien, gilt er als abhängig (siehe Diagnose).

Die Übergänge von "noch normalem" zu risikoreichem Konsum, Alkoholmissbrauch und Abhängigkeit sind fließend.

nach obenWie wirkt Alkohol?

Der größte Teil des getrunkenen Alkohols wird über die Schleimhäute des Magen-Darm-Traktes in den Körper beziehungsweise den Blutkreislauf aufgenommen. Wie schnell das geschieht, hängt unter anderem davon ab, was gegessen wurde. Bei nüchternem Magen erfolgt die Aufnahme sehr rasch, wohingegen fettreiche Nahrung den Prozess verzögert. Der höchste Alkoholspiegel im Blut ergibt sich im Durchschnitt zirka 45 bis 90 Minuten nach dem Konsum eines alkoholischen Getränkes.


Bei gleicher Alkoholmenge ist die Blutalkoholkonzentration bei Frauen höher als bei Männern. Der Grund: Männer sind schwerer und größer und verfügen daher meist über eine größere Menge an Körperflüssigkeit, in der sich der zugeführte Alkohol verteilen kann. Abgebaut wird Alkohol zum größten Teil in der Leber.

Wie Alkohol sich auswirkt, ist abhängig von der konsumierten Menge sowie von der individuellen körperlichen und seelischen Verfassung. Bei regelmäßigem Konsum kommt es außerdem zu einem gewissen Gewöhnungseffekt, der auch Toleranz genannt wird. Durch die Gewöhnung reagiert der Körper weniger empfindlich auf Alkohol. Allein der Promille-Wert sagt also nicht unbedingt etwas darüber aus, wie weit der Einzelne durch den Rausch bereits in seinen körperlichen und geistigen Fähigkeiten beeinträchtigt ist.

Doch immer gilt: Unabhängig davon, ob jemand "viel verträgt" oder schneller betrunken wird, richtet der Alkohol in seinem Körper Schaden an. Denn Alkohol ist ein Zellgift. Das bedeutet, ab einer bestimmten Menge schädigt Alkohol die Zellen und Organe des Körpers, wie zum Beispiel die Leber oder das Nervensystem. Diese zellschädigende Wirkung entfaltet sich grundsätzlich und ausschließlich in Abhängigkeit von der Menge an reinem Alkohol – egal ob man sich diesen in Form von Schnaps, Bier oder Wein zuführt.

•    Zu den unmittelbaren körperlichen Reaktionen auf Alkoholkonsum zählen unter anderem: Koordinations- und Bewegungsstörungen (zum Beispiel Schwanken), undeutliche Aussprache, Erweiterung der Blutgefäße (gerötetes Gesicht), vermehrtes Schwitzen, gesteigerte Harnbildung ...

•    Zu den unmittelbaren psychischen Reaktionen auf Alkoholkonsum gehören: Enthemmung, Rededrang, gehobene Stimmung, bei schwerer Vergiftung auch aggressivs, fremd- oder eigengefährdendes Verhalten, seltener Angst oder depressive Stimmung, Konzentrations- und Merkfähigkeitsstörungen, Desorientiertheit, Bewusssteinsstörungen...


nach obenWann ist Alkoholkonsum gefährlich?

Experten sind sich einig: Risikofreien Alkoholkonsum gibt es nicht. Ab welcher Menge Alkohol definitiv schädlich ist, wird in Fachkreisen kontrovers diskutiert. In Deutschland gängig ist folgende Einteilung in "Konsummuster", wie sie auch von der Deutschen Hauptstelle für Suchtfragen e.V. publiziert wird (in Gramm Reinalkohol am Tag):

Risikoarmer Konsum: Frauen bis 12 g /Männer bis 24 g.


Riskanter Konsum: Frauen mehr als 12 g bis 40 g / Männer mehr als 24 g bis 60 g.

Gefährlicher Konsum: Frauen mehr als 40 g bis 80 g / Männer mehr als 60 g bis 120 g.

