Zahnschmerzen

Ursachen von Zahnschmerzen sind kranke Zähne sowie Probleme in Kiefer, Mund und anderen Kopfbereichen. Selten gehört Zahnweh zu den Vorboten eines Herzinfarkts

von Andrea Blank-Koppenleitner, aktualisiert am 16.09.2014

Eisige Pein am Zahn: Kalt und süß – das bekommt manchen Zähnen nicht

Thinkstock/istockphoto

Sommerfreuden und jetzt ein erfrischendes Eis – oiih, kaum ist die kalte, süße Creme im Mund, fährt ein stechender Schmerz in den Schneide- oder Backenzahn. Was ist passiert? Die frostige Speise ist an einen offen liegenden Teil des Zahnhalses geraten. Die Zahnnerven reagieren dort höchst empfindlich auf Temperaturreize, vor allem auf Kälte. Wer dann wieder mehr für seine Zahnpflege tut, hat oft schon bald keine Probleme mehr, sollte die Ursachen aber dennoch vom Zahnarzt abklären lassen.

Hauptursachen für häufige Zahnschmerzen: Zahnprobleme

Bleiben die Beschwerden bestehen, schmerzt ein Zahn zudem, wenn Warmes oder auch Süßes ihn berührt, liegt der Verdacht nahe, dass hier Karies am Werk ist. Dann ist es höchste Zeit, den Zahnarzt aufzusuchen. Das gilt auch, wenn ein Zahn dumpf pochend oder heftig stechend schmerzt – und das dauerhaft, in vereinzelten Attacken oder nur beim Kauen und Zubeißen. Gehen Sie auch umgehend in die Praxis, wenn das Zahnfleisch wiederholt beim Zähneputzen oder Essen blutet, wenn eine ganze Zahnpartie weh tut und/oder wenn die Umgebung geschwollen ist.


Der Zahnarzt wird prüfen, ob Karies oder eine andere Zahnerkrankung schuld an den Zahnschmerzen ist, die er in der Fachsprache als Odontalgie oder Dentalgie bezeichnet. Mögliche Ursachen sind häufig eine Zahnfleischentzündung, ein entzündeter Zahnhalteapparat (Parodontitis), eine Entzündung des Zahnmarks (Pulpitis) oder der Zahnwurzel. Hinter einer geschwollenen Backe mit stark pochenden Schmerzen kann auch ein Abszess stecken, der sich im Wurzel- beziehungsweise Kieferbereich gebildet hat. Wärme verstärkt dann die Schmerzen, die häufig nachts im warmen Bett besonders quälend sind.

Fehlt der schützende Zahnschmelz stellenweise, sind die Zähne nicht nur sensibler, sondern auch krankheitsanfälliger. Einerseits kann zu heftiges, unsachgemäßes Putzen dieser so wichtigen Schicht zusetzen, andererseits führt oft mangelnde Pflege zu Schäden (siehe Kapitel "Wie Zahnschmerzen entstehen"). Einige Erkrankungen wirken sich mitunter auf die Zahnschmelzdichte aus, dazu gehören unter anderem Stoffwechselerkrankungen wie Diabetes oder bestimmte Autoimmunerkrankungen wie die Zöliakie. Diabetiker sind zudem oft anfälliger für Entzündungen – auch im Zahnbereich.

Die ersten Zähne bereiten Säuglingen und Kleinkindern kurzfristig Ungemach und schlechte Laune. Einige Erwachsene haben erneut und meist heftiger mit Schmerzen zu tun, wenn verspätet Weisheitszähne durchbrechen wollen oder andere Zähne bedrängen. Unregelmäßig gewachsene Beißer, eine fest gezurrte Zahnspange bei Heranwachsenden und im Alter eine schlecht sitzende Prothese können an Zähnen oder Kiefer ebenfalls Schmerzen auslösen.

Häufiger Druck, der auf dem Gebiss lastet und oft schmerzvoll nachklingt, entsteht auch durch seelische Anspannung. Nächtliches Zähneknirschen (Bruxismus) ist ein Ausdruck dafür.

Wohl jeder kennt die pochenden Schmerzen, wenn nach einer Zahnbehandlung, gar nach einer Wurzeltherapie, die Betäubung nachlässt. Musste der Zahnarzt oder Kieferchirurg einen Zahn ziehen, schmerzen die freie Stelle und ihre Umgebung oft noch lange danach.

In diesem Zusammenhang können sich bisweilen sogenannte Phantomschmerzen entwickeln (atypische Odontalgie). Diese oft jahrelang anhaltenden Beschwerden an einem Zahn oder in einer Zahnhöhle haben dann keine erkennbare Ursache mehr. Zahlreiche weitere Therapiemaßnahmen am Gebiss bleiben erfolglos, bis das Krankheitsbild erkannt ist und gezielt mit Medikamenten sowie psychologischen Schmerztherapien und begleitenden Entspannungsmethoden behandelt werden kann. Manche Menschen erleben solche Nervenschmerzen auch ohne vorausgegangenen zahnchirurgischen Eingriff.

