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Trockener Mund

Mundtrockenheit ist unangenehm. Fließt zu wenig Speichel, vermehren sich zudem schädliche Keime. Manchmal hilft ein Schluck Wasser. Aber es gibt auch krankhafte Ursachen


Wenn der Mund trocken wird: Ein Schluck Wasser hilft

Der Kandidat der Rate-Show greift zu dem Glas Wasser, das neben ihm steht. Vor jeder neuen Frage. Er ist aufgeregt, sein Mund ist trocken, seine Stimme heiser. Er fühlt einen Kloß im Hals und hat schweißnasse Hände. Was er jetzt braucht, sind ein paar tiefe Atemzüge und – etwas zu trinken. Damit die Stimmbänder geschmeidig werden, damit die Zunge nicht am Gaumen klebt und damit ihm die richtige Antwort flüssig über die Lippen kommt.

Wer nervös, angespannt oder ängstlich ist, hat oft einen trockenen Mund. Redner kennen das. Dann ist es nicht nur das Lampenfieber, auch das lange Sprechen trocknet die Schleimhäute aus. Die Luft, die durch den Mund einströmt, entzieht ihnen Feuchtigkeit. Mundatmung ist eine der Hauptursachen für Mundtrockenheit. Ist die Luft in einem Raum dazu noch warm und staubig, entsteht schnell das Verlangen, etwas zu trinken, um Mund und Rachen wieder zu befeuchten.

Nachts geht die Speichelproduktion natürlicherweise zurück. Daher haben viele Menschen morgens ein klebriges, trockenes Gefühl im Mund und schlechten Atem. Denn das eine begünstigt das andere. Schnarchen mit geöffnetem Mund verstärkt den Feuchtigkeitsmangel noch. Aber auch Alkohol am Abend und ein scharf gewürztes Gericht tragen das ihre dazu bei, wenn die Kehle nach dem Aufwachen wie ausgedörrt ist.

Wenn wir erkältet sind, atmen wir vermehrt durch den Mund. Die Kehle wird trocken und kratzig. Dann hilft es oft, die verstopfte Nase zu befeuchten, etwa durch Inhalieren oder salzhaltige Nasensprays, um wieder besser Luft zu bekommen, und viel zu trinken (siehe dazu auch Tipps im Abschnitt „Therapie“).



Gegen Feuchtigkeitsverlust: Bei Hitze und Sport das Trinken nicht vergessen

Wenn Flüssigkeit und Feuchtigkeit fehlen

Neben Mundatmung ist Flüssigkeitsmangel entscheidend verantwortlich für Trockenheit im Mund. Menschen, die allgemein zu wenig trinken, bilden auch untertags zu wenig Speichel. Gerade bei älteren Menschen liegt hier oft der Grund für Beschwerden beim Kauen, Schlucken und Sprechen.

Ebenso verändern Hungerphasen den Stoffwechsel, in der Folge wird der Mund trocken. Dann genügt es auch nicht mehr, nur Flüssiges zu sich zu nehmen. Mangelzustände oder Essstörungen wirken sich spürbar auf Speicheldrüsen und Schleimhäute aus.

Heftiges Schwitzen, hohe Außentemperaturen entziehen dem Körper Feuchtigkeit. Ein weiterer gewichtiger Grund für eine raue Kehle und einen angegriffenen Mundraum ist das Rauchen. Dann sind die Beschwerden im Mund nicht nur vorübergehend, sondern dauerhaft. Und sie ziehen neben Zahnproblemen andere weitreichende Schäden nach sich.

Fieber und viele Infekte, allen voran Magen-Darm-Infekte, trocknen den Körper manchmal gefährlich aus. Mundtrockenheit ist nur ein Zeichen dafür. Viel trinken ist dann eine wichtige erste Maßnahme.

Arzneimittel und Therapiemaßnahmen

Eine weitere häufige Ursache für einen trockenen Mund sind Medikamente. Verschiedene Arzneimittel beeinflussen über Nerven und Hormone bestimmte Drüsenfunktionen, so auch die Mundspeicheldrüsen. In dieser Richtung aktiv sind unter anderem Mittel, die auf das vegetative Nervensystem einwirken. Dazu gehören bestimmte Augenmedikamente, Mittel gegen Blasenschwäche, Antidepressiva, einige Medikamente gegen Herzrhythmusstörungen oder Bluthochdruck, Schlafmittel und andere (siehe dazu die weiter unten folgende Übersicht über mögliche Ursachen). Ältere Menschen nehmen häufig mehrere Medikamente gleichzeitig ein. Mundtrockenheit kommt auch deshalb im Alter öfter vor.

Operative Eingriffe im Kopfbereich können mitunter die Speicheldrüsen in Mitleidenschaft ziehen. Chemotherapien und Bestrahlungen zur Krebsbehandlung haben ebenfalls häufig Folgen für die Speichelproduktion im Mund. Ein trockener Mund kann also auch Ausdruck akuter oder schwerer Gesundheitsprobleme sein.

Manchmal sind ernste Krankheiten verantwortlich

An erster Stelle stehen hier Zahnerkrankungen und Entzündungen im Mund, etwa eine Mundschleimhautentzündung. Eine wesentliche Rolle spielen Erkrankungen der Mund- oder Kopfspeicheldrüsen. Entzündungen, Schwellungen, Verletzungen und Tumore können ihre Funktion und damit den Speichelfluss behindern.

Mundtrockenheit ist ein Leitsymptom für das sogenannte Sjögren-Syndrom. Diese Autoimmunerkrankung betrifft vor allem die Speichel- und Tränendrüsen. Stoffwechselstörungen und hormonelle Erkrankungen, etwa ein Diabetes mellitus, wirken sich nicht selten auch auf die Speicheldrüsen aus. Ebenso beeinträchtigen bestimmte Nervenschäden die Speichelbildung in den Drüsen. Über die Nerven beeinflussen zudem einige psychische Erkrankungen den Feuchtigkeitsgrad im Mund.