Hochkonsum: Frauen mehr als 80 g / Männer mehr als 120 g

Zur Orientierung: Ein Glas Bier mit 0,33 Liter entspricht etwa 13 g Alkohol. Ein Glas Wein mit etwa 0,2 Liter entspricht ungefähr 16 g.


Wieviel Alkohol enthält ein Glas ungefähr?

  • Bier
    W&B/Ulrike Möhle

    Bier, 0,33 Liter: 13 Gramm Alkohol

    1/6

  • Wein
    W&B/Ulrike Möhle

    Wein, 0,2 Liter: 16 Gramm

    2/6

  • Sherry
    W&B/Ulrike Möhle

    Sherry, 0,1 Liter: 16 Gramm

    3/6

  • Likör
    W&B/Ulrike Möhle

    Likör, 0,02 Liter: 5 Gramm

    4/6

  • Whisky
    W&B/Ulrike Möhle

    Whisky, 0,02 Liter: 7 Gramm

    5/6

  • Korn
    W&B/Ulrike Möhle

    Korn, 0,02 Liter: 7 Gramm

    6/6

nach obenUrsachen

Es gibt aus wissenschaftlicher Sicht keine befriedigende Antwort auf die Frage, warum manche Menschen abhängig werden und andere nicht. Die Ursachen für eine Alkoholabhängigkeit werden meist in einer Wechselwirkung zwischen den individuellen Voraussetzungen eines Menschen (biologische Faktoren, psychologische Einflussgrößen, persönliche Lebensgeschichte), der umgebenden Gesellschaft (Kultur und soziales Umfeld) und der spezifischen Wirkung der Substanz Alkohol gesehen.

Dass Alkoholkonsum in bestimmten sozialen Gruppen oder manchmal auch in Familien gehäuft auftreten kann, erklären sich Experten neben den genetischen Effekten in Familien damit, dass Kinder beziehungsweise Jugendliche das vorgelebte Verhalten der Erwachsenen erlernen oder sich an den Gewohnheiten ihrer Gruppe orientieren.


Alkoholkonsum kann die Wahrnehmung beeinträchtigen

PhotoDisc/ RYF

nach obenSymptome

Alkoholkonsum hat eine direkte und unmittelbare Wirkung auf den Körper, die bereits kurz nach dem Konsum auftritt. Ein zu hoher Alkoholkonsum über längere Zeit kann darüber hinaus aber auch Schäden hervorrufen, die erst nach Monaten oder Jahren deutlich werden. Eine Alkoholsucht verläuft wiederum oft in bestimmten Phasen mit jeweils charakteristischen Verhaltensweisen.

Die Wirkungen des Alkohols auf die Gesundheit lassen sich unterteilen in:

•    Die unmittelbaren körperlichen und psychischen Symptome nach dem Konsum von Alkohol (wie Erweiterung der Gefäße, Koordinations- und Bewegungsstörungen, ...)

•    Direkte körperliche und psychische Folgen der Alkoholsucht, wie zum Beispiel verminderter Appetit und Gewichtsabanahme, Entzugserscheinungen wie Unruhe oder Übelkeit, Zittern, erhöhte Reizbarkeit, ...

•    Die Folgeschäden des Alkoholkonsums
Hoher Alkoholkonsum erhöht das Risiko für viele verschiedene Krankheiten deutlich. Hierzu zählen neben Leberentzündungen, Leberzirrhose oder Bauchspeicheldrüsenentzündungen auch Verletzungen, Unfälle, Krebs (insbesondere Tumore der Mundhöhle, des Rachens, der Leber und der weiblichen Brust), Erkrankung der Speiseröhre und des Magens (Entzündungen, Geschwüre, Krebs), Erkrankungen von Herz- und Gefäßsystem (Herzrhythmusstörungen, Herzvergrößerung, ...), Folsäuremangel und eine daraus folgende Blutarmut, Potenzstörungen, Immunstörungen, Schäden am Nervensystem bis hin zu vorgeburtliche Schädigungen des Embryos, wie unter anderem Minderwuchs, geistige Behinderung oder Herzfehler.

