Mundgeruch

Ein heikles Thema, über das niemand gerne spricht. Die Ursachen von schlechtem Atem liegen zumeist im Mund selbst, seltener stecken ernste Erkrankungen dahinter

von Andrea Blank-Koppenleitner, aktualisiert am 04.05.2015

Vorsicht Mundgeruch – es gibt bessere Lösungen, als die Hand vor den Mund zu halten

Thinkstock/Goodshot

Knoblauch oder Zwiebeln hinterlassen einen schlechten Atem. Exotisch gewürzte Chips, fette Wurst, Kaffee, Alkohol oder Tabakrauch gehören mit in die Liste der Speisen und Genussmittel, die oft zu einem unangenehmen Geruch aus dem Mund führen. Manche Menschen reagieren stark darauf, andere lediglich in milder Form. Oft schafft ein Kaugummi erste Abhilfe, regelmäßige Zahnpflege tut ihr Übriges.

Morgens müssen die meisten Menschen erst einmal Zähne putzen, um den typischen Schlafmief aus dem Mund zu bannen. Aber auch wer länger nichts gegessen hat, riecht oft nicht gut, wenn er ausatmet oder spricht. Der Grund in beiden Fällen ist übrigens ein verminderter Speichelfluss (mehr dazu im Kapitel "Wie Mundgeruch entsteht").

Das Lästige dabei: In der Regel bemerken nur die anderen den Mundgeruch, nicht der Betroffene selbst. Und kaum jemand wagt, sein Gegenüber auf dessen aufdringlichen Atem aufmerksam zu machen. Dabei wäre ihm mit ein paar taktvollen, aber offenen Worten oft sehr geholfen. Denn meistens lässt sich die Ursache für den unwillkommenen Geruch finden und dieser sich dann häufig erfolgreich beseitigen.


Wo kommt der Geruch aus dem Mund her?

Die Auslöser für schlechten Atem liegen hauptsächlich im Mund selbst, und zwar zu etwa 90 Prozent. Mediziner sprechen hier von Foetor ex ore (wörtlich: übler Geruch aus dem Mund). Hat der Betroffene den Mund geschlossen, riecht auch sein Gesprächspartner kaum etwas. Der Geruch entsteht vor allem durch mangelnde Mundhygiene und Zahnprobleme, durch einen trockenen Mund, durch Substanzen, die auf Speichel und Mundschleimhaut wirken, wie bestimmte Speisen oder Zigarettenrauch, aber auch durch Entzündungen und mitunter Tumore im Bereich der Mundhöhle.

Wesentlich seltener ist die zweite Form unangenehmer Atemluft, medizinisch Halitosis. Hier riecht die ausgeatmete Luft nicht nur schlecht, wenn sie durch den offenen Mund, sondern auch wenn sie nur durch die Nase strömt. Neben bekannten Ursachen wie ein Knoblauchgericht oder die Alkoholfahne führen bei einigen Menschen Erkrankungen im Nasen-Rachen-Raum, etwa ein chronischer Schnupfen, oder Atemwegserkrankungen wie eine Bronchitis oder Lungenentzündung zu einer Halitosis. Zudem können Verdauungsprobleme in der Speiseröhre und im Magen-Darm-Trakt ein Grund für schlechten Atem sein. Ganz charakteristische Atemgerüche rufen Stoffwechselentgleisungen bei Diabetes, Nieren- oder Leberversagen sowie Vergiftungen hervor.

Schlechter Atem: Wann zum Arzt?

Hat der Mundgeruch eine leicht nachzuvollziehende Ursache wie die rohe Zwiebel im Salat oder nachlässige Zahnpflege, bessert sich der Atemduft, sobald die Zwiebel verdaut ist oder die Mundhygiene wieder stimmt.

Wer öfter von anderen auf seinen Geruch aufmerksam gemacht wird oder selbst den Eindruck hat, dass dauerhaft etwas mit seinem Atem nicht stimmt, sollte einen Arzt aufsuchen. Das gilt insbesondere auch, wenn Mundgeruch plötzlich ohne ersichtlichen Grund auftritt oder andere Symptome dazukommen, wie Atembeschwerden, Kopf-, Glieder- und Bauchschmerzen, Husten.

Der Hausarzt wird durch gezielte Fragen und erste Untersuchungen mögliche Ursachen des Problems einschätzen. Gegebenenfalls leitet er seinen Patienten an entsprechende Fachärzte weiter. Das können ein Zahnarzt, ein Hals-Nasen-Ohren-Arzt oder ein Arzt für innere Medizin (Internist) sein.

Inzwischen gibt es auch Ärzte, die eine spezielle Sprechstunde für von Mundgeruch geplagte Patienten eingerichtet haben. (Mehr dazu, wie der Arzt bei der Untersuchung vorgeht, erfahren Sie im Kapitel "Diagnose").

Angst vor Mundgeruch: Alles nur Einbildung?

