Schmerzen beim Sex – Ursachen bei Frauen

Viele Frauen erleben den Sex als schmerzhaft (Dyspareunie). Dafür gibt es zahlreiche Ursachen – körperliche und psychische. Mehr zu den Hintergründen und Hilfsmöglichkeiten

von Dr. med. Claudia Osthoff, aktualisiert am 08.11.2016

Vergeht die Lust vor Schmerz, sorgt das für Frust

Stockbyte/NIgel Riches

Schmerzen beim Geschlechtsverkehr sind nach Orgasmusstörungen das häufigste sexuelle Problem von Frauen. Das eine hängt oft mit dem anderen zusammen. Weniger bekannt ist, dass auch Männer sich gelegentlich durch Schmerzen beim Sex beeinträchtigt fühlen. In diesen Beitrag geht es um sexuelle Schmerzstörungen bei Frauen. Im Mittelpunkt steht dabei der Fachbegriff Dyspareunie.

nach obenWas ist Dyspareunie?

Viele Mediziner verwenden dieses Wort oder Alternativbezeichnungen wie Algopareunie, Koitusschmerz, Kohabitationsbeschwerden allgemein für Schmerzen beim Geschlechtsverkehr. Die Ursachen für Dyspareunie sind vielfältig. Sie umfassen organische und psychische Veränderungen. Oft sind Beziehungskonflikte der Schlüssel zum Verständnis des Problems. Dann kann eine psychologische Therapie Teil der Lösung sein.


Dies sollte allerdings nicht darüber hinwegtäuschen, dass Schmerzen beim Intimverkehr auch zahlreiche körperliche Ursachen haben können, allen voran hormonelle. So ist das Thema Dyspareunie bei vielen Frauen nach den Wechseljahren ein Dauerbrenner. Vorab daher der Rat, sich als Betroffene frühzeitig an den Frauenarzt Ihres Vertrauens zu wenden. Er wird zunächst die körperliche Seite abklären.

Wenn hier alles in Ordnung ist, kann er aufzeigen, welche anderen Fachleute, etwa mit psychologischem Sachverstand – weiterhelfen können. Aber auch die körperlichen Störungen lassen sich häufig gut behandeln. Mehr dazu in den einzelnen Abschnitten dieses Beitrags.

nach obenWann sind Schmerzen beim Sex "natürlich"?

Ab und zu Schmerzen beim Sex – das kennt jede Frau. Stress, der den Körper bis zur letzten Faser unter Strom setzt, Missempfindungen im Intimbereich, die Tage kurz vor der Menstruation – das kann schnell dazu führen, dass der Geschlechtsakt plötzlich unangenehm ist und wehtut. Die Scheide kann zu trocken, die Muskulatur unten im Becken stark angespannt sein. So wird die Lust schnell zur Pein. Und der Orgasmus? Bleibt oft aus oder ist unbefriedigend. Sind Körper und Seele wieder entspannt, kehren auch meist die Lustgefühle zurück.

Und: Dass es beim ersten Mal immer etwas wehtut, stimmt nicht: Es kann, muss aber nicht. Die Jugendlichen gehen unterschiedlich an die neue Situation heran. Wie sie diese letztlich meistern, hängt viel von ihren Erwartungen und Vorstellungen ab, von der Vertrautheit der Beziehung und davon, wie einfühlsam beide miteinander umgehen – und auch mit der Verhütung.

In der Stillzeit können Lust und Leid für die Mutter manchmal nah beieinander liegen. Einerseits entwickelt sich eine beglückende, enge Gefühlsbindung zum Baby. Aber das Kleine verlangt auch von der ersten Minute an (liebe-)volle Konzentration. Der Alltag richtet sich nun ganz nach ihm. Dann gelingt es nicht immer, alle Anforderungen zu bewältigen, und manche Frauen fühlen sich anhaltend erschöpft.

Auch die hormonellen Umstellungen hinterlassen schließlich ihre Spuren: Die Psyche ist labiler, die Scheide bleibt längere Zeit empfindlich oder trocken, oft auch noch, nachdem die Geburtsverletzungen verheilt sind und der Wochenfluss abgeklungen ist. Zu früh wiederaufgenommener Sex löst daher mitunter komplexe Missempfindungen oder Schmerzen aus. Meist sagt jedoch das eigene Körpergefühl einer Frau, wann alles wieder stimmt und der richtige Zeitpunkt gekommen ist. Zu möglichen Störfaktoren siehe weiter unten.

Wieder anders die Wechseljahre. Ein freudiger Einschnitt sind sie gewiss nicht. Manches erscheint jetzt irgendwie "spröder", auch der Intimbereich. Die Haut wird dünner, trockener und anfälliger für Entzündungen. Schenkt man Befragungen Glauben, belasten die damit zusammenhängenden sexuellen Beschwerden aber weniger Frauen, als eigentlich zu vermuten steht. Gynäkologen gehen allerdings davon aus, dass bis zur Hälfte aller Frauen nach den Wechseljahren unter Beschwerden beim Geschlechtsakt leiden.

Das heißt auch: Um gegen Schmerzen beim Sex angehen zu können, muss zunächst klar sein, ob sie in erster Linie körperlich oder psychisch bedingt sind. Nicht immer lässt sich das voneinander trennen, denn körperliche Störungen können sich auch psychisch verfestigen. Andererseits kann der Frauenarzt organische Veränderungen meist zuverlässig erkennen – wenn nicht im ersten, dann im zweiten Schritt, wie es zum Beispiel häufiger bei Endometriose (mehr dazu im Abschnitt "Körperliche Ursachen" weiter unten) der Fall ist.


nach obenSchmerzen beim Sex: Wie findet man zur Diagnose?

Ersten Aufschluss erhält der Arzt durch die Schilderung der persönlichen Kranken- und Familiengeschichte, der Beschwerden (Anamnese) und verantwortlichen Umstände.
Um sich ein umfassendes Bild machen zu können, stellt der Arzt der Patientin eine Reihe von Fragen. Sie sind vertraulich und unterliegen dem Arztgeheimnis. Im Regelfall kann nur die Betroffene selbst den Arzt von der Geheimhaltung entbinden.

Probleme ansprechen

  • Wo und wann beim Sex werden die Schmerzen empfunden: Mehr außen oder im Eingangsbereich des Genitale, weiter innen oder tief im Inneren, mit Ausstrahlung in den Beckenraum? Während des Orgasmus oder erst nach dem Geschlechtsverkehr?
  • Gibt es Auffälligkeiten beim Monatszyklus und den Blutungen? Ist die Periode schmerzhaft? Sind die Wechseljahre eingetreten? Kinderwunsch unerfüllt?
  • Frühere oder kürzlich abgeschlossene Schwangerschaft: Besonderheiten wie etwa ein Dammriss? Stillt die Betroffene?
  • Angaben zur Sexualität: Verschlechterung gegenüber früher oder schon immer flau, etwa keine Lust auf Sex, Orgasmusprobleme?
  • Frühere und aktuelle Erkrankungen oder Operationen (Unterleib, Darm)?
  • Liegt eine Erkrankung eines benachbarten Organs vor, etwa ein Harnwegsinfekt, eine Blasenentzündung oder eine chronisch-entzündliche Darmerkrankung, zum Beispiel Morbus Crohn?
  • Sind Erkrankungen bei nahen Verwandten bekannt, beispielsweise eine Hautkrankheit wie Psoriasis?
  • Bestehen psychische Probleme wie eine Angsterkrankung, Depression, Essstörung oder ein konflikthaftes Bild vom eigenen Körper?

Die anschließende gynäkologische Untersuchung führt der Frauenarzt sehr behutsam durch. Dabei achtet er auf mögliche Schmerzen oder Verkrampfungen bei der Frau oder eine tastbare Schwellung. Meist sind die ersten Befunde schon richtungweisend für die Diagnose.


Ultraschall (hier von außen): Aussagekräftig, ohne groß zu belasten

iStock/webphoto

Technische Untersuchungen
Meist schließt der Gynäkologe eine Betrachtung der Vulva und Vagina mit einer Lupenoptik (Kolposkopie) an, außerdem eine vaginale Sonografie (Ultraschalluntersuchung). Bei mutmaßlicher Zyklusstörung bittet der Arzt die Frau, über ein, zwei Zyklen eine Basaltemperaturkurve zu erstellen. Zur Sicherung der Diagnose können Gewebeanalysen und Erregerbestimmungen an Abstrich- und Biopsiematerial dienen, außerdem Urin- und Blutuntersuchungen wie Hormonmessungen, immunologische und genetische Tests.

