Zittern (Muskelzittern, Tremor)

Zittern kann viele Ursachen haben: Parkinson-Krankheit, Alkoholmissbrauch und Schilddrüsenstörungen sind nur drei von vielen. Mehr über Auslöser und Formen

aktualisiert am 22.07.2014

Zittern: Bewegung wider Willen

Photodisc/RYF

Symbolisch für Zittern: die unruhige Hand

Eigentlich ist Zittern (medizinisch: Tremor) eine normale Aktion des Körpers. Unsere Muskeln zittern stets ein kleines bisschen, ohne dass wir das bemerken. Dieses physiologische Zittern kann sich verstärken und sichtbar werden, beispielsweise bei Kälte. Sichtbares Zittern ist gekennzeichnet durch unwillkürliche, in der Regel rhythmische Bewegungen verschiedener Körperteile: Hände oder Arme, Kopf, die Stimme, Beine oder der Rumpf. Oft spannen sich dabei die Muskelgruppen, die für gegensätzliche Aktionen zuständig sind, abwechselnd an. Frieren wir, so sollen diese Maßnahmen dem Körper „einheizen“. Auch vor Angst, Aufregung oder Erschöpfung können bildlich gesprochen und im Wortsinn „die Knie zittern“. Koffein oder Nikotin im Übermaß lösen die Reaktion zuweilen ebenfalls aus.

Die unbeabsichtigte Muskelbewegung kann aber auch krankheitsbedingt sein. Weil viele Ursachen in Betracht kommen, ist die Suche nach dem genauen Auslöser nicht so leicht. Eine gründliche ärztliche Untersuchung beim Hausarzt und / oder beim Neurologen hilft, die exakte Diagnose einzukreisen. In der Regel prüft der Mediziner insbesondere die Funktion von Gehirn, Nerven und Muskeln. Laborwerte, bildgebende Verfahren, etwa eine Magnetresonanztomografie, und weitere Untersuchungen liefern Hinweise auf zugrunde liegende Krankheiten. Auch bestimmte Medikamente kommen als Auslöser infrage. Viele Tremorarten können behandelt werden.


Ärzte unterscheiden verschiedene Arten von Tremor. Dabei helfen ihnen bestimmte Unterscheidungsmerkmale, zum Beispiel die Frage, wie lange das Zittern schon besteht und ob der Betroffene eventuell weitere Bewegungsstörungen hat. Das könnte beispielsweise ein verändertes Gangbild oder eine auffallende Muskelsteifigkeit sein. Auch über psychische Veränderungen sollte der Arzt informiert werden.

Antworten auf die folgenden Fragen sind bei der Eingrenzung eines Tremors besonders wichtig:

  • Wann tritt das Zittern auf?
  • Wie schnell ist die Zitterbewegung?
  • Wie ausladend ist die Zitterbewegung?

Wann tritt das Zittern auf?

- Es gibt den Ruhetremor. Wie der Name andeutet, setzt er dann ein, wenn die betroffene Körperregion gerade nicht bewegt wird und nicht gegen die Schwerkraft gehalten werden muss.
Beispiel: Die Hand beginnt immer dann zu zittern, wenn sie ganz entspannt im Schoß liegt. Sobald die Hand jedoch angehoben wird, etwa um nach einer Kaffeetasse zu greifen, nimmt das Zittern ab oder hört ganz auf. Es beeinträchtigt den Betroffenen daher im Alltag eher wenig. Trotzdem kann das Ruhezittern natürlich als belastend empfunden werden.

- Ein Aktionstremor beginnt, wie die Bezeichnung vermuten lässt, bei einer Muskelaktion. Dabei gibt es wiederum Varianten:

- - Der Bewegungstremor setzt ganz allgemein bei willentlich gesteuerten Bewegungen ein, zum Beispiel dem Anheben des Arms in Richtung Kaffeetasse.