Zu den sozialen Folgen gehören oft Schwierigkeiten in der Familie und Probleme am Arbeitsplatz, Verlust von Freunden und Bekannten, Führerscheinentzug oder Konflikte mit dem Gesetz. Alkoholsucht führt in vielen Fällen auch zum sozialen Abstieg und verursacht enorme gesellschaftliche Folgekosten.

Die Phasen der Alkoholabhängigkeit

Obwohl sich die individuellen Formen der Erkrankung oft sehr unterscheiden, gilt folgender Verlauf als typisch:

Zunächst wird immer häufiger getrunken, um Probleme zu bewältigen und bestimmte Situationen besser erträglich zu machen. Ein täglicher Alkoholkonsum kann die Folge sein. Zu einem Rausch muss es dabei nicht kommen.

In einer nächsten Stufe wird Alkohol immer wichtiger, die Gedanken kreisen fast nur noch um das Thema Trinken und darum, sich Alkohol zu beschaffen und die eigenen Trinkgewohnheiten vor Freunden, Familie und Kollegen zu verheimlichen. Dazu kommt ein fortschreitender Kontrollverlust: Betroffene greifen zwanghaft zur Flasche, egal zu welcher Tageszeit. Andere Pflichten, Interessen und soziale Kontakte werden wegen des Alkoholkonsums vernachlässigt. Bei vermindertem Alkoholkonsum treten körperliche und psychische Entzugserscheinungen auf.

Schließlich beherrscht die Alkoholsucht weitgehend den Tagesablauf und das Verhalten der Betroffenen. Geistige Fähigkeiten wie Kritik- und Urteilsfähigkeit lassen oft nach. In vielen Fällen erfolgt spätestens dann ein rascher sozialer Abstieg.


Alkoholprobleme? Ein Gespräch mit dem Arzt kann weiterhelfen

Jupiter Images GmbH/Creatas

nach obenDiagnose

Es gibt eine ganze Reihe von Anzeichen, die auf eine Alkoholsucht hinweisen können. Dazu gehören unter anderem:

  • Ein starkes Verlangen oder eine Art Zwang, Alkohol zu trinken
  • Verminderte Fähigkeit zu kontrollieren, wann und wieviel konsumiert wird
  • Entzugserscheinungen, wenn der Konsum reduziert oder ausgesetzt wird
  • Trinken, um die Entzugssymptome zu mildern
  • Toleranzentwicklung, das heißt, um den gewünschten Effekt zu erreichen, müssen die Betroffenen immer größere Mengen Alkohol konsumieren
  • Eingeengte Verhaltensmuster: So wird zum Beispiel getrunken, ohne dabei die gesellschaftlich üblichen Regeln noch zu beachten
  • Zugunsten des Alkoholkonsums werden immer stärker andere Interessen vernachlässigt. Alkohol zu beschaffen und zu konsumieren erfordert einen erhöhten Zeitaufwand
  • Anhaltender Konsum wider besseren Wissens, also obwohl die schädlichen Folgen im körperlichen und psychischen Bereich bereits deutlich werden. Dazu gehören auch Probleme in Familie, am Arbeitsplatz und im sozialen Umfeld

Der Arzt stellt die Diagnose auf Grundlage eines ausführlichen Gesprächs und einer körperlichen Untersuchung. Dabei werden auffällige Verhaltensweisen, körperliche sowie psychische Symptome des Patienten berücksichtigt. Der Mediziner versucht, sich ein Bild über die Lebenssituation des Betroffenen und über die Entwicklung seines Alkoholkonsums zu machen. Veränderungen bestimmter Blutwerte können die Diagnose "Alkoholabhängigkeit" ebenfalls bestätigen oder dem Arzt einen Hinweis darauf geben, dass möglicherweise ein erhöhter Alkoholkonsum besteht.