So nachlässig einige Menschen mit ihrer Mundpflege sein mögen, so überempfindlich spüren andere vermeintlichen Eigengerüchen nach. Sie sind fest überzeugt, einen schlechten Atem zu haben, aber weder ihre Mitmenschen noch ihr Arzt können das bestätigen. Diese Überzeugung kann so ausgeprägt sein, dass sie Ausdruck einer krankhaften Wahrnehmungsstörung ist, einer sogenannten Pseudo-Halitosis oder Halitophobie. Neben psychischen Störungen können auch bestimmte Gehirntumoren solche Geruchseindrücke hervorrufen.

Gelingt es dem Arzt nicht, die Betroffenen von ihrer Vorstellung abzubringen und sie zu beruhigen, ist es Aufgabe eines Psychiaters oder eines Neurologen, der Störung nachzugehen und angemessene Therapien einzuleiten.

Die Hauptursachen für Mundgeruch im Überblick

– Schlechter Atem aus dem Mund

  • Knoblauch, Zwiebeln und andere Speisen, die Speichel und Mundschleimhaut beeinflussen
  • Alkohol, Kaffee und andere Getränke, die auf Speichel und Mundschleimhaut wirken
  • Rauchen
  • Essensrückstände im Mund
  • Einige nitrat- oder schwefelhaltige Medikamente
  • Hunger, Mangelernährung
  • Verminderter Speichelfluss, trockener Mund (Nachtruhe, Mundatmung, Schnarchen, Fasten, Alterserscheinung, Medikamente)

(siehe Kapitel "Wie Mundgeruch entsteht" und "Mund und Rachen")

  • Ungenügende Mundhygiene, unregelmäßiges, nachlässiges Zähneputzen
  • Bakterieller Zungenbelag
  • Starker Zahnbelag, Zahnstein
  • Schlecht sitzende Zahnprothesen, Inlays, Implantate, Zungenpiercings
  • Zahnerkrankungen, Zahnfleischentzündungen (Parodontitis, Gingivitis)

(siehe Kapitel " Zähne, Zahnfleisch")

(siehe Kapitel "Mund und Rachen")

Schlechter Atem aus Mund und Nase

  • Speisen wie Knoblauch, Zwiebeln, alkoholische Getränke, deren Stoffwechselprodukte unter anderem mit dem Atem abgegeben werden
  • Vergiftungen (mit Phosphor – der Atem riecht nach Knoblauch – und anderen Giften wie Arsen oder Selen)

(siehe Kapitel "Wie Mundgeruch entsteht" und "Verdauungstrakt")

  • Chronische Nasennebenhöhlenentzündung (Sinusitis), Nasenpolypen
  • Chronischer Schnupfen mit Riechstörungen durch trockene Nasenschleimhäute (Übergebrauch von abschwellenden Nasensprays, -tropfen, Drogenmissbrauch, nach Strahlenbehandlungen, Nasenoperationen)
  • Tumore im Nasen-Rachen-Raum

(siehe Kapitel "Nasen-Rachen-Raum")

  • Atemwegserkrankungen (eitrige Bronchitis, Bronchiektasen, Lungenentzündung, Lungenabszess)

(siehe Kapitel "Atemwege")

  • Speiseröhrenerkrankungen (Verengungen, Zenker-Divertikel, Störungen der Beweglichkeit der Speiseröhre, Tumore)
  • Sodbrennen, Refluxerkrankung
  • Zwerchfellbruch (Hiatushernie)
  • Fremdkörper im oberen Verdauungstrakt
  • Magenerkrankungen (Verengungen am Magenausgang, Magengeschwüre, Magenkrebs)
  • Darmverschluss
  • Nahrungsmittelallergien, Unverträglichkeiten, Zöliakie
  • Essenzielle Halitosis (Mundgeruch ohne nachweisbare Ursache)

(siehe Kapitel "Verdauungstrakt")

  • Diabetisches Koma (Ketoazidose, der Atem riecht nach Azeton)
  • Nierenversagen (der Atem riecht nach Ammoniak oder Urin)
  • Leberversagen (Leberkoma, der Atem riecht süßlich, nach frischer Leber)

(siehe Kapitel "Stoffwechsel")

Die Liste möglicher körperlicher Erkrankungen, die neben den für sie kennzeichnenden Leitsymptomen auch Mundgeruch auslösen können, erscheint lang. Sie darf nicht darüber hinwegtäuschen, dass jeder, der mit schlechtem Atem zu kämpfen hat, zunächst vor allem seine Mundhygiene und seine Ernährungsgewohnheiten überprüfen sollte. Am besten lässt er sich hierzu von seinem Zahnarzt und dem Hausarzt beraten. Mundgeruch ist aber nicht nur für die Mitmenschen lästig. Er kann eben auch auf Krankheitsprozesse hinweisen. Daher ist es wichtig, den Ursachen nachzugehen und mit geeigneten Maßnahmen wieder gesunde Verhältnisse im Mund herzustellen.

Interessantes dazu, wie Mundgeruch entsteht, und mehr zu den möglichen Ursachen können Sie in den folgenden Kapiteln nachlesen (siehe die Kapitelübersicht am Anfang des Textes oder Kapitellinks unten). Abschließend finden Sie im Kapitel "Therapie und Selbsthilfe" nützliche Tipps, wie Sie Ihren Atem frisch halten und unwillkommenen Gerüchen vorbeugen.