- - Der Intentionstremor macht sich immer dann bemerkbar, wenn ein ganz bestimmtes Ziel angesteuert wird.
Beispiel: Das Zittern beginnt, wenn die Hand den Griff der Kaffeetasse anpeilt und verstärkt sich, je näher die Finger dem Ziel kommen. Ein aufschlussreicher medizinischer Test ist der Finger-Nase-Versuch: Der Patient soll dabei in einer relativ schwungvollen, großen Bewegung mit dem Zeigefinger die eigene Nasenspitze berühren. Der Intentionstremor tritt dann auf, wenn sich der Finger auf die Nasenspitze zu bewegt, und wird stärker, je näher er dem Ziel kommt. Das Zittern macht es also schwierig oder unmöglich, die Aufgabe zu erfüllen.


- - Der Haltetremor beschreibt ein Zittern beim Halten gegen die Schwerkraft.
Beispiel: Wird die Kaffeetasse mit ausgestrecktem Arm eine Weile hochgehalten, beginnt der Arm zu zittern.

Wie schnell ist die Zitterbewegung?

Ärzte teilen Zittern nach der Frequenz ein: Es gibt den niederfrequenten Tremor, also ein relativ langsames Zittern mit einer Frequenz von 2 bis 4 Hertz (Hertz = Schwingungen pro Sekunde). Daneben existiert der mittelfrequente Tremor mit einer Frequenz von 4 bis 7, und der hochfrequente Tremor, also ein schnelles Zittern, mit einer Frequenz von über 7 Hertz.

Wie ausladend ist die Zitterbewegung?

Unterschieden werden zudem das grobschlägige (also sehr ausladende) Zittern, das mittel- und das feinschlägige (also minimal ausladende) Zittern.

Verwirrende Vielfalt und wie sich Zittern trotzdem näher einordnen lässt

- Ein Ruhetremor ist zum Beispiel charakteristisches (aber kein beweisendes!) Zeichen der Parkinson-Krankheit beziehungsweise des Parkinson-Syndroms. Die Frequenz beträgt meist 4 bis 6  oder 7 Hertz, es ist also ein mittelfrequentes Zittern. Sind die Hände betroffen – oft ist es nur eine von beiden – sieht es im typischen Fall ein bisschen so aus, als würde der Patient unsichtbare Geldstücke zählen. Deshalb heißt dieses Zittern auch Münzenzähler-Tremor.

Parkinson kann aber auch andere Formen von Zittern auslösen. Und nicht jeder Ruhetremor entsteht durch eine Parkinson-Krankheit. Beispielsweise können auch manche Medikamente diese Tremorart auslösen.

Die Therapie richtet sich vorrangig nach der Ursache (zu Parkinson siehe weiter unten: „Überblick: Die drei häufigsten Tremorformen“).

- Ein Intentionstremor, also Zittern bei einer gezielten Bewegung, hat seine Ursache oft im Kleinhirn, medizinisch Cerebellum. Diese Art der Störung heißt deshalb auch „zerebellärer Tremor“. Eine häufige Ursache ist die Krankheit multiple Sklerose. Ein Intentionstremor kann aber auch andere Auslöser haben. So kann er bei anhaltendem Alkoholholmissbrauch auftreten oder seinerseits durch einige Medikamente entstehen, zum Beispiel Lithium.
Therapie: Auch hier gehen Ärzte nach Möglichkeit die zugrunde liegende Störung an. Inwieweit ein als Auslöser verdächtigtes Medikament umgestellt werden kann, entscheidet der Arzt bei jedem Patienten individuell. Setzen Sie jedoch ohne Rücksprache mit dem Arzt ein verordnetes Medikament nicht in Eigenregie ab. Arzneien, die Neurologen häufiger gegen Zittern einsetzen, zum Beispiel bestimmte krampflösende Mittel oder Betablocker, zeigen bei dieser Art von Tremor vereinzelt Effekte. Unter sehr strenger Indikationsstellung kann im Einzelfall auch eine sogenannte tiefe Hirnstimulation ("Hirnschrittmacher", siehe „essenzieller Tremor“) erwogen werden. Ob dieser Eingriff wirklich eine Option ist, darüber wird Sie Ihr Arzt und / oder ein Neurologe beziehungsweise Neurochirurg eingehend beraten.

