Drucken

Übelkeit, Erbrechen

Übelkeit und Erbrechen beruhen häufig auf Erkrankungen der Bauchorgane, des Stoffwechsels und des Gehirns. Aber es gibt noch mehr Auslöser. Mehr über Ursachen und Therapie


Übelkeit ist das Gefühl, erbrechen zu müssen, Erbrechen die Umsetzung, indem Inhalt aus dem oberen Magen-Darm-Trakt herausbefördert wird

Wie kommt es überhaupt zu Erbrechen?

Magen verdorben, mulmiges Gefühl im Bauch ... Oft kündigt Übelkeit (Nausea) Erbrechen an. Dieses ist als Schutzreflex gedacht: Der Körper versucht, sich selbst zu helfen, indem er Schädliches loswird. Die Entscheidung, wann es losgeht – und vorher oft das deutliche Empfinden von Übelkeit – findet im Gehirn statt. Genauer: im Brechzentrum im Gehirnstamm. Es empfängt die Brechsignale und koordiniert den Brechakt.

Brechsignale treffen häufig vom Verdauungstrakt ein. Beispiele: erhöhter Druck im Magen oder Darm, Reizung durch Alkohol oder Entzündungen. Auch andere Körperregionen, das Gehirn selbst oder der Gleichgewichtssinn können Brechalarm schlagen. Einen „heißen Draht“ gibt es darüber hinaus zwischen dem Brechzentrum und Orten des Bewussten und Unbewussten, des Verstandes und der Gefühle im Gehirn.

Von zentraler Bedeutung sind bestimmte Fühler im Hirnstamm, beispielsweise die Serotoninrezeptoren. Sie reagieren auf vielfältige chemische Reize – von Medikamenten über Bakteriengifte bis zu Störungen der Körperchemie durch Nierenversagen oder Sauerstoffmangel. Dann schlagen sie Alarm im Brechzentrum. Dieses wiederum stimmt sich mit benachbarten Zentren aus, vor allem denen der Atmung, des Kreislaufs und des Gleichgewichts. Auch das parasympathische Nervensystem wird eingebunden. So erklären sich dem Erbrechen unmittelbar vorausgehende Körperreaktionen wie erhöhter Speichelfluss, Blässe und Schweißausbruch, häufig auch Schwindel. Der Zusammenhang mit den Serotoninrezeptoren erklärt aber auch, warum gegen Erbrechen zum Beispiel Medikamente vom Typ der Serotonin-Gegenspieler helfen.


Die Abläufe bei Erbrechen müssen präzise aufeinander abgestimmt sein: Zum einen geht es um die heftigen Bewegungen des Zwerchfells, der Bauch- und Atemmuskeln, die dem Brechakt vorausgehen und ihn vorantreiben. Genau genommen beginnt die Druckwelle weiter unten, im Dünndarm. Sie trifft dann auf den überwiegend passiv bleibenden Magen und befördert seinen Inhalt nach draußen. Dabei hilft auch die Speiseröhre kräftig mit. Zum anderen muss die Atmung innehalten. Und um zu verhindern, dass hochgewürgte Nahrung in die oberen Atemwege gelangt, verschließen sich die Luftröhre und der Nasenrachenraum schnell noch rechtzeitig.

Begleitsymptome

Außer Erbrechen ist Übelkeit oft noch mit weiteren Symptomen verbunden. Darunter: Appetitlosigkeit (zum Beispiel bei Blinddarmentzündung, Leberentzündung oder Magenlähmung), Augenschmerzen (verdächtig auf einen Glaukomanfall), akute Brustschmerzen (können zum Beispiel Symptom eines Herzinfarktes sein). Kopfschmerzen und Übelkeit treten bei Hirnhautentzündungen auf. Die Kombination Fieber, Husten und Übelkeit wird häufiger bei Atemwegsinfektionen wie der Grippe beobachtet. Durchfall und eventuell Fieber kennzeichnen häufig Magen-Darm-Infektionen. Hinter Schmerzen oder einem Druckgefühl im Oberbauch in Verbindung mit Übelkeit kann sich eine Magenschleimhautentzündung (Gastritis) oder ein Magen- beziehungsweise Zwölffingerdarm-Geschwür verbergen. Massive Bauchschmerzen weisen auf einen „akuten Bauch“ hin. Übelkeit und Gelbsucht signalisieren zum Beispiel einen Gallenwegsverschluss oder eine Lebererkrankung. Übelkeit mit Koliken, oft auch mit Flankenschmerzen oder Leistenschmerzen, sind ebenfalls typische Symptome bei Erkrankungen der Gallenwege, aber auch der Harnwege. Rückenschmerzen und Übelkeit lassen unter anderem an Erkrankungen der Bauchspeicheldrüse oder der Hauptschlagader (Aorta) denken. Auch eine Depression gehört zu den möglichen Diagnosen. Bei Übelkeit mit (Dreh-)Schwindel und Ohrensausen wird der Arzt herausfinden, ob zum Beispiel die Menière-Krankheit vorliegt.
Eine Reisekrankheit ist aufgrund der Umstände leicht zu erkennen.

