Nasenbluten (Epistaxis)

Nasenbluten sieht meistens schlimmer aus, als es ist, nur selten muss ein Arzt eingreifen. Erste Hilfe, Ursachen, Therapie, Vorbeugung

von Dr. med. Claudia Osthoff, aktualisiert am 30.03.2015

Die häufigsten Ursachen von Nasenbluten liegen in der Nase selbst

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Nasenbluten: Es gibt alle Schweregrade

Trockene Nasenschleimhäute im Winter, ein bohrender Fingernagel, heftiges Schnäuzen oder Niesen, ein Stoß beim Herumtoben mit den Kindern – oft genügen schon solche Kleinigkeiten, um sich sozusagen eine blutige Nase zu holen, Schreck und Panik inbegriffen. Dabei ist Nasenbluten häufig harmlos.

Unser Riechorgan ist üppig durchblutet. Dazu trägt maßgeblich ein dichtes Gefäßnetz auf der Nasenscheidewand vorne in der Nase bei, der sogenannte Locus Kiesselbach (Locus, lat. Ort). Der Name leitet sich von seinem Entdecker ab, ein deutscher Hals-Nasen-Ohrenarzt aus dem 19. Jahrhundert. Das Geflecht aus feinen Adern und Venen, eine Art Schwellkörper, ist für die Temperaturregelung der Atemluft wichtig. Es liegt oberflächlich in der dünnen Schleimhaut und ist sehr verletzlich. Meistens blutet es dort aus der Nase. Normalerweise hört der Spuk nach ein paar Minuten wieder auf. Besonders bei Verletzungen oder speziellen Krankheitsursachen kann Nasenbluten wiederholt oder ernsthaft Probleme bereiten.


Beruhigen Sie Ihr Kind: Nasenbluten ist meistens harmlos und vergeht wieder

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Wenn die Nase blutet: Was Sie tun können

Wenn Sie, Ihr Kind oder jemand in Ihrem Umfeld Nasenbluten bekommt, aber sonst keine Anzeichen für einen Notfall bestehen, bitte folgendermaßen vorgehen:

Aufrecht hinsetzen oder Oberkörper des Betroffenen hochlagern.

Kopf nach vorne beugen und Stirn abstützen, damit das Blut nach vorne aus der Nase fließen kann. Halten Sie ein Gefäß oder Tuch unter die Nase. Ruhig durch den Mund ein- und ausatmen (lassen).

Nasenflügeldruck: Fünf bis zehn Minuten ununterbrochen mit Daumen und Zeigefinger den oder die Nasenflügel – den weichen Teil der unteren Nase – gut zusammendrücken. Ausnahme: nach einer Verletzung dick geschwollene oder verformte Nase, sie könnte gebrochen sein.

Erst danach vorsichtig die Nase loslassen. Blutet es weiter, nochmals zehn Minuten drücken.

Kühlen: einen Eisbeutel oder ein feuchtes kaltes Handtuch oder eine Kalt- / (Warm)kompresse (in Vliesstoffhülle) aus dem Eisfach oder auch eine Sofort-Kältekompresse in den Nacken legen. Die Kälte soll bewirken, dass sich die Gefäße zusammenziehen, was die Blutstillung fördert.

Kinder:

In Panik verfällt nicht nur der eine oder andere Erwachsene, der Blut sieht. Besonders Kinder geraten leicht außer sich, wenn sie zum ersten Mal mit Nasenbluten zu tun haben. Einige von ihnen und ihre Eltern werden die Erfahrung machen, dass es in der Zeit des Wachstums immer wieder mal vorkommt. Bleiben Sie ruhig, dann beruhigt sich auch Ihr Kind. Nehmen Sie es in den Arm, trösten Sie es liebevoll und erklären sie ihm, warum sie ihm kurz die Nase oder ein Nasenloch zuhalten und den Nacken kühlen müssen.

Beim Sitzen – gerne „fest umschlungen“ auf Ihrem Schoß – darf das Kind sich nach vorne abstützen. Vor allem ist wichtig, dass es den Kopf nach vorne beugt. Versuchen Sie, es dabei etwas abzulenken, erzählen Sie ihm eine kleine Geschichte. Ansonsten gelten die Ratschläge oben.

Wichtig:

Nicht den Kopf nach hinten beugen: Es besteht sonst die Gefahr, Blut zu verschlucken. Das löst nicht nur Übelkeit und Brechreiz aus, sondern erschwert es auch, die Stärke der Blutung einzuschätzen.

Nicht hinlegen: Bei eintretender Bewusstlosigkeit und Reflexverlust besteht die Gefahr, dass Blut in die Atemwege gelangt. Das kann schwere Komplikationen nach sich ziehen.

Niemals die Nase zustopfen, etwa mit Mullstreifen, Taschentüchern, Watte oder Ähnlichem. Die Gefahr ist groß, dass die Wunde wieder aufreißt, wenn Sie den Stopfen entfernen.

Nach Stillstand der Blutung nicht gleich wieder die Nase schnäuzen. Noch einige Stunden nach der Blutung kann sich durch den erhöhten Druck beim Nasenputzen ein frisch gebildeter Schorf wieder lösen, sodass es erneut blutet. Gehen Sie auf Nummer sicher und halten Sie sich bis zu zwölf Stunden damit zurück.

Wenn der Blutstrom nicht versiegt, kann die Blutungsquelle weiter oben oder hinten in der Nase liegen. Das Blut fließt dann teilweise in den Rachen und wird leicht hinuntergeschluckt, auch bei aufrechtem Oberkörper. In dieser bei Nasenbluten ja empfohlenen Haltung lässt sich aber zumindest Blut, das weiter vorne aus der Nase kommt, meistens ausspucken. Vermeiden Sie nach Möglichkeit, das Blut zu hinunterzuschlucken.

Hört die Blutung innerhalb von etwa 20 Minuten nicht auf (Kinder: etwa zehn Minuten!), suchen Sie bitte einen Hals-Nasen-Ohren (HNO-) Arzt auf.


Nasenbluten: Erste Hilfe im Notfall

Blutet es stark, ist das immer ein Notfall. Alarmieren Sie sofort den Rettungsdienst (Rettungsleitstelle: Notruf 112 europaweit). Das gilt umso mehr, wenn der oder die Betroffene dem Kollaps nah ist, bei Bewusstseinstrübung oder Bewusstlosigkeit. Es muss möglichst verhindert werden, dass Blut in die Atemwege gelangt. So gehen Sie am besten vor:

Bewusstlosigkeit, Betroffener atmet: Betroffenen in die stabile Seitenlage bringen. Diese Lagerung hilft zu vermeiden, dass der Bewusstlose an Blut, Erbrochenem oder seiner eigenen Zunge erstickt. Atmung und Puls kontrollieren, bis der Rettungswagen eintrifft.

Bewusstlosigkeit, Atemstillstand: Sofort mit der Herzdruckmassage beginnen: Betroffenen auf dem Rücken lagern, 30-mal den Brustkorb in der Mitte mit dem Handballen (Hand auf Hand auflegen) kräftig zusammendrücken, zweimal Atemspende, zum Beispiel Mund-zu-Nase-Beatmung (trainierte Ersthelfer). Untrainierte Helfer sollten sich vor allem auf eine effektive Herzdruckmassage konzentrieren: mindestens 100 Druckmassagen (Kompressionen) pro Minute. Dabei den Brustkorb mindestens fünf Zentimeter eindrücken. Die Herzdruckmassage nicht unterbrechen.

Kopfverletzung: Nach Gewalteinwirkung auf die Stirn können Teile des Gesichtsschädels, Nase, Nasennebenhöhlen sowie der vorderen Schädelgrube brechen (Schädelbasisfraktur). Bei einem offenen Bruch ist auch die harte Hirnhaut verletzt. Zu den Anzeichen gehört der Austritt klarer oder rötlicher Flüssigkeit aus der Nase – Hirnwasser, Blut. Möglich sind auch Verschiebungen von Knochenteilen oder Blutergüsse (Hämatome) im Gesicht, zum Beispiel brillenförmig um die Augen. Auch der Sehnerv kann in Gefahr sein. Symptome wie Kopfschmerzen und Bewusstlosigkeit – sei sie auch nur kurz – , Kreislaufstörungen und Erbrechen weisen auf eine Schädigung von Hirnnervengewebe hin. Sie lassen aber keine Rückschlüsse auf die Schwere des Traumas zu.

Bis der Rettungswagen eintrifft, Atmung und Bewusstsein beobachten, Oberkörper des Verletzten erhöht lagern, Wunden nur sauber abdecken und nicht weiter berühren. Mehr zur ersten Hilfe hier.

Bei einem offenen Schädelbruch mit Lebensgefahr muss der Betroffene notfallmäßig operiert werden, ansonsten frühestmöglich, sobald erste Untersuchungen wie zum Beispiel eine Computertomografie (CT) Art und Ausmaß der Verletzung aufgezeigt haben.


Nasenbluten (vorläufig) vorüber: Wann zum Arzt?

Nochmals: Nasenbluten ist häufig harmlos und tritt ohne besonderen Grund auf. Ob dem so ist, sollte ein HNO-Arzt sicherheitshalber abklären.