Test: Sind Sie alkoholabhängig?

Es gibt auch Fragebögen, die dabei helfen können, abzuschätzen, ob eine Abhängigkeit vorliegt. Einer der bekannteren ist zum Beispiel der CAGE-Fragebogen:


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Haben Sie schon einmal daran gedacht, weniger zu trinken?

Kein Alkohol mehr - für Abhängige nur mit Unterstützung zu schaffen

W&B/Martina Ibelherr

nach obenTherapie

Schwerpunkt der Therapie von Alkoholabhängigen ist es, ihre dauerhafte Abstinenz oder zumindest eine Reduktion der Trinkmenge zu erreichen. Die medizinische Betreuung alkoholbedingter Beschwerden und Erkrankungen erfolgt meist durch niedergelassene Ärzte oder stationär im Krankenhaus.


Bei der Behandlung der Alkoholsucht selbst werden mehrere Phasen unterschieden. Die erforderlichen Therapiemaßnahmen erfolgen im allgemeinen entweder ambulant oder stationär. Je nach Symptomatik und dem Willen zur Mitarbeit werden Beratung und Therapie auch durch Selbsthilfeeinrichtungen oder Beratungsstellen geleistet. Im Idealfall ergänzen sich verschiedene Therapieeinrichtungen.

Gerade in Krisensituationen ist die Rückfallgefahr für die Betroffenen groß. Dann ist es besonders wichtig, dass sie von Angehörigen, Therapeuten und Selbsthilfegruppen Unterstützung erfahren. Insgesamt ist es sehr schwierig bis unmöglich, eine Prognose über den Erfolg der Therapie abzugeben, da der Verlauf im einzelnen immer sehr unterschiedlich und kaum vorhersehbar ist.


Stationäre oder ambulante Therapie? Beides ist möglich

W&B/Ingram

Die Therapiephasen

Grundsätzlich werden vier Therapiephasen unterschieden. In jeder Phase wird versucht, die Behandlung der individuellen Situation des Betroffenen anzupassen.

  • Kontaktphase: Die Betroffenen nehmen Kontakt zu Beratungsstellen oder einem Arzt auf. Sie – und möglichst auch ihre Angehörigen – werden ausführlich informiert. Wichtig ist es in dieser Phase, das Trinkverhalten des Abhängigen klar als Problem zu deklarieren und ihn zu motivieren, selbst an der Lösung mitzuarbeiten, also Verantwortung zu übernehmen.
  • Reduktionsphase: Die Behandlung mit dem Ziel der Trinkmengenreduktion ist für alkoholabhängige Patienten geeignet, die (noch) keine Bereitschaft zeigen, ganz auf Alkohol zu verzichten. Abhängig vom Verlauf der Behandlung können die Therapiekontakte genutzt werden, um den Patienten zu motivieren, die Veränderungsbereitschaft zu stärken und ihn gegebenenfalls für das Abstinenzziel zu gewinnen.
  • Entzugsphase: Falls die Trinkmengenreduktion nicht stabil erreicht werden kann, muss der Patient vom Alkohol entwöhnt werden. Steht der Suchtstoff dem Körper nicht mehr zur Verfügung, sind körperliche (zum Beispiel Verwirrtheit, Schwitzen, Blutdruckerhöhung, beschleunigter Herzschlag, leichte Übelkeit, Zittern) und psychische Entzugserscheinungen (zum Beispiel psychomotorische Unruhe, Reizbarkeit, Ängstlichkeit) die Folge.


Der Alkoholentzug findet meist im Krankenhaus statt, denn im Rahmen einer schweren Entzugssymptomatik, dem sogenannten Delir, drohen unter anderem Bewusstseinsstörungen bis hin zum Koma, Halluzinationen oder auch Störungen des Herz-Kreislauf-Systems, die ein sofortiges ärztliches Eingreifen nötig machen können.

