Nachtschweiß

Nächtliches Schwitzen hat häufig harmlose Ursachen. Mitunter sind auch ernsthafte Erkrankungen verantwortlich. Dann kommen meist noch weitere Krankheitszeichen dazu

von Andrea Blank-Koppenleitner, aktualisiert am 20.10.2014

Wer häufig nachts stark schwitzt und durchnässt aufwacht, sollte aufmerksam werden

W&B/Winfried Fischer

Meist ist es nicht schwer, den Grund zu finden, warum wir die eine oder andere Nacht mehr schwitzen als normal und dadurch sogar wach werden, oft gegen Morgen. Für viele sind es sommerheiße Nächte unter einer zu warmen Zudecke oder im Winter auf Maximum gestellte Heizkörper im Schlafzimmer. Andere haben gefeiert und ein Glas Alkohol zu viel getrunken, dazu das scharfe Chili beim Mexikaner. Und nicht wenige bringen Kummer, Ärger und Ängste noch nachts in Wallungen. Übrigens regen auch zu kalte Räume die Schweißproduktion übermäßig an. Alltags- und Schlafgewohnheiten spielen also eine wichtige Rolle, wenn uns Schweißattacken den Schlaf rauben.

An Nachtschweiß im medizinischen Sinne zu leiden, bedeutet, über längere Zeit regelmäßig im Schlaf zu schwitzen, manchmal so stark, dass der Schlafanzug und häufig auch das Betttuch durchnässt sind. Manche Betroffene wachen dadurch auf, müssen sich umziehen, bisweilen sogar duschen, und das obwohl die Schlafzimmertemperatur stimmt, die Decke nicht zu warm ist und sie keinen Albtraum hatten. Durch die Schlafstörung fühlen sie sich morgens unausgeschlafen und erschöpft, schwitzen aber sonst nicht übermäßig. Nächtliche Schwitzattacken unterscheiden sich damit von anderen Störungen in der Schweißproduktion. Dazu gehören etwa Schweißausbrüche am ganzen Körper oder einzelnen Körperteilen, wie den Händen, die in bestimmten Situationen oder einfach so eintreten und nicht an eine Tageszeit gebunden sind. Mediziner sprechen dann von Hyperhidrose. Nachtschweiß wird als nächtliche Hyperhidrose bezeichnet.


Schwitzen in der Nacht: Wann zum Arzt?

Oft sind die Auslöser von Nachtschweiß ohne weitere Symptome harmlos und mit veränderten Schlafgewohnheiten und Stressabbau gut zu behandeln. Sprechen Sie mit Ihrem Arzt darüber.

Häufige und heftige nächtliche Schweißausbrüche sind immer ein Grund, einen Arzt aufzusuchen, vor allem wenn andere Beschwerden wie Schmerzen, Fieber, Gewichtsverlust, dazukommen. Vielfach sind hormonelle Schwankungen verantwortlich. Manche Frauen schwitzen in der Schwangerschaft oft nachts und verstärkt den Wechseljahren. Eine Reihe von Medikamenten gehört ebenfalls zu den möglichen Verursachern.

Typisch ist Nachtschweiß bei einigen Infektionskrankheiten. Das können eine Virus-Grippe oder eine Herzinnenhautentzündung sein. Tuberkulose geht neben anderen kennzeichnenden Symptomen sehr häufig mit nächtlichem Schwitzen einher. Manchmal kommen neurologische Erkrankungen infrage oder Schlafstörungen wie eine Schlafapnoe. Schweißausbrüche im Schlaf gehören mitunter auch zu den ersten Warnzeichen für bestimmte Tumoren und Krebserkrankungen.

Nach einem eingehenden Gespräch wird der Arzt je nach Verdacht notwendige Untersuchungsschritte einleiten. Gegebenenfalls zieht er einen Spezialisten hinzu. Das kann ein Facharzt für innere Medizin (Internist) oder für Hormon- und Stoffwechselerkrankungen (Endokrinologe) sein. Zuständig sind mitunter auch Fachärzte für Nervenerkrankungen (Neurologen) oder für Blut- und Krebserkrankungen (Hämatologen, Onkologen).