Gegebenenfalls ist auf Basis der Vorbefunde, die mitunter auch eine Magnetresonanztomografie (MRT) beinhalten, ein Eingriff wie eine Bauchspiegelung (Laparoskopie), eine Konisation und / oder Ausschabung der Gebärmutter (Kürettage) notwendig. Führt die Verdachtsdiagnose aber in eine andere Richtung, können Fachdisziplinen wie Dermatologe (Hautkrankheiten), Urologie, Orthopädie, Allergologie oder Magen-Darm-Heilkunde (Gastroenterologie, Teilgebiet der Inneren Medizin) gefragt sein.


nach obenSchmerzen beim Sex: Welche Therapiemöglichkeiten gibt es?

Die Behandlungswege sind hier so vielfältig wie die Ursachen selbst. Daher ist eine genaue Diagnose unverzichtbar. Die Therapiemöglichkeiten reichen von einfachen Strategien wie einer Umstellung der Intimpflege, Wegalssen von Chemikalien, Anwendung benetzender Präparate und weiteren Hilfsmitteln wie Vaginalkonen (zum Beckenbodentraining) über eine Medikamentenbehandlung, etwa hormoneller Art, bis hin zu einer operativen Korrektur.

Natürlich geht es auch darum, ursächliche Faktoren beim Mann zu behandeln. Das leitet zur partnerbezogenen Therapie über. Sie bezieht sich nicht nur auf medizinische Probleme wie mögliche Infektionen, sondern auch auf sexualmedizinische und psychologische Aspekte.

Psyche: Schlüssel zur Lösung?


Ergeben sich aso tatsächlich Anhaltspunkte für eine zentrale Sexualitäts- oder Partnerproblematik, wird der Frauenarzt eine Beratung und gegebenenfalls Behandlung durch einen psychologischen oder ärztlichen Psychotherapeuten empfehlen. Ob eine Psychotherapie infrage kommt und wenn ja, in welcher Form, lässt sich in einem Vorgespräch mit dem Therapeuten oder der Therapeutin klären.

Inzwischen gibt es in Deutschland auch sexualmedizinische Angebote. Anders als in den USA ist diese Medizinrichtung bei uns jedoch noch ein junges Fach. Daher stehen bislang nur wenige Spezialisten zur Verfügung, die entsprechend verhaltens- und paarorientiert arbeiten. Weitere Informationen können Sie über die "Deutsche Gesellschaft für Sexualmedizin und Sexualtherapie (DGSMT)" erhalten. Sie können sich auch zunächst bei einer gemeinnützigen Beratungseinrichtung vor Ort informieren (Angaben jeweils unten am Textende).

Wenn eine Störung der Sexualität mit einer Depression verbunden ist, übernimmt die Krankenkasse die Behandlungskosten. Voraussetzung ist, dass der Therapeut eine Kassenzulassung hat. Näheres kann Ihnen Ihre Krankenkasse sagen.


Wenn Sex schmerzt: Mögliche Ursachen


Körperliche Ursachen

Probleme beim Verhüten, Intimpflege

  • Entzündungen und Allergien durch chemische Verhütungsmittel
  • Übertriebene Genitalhygiene


Vulovodynie: Intimes Unbehagen


Krankhaft bedingte, organische Dyspareunie

  • Hormonelle Veränderungen
  • Frauenleiden: Endometriose, Myome, Gebärmutter- und /oder Scheidenabsenkung, Verlagerung der Gebärmutter nach rückwärts, Fehlbildungen und Krebserkrankungen des äußeren und inneren Genitales
  • Andere Erkrankungen im Unterleib:
    Blasenentzündung, Hämorriden, chronisch-entzündliche Darmerkrankungen
  • Sjögren-Syndrom
  • Medikamente

Psychosomatische und psychische Störungen

  • Chronic pelvic pain-Syndrome (cPP, Pelvipathia spastica, Pelvipathie)
  • Nicht organische Dyspareunie; Vulvodynie (siehe oben)
  • Vaginismus


Zu den gelisteten Punkten im nachfolgenden Überblick weitere Informationen. Die Links im Text leiten zu Ratgebern über, in denen Sie noch mehr zu den angespochenen Themen erfahren können, insbesondere auch zu Diagnose und Therapie.


nach obenÜberblick: Schmerzen beim Sex - Körperliche Ursachen


Der Intimbereich:
Eine empfindliche, störanfällige Zone

Der äußere Genitalbereich, die Vulva, umfasst die großen und kleinen Schamlippen, die Klitoris und den Scheidenvorhof mit dem Scheideneingang. Geschlechtsdrüsen, am bekanntesten die Bartholin-Drüsen, geben bei sexueller Erregung Sekrete in den Scheidenvorhof ab. Die Feuchtigkeit erleichtert es dem Partner, das Glied einzuführen, ohne dass es für die Partnerin schmerzhaft ist.

Diese Drüsen unterliegen einem komplizierten Regelwerk. Auch die Psyche nimmt hier Einfluss. Damit die Haut außen, aber auch innen in der Scheide (Vaginal"schleimhaut") glatt und geschmeidig bleibt, muss alles hormonell ausgeglichen und gut durchblutet sein. Das hängt nicht nur von funktionstüchtigen Eierstöcken und intakten Hormonen ab, sondern auch von den vegetativen Nerven, der Gefäßversorgung und Immunlage.

Zahlreiche Frauenleiden, die oft schon als solche für Schmerzen im Geschlechtstrakt sorgen können, ferner innere Krankheiten, Hautkrankheiten, Nebenwirkungen von Medikamenten oder anderen Behandlungen wie Bestrahlung der Unterleibsgegend und Chemotherapie, schließlich auch bestimmte Hygiene- und Verhütungs-Praktiken – dies alles kann dazu beitragen, dass der Sex schmerzhaft ist. Nachfolgend mehr dazu.

- Probleme beim Verhüten, Intimpflege

Chemische Verhütungsmittel: Cremes, Gels, Sprays und Zäpfchen zur Anwendung in der Scheide – die Palette der Verhütungschemie ist groß. Die enthaltenen Stoffe verhüten alleine jedoch nicht zuverlässig und solten daher mit einer Barrieremethode wie Portiokappe oder Diaphragma kombiniert werden. Zudem können sie auch die Scheide reizen oder Allergien auslösen. Dies gilt übrigens genauso für Kondome, die mit spermienabtötenden Substanzen beschichtet sind.
Symptome: Bei Unverträglichkeit oder Allergien gegenüber chemischen Verhütungsmitteln kann ein Reizzustand mit Trockenheit und Brennen auftreten, der auch den Sex schmerzhaft macht. Die Scheide kann sich entzünden, es bildet sich Ausfluss. 

Vaginalring:
Auch der Vaginalring kann zu Reizungen und infektionsbedingten Entzündungen der Scheide mit Schmerzen beim Sex und Ausfluss führen. Das Kunststoffteil verbleibt nach Einsetzen in die Vagina dort drei Wochen pro Anwendungszyklus. Der Ring setzt künstliche Geschlechtshormone frei, die im Körper ähnlich wie die Pille wirken. Der natürliche Monatszyklus wird unterdrückt, es kommt lediglich zu einer "Entzugsblutung".

Tipp:
Gehen Sie zu Ihrem Frauenarzt. Er wird Sie untersuchen und beraten, welche Verhütungsmethode sich für Sie am besten eignet. Falls er eine örtliche Entzündung feststellt, wird er diese behandeln. Auch bei Selbsthilfegruppen oder Sexualberatungsstellen finden Sie Rat. Sie können dann in Ruhe überlegen, wofür Sie sich entscheiden wollen. Mehr dazu auch am Ende dieses Beitrags.

Zu intensive Intimpflege: Frauenärzte raten häufig davon ab, zur Intimpflege dauernd sogenannte Vaginalduschen oder -sprays anzuwenden oder regelmäßig Sitzbäder zu praktizieren. Denn übertriebene Hygienemaßnahmen können das natürliche Scheidenmilieu durcheinanderbringen. Dann verdrängen schädliche Keime schützende, die Infektionsgefahr steigt. Die Haut reizen kann auch routinemäßiges Imprägnieren der Unterwäsche mit Hygienespülern.
Symptome: Sie sind ähnlich wie zuvor beschrieben: Es kommt zu einem Gefühl der Trockenheit, eventuell zu Brennen und Juckreiz. Das Unbehagen kann natürlich auch beim Sex spürbar sein.