•    Entwöhnungsphase: Ist der Körper von der Droge Alkohol entgiftet, müssen noch weitere wichtige Hürden genommen werden, um der Alkoholabhängigkeit zu entfliehen. Eine Entwöhnungsbehandlung erfolgt meist über einen Zeitraum von mehreren Wochen bis Monaten in einer Fachklinik, kann aber unter Umständen auch ambulant durchgeführt werden. Der Betroffene muss lernen, den Alltag auch ohne Alkohol wieder zu meistern. Zudem soll sein Wunsch, abstinent zu bleiben, gestärkt und er selbst psychisch soweit gefestigt werden, dass der Abschied vom Alkohohl gelingen kann.

•    Nachsorge- und Rehabilitationsphase: Der Übergang von der stationären Behandlung zurück in den Alltag birgt ein hohes Rückfallrisiko. Die Betroffenen werden wieder mit ihren alten Problemen und Ängsten konfrontiert, fühlen sich damit oft überfordert. Experten befürworten deshalb in dieser Phase eine engmaschige ambulante Nachbetreuung. Hierfür kommen Suchtambulanzen, Suchtberatungsstellen oder Fachärzte infrage. Als weiterer wichtiger Baustein gilt die regelmäßige Teilnahme an Selbsthilfegruppen.


Unterstützend können Medikamente eingesetzt werden. Sie sollen das Verlangen nach Alkohol mindern (zugelassen sind in Deutschland Acamprosat, Naltrexon Nalmefen). Solche Medikamente können Beratung und Therapie jedoch keinesfalls ersetzen, sondern diese lediglich ergänzen.

Stationäre oder ambulante Entwöhnungstherapie?
Stationäre Entwöhnungstherapien werden in speziellen Fachkliniken durchgeführt. Die Therapiemaßnahmen finden häufig in Gruppen statt. Diverse psycho- und sozialtherapeutische Verfahren kommen hier zur Anwendung. Dazu zählen unter anderem Entspannungstechniken, Partner- und Familien- oder Bewegungstherapie.

Teilnehmer an ambulanten Maßnahmen müssen bereit und fähig sein, ihren Therapieplan einzuhalten. Ein intaktes und unterstützendes soziales Umfeld ist dabei von großem Vorteil. Leiden Betroffene bereits an schweren körperlichen oder psychischen Bergleiterkrankungen, sind ambulante Therapien nicht angezeigt.


Gemeinsam stark: Selbshilfegruppen

W&B/Martin Ley

Einen Rückfall vermeiden

Es gibt bestimmte Lebenssituationen, die alkoholgefährdete Menschen vor besondere Herausforderungen stellen. Dazu zählen:

•    Situationen in denen Alkohol leicht verfügbar ist, also zum Beispiel in Gaststätten oder auf Feiern

•    Situationen, in denen die Gefahr besteht, dass in alte Gewohnheiten zurückgefallen wird: Also etwa die Lust auf das gewohnte Bier am Feierabend

•    Wenn es Stress mit dem Partner gibt

•    Wenn andere Situationen psychischen Druck auslösen, wie etwa Ärger am Arbeitsplatz oder enttäuschte Hoffnungen.

•    Zu große Selbstsicherheit: Betroffene glauben oft, ein kleines Gläschen zwischendurch könne nicht schaden, gefährde nicht die mühsam erkämpfte Abstinenz. Das ist in vielen Fällen ein Trugschluss und der Beginn des neuerlichen, unkontrollierten Alkoholkonsums.

Angehörige oder Freunde von Alkoholsüchtigen sollten darauf achten, kein Verhalten zu entwickeln, das die Abhängigkeit des Betroffenen eher fördert als überwinden hilft. Dazu gehört der Versuch, dem Alkoholiker alle Probleme abzunehmen, ihn aus der Verantwortung für seine Situation zu entlassen, sein Verhalten zu entschuldigen oder gar zu decken. Die Medizin spricht in solchen Fällen von Co-Abhängigkeit.