Ein trockener Mund stellt sich darüber hinaus bei schweren Infektionskrankheiten ein, zum Beispiel häufig im Laufe einer Aids-Erkrankung. Mitunter kommen plötzlich auftretende oder schleichende Vergiftungen als Auslöser infrage. Neben Sehstörungen, Übelkeit und Erbrechen gehört Mundtrockenheit zum Beispiel zu den Warnzeichen eines Botulismus, einer gefährlichen, aber heute seltenen Lebensmittelvergiftung.

Eine Übersicht über die wichtigsten Ursachen sowie Links zu den entsprechenden Krankheitsratgebern finden Sie weiter unten im Abschnitt „Überblick über mögliche Ursachen für einen trockenen Mund“.



Die großen Kopfspeicheldrüsen: Ohrspeicheldrüse 1, Unterkieferspeicheldrüse 2, Unterzungenspeicheldrüse 3 (ein Klick auf die Lupe zeigt Ihnen das ganze Bild)

Der Speichel: Feuchtigkeitsspender und Reinigungskraft

In der Mundhöhle bilden die drei großen und eine Vielzahl von kleinen Kopfspeicheldrüsen jeden Tag zwischen einem halben und eineinhalb Liter Speichel. Die drei großen sind die Ohrspeicheldrüse, die Unterkiefer- und die Unterzungenspeicheldrüse. Sicherheitshalber gibt es sie gleich auf beiden Seiten des Kopfes. Der Speichel schwemmt nicht nur Essensreste, sondern auch vielerlei Keime, etwa Bakterien, Pilze, Viren, sowie Gewebepartikel weg. Damit reinigt er beständig den gesamten Mundbereich. Außerdem hält er den Mund feucht. Das erleichtert es, zu sprechen und zu schlucken. Der Speichel hilft, die Nahrung zu verdauen, sie gleitfähig zu machen und in einem ersten Schritt aufzuspalten. Zudem schützt er die Zähne vor angrifflustigen Bakterien, die in Verbindung mit Zucker zu Karies führen.

Produzieren die Speicheldrüsen zu wenig Speichel, wird der Mund trocken, brennt oft und ist krankheitsanfälliger. Schädliche Bakterien nehmen überhand. Mundgeruch und Zahnprobleme stellen sich ein. Es ist mühsamer, zu sprechen, zu kauen und zu schlucken. Weitere Folgen können Heiserkeit, häufiger Husten, Verdauungsbeschwerden und Sodbrennen sein. Auch trockene Nasenschleimhäute, trockene Augen und raue Hautstellen sind möglich.

Damit genügend Speichel fließt, müssen die Speicheldrüsen gut durchblutet und gesund, die Mundschleimhäute intakt sein. Einen wesentlichen Einfluss auf die Funktion der Speicheldrüsen hat das vegetative Nervensystem mit seinen beiden Anteilen, den sympathischen und den parasympathischen Nervensträngen. Beide wirken hier ausnahmsweise zusammen, aber der Parasympathikus führt. So können zum Beispiel Medikamente, die den Parasympathikus hemmen, zu Mundtrockenheit führen. Auch Nervenerkrankungen und Tumoren im Verlauf der zuständigen Nervenfasern stören mitunter die Speichelproduktion.

Der Stoffwechsel und der Wasser-Salz-Haushalt in den Drüsen sind ebenfalls wichtig für den Speichelfluss. Das erklärt, warum Stoffwechsel- und Hormonerkrankungen manchmal mit einem trockenen Mund einhergehen.

Angeregt wird die Speichelbildung über ausreichende Flüssigkeitszufuhr und außerdem über gutes Kauen. Wer schlecht kauen kann, etwa wegen einer Mundentzündung oder einer schlecht sitzenden Zahnprothese, leidet oft zusätzlich unter Mundtrockenheit, die ihrerseits wiederum das Kauen erschwert.



Trockener Mund und ständig Mundgeruch: Jetzt ist der Arzt gefragt

Wann zum Arzt?

Sprechen Sie immer mit Ihrem Arzt, wenn Sie ein Trockenheitsgefühl im Mund haben, das Sie sich nicht durch vorübergehende Einflüsse erklären können. Ein Grund, den Arzt aufzusuchen ist es insbesondere, wenn:

  • der Mund über eine längere Zeit oder immer wieder trocken ist,
  • die Mundtrockenheit sehr ausgeprägt ist und anfängt, Ihnen Probleme zu bereiten, zum Beispiel beim Sprechen, Kauen oder Schlucken,
  • der Mund sich trocken anfühlt, seit Sie ein bestimmtes Medikament einnehmen,
  • Sie unter Stress oder seelischen Belastungen stehen und verstärkt Trockenheit im Mund empfinden,
  • der Mund plötzlich trocken wird, Sie sich richtig krank fühlen und Sehstörungen, Übelkeit und Erbrechen dazukommen. Dann heißt es, sofort zum Arzt!
  • zusammen mit der Mundtrockenheit andere Beschwerden im Mundbereich auftreten, zum Beispiel starker Mundgeruch, Zungenbrennen, Schmerzen im Mund-Rachen-Raum, Taubheitsgefühle im Mund, Blutungen aus dem Mund, Heiserkeit, Hustenreiz, Geschmackseinbußen,
  • mit einem trockenen Mund Krankheitssymptome einhergehen wie brennende, trockene Augen, trockene Nasenschleimhaut, häufiges Wasserlassen, ein vermehrtes Durstgefühl, Sodbrennen, Gelenkschmerzen, Kopfschmerzen.

Der Hausarzt wird Sie eingehend befragen und untersuchen. Wichtige Erstinformationen liefern Ihre Lebens- und Ernährungsgewohnheiten, Medikamente, die Sie ständig oder häufig benötigen, sowie weitere Beschwerden.

