Übermäßiges Schwitzen (Hyperhidrose)

Hinter übermäßigem Schwitzen können vielfältige Ursachen stecken – scheinbar grundlos überaktive Nerven oder ernsthafte Krankheiten


Strandperle/Imagesource

Schwitzen vor Aufregung: Die erste Rede, ein wichtiger Termin – Stressmomente lassen so manchen in Schweiß ausbrechen

Mal mehr, mal weniger: Warum wir schwitzen

Jeder Mensch muss oder sollte schwitzen: wenn er Sport treibt, sich in sommerlicher Hitze aufhält, Fieber hat, oder einfach zu warm angezogen ist. Die Schweißperlen auf Stirn und Rücken, die Rinnsale in den Achselhöhlen – sie sind oft lebensnotwendig, denn sie helfen dem Körper, Temperaturunterschiede auszugleichen, übermäßige Wärme aus dem Inneren nach außen abzuleiten.

Wer sich körperlich anstrengt, verbraucht mehr Energie, die den Organismus aufheizt. Beim Essen verbrennen wir die nötigen Energielieferanten wie Kohlenhydrate und Fette. Scharf gewürzte Speisen, allzu üppige Mahlzeiten mit viel Alkohol kurbeln den Stoffwechsel und damit die Wärmeproduktion zusätzlich an.

Viele Menschen haben zudem feuchte Hände vor einer Prüfung, halten mit durchschwitztem Hemd ihre erste Rede, auch wenn es im Raum kühl ist. Heftige Gefühle wie Wut, aber auch quälende Empfindungen wie Schmerzen sind oft schweißtreibend. Und nicht zuletzt können ein knurrender Hund oder ein unbekanntes Geräusch auf dem nächtlichen Nachhauseweg ein Grund sein, um in kalten Angstschweiß auszubrechen. In belastenden, bedrohlichen Situationen schüttet der Körper vermehrt Stresshormone aus, und die Nerven, die die Schweißproduktion steuern, werden überaktiv.



Kühlende Schweißtropfen

Schweißtreiber: Von sympathischen Nerven und Hormonen

Fast überall in der Haut befinden sich Schweißdrüsen, besonders viele davon sammeln sich an den Handinnenflächen, den Fußsohlen und auf der Stirn. Sie sondern eine salzhaltige Flüssigkeit ab, die auf der Hautoberfläche verdunstet und damit für Abkühlung sorgt. Der wässrige Schweiß enthält zudem Mineralstoffe wie Kalzium und Magnesium und körpereigene Abwehrstoffe. Das bedeutet übrigens auch, dass Menschen, die stark schwitzen, den Verlust an Flüssigkeit und Salzen wieder ausgleichen müssen, indem sie viel trinken, etwa Mineralwasser. Eine andere Art von Drüsen scheidet unter den Achseln und im Genitalbereich neben Wasser und Salzen ein eher fetthaltiges Sekret aus. Dieses ist übrigens zunächst geruchlos und beginnt erst zu riechen, wenn es auf die Bakterien an der Hautoberfläche trifft, die es in unangenehm riechende Substanzen zerlegen.

Wann und in welchem Ausmaß die Schweißdrüsen aktiv werden, regelt das vegetative Nervensystem. Mit seinem sympathischen und parasympathischen Anteil ist es für die überwiegend unwillkürlich ablaufenden Körperfunktionen wie etwa Verdauung, Kreislauf, Atmung, Stoffwechsel, Wärme- und Energiehaushalt und bestimmte Sexualfunktionen verantwortlich. Zuständig für das Schwitzen sind die Fasern des sympathischen Nervengeflechts. Sie geben den Drüsen das Kommando zur Schweißbildung über den Nervenbotenstoff Acetylcholin. Die oberste Steuerzentrale für die Wärmeregulierung liegt in einem bestimmten Gehirnbereich, im Hypothalamus. Von dort aus werden die vegetativen Nervenaktivitäten und damit auch das Zusammenspiel der Hormone koordiniert. Eine Reihe von Hormonen ist entscheidend beteiligt, wenn es um Stoffwechsel, Temperaturausgleich und die Schweißproduktion geht.

Schwitzen ist also grundsätzlich eine gesunde und lebenswichtige Körperfunktion. Doch auch hier gibt es individuelle Unterschiede. Bei manchen Menschen rinnt die salzige Flüssigkeit schneller, andere brauchen lange, um in Schweiß auszubrechen. Ebenso verändert sich die persönliche Schweißneigung häufig in bestimmten Lebensphasen. Stress, die psychische Verfassung, hormonelle Umstellungen, Körpergewicht, Ernährung, Alltagsgewohnheiten – zahlreiche Faktoren haben Einfluss darauf, wie schnell und stark jemand schwitzt.

Wenn Schwitzen zur Belastung wird

Die Schweißproduktion kann jedoch über ein als normal empfundenes Maß ansteigen und zeitweise oder dauerhaft gestört sein. Mediziner sprechen bei übermäßigem Schwitzen am Tage von Hyperhidrose. Dabei schwitzen die Betroffenen meist nur untertags, nachts dagegen nicht (zur nächtlichen Hyperhidrose siehe Ratgeber "Nachtschweiß").

Das Beschwerdebild kann als idiopathische oder primäre Hyperhidrose ohne erkennbare Ursache auftreten. Oft zeigen sich die Probleme hier schon in der Kindheit oder Jugend. Dann sind vor allem Handflächen, Fußsohlen und/oder Achseln, Stirn und Kopf immer wieder feucht bis nass. Der Schweiß bricht aus, obwohl die Betroffenen weder besonders aufgeregt sind noch sich körperlich angestrengt haben. Das häufige, ausgeprägte Schwitzen beeinträchtigt das Alltagsleben erheblich. Jedes Händeschütteln wird zur Qual, der Kontakt zu anderen ist erschwert. Sozialer Rückzug, depressive Verstimmungen, Ängste, aber auch verstärkte körperliche Inaktivität gehören zu den Folgen.