Prognose

Eine klare Prognose für den Erfolg oder Misserfolg einer Entwöhnungstherapie ist nur sehr eingeschränkt möglich, denn zu mannigfaltig sind die individuellen Voraussetzungen jedes Betroffenen. Vor allem spielt eine Rolle, wie stark sein Köper und seine Psyche bereits durch den Alkoholmissbrauch vorgeschädigt sind. Klar ist: Ohne ausreichende eigene Motivation sind die Bemühungen auf Dauer zum Scheitern verurteilt.

Die Abstinenzrate nach stationären Behandlungen ist besser, als allgemein oft angenommen wird, unterliegt aber auch Schwankungen. Eine Übersicht verschiedener Studien zeigt einerseits, dass nach 12 bis 18 Monaten etwa jeder zweite Patient noch abstinent war. Andererseits gibt es Untersuchungen (unter Berücksichtigung auch internationaler Ergebnisse), wonach im längerfristigen Bereich nur noch ein Drittel bis ein Viertel der Betroffenen weiter dem Alkohol entsagte.


Gesellschaftlich akzeptiert, aber keineswegs harmlos: Alkoholkonsum

Photo Disc/RYF

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Vorbeugen

Mediziner raten: Wer wegen seines eigenen Alkoholkonsums ins Grübeln gerät, ihn als zu hoch empfindet oder merkt, dass er immer schwerer auf Alkohol verzichten kann, der sollte eine Beratungsstelle oder einen Arzt aufsuchen. Denn in dieser Phase sind Hilfe und Therapie noch ein Kinderspiel gegenüber dem, was folgen könnte, wenn dem exzessiven Alkoholgenuss kein Einhalt geboten wird. Ein deutliches Warnzeichen ist es auch, wenn Angehörige, Freunde oder Kollegen einen auf den Alkoholkonsum ansprechen.


Prof. Dr. med. Falk Kiefer

Unser Experte: Professor Dr. med. Falk Kiefer

W&B/Privat

nach obenBeratender Experte

Professor Kiefer ist seit 2005 Universitäts-Professor für Suchtforschung der Ruprecht-Karls-Universität Heidelberg und seit 2015 Ärztlicher Direktor der Klinik für Abhängiges Verhalten und Suchtmedizin am Zentralinstitut für Seelische Gesundheit, Mannheim. Professor Kiefer studierte Medizin an der Friedrich-Alexander-Universität Erlangen-Nürnberg und absolvierte seine psychiatrisch-psychotherapeutische Facharztweiterbildung in der Klinik für Psychiatrie und Psychotherapie des Universitätsklinikums Hamburg-Eppendorf. Ernennung zum Oberarzt 2003, Habilitation für das Fach Psychiatrie 2004. Sein Tätigkeitsschwerpunkt liegt in der Forschung zu den Grundlagen von Suchterkrankungen sowie in Therapie und Therapieforschung.


Wichtiger Hinweis:
Dieser Artikel enthält nur allgemeine Hinweise und darf nicht zur Selbstdiagnose oder –behandlung verwendet werden. Er kann einen Arztbesuch nicht ersetzen. Die Beantwortung individueller Fragen durch unsere Experten ist leider nicht möglich.

Quellen:

Deutsche Gesellschaft für Suchtforschung und Suchttherapie e.V.: Alkoholbezogene Störungen: Screening, Diagnose und Behandlung; Stand 22.04.2015, Online: http://www.awmf.org/uploads/tx_szleitlinien/076-001l_S3-Leitlinie_Alkohol_2015-04.pdf (Abgerufen am 09.11.2015)




Bildnachweis: W&B/Martin Ley, PhotoDisc/ RYF, W&B/Winfried Fischer, W&B/Privat, Photo Disc/RYF, W&B/Ulrike Möhle, W&B/Ingram, Jupiter Images GmbH/Creatas, W&B/Martina Ibelherr

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