- Bei einem Zittern, das hauptsächlich als Haltetremor in Erscheinung tritt, kann es sich um eine verstärkte und deshalb sichtbare Form des „normalen“, physiologischen Zitterns handeln – insbesondere dann, wenn es eine mittlere bis höhere Frequenz hat. Als Auslöser kommen zum Beispiel Muskelerschöpfung oder Angst infrage, sodann unterschiedliche Medikamente. Auch Vergiftungen, Alkohol-, Drogen- oder Medikamentenentzug können ein „normales“ Zittern verstärken. Ein eher grobschlägiges Zittern kommt zum Beispiel bei schweren Leber- oder Nierenkrankheiten vor (mehr dazu wiederum im Abschnitt: „Überblick: Die drei häufigsten Tremorformen“ weiter unten).

- Seltener steckt hinter einem grobschlägigen Halte- und Intentionstremor die Kupferspeicherkrankheit Morbus Wilson. Bei dieser Erbkrankheit scheidet der Körper zu wenig Kupfer aus. Die Folge sind schädliche Kupferablagerungen vor allem in Leber, Augen und Gehirn.
Symptome: Der Verdacht besteht vor allem dann, wenn außer dem Zittern noch andere neurologische Symptome auftauchen – insbesondere bei jüngeren Patienten, und wenn es schon Krankheitsfälle in der Verwandtschaft gibt.
Diagnose: Wegweisend sind Blut- und Urintests, außerdem eine Augenuntersuchung. Dabei fällt oft ein gelb-grüner Ring um die Hornhaut auf.
Frühe Diagnose und eine „entkupfernde“ Therapie sind wichtig, um (weitere) Organschäden zu verhindern. Dafür eignen sich zum Beispiel sogenannte Chelatoren, kupferbindende Medikamente.

- Essenzieller Tremor heißt eine sehr verbreitete Form des Zitterns, die überwiegend als Haltetremor in Erscheinung tritt, sehr selten als Ruhetremor, bei einem Teil der Betroffenen als Intentionstremor. Mehr dazu ebenfalls im Abschnitt: „Die drei häufigsten Tremorformen“.

Ungeklärt sind auch die genauen Ursachen beim eher seltenen orthostatischen Tremor.
Symptome: Er macht sich als hochfrequentes, nicht immer sichtbares Zittern der Beinmuskeln bemerkbar. Er kann aber tastbar sein oder durch eine elektrophysiologische Untersuchung registriert werden. Die Patienten fühlen eine Unsicherheit beim Stehen, stürzen manchmal sogar, wenn sie sich hinstellen. Selten haben sie auch beim Gehen Probleme, nicht jedoch, wenn sie liegen oder sitzen.
Therapeutisch setzen Neurologen unter anderem den Arzneistoff Gabapentin ein.

- Der Aufgaben-spezifische Tremor ist auf ganz bestimmte, meistens sehr spezialisierte Tätigkeiten beschränkt, beispielsweise das Schreiben mit einem Stift oder das Spielen eines Instruments, oder er tritt als Stimmtremor auf, beeinträchtigt also das Sprechen.
Therapie: Zur Behandlung eines Schreibtremors sind bestimmte Übungsmethoden entwickelt worden. Auch sollen spezielle Geräte die Handschrift verbessern können. Beim Stimmtremor versuchen Neurologen, mittels eines Betablockers oder Botulinum-Toxin das Sprechen zu verbessern.

- Der positionsspezifische Tremor setzt bei ganz bestimmten Haltungen ein. Für die Therapie spielt die genaue Einordnung des Krankheitsbildes eine Rolle. Auch lassen Neurologen sich meist von ihren Erfahrungen mit bestimmten Behandlungen leiten.