Wer immer wieder tropfnass ist und meist am ganzen Körper schwitzt, dazu noch andere Beschwerden hat, leidet möglicherweise an einer sekundären Hyperhidrose. Sie tritt entweder bei einer körperlichen Veränderung und Belastung auf, etwa in den Wechseljahren, bei Übergewicht, bei Stress, oder sie ist ein Symptom einer bestimmten Erkrankung. Verantwortlich sind häufig Hormon- und Stoffwechselerkrankungen, etwa eine Schilddrüsenüberfunktion, Infektionen, Nervenstörungen, Krebsleiden oder psychische Erkrankungen wie Angststörungen. Zudem gehört verstärktes Schwitzen zu den Nebenwirkungen einiger Medikamente (siehe weiter unten: "Sekundäre Hyperhidrose: Übersicht über die Hauptursachen").

Unvermittelte, akute Schweißausbrüche, meist mit kaltem Schweiß am ganzen Körper, können mitunter einen Notfall wie einen Herzinfarkt anzeigen. Häufig kommen Begleitbeschwerden wie Zittern, Angstgefühle, Kopf- und Brustschmerzen, Atemnot, Schwindel dazu. Solche Symptome können aber auch Ausdruck einer Panikattacke im Rahmen einer Angststörung sein oder gehören zu den Entzugserscheinungen bei Alkoholmissbrauch oder Drogenproblemen.



Blutdruckmessen beim Arzt: Den Ursachen auf der Spur

Übermäßiges Schwitzen: Wann zum Arzt?

Gehen Sie zum Arzt, wenn

  • Sie unter einer andauernden intensiven Schweißbildung leiden, die mit den üblichen Hygienemaßnahmen nicht zu kontrollieren ist und das private wie berufliche Leben belastet,
  • Sie schon bei der geringsten Aufregung oder Anstrengung nasse Handflächen und/oder Fußsohlen bekommen oder wenn es von Achseln, Stirn und Kopfhaut tropft,
  • Sie häufig am Kopf und/oder am ganzen Körper schwitzen, auch wenn es draußen oder im Raum nicht besonders heiß ist,
  • Sie weiterhin zu Schweißausbrüchen neigen, auch wenn ein Infekt mit Fieber schon überstanden ist,
  • zum häufigen Schwitzen andere Beschwerden kommen wie Glieder-, Muskel-, Rücken- oder Kopfschmerzen, starker Durst, Blässe, Magen-Darm-Probleme, Nervosität, Ängste, depressive Verstimmungen,
  • Sie unvorhergesehene Schweißattacken mit Zittern, Schwindel, Herzrasen bekommen, sobald Sie einer bestimmten Situation ausgesetzt sind, etwa in einem Aufzug fahren oder eine Spinne entdecken.

! Alarmzeichen: Wenn plötzlich kalter Schweiß ausbricht, dazu Schmerzen in der Brustgegend kommen, die bis in Hals und Arm ausstrahlen können, eventuell begleitet von Übelkeit, Schwächegefühl, Schwindel, Atemnot, dann besteht der Verdacht auf einen Herzinfarkt. Auch ein einreißendes Aneurysma der Hauptschlagader ruft manchmal ähnliche akute Beschwerden hervor. Immer wenn solche Symptome auftreten, heißt es unverzüglich den Rettungsdienst (112) rufen.

Der erste Ansprechpartner wird in der Regel der Hausarzt sein. Ein eingehendes Gespräch mit Ihnen als Patienten sowie erste körperliche Untersuchungen geben ihm oft schon Hinweise auf eine mögliche Ursache. Falls notwendig, wird der Allgemeinarzt einen Spezialisten hinzuziehen. Das kann ein Hautarzt (Dermatologe) oder ein Internist, eventuell mit dem Schwerpunkt Hormon- und Stoffwechselstörungen (Endokrinologe) oder Diabetes (Diabetologe), sein. Möglicherweise ist auch ein Facharzt für Nervenerkrankungen (Neurologe) oder ein Psychiater beziehungsweise Psychotherapeut gefragt.



Gegen ständig feuchte Achseln: spezielle Antitranspirante

Starkes Schwitzen aus unbekannter Ursache (primäre Hyperhidrose)

Aus noch nicht geklärten Gründen produzieren die Schweißdrüsen bei diesem Störungsbild häufiger Schweiß als es im Rahmen der natürlichen Körpervorgänge notwenig und angebracht wäre. Mediziner gehen davon aus, dass das sympathische Nervensystem und der Nervenbotenstoff Acetylcholin, über den die Schweißdrüsen direkt angeregt werden, hier überaktiv sind. Eine familiäre Veranlagung spielt offenbar eine grundlegende Rolle.

Oft genügen schon geringfügige Reize, wie etwas wärmere Temperaturen, positive oder negative Gefühlsregungen, ein Treffen mit anderen Menschen, um die Schweißbildung hochzutreiben. Solche Auslöser können aber auch gänzlich fehlen.

Symptome: Die Betroffenen schwitzen anfallsartig mehrmals in der Woche oder am Tag, meist an bestimmten Stellen, etwa nur unter den Achseln. Ebenso kann der Schweiß an beiden Handflächen, an den Fußsohlen und/oder auf der Stirn und am Kopf ausbrechen. Seltener sind Schweißattacken am ganzen Körper. Ist die Störung sehr ausgeprägt, bilden sich nicht nur Schweißperlen, sondern der Schweiß fließt regelrecht, Hände und Füße sind teilweise rundum nass. Nachts haben die Betroffenen keine Beschwerden.

Die durchschwitzten Hautstellen sind zudem anfälliger für Pilzerkrankungen und Geschwüre. Da das Schwitzen den Alltag oft sehr belastet, kommen psychische Probleme dazu, wie depressive Verstimmungen und Ängste. Nicht selten beginnen Menschen mit primärer Hyperhidrose auch, ihnen unangenehme Situationen zu meiden und sich mehr und mehr von anderen zurückzuziehen.