Begleitumstände

Der Zeitpunkt oder ein zeitlicher Zusammenhang mit der Nahrungsaufnahme und die Art des Erbrechens können dem Arzt weitere Anhaltspunkte für mögliche Ursachen geben. Teilweise sind es Notfälle oder sehr dringliche Behandlungsindikationen. Hier einige Beispiele ohne Anspruch auf Vollständigkeit:

- Am Morgen: zum Beispiel in der Schwangerschaft, bei Alkoholüberkonsum oder Nierenversagen.
- Beim Essen oder kurz danach: manchmal psychisch bedingt oder Folge einer akuten Magen- oder Magen-Darmentzündung (Brechdurchfall bei infektiöser Gastroenteritis).
- Eine bis mehrere Stunden nach Nahrungsaufnahme: Geschwür; Magenentleerungsstörung, zum Beispiel durch Verlegung des Magenausgangs (gut- oder bösartige Verengung) oder bei schlaffem, gelähmten Magen (Motilitätsstörung, Magenatonie).
- Im Schwall, auch ohne Übelkeit: möglich bei akuten Gehirnerkrankungen oder -verletzungen (Kopfverletzungen und andere Störungen des zentralen Nervensystems), sodann bei Migräne.
- Rückfluss von unverdauter Nahrung: zum Beispiel bei einer Aussackung (Divertikel) oder Verengung der Speiseröhre, sodann infolge fehlender Erschlaffung des unteren Speiseröhrenschließmuskels beim Schlucken beziehungsweise bei der Speisepassage (Oberbegriff: Achalasie).
- Rückfluss von saurem Mageninhalt, eventuell auch Erbrechen: Kann bei  Verschlussunfähigkeit des unteren Speiseröhrenschließmuskels (Rückflusskrankheit) oder Verengung des Magenausgangs, darüberhinaus als mechanisches Problem in der Spätschwangerschaft vorkommen.
- Erbrechen von saurer Magenflüssigkeit: Kennzeichen des Zollinger-Ellison-Syndroms, das mit starker Säurebildung und Geschwüren im oberen Verdauungstrakt einhergeht. Ursächlich liegt meist ein hormonbildender Tumor zugrunde, der die Produktion von Magensaft erhöht.
- Fäkulenter Geruch durch bakterielle Zersetzung des Erbrochenen: Verschluss des Dünn- oder Dickdarms (jedenfalls tiefere Darmabschnitte), Bauchfellentzündung (beides Notfälle); Verbindungsgang (Fistel) zwischen Magen und Darm (dringliche Behandlungsindikation).
- Blut (Hämatemesis, Notfall: Blutverluste können lebensbedrohlich sein!): Akute, meist stärkere Blutung aus dem oberen Verdauungstrakt, also von der Speiseröhre bis zum oberen Zwölffingerdarm: zum Beispiel Krampfadern der Speiseröhre, ein Geschwür, Polyp oder eine andere Geschwulst, eine Zwerchfellhernie (mehr dazu siehe unten), Erkrankungen der Speiseröhre, Störungen der Blutgerinnung. Äußerst selten stecken Erkrankungen der Atemwege dahinter.
- Erbrechen kaffeesatzähnlichen Materials (Notfall, siehe Hämatemesis): Wenn Blut aus dem oberen Verdauungstrakt mit Magensaft in Kontakt gekommen ist, nimmt es eine dunkelbraune bis schwarze Verfärbung an und gerinnt; es kann auch mit Nahrung vermischt sein. Eine stärkere Magen-Darm-Blutung geht in der Regel außerdem mit Teerstuhl, also schwarz verfärbtem Stuhl, einher.
- Galliges Erbrechen, ständig und in großen Mengen: bei Verschluss unterhalb der Mündung des Gallen- und Bauchspeicheldrüsengangs im Zwölffingerdarm.
- Akute Starke Schmerzen (oft Notfall): können Übelkeit, Muskelverspannungen und Angst auslösen, Puls und Blutdruck steigen.

Was kann bei Erbrechen sonst noch passieren?

