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Übermäßiges Schwitzen (Hyperhidrose)

Hinter einer erhöhten Schweißproduktion können vielfältige Ursachen stecken – scheinbar grundlos überaktive Nerven oder ernsthafte Krankheiten


Schwitzen vor Aufregung: Die erste Rede, ein wichtiger Termin – Stressmomente lassen so manchen in Schweiß ausbrechen

Jeder Mensch muss oder sollte schwitzen: wenn er Sport treibt, sich in sommerlicher Hitze aufhält, Fieber hat, oder einfach zu warm angezogen ist. Die Schweißperlen auf Stirn und Rücken, die Rinnsale in den Achselhöhlen – sie sind oft lebensnotwendig, denn sie helfen dem Körper, Temperaturunterschiede auszugleichen, übermäßige Wärme aus dem Inneren nach außen abzuleiten.

Wer sich körperlich anstrengt, verbraucht mehr Energie, die den Organismus aufheizt. Beim Essen verbrennen wir die nötigen Energielieferanten wie Kohlenhydrate und Fette. Scharf gewürzte Speisen, allzu üppige Mahlzeiten mit viel Alkohol kurbeln den Stoffwechsel und damit die Wärmeproduktion zusätzlich an.

Viele Menschen haben zudem feuchte Hände vor einer Prüfung, halten mit durchschwitztem Hemd ihre erste Rede, auch wenn es im Raum kühl ist. Heftige Gefühle wie Wut, aber auch quälende Empfindungen wie Schmerzen sind oft schweißtreibend. Und nicht zuletzt können ein knurrender Hund oder ein unbekanntes Geräusch auf dem nächtlichen Nachhauseweg ein Grund sein, um in kalten Angstschweiß auszubrechen. In belastenden, bedrohlichen Situationen schüttet der Körper vermehrt Stresshormone aus, und die Nerven, die die Schweißproduktion steuern, werden überaktiv.



Kühlende Schweißtropfen

Schweißtreiber: Von sympathischen Nerven und Hormonen

Fast überall in der Haut befinden sich Schweißdrüsen, besonders viele davon sammeln sich an den Handinnenflächen, den Fußsohlen und auf der Stirn. Sie sondern eine salzhaltige Flüssigkeit ab, die auf der Hautoberfläche verdunstet und damit für Abkühlung sorgt. Der wässrige Schweiß enthält zudem Mineralstoffe wie Kalzium und Magnesium und körpereigene Abwehrstoffe. Das bedeutet übrigens auch, dass Menschen, die stark schwitzen, den Verlust an Flüssigkeit und Salzen wieder ausgleichen müssen, indem sie viel trinken, etwa Mineralwasser. Eine andere Art von Drüsen scheidet unter den Achseln und im Genitalbereich neben Wasser und Salzen ein eher fetthaltiges Sekret aus. Dieses ist übrigens zunächst geruchlos und beginnt erst zu riechen, wenn es auf die Bakterien an der Hautoberfläche trifft, die es in unangenehm riechende Substanzen zerlegen.

Wann und in welchem Ausmaß die Schweißdrüsen aktiv werden, regelt das vegetative Nervensystem. Mit seinem sympathischen und parasympathischen Anteil ist es für die überwiegend unwillkürlich ablaufenden Körperfunktionen wie etwa Verdauung, Kreislauf, Atmung, Stoffwechsel, Wärme- und Energiehaushalt und bestimmte Sexualfunktionen verantwortlich. Zuständig für das Schwitzen sind die Fasern des sympathischen Nervengeflechts. Sie geben den Drüsen das Kommando zur Schweißbildung über den Nervenbotenstoff Acetylcholin. Die oberste Steuerzentrale für die Wärmeregulierung liegt in einem bestimmten Gehirnbereich, im Hypothalamus. Von dort aus werden die vegetativen Nervenaktivitäten und damit auch das Zusammenspiel der Hormone koordiniert. Eine Reihe von Hormonen ist entscheidend beteiligt, wenn es um Stoffwechsel, Temperaturausgleich und die Schweißproduktion geht.

Schwitzen ist also grundsätzlich eine gesunde und lebenswichtige Körperfunktion. Doch auch hier gibt es individuelle Unterschiede. Bei manchen Menschen rinnt die salzige Flüssigkeit schneller, andere brauchen lange, um in Schweiß auszubrechen. Ebenso verändert sich die persönliche Schweißneigung häufig in bestimmten Lebensphasen. Stress, die psychische Verfassung, hormonelle Umstellungen, Körpergewicht, Ernährung, Alltagsgewohnheiten – zahlreiche Faktoren haben Einfluss darauf, wie schnell und stark jemand schwitzt.

Wenn Schwitzen zur Belastung wird

Die Schweißproduktion kann jedoch über ein als normal empfundenes Maß ansteigen und zeitweise oder dauerhaft gestört sein. Mediziner sprechen bei übermäßigem Schwitzen am Tage von Hyperhidrose. Dabei schwitzen die Betroffenen meist nur untertags, nachts dagegen nicht (zur nächtlichen Hyperhidrose siehe Ratgeber „Nachtschweiß“).

Das Beschwerdebild kann als idiopathische oder primäre Hyperhidrose ohne erkennbare Ursache auftreten. Oft zeigen sich die Probleme hier schon in der Kindheit oder Jugend. Dann sind vor allem Handflächen und Fußsohlen immer wieder feucht bis nass, ebenso Achseln und Stirn, und das, obwohl die Betroffenen weder besonders aufgeregt sind noch sich körperlich angestrengt haben. Das häufige, ausgeprägte Schwitzen beeinträchtigt das Alltagsleben erheblich. Jedes Händeschütteln wird zur Qual, der Kontakt zu anderen ist erschwert. Sozialer Rückzug, depressive Verstimmungen, Ängste, aber auch verstärkte körperliche Inaktivität gehören zu den Folgen (mehr dazu siehe unten: „Übersicht über die wichtigsten Ursachen“).

