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Leistenbruch (Leistenhernie)

Durchbrechen Bereiche der Bauchwand die Leistenregion und bilden eine Ausstülpung, sprechen Mediziner von einem Leistenbruch. Wie Ärzte diesen erkennen, warum eine Operation nötig wird


Bei einem Leistenbruch dringt Gewebe (häufig Darmgewebe) durch eine sogenannte Bruchpforte und bildet eine Ausstülpung (Bruchsack)

Was ist ein Leistenbruch (Leistenhernie)?

Auch wenn Ärzte bei einer Leistenhernie von einem „Bruch“ sprechen, zersplittert dabei kein Knochen. Vielmehr wird Gewebe durchstoßen. Die Leiste bildet den Übergang zwischen Bauch und Oberschenkel. In dieser Region befindet sich der Leistenkanal, durch den wichtige Blutgefäße und Nerven verlaufen. Sie verbinden den Bauchraum mit dem Genitalbereich. Beim Mann verläuft durch diesen Kanal der Samenstrang. Bei der Frau das sogenannte Mutterband, welches die Gebärmutter stabilisiert.

Die Leistenregion muss ziemlich viel Druck aushalten. Wenn wir husten, niesen, schwere Kartons schleppen oder Einkaufstüten hoch heben, dann drücken die Bauchorgane auf den Leistenbereich. Aus diesem Grund ist er mit kräftigen Muskeln und Sehnen bestückt. Hält die Leistenregion dem Druck nicht mehr Stand, dann können Schichten der Bauchwand – genauer gesagt das Bauchfell – den Kanal durchbrechen. Es bildet sich ein sogenannter Bruchsack, der als „Bruchinhalt“ Teile des Darms enthalten kann aber auch Fettgewebe, das dem Darm aufliegt (Darmnetz). Die Lücke, durch die der Bruchsack durchtritt, nennt sich Bruchpforte.



Unser Experte: Dr. Peter Harding, Arzt für Allgemeinchirurgie, Unfallchirurgie und Visceralchirurgie

Experten unterscheiden zwei Formen von Leistenbrüchen: die direkte Leistenhernie sowie die indirekte. Bei diesen Typen durchtritt der Bruchsack den Leistenkanal in verschiedenen Richtungen und an unterschiedlichen Stellen. Die indirekte Form kann angeboren oder erworben sein und betrifft häufig Kinder und junge Menschen  – vor allem Jungen und Männer. Sie sind sozusagen vorbelastet, da bei ihnen der Leistenkanal von Geburt an etwas geweitet sein kann (mehr im Kapitel Ursachen und Risikofaktoren). Die direkte Leistenhernie ist erworben und ereilt eher ältere Menschen. Hier ist in vielen Fällen eine altersbedingte Bindegewebsschwäche schuld. Kommen begünstigende Faktoren hinzu, erhöht sich das Risiko für einen Leistenbruch.

Symptome: Wie lässt sich ein Leistenbruch erkennen?

Eine Leistenhernie macht sich meist durch eine Ausstülpung in der Leistenregion bemerkbar. Diese „Beule“ ist beweglich und lässt sich oft wieder nach innen wegdrücken. Abends oder nach Belastung sieht man die Schwellung deutlicher.  Eltern fällt die Ausstülpung bei ihrem Nachwuchs häufig zufällig auf, wenn sie die Windeln wechseln oder das Kleine waschen. Ein Leistenbruch kann ein leichtes Ziehen in der Leiste oder ein Druckgefühl in diesem Bereich hervorrufen. Wichtig: Gehen Sie zum Arzt, wenn Sie eine Ausstülpung in der Leiste bemerken.

Ist ein Leistenbruch gefährlich?

In den meisten Fällen ist ein Leistenbruch ungefährlich. Unbehandelt vergrößern sich Hernien jedoch. Der Bruchinhalt, also zum Beispiel eine Darmschlinge, kann sich dann einklemmen (Inkarzeration) und abgequetscht werden. Das führt zu starken Schmerzen und stellt einen Notfall dar, der sofort operiert werden muss.

Überhaupt sagen Experten, dass ein Leistenbruch immer einer Operation bedarf, auch wenn er keine oder nur leichte Beschwerden bereitet. Und zwar aus oben genanntem Risiko. Es gibt verschiedene Operationsverfahren. Welches zum Einsatz kommt, müssen Arzt und Patient individuell entscheiden.


Dieser Artikel enthält nur allgemeine Hinweise und darf nicht zur Selbstdiagnose oder –behandlung verwendet werden. Er kann einen Arztbesuch nicht ersetzen. Die Beantwortung individueller Fragen durch unsere Experten ist leider nicht möglich.




Bildnachweis: W&B/Szczesny, W&B/Privat
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www.apotheken-umschau.de; aktualisiert am 12.12.2013, erstellt am 18.08.2011
Bildnachweis: W&B/Szczesny, W&B/Privat

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