Unmittelbar nach dem Erbrechen kann es zu einem akuten Brennen in der Speiseröhre durch die Magensäure kommen; es vergeht aber bald wieder. Wiederholtes Erbrechen reizt die Speiseröhre nachhaltiger. Selten kann sie durch den plötzlichen Druck beim Errechen im unteren Anteil einreißen. Dabei sind entweder Schleimhauteinrisse am Übergang zum Magen mit Bluterbrechen (Mallory-Weiss-Syndrom) möglich oder sogar ein Wandriss (Boerhaave-Syndrom). Mit seinem zerreißenden Schmerz unter dem Brustbein und / oder im Rücken, Husten und Atemnot ist das Boerhaave-Syndrom ein absoluter Notfall!

Bei wiederholtem Erbrechen kann es zu Flüssigkeitsverlusten, Mangel an Blutsalzen, Stoffwechselentgleisung, Gewichtsverlust und Zahnschäden kommen. Eingenommene Medikamente entfalten womöglich nicht mehr ihre Wirkung.

Diagnose

Übelkeit und Erbrechen gehören zu den Allgemeinsymptomen. Richtungweisend sind immer die Begleitumstände und Begleitsymptome (siehe jeweils oben) wie auch die Krankengeschichte, der Zustand des Betroffenen und der körperliche Untersuchungsbefund, den der Arzt erhebt. Daraus ergibt sich eine vorläufige Diagnose, die der Arzt noch genauer zu überprüft, nachdem er die Behandlung eingeleitet hat. Das kann eine Beurteilung durch unterschiedliche Fachärzte notwendig machen. Dies wird der Hausarzt oder der akut hinzugezogene Notarzt bei Bedarf entsprechend organisieren.

Ursachen

Alle Ursachen, die zu einem akuten Bauch führen, können auch Erbrechen auslösen. Sie reichen von akuten Erkrankungen der Bauch- und Brustorgane oder der Körperschlagader über Durchblutungsstörungen der Gefäße, die die Bauchorgane versorgen, bis hin zu akuten Krankheiten der Nieren, Harnwege und Fortpflanzungsorgane. Außerdem kommen Stoffwechselstörungen einschließlich Entgleisungen der Blutsalze (zum Beispiel eine Erhöhung des Kalziums im Blut) in Betracht. Weitere mögliche Ursachen sind Gehirnerkrankungen und Krisen im Zusammenhang mit Erkrankungen des Blutes. Schließlich sind auch Nahrungsmittelunverträglichkeiten zu berücksichtigen, bei Säuglingen und Keinkindern insbesondere eine Unverträglichkeit von Kuhmilcheiweiß. Dass Erbrechen nicht nur als Schutzreflex wirkt, sondern selbst zu akuten Komplikationen führen kann, wurde schon gesagt. Zu Erkrankungen des Darmes als Auslöser sowohl von Erbrechen als auch eines akuten Bauches siehe weiter unten.

Erkrankungen der Speiseröhre

Die Speiseröhre kann durch eine chronische Entzündung infolge ständigen Rückflusses von Magensäure verengt sein. Das heißt, es liegt eine Refluxkrankheit vor. Manchmal besteht gleichzeitig eine Zwerchfellhernie. Dabei rutschen Magenteile durch die Zwerchfell-Lücke am Übergang der Speiseröhre zum Magen nach oben. Aber auch ein Tumor kann eine Verengung, die fachsprachlich Stenose oder Striktur heißt, verursachen. In Wandaussackungen können sich Nahrungsreste ansammeln und bis zu einige Tage später wieder hochkommen. Das ist genau genommen aber kein Erbrechen, sondern eine Regurgitation (siehe unten). Kleine Divertikel müssen keine Beschwerden machen. Große Divertikel hingegen können die Speiseröhre verformen und einengen. Entweder bilden sich die Ausstülpungen an von vornherein wandschwachen Stellen, oder Narbengewebe weitet sich zu einem Divertikel. Manchmal führen ungewöhnliche Bewegungen der Muskeln in der Speiseröhre dazu, dass sich in ihrer Wand eine Aussackung bildet. Die häufigste Divertikel-Form ist das Zenker-Divertikel am Übergang vom Rachen zur Speiseröhre.

Bei der Achalasie kommt es unter anderem zur fehlenden Erschlaffung des unteren Speiseröhrenschließmuskels beim Herunterschlucken der Speisen. Möglich sind auch Wandbewegungsstörungen. Aufgenommene und verweilende Speisen fließen zurück (Regurgitation, auch im Liegen). Daneben tritt manchmal auch Erbrechen auf. Ansonsten stehen Schluckstörungen und krampfartige Schmerzen oder ein Druckgefühl unter dem Brustbein, ungefähr in der Mitte der Brust, im Vordergrund. Daher wird der Arzt als Diagnose auch eine Herzkrankheit berücksichtigen. Ein Elektrogramm etwa, eventuell auch Blutwerte, können diese Möglichkeit ausschließen oder bestätigen. Röntgenuntersuchungen, eine Spiegelung der Speiseröhre mit Gewebeentnahme und Druckmessungen (Manometrie) sichern sodann in der Regel die Diagnose.