Hauptursachen für Nachtschweiß

  • Ungünstige Schlafbedingungen (Schlafzimmertemperatur, Bettdecken, Luftfeuchtigkeit)
  • Alkohol, Nikotin, scharf gewürztes Essen
  • Medikamente
  • Infektionskrankheiten
    Virus-Grippe
    Tuberkulose
    HIV-Infektion /Aids
    Bakterielle Herzinnenhautentzündung (Endokarditis)
  • Autoimmunerkrankungen
    Rheumatoide Arthritis
    Gefäßentzündungen (Wegener-Granulomatose,
    Temporalarteriitis, Polymyalgia rheumatica)
  • Krebserkrankungen
    Lymphdrüsenkrebs: Hodgkin-Krankheit, Non-Hodgkin-Krankheit
    Leukämie, Myelofibrose beziehungsweise Osteomyelofibrose

Die Behandlung folgt immer der Grunderkrankung. Es gibt allerdings auch nächtliche Schwitzattacken, für die sich keine eindeutigen Ursachen finden lassen. Die Ärzte sprechen dann von idiopathischem Nachtschweiß. Hier sind die Schweißdrüsen aus ungeklärten Gründen überaktiv. Manche Betroffene leiden dann auch tagsüber unter übermäßigem Schwitzen. Veränderte Lebens- und Schlafgewohnheiten können unter anderem dazu beitragen, die nächtliche Schweißproduktion zu mildern.

Die folgenden Abschnitte (siehe Kapitelübersicht am Anfang des Textes oder Kapitelleiste unten) geben einen Überblick über normales (physiologisches) Schwitzen und die wichtigsten Ursachen für Nachtschweiß sowie Selbsthilfe-Tipps bei leichteren, nicht krankhaften Beschwerdebildern.

 


Fachliteratur für diesen Ratgeber

Herold, G, et al.: Innere Medizin, Köln Gerd Herold 2012

Böhm M, Hallek M, Schmiegel W (Hrsg): Innere Medizin, begr. von Classen M, Diehl V, Kochsiek K, 6. Auflage, München Elsevier Urban & Fischer Verlag, 2009

Buchta M, Höper DW, Sönnichsen A: Das Hammerexamen, Repetitorium für den 2. Abschnitt der Ärztlichen Prüfung, 2. Auflage, München Elsevier Urban & Fischer Verlag, 2008

Hellmich B: Fallbuch Innere Medizin, 4. Auflage, Stuttgart Thieme Verlag, 2013

Möller HJ, Laux G, Deister A: Psychiatrie und Psychotherapie, Stuttgart Thieme Verlag, 2009

Kompetenznetz Maligne Lymphome: Informationen zur Krankheit. Online: http://www.lymphome.de/InfoLymphome/index.jsp (Abgerufen am 20.06.2013)

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Deutsche Leukämie- & Lymphom-Hilfe (DHL): Chronische Myeloische Leukämie, Ratgeber für Patienten, 4. Auflage, 2012. Online: http://www.leukaemie-hilfe.de/broschuerenangebot.html (Abgerufen am 20.06.2013)

Deutsche Leukämie- & Lymphom-Hilfe, Serve H: Akute melodische Leukämie (AML), DLH-Info 46 III/2011. Online: http://www.leukaemie-hilfe.de/dlh_infoblaetter.html (Abgerufen am 20.06.2013)

Deutsche Leukämie- & Lymphom-Hilfe, Lehmeier A: Osteomyelofibrose (Primäre Myelofibrose) – Erfolge in der Therapie? DLH-Info III/2010. Online: http://www.leukaemie-hilfe.de/dlh_infoblaetter.html (Abgerufen am 25.06.2013)

Lehmann H, Reinhold-Keller E: Die Wegener'sche Granulomatose, in: Deutsche Rheuma-Liga (Hrsg.): Merkblätter Seltene rheumatische Erkrankungen, 3. Auflage 2011. Online: https://www.rheuma-liga.de/fileadmin/user_upload/Dokumente/Mediencenter/Publikationen/Merkblaetter/3.6_Wegenersche_Granulomatose.pdf (Abgerufen am 25.06.2013)

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Fachredaktion: Dr. med. Claudia Osthoff


Wichtiger Hinweis:

Dieser Artikel enthält nur allgemeine Hinweise und darf nicht zur Selbstdiagnose oder -behandlung verwendet werden. Er kann einen Arztbesuch nicht ersetzen. Die Beantwortung individueller Fragen durch unsere Experten ist leider nicht möglich.



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Bildnachweis: W&B/Winfried Fischer
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