Je nach Verdacht zieht der Arzt möglicherweise einen Spezialisten hinzu. Bei Erkrankungen im Mund-Nasen-Rachenraum und an den Speicheldrüsen ist das meist ein Hals-Nasen-Ohren-Arzt. Für weitere Bereiche ist häufig ein Facharzt für innere Erkrankungen (Internist) zuständig, mitunter auch ein Spezialist für rheumatische Erkrankungen (Rheumatologe), für Hormonstörungen (Endokrinologe) oder für Nervenerkrankungen (Neurologe). Psychiater und Psychotherapeut diagnostizieren und behandeln psychische Störungen. Bei Zahnproblemen oder schlecht angepassten Prothesen ist selbstverständlich der Zahnarzt gefragt (siehe auch Abschnitt „Diagnose“).

Überblick über mögliche Ursachen für einen trockenen Mund



Trockener Mund – häufige Ursachen im Alltag: Den ganzen Tag reden, zu wenig trinken, angespannt sein

Lebensgewohnheiten, Alltagsbelastungen

  • Zu wenig trinken: Zu geringe Trinkmengen haben Folgen in vielen Körperbereichen. Schleimhäute und Haut trocknen aus, der Wasser-Salz-Haushalt kann aus dem Lot kommen. Eine ausreichende Flüssigkeitszufuhr befeuchtet den Mund und hält die innere Balance des Körpers stabil. Das ist auch wichtig für die Speichelproduktion (siehe dazu Abschnitt „Therapie“).
  • Trockene, staubige Luft, Hitze: Überheizte, staubige Räume, eine zu geringe Luftfeuchtigkeit trocknen den gesamten Mundraum aus. Heiserkeit und Hustenreiz kommen oft dazu. Sonnenhitze und Schwitzen entziehen dem Körper Feuchtigkeit. Das ist auch im Mund zu spüren. Schatten und Wasser sind dann gefragt.
  • Scharf gewürzte Speisen: Die Inhaltsstoffe von Pflanzen wie Chili oder Peperoni reizen die Mundschleimhäute. Mundhöhle, Zunge und Rachen brennen und fühlen sich trocken an.
  • Alkohol: Baut der Körper Alkohol nachts oder gegen Morgen ab, gehören eine ausgedörrte Mundhöhle und Kehle zu den typischen Entzugserscheinungen. Starker Durst, Kopfschmerzen, Übelkeit sind weitere Zeichen. Dauerhaft erhöhter Alkoholkonsum kann zu schweren Stoffwechselproblemen und Erkrankungen im Mund-Rachen-Raum, zum Beispiel Krebs, führen (siehe mehr dazu im Ratgeber „Alkoholabhängigkeit“).
  • Rauchen: Partikel aus dem Tabakrauch haften an der Mundschleimhaut an, der Mund trocknet aus. Rauchen verengt die Gefäße und verschlechtert die gesamte Durchblutung. Das beeinträchtigt die Speichelbildung im Mund und erhöht das Erkrankungsrisiko im Nasen-Rachen-Raum. Damit verstärkt sich die Mundtrockenheit noch zusätzlich.
  • Aufregung, Stress: In Phasen erhöhter Anspannung reagiert der Körper nach uralten Mustern. Nervenaktivitäten, Hormonspiegel und Stoffwechsel verändern sich. So schlägt das Herz schneller, die Muskeln sind gestrafft, die Gefäße enger gestellt. Außerdem beschleunigt sich die Atmung. So ziehen wir die Luft oft verstärkt durch den Mund ein, wenn wir nervös sind. Die Kehle wird trocken, die Stimmbänder sind angespannt. Folgt keine Entspannung, können unterschiedliche körperliche und psychische Probleme entstehen. Mehr dazu im Spezial „Stress verhindern, Burnout vermeiden“.
  • Schnarchen: Die Sägegeräusche, die nachts meist den Bettnachbarn wach halten, stören den Schnarcher selbst oft nicht, führen bei ihm aber häufig zu verstärkter Mundtrockenheit. Müdigkeit am Tage und Konzentrationsprobleme sind weitere Anzeichen, dass der Schlaf gestört ist. Schnarchen kann sich in vieler Hinsicht nachteilig auf die Gesundheit auswirken. In besonderem Maße gilt das für ein Schlafapnoe-Syndrom.


Die Zunge brennt, der Mund ist trocken: Dahinter könnte eine Schleimhautentzündung stecken

Erkrankungen im Mund und im Nasen-Rachen-Raum

  • Mundschleimhautentzündungen: Auslöser sind Infektionen durch Bakterien, Viren und Pilze. Besonders anfällig dafür sind Menschen, die ohnehin schon einen trockenen Mund und eine angegriffene Mundschleimhaut haben, etwa weil sie rauchen, viel Alkohol trinken, an einer Essstörung leiden (siehe unten) oder ein geschwächtes Immunsystem haben. Zudem vermeiden es die Betroffenen wegen der Beschwerden im Mund oft, gut zu kauen. Das hemmt die Speichelbildung zusätzlich.
    Symptome: Der Mund ist trocken, oft verschleimt, er brennt und tut weh. Dazu kommen Probleme beim Schlucken, Mundgeruch, Rötungen, Schwellungen und mitunter blutige Stellen. Ein ausgeprägtes Krankheitsgefühl ist möglich. Auf einen Befall mit Candida-Hefepilzen (Mundsoor) weisen helle, weißliche Beläge hin, auf eine Infektion mit Herpesviren (Mundfäule) schmerzhafte Bläschen im Mund und Fieber.
  • Zahnerkrankungen: Mitunter ziehen Entzündungen an Zahnfleisch (Gingivitis) und Zahnhalteapparat (Parodontitis) die Mundschleimhaut in Mitleidenschaft. Das gilt auch für schlecht sitzende Zahnprothesen. Ebenso können bei Zahnproblemen das Kauen und damit die Speicheldrüsenaktivität beeinträchtigt sein. Symptome sind Zahnfleischbluten, Mundgeruch, Zahnschmerzen, besonders Schmerzempfindlichkeit auf Kaltes und Süßes, manchmal auch Mundtrockenheit.
  • Chronische Nasennebenhöhlenentzündungen: Wie bei einer einfachen Erkältung ist auch hier das Atmen durch die Nase behindert. Durch die verstärkte Mundatmung wird der Mund oft trocken. Symptome einer chronischen Nasennebenhöhlenentzündung können unter anderem wiederholte Kopfschmerzen, erschwerte Nasenatmung, trockene Nasenschleimhäute und zugleich Rückfluss von Schleim in den Rachen sein. Die Betroffen müssen häufig husten und nehmen Gerüche schlechter wahr.
  • Zungenbrennen oder Burning mouth syndrome: Zu den Ursachen dieses weitreichenden Beschwerdebilds im Mund gehören Pilzinfektionen, allergische Reaktionen, Probleme mit Zahnprothesen sowie Mangelerscheinungen, etwa ein Mangel an B-Vitaminen, oder hormonelle Umstellungen, zum Beispiel in den Wechseljahren. Auch psychischer Stress kommt als Auslöser infrage. Symptome: Brennen und Schmerzen auf der Zunge und oft in weiteren Bereichen des Mundes, mitunter ein trockener Mund sowie Geschmacksstörungen.
  • Hunter-Glossitis: Diese Entzündung der Zunge kann bei einem Vitamin-B-Mangel mit Blutarmut auftreten. Symptome: Zu den häufigen Kennzeichen einer Blutarmut wie Blässe, Müdigkeit, Schwächegefühl kommen dann Brennen und Schmerzen auf der Zunge. Mundtrockenheit, Geschmacksprobleme. Die Zunge sieht glatt und grau-rot aus.