Geschlechtsorgane der Frau (Schemazeichnung; um das gesamte Bild zu sehen, bitte auf die Lupe klicken)

W&B/Jörg Kühn

- Vulvodynie: Intimes Unbehagen

Bei diesem unklaren Beschwerdebild kommt es zu chronischen Schmerzen im Bereich des äußeren weiblichen Genitale. Mögliche Auslöser sind mitunter die zeitnahe Einnahme von Antibiotika, die Behandlung einer genitalen Infektion oder aber die individuelle Hygiene- und Verhütungspraxis (siehe oben). Inwieweit auch eine Unverträglichkeit bestimmter Nahrungsmittel eine Rolle spielt, ist unklar. Das Krankheitsbild wird zunächst häufiger als chronische Scheidenpilzinfektion angesehen. Meistens fehlen jedoch dafür typische Symptome wie Ausfluss und Rötung. Manchmal konzentrieren sich die Beschwerden auch auf die Klitoris. Oft lassen sich letztlich keine organischen Ursachen finden. Als Erklärungsmuster bieten sich dann unter anderem mechanische Faktoren, Reizzustände von Genitalnerven und psychische Motive an (zu möglichen hormonellen Einflüssen siehe entsprechenden Abschnitt weiter unten).
Symptome: Brennende Schmerzen im Schamlippen-Bereich und Scheidenvorhof, die sich manchmal bis zum After erstrecken, ein Druckgefühl an der Klitoris und Juckreiz lassen den Alltag mitunter zur Qual werden. Slips und enge Hosen, langes Sitzen, Gehen, Sport und Sex können die Schmerzen verstärken.
Diagnose: Mögliche Ursachen wird der Gynäkologe abklären. Dabei wird er auch die individuellen Hygiene- und Verhütungspraktiken der Betroffenen im Auge haben. Bei Bedarf zieht er einen Hautarzt (Dermatologen) hinzu.
Therapie: Liegt eine psychische Komponente nahe, sind manche Betroffenen oder Paare an einer Psychotherapie interessiert. Dabei kann auch ein verborgener Partnerkonflikt thematisiert werden. Ausgehend von der Annahme, dass Nervenüberreizungen oder Muskelverspannungen im unteren Beckenbereich die Beschwerden mitverursachen könnten, sind manchmal Entspannungstechniken und Beckenboden-Biofeedback hilfreich. Biofeedback – eine Technik, die zum Beispiel Psychologen im Rahmen der Verhaltenstherapie anwenden – bedeutet, dass körperliche Reaktionen, die sich dem Bewusstsein entziehen, durch sichtbare Messergebnisse bewusst werden können ("Rückmeldung von Körperfunktionen"). Im Falle des Beckenbodens ist das die Muskelspannung. Dann lässt sich der Körperbereich unter Umständen durch eine bestimmte Technik kontrolliert lockern.


Traurigkeit statt Mutterfreuden? Schuldgefühle müssen nicht sein, Hilfen aber schon

W&B/Angelika Jakob

Krankhaft bedingte, organische Dyspareunie


Bei Beschwerden an der Vulva, wie zuvor beschrieben (Vulvodynie), lassen sich manchmal, aber nicht immer krankhafte Veränderungen feststellen. Das Krankheitsbild lässt sich daher nicht immer in einen ursächlichen Zusammenhang einordnen. Bei den nachfolgend genannten Störungen ist das teilweise zwar auch nicht möglich, etwa bei einem vorzeitigen Klimakterium, aber es gibt Befunde, die die Diagnose stützen oder belegen können.

 

– Hormonelle Veränderungen

Östrogene halten die Scheide fit: Ihr Gewebe bleibt elastisch und glatt, geschützt vom sauren Milieu (ph 4 bis 4,5) und der physiologischen Keimflora. Die stärksten natürlichen Hormonverschiebungen treten in der Schwangerschaft, bei der Geburt, beim Stillen und in den Wechseljahren auf.

Schon der normale Menstruationszyklus beruht auf einem Wechselspiel der Hormone. Da es sich normalerweise in einem festen Rhythmus bewegt, kann sich der Körper anpassen. Lässt die Östrogen-Wirkung an Vulva und Vagina jedoch nach, entwickelt sich das Gewebe zurück. Je nach Alter der Frau, Lebensumständen und Begleiterkrankungen kann dies leichterer Art und vorübergehend oder stärker ausgeprägt und dauerhaft sein.

Nach der Geburt: Nicht immer stellen sich Körper und Psyche nach einer Entbindung problemlos wieder um. Schon während der Schwangerschaft, häufiger nach der Geburt, können depressive Verstimmungen auftreten. Diese peri- oder postpartale Depression ist meist hartnäckiger als das vorübergehende Stimmungstief ("Wochenbettblues", Heultage) nach der Entbindung. Zeitlich kann sie weit über das Wochenbett hinausreichen. Die Symptome sind vielfältig und unterschiedlich stark ausgeprägt. Angst, auch vor sich selbst und um das Kind, Antriebslosigkeit, Schuldgefühle, Erschöpfung, Schlafstörungen und Zwangsgedanken können auftreten.

Betroffene Mütter brauchen manchmal sehr lange, um eine gefühlsmäßige Bindung an das Kind aufzubauen. Das gefährdet mitunter sogar seine Versorgung und Entwicklung. Die Depression kann jeoch abklingen oder sie lässt sich durch eine Therapie in den Griff bekommen. Vielen Frauen gelingt es so, sich wieder zu fangen und ihr Kind liebevoll groß zu ziehen. Wichtig ist, Hilfe zu suchen. Weitere Informationen finden Sie hier: Postpartale Depression: Fehlende Muttergefühle, auf www.baby-und-familie.de

Auch das Körpererleben entzieht sich nicht immer dem Abwärtssog. Alles dies beeinflusst natürlich die Harmonie zwischen den Partnern, auch sexuell. Die Sexualität kann zudem durch Missempfindungs- und Schmerzsymptome gestört sein. Psychologen gehen davon aus, dass hier, neben einer möglichen depressiven Störung, auch eine Überforderung der Mutter und Eigenarten der Paarbeziehung mögliche Auslöser sind.

So könnte die neue Rollenverteilung und der Übergang der Zweier- in die Paar-plus-Baby-Dreierbeziehung für Enttäuschungen und Konfliktstoff sorgen. Wichtig ist, die Probleme bald zu erkennen und anzunehmen. Dann lassen sich auch Lösungen finden (weiterführende Adressen: siehe unten: Fachliteratur).


Hormone in den Wechseljahren

W&B/Dr. Ulrike Möhle

Wechseljahre (Menopause): Keine Frage: Viele Frauen schaffen den "Wechsel" prima. Dennoch hinterlässt der Hormonentzug meist Spuren. Mal nervt die Frisur, die mehr Styling braucht. Mal stören die Pfunde, die sich nun noch leichter genau da ansammeln, wo sie es nicht sollen. Andere plagt der zunehmend unruhige Schlaf. Und die schlaffe, faltenanfällige Haut schließlich ist ein für alle sichtbares Zeichen.

Auch vor dem empfindlichen Intimbereich macht die Umstellung in den Wechseljahren nicht Halt: Schmerzen aufgrund eines zu trockenen Scheidengewölbes und womöglich auch abnehmender Lust sind vorgezeichnet. Wenn solche Probleme auftreten, sollte eine Frau sie am besten mit dem Partner angehen. Der Haken: Nicht wenige Paare haben sich nach vielen gemeinsamen Jahren auseinandergelebt.

Stärker als Männer brauchen Frauen aber oft den atmosphärischen Draht, um Lust auf Sex zu bekommen, gerade auch nach der Lebensmitte. Ein weiteres Problem: Sex im reifen Alter unterliegt immer noch großem Schweigen, es ist und bleibt ein Tabuthema. Selbst zwischen Partnern, die sich sonst eigentlich gut verstehen, ist das das oft so.
Symptome: Die Menstruationsblutung tritt an der Schwelle zum Klimakterium immer unregelmäßiger auf. Schließlich bleibt sie aus. Hitzewallungen und mit der vaginalen Rückbildung (Atrophie) verbundene Schmerzen beim Intimverkehr oder Libidoverlust sind ebenfalls Leitsymptome. Die Harnwege sind häufig unangenehm gereizt. Viele Betroffene kämpfen zudem mit nachlassender Leistungsfähigkeit, Konzentrationsschwierigkeiten, Schlafstörungen, vermehrter Nervosität und Reizbarkeit. Stimmungsschwankungen bis hin zu Depressivität sind ebenfalls nicht ungewöhnlich. Viele andere Beschwerden können im Laufe der Zeit dazukommen.
Therapie und Selbsthilfe: In Gesprächen, eventuell auch mit therapeutischer Hilfe, lässt sich die emotionale und sexuelle Bedürfnis- und Interessenlage beider Partner ausloten und Lösungen entwerfen. Übrigens: Studien zeigen, dass eine erhöhte Sexfrequenz dazu beiträgt, die Beschwerden zu mindern. Gegen die Trockenheit der Scheide helfen Befeuchtungsgels. Ob eine Östrogencreme zur örtlichen Anwendung sinnvoll ist, prüft der Frauenarzt. Er wird natürlich auch ausschließen, dass Beschwerden beim Geschlechtsverkehr von einer krankhaften Veränderung herrühren.