Manchmal hängt die Blutung mit Schnupfen bei einer Erkältung oder Grippe zusammen und klingt mit dem Infekt ab. Oder die Schleimhäute sind schlicht zu trocken – im Winter häufig ein Tribut ans Heizen. Drehen Sie die Heizung zurück, ziehen Sie sich warm an, machen Sie mehrmals am Tag ein paar Übungen drinnen und gehen Sie auch an die frische Luft. Praktische Tipps zur Nasenpflege finden Sie am Ende dieses Beitrags.

Schnupfen kann auch allergisch bedingt sein. Während Heuschnupfen „seine Saison“ hat, läuft die Nase bei einer Hausstaubmilbenallergie mehr oder weniger ganzjährig. Wie auch immer: Eine gereizte Nasenschleimhaut blutet leichter. Bei anhaltendem oder gar blutigem Schnupfen muss ein HNO-Arzt nachschauen, was los ist.

Ständig behinderte Nasenatmung oder starkes Trockenheitsgefühl sind nicht nur nicht normal, sondern auch unangenehm: Lassen Sie es von einem HNO-Arzt abklären. Von erblicher Veranlagung bis hin zu Schädigungen durch chronische Nasennebenhöhlentzündungen oder unkritische Anwendung abschwellender Nasentropfen kommen viele Ursachen dafür infrage.

Bakterielle Infektionen im Nasen-Rachen-Raum – manchmal folgen sie auf einen Virusinfekt – machen sich häufig mit eitrigem Nasensekret bemerkbar. Komplikationen, darunter auch Nasenbluten, bleiben mitunter nicht aus.

Das heißt also: Mit Abstand am häufigsten betreffen die Ursachen von Nasenbluten unmittelbar die Nase selbst. Seltener beruht das Problem auf anderen Erkrankungen oder Umständen, zum Beispiel eine Blutgerinnungsstörung, die dann auch die Nasenschleimhaut betrifft. Bei Menschen jenseits der Lebensmitte gehört eine „blutverdünnende“ (gerinnungshemmende) Therapie zu den führenden Ursachen.

Tritt Nasenbluten wiederholt, aber ohne Anhaltspunkte für eine krankhafte Störung auf, sprechen Ärzte nach genauer Überprüfung von habituellem, also gewohnheitsmäßigem Nasenbluten.


Untersuchung der Nase: Vordere Rhinoskopie

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Nasenbluten: Diagnose

Blutverlust kann einen Betroffenen sehr schwächen. Bei Nasenbluten überprüft der HNO-Arzt daher umgehend Befinden, Blutdruck und Puls des Patienten. Außerdem wird dieser gefragt, ob er ein „blutverdünnendes“ Medikament einnimmt oder von einer Blutgerinnungsstörung weiß. Einen sehr hohen Blutdruck wird der Arzt gegebenenfalls mit einem geeigneten Medikament vorsichtig senken.

Ebenso wichtig ist schnelle Blutstillung – nicht zuletzt, weil sich die meist sehr verunsicherten oder aufgeregten Betroffenen danach schnell wieder beruhigen. Gezielte Blutstillung in der Nase setzt voraus, dass klar ist, woher es blutet.

Die Blutungsquelle orten

Dazu weitet der Arzt zunächst mit einem Spreizinstrument (Rhinoskop) vorsichtig das Nasenloch beim sitzenden Patienten und leuchtet mit einer Lichtquelle den vorderen Bereich der Nasenhöhle aus (vordere Rhinoskopie). Ins Blickfeld rückt dabei die untere Scheidewand – die dünne, aber tragende Trennwand zwischen den beiden Nasenhöhlen. Sie besteht teilweise aus Knorpel und ist vorne mit gefäßreicher Schleimhaut, einer Art Schwellkörpergewebe, überzogen (Locus Kiesselbach). Häufig befindet sich hier die Blutungsquelle. Außerdem zeigen sich bei der Rhinoskopie die untere und mittlere Nasenmuschel, mit Schleimhaut überzogene Leisten auf der seitlichen Nasenwand, dazwischen der mittlere Nasengang. Bei der hinteren Rhinoskpie mit Mundspatel, Spiegel und Stirnlampe betrachtet der HNO-Arzt den Nasen-Rachen-Raum und die hinteren Nasenlöcher (Choanen).

Dann folgt die Untersuchung mit dem Nasenendoskop, einem dünnen, starren oder schlauchförmigen optischen Gerät. Die Sicht reicht mit dem flexiblen Instrument von den hinteren Bereichen der Nasenhöhle über den Rachen und Kehlkopf bis in die Luftröhre. Bei starkem Nasenbluten und / oder Geschwülsten in der Nase kann das Nasenendoskop auch zur Therapie dienen (siehe unten). Vor der Untersuchung betäubt der Arzt die Schleimhaut örtlich. Eventuell verabreicht er auch ein abschwellendes Nasenspray.

Ergänzende Untersuchungen

Sobald Zeit dafür ist, nimmt der Arzt weitere Angaben zur Krankengeschichte auf. So kann zum Beispiel der Hinweis des Patienten, dass bei ihm schon kleinste Verletzungen relativ lange bluten, auf eine krankhafte Blutungsneigung hinweisen.

Wenn die Lage sich stabilisiert hat, die Blutungsursache aber unklar bleibt, schließt sich eine genauere Diagnostik an, etwa Bluttests und bildgebende Verfahren wie Ultraschall (Sonografie). Damit lassen sich zum Beispiel Schleimhautschwellungen im Nasengewölbe festzustellen. Im Einzelfall erlauben eine Computertomografie (CT) oder Magnetresonanztomografie (Kernspintomografie, MRT) eine genauere Beurteilung.

Eventuell überprüft der HNO-Arzt auch das Riechvermögen des Patienten (Olfaktometrie mit Riechstiften) und ob die Nase gut luftdurchgängig ist. Bei Bedarf untersucht er den Gehörgang, das Trommelfell und das Gehör. Mitunter werden Gewebeproben (Biopsien) zur feingeweblichen Untersuchung entnommen. Eine Allergiediagnostik führen entsprechend spezialisierte HNO-Ärzte, Hautärzte (Dermatologen), Kinderärzte (Pädiater) oder Lungenfachärzte (Pneumologen) durch.

Falls der HNO-Arzt eine spezielle Blutungsursache außerhalb des Nasen-Rachen-Raumes vermutet, wird er den Patienten gezielt weiterleiten. Meistens geht es dann um Krankheiten aus der inneren Medizin. Um ihnen auf die Spur zu kommen, stehen Bluttests und andere Untersuchungen zur Verfügung.

Störungen der Blutgerinnung behandeln Spezialisten (Hämostaseologen) in den entsprechenden Zentren an Medizinischen Universitätskliniken oder Kinderkliniken. Mit Erkrankungen des Blutes befassen sich Fachärzte namens Hämatologen / Onkologen. Bei Verletzungen muss bisweilen auch ein Augenarzt, ein Mund-, Kiefer- und Gesichtschirurg, Unfall- oder Neurochirurg hinzugezogen werden.


Nasenbluten: Therapie

Der HNO-Arzt versucht zunächst, die Blutung mit ergiebigem Nasenflügeldruck zum Stillstand zu bringen. Zusätzlich kann eine Kompresse unter der Oberlippe Gefäße der Nasenschleimhaut komprimieren (dabei den Mund fest schließen, aber Vorsicht: möglichst kein Blut herunterschlucken!). Leichtere Blutungen aus dem Locus Kiesselbach im vorderen Bereich der Nasenscheidewand lassen sich mit diesen Maßnahmen meist beherrschen.

Einige HNO-Ärzte wenden Tranexamsäurelösung örtlich an, etwa bei Nasenbluten unter einer gerinnungshemmenden Therapie.

Veröden oder Tamponieren?

Ein erkennbar blutendes Gefäß kann nach örtlicher Betäubung mit Strom (Elektrokoagulation) verödet werden. Manchmal geht das auch mit dem Laser.

Lässt sich eine Blutung mit den genannten Maßnahmen nicht unterbinden – meist liegt die Blutungsquelle dann im hinteren Nasengewölbe – kann eine Tamponade helfen. Hier gibt es verschiedene Möglichkeiten. Eine davon: Der Arzt legt eine Ballontamponade in die Nasenhöhle und bläst die Manschette mit Luft auf. Der hohe Füllungsdruck presst die Gefäße zusammen. Das sollte die Blutung schließlich zum Stillstand bringen, was auch häufig klappt. Der Tamponadendruck wird nach wenigen Stunden wieder aufgehoben, um Druckschäden zu vermeiden. Bei Bedarf kann zusätzlich zur vorderen Tamponade ein Ballonkatheter im Nasenrachenraum platziert werden, der mit Wasser gefüllt wird (Zwei-Ballon-Methode).