- Der dystone Tremor zeigt sich typischerweise im Zusammenhang mit einer Dystonie. Dazu zählen verschiedene Bewegungsstörungen, die sich meistens in Form von Verkrampfungen oder Fehlhaltungen bemerkbar machen. Ein Beispiel ist der spastische Schiefhals als Nervenstörung. Wiederkehrend schmerzhafte Krämpfe der Halsmuskeln führen hier zu unwillkürlichen Kopfhaltungen nach vorn, hinten oder zur Seite.
Diagnose: Frequenz und Amplitude dieses Tremors sind oft unregelmäßig, was eigentlich nicht ganz zur Definition des Tremors passt. Manchmal ist es für den Neurologen im ersten Schritt nicht möglich, den dystonen Tremor von einem Parkinson-Tremor (siehe unten) abzugrenzen. Bei Bedarf kann dann zum Beispiel ein spezielles bildgebendes Verfahren aus der Nuklearmedizin namens Hirnfunktions-SPECT (Einzelphotonen- Emissionscomputertomografie, FP-CIT-SPECT) weiterhelfen.
Therapie: Gegen dystonen Tremor bestimmter Körperabschnitte, zum Beispiel Kopf oder Stimme, kann häufiger Botulinumtoxin wirken.

- Der sogenannte Holmes-Tremor, meist ein langsamer, wenig rhythmischer Ruhe-, Halte- und Intentionstremor, hat seine Ursache in einer Schädigung oder Degeneration des zentralen Nervensystems. So kann manchmal ein Schlaganfall auslösend sein.
Therapie: Mit verschiedenen Medikamenten, zum Beispiel Anticholinergika (hemmen die Erregungsübertragung an Nervenendigungen), Dopaminergika (werden auch bei der Parkinson-Krankheit eingesetzt) oder einem Arzneistoff wie Clozapin wird versucht, eine Besserung zu erzielen.

- Schließlich können Nervenschädigungen, sogenannte Neuropathien, mit Zittern einhergehen (neuropathischer Tremor). Diese eher seltene Tremorform ist meist grobschlägig und von mittlerer bis hoher Frequenz. Manchmal liegen zum Beispiel entzündliche Autoimmunerkrankungen, die auf Nerven übergreifen, zugrunde. Mitunter sind spezielle Erbkrankheiten für einen neuropathischen Tremor verantwortlich.
Therapie: Grunderkrankungen behandelt der Arzt so gezielt wie möglich, worauf auch der Tremor dann meist anspricht. Andernfalls setzen Neurologen eventuell einen Betablocker oder bestimmte Antiepileptika ein.

- Nicht zuletzt kann Zittern auch psychisch bedingt sein (psychogener Tremor). Darauf deutet zum Beispiel eine sehr ungewöhnliche und „unphysiologische“ Kombination verschiedener Tremorarten hin. Beginnt und endet das Zittern sehr abrupt, ändert sich die Art oder die Stärke des Zitterns bei Ablenkung, kann das ebenfalls ein Indiz für einen seelischen Auslöser sein. Aus der Prüfung der Muskelspannung ergeben sich weitere Hinweise.

Überblick: Die drei häufigsten Tremorformen

Nach der Häufigkeit gehören der verstärkte „normale“, physiologische Tremor, der essenzielle Tremor und der Parkinson-Tremor zu den wichtigsten Arten von Zittern. Daher zu diesen drei Formen noch weitere Informationen.