Vorzeitiges Klimakterium: Das in der gebährfähigen Zeit jeden Monat im Eierstock ausreifende Eibläschen (Follikel) bildet Östrogene (siehe auch oben) und nach dem Eisprung als Gelbkörper vor allem Progesteron – die weiblichen Geschlechtshormone. Sie haben vielfältige Wirkungen im Körper der Frau. Bei Funktionsstörungen der Eierstöcke können Frauen schon vor dem 40. Lebensjahr – manche Quellen ziehen die Grenze ab unter 35 Jahren – in die Wechseljahre kommen (Klimakterium praecox, vorzeitige primäre Ovarialinsuffizienz). Normalerweise passiert das erst um die 50.

Das vorzeitige Versiegen der Sexualhormone betrifft etwa ein Prozent der Frauen. Es gibt allerdings auch Störungen, die dazu führen, dass junge Mädchen und Frauen nie einen Zyklus haben. Zum Beispiel sprechen Mediziner von einer primären Amenorrhoe, wenn Mädchen bis zum Ende des 16. Lebensjahres noch keine Regel gehabt haben. Dabei handelt es sich jedoch nicht um ein vorzeitiges Klimakterium, sondern um ein genetisches Problem. Ein Beispiel hier: das Ullrich-Turner-Syndrom.

- Auf der Ebene der Eierstöcke kommen im Wesentlichen zwei Mechanismen für ein vorzeitiges Klimakterium infrage: Entweder sind von Anfang an zu wenige Eizellen vorhanden beziehungsweise sie gehen vorzeitig zugrunde, oder sie funktionieren nicht richtig.

Zu wenig Eizellen können Folge genetischer Veränderungen sein. Vorzeitig zugrunde gehen können Eizellen nach Schädigungen wie Infektionen (zum Beispiel Windpocken, Malaria) und Entzündungen, bei Tumorerkrankungen der Eierstöcke oder durch Behandlungen wie Chemo- und Strahlentherapie.

Bei Funktionsstörungen der Eifollikel bleibt die Ursache oft unklar. Immunstörungen im Rahmen von Autoimmunerkrankungen der Schilddrüse mit Unter- oder Überfunktion, Addison-Krankheit, Zöliakie, bei rheumatoider Arthritis, systemischem Lupus erythematodes, Sjögren-Krankheit, Typ-1-Diabetes, Weißfleckenkrankheit (Vitiligo) gehören zu den möglichen feststellbaren Ursachen. Mitunter kann eine autoimmune Eierstockentzündung vorliegen. Als ein Risikofaktor wird teilweise auch Rauchen angesehen. Viele Frauen erleben den Hormoneinbruch als psychisch belastend, zumal er für die Familienplanung endgültig das Aus bedeutet. Ein weiteres Problem ist, dass das Osteoproserisiko steigt.
Symptome: Die Regel bleibt aus (nicht schwangerschaftsbedingte Amenorrhö), oder es bestehen deutliche Blutungsstörungen, etwa zu seltene, zu häufige Blutungen in zu kurzen Abständen oder Zwischenblutungen. Je nach Störungsmuster ist der Geschlechtsverkehr nicht zuletzt durch eine trockene Scheide schmerzhaft gestört oder praktisch unmöglich. Ansonsten siehe oben unter Wechseljahre. Eine vorzeitig einsetzende Menopause ist häufig auch ein Grund für Unfruchtbarkeit.

Die Ratgeber "Ausbleiben der Regelblutung" und "Blutungen außerhalb der Regel" informieren Sie genauer über den Teilaspekt Blutungsstörungen.

- Hormonmangel durch Störungen der Hormonimpulse auf der Ebene des Gehirns: Anhaltender Stress im Alltag oder in Beziehungen und andere psychische Faktoren können hier eine wichtige Rolle spielen. Auch starkes Untergewicht, wie es sich bei magersüchtigen Frauen (Anorexia nervosa) entwickelt, weniger ausgeprägt bei Bulimie, kann dazu führen, dass das Gehirn seine Impulse an die Eierstöcke einstellt. Weitere Ursachen einer vom Gehirn ausgehenden Ovarialinsuffizienz sind Tumoren wie ein Adenom oder ein sogenanntes Prolaktinom, manchmal auch bestimmte Medikamente.
Symptome: siehe oben (Wechseljahre). Je nach auslösender oder begleitender Störung ergeben sich verschiedene Krankheitsmuster. Typische Anzeichen für eine Schilddrüsenunterfunktion beispielsweise können sein: Ungewollte Gewichtszunahme, kühle, trockene und raue Haut, psychische Veränderungen, Haarausfall, Muskelverkrampfungen. Bei Schilddrüsenüberfunktion stehen Gewichtsverlust trotz guten Appetits, Muskelschwäche, verschiedene Augensymptome, Schweißausbrüche und Durchfall im Vordergrund. Funktionsstörungen der Nebennieren gehen, je nach betroffenen Hormonen, mit vielfältigen Symptomen einher. Ein Beispiel: unter anderem Vermännlichung, Zyklusstörungen und psychische Symptome beim Cushing-Syndrom (es kann durch Veränderungen wei eine Geschwulst im Gehirn oder in der Nebenniere entstehen). Mögliche Warnsymptome bei Tumoren im Gehirn sind beispielsweise ungewöhnliche Kopfschmerzen, neu aufgetretener Schwindel, Sehstörungen. Ein Prolaktin bildender gutartiger Tumor im Gehirn (Prolaktinom) kann zu Milchfluss aus den Brustwarzen führen.

Diagnose: Die Krankengeschichte und körperlichen Untersuchungsbefunde sowie Blutuntersuchungen mit Messungen verschiedener Hormone, zunächst der sogenannten Gonadotropine (etwa das follikelstimulierende Hormon (FSH); Gonadotropine regen die Eierstöcke an), führen den Arzt auf die Spur. Je nach vermuteter Ursache des vorzeitigen Hormontiefs folgen weitere Blutanalysen, darunter Messungen des Prolaktins, hormonelle Funktionstests und bei Bedarf bildgebende Verfahren.
Therapie: Die behandelbaren Ursachen eines vorzeitigen Klimakteriums erfordern jeweils eine gezielte Therapie, etwa mit speziellen Hormonen oder Medikamenten. Bei einem Adenom (nicht aber Prolaktinom) kommt häufig, bei einem Nebennierentumor in der Regel eine Operation in Betracht. ÜProlaktinome sprechen häufig auf Medikamente wie sogenannte Dopamagonisten an. Falls eine Therapie der Grunderkrankung nicht möglich ist oder das Geschlechtshormondefizit nicht behebt, erhalten Betroffene unter 40 Jahren bei Bedarf und Fehlen von Gegenanzeigen eine Behandlung mit Sexualhormonen.


– Frauenleiden

Infektionen: Jede Ebene des Geschlechtstraktes kann sich infizieren. Infektionen können also das äußere Genitale (Vulvitis), die Geschlechtsdrüsen dort (Bartholinitis), die Vagina (Vaginitis beziehungsweise Kolpitis) oder die Eierstöcke und ihre Aufhängung (Adnexitis) erfassen. Mitunter betreffen sie auch die Gebärmutter (Endometritis), manchmal auch die benachbarten Harnwege.

Auslösend sind nicht nur sexuell übertragene Infektionen oder die Erreger der klassischen Geschlechtskrankheiten, etwa Tripper (Gonorrhoe) oder Syphilis. Auch heimische Haut- oder Darmkeime oder vaginale "Hauskeime" wie Gardnerella, Mykoplasmen oder Pilze können plötzlich krank machen, wenn sie überhandnehmen. Innere Erkrankungen, zum Beispiel Diabetes mellitus (Zuckerkrankheit), begünstigen häufig Pilzinfektionen.

Und: So toll Mode manchmal ist – der Gesundheit tut sie nicht immer gut. Hautenge Hosen, String-Tangas & Co. können stark scheuern, nicht atmungsaktive Elastikfasern die Schweißbildung fördern, besonders bei Wärme. Dann kommt es leicht zu Hautinfektionen. Schließlich kann auch Intimpiercing oder Intimschmuck Keime anziehen, vor allem wenn der Stichkanal nicht richtig verheilt ist.

Symptome: Ausfluss, Brennen, Schmerzen außen oder innen. Sex wäre in dieser Situation sicher unangenehm bis schmerzhaft. Bei einigen Infektionen zeigen sich ausgeprägte Veränderungen wie Rötung, Schwellung – bei einer Bartholinitis zum Beispiel stark betont auf der betroffenen Seite – Bläschen, Knötchen oder gar kleine Geschwüre. Falls das Innere der Scheide erkrankt ist, kann der Gynäkologe dies bei der frauenärztlichen Untersuchung erkennen.