Diagnose: Der Arzt wird seinen Patienten eingehend zu Beschwerden, Lebensumständen und zur Krankengeschichte befragen. Zusammen mit einer gezielten körperlichen Untersuchung erhält er daraus meist schon wesentliche Hinweise. Bestimmte Tests erlauben es ihm zudem, stark betroffene Flächen und Schweißmenge zu bestimmen. Beim Jod-Stärke-Test trägt er eine Jodlösung und Stärkepulver auf. Das schwitzende Areal verfärbt sich. Mit Filterpapier und Feinwaage kann der Arzt bei besonderen Fragestellungen zusätzlich die während eines akuten Schweißausbruchs ausgeschiedene Schweißmenge messen (Gravimetrie).

Therapie: Die Behandlung richtet sich nach dem Schweregrad der Störung und danach, wie sehr diese den Alltag belastet. Oft helfen spezielle schweißstoppende Mittel, Antitranspirante (auch Antiperspirante genannt), die Aluminiumchlorid enthalten. Sie werden als Deoroller, Gel, Pulver oder Lotionen auf die stark schwitzenden Partien aufgetragen. Infrage kommen auch apothekenpflichtige, methenaminhaltige Salben. Methenaminpräparate sind allerdings nicht in den offiziellen Behandlungsempfehlungen der Dermatologischen Gesellschaft aufgeführt. Besprechen Sie immer mit Ihrem Arzt, welche Mittel für Sie geeignet sein können und wie Sie diese am besten anwenden. Es ist auch wichtig, dass der Arzt Anwendungsdauer und mögliche Nebenwirkungen kontrollieren kann. 

Bei der sogenannten Leitungswasser-Iontophorese fließt schwacher Gleitstrom in einem Wasserbad über Hände oder Füße in den Körper. Diese Methode kann vor allem gegen Schweißhände und -füße wirken.

Ergänzend können mitunter Salbeiextrakte, äußerlich angewandt oder als Tabletten eingenommen, das Schwitzen lindern. Lassen Sie sich dazu in der Apotheke beraten.

Bleiben die Beschwerden hartnäckig bestehen, spritzen Fachärzte auch das Nervengift Botulinumtoxin A unter betroffene Hautstellen. Es unterbindet die Ausschüttung des zuständigen Nervenbotenstoffs Acetylcholin und lähmt somit die Schweißdrüsen. Diese Behandlung hat sich häufig als wirksam erwiesen, sie muss jedoch in regelmäßigen Abständen wiederholt werden.

Es gibt eine Reihe von operativen Verfahren, die allerdings nur in besonders schweren Fällen, die auf übliche Therapien nicht ansprechen, infrage kommen, da sie teilweise erhebliche Folgewirkungen haben können. Hier werden die Ärzte den Patienten jeweils individuell beraten. Inzwischen eher selten sind Eingriffe, mit denen Chirurgen ganze Hautpartien samt den Schweißdrüsen entfernen (Exzision). Manchmal schneiden oder saugen die Operateure nur die Schweißdrüsen unter der Haut heraus (subkutane Kürettage oder Saugkürettage). Bei der Sympathikolyse oder thorakalen Sympthektomie blockiert der Operateur gezielt den Sympathikusnerv in seinem Verlauf. So kann der Nerv den Schwitzimpuls nicht mehr vom Gehirn weiterleiten.

Entspannungsverfahren wie autogenes Training tragen dazu bei, Stress abzubauen und innere Unruhe auszugleichen. Mit psychotherapeutischer Hilfe können die Betroffenen lernen, besser mit ihrem Problem umzugehen und Folgeerkrankungen wie Depressionen oder Angststörungen vorzubeugen.

Wenn Sie unter Hyperhidrose leiden, ist es auch wichtig, Ihren Lebensstil anzupassen. Das bedeutet meist, ein Idealgewicht zu halten oder wenn nötig abzunehmen. Verzichten Sie auf scharf gewürzte Gerichte sowie Alkohol und übermäßigen Kaffeekonsum. Trinken Sie ausreichend, um den möglichen Flüssigkeitsverlust durch das Schwitzen auszugleichen. Sprechen Sie die Trinkmenge mit Ihrem Arzt ab, insbesondere, wenn Sie unter einer Herz- oder Nierenerkrankung leiden. Eine ausgewogene Ernährung hält Stoffwechsel und Energiehaushalt im Gleichgewicht. Wer sich regelmäßig körperlich bewegt, fühlt sich nicht nur insgesamt wohler, sondern unterstützt das vegetative Nervensystem und eine Anpassung der Schweißabsonderung.

Zudem mindert luftdurchlässige Kleidung aus Naturmaterialien den Schwitzdrang und beugt Hautreizungen vor. Wäsche und Strümpfe aus Materialien, die die Feuchtigkeit nach außen ableiten, sind hilfreich. Trocknen Sie die schwitzenden Bereiche nach dem Duschen und Waschen stets sanft, aber gut ab. Wechseln Sie Wäsche und Strümpfe täglich, bei Bedarf auch mehrmals täglich. Manchmal können kurzfristige, gezielte Maßnahmen wie in die Kleidung eingelegte Achselpads in stressbesetzten Situationen entlastend wirken.

Feststellbare Ursachen für heftiges Schwitzen (sekundäre Hyperhidrose)

Hier finden Sie eine Übersicht über die wichtigsten Ursachen, die neben anderen Symptomen auch zu starker Schweißbildung führen können. Oft schwitzen die Betroffenen dann am Kopf und am ganzen Körper.



Stress bringt ins Schwitzen

– Ungesunder Lebensstil, veränderte Lebensphasen

Einflüsse und Entwicklungen, die das vegetative Nervensystem belasten sowie Stoffwechsel und Hormonhaushalt stören, bringen die Menschen schneller und häufiger zum Schwitzen.

