Morbus Sudeck (Komplexes regionales Schmerzsyndrom)

Anhaltende, starke Schmerzen an Arm oder Bein, für die sich keine Ursache finden lässt, bezeichnen Ärzte als Morbus Sudeck. Meist geht eine Verletzung, ein Unfall oder ein Operation an der betroffenen Gliedmaße voraus. Mehr zu Ursachen, Symptomen und Therapie

von Dr. Ralph Müller-Gesser, aktualisiert am 13.11.2014

Die Schmerzen nach einer Verletzung bessern sich einfach nicht? Manchmal ist eine Sudeck-Erkrankung die Ursache

Thinkstock/Creatas Images

Was ist ein Morbus Sudeck?

Morbus Sudeck, Sudecksche Krankheit, Algodysthrophie und Komplexes regionales Schmerzsyndrom – alle Begriffe bezeichnen ein- und dasselbe Gesundheitsproblem, das der deutsche Chirurg Paul Sudeck Anfang des 20. Jahrhunderts als Erster beschrieb: starke und länger anhaltende Schmerzen an Arm oder Bein, die häufig mit einer Bewegungs- und Funktionseinschränkung einhergehen.

Symptome bei Morbus Sudeck:

Nach einer Verletzung klingen die Schmerzen an der betroffenen Extremität nicht wie erwartet ab. Im Gegenteil: Sie verstärken sich und im Laufe der Zeit gesellen sich weitere Symptome hinzu wie Schwellung, Temperaturveränderungen der Haut, ein gesteigertes Nagel- und Haarwachstum sowie Bewegungs- und Funktionseinschränkungen.


Beratender Experte: Dr. Gereon Schiffer, Facharzt für Chirurgie, Orthopädie und Unfallchirurgie

W&B/Alekander Perkovic

Ursachen bei Morbus Sudeck:

Noch immer tappen Ärzte und Wissenschaftler bezüglich Krankheitsursachen im Dunkeln. Erfahrungsgemäß geht meist eine eher kleinere Verletzung (ein unkomplizierter Bruch, eine Prellung etc.) oder eine kleinere Operation dem Schmerzsyndrom voraus. Steht am Anfang der Problematik eine Nervenverletzung sprechen Mediziner vom komplexen regionalen Schmerzsyndrom Typ II (CRPS II), alle anderen Morbus Sudeck-Fälle gelten als Typ I. Der Glaube, dass eine labile Persönlichkeitsstruktur die Erkrankung begünstigt, ist heute überholt. Rund 10.000 Menschen erkranken jedes Jahr in Deutschland. Dabei betrifft es deutlich mehr Frauen als Männer – meist im vierten und fünften Lebensjahrzehnt.

Diagnose bei Morbus Sudeck:

Morbus Sudeck ist eine Ausschlussdiagnose, da die Beschwerden nicht spezifisch sind und auch andere Krankheiten die gleichen Symptome hervorrufen. Zur Diagnosestellung greift der Arzt bei Bedarf – neben der klinischen Untersuchung – auf anderen Techniken wie Röntgen-Aufnahmen, Kernspin- oder Computertomografie oder Knochenszintigrafie zurück. Ziel ist es, Hinweise auf eine Sudeck-Erkrankung zu finden und andere Erkrankungen oder Ursachen auszuschließen.

Therapie bei Morbus Sudeck:

Als Standard gilt heute eine sogenannte multimodale Schmerztherapie. Dieser breite Ansatz umfasst neben dem Einsatz von Medikamenten auch verschiedene andere Behandlungsformen, unter anderem auch physio- und psychotherapeutische Maßnahmen.

Heilungschancen bei Morbus Sudeck:

Eine vollständige Heilung ist möglich, nur selten allerdings ohne eine intensive Behandlung. Die Chancen stehen umso besser, je früher die Therapie einsetzt. Bei einigen Patienten allerdings bleiben die Schmerzen bestehen. Doch auch wenn die Krankheit nicht vollständig ausheilt, gelingt es den Betroffenen meist, die Beschwerden unter Kontrolle zu bekommen und mit der Krankheit gut zu leben. Dramatisch verläuft die Erkrankung für einen kleinen Teil der Patienten: Bei ihnen bleibt das Schmerzsyndrom bestehen und sie büßen dauerhaft die Funktion der betroffenen Gliedmaße ein.


Wichtiger Hinweis:
Dieser Artikel enthält nur allgemeine Hinweise und darf nicht zur Selbstdiagnose oder –behandlung verwendet werden. Er kann einen Arztbesuch nicht ersetzen. Die Beantwortung individueller Fragen durch unsere Experten ist leider nicht möglich.



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