Probleme im Magen und Zwölffingerdarm

Eine Entzündung der Magenschleimhaut, also eine Gastritis, kann akut und chronisch Beschwerden machen: Übelkeit, Schmerzen im Oberbauch, Appetitlosigkeit, Aufstoßen und Erbrechen. Die Ursachen einer akuten Gastritis reichen von übermäßigem Alkohol- und Nikotingenuss sowie verdorbenen Speisen (Lebensmittelvergiftung oder -infektion; Brechdurchfall) bis zu Nebenwirkungen von Medikamenten. Auch starker Stress, zum Beispiel im Zuge einer intensivmedizinischen Behandlung, kommt infrage. Nicht selten lösen Schmerzmittel vom Typ nicht steroidaler Antirheumatika  oder Cox-2-Hemmer und andere Arzneistoffe eine chronische Gastritis aus. Diese kann auch Folge eines Rückflusses von Magen- und Gallensekreten nach einer Magenoperation oder des Befalls mit dem Magenkeim Helicobacter pylori sein. Die genannten Faktoren können überdies ein Magengeschwür oder Zwölffingerdarmgeschwür verursachen.

Bei einem Magengeschwür stehen ausgeprägte Schmerzen im Oberbauch sofort nach dem Essen, manchmal auch unabhängig davon, im Vordergrund. Für ein Zwölffingerdarmgeschwür sprechen eher Schmerzen bei nüchternem Magen – spät abends und nachts. Zu Erbrechen kommt es vor allem bei Komplikationen eines Geschwürs wie Blutung, Durchbruch oder Narben, die den Magenausgang verengen (Magenausgangsstenose). Eine starke Schwellung bei einem Geschwür oder einer Entzündung kann den Magenauslass ebenfalls verengen. Geschwüre sind meistens gutartig, können aber auch bösartig werden. Bei Übelkeit, oft in Verbindnung mit Abneigung gegen Fleisch, wird der Arzt die Oberbauchorgane einschließlich Magen sorgfältig untersuchen, um keine organische Erkrankung außer Acht zu lassen.

Einer chronischen Erschlaffung oder Lähmung des Magens – einer Gastroparese – liegt nicht selten ein Diabetes (Typ-1-Diabetes, Typ-2-Diabetes) zugrunde. Dabei kommt es zur Schädigung der Nerven, die die Muskeltätigkeit der Magenwand steuern. Ärzte sprechen hier von einer autonomen Neuropathie. Sie ist Teil der sogenannten diabetischen Polyneuropathie. Aber auch andere, vergleichsweise eher seltene Erkrankungen, die das Zusammenspiel von Nerven und Muskeln der Verdauungsorgane beeinträchtigen, können den Magen lahmlegen.
Symptome hier: Druck, Völlegefühl im Oberbauch, frühes Sättigungsgefühl, eventuell Erbrechen. Bei Diabetes sind Unterzuckerungen möglich, weil der Nahrungszucker nur unzureichend in den Dünndarm gelangt, wo der KÖrper ihn aufnimmt.

Die Diagnose kann der Arzt unter anderem mithilfe von Ultraschall und speziellen nukearmedizinischen Untersuchungen wie einer Magenentleerungsszintigrafie stellen. Die Zuckerkrankheit wird durch Zuckermessungen im Nüchternblut oder einen Zuckerbelastungstest festgestellt, inzwischen auch durch Bestimmung des sogenannten glykierten Hämoglobins A1c (HbA1c) im Blut. Eine diabetische Polyneuropathie macht sich meist noch mit Symptomen infolge anderer Nervenschäden bemerkbar.

Bei Herzschwäche oder einer Herzbeutelentzündung, die das Herz beengt, kann Übelkeit zusammen mit Völlegefühl, Appetitlosigkeit und Druck im Oberbauch auftreten. Es sind die Folgen einer sogenannten Stauungsgastropathie und Hepatopathie. Damit ist gemeint, dass sich das Venenblut bei einer Schwäche des rechten Herzens in die genannten Organe zurückstaut, zu Schwellungen führt, die Arbeit der Organe behindert und die entsprechenden Beschwerden auslöst.

Darmerkrankungen

Wenn die Darmtätigkeit beeinträchtigt ist, kann es ebenfalls zu Erbrechen kommen. Dies spielt beim „akuten Bauch“, beispielsweise im Zusammenhang mit einer Bauchfellentzündung, eine Rolle. Im Verlauf einer Binddarmentzündung treten bei etwa der Hälfte der Betroffenen Übelkeit und Erbrechen auf. Leitsymptom ist aber der Bauchschmerz, der meist irgendwo im Mittel- oder Oberbauch beginnt und sich dann oft, wenn auch nicht immer, in den rechten Unterbauch verlagert. Appetitlosigkeit ist relativ typisch.