  • Übergewicht und Fettsucht: Eine starke Gewichtszunahme führt zu Schweißausbrüchen auch schon bei geringer Anstrengung, nach dem Essen, bei wärmeren Temperaturen. Übergewichtige sind häufig kurzatmig, ermüden schneller und leiden vermehrt unter Gelenkschmerzen, depressiven Verstimmungen, Potenzstörungen. (Ausführliche Informationen im Ratgeber "Adipositas und Esssucht".)
  • Alkoholkonsum, Alkoholmissbrauch: Schwitzen gehört zu den typischen Beschwerden, die auftreten, wenn der Körper den Alkohol abbaut, einige Stunden, nachdem jemand Alkohol getrunken hatte. Weitere Entzugserscheinungen sind Zittern, Übelkeit, Kopfschmerzen, Unruhe, Reizbarkeit, Schwindel. (Ausführliche Informationen im Ratgeber "Alkoholabhängigkeit (Alkoholsucht)".)
  • Stress, seelische Belastungen, Burnout: Vor Aufregung schwitzen ist eine normale Körperreaktion. Wer andauernd unter Strom steht oder unter psychischen Belastungen leidet, bricht häufig unvermittelt in Schweiß aus, oft auch nachts. Depressive Verstimmungen, Schlaflosigkeit, Müdigkeit, Ängstlichkeit, Nervosität, Herz-Kreislauf-Beschwerden, Schwindel sind zudem häufige Symptome. (Ausführliche Informationen im Spezial "Stress" und im Ratgeber "Burn-out-Syndrom".)
  • Schwangerschaft: Die Hormonumstellung in einer Schwangerschaft wirkt sich auf unterschiedliche Körperfunktionen aus und kann vorübergehend zu Ungleichgewichten und Beschwerden führen. Viele Schwangere schwitzen vermehrt, leiden vor allem in den ersten Monaten unter Übelkeit, später unter Sodbrennen, Kurzatmigkeit, Verstopfung und geschwollenen Beinen. (Ausführliche Informationen im Spezial "Schwangerschaft".)
  • Wechseljahre: Manche Frauen spüren die Veränderungen im Hormonhaushalt kaum, andere klagen über Hitzewallungen mit heftigen Schweißausbrüchen, die untertags grundlos einsetzen können, oder nachts den Schlaf unterbrechen. Depressive Verstimmungen, Nervosität, Müdigkeit, geschwollene Beine können weitere Anzeichen sein. (Ausführliche Informationen im Ratgeber "Beschwerdefrei durch die Wechseljahre".)

– Infektionen mit Fieber

Es sind zahlreiche, unterschiedliche Erreger, die Infektionskrankheiten auslösen können, etwa Viren, Bakterien, Pilze, Parasiten, Würmer. Die meisten Infektionen, etwa eine Virus-Grippe oder bakterielle Erkrankungen wie Streptokokkeninfektionen mit rheumatischem Fieber, oder Salmonellosen und viele andere gehen mit Fieber einher. Dies ist die Folge der Aktivitäten des Immunsystems und seiner Botenstoffe. Sie treiben die Körpertemperatur nach oben. Frösteln oder Schüttelfrost kündigt den Temperaturanstieg an (Ausnahme Typhus). Fällt das Fieber wieder, schwitzen die Kranken. Fieberschübe, wie sie zum Beispiel für eine Malaria-Erkrankung typisch sein können, bringen oft belastende Wechsel von Schüttelfrost und Schweißausbrüchen. (Ausführliche Informationen zu Infektionen im Spezial "Infektionen erkennen und behandeln" und im Ratgeber "Fieber")



Multitalent Schilddrüse: Ihre Hormone beeinflussen viele Körperfunktionen (ein Klick auf die Lupe zeigt die ganze Grafik)

– Hormon- und Stoffwechselerkrankungen

Hormone, die für Stoffwechselvorgänge und Wärmeregulation eine wichtige Rolle spielen, sind die Schilddrüsenhormone und das Insulin aus der Bauchspeicheldrüse. Die Hormone der Hirnanhangdrüse (Hypophyse), die wiederum mit dem Hypothalamus (siehe oben und nebenstehende Grafik) verbunden ist, kontrollieren unter anderem Kreislauf- und Stoffwechselfunktionen. Störungen in all diesen Bereichen wirken sich auf die Wärmeregulierung aus. Probleme zeigen sich dann in häufigem Schwitzen sowie in Schweißausbrüchen, die Symptom einer Stoffwechselentgleisung und eines krisenhaften hormonellen Ungleichgewichts sein können.

  • Schilddrüsenüberfunktion: Menschen, deren Schilddrüse zu viele Schilddrüsenhormone produziert, vertragen meist Wärme schlecht, haben oft eine erhöhte Körpertemperatur und schwitzen deshalb häufig. Weitere kennzeichnende Symptome sind Händezittern, Unruhe, erhöhte Nervosität, Gewichtsverlust trotz Heißhunger, Bauchschmerzen und Durchfall, Muskelschwäche, Haarausfall. (Ausführliche Informationen zu den vielfältigen Symptomen, zu Ursachen, Diagnose und Therapie im Ratgeber "Schilddrüsenüberfunktion (Hyperthyreose)".)
  • Basedow-Krankheit: Diese Autoimmunerkrankung hat eine Schilddrüsenüberfunktion mit den entsprechenden Symptomen und vermehrtem Schwitzen zur Folge. Zusätzlich kommen Augenprobleme hinzu. Kennzeichnend sind oft hervortretende Augäpfel. (Ausführliche Informationen im Ratgeber Ratgeber "Morbus Basedow (Basedowsche Krankheit)".)
  • Hashimoto-Thyreoiditis: Aufgrund von Autoimmunvorgängen entzündet sich die Schilddrüse chronisch. In der ersten Phase führt dies zu einer Überfunktion des Organs, im weiteren Verlauf der Erkrankung zu einer Unterfunktion. Die Betroffenen leiden daher anfangs oft unter Schwitzen, Zittern, Unruhe, Haarausfall und anderen Symptomen einer Schilddrüsenüberfunktion. (Ausführliche Informationen im Ratgeber "Hashimoto-Thyreoiditis (autoimmune Schilddrüsenentzündung)".)
  • Diabetes mellitus: Fehlt den Körperzellen das Hormon Insulin, können sie die in Zucker aufgespaltenen Kohlenhydrate aus der Nahrung nicht mehr in Energie umwandeln. Der Blutzuckerspiegel steigt an, der Stoffwechsel ist empfindlich gestört und kann schließlich vollständig entgleisen. Zu den eher allgemeinen Anfangssymptomen der Zuckerkrankheit gehören häufig vermehrter Durst, Müdigkeit, nächtliche Wadenkrämpfe. Die Beschwerden zeigen sich beim Diabetes Typ 1 oft früher und deutlicher, beim Diabetes Typ 2 entwickeln sie sich meist erst allmählich. Achtung: Schweißausbrüche in Verbindung mit Schwächegefühl, Muskelzittern, Heißhunger, Schwindel und Sehstörungen können Warnsymptome für eine gefährliche Unterzuckerung sein.
    Zu den möglichen Folgeerkrankungen eines Diabetes gehören Nervenschäden in unterschiedlichen Bereichen (diabetische Neuropathie). Vermehrtes Schwitzen zeigt unter Umständen eine beginnende Nervenstörung im vegetativen Nervensystem an. Kennzeichnenderweise geht die anfänglich erhöhte Schweißneigung an den betroffenen Stellen zurück, und mit fortschreitender Nervenstörung wird eher vermindertes Schwitzen zum Problem. Im Rahmen einer speziellen Neuropathie schwitzen Diabetiker manchmal auch während des Essens stark im Gesicht und am Hals (gustatorisches Schwitzen). (Ausführliche Informationen zu Diabetes mellitus finden Sie in den Ratgebern "Diabetes mellitus Typ 1" und "Diabetes mellitus Typ 2".)
    Schwitzen kann bei niedrigem Blutzuckerspiegel auch ohne Diabetes auftreten. Mitunter spielen eine unausgewogene Ernährung und Alkohol eine Rolle, manchmal auch spezielle Erkrankungen (siehe "Insulinom" im Abschnitt "Tumore, Krebserkrankungen" weiter unten).
  • Hypogonadismus im Alter: Bei Männern über 40 kann es zu einer Unterfunktion der Geschlechtsdrüsen kommen und dadurch zu einem Mangel am Geschlechtshormon Testosteron. Eine mögliche Ursache liegt in einer Störung der Hypophyse, der Hirnanhangdrüse. Die damit verbundenen Beschwerden sind oft eher allgemein, etwa Leistungsabfall, Hitzewallungen, Schwitzen, Schlafstörungen, Erektionsstörungen. Muskelmasse und Knochendichte können abnehmen. Dies ist Ursache für eine Osteoporose bei Männern. Meist helfen Hormongaben den Betroffenen.