Weitere Informationen zu Ursachen, Diagnose und Therapie im Beitrag "Ausfluss der Frau".


Die Endometriose kann sich an vielen Stellen im Körper befinden

W&B/Martina Ibelherr

Endometriose: Wenn Gebärmutterschleimhaut (Endometrium) auch außerhalb der Gebärmutterhöhle vorkommt, liegt eine Endometriose vor. Die Gewebestreuung ist gutartig, in ihrer Entstehung noch unklar, und kann zyklisch Schmerzen bereiten. Am häufigsten findet sich das ortsfremde Gewebe hinter der Gebärmutter, öfter auch an den Eierstöcken oder in der Gebärmutterwand, manchmal in Blase oder Darm.

Selten sitzt es außerhalb des Beckenraumes, zum Beispiel in den Lungen. Wenn das Gewebe auf die Geschlechtshormone anspricht, verhält es sich wie die normale Gebärmutterschleimhaut. Das heißt: Es blutet zyklisch, nur dass das Blut – je nach Lage der Sprenkel – nicht immer abfließen kann und dann vom Körper abgebaut werden muss. Dabei kann es auch zu Entzündungen und Verwachsungen kommen.
Symptome: Je nach Lokalisation der Endometriose-"Inseln", also wenn sie zum Beispiel hinter der Gebärmutter liegen, und je nach weiteren Eigenschaften des Gewebes können starke Schmerzen bei der Periode und beim Sex auftreten. Typisch sind auch Blutungsstörungen. Verwachsungen an den Eileitern führen mitunter zu ungewollter Kinderlosigkeit. Die Blasen- und Darmentleerung ist möglicherweise schmerzhaft oder zyklisch blutig. Etwa die Hälfte der Betroffenen hat keine Beschwerden.

Mehr zu diesem Krankheitsbild im Ratgeber "Endometriose".


Myome: Myome sind knotige Wucherungen in der Muskelschicht der Gebärmutter, dem Myometrium. Die gutartigen Tumore sind bei Frauen im gebärfähigen Alter häufig.
Symptome: Je nach Lage und Größe können sie verstärkte beziehungsweise verlängerte Monatsblutungen, schmerzhafte Menstruationen (Dysmenorrhö) oder Zwischenblutungen verursachen. Auch der Geschlechtsverkehr ist häufig schmerzhaft. Verdächtig außerdem: dauernd und situationsunabhängig ein Schmerz oder Druck im Unterbauch. Daneben sind viele andere Beschwerden möglich.

Weitere umfassende Informationen finden Sie im Ratgeber "Myome".

Gebärmutter- und /oder Scheidenabsenkung: Dabei tritt die Gebärmutter und / oder Scheide tiefer ins untere Becken ein. Dies kann zum Beispiel bei jüngeren Frauen nach der Geburt vorkommen, sich aber wieder zurückbilden. Bei anlagebedingter Bindegewebsschwäche dagegen nimmt die Verlagerung allmählich zu.

Nach den Wechseljahren rutschen die inneren Geschlechtsorgane praktisch immer etwas nach unten, weil die gesamte Aufhängung, vor allem der Beckenboden (sprich: Muskel- und Bindegewebe), vermehrt erschlafft. Ist er schon vorher überlastet, etwa durch jahrelanges schweres Heben, mehrere Entbindungen, Übergewicht, erhöhten Druck im Bauch durch Verstopfung oder ständiges Husten (etwa bei Raucherbronchitis), kann die Absenkung sehr ausgeprägt sein. Wurde die Gebärmutter entfernt, kann die Scheide sich verlagern und Probleme bereiten.
Symptome: Anfangs besteht ein Druckgefühl nach unten zum Intimbereich hin. Häufig treten auch Rückenschmerzen auf, die sich im Liegen bessern. Zudem kann der Intimverkehr Schmerzen bereiten. Beim Pressen tritt die Scheide tiefer. Sinkt sie stärker ab, sind Schleimhautgeschwüre, verbunden mit Ausfluss und Schmerzen, möglich. Gerät auch der benachbarte Blasenboden in den Abwärtssog, resultiert meist eine Blasenschwäche. Zudem kommt es häufig zu Brennen beim Wasserlassen und wiederholtem Harndrang als Hinweis auf eine Harnwegsinfektion.
Therapie: Bei leichten Formen hilft regelmäßige Beckenbodengymnastik. Nach den Wechseljahren empfehlen Frauenärzte zunächst eine örtliche Behandlung mit Östrogen. Eventuell legen sie einen Vaginalring ein, der geringe Mengen Östrogen abgibt. Bei stärkeren Ausmaßen und wenn die Familienplanung abgeschlossen, zudem das Klimakterium eingetreten ist, kommen operative Verfahren infrage, zum Beispiel eine sogenannte Scheidenplastik. Eventuell wird dabei die Gebärmutter (Uterus) entfernt und das Scheidenende – es wird zu einem "Stumpf" verschlossen – mit der Umgebung vernäht. Für den Sex hat der Eingriff mitunter negative Folgen (sogenannter Uterusverlustschmerz). Offenbar überwiegt aber die positive Seite. Nicht nur lassen die Senkungsbeschwerden nach, vielmehr verschwinden oft auch Probleme wie vaginale Beschwerden und Libidostörungen.

Nach rückwärts verlagerte Gebärmutter: Eine Rückwärtskippung (Retroflexion, Retroversion), bei der die Gebärmutter beweglich bleibt und sich zum Beispiel während einer Schwangerschaft problemlos aufrichtet, gilt als normale anatomische Variante. Vorübergehend kann die Gebärmutter sich nach einer Entbindung nach hinten neigen, weil die Aufhängung geschwächt ist.
Verwachsungen durch Entzündungen oder bei einer Endometriose (siehe oben) können zu einer fixierten Rückwärtsneigung führen.
Wichtig ist die Erkennung der Lageveränderung insbesondere vor gynäkologischen Eingriffen, etwa Einlegen einer Spirale.
Symptome: Sie reichen von mehrheitlich beschwerdefrei (den Befund erhebt der Arzt zum Beispiel bei der normalen Vorsorgeuntersuchung) über Kreuzschmerzen und Verstopfung bis zu Menstruationsbeschwerden und Dyspareunie.
Diagnose und Therapie: Der Gynäkologe stellt die Verlagerung bei der bimanuellen (beidhändigen) Unterleibsuntersuchung fest und verifiziert sie anhand eines Ultraschalls. Die Therapie richtet sich nach dem Symptomebild und möglichen zugrundeliegenden Krankheitsursachen. Bei ausgeprägten Beschwerden aufgrund einer fixiert rückwärtsgeneigten Gebärmutter kann eine operative Lösung von Verwachsungen in Betracht kommen. Es können sich aber wieder neue Verwachsungen bilden.


Geschwulst- und Krebserkrankungen: Ob eine Bartholin-Zyste (Schwellung in der Vulva durch Drüsenstau) Schmerzen beim Gehen, Sitzen oder Sex macht, ob die Vulva merkwürdig aussieht und ständig brennt oder juckt, was den Sex ebenfalls beeinträchtigen kann, oder ob in der Vagina dauernd ein Druck verspürt wird, der sich beim Sex verschlimmert oder in eine Blutung mündet: Gehen Sie bei Auffälligkeiten im Genitalbereich unbedingt frühzeitig zum Arzt. Dahinter muss keine bösartige Erkrankung stecken. Aber normal ist es eben auch nicht. Zahllose Ursachen sind möglich, etwa eine Infektion, eine Hauterkrankung oder doch eine Gewebeveränderung. Es ist gut, die Ursache so früh wie möglich zu erkennen und zu behandeln.
Diagnose und Therapie: Bei manchen Auffälligkeiten, die sich dem Arzt bei der Untersuchung sofort erschließen, kann eine feingeweblicher Check erforderlich sein. Im Vorstadium einer bösartigen Veränderung an der Vulva, zum Beispiel bei einer sogenannten nicht invasiven epithelialen Neoplasie, ist oft eine Laserbehandlung erfolgreich. Oder die Veränderung wird chirurgisch entfernt.

Sollte allerdings eine bösartige Tumorbildung vorliegen, erfolgt die Therapie entsprechend der feingeweblichen Diagnose und danach, wie es für das jeweilige Stadium von den Fachexperten festgelegt wurde ("stadiengerecht"). Das bedeutet, dass zunächst weitere Untersuchungen stattfinden müssen, um das Krankheitsstadium zu erkennen. Das Alter der Patientin nimmt Einfluss auf die Therapie, etwa bei der Planung einer Operation. Zu den Behandlungswegen gehören außerdem eine Bestrahlung, mitunter eine Chemotherapie.