Wer immer wieder tropfnass ist und meist am ganzen Körper schwitzt, dazu noch andere Beschwerden hat, leidet möglicherweise an einer sekundären Hyperhidrose. Sie tritt entweder bei einer körperlichen Veränderung und Belastung auf, etwa in den Wechseljahren, bei Übergewicht, bei Stress, oder sie ist ein Symptom einer bestimmten Erkrankung. Verantwortlich sind häufig Hormon- und Stoffwechselerkrankungen, etwa eine Schilddrüsenüberfunktion, Infektionen, Nervenstörungen, Krebsleiden oder psychische Erkrankungen wie Angststörungen. Zudem gehört verstärktes Schwitzen zu den Nebenwirkungen einiger Medikamente (siehe weiter unten: „Übersicht über die wichtigsten Ursachen“).

Unvermittelte, akute Schweißausbrüche, meist mit kaltem Schweiß am ganzen Körper, können mitunter einen Notfall wie einen Herzinfarkt anzeigen. Häufig kommen Begleitbeschwerden wie Zittern, Angstgefühle, Kopf- und Brustschmerzen, Atemnot, Schwindel dazu. Solche Symptome können aber auch Ausdruck einer Panikattacke im Rahmen einer Angststörung sein oder gehören zu den Entzugserscheinungen bei Alkoholmissbrauch oder Drogenproblemen.



Blutdruckmessen beim Arzt: Den Ursachen auf der Spur

Wann zum Arzt?

Gehen Sie zum Arzt, wenn

  • Sie unter einer andauernden intensiven Schweißbildung leiden, die mit den üblichen Hygienemaßnahmen nicht zu kontrollieren ist und das private wie berufliche Leben belastet,
  • Sie schon bei der geringsten Aufregung oder Anstrengung nasse Handflächen und/oder Fußsohlen bekommen und es von Achseln, Stirn und Kopfhaut tropft
  • Sie häufig am Kopf und/oder am ganzen Körper schwitzen, auch wenn es draußen oder im Raum nicht besonders heiß ist,
  • Sie weiterhin zu Schweißausbrüchen neigen, auch wenn ein Infekt mit Fieber schon überstanden ist,
  • zum häufigen Schwitzen andere Beschwerden kommen wie Glieder-, Muskel-, Rücken- oder Kopfschmerzen, starker Durst, Blässe, Magen-Darm-Probleme, Nervosität, Ängste, depressive Verstimmungen,
  • Sie unvorhergesehene Schweißattacken mit Zittern, Schwindel, Herzrasen bekommen, sobald Sie einer bestimmten Situation ausgesetzt sind, etwa in einem Aufzug fahren oder eine Spinne entdecken.
  • Alarmzeichen: Wenn plötzlich kalter Schweiß ausbricht, dazu Schmerzen in der Brustgegend kommen, die bis in den Hals und Arm ausstrahlen können, eventuell begleitet von Übelkeit, Schwächegefühl, Schwindel, Atemnot, dann besteht der Verdacht auf einen Herzinfarkt. Auch ein einreißendes Aneurysma der Hauptschlagader ruft manchmal ähnliche akute Beschwerden hervor. Immer wenn solche Symptome auftreten, heißt es unverzüglich den Notarzt rufen.

Der erste Ansprechpartner wird in der Regel der Hausarzt sein. Ein eingehendes Gespräch mit dem Patienten sowie erste körperliche Untersuchungen geben ihm oft schon Hinweise auf eine mögliche Ursache. Falls notwendig, wird der Allgemeinarzt einen Spezialisten hinzuziehen. Das kann ein Internist, eventuell mit dem Schwerpunkt Hormon- und Stoffwechselstörungen (Endokrinologe) oder Diabetes (Diabetologe) sein, ein Hautarzt (Dermatologe), ein Facharzt für Nervenerkrankungen (Neurologe) oder ein Psychiater beziehungsweise Psychotherapeut.

Übersicht über die wichtigsten Ursachen von übermäßigem Schwitzen



Gegen ständig feuchte Achseln: spezielle Antitranspirante

1) Schwitzen aus unbekannter Ursache (primäre Hyperhidrose)

Aus noch nicht geklärten Gründen produzieren die Schweißdrüsen bei diesem Störungsbild häufiger Schweiß als es im Rahmen der natürlichen Körpervorgänge notwenig und angebracht wäre. Mediziner vermuten, dass das sympathische Nervensystem und der Nervenbotenstoff Acetylcholin, über den die Schweißdrüsen direkt angeregt werden, hier überaktiv sind. Eine familiäre Veranlagung und psychische Faktoren spielen offenbar eine grundlegende Rolle.

Symptome: Oft genügen schon geringfügige Reize, wie etwas wärmere Temperaturen, positive oder negative Gefühlsregungen, ein Treffen mit anderen Menschen, um die Schweißbildung hochzutreiben. Solche Auslöser können aber auch gänzlich fehlen. Die Betroffenen schwitzen anfallsartig mehrmals in der Woche oder am Tag, meist an beiden Handflächen, Fußsohlen, unter den Achseln und auf der Stirn, seltener am ganzen Körper. Ist die Störung sehr ausgeprägt, bilden sich nicht nur Schweißperlen, sondern der Schweiß fließt regelrecht, Hände und Füße sind teilweise rundum nass. Nachts haben die Betroffenen keine Beschwerden. Die durchschwitzten Hautstellen sind zudem anfälliger für Pilzerkrankungen und Geschwüre. Da das Schwitzen den Alltag oft sehr belastet, kommen psychische Probleme dazu, wie depressive Verstimmungen und Ängste. Nicht selten beginnen Menschen mit primärer Hyperhidrose auch, ihnen unangenehme Situationen zu meiden und sich mehr und mehr zurückzuziehen.