Wenn der Blutdruck plötzlich abfällt: Kalter Schweiß, Schwindelgefühle, Kopfschmerzen

– Gestörte Kreislaufregulation, Herzkrankheiten, Lungenembolie, Leberzirrhose

Bei den folgenden Störungen oder Erkrankungen stehen Schweißausbrüche, oft mit kaltem Schweiß, im Vordergrund. Sie weisen neben anderen kennzeichnenden Symptomen auf eine mehr oder minder ausgeprägte Krisensituation eines Organs hin.

  • Orthostatische Hypotonie, Ohnmacht: Bei dieser Form des niedrigen Blutdrucks fällt der Blutdruck plötzlich ab, morgens beim Aufstehen, bei längerem Stehen oder beim Bücken. Die Betroffenen haben häufig Herz- oder Lungenprobleme, Diabetes, oder sie leiden unter Nerven- oder Hormonstörungen. Auch Medikamente kommen als Ursachen infrage. Ausgelöst durch plötzliche Stress- oder Angstsituationen treten bei manchen ansonsten gesunden Menschen plötzlich bestimmte Reflexe auf, die den Kreislauf dämpfen und zu einer Ohnmacht führen können (vasovagale Synkope). Der rasche Blutdruckabfall ist jeweils oft mit kalten Schweißausbrüchen, Schwindel, Schwarzwerden vor den Augen, Herzklopfen, Kopfschmerzen oder kurzen Ohnmachten verbunden. (Ausführliche Informationen in den Ratgebern "Niedriger Blutdruck (Hypotonie)" und "Ohnmacht (Synkope)".)
  • Herzinnenhautentzündung (Endokarditis): Durch Bakterien, seltener durch Pilze ausgelöste Infektionen können auf die Herzinnenhaut übergreifen. Eine akute Entzündung drückt sich meist durch Fieber, Herzrasen, Schüttelfrost, übermäßiges Schwitzen, Schwächegefühl, Appetitlosigkeit und Gelenkschmerzen aus. Bei schleichenden Entzündungen ist neben den allgemeinen Entzündungssymptomen oft nächtliches Schwitzen kennzeichnend. Mitunter kommt es auch zu Einblutungen unter den Nägeln, Nagelveränderungen, schmerzhaften Knötchen an Fingern und Zehen. (Ausführliche Informationen im Ratgeber "Endokarditis (Herzinnenhautentzündung)".)
  • Koronare Herzkrankheit mit Angina pectoris: Zu den Beschwerden, die durch krankhaft verengte oder verschlossene Herzkranzgefäße entstehen, gehören Schmerzen und Engegefühle in der Brust, auch als Angina pectoris bezeichnet. Eine Angina pectoris setzt je nach Schweregrad erst bei längerer, später schon bei geringer Anstrengung oder schließlich in Ruhe ein. Mit dem Brustschmerz, der bis in den linken Oberarm, den Oberbauch und den Nacken ausstrahlen kann, treten oft auch Atemnot, Herzrhythmusstörungen, Schweißausbrüche und Angstgefühle auf. Da diese Symptome nicht von denen eines Herzinfarkts zu unterscheiden sind, muss sofort der Rettungsdienst (112) gerufen werden (siehe auch oben). (Ausführliche Informationen im Ratgeber "Koronare Herzkrankheit (KHK)".)
  • Lungenembolie: Wenn ein Blutgerinnsel (Thrombus), meistens in einer Bein- oder Beckenvene, sich löst, sprechen Mediziner von Embolus. Dieser gelangt unter Umständen mit dem Blutstrom in eine Lungenarterie und verschließt sie. Eine Lungenembolie kann lebensbedrohlich sein. Auf einen kleineren Verschluss weisen mitunter nur leichte Atemnot und Brustschmerzen hin. Akute Warnsymptome für den Verschluss eines großen Gefäßes sind Herzrasen, Atemnot, Husten, Beklemmungs- und Angstgefühle, heftige Schweißausbrüche, plötzliche Bewusstlosigkeit oder Schock. (Ausführliche Informationen im Ratgeber "Lungenembolie".)
  • Leberzirrhose: Alkoholmissbrauch und chronische Leberentzündungen (Hepatitis) können neben anderen Ursachen zu einer Zerstörung der Leberzellen führen. Das so wesentliche Stoffwechselorgan ist dann immer weniger in der Lage, seine Funktion zu erfüllen. Anzeichen dafür treten oft erst spät auf. Es sind zuerst eher allgemeine Beschwerden wie Müdigkeit, Leistungsabfall, Gewichtsverlust, häufiges Schwitzen, Druckgefühl im Oberbauch, depressive Verstimmungen. Später zeigen sich Haut- und Nagelveränderungen, Gelbsucht, Juckreiz, erweiterte Äderchen (Gefäßspinnen) vor allem im Gesicht, Potenzstörungen. (Ausführliche Informationen im Ratgeber "Leberzirrhose".)