Behandlung in der Klinik

Besteht die Blutung weiter und / oder hat der Betroffene einen instabilen Kreislauf, wird der Arzt ihn unverzüglich in Begleitung eines Notarztes in eine Klinik einweisen. Dasselbe gilt für ernstere Verletzungen. Notfallmäßig kann ein Radiologen-Team einen Gefäßverschluss mittels Kathetereingriff vornehmen (transfemorale intravasale Embolisation unter bildgebender Kontrolle). Wenn ein größeres Gefäß blutet, muss ein Chirurg es abbinden. Eine solche Ligatur ist endoskopisch mit einem Clip oder über einen operativen Zugang möglich.

Manchmal folgt noch eine weitere Operation, um die Blutungsursache endgültig zu beheben, zum Beispiel der Verschluss eines Lochs in der Nasenscheidewand.


Die Nase und ihre Nebenhöhlen (Schemazeichnung; um das vollständige Bild zu sehen, bitte auf die Lupe klicken)

W&B/ Jörg Kühn

Nasenbluten: Ursachen in der Nase und den Nasennebenhöhlen

Plötzliche Druckänderungen in der Nase können die empfindlichen Äderchen im vorderen Nasenraum leicht zum Platzen bringen und so einen kleinen Blutschwall auslösen. Wer sich gerne heftig trompetend die Nase schnäuzt, läuft somit Gefahr, „Rot zu sehen“. Ähnlich verhält es sich bei Manipulationen mit bohrenden Fingerspitzen.

Vieles, was der Nasenschleimhaut zusetzt, begünstigt Nasenbluten aus dem vorderen Nasengewölbe. Stichworte hier: Entzündungen und Infektionen. Dagegen sind Blutungen aus größeren Gefäßen seltener. In das hintere Nasengewölbe treten zwei Schlagadern ein, deren Äste vorne das feine Gefäßgeflecht des Locus Kiesselbach bilden. Bei sehr starkem Nasenbluten ist mutmaßlich ein größeres Gefäß im hinteren Nasengewölbe der Ausgangspunkt.


Die wichtigsten Ursachen im Überblick:

– Chronisch verstopfte Nase durch abschwellende Schnupfenmittel (Tropfen, Sprays): Keine Frage: Bei akut verstopfter Nase, etwa durch eine Erkältung oder Grippe, erleichtern sie schlagartig das Atmen. Sobald jedoch der gefäßverengende und damit abschwellende Effekt nachlässt, füllen sich die Blutgefäße der Schleimhaut wieder stärker mit Blut, die Schwellung kehrt zurück. Die Betroffenen greifen daher erneut zum Spray oder Tropffläschchen und geraten womöglich in den Teufelskreis der Gewöhnung. Schon nach einwöchiger Anwendung kann die Schleimhaut austrocknen und beginnt, sich feingeweblich zu verändern. Damit steigt das Risiko, dass sie dauerhaft Schaden nimmt (Rhinitis medicamentosa). Gelegentlich kann es in der Folge zu Nasenbluten kommen, spontan oder etwa beim unwillkürlichen Reiben der Nasenschleimhaut mit dem Finger, wenn sie juckt, brennt oder spannt.
Diagnose und Therapie: Es gibt verschiedene Formen von chronischem Schnupfen. Eine anhaltend laufende oder verstopfte Nase sind immer gute Gründe, zum HNO-Arzt gehen. Er stellt die Diagnose unter anderem anhand einer Rhinoskopie. Eventuell empfiehlt er vorübergehend Spülungen mit Kochsalz- oder Meersalzlösungen (Nasendusche, nicht anwenden bei Schluckstörungen!), Inhalationen mit Salzwasser und Pflege mit einer geeigneten Nasensalbe. Tritt nach einer Nasenspülung Nasenbluten auf, unbedingt Rücksprache mit dem Arzt nehmen. Abschwellende Nasentropfen höchstens eine Woche anwenden.

Was man selbst vorbeugend oder gegen die Beschwerden bei einer trockenen Nase tun kann, steht genauer im Abschnitt „Nasenbluten: Vorbeugung, praktische Tipps“ am Ende dieses Beitrags.

– Heuschnupfen / Allergischer Schnupfen: Leichte Heuschnupfenbeschwerden mit  Fließschnupfen und Niesreiz reagieren meist gut auf örtlich anwendbare antiallergische Mittel, die man der Nase daher nicht vorenthalten sollte. Das sind Arzneistoffe wie Cromoglicinsäure (ein sogenannter Mastzellstabilisator), Antihistaminika oder Kortison als Nasenspray. Zu den möglichen unerwünschten Effekten gehören mitunter auch Reizungen der Nase und Nasenbluten. Dabei können auch Konservierungsstoffe eine Rolle spielen. Lassen Sie das vom behandelnden Arzt abklären. Risiken durch Langzeitanwendung kortisonhaltiger Nasensprays, zum Beispiel eine Störung der Nebennieren oder Erhöhung des Augeninnendruckes, werden als gering angesehen, sind aber nicht völlig auszuschließen. Ein Schleimhautatrophie ist nicht zu befürchten. Langfristige Linderung verspricht bei Heuschnupfen oder Hausstaubmilbenallergie eine Hyposensibilisierungsbehandlung. Nachhaltige Therapie ist wichtig, um Komplikationen wie Asthma zu vermeiden.

Von Fall zu Fall können auch hier Nasenspülungen sinnvoll sein. Sie helfen, die Nase kurzfristig von Allergenen zu befreien. Man sollte aber nicht täglich „Naseduschen“.

Mehr Wissenswertes zu den verschiedenen Arten von Schnupfen in den Ratgebern Erkältung“, „Grippe“ und „Schnupfen“ sowie „Heuschnupfen / allergischer Schnupfen“.

– Verletzungen, Fremdkörper, Nasenstein: Bei Gewalteinwirkung auf das Gesicht  oder die Stirn geht häufig das Nasenbein oder die knöcherne Leiste der Nasenscheidewand (mit) zu Bruch. Nasenbluten gehört zu den möglichen Symptomen. Ist ein Fremdkörper in die Nase eingedrungen, kann es ebenfalls bluten. Gefährdet sind dafür vor allem Kinder. Dass Ablagerungen in der Nase oder ein liegen gebliebener Fremdkörper sogar verkalken und so zu einem Nasenstein werden, klingt abenteuerlich, kommt aber vor.
Symptome bei Verletzungen der Nase: Reißt die Nasenschleimhaut ein, blutet es heftiger. Sind durch die Gewalteinwirkung Knochen- und Knorpelteile verschoben, steht die Nase schief, die Seitenwand oder Nasenwurzel ist eingedrückt. Ist der Nasenrücken durch einen Bluterguss stark angeschwollen, kann eine Verformung zunächst verborgen bleiben. Ein Bluterguss unter die Schleimhaut der Nasenscheidewand behindert die Atmung durch die Nase teilweise oder vollständig. Je nachdem atmen Betroffene dann teilweise oder ausschließlich durch den Mund. Es bestehen starke Schmerzen und ein erhebliches Druckgefühl im Gesicht.
Diagnose und Therapie hängen von der Art und dem Ausmaß der Verletzung ab. Möglicherweise wird der Patient gleich in einer HNO-Klinik, eventuell auch in einer Klinik für Unfallchirurgie, Mund-Kiefer-Gesichtschirurgie oder Neurochirurgie betreut.

– Operationen im Nasen-Rachen-Raum und im Bereich der Nebenhöhlen: Blutungen und Blutergüsse unter der Schleimhaut gehören zu den häufigen Risiken von Eingriffen im HNO-Bereich. Bei einer Mandeloperation beispielsweise ist mit einer Blutung bis über eine Woche danach zu rechnen. Um diese Zeit löst sich meistens der Schorf, und dann kann es wieder heftiger bluten: in den Rachen und aus dem Mund – leicht mit Nasenbluten zu verwechseln.
Therapie: Der HNO-Arzt ist um sofortige Blutstillung bemüht (siehe auch Abschnitt „Nasenbluten: Therapie“ weiter oben). Manchmal, etwa bei einem Bluterguss, geht es nicht ohne Nachoperation. Im Anschluss können Schwellungen, Wundsekret und Krusten für Frust sorgen. Auch das Riechvermögen lässt womöglich eine Zeit lang zu wünschen übrig. Angesagt ist gute Pflege mit einer geeigneten Salbe oder einem Nasenöl und Feuchtigkeit. Gleich nach der Operation ist diese Pflege eventuell nur eingeschränkt möglich. Halten Sie sich an die Empfehlungen des HNO-Arztes.

– Knöcherne Sporne und Leisten der Nasenscheidewand: Leichte Unebenheiten und Verkrümmungen der Nasenscheidewand sind normal und bereiten meist keine Probleme. In die Nasenhöhle ragende Sporne oder Knochenleisten dagegen können die empfindliche Schleimhaut der anliegenden Nasenmuschel verletzen, sodass sie blutet.
Diagnose: Äußerlich sichtbare Verformungen der Nase sind nicht selten mit inneren Abweichungen verbunden. Der HNO-Arzt registriert also bereits die Form der Nase genau. Besonderheiten im Naseninneren wie Knochensporne oder -leisten auf der Scheidewand und durch sie verursachte Blutungen stellt er fest, indem er die Nasenhöhle mittels Rhinoskop und Endoskop ausleuchtet.
Therapie: Operative Begradigung (sogenannte Septorhinoplastik).