Weitere Ursachen und Informationen zum „akuten Bauch“ finden Sie im Beitrag Bauchschmerzen.


Leber, Bauchspeicheldrüse, Gallenblase

Erkrankungen dieser drei Organe im Oberbauch sind häufiger Ursachen von Übelkeit und Erbrechen, oft in Verbindung mit (Ober-)bauchschmerzen. Infrage kommen zum Beispiel Entzündungen der Gallenblase und Gallenkoliken im Zusammenhang mit Gallensteinen, ferner eine Entzündung der Bauchspeicheldrüse oder Leberentzündung (Hepatitis). Letzere kann im Frühstadium mit Appetitlosigkeit, Müdigkeit, Übelkeit, gelegentlich auch Druckschmerz im rechten Oberbauch einhergehen, wenn die Leber geschwollen ist. Übelkeit und Appetitlosigkeit kommen außerdem bei einer Leberzirrhose vor. Zu Leberversagen siehe unten (Hormone und Stoffwechsel).

Krebserkrankungen

Dass Krebserkrankungen neben vielen anderen Belastungen oftmals auch noch Übelkeit und Erbrechen mit sich bringen, hängt nicht nur mit Behandlungsmaßnahmen wie Bestrahlung, Chemo- und Schmerztherapie zusammen. Dahinter verbergen sich vielmehr komplexe körperliche und psychische Reaktionen, häufig in fortgeschrittenen Krankheitsphasen.

Veränderungen des Blutdrucks

Ein schwer einstellbarer oder entgleisender Bluthochdruck kann akute Durchblutungsstörungen des Gehirns auslösen (Notfallsituation). Mögliche Anzeichen: starke Kopfschmerzen, Unruhe, (Übelkeit und) Erbrechen, Sehstörungen einschließlich vorübergehender Blindheit, Krämpfe und Bewusstseinsstörungen.
Bei plötzlichem Blutdruckabfall kann es zu einer Mangeldurchblutung des Gehirns mit Ohnmacht (Synkope) kommen. Schwindel, Ohrensausen, Schweißausbruch, Übelkeit und Erbrechen können den Anfall begleiten. Auch andere Kreislauferkrankungen lösen mitunter Synkopen aus, ebenso Herzerkrankungen und viele weitere Störungen.

Gehirn

Im Gehirn kreist auf vorgegebenen Bahnen eine klare Flüssigkeit namens Liquor. Als Schutzmantel für das zentrale Nervensystem umspült sie auch das Rückenmark (daher die Bezeichnung Gehirn- und Rückenmarksflüssigkeit oder Liquor zerebrospinalis). Er entsteht in den Hirnkammern aus einem Filtrat des Blutes. Bildung und Abfluss des Liquors sind im Gleichgewicht, was den Hirndruck im Normalbereich hält. Da das Gehirn fest von den Schädelknochen umschlossen ist, kann es einem erhöhtem Druck, egal ob er plötzlich oder allmählich entsteht, nicht ausweichen. Die Folgen: Gehirngewebe kann gequetscht oder eingeklemmt, die Durchblutung vermindert werden – mit Schäden unterschiedlichen Ausmaßes bis hin zum Koma oder Tod. Bei allmählicher Drucksteigerung kommt es nicht selten zu Erbechen, oft im Schwall und ohne Übelkeit. Zu den möglichen Ursachen gehören Hirnhautentzündungen, Gehirnentzündungen, Blutungen, Tumoren des Gehirns und Rückenmarks und Hirnvenenverschlüsse (Thrombosen). Sodann können eine Entzündung der Nervenwurzeln am Rückenmark(Polyradikulitis), Vergiftungen und Medikamente den Hirndruck erhöhen. Eine Besonderheit sind ursächlich unklare Hirndrucksteigerungen bei jungen, oftmals übergewichtigen Frauen.

Auch nach Kopfverletzungen kann es zur Schwellung des Gehirns kommen. Für eine Gehirnerschütterung beispielsweise sind wenige Minuten dauernde Bewusstlosigkeit, Gedächtnislücken vom Verletzungszeitpunkt bis weniger als 24 Stunden danach, Kopfschmerzen, Schwindel, Übelkeit, eventuell auch Erbrechen und Sehstörungen relativ typisch. Weitere Informationen dazu gibt Ihnen der Ratgeber "Schädel-Hirn-Trauma".

Mithin können Erkrankungen oder Schädigungen des Gehirns die vielfältigsten neurologischen Symptome nach sich ziehen. Dazu gehören auch Augenmuskellähmungen. Die Folge sind störende Doppelbilder im Aktionsbereich des gelähmten Muskels. Da der Betroffene nicht weiß, welches Bild das Trugbild ist, verliert er bei Bewegungen des Kopfes oder Körpers die Orientierung, es kommt zu Schwindel und Übelkeit, eventuell auch Erbrechen.