Verstärkter „normaler“, physiologischer Tremor

Ursachen: Auslöser wie starker Stress, muskuläre Erschöpfung, Emotionen, etwa ausgeprägte Angst, starke Aufregung oder aber Kälte sind in der Regel leicht nachvollziehbar. Infrage kommen außerdem Medikamente, innere Krankheiten und Vergiftungen. Allerdings gehört zur Diagnose immer auch, dass der Arzt eine neurologische Erkrankung ausschließen wird. Je nach Ursache und entsprechender Therapie kann dieser Tremor sich auch wieder zurückbilden.
- - Auslösende Medikamente: zum Beispiel bestimmte (vor allem sogenannte trizyklische) Antidepressiva, Lithium, Valproinsäure, manche Asthmamedikamente, Antiarrhythmika, Psychopharmaka wie Neuroleptika, Tamoxifen (ein sogenanntes Antiöstrogen, das in der Behandlung von Brustkrebs zum Einsatz kommt), einige Zytostatika (Krebsmittel) und Immunsuppressiva.
- - Innere Erkrankungen als mögliche Ursachen: Überfunktion der Schilddrüse, Überfunktion der Nebenschilddrüsen, Unterzuckerung, zu niedriger Kalziumspiegel im Blut, Vitamin-B12-Mangel, Nierenschwäche (Niereninsuffizienz).
- - Auch Vergiftungen spielen eine Rolle: Alkoholvergiftung und -entzug, Drogenentzug, verschiedene Gifte.
Symptome: Ein eher höherfrequentes Zittern über 6 Hertz, das sich besonders in Haltepositionen offenbart (Erläuterung siehe oben).
Diagnose: Eine eingehende neurologische Untersuchung ist in den meisten Fällen unverzichtbar. Je nach Verdachtsdiagnose stimmt sich der Neurologe frühzeitig mit dem Internisten ab. Bei der neurologischen Diagnostik können ein Elektromyogramm (Messung von elektrischen Potenzialen in Muskeln) und eine Lumbalpunktion zielführend sein. Je nach Fragestellung sind manchmal auch noch unterschiedlich ausgedehnte Labor-Untersuchungen und bildgebende Verfahren notwendig.
Therapie: Sie hängt jeweils von der Ursache und deren Behandelbarkeit ab. Hat sich ein Medikament als auslösend erwiesen, wird der Arzt prüfen, inwieweit hier eine Änderung möglich ist. Andernfalls wird der Neurologe abwägen, ob bei überwiegendem Haltetremor zum Beispiel ein Betablocker infrage kommt.

Essenzieller Tremor

Ursachen: Störungen in bestimmten Hirnbereichen, unter anderem im Kleinhirn,  stecken wohl hinter dem Leiden. Geklärt sind die Ursachen aber noch nicht. Nicht selten gibt es hier eine familiäre Veranlagung, weshalb der Tremor auch familiäres Zittern genannt wird. Es kann schon in der Jugend, aber auch erst in höherem Alter einsetzen – und wird deshalb manchmal  als „seniler Tremor“ bezeichnet, obwohl es sich eigentlich nicht um eine „Alterserscheinung“ handelt. Am häufigsten beginnt er im Alter um die Vierzig. Forscher suchen gegenwärtig nach mitverantwortlichen Genen, denn Zwillingsstudien ließen auf genetische Einflüsse schließen. Eigentlich gilt der essentielle Tremor als „harmlos“. Er kann sich aber verstärken, und das Zittern kann zunehmend als störend oder behindernd empfunden werden.
Symptome: Überwiegend besteht ein Haltetremor. Bei etwa der Hälfte der Betroffenen zeigt sich auch ein Aktionstremor, der sehr hinderlich sein kann. Seltener kommt ein Ruhetremor vor. Am häufigsten sind beide Hände betroffen, außerdem in absteigender Häufigkeit der Kopf, die Stimme, beide Beine und der Rumpf. Das Symptom bessert sich bei vielen Betroffenen, wenn sie Alkohol trinken. Dieser Effekt kann äußerst verhängnisvoll sein – wenn er zu einer schädlichen Art von „Selbsttherapie“ verleitet oder die Umgebung zu dem falschen Schluss kommt, ein Alkoholproblem könne der Auslöser sein. Der Tremor besteht meist schon seit längerer Zeit. Oft gehen die Betroffenen erst spät zum Arzt, wenn sie sich stärker durch das Zittern gestört fühlen. Manchmal weisen sie auch eine leichte Gangstörung auf.
Diagnose: Schon die Symptome verweisen oft auf die Diagnose. Der Neurologe schließt andere Tremorformen klinisch sowie durch elektrophysiologische Untersuchungen und innere Erkrankungen unter anderem mithilfe von Bluttests aus. Dazu kommen bei besonderen Fragestellungen spezielle Laboranalysen und bildgebende Verfahren (siehe zum Beispiel oben: Hirnfunktions-SPECT).
Therapie: Hier stehen gut belegte Therapiemöglichkeiten zur Verfügung, zum Beispiel beim Handtremor mit einem Antiepileptikum wie Primidon oder mit einem Betablocker oder mit beidem. In zweiter Linie kommen Medikamente wie Gabapentin oder Topiramat zum Einsatz. Mittel wie Clonazepam oder Clozapin stehen als Reserve zur Verfügung. Bei sehr schwerer Ausprägung eines essenziellen Tremors, der sich durch Medikamente nicht bessern lässt, ist eventuell die sogenannte tiefe Hirnstimulationeine Möglichkeit. Dabei setzen Neurochirurgen in einem aufwändigen Operationsverfahren Elektroden von außen tief in einen bestimmten Hirnbereich (Zwischenhirn) ein. Das andere Ende der Elektroden wird unter der Haut mit einem Schrittmacher verbunden. Mit schwachen elektrischen Impulsen lassen sich über den Schrittmacher Nervenzellen im Gehirn reizen und so auch hemmen. Der Tremor lässt sich damit unterdrücken.