Einheiten mit Folgen: Kiefer, Mundhöhle und Gebiss

Dass sich Beschwerden am Kiefer und Zahnprobleme wechselseitig bedingen beziehungsweise verstärken können, ist leicht nachvollziehbar. Zahnfleischentzündungen, eine Parodontitis, Wurzelvereiterungen greifen den Kieferknochen an, wenn die Betroffenen nicht rechtzeitig gegensteuern und sich behandeln lassen. Gefahr droht durch eine mögliche Knochenentzündung im Ober- oder Unterkiefer. Dazu kann es manchmal auch durch Verletzungen, Strahlenbehandlungen oder kieferchirurgische Eingriffe kommen. Entzündete Kieferknochen rufen ihrerseits starke Zahnbeschwerden hervor.

Auch Fehlstellungen der Kiefer (kraniomandibuläre Dysfunktion) stecken mitunter hinter unbestimmten Zahn- und Gesichtsschmerzen. Abszesse oder Wucherungen im Kiefer drücken manchmal auf Zahnwurzel und -nerven.

Damit die Zähne intakt bleiben, muss auch in der Mundhöhle ein gesundes Gleichgewicht zwischen den Keimen herrschen. Ist die Mundschleimhaut durch eine Infektion entzündet, kann die Entzündung auch geschwächte Zähne oder das Zahnfleisch angreifen.

Wer häufig einen trockenen Mund hat, den plagen vermehrt Zahnprobleme. Im Mund siedeln natürlicherweise unzählige Keime. Der Speichel spült einen Teil davon immer wieder weg und reinigt damit auch die Zähne. Wird zu wenig Speichel produziert, fehlt dem Gebiss ein zusätzlich schützender Film. Ursache für Mundtrockenheit können Mundatmung, zum Beispiel nachts, die Nebenwirkung bestimmter Medikamente, das Alter, aber auch Diabetes oder andere Erkrankungen sein.

Einige Menschen erleben einen sogenannten Höhenzahnschmerz, medizinisch Barodontalgie, etwa beim Bergsteigen in Höhen über 3000 Meter. Sinkt der Luftdruck in der Umgebung, führen luftgefüllte Räume unter Zahnfüllungen oder Zysten im Kiefer mitunter zu Schmerzen.

Wenn Kopf und Zähne weh tun

Schmerzen im gesamten Kopfbereich und im Gesicht können sich bis in die Zähne fortsetzen. Wer von Kopfschmerzen oder Migräne geplagt ist, spürt manchmal ein Ziehen oder einen dumpfen Druck an bestimmten Stellen im Gebiss. Nasennebenhöhlenentzündungen oder Mittelohrentzündungen ergreifen mit ihren Schmerzen auch vereinzelt Zähne oder den Oberkieferbereich. Bei einigen Menschen genügt schon eine einfache Erkältung, um Unbehagen in den Zähnen auszulösen.

Erkrankungen der Gesichtsnerven wie eine Trigeminusneuralgie erfassen nicht selten das Gebiss auf der erkrankten Seite. Das ist auch bei einer Gürtelrose (Herpes zoster) des Gesichts möglich. Die heftigen Schmerzen, die diese entzündliche Viruserkrankung mit sich bringt, können ins Ohr, in den Mund und bis in die Zähne ausstrahlen. Oft folgt bald der typische Ausschlag und deckt die mögliche Schmerzursache auf.

Zahnschmerzen bei einem Glaukomanfall und Herzinfarkt

Zahnschmerzen begleiten gelegentlich einen Glaukomanfall, der bei einer Augenerkrankung, dem grünen Star oder Glaukom, auftreten kann. Vorherrschend sind hier jedoch starke Augenschmerzen, Kopfschmerzen, Übelkeit, Sehstörungen.

! Ein Glaukomanfall ist ein Notfall, den umgehend ein Augenarzt behandeln muss.

Herzinfarktschmerzen betreffen meist die Brust, können aber auch in den Rücken, den Arm, den Bauch und den Kiefer ausstrahlen und so die Zähne miteinbeziehen. Blässe, Engegefühl in der Brust, Atemnot, kalte Schweißausbrüche, Übelkeit und Kreislaufsschwäche sind häufige Begleitsymptome. Schlimmstenfalls bricht der Kreislauf zusammen. Ganz selten stellen schmerzende Zähne oder Kieferschmerzen eines der eher untypischen Warnsymptome dar, etwa bei Frauen. 

! Bei Hinweisen auf einen Herzinfarkt ist sofort der Notarzt zu verständigen.

Zahnprobleme: Gefahr für den ganzen Körper

Über Entzündungsherde im Zahnfleisch können Krankheitserreger aus dem Mundraum in die Blutbahn gelangen und andere Körperregionen infizieren. Atemwegserkrankungen, Herzklappenstörungen, Rheuma oder ein erhöhtes Herzinfarkt- und Schlaganfallrisiko treten beispielsweise oft gemeinsam mit Parodonotitis auf. 