Ungewohntes Schwitzen: Manchmal stecken Probleme im Bereich von Nacken und Rücken dahinter

– Störungen und Erkrankungen des Nervensystems

Neurologische Erkrankungen gehen vor allem dann mit Schwitzen einher, wenn Nerven des vegetativen Nervensystems direkt oder indirekt betroffen sind. Diese steuern vom Willen weitgehend unabhängige Lebensfunktionen, wie etwa Hormonhaushalt, Kreislauf, Wärmeausgleich und Verdauung.

  • Schädigungen des Sympathikusnervs: Da der Sympathikus vom Gehirn kommend entlang der Wirbelsäule verläuft, um von dort seine Ausläufer unter anderem zu den verschiedenen Schweißdrüsen zu schicken, kann er auf vielfältige Weise beeinträchtigt oder geschädigt werden. Das geschieht möglicherweise durch Operationen, Verletzungen, Tumorerkrankungen oder Wirbelsäulenschäden. In der Folge leiden die Betroffenen teilweise unter Nacken- oder Rückenschmerzen. Je nachdem, welcher Ausläufer des Nervs betroffen ist, kommt es außerdem zu übermäßiger Schweißbildung an Händen, Füßen, Kopf und Oberkörper.
    Oft gleicht der Körper auf diese Weise auch den Ausfall der Schweißbildung in einem Bereich an anderer Stelle aus. Ein solches kompensatorisches Schwitzen tritt dann zum Beispiel an Kopf oder Oberkörper auf, nachdem ein Operateur an den Händen oder unter den Achseln Schweißdrüsen entfernt beziehungsweise Nervenreize unterbunden hat (siehe oben unter "Primäre Hyperhidrose"). Manchmal schwitzen die Betroffenen auch verstärkt beim Essen (gustatorisches Schwitzen).
  • Parkinson-Krankheit: Die landläufig Schüttellähmung genannte Krankheit ist eine der häufigsten Erkrankungen des zentralen Nervensystems im Gehirn. Der Untergang bestimmter Nervenzellen führt zu Ungleichgewichten zwischen mehreren Nervenbotenstoffen. Das wirkt sich auch auf das vegetative Nervensystem aus. Unter anderem nimmt das Acetylcholin, das die Schweißdrüsen stimuliert, überhand. Neben kennzeichnenden Bewegungs- und Haltungsstörungen mit Zittern der Hände in Ruhe leiden Parkinson-Kranke im Laufe ihrer Erkrankung unter vegetativen Symptomen wie vermehrtem Schwitzen, auch nachts, starker Talgproduktion im Gesicht (Salbengesicht), Verstopfung, erhöhtem Speichelfluss, Probleme beim Wasserlassen, Nachlassen der sexuellen Lust, Blutdruckabfällen. (Ausführliche Informationen im Ratgeber "Parkinson Krankheit (Morbus Parkinson)".)

– Schmerzerkrankungen

Schmerzempfindungen aktivieren häufig den Sympathikusnerv und rufen damit auch vegetative Symptome wie Übelkeit und Schweißausbrüche hervor. Das ist insbesondere bei Kolikschmerzen der Fall. Zu vermehrtem Schwitzen führen außerdem bestimmte Erkrankungen, die mit Gelenk- und Muskelschmerzen verbunden sind. Das können Autoimmunerkrankungen sein, bei denen sich die Aktivitäten des Abwehrsystems gegen den Körper selbst richten und Entzündungsreaktionen auslösen, oder psychosomatische Erkrankungen sowie Schmerzzustände unbekannter Ursache (zu Rückenschmerzen siehe oben unter "Schädigungen des Sympathikusnervs"). Hier einige Beispiele:



Fibromyalgie: Schmerzen in Gliedern und Muskeln

  • Fibromyalgie: Vielfältige Faktoren spielen bei der Entstehung dieses Krankheitsbild zusammen. Eine genaue Ursache ist noch nicht geklärt. Im Vordergrund stehen Schmerzen in unterschiedlichen Bereichen, vor allem an Muskeln und Gelenken. Morgens schwellen vorübergehend Hände und Füße, manchmal auch das Gesicht an, die Glieder sind steif. Dazu kommen Schlafstörungen, Müdigkeit, Magen-Darm-Probleme. Möglich sind außerdem psychische Symptome wie erhöhte Ängstlichkeit und Depressionen. Viele Betroffene haben haben oft kalte Hände und kalte Füße, schwitzen oder frieren leicht. Sie leiden an Herz- und Atembeschwerden, Blasenproblemen, Tinnitus und vielem mehr. (Ausführliche Informationen im Ratgeber "Fibromyalgie Fibromyalgiesyndrom, FMS".)
  • Komplexes regionales Schmerzsyndrom (auch Morbus Sudeck, Sudeck-Dystrophie): Aus noch nicht geklärten Ursachen kommt es hier, meist nach Verletzungen, Entzündungen oder Operationen, zu heftigen messerstichartigen, kribbelnden oder brennenden Schmerzen und Schwellungen an einer betroffenen Gliedmaße, sehr häufig an der Hand, aber auch an Arm, Schulter oder Bein. Die Haut der jeweiligen Gliedmaße verfärbt sich oft bläulich, wird glatt, kühl und schwitzt. Das vegetative Nervensystem mit dem Sympathikusnerv ist offenbar an der Entstehung dieses Beschwerdebildes beteiligt (siehe dazu auch weiter oben unter "Störungen des Nervensystem". Ausführliche Informationen im Ratgeber "Morbus Sudeck (Komplexes regionales Schmerzsyndrom)".)