Bei Kopfzittern werden Betablockern wie Propranolol und gegebenenfalls der Tiefenhirnstimulation Wirkungen zugeschrieben. Stimmtremor ist häufiger direkten örtlichen Injektionen von Botulinum-Toxin zugänglich. All diese Behandlungen erfordern besondere Erfahrung.

Vom essenziellen Tremor grenzen Ärzte das sogenannte FXTAS- oder Fragile-X-assoziierte Tremor-Ataxie-Syndrom ab. Dahinter steckt eine an das weibliche Geschlechts-Chromosom X (Frauen besitzen davon zwei, Männer eines) gebundene erbliche Krankheit. Sie wird eher bei älteren Männern beobachtet, seltener bei Frauen. Dabei kommt es zu einem ausgeprägten Aktionstremor und einer Störung der Bewegungskoordination mit unkontrollierten und überschüssigen Bewegungen (zerebelläre Ataxie).

Zittern bei Parkinson-Syndromen

Der Begriff Parkinson-Syndrome fasst die unterschiedlichen Parkinson-Formen, von denen es allein vier Hauptgruppen gibt, als Oberbegriff zusammen.
Symptome: Ein Ruhetremor auf einer Körperseite, eher oberhalb von 4 Hertz, tritt bei der Parkinson-Krankheit recht häufig auf. Dieser sogenannte Typ-I-Parkinson-Tremor ist auch dadurch gekennzeichnet, dass er sich legt, wenn der Betroffene eine Halte- oder sonstige Bewegung ausführt.
Doch können im Rahmen der Erkrankung auch noch andere Formen von Zittern auftreten. So besteht der Typ-II-Parkinson-Tremor sowohl aus einem Ruhe- als auch einem Haltetremor, mit einem Frequenzunterschied von mehr als 1,5 Hertz. Vor allem der Haltetumor erweist sich für die Betroffenen oft als sehr behindernd. Typ-III-Parkinson-Tremor ist ein reiner Halte- und Aktionstremor, also das Gegenteil von Typ I, dazu häufig mit einer Frequenz über 5 Hertz. Weitere Symptome bei der Parkinson-Krankheit sind vielfältig. Zum Beispiel können eine auffallende motorische Verlangsamung (sogenannte Bradykinese) oder Unsicherheit bei Bewegungen durch Störung bestimmter Reflexe auftreten, außerdem eine Muskelsteifigkeit.
Therapie: Ein wichtiges Behandlungsziel besteht darin, Botenstoffe im Gehirn, vor allem Dopamin, wieder verfügbarer zu machen. Dazu gibt es Präparate wie L-Dopa, eine Vorstufe von Dopamin, oder sogenannte Dopaminagonisten, die die Wirkung des vorhandenen Dopamins verstärken (dopaminerge Stoffe). Einen trotzdem noch verbliebenen Tremor gehen Ärzte im zweiten Schritt beispielsweise mit sogenannten Anticholinergika an. Spricht ein Parkinson-Zittern nicht auf Medikamente an, ist die tiefe Hirnstimulation eine Option.