Diagnose: Eine eingehende Befragung zu Beschwerden, Lebensumständen und zur Krankengeschichte gibt dem Arzt entscheidende Hinweise. Bestimmte Tests erlauben es ihm zudem, stark betroffene Flächen und Schweißmenge zu bestimmen. Beim Jod-Stärke-Test trägt er eine Jodlösung und Stärkepulver auf. Das schwitzende Areal verfärbt sich. Mit Filterpapier und Feinwaage kann der Arzt die bei einem akuten Schweißausbruch ausgeschiedene Schweißmenge messen (Gravimetrie).

Therapie: Die Behandlung richtet sich nach dem Schweregrad der Störung und danach, wie sehr sie den Alltag belastet. Oft helfen spezielle schweißstoppende Mittel, Antitranspirante, die Aluminiumchlorid enthalten und als Deoroller, Gel, Pulver oder Lotionen auf die stark schwitzenden Partien aufgetragen werden. Infrage kommen auch methenaminhaltige Salben. Bei der sogenannten Leitungswasser-Iontophorese fließt schwacher Gleitstrom in einem Wasserbad über Hände oder Füße in den Körper. Diese Methode kann vor allem gegen Schweißhände und -füße wirken. Ergänzend können mitunter Salbeiextrakte, äußerlich angewandt oder als Tabletten eingenommen, das Schwitzen lindern.

Bleiben die Beschwerden hartnäckig bestehen, spritzen die Ärzte auch das Nervengift Botulinumtoxin A unter betroffene Hautstellen. Es unterbindet die Ausschüttung des zuständigen Nervenbotenstoffs Acetylcholin und lähmt somit die Schweißdrüsen. Diese Behandlung muss jedoch in regelmäßigen Abständen wiederholt werden.

Es gibt eine Reihe von operativen Verfahren, die allerdings nur in besonders hartnäckigen Fällen infrage kommen, da sie teilweise erhebliche Folgewirkungen haben können. Hier werden die Ärzte den Patienten jeweils ganz individuell beraten. Inzwischen eher selten sind Eingriffe, mit denen die Chirurgen ganze Hautpartien mit den Schweißdrüsen entfernen (Exzision), beziehungsweise nur die Schweißdrüsen unter der Haut herausschneiden oder saugen (subkutane Kürettage oder Saugkürettage). Bei der Sympathikolyse oder thorakalen Sympthektomie blockiert der Operateur gezielt den Sympathikusnerv in seinem Verlauf. So kann der Nerv den Schwitzimpuls nicht mehr vom Gehirn weiterleiten.

Entspannungsverfahren wie autogenes Training tragen dazu bei, Stress abzubauen und innere Unruhe auszugleichen. Mit psychotherapeutischer Hilfe können die Betroffenen lernen, besser mit ihrem Problem umzugehen und Folgeerkrankungen wie Depressionen oder Angststörungen vorzubeugen.

Wichtig ist es auch für Menschen, die unter Hyperhidrose leiden, ihren Lebensstil anzupassen. Das bedeutet meist, ein Idealgewicht zu halten oder wenn nötig abzunehmen, auf scharf gewürzte Gerichte sowie Alkohol und übermäßigen Kaffeekonsum zu verzichten. Eine ausgewogene Ernährung hält Stoffwechsel und Energiehaushalt im Gleichgewicht. Wer sich ausreichend körperlich bewegt, fühlt sich nicht nur insgesamt wohler, sondern unterstützt das vegetative Nervensystem und eine Anpassung der Schweißabsonderung. Zudem mindert luftdurchlässige Kleidung aus Naturmaterialien den Schwitzdrang und beugt Hautreizungen vor.

2) Übermäßiges Schwitzen mit feststellbaren Ursachen (sekundäre Hyperhidrose)

Hier finden Sie einen Überblick über die Hauptursachen, die neben anderen Symptomen auch zu übermäßigem Schwitzen führen können. Oft schwitzen die Betroffenen dann am Kopf und am ganzen Körper.



Stress bringt ins Schwitzen

Ungesunder Lebensstil, veränderte Lebensphasen

Einflüsse und Entwicklungen, die das vegetative Nervensystem belasten sowie Stoffwechsel und Hormonhaushalt stören, bringen die Menschen schneller und häufiger zum Schwitzen.