– Loch in der Nasenscheidewand: Risikofaktoren für die sogenannten Septumperforationen sind zum Beispiel wiederholte Verödungsmaßnahmen bei Nasenbluten, eine ausgetrocknete oder geschädigte Nasenschleimhaut, vereitertes Knorpelgewebe in der Scheidewand nach einem Bluterguss oder einer Verletzung, bestimmte chronische Immunkrankheiten der Gefäße wie die Polyangiitis mit Ganulomatose (siehe weiter unten, „Innere Erkrankungen, Medikamente, Abschnitt Gefäßerkrankungen“) und Verätzung durch Chemikalien.
Falls das Loch Symptome verursacht, dann diese: Nasenbluten, Krusten in der Nase, pfeifendes Atemgeräusch oder behinderte Nasenatmung.
Therapie: Je nach Lage, Größe und Beschwerden durch den Defekt – er kann auch symptomlos sein – wird er belassen oder aber operativ verschlossen.

– Barotrauma der Nasennebenhöhlen: Aus dem Griechischen kommt der Wortstamm „baró“ (wie auch -meter, abgeleitet von metron), er bedeutet so viel wie Gewicht oder Last. Ein Barometer misst den Luftdruck. Unter einem Barotrauma (trauma, gr. Wunde) versteht man körperliche Störungen und Verletzungen durch Luftdruckunterschiede. Wenn die Schleimhäute im Nasen-Rachen-Raum geschwollen sind, wie bei einer Erkältung häufig der Fall, erschwert dies den Druckausgleich zwischen den lufthaltigen Räumen der Nase und Nebenhöhlen. In ausgeprägten Fällen kommt es in den Nebenhöhlen zu Schleimhautblutungen und in der Folge zum Austritt von Blut aus der Nase. Relevant sind solche Druckunterschiede häufig beim Tauchsport. Davon sollte man bei einer Erkältung unbedingt Abstand nehmen.
Weitere mögliche Symptome: Schmerzen über oder hinter dem Augen, im Bereich der Wange oder im Oberkiefer („Zahnschmerzen“), Kopfschmerzen.

Erste Hilfe: Hinsichtlich Nasenbluten siehe oben. Gegen Schmerzen hilft ein Schmerzmittel wie zum Beispiel Paracetamol. Niesen, Nasenschnäuzen und Husten vermeiden. Lassen Blutung und Schmerzen nicht kurzfristig nach oder besteht Verdacht auf eine ernstere Verletzung, muss der Betroffene sofort in eine Klinik gebracht werden (Notruf: 112).
       
– Tumoren der Nase und Nasennebenhöhlen: Gut- und bösartige Geschwülste (Tumoren) der Nasenhöhle oder Nasennebenhöhle gehören zu den eher seltenen Geschwulsterkrankungen. Gelegentlich sind sie der Grund für Nasenbluten.

Vorab: Absolut gutartig sind die häufig bei Kindern vorkommenden Adenoide. Darunter versteht man eine Vergrößerung der Rachenmandel, fälschlicherweise Polypen genannt. Dagegen kommen Nasenpolypen, also gutartige Wucherungen im Nasenaum, häufiger bei Kindern mit zystischer Fibrose (Mukoviszidose) vor. Diese Krankheit führt unter anderem zu Nasennebenhöhlenentzündungen. Damit verbundene chronische Reize werden für die Entstehung der Polypen mitverantwortlich gemacht. Auch bei Erwachsenen, die Nasenpolypen haben, spielen Nasennebenhöhlenentzündungen eine Rolle. Eigentlich bildet sich ein Nasenpolyp zuerst in der entzündeten Nasennebenhöhle und taucht später in das Nasengewölbe ein. Nasenpolypen können auch beidseits auftreten. Bei keiner der angesprochenen Veränderungen gehört Nasenbluten zu den typischen Symptomen. Stellt der Arzt aberim ZUsammenhang mit Nasenbluten einen ungewöhnlichen „Polypen“ fest, wird er diesen sehr genau untersuchen, um einen möglichen Tumor auszuschließen.

– – Gutartige Nasentumoren: Das gefäßreiche juvenile Nasenrachenfibrom (auch juveniles nasopharyngeales Angiofibrom) tritt ausnahmslos bei Jungen und bei männlichen Jugendlichen auf. Obwohl gutartig, kann es sehr ausgedehnt wachsen. Genetische Veränderungen spielen ursächlich eine Rolle.
Ein anderer, eigentlich gutartiger Tumor im Bereich der Nase und Nasennebenhöhlen ist das sogenannte Papillom. Es kann allerdings in umgebendes Knochengewebe vordringen und mitunter auch bösartig werden. Betroffen sind vorwiegend erwachsene Männer, nur extrem selten Kinder.
Symptome bei beiden Tumorarten: Begleitend kommt es häufig zu einer Entzündung und Schwellung der Schleimhaut auf der erkrankten Seite. In der Folge sind Symptome wie Nasenbluten, besonders beim juvenilen Nasenrachenfibrom, außerdem Ausfluss aus der Nase, behinderte Nasenatmung, eventuell eine Hörminderung und Störung des Riechvermögens möglich. Von der Ausdehnung in umgebende Strukturen hängt es ab, ob und welche Beschwerden im weiteren Verlauf auftreten. Frühzeitig behandelt, sollte das vermeidbar sein.
Diagnose: Basisuntersuchungen des HNO-Arztes sind stets die Rhinoskopie und eine Spiegelung der Nase mit dem Endoskop. Bei dringendem Verdacht auf ein juveniles Nasenrachenfibrom entnimmt der Arzt wegen der erhöhten Blutungsgefahr hier möglichst keine Gewebeprobe für die Diagnose. Weiterführende bildgebende Verfahren wie eine Magnetresonanztomografie (MRT), beim Papillom auch eine Computertomografie (CT) zur Kontrolle angrenzender Knochenstrukturen ermöglichen es, die Ausdehnung des Tumors zu erkennen und andere Geschwulstarten abzugrenzen. Bei einem juvenilen Nasenrachenfibrom wird außerdem eine Gefäßdarstellung durchgeführt. Unter anderem dient sie dazu, Gefäße vor einer Operation zu verschließen (Embolisation).
Therapie: Ein juveniles Nasenrachenfibrom wird offen chirurgisch oder endoskopisch in einem spezialisierten Zentrum operiert. Seltener kommt eine Bestrahlung in Betracht.
Ein Papillom entfernen Spezialisten ebenfalls endoskopisch und möglichst komplett. Das hilft zu verhindern, dass der Tumor wiederkehrt. Daher und weil eventuell verbliebenes Gewebe hier manchmal bösartig werden kann, empfehlen Ärzte regelmäßige Nachkontrollen über einen langen Zeitraum.

– – Bösartige Geschwülste der (inneren) Nase und Nasennebenhöhlen sind überwiegend sogenannte Plattenepithelkarzinome und Adenokarzinome. In erster Linie erkranken Männer. Solange die Tumoren noch klein sind, bereiten sie meist keine Beschwerden. Häufig werden sie erst in einem fortgeschrittenen Stadium bemerkt.
Symptome: Im Laufe der Zeit kommt es zu einer behinderten Nasenatmung, eitrig-blutigem, möglicherweise übel riechendem Ausfluss aus der Nase, Nasenbluten, Geruchs- und Geschmacksstörungen. In fortgeschrittenen Stadien sind seitenbetonte starke Kopfschmerzen, Doppelbilder, eine Schwellung im Gesicht und Schwerhörigkeit möglich. Auf der erkrankten Seite können sich außerdem Lymphknoten am Hals vergrößern.
Diagnose: Die eingehende Untersuchung der Nase beinhaltet wiederum eine Rhinoskopie des vorderen und hinteren Bereiches sowie eine Endoskopie mit Gewebeentnahme zur feingeweblichen Untersuchung. Die Biopsie eine Tumors, der tiefer in einer Nasennebenhöhle liegt, erfordert mitunter eine besondere Technik in örtlicher Betäubung, bei der sich der Arzt einen speziellen Zugang verschafft. Bildgebende Verfahren der Nase und ihrer Umgebung wie Magnetresonanztomografie (MRT) und Computertomografie (CT) stützen die Diagnose und dokumentieren die Ausdehnung der Geschwulst.
Therapie: Bösartige Tumoren werden so weit wie möglich und vielfach endoskopisch entfernt, eventuell auch nachbestrahlt. Teilweise schließt sich eine Chemotherapie an. Regelmäßige Kontrollen (Nachsorge) sind fester Bestandteil des Therapieplans.


Blutplättchen gehören zu den Blutzellen

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Ursachen von Nasenbluten: Innere Erkrankungen, Medikamente

Bei manchen inneren Krankheiten kommt es zu spontanen Blutungen (Fachbegriff: hämorrhagische Diathese). Dabei kann die Blutgerinnung verändert sein, Gefäße können durchlässiger werden. Die mit Abstand größte Rolle bei Nasenbluten durch eine veränderte Gerinnung spielen Medikamente zur „Blutverdünnung“.