Trockener Mund, Schwellungen am Hals und hinter den Ohren: Möglicherweise sind die Speicheldrüsen betroffen

Erkrankungen der Speicheldrüsen

Neben Viren (Mumps-Virus zum Beispiel) können Bakterien zu Entzündungen an der Ohrspeicheldrüse und anderen Kopfspeicheldrüsen führen. Weitere Auslöser für entzündliche Prozesse sind Störungen im Immunsystem (siehe nächsten Abschnitt: Sjögren-Syndrom) oder Strahlentherapien. Für Störungen in der Speichelbildung verantwortlich sind mitunter auch nicht-entzündliche Schwellungen, Verletzungen oder Tumore der Speicheldrüsen.

  • Akute Speicheldrüsenentzündungen: Mundtrockenheit lösen vor allem akute bakterielle Infektionen aus. Anfällig dafür sind jedoch eher Menschen, die sich schlecht ernähren, zu wenig trinken, ausgezehrt sind und deshalb schon zu wenig schützenden Speichelfluss haben. Ursachen für Entzündungen sind manchmal auch Zahnprobleme oder Speichelsteine. Dies sind Ablagerungen in den Gängen und im Gewebe der Speicheldrüsen.
    Symptome: Die erkrankte Drüse ist geschwollen, schmerzt und kann gerötet sein, manchmal fließt Eiter heraus. Eventuell steht das Ohrläppchen ab. Die Kranken haben dazu oft Fieber und können die Kiefer schlecht öffnen. Die Speichelbildung geht zurück, der Mund wird damit trockener.
  • Chronische Speicheldrüsenentzündungen: Einige chronische Infektionen, etwa im Rahmen einer Aids-Erkrankung, gehen mit Mundtrockenheit einher. Symptome: Die Drüsen sind immer wieder geschwollen, auf einer oder auf beiden Seiten. Der Speichel im Mund verändert sich, er kann salziger schmecken, zunehmende Trockenheit ist möglich.
  • Strahlensialadenitis: Sialadenitis ist der medizinische Fachausdruck für Speicheldrüsenentzündung. Eine Bestrahlung von Kopf- oder Halstumoren kann die Speicheldrüsen schädigen. Sie entzünden sich und bilden weniger Speichel. Hartnäckige, mitunter sogar bleibende Mundtrockenheit, Geschmackseinbußen, Zungenbrennen, häufiger Mundsoor (siehe oben: Mundschleimhautentzündung) sind die Folgen.
  • Beidseitig geschwollene Kopfspeicheldrüsen (Sialadenose): Meist sind es die Ohrspeicheldrüsen, die anschwellen, ohne dass eine Entzündung vorliegt. Die Speichelproduktion ist gestört. Mediziner gehen davon aus, dass die Nervenfasern des vegetativen Nervensystems, die die Kopfspeicheldrüsen steuern, geschädigt sind. Die Ursachen dafür können vielfältig, manchmal aber auch nicht feststellbar sein. Stoffwechselprobleme durch Alkoholabhängigkeit, Mangelerscheinungen bei Essstörungen oder Zöliakie, Hormonstörungen in den Wechseljahren, bei Schilddrüsenerkrankungen und Diabetes mellitus oder Arzneimittelwirkungen kommen unter anderem als Auslöser infrage.
    Symptome: Meist sind die beiden Ohrspeicheldrüsen, manchmal auch die Unterzungendrüsen oder die Unterkieferspeicheldrüsen geschwollen, ohne zu schmerzen. Der Speichelfluss geht zurück, der Mund ist trocken.
  • Verletzungen: Häufig ist die Ohrspeicheldrüse von direkten Schäden betroffen. Nicht selten wird bei Verletzungen auch der Gesichtsnerv in Mitleidenschaft gezogen. Die Symptome sind je nach Verletzungsart unterschiedlich. Es können Blutungen und Schmerzen auftreten. Die Speichelbildung ist meist behindert, der Mund dadurch trocken. Auch eine Gesichtslähmung ist möglich.
    Mitunter haben seltene Fehlbildungen der Speicheldrüsen einen verminderten Speichelfluss mit Mundtrockenheit zur Folge. Verengungen und Hindernisse in den Drüsengängen entstehen manchmal auch durch einen Tumor.
  • Tumore der Speicheldrüsen: Typische Zeichen für eine gutartige Wucherung ist meist eine schmerzlos angeschwollene Drüse ohne weitere Symptome. Die weitaus selteneren bösartigen Formen bereiten unterschiedliche Beschwerden, je nachdem wie schnell und wo sich der Tumor ausbreitet. Mögliche Symptome sind dann Schmerzen, geschwollene Lymphknoten, eine Gesichtslähmung. Die Krebsentwicklung kann sich manchmal auch auf die Speichelproduktion auswirken. Es kommt zu Mundtrockenheit oder noch häufiger zu übermäßigem Speichelfluss.