Zu Befindensstörungen im Rahmen krisenhafter Blutdruckanstiege siehe oben, im Abschnitt Blutdruck. Unter einem Sonnenstich versteht man eine Schwellung der Hirnhaut durch länger auf den Kopf und Nacken einwirkende Wärmestrahlung des Sonnenlichtes. Symptome sind unter anderem Übelkeit und Erbrechen, Schwindel, Nackensteifigkeit und ein hochroter, heißer Kopf.
Bei Migräneanfällen gehören Übelkeit und Erbrechen, manchmal im Schwall, zu den typischen Begleitsymptomen
. Außerdem können Schweißausbrüche, Durchfälle und kolikartige Bauchschmerzen auftreten.

Innenohr & Co.: Schwindelerkrankungen

Das Innenohr beherbergt das Hör- und Gleichgewichtsorgan. Über den Hör- und Gleichgewichtsnerv, die sich miteinander zu einem einzigen Nerven verbinden, erreichen die jeweiligen Impulse ihre Zentren im Gehirn. Insbesondere die Kerngebiete des Gleichgewichts sind umfangreich mit anderen Sinneszentren verschaltet, etwa für die Augen oder die Muskelbewegungen. Auch bestehen Verbindungen zum vegetativen Nervensystem und Brechzentrum. Daher ist Schwindel oft mit Übelkeit und Brechreiz oder Erbrechen verbunden.

Klassisches Beispiel ist die Menière-Krankheit, die in der Akutphase mit anfallsartigem Drehschwindel, Übelkeit und Erbrechen einhergeht. Oftmals treten auch ein- oder beidseitiger Hörverlust und starke Ohrgeräusche (Tinnitus) auf der erkrankten Seite auf. Die Ursachen sind unklar. Experten vermuten als Auslöser Druckschwankungen im Gleichgewichtsorgan, die die enthaltene Flüssigkeit verändern. Damit verbunden sind „falsche Meldungen“ an das Gehirn.

Auch Entzündungen des Innen- oder anfänglich des Mittelohrs, ferner des Gleichgewichtsnervs (Fachbegriff: „Neur(on)itis oder Neuropathia vestibularis“) können zu Schwindel mit Übelkeit und Erbrechen führen. Auch für ein Akustikusneurinom, einen gutartigen Tumor des Gleichgewichts- und Hörnervs, sind diese Symptome kennzeichend. Grundsätzlich sind sie immer verdächtig auf einen „verstibulären Schwindel“, also jedweden Schwindel, der vom Gleichgewichtsorgan des Innenohrs, vom Gleichgewichtsnerv oder den zugehörigen Nervenbahnen und Zentren im Gehirn ausgeht. Mithin kommt es bei vielen, vor allem akuten Schwindelerkrankungen und -formen, zu Übelkeit, oft auch Erbrechen.

Reisekrankheit

Bei der Reisekrankheit (Fachbegriff Kinetose) sind Schwindel, Übelkeit und Erbrechen, oft auch Kreislaufstörungen, regelmäßige Begleiter. Die Beschwerden beruhen auf einem Datenkonflikt zwischen dem Gleichgewichtsorgan und Wahrnehmungen der Augen. Typisches Beispiel ist die Seekrankheit. Wie der Höhen- oder Karussell-Schwindel gehören die Kinetosen zu den physiologischen Schwindelformen. Sie sind also nicht wirklich krankhaft. Vorbeugend können Medikamente wie zum Beispiel Dimenhydrinat (enthält das Antihistaminikum Diphenhydramin, das müde macht und daher nichts fürs Steuer ist) oder Scopolamin wirken (Hautpflaster). Beachten Sie jeweils mögliche Nebenwirkungen und Gegenanzeigen, bei Scopolamin etwa Auslösen eines Glaukomanfalls (siehe unten), und informieren Sie sich vor der Reise über praktische Tipps.

