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Zungenbrennen

Die Ursachen bei Zungenbrennen reichen von unbekannt über harmlos bis psychisch. Dazwischen liegt ein weites Feld möglicher Auslöser, Begleitumstände und Krankheiten


Auch bei Zungenbrennen ist regelmäßige Mundhygiene wichtig. Zunge nicht vergessen und milde Mittel nehmen

Was ist Zungenbrennen?

Zungenbrennen, auch burning mouth syndrome, Glossodynie oder chronisches orales Schmerzsyndrom genannt, ist eine unangenehme Empfindung – ein dumpfer, quälender Schmerz – auf der Zunge und im Mund. Häufig wird sie an den Randbereichen der Zunge und der Spitze, seltener am Zungengrund verspürt. Das Brennen kann sich aber auch auf die Schleimhaut der Wangen, des Gaumens und der Lippen beziehen. Nicht immer zeigen die betroffenen Bereiche sichtbare Veränderungen. Manchmal treten neben Zungenbrennen weitere Empfindungsstörungen auf wie Pelzigkeitsgefühl, veränderte Geschmackswahrnehmungen und Mundtrockenheit. Es kann aber auch zu Problemen wie vermehrter Speichelfluss oder Mundgeruch kommen.

Viele Betroffene leiden ständig unter den Beschwerden, andere eher phasenweise. Oft besteht eine gewisse Tagesrhythmik mit deutlich stärkerer Ausprägung am Abend.

Das Symptom betrifft als unklares Krankheitsbild etwa zwei bis drei Prozent der Erwachsenen, Frauen siebenmal mehr als Männer, häufig im fünften bis siebten Lebensjahrzehnt. Trotz sorgfältiger Diagnostik gelingt es meist nicht, die Ursache herauszufinden. Neurologen haben bei Forschungen teilweise Veränderungen feinster sensibler Nervenfasern festgestellt. Als belastend erlebte körperliche Veränderungen oder Einschnitte, etwa der Beginn der Wechseljahre, fallen manchmal mit dem Auftreten der Beschwerden zusammen. Häufig ist aber kein konketer Hintergrund erkennbar. Mitunter klingen die „Missempfindungen“ nach zwei bis drei Jahren wieder ab.


Mögliche Ursachen

Die Mundhöhle ist ein Ort und Spiegelbild vieler Krankheiten. Etliche kommen auch als Begleitumstände oder Ursachen von Zungenbrennen in Betracht. Mitunter sind zur selben Zeit mehrere Störungen vorhanden.

Nahe liegende Faktoren sind Mund- und Zahnprobleme. Dazu gehören Karies, Reizzustände bei schlecht sitzenden Prothesen, Zahnfleisch- und Mundschleimhautentzündungen oder -geschwüre, Unverträglichkeiten von Zahnersatzmaterial oder Mundpflegemitteln.

Kontaktallergien, Allergien auf oder Unverträglichkeiten von Nahrungsmitteln, Pilzbefall (Soor), der Lichen ruber mucosae, blasenbildende Erkrankungen der Haut beziehungsweise Schleimhäute, eine Leukoplakie, sodann eine sogenannte Landkartenzunge, eventuell kombiniert mit einer sogenannten Faltenzunge – das ist eine beispielhafte Auswahl von Hautkrankheiten, die den Mund (mit-)betreffen und zu Zungenbrennen führen können.
Eine Landkartenzunge (Lingua geografica) fällt durch unterschiedlich große, rote, teils brennende Abschilferungen mit weißem Rand auf, die kommen und gehen. Die Faltenzunge (lingua plicata) zeigt sich meist mit einer zentralen Längsfurche im oberen und mittleren Teil der Zunge. Von der Vertiefung können weitere Einkerbungen in seitlicher Richtung ausgehen. Die Ausprägungen sind individuell sehr verschieden. Offenbar haben beide Veränderungen eine gemeinsame genetische Ursache. Sie sind prinzipiell harmlos, können aber optisch und wegen des oft vorhandenen Zungenbrennens sehr störend sein.