Überblick über die wichtigsten Ursachen von Zahnschmerzen

Zähne und Kieferbereich

  • Freiliegende Zahnhälse
  • Fehlender, angegriffener Zahnschmelz
  • Karies
  • Zahnfleischentzündung (Gingivitis)
  • Parodontitis (Entzündung des Zahnhalteapparats und des Zahnbetts, oft fälschlicherweise als Parodontose bezeichnet)
  • Zahnwurzelentzündungen, Wurzelspitzenentzündungen
  • Abgestorbene Zähne
  • Zahnspangen, schlecht sitzende Prothesen
  • Zahnfehlstellungen, schief wachsende Zähne
  • Durchbrechende Weisheitszähne, Zahnen bei Kindern
  • Zahnbehandlungen, Zähneziehen
  • Zähneknirschen
  • Knochenentzündungen im Ober- oder Unterkiefer
  • Fehlstellungen der Kiefer (kraniomandibuläre Dysfunktion)
  • Verletzungen
  • Höhenzahnschmerzen (Barodontalgie)
  • Phantomschmerzen (atypische Odontalgie)

Mund, Kopf, Gesicht

Andere, seltene Auslöser

  • Vorboten eines Herzinfarkts

Beugen Sie Zahnschmerzen nicht nur durch angemessene Mundhygiene, sondern auch durch eine gesunde Lebensweise vor. Einseitige Ernährung mit viel Zucker greift die Zähne an. Ein Hauptrisikofaktor ist das Rauchen. Es führt zu Durchblutungsstörungen, die das Zahnfleisch schwächen. Entzündungen haben dann leichtes Spiel. Ein starkes Immunsystem kann schädliche Erreger besser abwehren.

Wie Zahnschmerzen entstehen, wie der Zahnarzt vorgeht und was Sie selbst am besten für Ihre Zähne tun können, zeigen die folgenden Kapitel auf (siehe auch Überblick oben am Anfang des Textes und Kapitellinks unten).

 


Wichtiger Hinweis:
Dieser Artikel enthält nur allgemeine Informationen und darf nicht zur Selbstdiagnose oder -behandlung verwendet werden. Er kann einen Arztbesuch nicht ersetzen. Die Beantwortung individueller Fragen durch unsere Experten ist leider nicht möglich.


Fachliteratur für diesen Ratgeber

Hellwig E, Klimek J, Attin T: Einführung in die Zahnerhaltung. 6. Auflage, Köln, Deutscher Zahnärzte Verlag 2013

Deutsche Gesellschaft für Zahn-, Mund- und Kieferheilkunde: Patienteninformationen. Online: www.dgzmk.de (Abgerufen am 25.06.2014)

Deutsche Gesellschaft für Zahnerhaltung: Grundlegende Empfehlungen zur Kariesprophylaxe im bleibenden Gebiss. Wissenschaftliche Mitteilung, in: Deutsche Zahnärztliche Zeitschrift, 2013; 68(10). Online: http://www.dgzmk.de/zahnaerzte/wissenschaft-forschung/mitteilungen/details/document/grundlegende-empfehlungen-zur-kariesprophylaxe-im-bleibenden-gebiss.html (Abgerufen am 24.06.2014)

Böhm M, Hallek M, Schmiegel W (Hrsg): Innere Medizin, begr. von Classen M, Diehl V, Kochsiek H, 6. Auflage, München Elsevier, Urban & Fischer Verlag, 2009

Schumann M, Daum S, Schulzke J-D et al.: Zöliakie. Epidemiologie, Pathogenese, Differenzialdiagnostik und Therapie. In: Der Gastroenterologe 2008 –4:19-20

Häring H-U, Gallwitz B, Müller-Wieland D et al. (Hrsg.): Diabetologie in Klinik und Praxis. 6. Auflage, Stuttgart, Georg Thieme Verlag 2011

Grehn F: Augenheilkunde. 31. Aulage, Berlin, Heidelberg Springer Verlag 2012

American Heart Association: Heart Attack Symptoms in Women. Online: http://www.heart.org/HEARTORG/Conditions/HeartAttack/WarningSignsofaHeartAttack/Heart-Attack-Symptoms-in-Women_UCM_436448_Article.jsp (Abgerufen am 22.07.2014)

Holtfreter B, Empen K, Gläser S, et al.: Periodontitis Is Associated with Endothelial Dysfunction in a General Population: A Cross-Sectional Study. (2013) In: PLoS ONE 8(12): e84603. Online: http://www.plosone.org/article/info%3Adoi%2F10.1371%2Fjournal.pone.0084603 (Abgerufen am 22.07.2014)

Bochenek G, Häsler R, El Mokhtari N-E, et al.: The large non-coding RNA ANRIL, which is associated with atherosclerosis, periodontitis and several forms of cancer, regulates ADIPOR1, VAMP3 and C11ORF10. In: Hum.Mol.Genet. (2013)22(22): 4516-4527. Online: http://hmg.oxfordjournals.org/content/22/22/4516 (Abgerufen am 22.07.2014)

 

Fachredaktion: Dr. med. Claudia Osthoff



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