Übersicht über die wichtigsten Ursachen:

– Störungen der Blutgerinnung


Die Blutgerinnung ist ein kompliziertes System, das vielfältigen inneren wie äußeren Einflüssen unterliegt. Vermindern sie die Gerinnung oder ist diese defekt, nimmt die Blutungsbereitschaft zu. Dann sind unter anderem Schleimhautblutungen wie Nasenbluten möglich, auch auf beiden Seiten der Nase.

– – Medikamente zur „Blutverdünnung“ (Antikoagulation): Sie sollen die Bildung von Blutgerinnseln, die am falschen Ort zur falschen Zeit im Körper auftreten, verhindern. Der Verschluss eines Gefäßes (Thrombose und Embolie) durch ein solches Gerinnsel kann lebensbedrohlich sein. Er kann in Form eines Herzinfarktes, Schlaganfalles oder einer Lungenembolie auftreten. Einsatzgebiete der „Blutverdünner“ sind somit Herz- und Gefäßerkrankungen. Zu Blutungen führen können gerinnungshemmende Arzneien dann, wenn die Dosis zu hoch ist, andere Medikamente die Wirkung verstärken oder der Körper den Arzneistoff nicht ausreichend eliminiert. Zum Beispiel können nicht steroidale Antirheumatika (NSAR/NSAID, „Entzündungshemmer“) die Blutungsgefahr bei einer gerinnungshemmenden Therapie erhöhen. Von NSAR, zum Beispiel gegen rheumatische Gelenkbeschwerden, wird der Arzt dann möglichst Abstand nehmen.

Herkömmliche Antikoagulanzien sind sogenannte Cumarinabkömmlinge. Sie „überspielen“ das für die Gerinnung wichtige Vitamin K, indem sie es von einem wichtigen Enzym verdrängen. Daher heißen sie auch Vitamin-K-Antagonisten. Von Vitamin K abhängige Gerinnungsfaktoren sind unter einem Antagonisten weniger aktiv. Bekanntestes Präparat ist Phenprocoumon. Neuere orale Antikoagulanzien, sogenannte NOAK, zielen direkt auf zentrale Gerinnungsfaktoren wie Faktor-Xa und Thrombin.

Die gerinnungsaktiven Blutplättchen (Thrombozyten) im Blut werden durch Medikamente wie Clopidogrel, Ticagrelor und Acetylsalicylsäure (ASS) beeinflusst: Sie verhindern, dass die Blutplättchen sich zusammenballen. Wenn es um den vorläufigen Wundverschluss geht, ist diese Thrombozytenaggregation eine erwünschte Reaktion. Aber auch in unebenen, durch gefäßschädigende Faktoren „verwundeten“ Schlagadern können die Blutplättchen miteinander verklumpen. Damit setzen sie jedoch einen womöglich verhängnisvollen Gefäßverschluss in Gang. Dem wirken Thrombozytenaggregationshemmer entgegen.

Alle genannten Arzneien werden in Tablettenform eingenommen (orale Anwendung). Daneben gibt es noch den Gerinnungshemmer Heparin. Dieses Medikament wird unter die Haut gespritzt (subkutane Anwendung). Heparin hat zum Beispiel seinen Platz in der Thrombosevorbeugung bei Operationen.

Symptome: Zu den Zeichen erhöhter Blutungsneigung gehören gelegentliches Nasenbluten, Zahnfleischbluten, Blut im Urin und Blutergüsse nach Verletzungen. Gehen Sie in diesen Fällen, insbesondere auch, wenn sich der Urin rötlich oder braun verfärbt, sofort zum Arzt. Das gilt auch, wenn Sie schwarzen Stuhl oder Blutauflagerungen bemerken.
Diagnose: Die Blutgerinnung kontrolliert der Arzt anhand verschiedener Tests. Er wird auch prüfen, ob bei einer gerinnungshemmenden Therapie eine Wechselwirkung mit anderen Medikamenten vorliegt.
Therapie: Bei Überdosierung eines Vitamin-K-Antagonisten wie Phenprocoumon reduziert der Arzt die Dosis oder setzt das Medikament bis auf Weiteres ab. Zusätzlich verabreicht er eventuell Vitamin K. Bei einer schweren oder bedrohlichen Blutung setzen Ärzte sogenanntes Prothrombinkonzentrat ein. Es enthält die Vitamin-K-abhängigen Gerinnungsfaktoren. Gegen die neuen oralen Antikoagulanzien (NOAK) gibt es derzeit noch keine Gegenmittel. Allerdings lässt die Wirkung eines NOAK schneller nach als diejenige von Vitamin-K-Antagonisten. Der Arzt entscheidet, welche Therapie hier im Einzelfall möglich ist.
Mehr zur gerinnungshemmenden Therapie im Beitrag „Blutverdünnung (Antikoagulation)“.

– – Vitamin K-Mangel: Vitamin K benötigt der Körper für die Blutgerinnung (siehe oben). Ein Mangel ist äußerst selten, da auch die natürliche Darmflora das Vitamin liefert. Mögliche Ursachen eines Mangels: lang dauernde Unterernährung oder extrem vitaminarme Diät, gefährdete Versorgung mit dem Vitamin durch eine Störung der natürlichen Darmflora bei schweren Darmerkrankungen, auch Entfernung eines Teils des Dünndarms (hier werden neu entwickelte Medikamente schwere Verdauungsstörungen künftig mildern können), sodann eine Antibiotika-Therapie unter künstlicher Ernährung ohne Vitamin-K-Ersatz. Ausgeprägte Leber- und Gallenerkrankungen können verhindern, dass das Vitamin aus dem Darm ins Blut gelangt.
Symptome bei ausgeprägtem Vitamin-K-Mangel: Anzeichen einer Gerinnungsstörung sind spontane Blutungen wie Nasenbluten, Zahnfleischbluten, blaue Flecke und Blut im Urin. Eine auslösende Grunderkrankung gibt sich in der Regel durch weitere Symptome zu erkennen; es kann auch ein Mangel an anderen fettlöslichen Vitaminen (Vitamin A, Vitamin D, Vitamin E) vorliegen.
Diagnose, Therapie: Symptome möglicher Grunderkrankungen bei Vitamin-K-Mangel sind richtungsweisend für die Diagnose und Therapie. Fehlendes Vitamin K kann bei Risikopatienten vorbeugend in Tabletten gegeben werden, falls die Vitaminaufnahme über den Verdauungstrakt nicht gestört ist. Bei akuter starker Blutung wird  Prothrombinkonzentrat eingesetzt (siehe oben: Cumarinabkömmlinge).

Übrigens: Neugeborene und voll gestillte Säuglinge im ersten Lebensmonat haben einen natürlichen Vitamin-K-Mangel und damit verbunden ein erhöhtes Risiko für Gehirn-, Haut- und Darmblutungen. In Deutschland wird daher zurzeit von der Deutschen Gesellschaft für Kinder- und Jugendmedizin die Prophylaxe mit Vitamin-K-Tropfen empfohlen.

– – Bluterkrankheit (Hämophilie): Hämophilie umfasst unterschiedliche erbliche sowie im Laufe des Lebens erworbene Gerinnungsstörungen. Beide Gruppen sind selten. Die erbliche Form betrifft überwiegend Männer. Betroffen ist etwa nur einer von 5000 Jungen. Frauen können Überträgerinnen sein, erkranken selbst aber nur sehr selten. Die Hämophilie A mit Fehlen des Gerinnungsfaktors VIII ist die schwerste und häufigste erbliche Form. Manchmal ist der Faktor zwar nachweisbar, aber inaktiv. Das kann unterschiedlich ausgeprägte Hämophilie-A-Varianten zur Folge haben. Bei der insgesamt noch selteneren Hämophilie B fehlt der Faktor IX oder funktioniert nicht. Daneben gibt es noch andere erbliche Hämophilien. Bei den ebenfalls seltenen erworbenen Hämophilie-Formen bildet der Körper aus verschiedenen Gründen Immunstoffe (Antikörper) gegen Gerinnungsfaktoren.
Symptome: Erste Hinweise gibt es bereits bei Babys, meist wenn sie mobiler werden und sich versehentlich irgendwo stoßen. Nasenbluten, Zahnfleischbluten, Blutungen nach einer Zahnextraktion oder verstärkte Regelblutungen sind mitunter Anzeichen einer leichten Hämophilie. Eine Wunde kann nachbluten. Bei schweren Formen treten flächige Blutungen auf, häufig in Gelenken, Muskeln und Haut. Auch ist die Gefahr innerer Blutungen erhöht.
Diagnose: Die Familiengeschichte gibt wichtige Hinweise, ebenso die Art der Blutung. Die Gerinnungszeit des Blutes ist verlängert, ebenso ein Suchtest im Blut für Gerinnungsstörungen namens partielle Thromboplastinzeit (PTT). Im Blut lässt sich zudem feststellen, ob die Gerinnungsfaktoren VIII und IX fehlen oder inaktiv sind.
Therapie: Die Behandlung läuft in enger Anbindung an ein Hämophiliezentrum. Je nach Ausprägung wird der Gerinnungsfaktor bei Bedarf zur Behandlung einer Blutung oder dauernd ersetzt. So lässt sich ein Mindestmaß an Gerinnung erreichen. Der Arzt spricht hier von einer Substitutionstherapie. Die Betroffenen können sich „ihren“ Gerinnungsfaktor heute nach entsprechender Schulung auch alleine spritzen und dadurch ein weitgehend normales, selbstständiges Leben führen. Manchmal setzt der Arzt zusätzlich ein Präparat ein, das den Wundpfropfen vor der natürlichen Auflösung schützt. Oder, im Falle leichterer Blutungen bei mäßig ausgeprägter Hämophilie A, auch den Arzneistoff Desmopressin (DDAVP). Der Arzt klärt Betroffene genau über die Anwendung, ihre Grenzen und die möglichen Nebenwirkungen auf. Dieser künstliche Abkömmling eines körpereigenen Hormons erhöht die Blutspiegel des Gerinnungsfaktors VIII und des Von-Willebrand-Faktors (siehe unten).