Angeborene oder erworbene Fehlbildungen der Geschlechtsorgane: Hier geht es um mehr oder weniger seltene Störungen, darunter das MRKH-Syndrom und Septen (Scheidewände) in der Vagina. Sex ist bei den Betroffenen schmerzhaft bis unmöglich.

- Vaginalaplasie (auch Mayer-v.-Rokitansky-Küster-Hauser-Syndrom, kurz: MRKH genannt): Die Betroffenen haben praktisch keine Scheide. Diese ist entweder gar nicht (Aplasie) oder unvollständig ausgebildet. Das heißt, entweder existiert nur das obere Drittel, oder die Vagina entspricht einer wenige Zentimeter kurzen Vertiefung. Auch die Gebärmutter ist nur ansatzweise vorhanden. Manchmal finden sich noch weitere Fehlbildungen. Die Eierstöcke dagegen sind meist normal.

Die Ursache der Entwicklungsstörung ist unbekannt. Sie tritt um die neunte Lebenswoche im Mutterleib auf. Betroffen ist immerhin etwa jedes fünftausendste Mädchen (1:5000). Es scheint eine gewisse familiäre Häufung zu geben. Entdeckt wird die Fehlbildung meist in der Pubertät, wenn die Menstruation ausbleibt.
Symptome: Geschlechtsverkehr ist problematisch. Da auch eine funktionstüchtige Gebärmutter fehlt, bleiben die Monatsblutungen aus (Amenorrhö).
Therapie: Plastische Operation (künstliche Scheide, "Neovagina") mit vorübergehendem Tragen einer Vaginalprothese. Nach abgeschlossener Behandlung ist Sex gut möglich.

- Eine Vagina septa ist durch segelartige Gewebespalten gekennzeichnet, die die Vagina mehr oder weniger unterteilen.
Symptome: Es kann zu Schwierigkeiten und Schmerzen beim Sex kommen.
Therapie: Septen durchtrennt der Frauenarzt operativ.

Erworbene Vaginalstenose: Stenose bedeutet Verengung. Je nach Ausprägung leiden die betroffenen Frauen unter Schmerzen beim Geschlechtsverkehr, oder dieser ist unmöglich. Hauterkrankungen wie bestimmte Lichen-Formen (siehe nachfolgend), Verwachsungen oder Narben nach Entbindungen und gynäkologischen Operationen – etwa einer Senkungsoperation oder Operation bei Krebs – sowie Bestrahlungsbehandlungen können hier mögliche Ursachen sein.

Zu den Hauterkrankungen, die das äußere Genitale derart verändern können, dass es schrumpft und den Scheideneingang verengt, gehören der Lichen sclerosus und der Lichen planus, auch als erosive Form. Lichen bedeutet ursprünglich knötchenartige, juckende Flechte. Die Veränderungen sind nicht ansteckend.

- Lichen sclerosus: Die oft chronisch verlaufende Hauterkrankung kann bei Kindern, Jugendlichen und Erwachsenen auftreten, am häufigsten im Alter zwischen 30 und 60 Jahren. Frauen erkranken deutlich häufiger als Männer. Zugrunde liegt ein erbliche Immunstörung. Dabei greifen Immunzellen irrtümlich körpereigenes Bindegewebe der Haut an. Betroffen ist im Hinblick auf den Genitalbereich die Vulva, die Scheide nicht. Gelegentlich kann sich ein in der Kindheit entstandener Vulva-Lichen in der Pubertät vollkommen zurückbilden.
Symptome: Zu den typischen Symptomen gehören starker genitaler Juckreiz und Schmerzen beim Geschlechtsverkehr. Ein Hinweis kann zum Beispiel eine weißlich aussehende, pergamentartig glatte Haut im äußeren Genitalbereich sein. Die Veränderungen ähneln in gewisser Weise auch Narben nach Verletzungen. Bei jungen Mädchen müssen Ärzte bei solchen Hauterscheinungen daher auch sexuellen Missbrauch ausschließen. Dass der äußere Intimbereich auf Dauer optisch stark von der meist chronisch verlaufenden Krankheit gezeichnet ist, belastet viele Frauen psychisch stark und beeinträchtigt ihre Sexualität zusätzlich.
Diagnose: Sie beruht auf der körperlichen Untersuchung und der feingeweblichen Analyse einer Gewebeprobe. Der Frauenarzt arbeitet hier eng mit einem Hautarzt  zusammen.
Therapie: Kortison örtlich, zum Beispiel Clobetasol, oder ein Präparat mit einem sogenannten Calcineurinantagonisten können bei rechtzeitiger Diagnose den Schrumpfungsprozess aufhalten. Auch wenn es selten vorkommt: Da das erkrankte Gewebe theoretisch eine bösartige Form annehmen kann, sind viertel- bis halbjährliche Kontrollen beim Arzt notwendig. Zusätzlich ist oft eine psychologische Betreuung sinnvoll, um die belastende Krankheit besser zu verarbeiten.

- Lichen planus: Die Ursache dieser seltenen Hauterkrankung ist unbekannt. Sie betrifft  ebenfalls häufiger (erwachsene) Frauen als Männer. Manchmal werden Medikamente gegen Herz-Kreislauf-Erkrankungen und bestimmte Schmerzmittel gegen Gelenkentzündungen (nicht steriodale Entzündungshemmer oder Antirheumatika, NSAR), eine Hepatitis-C-Virusinfektion, eine Impfung gegen Hepatits B oder Grippe als mitauslösend angesehen.
Symptome: Am äußeren Genitale zeigen sich schmerzlose weißlich streifige, schleierartige Hautveränderungen. In der Scheide kann die Erkrankung in Form einer (nicht bakteriellen) Entzündung mit Hautabschilferung auftreten. Dann kommt es zu Ausfluss, Kontaktblutungen und Schmerzen beim Geschlechtsverkehr.

Überlappungen gibt es hier mit dem gleichfalls selten vorkommenden erosiven Lichen planus der Scheide (siehe anschließend). Bei beiden Lichen-Varianten (planus, erosiv) kann auch die Mundschleimhaut – schmerzlos oder schmerzhaft – mitbetroffen sein. Außerdem sind Veränderungen an anderen Hautstellen möglich.

- Erosiver Lichen planus: Krankheitsbild mit schmerzhaften Rötungen und Aufrauung (Erosionen) der Haut des äußeren Genitale. Verwachsungen können zu einer Verengung am Scheideneingang führen. Mitunter tritt die Erkrankung hier auch weiter innen in der Scheide auf.
Symptome: Äußerlich erkennbar gerötete und entzündete Haut, Brennen, Schmerzen oder Juckreiz. Geschlechtsverkehr ist schmerzhaft oder wegen Vernarbungen nicht möglich. Eine schwere, seltene Form ist das vulvovaginale Gingiva-Syndrom mit ausgeprägten Geschwüren im Mund, am äußeren Genitale und in der Scheide.
Diagnose: Sie ergibt sich klinisch und anhand einer feingeweblich untersuchten Gewebeprobe. Dabei lässt sich ein Lichen planus von anderen Gewebeveränderungen abgrenzen. Der Frauenarzt wird außerdem eine Infektion ausschließen.

Therapie jeweils: Kortison äußerlich, bei Vernarbungstendenz unterstützt durch eine Vaginalprothese. Vermutet der Gynäkologe oder Dermatologe, dass ein verordnetes Medikament eine Rolle spielt, wird er sich mit dem behandelnden Arzt in Verbindung setzen. Eine Hepatitis C diagnostiziert und behandelt der Internist / Gastroenterologe. Zu psychologischer Hilfestellung siehe oben unter Lichen sclerosus.

– Andere Erkrankungen im Unterleib

Krankheiten in unmittelbarer Nähe des Genitalbereiches, die mitunter Schmerzen beim Sex zur Folge haben, sind Blasenentzündungen (Zystitis), Hämorriden und chronisch entzündliche Darmerkrankungen (hier: im Enddarmbereich) wie zum Beispiel Morbus Crohn. Für weitere Informationen zu diesen Krankheitsbildern bitte auf die genannten Links klicken.