Mehr zu den Symptomen, Ursachen, Diagnose und Therapie der Parkinson-Erkrankung lesen Sie im Ratgeber Parkinson.

Achtung: Therapien gegen Tremor setzt der Arzt bei jedem Betroffenen sehr individuell ein, natürlich auch unter Beachtung der Gegenanzeigen. Wichtig ist immer die Behandlung einer möglichen Grunderkrankung.

Was ist eigentlich Muskelzucken?

Meist gutartige, kurzdauernde Zuckungen, sogenannte benigne Faszikulationen, kommen häufig an einzelnen Muskeln am Bein vor. Sie sind meist unrhythmisch, daher definitionsgemäß kein Tremor, unter der Haut sichtbar und münden nicht in Bewegungen. Manchmal treten sie in Verbindung mit Muskelschmerzen, Kribbeln der Beine und Wadenkrämpfen auf (sogenanntes Schmerz-Faszikulationssyndrom). Eher selten sind die Arme einbezogen. Verstärkend kann muskuläre Anstrengung sein. In Ruhe und Entspannung lassen die Symptome meist nach. Neurologische Kontrollen ergeben meist, dass das Beschwerdebild längere Zeit unverändert bestehen bleibt. Eine krankhafte Entwicklung kommt nur sehr selten vor.

Als sogenannte vegetative Störung spüren manche gestresste Menschen zeitweise ein vibrationsartiges Lidzucken, wie ja auch Zittern ein „motorischer Ausdruck“ von übermäßiger Anspannung sein kann.

Lidflattern tritt mitunter im Zusammenhang mit einem sogenannten Willkürnystagmus auf. Dabei kommt es meist zu horizontalen, sehr schnellen Pendelbewegungen beider Augen. Diese Bewegungen können, wie der Name nahelegt, willkürlich ausgelöst werden, etwa wenn die Augen ein nahes Objekt fixieren. Schon nach etwa 30 Sekunden erfolgt der Abbruch, meist unter Gesichtsbewegungen und Schließen der Lider. Der „Willkürnystagmus“ ist selten und nicht krankhaft; es gibt aber offenbar eine Veranlagung dazu. Mitunter soll er bei (nach stundenlangem Lernen erschöpften?) Studenten zu beobachten sein. Der Neurologe kann bei einer orientierenden Untersuchung der Augen eventuell das willkürliche „Augenzittern“ mitverfolgen.

Gehen Sie zum Arzt, etwa zum Neurologen, wenn Sie Auffälligkeiten wie Zittern oder Muskelzuckungen bei sich wahrnehmen. Nur wenn die sorgfältige Befragung nach den Beschwerden und die körperliche oder neurologische Untersuchung Anhaltspunkte für eine krankhafte Ursache geben sollte, wird sich eine vertiefende Diagnostik anschließen.


Fachliteratur für diesen Ratgeber:


Bötzel K, Tronnier V, Gasser T: Differenzialdiagnose und Therapie des Tremors. Dtsch Arztebl Int 2014; 111(13):225-36. DOI: 10.3238/arztebl.2014.0225


Deutsche Gesellschaft für Neurologie (DGN) e. V.: Extrapyramidalmotorische Störungen: Tremor. Leitlinie S1, September 2012. Online: http://www.dgn.org/component/content/article/45-leitlinien-der-dgn-2012/2391-ll-13-2012-tremor.html?q=tremor (Angerufen am 29.7.2013)

Mattle H, Mumenthaler M: Neurologie. Stuttgart Thieme Verlag, 2013

Thömke F: Augenbewegungsstörungen. Stuttgart Thieme Verlag, 2008

Herold G u. Mitarb.: Innere Medizin, 2013


Wichtig: Dieser Artikel enthält nur allgemeine Informationen und darf nicht zur Selbstdiagnose oder -behandlung verwendet werden. Er kann einen Arztbesuch nicht ersetzen.



Bildnachweis: W&B, Photodisc/RYF
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