– – Von-Willebrand-Jürgens-Syndrom (vWS): So heißt die häufigste erbliche Blutgerinnungsstörung. Die für die Blutstillung wichtigen Blutplättchen funktionieren hier nicht richtig, weil bestimmte Gerinnungsstoffe entweder fehlen oder zu wenig aktiv sind. Dabei geht es vor allem um den Von-Willebrand-Faktor. Das damit verbundene Von- Willebrand-Jürgens-Syndrom betrifft Frauen und Männer gleichermaßen. Wie hoch die Blutungsneigung ist und welche Art von Blutungen auftreten, hängt von der Ausprägung der Erkrankung ab. Die leichten Formen überwiegen.
Symptome: In erster Linie kommt es zu wiederholten Schleimhautblutungen wie Nasenbluten, Zahnfleischbluten, verstärkten Regelblutungen. Nach einem Eingriff oder einer Entbindung können stärkere Blutungen auftreten. Teilweise sind Muskel- und Gelenkblutungen wie bei Hämophilie möglich.
Diagnose und Therapie: Da die Blutungszeichen häufig nicht sehr ausgeprägt sind, ist eine genaue Beschreibung der persönlichen wie auch der familiären Krankengeschichte hilfreich. Hinzukommen verschiedene Bluttests. So bestimmt der Arzt die sogenannte Blutungszeit (bei vWS verlängert), untersucht den Von-Willebrand-Faktor und schließt bei positivem Ergebnis weitere Laboruntersuchungen durch, um festzustellen, welche Unterform des vWS genau vorliegt. Manchmal ist auch eine Gendiagnostik sinnvoll.
Die Behandlung richtet sich nach der individuell vorliegenden Erkrankungsform und der Blutungsstärke. Leichte Blutungen lassen sich meist durch das Medikament Desmopressin stillen (siehe oben unter „Hämophilie“; bei bestimmten Varianten des vWS ist das Medikament jedoch kontraindiziert). Vor einem größeren Eingriff oder bei stärkeren Blutungen kommt ein Konzentrat mit virusinaktivierten Gerinnungsfaktor VIII und / oder Von-Willebrand-Faktor infrage. Darüber entscheiden Experten im betreuenden Therapiezentrum.

– – Mangel an Blutplättchen (Thrombozytopenie): Dazu kann es auf zwei Wegen kommen: Entweder ist die Bildung der Blutplättchen im Knochenmark gestört, oder sie werden beschleunigt im Körper abgebaut. Ärzte sprechen dann von einem erhöhten Umsatz. Beide Störungen treten manchmal auch zusammen auf. Es sind zahlreiche Faktoren bekannt, die in der einen oder anderen Richtung wirken.
Die Produktion der Blutplättchen kann zum Beispiel bei einer angeborenen Form von Blutarmut namens Fanconi-Anämie, durch Virusinfekte, Chemikalien, eine Strahlenbehandlung, Leukämien und andere Krebserkrankungen beeinträchtigt sein. Immunologische Störungen wie die Werlhof-Krankheit führen zum beschleunigten Abbau der Blutplättchen. Möglich ist das auch bei Erkrankungen der Leber oder Milz, Autoimmunkrankheiten wie systemischer Lupus erythematodes oder durch den Einfluss von Medikamenten, etwa Heparin. Je stärker der Plättchenmangel, desto stärker die Blutungsneigung.
Die Symptome richten sich nach der Ausprägung und Ursache im Einzelnen. Einen mäßigen Mangel an Blutplättchen toleriert der Körper meistens gut, wenn die Gerinnung und die Gefäße ansonsten intakt sind. Manchmal kann es jedoch zu Nasen- oder Zahnfleischbluten, verlängerten Regelblutungen, kleinen Blutergüssen und punktförmigen oder kleinflächigen Blutungen in der Haut kommen. Sie lassen sich zum Beispiel bei der Untersuchung mit einem durchsichtigen Spatel nicht wegdrücken. Bei ausgeprägtem Mangel sind schwere Blutungen möglich.
Diagnose, Therapie: Eine Thrombozytopenie liegt vor, wenn der Wert von 140.000 / Mikroliter Blut unterschritten wird (Erwachsene). Die Thrombozyten werden beim Anfertigen eines kleinen Blutbildes im Labor ausgezählt. Plättchenmangel ist allerdings nur ein Befund. Um die genaue Diagnose stellen zu können, sind meistens noch ergänzende Untersuchungen nötig. Danach kann die Therapie beginnen. Ist die Zahl der Blutplättchen sehr niedrig, sodass das Blutungsrisiko stark erhöht ist oder spontane Blutungen auftreten, ist im Vorfeld schon eine Übertragung von Blutplättchen (sogenanntes Thrombozytenkonzentrat) möglich oder nötig. Die weitere Therapie richtet sich nach der Grunderkrankung.

Vertiefende Informationen im Ratgeber „Werlhof-Krankheit (Immunthrombozytopenie)“.

– Gefäßkrankheiten, Gefäßschädigungen

Auch verschiedene Gefäßkrankheiten können spontane Blutungen wie beispielsweise Nasenbluten auslösen. Hier einige Beispiele:

– – Gefäßverkalkung (Arteriosklerose): Arteriosklerose ist eine chronische Erkrankung der Schlagadern (Arterien). Dabei kommt es zu Ablagerungen in der Gefäßwand. Sie verliert an Elastizität, wird dicker und innen enger. Das verschlechtert die Durchblutung. Empfindliche Organe wie Herz und Gehirn sind dann besonders gefährdet (Herzinfarkt, Schlaganfall). Nicht zuletzt können die Gefäßveränderungen bei fortgeschrittener Arteriosklerose auch zu Bluthochdruck und mitunter zu Nasenbluten führen. Bluthochdruck (siehe nachfolgend) beschleunigt seinerseits die Arteriosklerose – ein Teufelskreis. Mehr im Beitrag „Arteriosklerose“.

– – Bluthochdruck (arterielle Hypertonie): Möglicherweise begünstigt langjähriger, nicht optimal eingestellter Bluthochdruck Blutungen aus dem hinteren Nasengewölbe. Die Hypertonie als solche ist wohl kein Auslöser von Nasenbluten. Bluthochdruck verläuft  meist schleichend, sofern keine andere Erkrankung zugrunde liegt. Lange Zeit bestehen daher keine oder kaum Beschwerden. Zur Vorbeugung einer Herz-Kreislauf-Komplikation, etwa aufgrund einer Arteriosklerose (siehe onben), nehmen vielen Patienten irgendwann auch ein gerinnungshemmendes Medikament ein. Natürlich beeinflusst das die Risiken für eine Blutungskomplikation. Der Ratgeber „Bluthochdruck“ informiert Sie ausführlicher über die arterielle Hypertonie.

– – Osler-Krankheit (Morbus Rendu-Osler-Weber): Die seltene Erbkrankheit führt zu Fehlbildungen von Gefäßen. Ist ein Elternteil aufgrund eines fehlerhaften Gens betroffen, erkranken die Kinder mit einer Wahrscheinlichkeit von 50 Prozent (autosomal dominanter Erbgang). Es existieren allerdings verschiedene Genveränderungen und damit auch unterschiedliche Krankheitsformen. Indem Gefäße wie zum Beispiel die feinen Kapillaren sich unregelmäßig erweitern oder Kurzschlussverbindungen zwischen kleinsten Arterien und Venen entstehen (Teleangiektasie, daher auch die weitere Bezeichnung hereditäre hämorrhagische Teleangiektasie; hereditär bedeutet erblich), bilden sich punktförmige rote Knötchen. Auch Fehlbildungen größerer Gefäße in inneren Organen, etwa Lungen, Leber oder Gehirn sind möglich.
Symptome: Die punktförmigen Gefäßknötchen sind mit bloßem Auge an den Lippen, im Gesicht, an der Zunge und der Nasenschleimhaut zu erkennen. Teilweise finden sie sich auch an den Händen und Streckseiten von Gliedmaßen. Meistens kommt es ab der Pubertät zu Blutungen. Wiederholtes, häufig schwer zu stillendes Nasenbluten ist ein Leitsymptom. Je nach Ausprägung des Krankheitsbildes sind weitere Krankheitszeichen möglich, etwa Blutungen aus dem Magen-Darm-Trakt.
Therapie (Nasenbluten): Blutstillung zum Beispiel durch eine elektrische oder Laser-Verödung (siehe oben: „Nasenbluten: Therapie“). Nachhaltiger kann eine Transplantation eines kleinen Stückchens körpereigener Haut wirken. Gute Nasenpflege trägt dazu bei, Blutungen vorzubeugen. Mehr dazu in den Abschnitten „Nasenbluten: Therapie“ und „Nasenbluten: Vorbeugung, praktische Tipps“. Auch das Präparat Tranexamsäure und spezielle hormonhaltige Nasensalben setzen Ärzte ein. Ganz ausschalten lässt sich das Nasenbluten nicht. Der Ratgeber „Morbus Osler“ geht ausführlich auf die Symptome, Krankheitszeichen, Diagnose und Therapiemöglichkeiten ein.