Autoimmunerkrankung: Sjögren-Syndrom

Ein trockener Mund gehört zu den Leitsymptomen des Sjögren-Syndroms. Es ist die zweithäufigste Autoimmunerkrankung nach der rheumatoiden Arthritis. Autoimmun bedeutet, dass fehlgeleitete Abwehrreaktionen eigene Körperstrukturen angreifen. Beim Sjögren-Syndrom richten sie sich gegen die Speichel- und Tränendrüsen. Diese entzünden sich chronisch. Die Erkrankung kann sich infolge einer rheumatoiden Arthritis, einer Bindegewebserkrankung oder einer Leberentzündung (Hepatitis B oder C) entwickeln. Sie tritt jedoch auch ohne erkennbare Ursache auf. Bei dieser primären Form erkranken zusätzlich häufig noch Gelenke und Lymphknoten.

Symptome: Die Speichel- und Tränenproduktion geht mehr und mehr zurück, Mund und Augen trocknen aus (Sicca-Syndrom). Die Augen brennen oft, ein Druck- und Fremdkörpergefühl kommt dazu. Die Erkrankten haben Schluckbeschwerden und Atemprobleme, da auch die Schleimhäute in der Nase, in den Atemwegen und in der Speiseröhre trocken werden. Weitere mögliche Folgen sind Husten, Heiserkeit, häufige Lungen- und Speiseröhrenentzündungen, Zahnerkrankungen. Die Lymphknoten können anschwellen, häufig schmerzen die Gelenke aufgrund der Gelenkentzündung. Mögliche Folgeerkrankungen sind zudem Allergien, eine Glutenunverträglichkeit (Zöliakie) oder Nierenschäden.



Medikamente im Alter: Einige könnten der Grund für Mundtrockenheit sein

Medikamente
Mundtrockenheit ist eine Nebenwirkung einer ganzen Reihe von Arzneimitteln. Dabei handelt es sich einmal um Medikamente, die Nervenaktivitäten im Gehirn und im Kopfbereich beeinflussen. Im Vordergrund steht dabei das vegetative Nervensystem mit seinen beiden Anteilen, dem Sympathikus und dem Parasympathikus. Es regelt die Speichelmenge in entscheidender Weise. Aber auch übergeordnete Nervenimpulse wirken über vielfältige Verschaltungen mit. Andere Arzneistoffe verändern dagegen den Stoffwechsel, auch in den Kopfspeicheldrüsen. Die Folge können Schwellungen und eine gestörte Speichelbildung sein. Zu den Medikamenten, die Mundtrockenheit auslösen können, gehören:

  • Psychopharmaka: Hierzu zählen insbesondere Mittel gegen Depressionen (Antidepressiva) sowie Medikamente gegen Psychosen, Angstzustände und andere psychische Störungen (Neuroleptika). Bei den Antidepressiva spielen vor allem die trizyklischen Antidepressiva eine Rolle, aber auch einige Serontonin-Wiederaufnahmehemmer (SSRI) sowie bestimmte Serontonin-Noradrenalin-Wiederaufnahmehemmer (SNRI). Ein Mittel aus dieser Gruppe wie Duloxetin kommt neben anderen Arzneistoffen zudem als Medikament gegen Blasenschwäche oder bei schmerzhaften diabetischen Nervenstörungen zum Einsatz.
  • Anticholinergika: Diese Arzneimittel beeinflussen den parasympathischen Teil des vegetativen Nervensystems. Mundtrockenheit ist eine häufige Nebenwirkung. Zu den Anticholinergika zählt Atropin. In Form von Augentropfen erweitert es die Pupillen. Neben anderen Arzneistoffen wird es zudem als Medikament zur Einleitung von Narkosen gelistet, spielt hier inzwischen aber eher eine untergeordnete Rolle. Andere Anticholinergika setzen Ärzte als Mittel gegen Blasenschwäche ein, kurzfristig überbrückend manchmal gegen einen zu langsamen Herzschlag, als krampflösende Medikamente oder Asthmamittel. Auch in der Therapie der Parkinson-Krankheit wenden Nervenärzte mitunter anticholinerge Substanzen an.
  • Schlafmittel, Beruhigungsmittel: Einen trockenen Mund rufen bestimmte Schlafmittel hervor, die mitunter kurzfristig bei ausgeprägten Schlafstörungen Anwendung finden. Dazu gehören bestimmte Substanzen aus der Gruppe der sogenannten Antihistaminika, die teilweise rezeptfrei erhältlich sind und auch als Mittel gegen Übelkeit und Erbrechen wirksam sein können.
    Ebenso verursachen Benzodiazepine manchmal Mundtrockenheit. Ärzte verordnen diese starken Beruhigungsmittel unter anderem gezielt bei Angsterkrankungen oder in der Epilepsiebehandlung.
  • Schmerzmittel: Starke Schmerzmittel aus der Gruppe der Opioide sowie das Husten- und Schmerzmittel Codein haben als Nebenwirkung oft Mundtrockenheit.
  • Antibiotika: Hier sind es in erster Linie Penicilline, die zu einem trockenen Mund führen können.
  • Herz- und Bluthochdruckmedikamente: Nicht wenige von ihnen lösen ein Trockenheitsgefühl im Mund aus. Dazu gehören einige Diuretika (wasser- und salzausschwemmende Mittel), ACE-Hemmer, Betablocker und Kalziumantagonisten.
  • Chemotherapeutika: Krebspatienten haben sehr häufig unter Mundtrockenheit zu leiden. Neben Strahlentherapien im Kopfbereich greifen auch zur Chemotherapie eingesetzte Substanzen oft die Mundschleimhaut an. Entzündungen und ein gestörter Speichelfluss sind mögliche Folgen. Hier helfen begleitende Behandlungsmaßnahmen, die Entzündungen zu mildern und den Mund feucht zu halten (siehe unten im Abschnitt „Therapie“).
  • Weitere Medikamente: Sogenannte zentrale Antisympathotonika haben häufig Mundtrockenheit zur Folge. Wirkstoffe aus dieser Gruppe kommen mitunter als Zusatzmedikamente in der Glaukombehandlung, als Alkoholentzugsmittel und vereinzelt noch als Bluthochdruckmittel infrage. Weitere Auslöser für einen trockenen Mund können muskelentspannende Medikamente sein, einige andere Parkinson-Mittel sowie bestimmte Antiepileptika.