  • Übergewicht und Fettsucht: Durch die starke Gewichtszunahme kommt es zu Schweißausbrüchen auch schon bei geringer Anstrengung, nach dem Essen, bei wärmeren Temperaturen, zu Kurzatmigkeit, schnellem Ermüden, Gelenkschmerzen, depressiven Verstimmungen, Potenzstörungen. (Ausführliche Informationen im Ratgeber „Adipositas und Esssucht“)
  • Alkoholkonsum, Alkoholmissbrauch: Schwitzen gehört zu den typischen Beschwerden, die auftreten, wenn der Körper den Alkohol abbaut, einige Stunden, nachdem jemand Alkohol getrunken hatte. Weitere Entzugserscheinungen sind Zittern, Übelkeit, Kopfschmerzen, Unruhe, Reizbarkeit, Schwindel. (Ausführliche Informationen im Ratgeber „Alkoholabhängigkeit (Alkoholsucht)“)
  • Stress, seelische Belastungen, Burnout: Vor Aufregung schwitzen ist eine normale Körperreaktion. Wer andauernd unter Strom steht oder unter psychischen Belastungen leidet, bricht häufig unvermittelt in Schweiß aus, oft auch nachts. Depressive Verstimmungen, Schlaflosigkeit, Müdigkeit, Ängstlichkeit, Nervosität, Herz-Kreislauf-Beschwerden, Schwindel sind zudem häufige Symptome. (Ausführliche Informationen im Spezial „Stress“ und im Ratgeber „Burn-out-Syndrom“).
  • Schwangerschaft: Die Hormonumstellung in einer Schwangerschaft wirkt sich auf unterschiedliche Körperfunktionen aus und kann vorübergehend zu Ungleichgewichten und Beschwerden führen. Viele Schwangere schwitzen vermehrt, leiden vor allem in den ersten Monaten unter Übelkeit, später unter Sodbrennen, Kurzatmigkeit, Verstopfung und geschwollenen Beinen. (Ausführliche Informationen auf www.baby-und-familie.de im Spezial "Schwangerschaft").
  • Wechseljahre: Manche Frauen spüren die Veränderungen im Hormonhaushalt kaum, andere klagen über Hitzewallungen mit heftigen Schweißausbrüchen, die untertags grundlos einsetzen können, oder nachts den Schlaf unterbrechen. Depressive Verstimmungen, Nervosität, Müdigkeit, geschwollene Beine können weitere Anzeichen sein. (Ausführliche Informationen im Ratgeber „Beschwerdefrei durch die Wechseljahre“)

 

Infektionen mit Fieber

Es sind zahlreiche, unterschiedliche Erreger, die Infektionskrankheiten auslösen können, etwa Viren, Bakterien, Pilze, Parasiten, Würmer. Die meisten Infektionen wie eine Virus-Grippe, oder bakterielle Erkrankungen wie Streptokokkeninfektionen mit rheumatischem Fieber, Salmonellosen und viele andere gehen mit Fieber einher. Dies ist die Folge der Aktivitäten des Immunsystems und seiner Botenstoffe. Sie treiben die Körpertemperatur nach oben. Frösteln oder Schüttelfrost kündigt den Temperaturanstieg an (Ausnahme Typhus). Fällt das Fieber wieder, schwitzen die Kranken. Fieberschübe, wie sie zum Beispiel für eine Malaria-Erkrankung typisch sein können, bringen oft belastende Wechsel von Schüttelfrost und Schweißausbrüchen. (Ausführliche Informationen zu Infektionen im Spezial „Infektionen erkennen und behandeln“ und im Ratgeber „Fieber“)



Multitalent Schilddrüse: Ihre Hormone beeinflussen viele Körperfunktionen (ein Klick auf die Lupe zeigt die ganze Grafik)

Hormon- und Stoffwechselerkrankungen

Hormone, die bei Stoffwechselvorgängen und bei der Wärmeregulation eine wichtige Rolle spielen, sind die Schilddrüsenhormone und das Insulin aus der Bauchspeicheldrüse. Die Hormone der Hirnanhangdrüse (Hypophyse), die wiederum mit dem Hypothalamus (siehe oben und nebenstehende Grafik) verbunden ist, kontrollieren unter anderem Kreislauf- und Stoffwechselfunktionen. Störungen in all diesen Bereichen wirken sich auf die Wärmeregulierung aus. Probleme zeigen sich hier in häufigem Schwitzen sowie in Schweißausbrüchen, die Symptom einer Stoffwechselentgleisung und eines krisenhaften hormonellen Ungleichgewichts sein können.

  • Schilddrüsenüberfunktion: Menschen, bei denen die Schilddrüse zu viele Schilddrüsenhormone produziert, vertragen meist Wärme schlecht, haben oft eine erhöhte Körpertemperatur und schwitzen deshalb häufig. Weitere kennzeichnende Symptome sind Händezittern, Unruhe, erhöhte Nervosität, Gewichtsverlust trotz Heißhunger, Bauchschmerzen und Durchfall, Muskelschwäche, Haarausfall. (Ausführliche Informationen zu den vielfältigen Symptomen, zu Ursachen, Diagnose und Therapie im Ratgeber „Schilddrüsenüberfunktion (Hyperthyreose)“).
  • Basedow-Krankheit: Diese Autoimmunerkrankung hat eine Schilddrüsenüberfunktion mit den entsprechenden Symptomen und vermehrtem Schwitzen zur Folge. Zusätzlich kommen Augenprobleme hinzu. Kennzeichnend sind oft hervortretende Augäpfel. (Ausführliche Informationen im Ratgeber „Morbus Basedow (Basedowsche Krankheit)“)
  • Hashimoto-Thyreoiditis: Aufgrund von Autoimmunvorgängen entzündet sich die Schilddrüse chronisch. In der ersten Phase führt dies zu einer Überfunktion des Organs, im weiteren Verlauf der Erkrankung zu einer Unterfunktion. Die Betroffenen leiden daher anfangs oft unter Schwitzen, Zittern, Unruhe, Haarausfall und anderen Symptomen einer Schilddrüsenüberfunktion. (Ausführliche Informationen im Ratgeber „Hashimoto-Thyreoiditis (autoimmune Schilddrüsenentzündung)“)
  • Diabetes mellitus: Fehlt den Körperzellen das Hormon Insulin, können sie die in Zucker aufgespaltenen Kohlenhydrate aus der Nahrung nicht mehr in Energie umwandeln. Der Blutzuckerspiegel steigt an, der Stoffwechsel ist empfindlich gestört und kann schließlich vollständig entgleisen. Zu den eher allgemeinen Anfangssymptomen der Zuckerkrankheit gehören häufiges Schwitzen, vermehrter Durst, Müdigkeit, nächtliche Wadenkrämpfe. Die Beschwerden zeigen sich beim Diabetes Typ 1 oft früher und deutlicher, beim Diabetes Typ 2 entwickeln sie sich meist erst allmählich. Achtung: Schweißausbrüche in Verbindung mit Schwächegefühl, Muskelzittern, Heißhunger, Schwindel und Sehstörungen können Warnsymptome für eine gefährliche Unterzuckerung sein. (Ausführliche Informationen finden Sie auf www.diabetes-ratgeber.net in den Ratgebern „Diabetes mellitus Typ 1“ und „Diabetes mellitus Typ 2“)
  • Hypogonadismus im Alter: Bei Männern über 40 kann es zu einer Unterfunktion der Geschlechtsdrüsen kommen und dadurch zu einem Mangel am Geschlechtshormon Testosteron. Eine mögliche Ursache liegt in einer Störung der Hypophyse, der Hirnanhangdrüse. Die damit verbundenen Beschwerden sind oft eher allgemein, etwa Leistungsabfall, Hitzewallungen, Schwitzen, Schlafstörungen, Erektionsstörungen. Muskelmasse und Knochendichte können abnehmen. Dies ist Ursache für eine Osteoporose bei Männern. Meist helfen Hormongaben den betroffenen Männern.