– – Polyangiitis mit Granulomatose (früher: Wegener-Granulomatose):
Diese Autoimmunkrankheit führt dazu, dass sich kleinere und mittelgroße Blutgefäße entzünden. Im Bindegewebe entstehen Knötchen (Granulome), in denen sich kleine Geschwüre bilden. Zuerst und hauptsächlich betroffen: der Nasen-Rachen-Raum, hier insbesondere die Nasenscheidewand (sie kann stark geschädigt werden), die Nasennebenhöhlen, außerdem Bronchien und Lungen. Später können sich die Entzündungen ausdehnen und vielfältige Krankheitserscheinungen verursachen. Dabei treten auch Fieberschübe, Gewichtsverlust, Abgeschlagenheit und Nachtschweiß als Zeichen einer Systemerkrankung auf, die den Körper insgesamt betrifft.
Symptome (vor allem obere Atemwege inklusive Nase): Chronischer, oft blutiger und eitriger Schnupfen, starke Krusten und Borken in der Nase, entzündete Nasennebenhöhlen mit Kopfschmerzen, Ohrentzündungen, die auch auf den Knochenfortsatz hinter dem Ohr (Mastoid) übergreifen können. Später kann sich der Nasenrücken verformen („Sattelnase“).
Diagnose: Klinische Befunde, Blut- und Urinanalysen, Gewebeproben und bildgebende Verfahren sind die Bausteine der Diagnose.
Therapie: Die Behandlung erfolgt in der Regel zunächst mit Medikamenten, die das Immunsystem unterdrücken (Immunsuppressiva), und mit sogenannten Zytostatika wie Methotrexat. Zytostatika hemmen die Zellteilung. Nach Rückbildung des Krankheitsbildes oder deutlicher Besserung schließt sich eine Erhaltungstherapie an. Dabei kommen ebenfalls die genannten Medikamente zur Anwendung. Die Dosis kann niedriger sein, oder es wird eine veränderte Kombination bevorzugt. In ausgeprägten Fällen setzen Ärzte auch einen Antikörper wie Rituximab ein.
Eine ausführliche Beschreibung der Erkrankung finden Sie im Ratgeber „Granulomatose mit Polyangiitis“.

– – Mangel an Vitamin C (Skorbut): Fehlt der wohl bekannteste „stickstoffgebundene Lebensstoff (Vit-amin!)“, verschlechtert sich nach einiger Zeit das Bindegewebe, weil der Aufbau von Kollagen gestört wird. Die feinen Kapillargefäße werden brüchig. Die Folge sind unter anderem kleinfleckige Kapillarblutungen in der Haut und in anderen Körperbereichen. Im Gegensatz zu Regionen dieser Welt, wo Menschen noch oder wieder an schwerer Unterernährung leiden, gehört der Skorbut bei uns der Vergangenheit an. Denn wir können uns einer großen Auswahl an Obst, Zitrusfrüchten und Gemüse erfreuen, und dies das ganze Jahr über. Der tägliche Vitamin-C-Bedarf Erwachsener liegt bei 100mg; etwa 20mg des verfügbaren Vitamins genügen, um die Mangelkrankheit zu vermeiden.
Symptome: Ein Vitamin-C-Defizit über längere Zeit macht krank. Unter anderem kommt es zu Zahnfleischentzündungen (Gingivitis), Zahnfleischwucherung, Zahnfleischbluten, Zahnausfall, einer Mundschleimhautentzündung (Stomatitis) sowie Nasenbluten. Wunden heilen schlecht, die Betroffenen sind erschöpft, müde und vermehrt anfällig für Infektionen. Auch können schmerzhafte Blutungen unter der Knochenhaut auftreten.
Therapie: Die Behandlung besteht in der Einnahme von Vitamin C und richtet sich ansonsten nach den Symptomen.

– – Infektionskrankheiten mit Fieber und Blutungen (hämorrhagisches Fieber): Denguefieber, Lassafieber, Gelbfieber & Co. sind gefürchtete Virusinfektionen, die bei uns überwiegend nur Spezialisten kennen. Die gefährlichen Erreger sind vor allem in Afrika, Südamerika und Südostasien beheimatet. Übertragen werden sie durch Insektenstiche, Zeckenbisse und Tierexkremente. Mit dem Ebola-Virus kann man sich bei körperlichem Kontakt mit erkrankten Personen, über infektiöse Körperflüssigkeiten und infizierte Gegenstände anstecken. Außerdem kann das Virus von damit befallenen Tieren und virushaltigem Tierfleisch auf den Menschen übergehen. Bei dem derzeit in Westafrika aktiven Ausbruch sind vermutlich Flughunde ein Virusreservoir und Überträger. Hier lesen Sie mehr: „Ebola- und Marburg-Fieber“.
Zu den Symptomen hämorrhagischer Fiebererkrankungen gehören hohes Fieber, schwere Blutungen, darunter auch Nasenbluten, durch Mikroschäden von Gefäßen und lebensbedrohliche Organschädigungen.
Vorbeugung: Gegen Gelbfieber gibt es eine Impfung. Ansonsten heißt es, sich gegen Insekten zu schützen und die für das Reiseziel empfohlenen Hygiene- und Verhaltensmaßnahmen einzuhalten. Medizinisches Personal schützt sich gegen das Ebola-Virus durch Maßnahmen und Vorrichtungen, wie sie derzeit auf Isolierstationen gelten. Eine Impfung ist in Entwicklung, Medikamente werden geprüft.


Nasenbluten in der Schwangerschaft

Schwanger – für viele Frauen beginnt mit dieser Gewissheit eine neue, beglückende Zeit. Kleinere körperliche Probleme lassen sich da meistens gut wegstecken, die Freude auf das Kind macht alles wett. Eine verstopfte Nase (Rhinopathia gravidarum) und Nasenbluten sind solche typischen Schwangerschaftsbeschwerden. Das Bindegewebe lockert sich unter dem Östrogeneinfluss auf – auch in den Gefäßen. Die Schleimhäute sind stärker durchblutet als sonst und geschwollen. So kommt es zu einer verstopften Nase, die zu allem Überfluss manchmal auch noch leichter blutet.

Die verstopfte Nase raubt den künftigen Eltern nicht selten den Schlaf: Ihr, weil das behinderte Atmen in jedem Fall unangenehm ist und die Schleimhaut im Rachen austrocknet. Ihm, weil sie dazu noch schnarcht. Ein trockener Rachen begünstigt auch Halsschmerzen und Halsentzündungen. Die Schwellungen in der Nase erhöhen zudem das Risiko einer Nasennebenhöhlenentzündung.

So kommen Sie besser über die Runden

Die lästigen Beschwerden erfordern viel Geduld, denn sie legen sich erst wieder nach der Entbindung. Gute Nasenpflege mit einer geeigneten Nasensalbe, Spülen mit isotoner Kochsalzlösung (Nasendusche, siehe Abschnitt „Nasenbluten: Vorbeugung, praktische Tipps“), Schlafen mit leicht erhöhtem Oberkörper und körperliche Bewegung helfen meistens, besser durchzuatmen.

Abschwellende Schnupfenmittel sind nur sehr beschränkt einsatzfähig. Aber auch außerhalb der Schwangerschaft gibt es ein ganz klares zeitliches Limit von höchstens einer Woche für diese Medikamente, um die Nasenschleimhaut nicht zu gefährden.

Verordnungsgemäße Anwendung als Nasenspray in der Schwangerschaft, etwa bei Heuschnupfen, gilt nicht als bedenklich. Gewöhnungsbedürftig, aber oft ganz nützlich: sogenannte Nasenflügelheber in Form elastischer Pflaster oder flexibler Spangen, Schnarchzapfen (durchlässige, maschenartige Stopfen für die Nasenlöcher, auch Schnarchstopper genannt) oder Nasenschmetterlinge aus Silikon.

Informieren Sie beim nächsten Kontrolltermin sicherheitshalber den Frauenarzt. Er wird prüfen, ob ein Hals-Nasen-Ohrenarzt sich des Problems annehmen sollte. Denn auch in der Schwangerschaft sind verschiedene Ursachen für eine verstopfte Nase und Nasenbluten möglich.