Gelegentlich entpuppt sich eine krankhaft veränderte Stelle der Mundschleimhaut als Krebs oder eine Vorstufe davon.

Auch einige innere Erkrankungen gehören zu den möglichen Ursachen von brennenden Schmerzen im Mund. Infrage kommen hormonelle Störungen, etwa der Schilddrüse, und Erkrankungen des Stoffwechsels wie Diabetes (Diabetes mellitus Typ 1, Diabetes mellitus Typ 2). Keineswegs selten liegt eine Verdauungskrankheit vor, beispielsweise die Refluxkrankheit oder eine Darmerkrankung. Mitunter lassen sich schmerzhafte oder brennende Veränderungen im Mund auf eine Autoimmunerkrankung wie Lupus erythematodes, Sjögren-Syndrom, Sklerodermie oder eine andere systemische Krankheit wie Amyloidose zurückführen.

Nicht selten ist eine Zungenentzündung mit Zungenbrennen Zeichen eines Vitaminmangels. Ein Beispiel dafür ist die Möller-Hunter-Glossitis bei Blutarmut infolge eines Vitamin B12-Defizits. Auch Vitamin B2- und Vitamin B3-Mangel,  Folsäure- oder Eisenmangel kann mit Zungenbrennen einhergehen. Eisenmangel wiederum kommt unter anderem bei einer Zöliakie (glutensensitive Enteropathie) vor.

Schließlich finden sich auch neurologische Erkrankungen auf der Ursachenliste. Dazu gehören die Multiple Sklerose und Neuropathien. Letztere beziehen sich auf Schädigungen von Hirnnerven, die Mund und Zunge sensibel versorgen. Beispiele dafür sind die Trigeminusneuralgie und die Glossopharyngeusneuralgie. Anders als bei Zungenbrennen sind hier unter Umständen attackenartige Zungenschmerzen nur auf einer Seite möglich. Mehr dazu im Beitrag „Gesichtsschmerzen“.

Selten kommt ein sogenanntes Nacken-Zunge-Syndrom vor. Plötzliches Kopfdrehen löst hier anfallsartig Schmerzen im Bereich des Hinterkopfes und Nackens aus. Dazu kommt ein Gefühl, als ob eine Zungenhälfte eingeschlafen ist. Zugrunde liegen vermutlich Veränderungen am Kopfgelenk, die eine hier verlaufende Nervenwurzel reizen.

Gelegentlich liegt eine Depression oder eine komplexe Störung wie die Fibromyalgie vor.

Diagnose

Zungenbrennen begegnet unterschiedlichsten Fachärzten, denen sich Betroffene wegen des hohen Leidensdrucks und der oft frustrierend schwierigen Behandlung anvertrauen. Dem Hausarzt oder Arzt des Vertrauens, der den Patienten, seine Lebensgeschichte und Gesundheitsprobleme gut kennt, fällt hier eine wichtige Rolle zu. Er berät ihn, stellt oft die Diagnose oder auch eine Verdachtsdiagnose und koordiniert dann das weitere Vorgehen.

Hat er etwa Hinweise für eine bestimmte Erkrankung wie Eisenmangel, ein Vitamindefizit, eine Autoimmunerkrankung, eine neurologische oder psychische Störung, so wird er entsprechende Untersuchungen veranlassen oder den Patienten direkt an einen entsprechenden Facharzt überweisen.

Wenn Zungenbrennen zusammen mit Schleimhautveränderungen im Mund auftritt, ist je nach Befund – etwa bei Problemen mit dem Zahnersatz oder einer Zahnspange – ein Zahnarzt oder ein Kieferorthopäde gefragt.

Geht es um eine Hautkrankheit, hat der Hautarzt neben der Blickdiagnose zum Beispiel die Möglichkeit, einen Abstrich unter dem Mikroskop zu untersuchen, eine Pilzkultur anlegen zu lassen oder eine kleine Gewebeprobe zu entnehmen. Diese analysiert ein Pathologe dann genauer im Hinblick auf feingewebliche Veränderungen.