Wenn der Blutdruck plötzlich abfällt: Kalter Schweiß, Schwindelgefühle, Kopfschmerzen

Gestörte Kreislaufregulation, Erkrankungen des Herzens, der Lunge und der Leber

Bei den folgenden Störungen oder Erkrankungen stehen Schweißausbrüche, oft mit kaltem Schweiß, im Vordergrund. Sie weisen neben anderen kennzeichnenden Symptomen auf eine mehr oder minder ausgeprägte Krisensituation eines Organs hin.

  • Orthostatische Hypotonie: Bei dieser Form des niedrigen Blutdrucks fällt der Blutdruck plötzlich ab, morgens beim Aufstehen, bei längerem Stehen oder körperlicher Anstrengung. Die Betroffenen sind häufig junge, schmal gebaute oder hochaufgeschossene Frauen und Männer sowie Menschen mit Herz- oder Lungenproblemen, Diabetes, Nerven- oder Hormonstörungen. Auch Medikamente kommen als Ursache infrage. Der rasche Blutdruckabfall ist oft mit kalten Schweißausbrüchen, Schwindel, Schwarzwerden vor den Augen, Herzklopfen, Kopfschmerzen oder gar kurzen Ohnmachten verbunden. (Ausführliche Informationen im Ratgeber „Niedriger Blutdruck (Hypotonie)“)
  • Herzinnenhautentzündung (Endokarditis): Durch Bakterien, seltener durch Pilze ausgelöste Infektionen können auf die Herzinnenhaut übergreifen. Eine akute Entzündung drückt sich meist durch Fieber, Herzrasen, Schüttelfrost, übermäßiges Schwitzen, Schwächegefühl, Appetitlosigkeit und Gelenkschmerzen aus. Bei schleichenden Entzündungen ist neben den allgemeinen Entzündungssymptomen oft nächtliches Schwitzen kennzeichnend. Mitunter kommt es auch zu Einblutungen unter den Nägeln, Nagelveränderungen, schmerzhaften Knötchen an Fingern und Zehen. (Ausführliche Informationen im Ratgeber „Endokarditis (Herzinnenhautentzündung)“)
  • Koronare Herzkrankheit mit Angina pectoris: Zu den Beschwerden, die durch krankhaft verengte oder verschlossene Herzkranzgefäße entstehen, gehören Schmerzen und Engegefühle in der Brust, auch als Angina pectoris bezeichnet. Eine Angina pectoris setzt je nach Schweregrad erst bei längerer, später schon bei geringer Anstrengung oder schließlich in Ruhe ein. Mit dem Brustschmerz, der bis in den linken Oberarm, den Oberbauch und den Nacken ausstrahlen kam, treten oft auch Atemnot, Herzrhythmusstörungen, Schweißausbrüche und Angstgefühle auf. Da diese Symptome nicht von denen eines Herzinfarkts zu unterscheiden sind, muss sofort der Notarzt gerufen werden (siehe auch oben). (Ausführliche Informationen im Ratgeber „Koronare Herzkrankheit (KHK)“)
  • Lungenembolie: Wenn ein Blutgerinnsel (Thrombus), meistens in einer Bein- oder Beckenvene, sich löst, sprechen Mediziner von Embolus. Dieser gelangt unter Umständen mit dem Blutstrom in eine Lungenarterie und verschließt sie. Eine Lungenembolie kann lebensbedrohlich sein. Auf einen kleineren Verschluss weisen mitunter nur leichte Atemnot und Brustschmerzen hin. Akute Warnsymptome für den Verschluss eines großen Gefäßes sind Herzrasen, Atemnot, Husten, Beklemmungs- und Angstgefühle, heftige Schweißausbrüche, Ohnmachtsanfälle oder Schock. (Ausführliche Informationen im Ratgeber „Lungenembolie“)
  • Leberzirrhose: Alkoholmissbrauch und chronische Leberentzündungen (Hepatitis) können neben anderen Ursachen zu einem Zerfall der Leberzellen führen. Das so wesentliche Stoffwechselorgan ist dann immer weniger in der Lage, seine Funktion zu erfüllen. Anzeichen dafür treten oft erst spät auf. Es sind zuerst eher allgemeine Beschwerden wie Müdigkeit, Leistungsabfall, Gewichtsverlust, häufiges Schwitzen, Druckgefühl im Oberbauch, depressive Verstimmungen. Später zeigen sich Haut- und Nagelveränderungen, Gelbsucht, Juckreiz, erweiterte Äderchen (Gefäßspinnen) vor allem im Gesicht, Potenzstörungen. (Ausführliche Informationen im Ratgeber „Leberzirrhose“)


Ungewohntes Schwitzen: Manchmal stecken Probleme im Bereich von Nacken und Rücken dahinter

Störungen und Erkrankungen des Nervensystems

Neurologische Erkrankungen gehen vor allem dann mit Schwitzen einher, wenn Nerven des vegetativen Nervensystems direkt oder indirekt betroffen sind. Sie steuern die vom Willen weitgehend unabhängigen Lebensfunktionen, wie etwa Hormonhaushalt, Kreislauf, Wärmeausgleich und Verdauung.