Schweißtreibend: Enge, die Angst macht

– Psychische Erkrankungen

Vor allem Ängste sind mit dem sprichwörtlichen Angstschweiß verbunden. Schrecken, Furcht und Panik aktivieren Stresshormone und damit auch den Sympathikusnerv, der eine Reihe von kennzeichnenden körperlichen Reaktionen auslöst. Dazu gehören unter anderem Schweißausbrüche, vor allem während einer Panikattacke. Doch auch Menschen, die an Depressionen oder anderen psychischen Störungen, etwa an Hypochondrie, leiden, kennen Paniksymptome oder haben vegetative Beschwerden (siehe unten).

  • Angststörungen: Es gibt unterschiedliche Formen krankhafter Angst. Sie alle können in der ein oder anderen Form von körperlichen Beschwerden begleitet sein, für die das vegetative Nervensystem verantwortlich ist. Besonders ausgeprägt sind die Symptome während einer Panikattacke. Panikanfälle treten im Rahmen von Phobien, Panikstörungen, Herzangst und anderen Angsterkrankungen auf. Herzrasen, Schweißausbrüche, Zittern, Schwindel, Übelkeit, Atemnot sind kennzeichnende Symptome. (Ausführliche Informationen finden Sie in den Ratgebern "Angst und Angststörungen" und "Phobien (phobische Störung)".)
  • Depressionen: Ängste und Depressionen stehen in einer engen Wechselbeziehung. Daher können auch bei depressiven Erkrankungen Paniksymptome auftreten. Manchmal verbirgt sich eine Depression auch hinter körperlichen Symptomen, zu denen unter anderem Kopfschmerzen, Magen-Darm-Probleme, Schwindel, Neigung zum Schwitzen, Atemstörungen, Herzschmerzen gehören können. (Ausführliche Informationen im Ratgeber "Depressionen".)

– Tumore, Krebserkrankungen

Einige Tumorerkrankungen beeinträchtigen in verschiedenen Stadien und auf unterschiedliche Weise einzelne oder mehrere Nerven- sowie Hormonfunktionen. Damit können sie auch vegetative Beschwerden wie Schwitzen hervorrufen. Erhöhte Schweißbildung tritt als kennzeichnendes Symptom vor allem bei Krebsformen auf, die das Nerven- und Hormonsystem betreffen, sogenannte neuroendokrine Tumore. Häufig sind sie gutartig, können aber manchmal auch in eine bösartige Form übergehen. Ein Teil von ihnen bildet selbst Hormone und Nervenbotenstoffe. Im Zuge dessen kommt es bisweilen zu erheblichen Stoffwechselentgleisungen und krisenhaften Zuständen.

  • Phäochromozytom: Der neuroendokrine, überwiegend gutartige Tumor kann in der Markzone der Nebennieren, in Nervenknoten des sympathischen Nervensystems oder im Rahmen erblicher Erkrankungen auch in anderen Hormondrüsen entstehen. Er scheidet die Stresshormone Adrenalin und Noradrenalin aus und führt zu Bluthochdruck mit Bluthochdruckkrisen. Kennzeichen der Hochdruckkrisen sind Schweißausbrüche, Herzrasen, Kopfschmerzen. Blässe und Gewichtsverlust können weitere Symptome sein.
  • Karzinoid (Tumor des neuroendokrinen Sytems): Isoliert im Blinddarm, an anderen Stellen im Magen-Darm-Trakt oder auch in den Bronchien entsteht dieser häufig gutartige Tumor. Er kann in andere Körperbereiche vordringen, etwa in die Leber, und Gewebshormone produzieren. Dann kommt es zum Karzinoid-Syndrom mit Hitzewallungen, Schweißausbrüchen, Hautrötungen, Herzjagen, Durchfall und Bauchschmerzen.
  • Insulinom: Der vorwiegend gutartige Tumor in der Bauchspeicheldrüse bildet hauptsächlich das Hormon Insulin. Durch die Überproduktion von Insulin (Hyperinsulinismus) nehmen die Betroffenen oft ungewollt zu. Ebenso können Unterzuckerungen auftreten, vor allem, wenn die Erkrankten eine Zeit lang nichts gegessen haben. Hauptsymptome sind dann vermehrtes Schwitzen, Zittern, Herzrasen, Übelkeit, Heißhunger, Schwächegefühl, Ängste. Dazu kommen Sehstörungen, Schwindel, Kopfschmerzen, Verwirrtheit, Krämpfe. Die Unterzuckerung kann lebensbedrohlich sein. Der Kranke muss sofort Traubenzucker erhalten und zum Arzt gebracht werden.
  • Akromegalie: Die seltene, überwiegend gutartige Tumorerkrankung der Hirnanhangdrüse führt zu einer Überproduktion an Wachstumshormon. Davon betroffen sind eher Menschen in den mittleren Lebensjahren. Hauptsymptome sind veränderte, vergröberte Gesichtszüge, die Haut wird dicker und faltiger, Hände, Füße und der Kopfumfang werden größer (typisches Zeichen: Der Hut passt nicht mehr), ebenso die Nase, die Kieferknochen und auch die Zunge. Kennzeichnende Frühsymptome sind zudem Kopfschmerzen, Menstruations- und Potenzstörungen, Sehprobleme, übermäßiges Schwitzen. Die Betroffenen entwickeln häufig Bluthochdruck und Diabetes. Diagnose und Behandlung liegen in der Hand von Spezialisten (Endokrinologen) und spezialisierten Chirurgen. (Ausführliche Informationen im Ratgeber "Akromegalie".)