Trockenes Gewebe befeuchten. Den Augen zum Beispiel helfen künstliche Tränen

Thinkstock/Goodshot

– Sjögren Syndrom

Im Zuge dieser Autoimmunerkrankung werden speziell die Speichel- und Tränendüsen angegriffen, aber auch die Geschlechtsdrüsen im Schambereich. Frauen erkranken deutlich häufiger als Männer, vor allem nach den Wechseljahren. Manchmal tritt das Krankheitsbild als Zweiterkrankung bei rheumatischen Krankheiten auf, sodann bei bestimmten Lebererkrankungen. Einige Betroffene mit Sjögren-Syndrom haben zusätzlich auch mit einer Allergie oder Zöliakie zu tun.
Hauptsymptome sind Mundtrockenheit und trockene Augen (Sicca-Syndrom). Dazu kommt häufig Vaginaltrockenheit. Selten erkranken andere Organe wie Blutgefäße, Nieren, Lungen, Leber, Nerven (dann zum Beispiel Kribbeln und Taubheitsgefühl der Beine) und Gehirn (dann  beispielsweise psychische Symptome wie Depression). Auch Muskelschwäche und Lymphknotenschwellungen treten auf.
Diagnose: Krankengeschichte, Symptome, körperliche Befunde, Blutuntersuchungen und Gewebebiopsien führen hier zum Ziel. Der Augenarzt überprüft unter anderem die Tränenbildung (Schirmer-Test) und die Intaktheit der Hornhaut, der Hals-Nasen-Ohrenarzt die Speichelproduktion (Saxon-Test).
Therapie: Sie richtet sich nach der individuellen Befundkonstellation. Dementsprechend arbeiten die betreuenden Fachärzte eng zusammen. Symptomatisch helfen viel trinken, soweit medizinisch nichts dagegen spricht, außerdem künstlicher Speichel, künstliche Tränen und vaginale Befeuchtungsgels. Sind innere Organe mitbetroffen, setzen Ärzte zum Beispiel Immunsuppressiva wie Kortison und andere Medikamente ein. Mehr Informationen finden Sie im Ratgeber Sjögren-Syndrom.


– Medikamente

Manche Arzneistoffe können unter anderem zu einer trockenen Scheide führen. Entsprechende Nebenwirkungen finden sich zum Beispiel bei älteren Mitteln gegen Allergien (H1-Antihistaminika wie Diphenhydramin) und bei abschwellenden Schnupfenmitteln. Hier kann es zu Problemen kommen, wenn sie länger als fünf Tage oder zu häufig angewandt werden. Auch manche Psychopharmaka (Neuroleptika, Antidepressiva) sowie Östrogenblocker (Antiöstrogene) zur Behandlung von Brustkrebs können vermehrt Trockenheit und Reizungen der Scheide verursachen.


nach obenÜberblick: Schmerzen beim Sex – Psyche & Psychosomatische Störungen

Wenn die Psyche schmerzt

Psychosomatik ist, verkürzt gesagt, die Lehre von den Leib-Seele-Störungen (soma, griech., Körper). Sie hat im Blick, dass körperliche Störungen seelische Auswirkungen haben, die wiederum auf den Körper zurückwirken. Dabei kann das Pendel mehr zur körperlichen oder mehr zur psychischen Seite ausschlagen. Psychosomatisch tätige Ärzte sind entweder Fachärzte auf einem bestimmten Organgebiet, etwa Gynäkologen, die eine zusätzliche Facharztweiterbildung für Psychosomatik / Psychotherapie absolviert haben, oder es sind ärztliche oder psychologische Psychotherapeuten und Psychiater.

Nachfolgend geht es um psychosomatische Störungen, die das Sexualerleben schmerzhaft beeinträchtigen können. Das Chronic pelvic pain-Syndrom beispielsweise ist auch außerhalb der sexuellen Situation mit Schmerzen verbunden. Sexbezogene Schmerzstörungen sind die nicht-organische Dyspareunie und der Vaginismus.

Chronic pelvic pain-Syndrom (cPP, weitere Fachbezeichnungen: Pelvipathia spastica, Pelvipathie und viele andere): Dieses Krankheitsbild ist gekennzeichnet durch Schmerzen im Unterbauch, die länger als ein halbes Jahr bestehen und durch eine organische Ursache nicht hineichend erklärbar sind. Häufig kommt es zu Störungen der Sexualfunktion, darunter Dyspareunie. Nicht selten liegen bestimmte Persönlichkeitsmerkmale vor, etwa die Neigung zu neurotischen Reaktionen auf nicht bewältigte Konflikte wie eine Trennung oder Kündigung. Neurose bedeutet so viel wie psychische Anpassungsstörung. Infrage kommt manchmal auch eine unterschwellige Depressivität. Außerdem spielen Partnerprobleme eine Rolle. Oft haben sich die Betroffenen schon unterschiedlichsten Behandlungsversuchen unterzogen – ohne Erfolg.
Symptome: Schmerzen beim Geschlechtsverkehr, reduzierte Orgasmusfähigkeit, verringerte körperliche Belastbarkeit, Stressintoleranz, Müdigkeit. Häufig werden auch vielfältige vegetative Symptome angegeben, etwa Kopfschmerzen, kalte Füße, Nervosität, Kreislaufstörungen, Schlafstörungen. Möglich ist sogar Ausfluss ohne feststellbare krankhafte Ursache (psychogener Ausfluss).
Diagnose: Der Frauenarzt muss zunächst körperliche Ursachen ausschließen. Das ist nicht immer einfach, weil mitunter schon die gynäkologische Untersuchung schmerzhaft sein kann. Meistens müssen die Betroffenen auch von einem Internisten durchgecheckt werden, um etwa eine chronische Darmerkrankung nicht zu übersehen. Mitunter ist eine Bauchspiegelung unvermeidlich. Dabei können auch therapeutische Ansätze verfolgt werden, etwa Lösen von Verwachsungen.
Therapie: Psychotherapie wie zum Beispiel eine Gesprächstherapie oder mehr körperbezogene Therapien wie Entspannungsverfahren sind mögliche Wege. Das kann in der Regel ambulant stattfinden, etwa bei einem psychosomatisch orientierten Frauenarzt, zu dem die Patientin ein gutes Vertrauensverhältnis aufgebaut hat. Erfolgversprechend sind solche Therapien, wenn die Patientin die Bereitschaft mitbringt, ihr Problem bewusst anzugehen, sei es mehr rational, sei es mehr meditativ. Bei schwerer Ausprägung ist eine stationäre Behandlung in einer psychosomatischen Klinik oder in einer Schmerzklinik sinnvoll. Schmerztherapeutische Verfahren, zum Beispiel Akupunktur, sodann Physiotherapie, eventuell auch Einnahme eines Antidepressivums nach Prüfung durch einen Psychiater sind weitere Therapieangebote.


Es gibt viele Formen der Psychotherapie. Eine davon ist die Gesprächstherapie

PhotoDisc/ RYF

– Nicht-organische Dyspareunie und Vaginismus

Sexuelle Erfüllung hängt in hohem Maß davon ab, inwieweit eine Frau sich selbst akzeptiert und wie zufrieden sie mit ihren Leben ist. Das gilt ebenso für den Partner. Eine vor diesem Hintergrund gelingende Partnerschaft hat hier eine Schlüsselfunktion. Schmerzstörungen beim Sex sind zum Beispiel oft Ausdruck fehlender Harmonie der beiden Partner im weitesten Sinn. Die Wurzeln können manchmal in Prägungen in der Kindheit liegen, die zur Tabuisierung von Sexualität geführt haben und Sexualängste aufrechterhalten. Solche Ängste können krankhafte (phobische) Ausmaße annehmen, mit starker Abneigung gegenüber dem Partner einhergehen, ihn ausgrenzen. Am anderen Ende der Skala liegen traumatische Vorerfahrungen wie sexueller Missbrauch oder Vergewaltigung. Sexuelle Entwicklungsstörungen können beide Geschlechter betreffen.

Untersuchungen zeigen, dass etwa 21 Prozent der Frauen bis etwa 24 Jahre Schmerzen beim Sex haben. Damit zusammenhängende Störungen sind häufiger die nicht organische Dyspareunie und der Vaginismus. Zur psychischen Seite der Vulvodynie und Klitorisschmerz siehe weiter oben.

Nicht organische Dyspareunie: Zum Zeitpunkt der Beschwerden darf definitionsgemäß keine körperlich-organische Störung im Unterleib vorliegen. Dass eine solche vielleicht einst Ausgangspunkt der Leidensgeschichte war, steht dem nicht entgegen. Abzugrenzen sind andere sexuelle Funktionsstörungen, die gleichwohl oft hinzutreten, etwa sogenannte Motivationsprobleme (Lustlosigkeit) und Erregungsdefizite. Manche Psychologen betrachten die Dyspareunie als eine Konversionsstörung, das heißt als körperlichen Ausdruck eines psychischen Konfliktes. Andere sehen darin das Ergebnis einer Lerngeschichte: Die Erwartungshaltung nimmt den Schmerz schon vorweg, er tritt dann auf jeden Fall ein, und eine Art Angst-Verspannung-jetzt-erst-recht-Schmerz-Teufelskreis erhält ihn aufrecht.
Symptome: Die Schmerzen variieren. Sie können ganz kurz dauern, etwa nur beim Einführen des Penis auftreten – und werden dann meist als stechend oder brennend empfunden. Prinzipiell können aber alle Phasen der Penetration wehtun. Einige Betroffene nehmen oft auch in der Tiefe der Scheide einen Schmerz wahr. Andere erleben besonders den Orgasmus als peinvoll, mit wellenförmig an- und abschwellenden Schmerzen im Unterleib.
Diagnose und Therapie: Der psychosomatisch ausgebildete Arzt, zum Beispiel ein Frauenarzt, ein Psychotherapeut oder ein Sexualmediziner sind hier geeignete Ansprechpartner, nachdem organische Befunde ausgeschlossen oder behandelt wurden. Stichworte hier: Psychotherapie in Form einer Gesprächstherapie und Paartherapie. Weitere Informationen, insbesondere zur Sexualmedizin, im Abschnitt "Hilfe für die Psyche" weiter oben sowie nachfolgend.