  • Schädigungen des Sympathikusnervs: Da der Sympathikus vom Gehirn kommend entlang der Wirbelsäule verläuft, um von dort seine Ausläufer unter anderem zu den verschiedenen Schweißdrüsen zu schicken, kann er auf vielfältige Weise beeinträchtigt oder geschädigt werden. Das geschieht häufig durch Operationen, Verletzungen, Tumorerkrankungen oder Wirbelsäulenschäden. In der Folge leiden die Betroffenen teilweise unter Nacken- oder Rückenschmerzen. Je nachdem, welcher Ausläufer des Nervs betroffen ist, kommt es außerdem zu übermäßiger Schweißbildung an Händen, Füßen, an Kopf und Oberkörper. Oft gleicht der Körper so auch den Ausfall der Schweißbildung in einem Bereich an anderer Stelle aus. Ein solches kompensatorisches Schwitzen tritt dann zum Beispiel an Kopf oder Oberkörper auf, nachdem ein Operateur an den Händen oder unter den Achseln Schweißdrüsen entfernt beziehungsweise Nervenreize unterbunden hat (siehe oben unter „Primäre Hyperhidrose“). Manchmal schwitzen die Betroffenen auch verstärkt beim Essen (gustatorisches Schwitzen).
  • Parkinson-Krankheit: Die landläufig Schüttellähmung genannte Krankheit ist eine der häufigsten Erkrankungen des zentralen Nervensystems im Gehirn. Der Untergang bestimmter Nervenzellen führt zu Ungleichgewichten zwischen mehreren Nervenbotenstoffen. Das wirkt sich auch auf das vegetative Nervensystem aus. Unter anderem kommt es zu einem Übergewicht des Acetylcholins, das die Schweißdrüsen stimuliert. Neben kennzeichnenden Bewegungs- und Haltungsstörungen mit Zittern der Hände in Ruhe leiden Parkinson-Kranke im Laufe ihrer Erkrankung unter vegetativen Symptomen wie vermehrtem Schwitzen, auch nachts, starker Talgproduktion im Gesicht (Salbengesicht), Verstopfung, erhöhtem Speichelfluss, Probleme beim Wasserlassen, Nachlassen der sexuellen Lust, Blutdruckabfällen. (Ausführliche Informationen im Ratgeber „Parkinson Krankheit (Morbus Parkinson)“).

Schmerzerkrankungen

Schmerzempfindungen aktivieren häufig den Sympathikusnerv und rufen damit auch vegetative Symptome wie Übelkeit und Schweißausbrüche hervor. Das ist insbesondere bei Kolikschmerzen der Fall. Zu vermehrtem Schwitzen führen außerdem bestimmte Erkrankungen, die mit Gelenk- und Muskelschmerzen verbunden sind. Das können Autoimmunerkrankungen sein, bei denen sich die Aktivitäten des Abwehrsystems gegen den Körper selbst richten und Entzündungsreaktionen auslösen, oder psychosomatische Erkrankungen sowie Schmerzzustände unbekannter Ursache (zu Rückenschmerzen siehe oben unter „Schädigungen des Sympathikusnervs“). Hier einige Beispiele:



Fibromyalgie: Schmerzen in Gliedern und Muskeln

  • Fibromyalgie: Körperliche, seelische und soziale Faktoren spielen bei der Entstehung dieses Krankheitsbild zusammen. Eine genaue Ursache ist noch nicht geklärt. Im Vordergrund stehen Schmerzen in unterschiedlichen Bereichen, vor allem an Muskeln und Gelenken. Morgentliche Schwellungen an Händen und Füßen, auch im Gesicht, steife Glieder, Schlafstörungen, Müdigkeit, Magen-Darm-Probleme kommen dazu, ebenso psychische Symptome wie erhöhte Ängstlichkeit und Depressionen. Viele Betroffene leiden dazu an Herz- und Atembeschwerden, Blasenproblemen, Tinnitus und vielem mehr. Sie haben oft kalte Hände und kalte Füße, schwitzen oder frieren leicht. (Ausführliche Informationen im Ratgeber „Fibromyalgie“)
  • Rheumatoide Arthritis: Diese Autoimmunerkrankung, auch chronische Polyarthritis genannt, ist die am häufigsten vorkommende chronische Gelenkerkrankung. Dabei entzündet sich die Gelenkinnenhaut. Kennzeichnend sind Schmerzen, Schwellungen und Verformungen beidseitig an Fingern, Handgelenken und Zehen, später auch an großen Gelenken. Am Anfang treten oft nur unspezifische Krankheitszeichen auf, wie Müdigkeit, Abgeschlagenheit, Nachtschweiß, ebenso leichtes Fieber und allgemein vermehrtes Schwitzen. Typisch sind auch kleine, nicht schmerzhafte Knoten unter der Haut, vor allem nahe am Ellbogen oder der Ferse. (Ausführliche Informationen im Ratgeber „Rheumatoide Arthritis“)
  • Komplexes regionales Schmerzsyndrom (auch Morbus Sudeck, Sudeck-Dystrophie): Aus noch nicht geklärten Ursachen kommt es hier, meist nach Verletzungen, Entzündungen oder Operationen, zu heftigen messerstichartigen, kribbelnden oder brennenden Schmerzen und Schwellungen an einzelnen Gliedmaßen, sehr häufig an der Hand, aber auch an Arm, Schulter oder Bein. Die Haut der jeweiligen Gliedmaße verfärbt sich oft bläulich, wird glatt, kühl und schwitzt. Das vegetative Nervensystem mit dem Sympathikusnerv ist offenbar an der Entstehung dieses Beschwerdebildes beteiligt (siehe dazu auch weiter oben unter „Störungen des Nervensystems“. Ausführliche Informationen im Ratgeber „Morbus Sudeck (Komplexes regionales Schmerzsyndrom)“)