Wenn Sie den Eindruck haben, dass Ihr Mundraum deutlich trockener ist, seit Sie ein bestimmtes Medikament einnehmen, sprechen Sie mit Ihrem Arzt darüber. Gegebenenfalls kann er das Medikament wechseln oder die Dosierung anpassen. Oft genügen jedoch schon Maßnahmen, die den Speichelfluss anregen (siehe Abschnitt „Therapie“). Setzen Sie kein Arzneimittel von sich aus ab und verändern Sie auch nicht die Dosis selbsttätig.



Mit Verhaltenstherapie Ängste überwinden

Psychische Erkrankungen

Krankhafte seelische Störungen wirken sich oft auf das vegetative Nervensystem aus. Dieses reguliert die weitgehend unwillkürlich ablaufenden Lebensvorgänge im Körper wie die Verdauung, die Bildung von Schweiß, Speichel und Tränenflüssigkeit, die Herztätigkeit, den Blutdruck, die Atmung, die Sexualität und vieles mehr (siehe auch oben). Eine psychische Erkrankung verändert aber auch noch andere Nervenaktivitäten im Gehirn und davon abhängige Hormonfunktionen. So kommt es bei vielen Krankheitsbildern neben den seelisch-geistigen Symptomen zu ausgeprägten körperlichen Beschwerden. Mundtrockenheit gehört oft mit dazu.

  • Angststörungen: Aufregung und Ängstlichkeit im Alltag verursachen über das vegetative Nervensystem und weitere Einflüsse häufig einen trockenen Mund. Bei Angsterkrankungen beherrschen ängstliche Anspannung und Panikgefühle mehr oder weniger ausgeprägt das ganze Leben. Die seelischen und körperlichen Symptome sind vielfältig. Mundtrockenheit kann sich immer wieder einstellen, insbesondere während einer Panikattacke. Lesen Sie mehr über krankhafte Ängste im Ratgeber „Angst“.
  • Depressionen: Eine depressive Erkrankung zeigt sich in oft sehr unterschiedlichen Krankheitszeichen. Körperliche Beschwerden begleiten die seelischen und geistigen Veränderungen. Sie können viele Organfunktionen betreffen. Mundtrockenheit gehört neben Zungenbrennen, Geschmackseinbußen, Sehstörungen, Hörproblemen, Kopfschmerzen und Schwindel zu den möglichen Symptomen im Kopfbereich. Ausführliche Informationen gibt der Ratgeber „Depressionen“.
  • Essstörungen: Den unterschiedlichen Formen gestörten Essverhaltens liegt eine tiefgreifende seelische Problematik zugrunde. Die gesundheitlichen Folgen etwa einer Magersucht oder einer Bulimie sind schwerwiegend. Bei der Magersucht steht der lebensbedrohliche Gewichtsverlust im Vordergrund. Menschen mit Bulimie versuchen, durch selbst herbeigeführtes Erbrechen Heißhungerattacken auszugleichen.
    Ausgeprägte Mangelzustände bringen bei beiden Krankheitsbildern den gesamten Stoffwechsel aus dem Lot. Es kommt zu Verschiebungen im Salz-Wasser-Haushalt, Vitaminmangelerscheinungen und Magen-Darm-Problemen. Das Gleichgewicht von Nerven und Hormonen ist nachhaltig gestört. Das zeigt sich zum Beispiel am Ausbleiben der Regelblutung bei vielen magersüchtigen Frauen. Mundtrockenheit ist nur ein mögliches körperliches Symptom unter vielen.
    Eingehend informieren die Ratgeber „Magersucht“ und „Bulimie“.


Blutzucker messen bei Diabetes mellitus: Mit regelmäßiger Kontrolle die Werte im Griff haben und Folgeschäden vorbeugen

Stoffwechsel- und Hormonerkrankungen

Ein gestörter Wasser-Salz-Haushalt, der zu Austrocknungserscheinungen führt, gehört zu den wesentlichen Ursachen für einen trockenen Mund. Doch auch andere Stoffwechselprobleme können sich auf die Speicheldrüsen und den Speichelfluss auswirken.