Vergiftungen

Ob Alkohol, verdorbene Lebensmittel, Schwermetalle (Blei, Quecksilber) oder eine Pilzvergiftung: Auf alles dies und viele andere Giftstoffe hin schlagen die Chemorezeptoren im Gehirn Alarm, sodass das Brechzentrum (das womöglich selbst auf begleitende Übelkeit, Ekelgefühle und andere emotionale Effekte reagiert) in Aktion tritt. Unter bestimmten Voraussetzungen kann bewusstes Auslösen von Erbrechen geboten sein, damit die Stoffe nicht ins Blut gelangen. In anderen Fällen kann in Wasser gelöste medizinische Kohle helfen. Gleich nach Aufnahme eines Giftes, zum Beispiel einer ätzenden Substanz, und sofern es noch nicht spontan zu Erbrechen gekommen ist, kann auch Trinken von Wasser helfen. Dadurch wird das Gift verdünnt. Bei Aufnahme von Laugen, Säuren, diversen Reinigungsmitteln (Achtung: Gefahr von Verätzungen der Speiseröhre!) oder Schäumern darf kein Erbrechen ausgelöst werden. Stattdessen ist hier die Einnahme von Speiseöl eine Möglichkeit. Rufen Sie auf jeden Fall sofort eine der Giftnotrufzentralen an, um sich zu informieren, gegebenenfalls auch den Arzt, bei schlechtem Zustand oder Bewusstlosigkeit des oder der Betroffenen den Rettungsdienst.

Hormone und Stoffwechsel

Unterfunktion der Nebennierenrinde (Morbus Addison) oder Überfunktion der Nebenschilddrüsen gehen neben Bauchschmerzen häufig mit Übelkeit und Erbrechen einher. Dies gilt auch für eine akute Entgleisung des Stoffwechsels bei Diabetes namens Ketoazidose (Atemluft riecht nach Azeton), für ein Leberversagen („süßlicher“ Geruch des Atems) oder Nierenversagen mit Harnvergiftung (urinartiger Geruch aus dem Mund). Es kann zu Bewustseinsstörungen bis hin zum Koma kommen. Leber- und Nierenversagen können auch gemeinsam auftreten.

Medikamente

Betablocker, Eisenpräparate, Digitalisglykoside, Anti-Parkinsonmittel wie L-Dopa (wird auch beim Restless-Legs-Syndrom eingesetzt), bestimmte Antibiotika (unter anderem Tetrazykline), Zytostatika, Opioide und vieles mehr können Übelkeit und Brechreiz auslösen. Bei der Gabe von Zytostatika im Rahmen der Chemotherapie werden heute moderne Mittel gegen Brechreiz wie zum Beispiel Serotoninantagonisten eingesetzt.

Schwangerschaft

Morgendliche Übelkeit gehört zu den normalen Anzeichen einer Schwangerschaft. Zumindest kämpfen mehr als zwei Drittel aller Frauen in der Frühschwangerschaft mit dem Unwohlsein. Solange kein wiederholtes oder heftiges Erbrechen auftritt und die Schwangere praktisch keinen „Bissen“ oder Trunk mehr bei sich behält (Hyperemesis gravidarum), ist das nicht besorgniserregend. Die Hyperemesis gravidarum tritt meist im ersten und zweiten Schwangerschaftsdrittel auf. Um Flüssigkeits- und Salzmangel, Stoffwechselentgleisung, Unterernährung und Gewichtsverlust zu vermeiden, kann eine künstliche Ernährung über die Blutbahn notwendig sein. Als Medikamente gegen Brechreiz setzt der Arzt eventuell Dimenhydrinat oder einen sogenannten Serotoninantagonisten ein.

Nach Operationen (postoperativ)

Nach einer Narkose, manchmal auch verzögert, kann es zu Übelkeit und Erbrechen kommen, häufiger bei Kindern. Heute ist das durch den Einsatz moderner Narkosemittel viel seltener der Fall als früher.

Glaukom-Anfall

Bei akut blockiertem Abfluss des Kammerwassers im Auge (Winkelblock) aufgrund eines vorbestehendem Engwinkel-Glaukoms (ein Glaukom wird umgangssprachlich auch als grüner Star bezeichnet) kann der Augeninnendruck drastisch ansteigen. Dies führt zum akuten Glaukomanfall. Symptome: gerötetes Auge, Augenschmerzen, Übelkeit, Erbrechen, Kopfschmerzen, Sehstörungen. Ein Glaukomanfall ist ein augenärztlicher Notfall!

Psyche

Ein ekelerregender Geruch, Geschmack oder Anblick, starke negative Emotionen wie Angst oder Schreck, außerdem heftige Schmerzen (siehe oben) reizen das vegetative Nervensystem bzw. das Brechzentrum, sodass Erbrechen ausgelöst werden kann. Bei psychiatrischen Störungen wie zum Beispiel Ess-Störungen wird Erbrechen von den Betroffenen selbst herbeigeführt.

Therapie

Die Behandlung von Erbrechen und Übelkeit richtet sich grundsätzlich nach der Ursache. Manchmal genügen eine Umstellung der Ernährung (leichte Kost, kleine Mahlzeiten über den Tag verteilt, Verzicht auf Genussmittel) oder eine vorübergehende Nahrungspause. In anderen Fällen sind spezielle medizinische Maßnahmen und Eingriffe ambulant oder in der Klinik notwendig, manchmal auch Notfallbehandlungen.