Schweißtreibend: Enge, die Angst macht

Psychische Erkrankungen

Vor allem Ängste sind mit dem sprichwörtlichen Angstschweiß verbunden. Schrecken, Furcht und Panik aktivieren Stresshormone und damit auch den Sympathikusnerv, der eine Reihe von kennzeichnenden körperlichen Reaktionen auslöst. Dazu gehören unter anderem Schweißausbrüche, vor allem während einer Panikattacke. Doch auch Menschen, die an Depressionen oder anderen psychischen Störungen, etwa an Hypochondrie, leiden, kennen Paniksymptome oder haben vegetative Beschwerden (siehe unten).

  • Angststörungen: Es gibt unterschiedliche Formen krankhafter Angst. Sie alle können in der ein oder anderen Form von körperlichen Beschwerden begleitet sein, für die das vegetative Nervensystem verantwortlich ist. Besonders ausgeprägt sind die Symptome während einer Panikattacke. Panikanfälle treten im Rahmen von Phobien, Panikstörungen, Herzangst und anderen Angsterkrankungen auf. Herzrasen, Schweißausbrüche, Zittern, Schwindel, Übelkeit, Atemnot sind kennzeichnende Symptome. (Ausführliche Informationen finden Sie in den Ratgebern „Angst – Ursachen: Angststörungen“ und „Phobien (phobische Störung)“)
  • Depressionen: Ängste und Depressionen stehen in einer engen Wechselbeziehung. Daher können auch bei depressiven Erkrankungen Paniksymptome auftreten. Manchmal verbirgt sich eine Depression auch hinter körperlichen Symptomen, zu denen unter anderem Kopfschmerzen, Magen-Darm-Probleme, Schwindel, Neigung zum Schwitzen, Atemstörungen, Herzschmerzen gehören können. (Ausführliche Informationen im Ratgeber „Depressionen“)


Tumore, Krebserkrankungen


Bösartige Tumorerkrankungen beeinträchtigen in verschiedenen Stadien und auf unterschiedliche Weise einzelne oder mehrere Nerven- sowie Hormonfunktionen und rufen damit mitunter auch vegetative Beschwerden wie Schwitzen hervor. Erhöhte Schweißbildung tritt als kennzeichnendes Symptom vor allem bei Krebsformen auf, die das Nerven- und Hormonsystem betreffen, sogenannte neuroendokrine Tumore. Ein Teil von ihnen bildet selbst Hormone und Nervenbotenstoffe. Im Zuge dessen kommt es bisweilen zu erheblichen Stoffwechselentgleisungen und krisenhaften Zuständen.

  • Phäochromozytom: Der neuroendokrine Tumor kann in der Markzone der Nebennieren, in Nervenknoten des sympathischen Nervensystems oder im Rahmen erblicher Erkrankungen auch in anderen Hormondrüsen entstehen. Er scheidet die Stresshormone Adrenalin und Noradrenalin aus und führt zu Bluthochdruck mit Bluthochdruckkrisen. Kennzeichen der Hochdruckkrisen sind Schweißausbrüche, Herzrasen, Kopfschmerzen. Blässe und Gewichtsverlust können weitere Symptome sein.
  • Karzinoid: Isoliert im Blinddarm oder im Übergangsabschnitt zwischen Dünn- und Dickdarm (Ileum) entsteht dieser neuroendokrine Tumor. Er kann in andere Körperbereiche vordringen, etwa in die Leber, und Gewebshormone produzieren. Dann kommt es zum Karzinoid-Syndrom mit Hitzewallungen, Schweißausbrüchen, Hautrötungen, Herzjagen, Durchfall und Bauchschmerzen.
  • Insulinom: Der vorwiegend gutartige Tumor in der Bauchspeicheldrüse bildet hauptsächlich das Hormon Insulin. Durch die Überproduktion von Insulin (Hyperinsulinismus) nehmen die Betroffenen oft ungewollt zu. Ebenso können Unterzuckerungen auftreten, vor allem, wenn die Erkrankten eine Zeit lang nichts gegessen haben. Hauptsymptome sind dann vermehrtes Schwitzen, Zittern, Herzrasen, Übelkeit, Heißhunger, Schwächegefühl, Ängste. Dazu kommen Sehstörungen, Schwindel, Kopfschmerzen, Verwirrtheit, Krämpfe. Die Unterzuckerung kann lebensbedrohlich sein. Der Kranke muss sofort Traubenzucker erhalten und zum Arzt gebracht werden.
  • Akromegalie: Die seltene Tumorerkrankung der Hirnanhangdrüse führt zu einer Überproduktion an Wachstumshormon. Davon betroffen sind eher Menschen in den mittleren Lebensjahren. Hauptsymptome sind veränderte, vergröberte Gesichtszüge, die Haut wird dicker und faltiger, Hände, Füße und der Kopfumfang werden größer (typisches Zeichen: Der Hut passt nicht mehr), ebenso die Nase, die Kieferknochen und auch die Zunge. Kennzeichnende Frühsymptome sind zudem Kopfschmerzen, Menstruations- und Potenzstörungen, Sehprobleme, übermäßiges Schwitzen. Die Betroffenen entwickeln häufig einen Bluthochdruck und einen Diabetes. Diagnose und Behandlung liegen in der Hand von Spezialisten (Endokrinologen) und spezialisierten Chirurgen.