  • Diabetes mellitus: Mit dem Ansteigen der Blutzuckerwerte entgleist der Stoffwechsel. Der Körper scheidet vermehrt Zucker über den Urin aus. Damit verliert er Wasser und Mineralstoffe und kann austrocknen. Zu den Symptomen einer Zuckerkrankheit gehören daher auch oft häufiges Wasserlassen und starker Durst. Die Betroffenen fühlen sich müde und abgeschlagen und verlieren an Gewicht. Mundtrockenheit kann durch den Flüssigkeitsverlust auftreten, später auch neben anderen Symptomen durch die Stoffwechselveränderungen sowie durch mögliche Nieren- und Nervenschäden.
    Auf www.diabetes-ratgeber.net finden Sie das Wichtigste zu Ursachen, Symptomen und Therapien von Diabetes Typ 1 und Diabetes Typ 2.
  • Diabetes insipidus: Übermäßiger Durst, ständiges Trinken und vermehrtes Wasserlassen, auch nachts, sind die kennzeichnenden Symptome dieser Hormonerkrankung. Sie hat übrigens nichts mit dem Diabetes mellitus zu tun. Die Störung betrifft die Nieren und führt zu einer veränderten Zusammensetzung des Urins. Die Ursachen für einen Diabetes insipidus liegen häufig im Gehirn, und zwar in der Hirnanhangdrüse. Sie bildet aus unterschiedlichen, oft unbekannten Gründen zu wenig von einem bestimmten Steuerhormon. Es kann aber auch sein, dass die Nieren selbst nicht mehr richtig auf das Hormon ansprechen.
  • Austrocknung durch Infektionen und Hitzeschäden: Wenn der Körper mehr Flüssigkeit verliert, als er aufnimmt, kann er austrocknen (dehydrieren). Das ist vor allem bei Darminfektionen möglich, die mit Erbrechen, Durchfall und Fieber einhergehen. Ein unangenehm trockener Mund kommt oft dazu. Auch starke Blutverluste verursachen einen Flüssigkeitsmangel. Ebenso entzieht extreme Hitzeeinwirkung, etwa wenn jemand zu lange intensiver Sonnenbestrahlung ausgesetzt ist, dem Körper Wasser und Salze (Elektrolyte).
    Ein gestörter Elektrolythaushalt verändert zudem zahlreiche Nervenimpulse und beeinträchtigt die Nervenzellen im Gehirn. Symptome: Mundtrockenheit ist nur eine Folge. Im Vordergrund stehen Beschwerden wie Kopfschmerzen, Schwarzwerden vor Augen, Blutdruckabfall, Herzjagen. Die Betroffen fühlen sich schwach, schwindlig und sind oft geistig verwirrt.

Störungen im Nervensystem

Schäden an den Nervenfasern des vegetativen Nervensystems können sich auf die Speichelbildung im Mund auswirken. Sie entstehen zum Beispiel durch Verletzungen, Operationsfolgen, Bestrahlungen oder durch Tumore. Eine weitere Rolle spielen Infektionen und entzündliche Veränderungen. Dazu kann es insbesondere nach einer HIV-Infektion kommen. Trockene Schleimhäute mit Mundtrockenheit stellen ein häufiges Problem für Aids-Kranke dar.

  • Botulismus: Das Bakterium Clostridium botulinum entwickelt sich vor allem in verdorbenen Lebensmitteln oder verunreinigten Konserven. Manchmal bildet es sich auch in Wunden. Es enthält ein Nervengift, das Übelkeit, Erbrechen, Durchfall und schließlich Lähmungen im Augenbereich mit Sehstörungen, trockene Augen, Mundtrockenheit und Schluckprobleme hervorruft. Lebensmittelvergiftungen durch den Botulismus-Erreger sind in Deutschland durch verbesserte Hygiene inzwischen seltener geworden.
  • Lambert-Eaton-Syndrom: Mundtrockenheit ist ein sehr häufiges Symptom dieser Autoimmunerkrankung. Hier verhindern die körpereigenen Abwehrkräfte die Übertragung von Nervenimpulsen, insbesondere auch bei den vegetativen Nerven. Ein Lambert-Eaton-Syndrom kann Folge einer Krebserkrankung sein, in erster Linie eines Bronchialkarzinoms. Es entwickelt sich mitunter auch im Rahmen anderer Autoimmunerkrankungen, etwa einer Schilddrüsenentzündung oder einer bestimmten Form der Blutarmut, der perniziösen Anämie.
    Symptome: Trockener Mund, trockene Augen, Muskelschwäche vor allem im Beckenbereich und in den Beinen, die sich bessert, wenn die Betroffenen die Muskeln bewegen. Kribbeln, Blutdruckabfall im Stehen, Probleme beim Schlucken, Sehstörungen und Impotenz sind weitere mögliche Beschwerden.


Mundtrockenheit auf der Spur: Der Arzt untersucht zuerst den Mundraum

Diagnose: Wie der Arzt vorgeht

Erster Ansprechpartner ist meist der Hausarzt. Zu Beginn der Untersuchung wird er sich im Arzt-Patient-Gespräch eingehend erkundigen, wie sich die Mundtrockenheit äußert, seit wann sie besteht, ob das Trockenheitsgefühl ständig vorhanden ist oder in Abständen immer wieder auftritt und welche Beschwerden Sie außerdem noch haben. Wichtig ist es für den Arzt auch zu wissen, wie viel Sie täglich trinken, ob Sie Schlafprobleme haben, zum Beispiel heftig schnarchen, und ob Sie seelisch stark belastet sind. Weitere Aspekte sind das Rauchen und ein erhöhter Alkoholkonsum.

In der Regel kennt der Hausarzt Ihre Grunderkrankungen und die entsprechenden Therapien. Teilen Sie ihm mit, wenn sich hier körperlich etwas verändert hat oder Sie eine neue, ihm unbekannte Diagnose von einem anderen Arzt erhalten haben.

Es folgt die körperliche Untersuchung. Dabei erkennt der Arzt im Mund-Rachen-Raum oft schon typische Trockenheitszeichen. Schleimhäute und Zunge können verändert, Rötungen und Entzündungsherde sichtbar sein. Der Arzt sieht sich die Bereiche der Kopfspeicheldrüsen an, prüft, ob es äußere Schwellungen am Hals und im Kopfbereich gibt, betrachtet die Augen. Hinweise erhält er zudem aus der Bewegungsfähigkeit der Gesichtsmuskeln.

Die Speichelproduktion kontrolliert der Arzt manchmal mit einer einfachen Methode, dem Saxon-Test. Hierzu nimmt der Patient für etwa zwei Minuten einen Wattebausch in den Mund, den der Arzt anschließend abwiegt. Diesen Test wenden meist Fachärzte für innere Medizin (Internisten) an, wenn sie ein Sjögren-Syndrom diagnostizieren (siehe auch unten), ebenso nutzen ihn Hals-Nasen-Ohren-Ärzte.

Erste Blut- und Urintests können Hinweise auf Entzündungen und Stoffwechselstörungen geben. Je nach Verdacht wird der Hausarzt einen Spezialisten hinzuziehen.