Nebenwirkung einiger Arzneimittel: vermehrtes Schwitzen

– Medikamente

Zu den Arzneimitteln, die als unerwünschten Nebeneffekt zu verstärktem Schwitzen oder Schweißausbrüchen führen, gehören vor allem Wirkstoffe, die das vegetative Nervensystem, die Nervenfunktionen im Gehirn, die Hormonproduktion oder das Kreislaufsystem beeinflussen. Dazu gehören beispielsweise:

  • Hormonpräparate: Kortisonpräparate, Schilddrüsenmittel, auch Wirkstoffe, die im Rahmen einer Krebstherapie gegeben werden und in das Hormonsystem eingreifen, zum Beispiel bei Brustkrebs.
  • Parasympathikomimetika: Ärzte setzen diese Wirkstoffe unter anderem bei Augenerkrankungen wie dem Glaukom, bei Muskelschwäche, Darmproblemen, Mundtrockenheit und bei Demenzerkrankungen ein.
  • Medikamente, die auf das zentrale Nervensystem im Gehirn wirken: Antidepressiva (trizyklische und tetrazyklische Antidepressiva, selektive Serotoninwiederaufnahmehemmer), starke Schmerzmittel (Opioide), einige Parkinsonmittel (unter anderem bestimmte Dopaminagonisten, COMT-Hemmer, Levodopa mit Carbidopa), einige Neuroleptika (Medikamente gegen Psychosen und Erregungszustände)
  • Durchblutungsfördernde Mittel: Bestimmte Kalziumantagonisten (Mittel gegen Bluthochdruck, Herzrhythmusstörungen, koronare Herzkrankheit), Mittel gegen Erektionsstörungen wie Prostaglandine oder Yohimbin

Wenn Sie den Eindruck haben, dass vermehrtes, ungewöhnliches Schwitzen mit der Einnahme eines Medikaments aufgetreten sie, wenden Sie sich an Ihren Arzt. Setzen Sie kein Mittel, das der Arzt Ihnen verschrieben hat, von sich aus ab und verändern Sie auch nicht die Dosis, ohne dies mit dem Arzt besprochen zu haben (siehe dazu auch den "Medikamenten-Check").


Diagnose und Therapie von Schwitzen mit bekannter Ursache (sekundäre Hyperhidrose)

Die Krankengeschichte, bekannte Vorerkrankungen und typische Symptome, die das vermehrte Schwitzen begleiten, geben dem Arzt erste Hinweise. Je nach Verdacht wird er entsprechende Untersuchungen durchführen und den Patienten gegebenenfalls an einen Spezialisten überweisen (siehe oben "Wann zum Arzt?"). Wegweisend können eingehende körperliche Untersuchungen, Bluttests, Überprüfungen der Organfunktionen, etwa eine Aufzeichnung der Herzstromkurve (Elektrokardiografie, EKG), eventuell Ultraschalluntersuchungen und weitere bildgebende Verfahren sein.

Die Therapie richtet sich nach der Grunderkrankung. Mit einer gezielten Behandlung bessert sich meist die gestörte Schweißregulierung.

Tragen die Lebensgewohnheiten zu häufigem Schwitzen bei, bedeutet das, hier konsequent anzusetzen. Dann heißt es, das Körpergewicht zu normalisieren, sich ausgewogen zu ernähren, regelmäßig körperlich aktiv zu sein, auf die Körperhygiene zu achten, luftdurchlässige Kleidung aus Naturmaterialien oder speziellen feuchtigkeitsableitenden Stoffen zu tragen. Entspannungsübungen, Stressabbau und gegebenenfalls psychologische Beratung helfen, ausgleichend auf die Seele sowie auf wichtige Körper- und Hormonfunktionen und damit auf die Schweißregulation einzuwirken (siehe auch oben unter "Schwitzen aus unbekannter Ursache (primäre Hyperhidrose)"). Mitunter können Kneipp’sche Anwendungen sinnvoll sein. Sprechen Sie jedoch immer zuerst mit Ihrem Arzt darüber. Eine gesunde Lebensweise unterstützt zudem die Behandlung krankhafter Ursachen für übermäßiges Schwitzen.


Fachliteratur für diesen Ratgeber

Mattle H. Mumenthaler M: Neurologie. 13. Auflage, Stuttgart Georg Thieme Verlag 2013
Herold G et al.: Innere Medizin, Köln Gerd Herold 2014
Böhm M, Hallek M, Schmiegel W (Hrsg): Innere Medizin, begr. von Classen M, Diehl V, Kochsiek H, 6. Auflage, München Elsevier, Urban & Fischer Verlag, 2009
Klinke R, Pape H-C, Kurtz A, Silbernagl S (Hrsg): Physiologie. 6. Auflage, Stuttgart Georg Thieme Verlag 2010
Moll I: Dermatologie. 7. Auflage, Stuttgart Georg Thieme Verlag 2010
Möller H-J, Laux G, Deister A: Psychiatrie, Psychosomatik und Psychotherapie. 5. Auflage, Stuttgart Georg Thieme Verlag 2013
Deutsche Dermatologische Gesellschaft (DDG): Definition und Therapie der primären Hyperhidrose. Leitlinie 01/2012, awmf-Register-Nr. 013/059. Online: http://www.awmf.org/leitlinien/detail/ll/013-059.html (Abgerufen am 13.01.2015)

Schlereth T: Hyperhidrose – Ursachen und Therapie von übermäßigem Schwitzen. In: Dtsch Arztbl Int 2009; 106(3): 32-7. Online: http://www.aerzteblatt.de/archiv/63004/Hyperhidrose-Ursachen-und-Therapie-von-uebermaessigem-Schwitzen (Abgerufen am 14.01.2015)

Pariser D: Hyperhidrosis. An Issue of Dermatologic Clinics. Clinics Review Articles. Elsevier Health Sciences Oktober 2014

Tidy C: Hyperhidrosis. Patient.co.uk: Professional Reference, Document 2283(v23), Version 2014. Online: http://www.patient.co.uk/doctor/hyperhidrosis (Abgerufen am 14.01.2015)

Fachredaktion: Dr. med. Claudia Osthoff


Wichtiger Hinweis:
Dieser Artikel enthält nur allgemeine Informationen und darf nicht zur Selbstdiagnose oder -behandlung verwendet werden. Er kann einen Arztbesuch nicht ersetzen.




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