Gelegentlich kann auch ein Hals-Nasen-Ohrenarzt gefragt sein. Ist keine organische Ursache erkennbar, wäre zu prüfen, ob ein Facharzt für Psychotherapie (etwa ein Psychiater oder Arzt für Psychosomatik mit psychotherpeutischer Ausbildung) oder ein psychologischer Psychotherapeut als Ansprechpartner in Betracht kommt.

Therapie

Wurde eine Krankheit der Haut oder Mundschleimhaut, eine andere Grunderkrankung oder ein Problem im Zahnbereich als Ursache der beschwerden im Mund festgestellt, so wird der Arzt diese natürlich so gezielt wie möglich behandeln. Dann sollte auch das Zungenbrennen langsam wieder abklingen oder sich zumindest etwas bessern. Bei einem psychischen Hintergrund kann eventuell eine psychologische Therapie, etwa ein Entspannungsverfahren, helfen. Dies ist aber nur ein Beispiel; im Bereich der Psychologie wie auch Psychotherapie gibt es verschiedene Behandlungswege. Informieren Sie sich im Vorfeld über Ihren Hausarzt, Ihre Krankenkasse und die entsprechenden Berufsverbände.

Praktische Tipps

Grundsätzlich wichtig ist eine gute Mundpflege. Wählen Sie jedoch milde Mittel und lassen Sie sich dazu auch von Ihrem Arzt oder Apotheker beraten. Örtlich angewendete Mundschleimhauttherapeutika, beispielsweise entzündungshemmende oder die Schleimhaut betäubende Lösungen (sie sollten allerdings frei von alkoholischen Komponenten sein), können teilweise lindernd wirken. Auch Extrakte aus Heilpflanzen, die reizlindernde Schleimstoffe enthalten, sind oft hilfreich. Infrage kommen etwa Tees aus Malvenblättern, Lindenblüten oder Eibischwurzeln. Gerade bei Mundtrockenheit werden ausreichende Trinkmengen empfohlen, wobei auch Tees der genannten Art vorteilhaft sind. Manchmal hilft Lutschen von Eiswürfeln. Der Arzt wird prüfen, ob der Einsatz von künstlichem Speichel angebracht ist.

Eine Optimierung des Lebensstils zielt auf eine gesunde Ernährung mit frischem Obst, soweit für die Mundschleimhaut verträglich, und viel Gemüse. Stark gewürzte Speisen oder saure Lebensmittel, beispielsweise Zitrusfrüchte und Ananas, ebenso Nüsse, sollten Sie wegen der möglichen Reizwirkung lieber weglassen. Probieren Sie am besten aus, was Ihnen gut bekommt. Auch Essig, Alkohol und Nikotin gilt es zu meiden.

In Verbindung mit einer individuell gut verträglichen Ernährung kommt auch regelmäßige körperliche Bewegung dem Befinden zugute. Der Schlaf verbessert sich, und alles in allem können auch die unangenehmen Empfindungen nachlassen.


Fachliteratur:

D. Helbig et al.: Zungenbrennen, hautnah dermatologie 5, 2006
Th. Jansen et al.: Landkartenzunge, hautnah dermatologie 2, 2006
NIH/National Institute of Dental and Craniofacial Health: Burning mouth syndrome
M. Mumenthaler, H. Mattle: Neurologie, 12., vollst. neu bearb. Aufl. 2008
Gerd Herold: Innere Medizin 2012


Wichtig:

Dieser Artikel enthält nur allgemeine Informationen und darf nicht zur Selbstdiagnose oder -behandlung verwendet werden. Er kann einen Arztbesuch nicht ersetzen. Die Beantwortung individueller Fragen durch unsere Experten ist leider nicht möglich.




Bildnachweis: Jupiter Images GmbH/Creatas

Dr. med. Claudia Osthoff/www.apotheken-umschau.de; aktualisiert am 04.02.2013, erstellt am 22.01.2009
Bildnachweis: Jupiter Images GmbH/Creatas

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