Der Hals-Nasen-Ohren-Arzt untersucht den gesamten Mund-Nasen-Rachenraum und die Speicheldrüsen. Meist schließt sich eine Ultraschalluntersuchung an, insbesondere der Speicheldrüsen. Hierbei kann der HNO-Arzt oft schon wesentliche Veränderungen aufdecken. Mitunter sind eine Computertomografie oder eine Magnetresonanztomografie angezeigt.

Eine Sialoendoskopie ermöglicht es, die Drüsengänge, durch die der Speichel austritt, mit einem speziellen Rohr (Endoskop) zu betrachten. Manchmal ist auch eine Endoskopie der Nasenhöhle angezeigt, um chronische Entzündungen und Schleimhautveränderungen zu erkennen. Stellt der Arzt deutliche Schwellungen der Speicheldrüsen fest, entnimmt er häufig Gewebeproben (Biopsie) zur feingeweblichen Untersuchung, etwa bei Verdacht auf einen Tumor oder auf ein Sjögren-Syndrom.

Für die Diagnose und Behandlung von Autoimmunerkrankungen wie dem Sjögren-Syndrom sowie von Stoffwechsel- und Hormonstörungen sind meist spezialisierte Internisten zuständig. Das können ein Rheumatologe, ein Hormonspezialist (Endokrinologe) oder ein Diabetologe sein. Erweiterte Blut- und Urinuntersuchungen im Labor, Hormontests sowie bildgebende Verfahren sichern häufig die jeweilige Diagnose. Um ein Sjögren-Syndrom festzustellen, sind zudem augenärztliche Untersuchungen wichtig.

Erkrankungen des Nervensystems diagnostiziert ein Neurologe. Er wendet verschiedene Testverfahren an, um Schädigungen an den vegetativen Nervenfasern zu prüfen. Mitunter helfen auch bildgebende Verfahren, Ort und Ursache einer Störung zu klären. In seltenen Fällen kann eine Untersuchung von Nervenwasser (Liquorpunktion) angezeigt sein.

Mit ausführlichen Gesprächen sowie speziellen Tests decken Psychiater und Psychotherapeuten psychische Störungen auf. Mitunter ist hier auch der Aufenthalt in einer Spezialklinik angezeigt, etwa bei Essstörungen.



Täglich Zähne und Mundraum pflegen: Das ist ganz wichtig bei trockenem Mund

Therapie: die zugrundeliegende Erkrankung behandeln, den Speichelfluss anregen

Die Therapie richtet sich immer zuerst nach der Diagnose. Mit der Behandlung einer krankhaften Ursache bessert sich oft auch die Mundtrockenheit. Mehr zu den Therapien unterschiedlicher Krankheiten erfahren Sie, wenn Sie auf die Links zu den entsprechenden Krankheitsratgebern klicken (siehe Abschnitt „Überblick über mögliche Ursachen“).

Teil einer Therapie sind zudem häufig Maßnahmen, die helfen, den Speichelfluss anzuregen. Hier einige Beispiele:

  • Wichtig ist es in der Regel, viel zu trinken. Besprechen Sie jedoch mit Ihrem Arzt, welche Menge für Sie angemessen ist, vor allem wenn Sie an einer Herz-, Leber- oder Nierenerkrankung leiden. Geeignete Getränke sind Mineralwasser, Kräutertees ohne Zucker oder Saftschorlen, die nicht zu viel Säure enthalten. Häufig tut es gut, immer wieder über den Tag verteilt in kleinen Schlucken zu trinken.
  • Auch Kaugummikauen und zuckerfreie Bonbons lutschen unterstützt die Speichelbildung.
  • Achten Sie darauf, dass die Luftfeuchtigkeit in Ihren Räumen ausreichend hoch ist.
  • Vermeiden Sie scharf gewürzte oder stark gesalzene Speisen. Sie reizen die Mundschleimhäute und entziehen ihnen Feuchtigkeit. Harte Brotkrusten oder Gebäckteile reiben mitunter den Gaumen auf. Dadurch brennt und schmerzt der Mund noch mehr. Auch Kaffee und Alkohol verstärken die Trockenheit im Mund. Essen Sie am besten ausgewogen mit viel Gemüse und Obst.
  • Ganz entscheidend: Geben Sie das Rauchen auf.
  • Eine gute Mundhygiene beugt Entzündungen vor. Pflegen Sie Ihre Zähne regelmäßig. Tipps hierzu finden Sie im Spezial "Zahngesundheit".

Wenn die Trockenheit im Mund sehr ausgeprägt und belastend ist, können Lutschtabletten und Medikamente, die die Speichelproduktion fördern, sinnvoll sein. Spezielle Lösungen zum Spülen befeuchten die Mundhöhle. Es gibt auch Speichelersatzpräparate. Ärzte setzen den künstlichen Speichel manchmal beim Sjögren-Syndrom oder bei Mundtrockenheit ein, die durch Chemo- und Strahlentherapien entstanden ist.

 


Fachliteratur und Fachredaktion:

Probst, R., Grevers, G., Iro, H. (Hrsg.): Hals-Nasen-Ohren-Heilkunde, Thieme Verlag 2008
Classen/Diehl/Kochsiek: Innere Medizin, Hrsg. Böhm, M., Hallek, M., Schmiegel, W., Elsevier, Urban & Fischer Verlag, 2009
Herold, Gerd, und Mitarbeiter: Innere Medizin, 2012
Mumenthaler, M., Mattle, H.: Neurologie, Thieme Verlag 2008
Möller, H.-J., Laux, G., Deister, A.: Psychiatrie und Psychotherapie, Thieme Verlag, 2009

Fachredaktion: Dr. med. Claudia Osthoff


Wichtiger Hinweis:

Dieser Artikel enthält nur allgemeine Informationen und darf nicht zur Selbstdiagnose oder -behandlung verwendet werden. Er kann einen Arztbesuch nicht ersetzen. Die Beantwortung individueller Fragen durch unsere Experten ist leider nicht möglich.




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Andrea Blank-Koppenleitner / www.apotheken-umschau.de; 25.04.2012, aktualisiert am 30.08.2013
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