 


Fachliteratur für diesen Ratgeber

Lenarz Th, Boenninghaus H-G: HNO. Hals-Nasen-Ohren-Heilkunde, 14. Auflage, Berlin Springer Verlag 2012

Probst R, Grevers G, Iro H (Hrsg.): Hals-Nasen-Ohren-Heilkunde, 3. Auflage, Stuttgart Thieme Verlag 2008

Herold G et al.: Innere Medizin, Köln Gerd Herold 2012

Böhm M, Hallek M, Schmiegel W (Hrsg): Innere Medizin, begr. von Classen M, Diehl V, Kochsiek K, 6. Auflage, München Elsevier Urban & Fischer Verlag, 2009

Schulze H, Jervøe-Storm P-M: Halitosis. CME-Fortbildung. In: Das Deutsche Zahnärzteblatt ZWR 2012; 121(3): 94-104, DOI: 10.1055/s-0032-1311750, Stuttgart New York Thieme Verlag 2012

Imfeld T: Foetor ex ore und Halitosis. Was steckt hinter dem Mundgeruch? In: Zahnarzt Praxis, 1(4):4-6, 2009. Online: http://www.oai.uzh.ch/arbeiten-mit-zora/zora (Abgerufen am 08.10.2013)

Imfeld T: Mundgeruch – Ursachen, Differenzialdiagnose und Behandlung. In: Therapeutische Umschau; DOI 10.1024/0040-930.65.2.83, Bern Verlag Hans Huber, Hogrefe AG 2008

Flippig A, Arbeitskreis Halitosis der Deutschen Gesellschaft für Zahn-, Mund- und Kieferheilkunde: Was ist Halitosis? Online: http://www.ak-halitosis.de/home-3/was-ist-halitosis/ (Abgerufen am 10.09.2013)

Altmeyer P, Pasch V: Halitosis. In: Enzyklopädie - Dermatologie, Allergologie, Umweltmedizin, 2. Auflage, Berlin Heidelberg Springer Verlag 2011; Online-Realisierung 2013: http://www.enzyklopaedie-dermatologie.de/ (Abgerufen am 08.10.2013)

National Library of Medicine, National Institutes of Health, MedlinePlus: Breath odor. Online: http://www.nlm.nih.gov/medlineplus/ency/article/003058.htm (Abgerufen am 10.09.2013)

Rademacher J, Welte T: Bronchiektasen – Diagnostik und Therapie. In: Dtsch Arztebl Int 2011; 108(48): 809-15; DOI: 10.3238/arztebl.2011.0809

Deutsche Gesellschaft für Zahn-, Mund- und Kieferheilkunde: Fluoridierungsmaßnahmen zur Kariesprophylaxe. Leitlinie 01.2013, AWMF Register-Nr. 083-001. Online: http://www.awmf.org/leitlinien/detail/ll/083-001.html (Abgerufen am 08.10.2013)

(www.apotheken-umschau.de ist nicht verantwortlich und übernimmt keine Haftung für die Inhalte externer Internetseiten.)
Fachredaktion: Dr. med. Claudia Osthoff


Wichtiger Hinweis:
Dieser Artikel enthält nur allgemeine Hinweise und darf nicht zur Selbstdiagnose oder -behandlung verwendet werden. Er kann einen Arztbesuch nicht ersetzen.



  1. 1
  2. 2
  3. 3
  4. 4
  5. 5
  6. 6
  7. 7
  8. 8
  9. 9
  10. 10
Bildnachweis: Thinkstock/Goodshot
Partnersuche im Internet

Newsletter abonnieren

Hier können Sie unseren kostenlosen Newsletter abonnieren »

Bitte beachten Sie!

Dieses Informationsangebot ersetzt keinen Arztbesuch. Bei unklaren Beschwerden sollten Sie stets Ihren Arzt konsultieren. Lesen Sie hier mehr dazu »

Symptome-Finder

Wählen Sie:

Gesunder Mund – frischer Atem

Frau mit schönen Zähnen

Der Mund hat viele Talente

Lesen Sie alles über die richtige Mundpflege sowie über Erkrankungen der Mundhöhle »

Schöne Zähne

Frau putzt sich die Zähne

Bitte lächeln!

Am besten gefallen sie uns strahlend weiß und problemfrei: Unsere Zähne. So bleiben sie gesund »

Symptome-Check

Frau trinkt ein Glas Wasser

Trockener Mund

Manchmal hilft ein Schluck Wasser. Aber es gibt auch krankhafte Ursachen »

Symptome A-Z

Alle Symptome von A bis Z

Suchen Sie hier nach Symptomen und ihren Ursachen alphabetisch von A bis Z. Beachten Sie bitte auch den Hinweis rechts  »

© Wort & Bild Verlag Konradshöhe GmbH & Co. KG

Weitere Online-Angebote des Wort & Bild Verlages