Nasenbluten: Vorbeugung, praktische Tipps

– Gut befeuchtete Atemwege verschaffen Wohlbefinden und helfen, Krankheitserreger abzuwehren – in der Nase, im Hals, in den Nebenhöhlen, Bronchien und in der Lunge. Ein angenehm feuchtes und frisches Raumklima lässt die Schleimhaut im gesamten Atemtrakt aufleben. Problematisch sind bei uns vor allem die Wintermonate. Wir verbringen zu viel Zeit in überheizten Räumen und sind dafür meist zu wenig an der frischen Luft. Unserem Körper bekommt das nicht so gut.

Richtiges Heizen und Befeuchten ist ein eigenes Thema. Hier nur so viel: In optimal temperierten Wohnräumen sollten etwa 21 Grad Celsius herrschen, zum Schlafen im kuscheligen Bett reichen 18 Grad Zimmertemperatur. Die als angenehm empfundene relative Luftfeuchtigkeit beträgt zwischen 40 und 60 Prozent. Wie es bei Ihnen zu Hause um die Raumluft bestellt ist, verrät Ihnen ein Hygrometer. Mit etwas Spürsinn testen Sie es auch selbst. Stimmt der Feuchtepegel, ist ein empfindlicher Hals morgens nicht rau. In den Rachen abgesunkenes Sekret ist locker und löst sich leicht. Die Haut fühlt sich samtiger an, und die Augen brennen nicht. Dies gilt natürlich nur unter der Voraussetzung, dass sonst keine Störungen oder Erkrankungen vorliegen.

Wenn die Luft bei Ihnen zu trocken und staubig ist und Sie stark an zu trockenen Schleimhäuten der Atemwege leiden, können Sie prüfen, ob sich ein Befeuchtungssystem oder Inhaliergerät lohnen könnte. Die Apparate müssen allerdings regelmäßig gemäß Gebrauchsanleitung gepflegt werden. Lassen Sie sich hinsichtlich des Inhalierens auch von Ihrem Arzt und in Ihrer Apotheke beraten.

Grünpflanzen in der Wohnung verbessern zwar auch die Luftfeuchtigkeit etwas, aber Sie sollten es damit nicht übertreiben oder, wenn wenn Sie allergisch sind, Abstand davon nehmen. Feuchte Erde kann zum Beispiel ein Nährboden für Schimmelpilze sein.

– Auch innerlich können Sie für Ihre Nase etwas tun: Trinken Sie genügend Flüssigkeit tagsüber. Zwei Liter dürfen es schon sein, sofern Ihr Arzt nichts dagegen hat.
Meiden Sie jedoch Alkohol. Überzogener Alkoholkonsum erhöht das Risiko von Nasenbluten. Auch Schnupfen von Kokain (intranasal) kann Nasenbluten begünstigen.

– Und: Lassen Sie heftiges „Trompeten“, also starkes Schnäuzen, und natürlich auch Nasenbohren sein. Beides tut der verletzlichen Nasenschleimhaut nicht gut.

– Zur sanften Pflege der Nase gibt es zum Beispiel spezielle Salben oder Sprays aus der Apotheke, die einen Wirkstoff wie Dexpanthenol (eine Vorstufe des Vitamins Pantothensäure) enthalten. Arbeiten Sie nicht mit normalen Cremes oder Pflegeölen; sie legen womöglich die feinen Flimmerhärchen lahm und damit den Sekrettransport.

– Spülungen mit Nasenduschen, ein uraltes Hausmittel übrigens, können zum Beispiel bei Entzündungen der Nasennebenhöhlen, Schnupfen, allergischem Schnupfen oder trockener und borkiger Nase sinnvoll sein. Die Maßnahme unterstützt bei maßvoller (über eine begrenzte Zeitdauer, nicht täglich) Anwendung den Selbstreinigungsmechanismus der Nasenschleimhaut. So wird dem Spülen auch ein gewisser vorbeugender Effekt gegen Atemwegsinfekte zugeschrieben. Zu häufige Anwendung spült aber nicht nur Keime und Reizstoffe weg, sondern auch immunaktives Nasensekret. Das könnte Infektionen wiederum begünstigen.

– Ernähren Sie sich vitaminreich, vor allem mit viel frischem Obst und Gemüse. Bei tierischen Nahrungsmitteln und industriell hoch verarbeiteten Getreideprodukten, die nicht einmal mehr ansatzweise Ballaststoffe aus dem vollen Korn enthalten, können Sie sparen. Wenn Sie dann auch noch süßer Verführung widerstehen – gelegentliche Ausnahmen erlaubt – verbessern Sie auch Ihre Energiebilanz und Gewichtskurve.

– Bewegen Sie sich ausreichend, gerne auch im Freien. Das tut Herz, Gefäßen und dem Blutdruck gut und sorgt auch für angenehme Frische der Nase. Minimum: dreimal 30 Minuten pro Woche, zum Beispiel strammes Gehen, Laufen oder Walking. Der Atem fließt freier, gerade auch in der frischen Luft. Wer das positiv empfinden kann, entspannt sich schnell. Und dieser Effekt überträgt sich auf die Gefäße und den Kreislauf genauso wie auf eine überreizte, zu Blutungen neigende Nasenschleimhaut. Warum sollte dieses feinnervige Organ nicht auch einen Riecher für Anspannung und Entspannung, negative und positive Energien haben?

– Bei Allergien wird dazu geraten, möglichst die Auslöser zu meiden. Im Alltag ist das oft schwierig. Eine Immuntherapie oder sogenannte „Allergieimpfung“ kann jedoch die allergischen Atemwegsbeschwerden zum Beispiel bei Heuschnupfen, Milbenhausstaub- und Schimmelpilzallergie deutlich mildern. Damit schonen Sie auch die Nase und ihre feine Gefäße.

– Falls Sie ein gerinnungshemmendes Medikament einnehmen oder an einer Blutgerinnungsstörung leiden, sind Mittel mit Acetylsalicylsäure zur Schmerzlinderung in der Regel nicht angezeigt. Bitte beachten Sie auch mögliche Wechselwirkungen wie verstärkte Gerinnungshemmung, wenn Sie außer einem solchen Präparat noch weitere Arzneimittel einnehmen (etwa einen nicht steroidalen Entzündungshemmer (NSAID/NSAR; siehe oben: Abschnitt „Medikamente zur Blutverdünnung“). Fragen Sie hierzu ausdrücklich auch Ihren Arzt und Apotheker.

– Zum Schluss: Dass Rauchen der Gesundheit schadet, hat keinen Neuigkeitswert mehr. Insbesondere ist es auch ein Feind schöner Haut, geschmeidiger Schleimhäute und elastischer Gefäße...vielleicht alles zusammen eine Motivationshilfe, dem blauen Dunst ade zu sagen.


Nasenbluten: Fachliteratur zu diesem Ratgeber

Behrbohm H, Kaschke O, Nawka T: Kurzlehrbuch Hals-Nasen-Ohren-Heilkunde. 2. Auflage, Stuttgart New York Georg Thieme Verlag 2012

Herold, G, et al.: Innere Medizin, Köln Gerd Herold 2015

Nasenbluten, Erste Hilfe:

Mayo Clinic Patient care and health info: Nosebleeds: First aid. Online: http://www.mayoclinic.org/first-aid/first-aid-nosebleeds/basics/art-20056683 (Abgerufen am 22.3.2015)

Herz-Lungen-Wiederbelebung:
Deutsche Gesellschaft für Kardiologie:Kardiopulmonae Reanimation. Online:
http://leitlinien.dgk.org/files/2011_Pocket-Leitlinien_Kardiopulmonale_Reanimation_Update.pdf (Abgerufen 23.3.15)
Nasendusche:
U.S. Food and Drug administration (FDA): Is rinsing your sinuses Safe? Online: www.fda.gov/forconsumers/consumerupdates/ucm316375.htm
(Abgerufen am 20.3.2015)

WebMD: Neti Pot, Nasal Irrigation Pros and cons. Online:
http://www.webmd.com/allergies/guide/neti-pot-nasal-irrigation-pros-and-cons (Abgerufen am 20.3.2015)
Schädel-Hirn-Trauma:
Neurologen und Psychiater im Netz: Diagnostik und Einteilung der Schweregrade bei Schädel-Hirn-Traumata. Online: http://www.neurologen-und-psychiater-im-netz.org/neurologie/erkrankungen/schaedel-hirn-trauma/diagnostik-und-schweregrade/
(Abgerufen am 20.3.2015)
Juveniles Nasenrachenfibrom:

Tewfik TL: Juvenile Nasopharyngeal Angiofibroma.

Online: http://emedicine. medscape.com/article/872580-overview
(Abgerufen am 21.3.2015)
Tranexamsäure:
Zahed R, Moharamzadeh P, Alizadeharasi S et al.: A new and rapid method for epistaxis treatment using injectable form of tranexamic acid topically: a randomized controlled trial. Am J Emerg Med 2013, DOI: 10.1016/j.ajem.2013.06.043 (Abgerufen 25.3.2015)

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