Als Medikamente gegen Brechreiz wirken unter anderem sogenannte Antiemetika, Prokinetika (nicht bei Darmverschluss möglich) und bestimmte Psychopharmaka. Manchmal funktioniert nur die Gabe als Zäpfchen oder Spritze. Starkes Erbrechen macht den Ersatz verloren gegangener Flüssigkeit und Salze notwendig, worauf der Arzt insbesondere bei Kindern, älteren Menschen und Schwangeren strikt pochen wird. Denn es gilt, die bei ihnen schneller einsetzende Austrocknung unbedingt zu vermeiden. Anzeichen dafür sind ein trockener Mund, wenig oder kein Urin, Schwäche oder Apathie. Manchmal ist der Flüssigkeitsersatz nur über die Blutbahn möglich. Schwangere mit starkem Erbrechen werden in der Klinik behandelt. Bei wiederholtem Erbrechen sollten sie unbedingt zum Frauenarzt gehen.

Für Patienten mit weniger stark ausgeprägten Flüssigkeitsverlusten gibt es beispielsweise Trinklösungen mit Zucker und Elektrolyten. Gegen harmlose Übelkeit können Zubereitungen aus Ingwerwurzelstock oder auch homöopathische Mittel helfen. Einen erlahmten Magen kann gegebenenfalls ein eingepflanzter künstlicher Magenschrittmacher antreiben.

Fachliteratur:

Gerd Herold und Mitarbeiter: Innere Medizin, 2012


Wichtiger Hinweis:
Dieser Artikel enthält nur allgemeine Informationen und darf nicht zur Selbstdiagnose oder -behandlung verwendet werden. Er kann einen Arztbesuch nicht ersetzen. Die Beantwortung individueller Fragen durch unsere Experten ist leider nicht möglich.




Bildnachweis: Jupiter Images GmbH/Polka dot

www.apotheken-umschau.de; aktualisiert am 29.01.2014, erstellt am 03.03.2009
Bildnachweis: Jupiter Images GmbH/Polka dot

Ärzte bewerten und 1 Euro spenden

Helfen Sie anderen, einen guten Arzt zu finden. Bewerten Sie in der Weissen Liste – einem Kooperationspartner der Apotheken Umschau. Für jede Arztbewertung spendet die Weisse Liste 1 Euro an die Stiftung "Humor hilft heilen" »

Jetzt mitmachen »

Newsletter abonnieren

Hier können Sie unseren kostenlosen Newsletter abonnieren »

Bitte beachten Sie!

Dieses Informationsangebot ersetzt keinen Arztbesuch. Bei unklaren Beschwerden sollten Sie stets Ihren Arzt konsultieren. Lesen Sie hier mehr dazu »

Symptome-Finder

Gut zu wissen

Kinetose: Was hilft gegen Übelkeit auf Reisen?

Ob im Auto, Zug, Flugzeug oder auf dem Schiff: Die Reisekrankheit ist der Albtraum jedes Reisenden. Woher sie kommt und was gegen Übelkeit, Erbrechen, Schwindel und andere Symptome hilft »

Was ist eine Lebensmittelvergiftung?

Befinden sich Keime auf Nahrungsmitteln, kann es nach dem Essen schnell zu Symptomen wie Durchfall kommen. Was hinter einer Lebensmittelvergiftung steckt, wie Sie sich schützen können »

Übelkeit: Ursachen und Gegenmittel

Übelkeit und Erbrechen zählen zu den häufigsten Krankheitssymptomen. Hier lesen Sie, woher die Beschwerden kommen können und was dagegen hilft »

"Bauch"-Symptome

Bauchschmerzen

Bauchschmerzen sind oft harmlos und vergehen wieder, können aber auch Probleme machen - akut wie chronisch »

Blähungen, Luft im Bauch

Dass den Körper ab und zu Luft über den Darm verlässt, ist unangenehm bis hoch peinlich. Was hilft  »

Blut am After / aus dem Darm

Hämorrhoiden, Afterrisse und Entzündungen verursachen am häufigsten Blutungen im Analbereich »

Durchfall (Diarrhö)

Als Durchfall wird Stuhl bezeichnet, der mehr als dreimal täglich auftritt (Erwachsene), in der Menge vermehrt und / oder dünn ist »

Verstopfung (Obstipation)

Bei Verstopfung (Darmträgheit) ist die Darmentleerung erschwert, unvollständig, oder sie erfolgt zu selten »

Alle Symptome von A bis Z

Suchen Sie hier nach Symptomen und ihren Ursachen alphabetisch von A bis Z. Beachten Sie bitte auch den Hinweis rechts  »

© Wort & Bild Verlag Konradshöhe GmbH & Co. KG

Weitere Online-Angebote des Wort & Bild Verlages