Nebenwirkung einiger Arzneimittel: vermehrtes Schwitzen

Medikamente

Zu den Arzneimitteln, die als unerwünschten Nebeneffekt zu verstärktem Schwitzen oder Schweißausbrüchen führen, gehören vor allem Wirkstoffe, die das vegetative Nervensystem, die Nervenfunktionen im Gehirn, die Hormonproduktion oder das Kreislaufsystem beeinflussen. Dazu gehören beispielsweise:

  • Hormonpräparate: Kortisonpräparate, Schilddrüsenmittel, auch Präparate, die im Rahmen der Krebstherapie gegeben werden und in das Hormonsystem eingreifen, zum Beispiel bei Brustkrebs.
  • Parasympathikomimetika: Sie werden unter anderem bei Augenerkrankungen wie dem Glaukom, bei Muskelschwäche, Darmproblemen, Mundtrockenheit und bei Demenzerkrankungen eingesetzt.
  • Medikamente, die auf das zentrale Nervensystem im Gehirn wirken: Antidepressiva (trizyklische und tetrazyklische Antidepressiva, selektive Serotoninwiederaufnahmehemmer), starke Schmerzmittel (Opioide), einige Parkinsonmittel (unter anderem bestimmte Dopaminagonisten, COMT-Hemmer, Levodopa mit Carbidopa), einige Neuroleptika (Medikamente gegen Psychosen und Erregungszustände)
  • Durchblutungsfördernde Mittel: Prostaglandine, bestimmte Kalziumantagonisten (Mittel gegen Bluthochdruck, Herzrhythmusstörungen, koronare Herzkrankheit), Mittel gegen Erektionsstörungen

Wenn Sie den Eindruck haben, dass vermehrtes, ungewöhnliches Schwitzen mit der Einnahme eines Medikaments aufgetreten sie, wenden Sie sich an Ihren Arzt. Setzen Sie kein Mittel, das der Arzt Ihnen verschrieben hat, von sich aus ab und verändern Sie auch nicht die Dosis, ohne dies mit dem Arzt besprochen zu haben (siehe dazu auch den „Medikamenten-Check“).


Diagnose und Therapie einer sekundären Hyperhidrose

Die Krankengeschichte, bekannte Vorerkrankungen und typische Symptome, die das vermehrte Schwitzen begleiten, geben dem Arzt erste Hinweise. Je nach Verdacht wird er entsprechende Untersuchungen durchführen und den Patienten gegebenenfalls an einen Spezialisten überweisen (siehe oben „Wann zum Arzt?“). Wegweisende Untersuchungen können eingehende körperliche Untersuchungen, Bluttests, Überprüfungen der Organfunktionen, etwa eine Aufzeichnung der Herzstromkurve (Elektrokardiografie, EKG), eventuell Ultraschalluntersuchungen und weitere bildgebende Verfahren sein.

Die Therapie richtet sich nach der Grunderkrankung. Mit einer gezielten Behandlung bessert sich meist die gestörte Schweißregulierung.

Sind die Lebensgewohnheiten die Ursache für das häufige Schwitzen, bedeutet das, hier konsequent anzusetzen. Dann heißt es, das Körpergewicht zu normalisieren, sich ausgewogen zu ernähren, regelmäßig körperlich aktiv zu sein, auf die Körperhygiene zu achten, luftdurchlässige Kleidung aus Naturmaterialien zu tragen. Entspannungsübungen, Stressabbau und gegebenenfalls psychologische Beratung helfen, ausgleichend auf die Seele sowie auf wichtige Körper- und Hormonfunktionen und damit auf die Schweißregulation einzuwirken (siehe auch oben unter „Schwitzen aus unbekannter Ursache (primäre Hyperhidrose)“). Auch Kneipp’sche Anwendungen sind mitunter sinnvoll. Sprechen Sie jedoch immer zuerst mit Ihrem Arzt darüber. Eine gesunde Lebensweise unterstützt zudem die Behandlung krankhafter Ursachen für übermäßiges Schwitzen.


Fachliteratur:

Herold, Gerd, u.a.: Innere Medizin, 2010

Classen/Diehl/Kochsiek: Innere Medizin, Hrsg. Böhm, M., Hallek, M., Schmiegel, W.; Elsevier GmbH, Urban&Fischer Verlag, 2009

Mumenthaler, M., Mattle, H.: Neurologie, Thieme Verlag, 2008

Klinke, R., Pape, H.-C., Kurtz, A., Silbernagl, S.: Physiologie, Thieme Verlag, 2010

Moll, Ingrid: Dermatologie, Thieme Verlag, 2010

Möller, H.-J., Laux, G., Deister, A.: Psychiatrie und Psychotherapie, Thieme Verlag 2009

Deutsche Dermatologische Gesellschaft (DDG), Leitlinien: Definition und Therapie der primären Hyperhidrose, 2007

Fachredaktion: Dr. med. Claudia Osthoff


Wichtiger Hinweis:
Dieser Artikel enthält nur allgemeine Informationen und darf nicht zur Selbstdiagnose oder -behandlung verwendet werden. Er kann einen Arztbesuch nicht ersetzen. Die Beantwortung individueller Fragen durch unsere Experten ist leider nicht möglich.




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Andrea Blank-Koppenleitner / www.apotheken-umschau.de; 20.10.2011, aktualisiert am 02.04.2013
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