Vaginismus: Die Scheide reagiert hier extrem empfindlich auf Berühren mit einem Tampon, Finger oder Penis. Einführen des Tampons, eine frauenärztliche Untersuchung und eben auch der Geschlechtsverkehr, auch wenn er gewünscht wird, ist schmerzhaft oder im Extremfall unmöglich. Eine Partnerschaft kann trotzdem funktionieren, wenn sich beide Partner psychisch entsprechen, wenn etwa für beide die Penetration angstbesetzt ist und gemieden wird (Kollusion). Ein Vaginismus entwickelt sich meist, nachdem die ersten Sexerfahrungen mit einem Partner schmerzhaft waren und Angst und Abwehr erzeugten. So gesehen ist Vaginismus manchmal Folge einer Dyspareunie. Auch ein sexuelles Trauma (Verletzung, Vergewaltigung) kann mitunter auslösend sein. Ebenso können Schmerzerfahrungen wie eine schwere Geburt oder eine Operation im Genitalbereich eine Rolle spielen. Inwieweit Vaginismus tatsächlich auf Muskelverkrampfungen der beteiligten Beckenboden- und Vaginalmuskeln beruht, ist jedoch unklar.
Symptome: Beim Versuch der Penetration verengt sich die Scheide. Die Verengung selbst ist nicht schmerzhaft. Die Penetration gelingt, wenn überhaupt, dann nur unter starken Schmerzen. Die sexuelle Erlebnisfähigkeit (Erregbarkeit, Orgasmusfähigkeit) dagegen ist gut, insbesondere dann, wenn keine Penetration zu "befürchten" ist.
Diagnose und Therapie: Psychologen interpretieren den Vaginismus entweder als Ausdruck einer inneren Ablehnung der weiblichen Identität oder aber als "Lerneffekt" nach einem sexuellen Schmerzerlebnis. Somit kann auch eine Psychotherapie infrage kommen. Sinnvoll sind oft auch psychologische Entspannungstechniken und ein Beckenbodentraining. Einige Therapiezentren bieten Informationen und Gruppenarbeit zu Themen wie Vaginaltraining mit Gleithilfen (Gels) und Dilatoren (konusartige Stäbe zum Einführen) an. Informieren Sie sich zum Beispiel bei einer gemeinnützigen Sexualberatungsstelle vor Ort.


Beckenbodentraining stärkt den Unterleib

W&B/Bernhard Limberger

nach obenSchmerzen beim Sex: Selbsthilfe

Die folgenden Ratschläge können Ihnen erste Ideen für mögliche Lösungsansätze geben, ersetzen aber natürlich keinen Therapeuten.

– Intimpflege & Textilien

  • In der Regel genügt die Reinigung des Intimbereichs mit Wasser. Also Seifen, Schaum- und Duschlotionen, Intimsprays und -duschen sowie Shampoos nicht direkt verwenden. Achten Sie auch darauf, dass das Körperpflegemittel beim Baden oder Duschen nicht versehentlich in den Intimbereich gelangt.
  • Waschen Sie den Intimbereich immer von vorn nach hinten.
  • Benutzen Sie keine Cremes, Gele oder Salben im Intimbereich, die nicht ausdrücklich zur entsprechenden Anwendung vorgesehen sind.
  • Kleiden Sie sich locker und im Schritt nicht beengend, vor allem bei Hitze und wenn Sie Beschwerden haben. Geeignetes Material ist leichte Baumwolle.
  • Slips am besten mit Waschmitteln ohne Aufheller- und Parfüm-Zusätze oder Hygienespüler waschen, danach gut mit klarem Wasser ausspülen.

– Verhütung

  • Chemische Verhütungsmittel zur örtlichen Behandlung, auch Kondome mit Spermizidbeschichtung, sind eher problematisch für Frauen, die zu Schmerzen beim Intimverkehr neigen. Lassen Sie sich von Ihrer Frauenärztin oder Ihrem Frauenarzt über für Sie am besten geeignete Methoden beraten.

– Hektik & Stress

  • Genügend Zeit und Zärtlichkeit – das sind sehr wichtige Voraussetzungen, um den Sex positiv zu erleben. Gönnen Sie sich im richtigen Moment so viel davon, wie Sie brauchen, um in Stimmung zu kommen. Jeder vernünftige Partner wird Verständnis dafür aufbringen, wenn Sie bei starkem Stress aber erst mal komplett abschalten wollen. Daueranspannung wirkt negativ auf Körper und Psyche. Um wieder zur Ruhe und Besinnung zu kommen, sind Erholungsphasen unerlässlich.
  • Auch Bewegung sorgt für Ausgleich. Manche Menschen tanken zum Beispiel bei körperlichen Aktivitäten wie Joggen oder Radfahren schnell neue Energie. Eventuell beziehen Sie den Partner mit ein. Andere Frauen bleiben lieber mal alleine, lesen, hören Musik, meditieren und lassen ihren Gedanken und Gefühlen freien Lauf.

Weitere Tipps zur Stressbewältigung finden sie hier.

– Selbstbestimmt und achtsam sein

  • Eine zentrale erogene Zone bei der Frau ist die Klitoris. Schenkt der Partner dem genügend Beachtung, erleben viele Frauen das als luststeigernd, wie für sie überhaupt Petting, also Sex ohne Geschlechtsverkehr, auch schön sein kann.
  • Wichtig ist jedenfalls, das zu tun, was einem selbst und dem anderen gefällt. Gut, wenn die Partner sich auch darüber auszutauschen können.

nach obenFachliteratur zu diesem Ratgeber:


Stauber M, Weyerstahl Th: Gynäkologie und Geburtshilfe, 3., aktualisierte Aufl., Stuttgart Georg Thieme Verlag 2007
Breckwoldt M, Kaufmann M, Pfleiderer A: Gynäkologie und Geburtshilfe, 5., aktual. u. überarb. Aufl., Stuttgart Georg Thieme Verlag 2008,
Vetter B: Sexualität: Störungen, Abweichungen, Transsexualität, 1. Aufl., Stuttgart Schattauer Verlag 2007
Herold G und Mitarbeiter: Innere Medizin, Gerd Herold Köln 2015

Weitere Informationen und Ansprechpartner (www.apotheken-umschau.de ist nicht verantwortlich und übernimmt keine Haftung für die Inhalte externer Internetseiten):

pro familia Bundesverband: Verhütung, Online: http://www.profamilia.de/?id=2721 (Abgerufen 1.4.2015)
Berufsverband der Frauenärzte  e.V. in Zusammenarbeit mit der Deutschen Gesellschaft für Gynäkologie und Geburtshilfe e.V.: Frauenärzte im Netz. Online: http://www.frauenaerzte-im-netz.de (Angerufen 1.4.2015)
Deutsche Gesellschaft für Sexualmedizin, Sexualtherapie und Sexualwissenschaft e.V.  (DGSMTW).Online: http://www.dgsmtw.de) (Abgerufen 1.4.2015)
Deutsche Gesellschaft für Biofeedback e. V. (DGBfb). Online: http://www.dgbfb.de (Abgerufen 1.4.2015)
Deutsches Bündnis gegen Depression e.V.. Online:
http://www.buendnis-depression.de/depression/vereinsvorstand.php (Abgerufen am 2.4.2015)


Wichtig:
Dieser Artikel enthält nur allgemeine Informationen und darf nicht zur Selbstdiagnose oder -behandlung verwendet werden. Er kann einen Arztbesuch nicht ersetzen.




Bildnachweis: PhotoDisc/ RYF, Thinkstock/Goodshot, W&B/Dr. Ulrike Möhle, iStock/webphoto, Stockbyte/NIgel Riches, W&B/Jörg Kühn, W&B/Angelika Jakob, W&B/Bernhard Limberger, W&B/Martina Ibelherr

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