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TSH: Stimulanz der Schilddrüse

TSH ist ein in der Hirnanhangdrüse (Hypophyse) produziertes Hormon. Der Wert verrät, ob die Schilddrüse in ausreichendem Maß Hormone produziert und ob eine Schilddrüsenunterfunktion oder -überfunktion vorliegt


TSH lässt Rückschlüsse auf die Schilddrüsenfunktion zu. Oft untersucht der Arzt das Organ zusätzlich per Ultraschall

Kurz gesagt:

TSH ist ein von der Hirnanhangsdrüse freigesetztes Hormon, das die Schilddrüse stimuliert. Hohe TSH-Werte sind ein Hinweis auf eine Schilddrüsenunterfunktion. Niedrige TSH-Blutserumkonzentrationen deuten auf eine Überfunktion hin. Die jeweiligen Ursachen können vielfältig sein, weshalb bei einem nicht normalen TSH-Wert immer die Schilddrüsenhormone FT3 und FT4 untersucht werden müssen. Alle Werte gemeinsam betrachtet, erlauben dem Arzt anschließend in den meisten Fällen eine Diagnose.


Was ist TSH?

TSH steht für Thyreoidea-stimulierendes Hormon, nach dem lateinischen Namen für die Schilddrüse, Thyreoidea. Mit seiner Hilfe lassen sich Schilddrüsenüber- und -unterfunktionen erkennen und einordnen. Das TSH regt das Organ an, die Hormone FT3 und FT4 zu produzieren, die beiden Schilddrüsenhormone.

Bereits bei Neugeborenen kann eine Schilddrüsenunterfunktion schwere Entwicklungsstörungen verursachen. Deshalb wird bei allen Neugeborenen in Deutschland im Rahmen des Screenings das TSH im Blutserum bestimmt, um die Schilddrüsenfunktion zu überprüfen.


Welcher TSH-Wert ist normal?

Bei Erwachsenen liegt der normale TSH-Wert im Serum etwa zwischen 0,40 und 2,5 mU/l. Dieser Referenzbereich kann je nach Alter und Geschlecht des Patienten sowie dem untersuchenden Labor schwanken. Bei Kindern und Jugendlichen bis zu 18 Jahren kann der TSH-Wert höher sein.

Wann ist der TSH-Wert zu niedrig?

Viele verschiedene Krankheiten können einen niedrigen TSH-Wert verursachen. Um den Auslöser zu finden, müssen neben dem TSH die Blutspiegel der von der Schilddrüse selbst hergestellten Hormone FT3 und FT4 ermittelt werden. Weil die Hirnanhangsdrüse weniger TSH produziert, wenn die Schilddrüse besonders aktiv ist, deutet ein niedriger TSH-Wert meist auf eine Schilddrüsenüberfunktion hin. Ein häufiger Auslöser dafür sind Schilddrüsenknoten, die übermäßig Schilddrüsenhormone produzieren. Die Knoten müssen vom Arzt weiter untersucht werden.


Wann ist der TSH-Wert zu hoch?

Ein besonders hoher TSH-Blutspiegel ist ein ziemlich sicheres Zeichen für eine Schilddrüsenunterfunktion. Der erhöhte TSH-Wert kann auch ein Hinweis auf eine Immunkrankheit sein, die sich gegen die Schilddrüse richtet, zum Beispiel die Hashimoto-Thyreoiditis. Der Verdacht darauf lässt sich mit weiteren Laboruntersuchungen erhärten oder entkräften. Untersucht werden dabei sogenannte Thyreoperoxidase-(TPO-)Antikörper im Serum, die für die Hashimoto-Erkrankung typisch und bei 90 Prozent der Betroffenen nachweisbar sind.

Was kann den TSH-Wert noch beeinflussen?

Bei Patienten, die wegen einer Schilddrüsenunterfunktion Hormone einnehmen müssen, sollte der TSH-Wert unter dem normalen Wert liegen. Die Einnahme von Lithium zur Behandlung der Depression kann den TSH-Blutspiegel deutlich ansteigen lassen. Für behandelnde Ärzte sind deshalb die Informationen über alle eingenommenen Medikamente wichtig.  



Bei allen Neugeborenen in Deutschland bestimmt man die TSH-Konzentration im Blutserum zur Überprüfung der Schilddrüsenfunktion


Wichtig: Die Referenzwerte sowie die ermittelten Werte können sich von Labor zu Labor stark unterscheiden. Weiterhin gibt es unter Umständen starke tageszeitliche und (saisonale) jahreszeitliche Schwankungen ohne Krankheitswert. Bevor Sie sich durch abweichende Ergebnisse verunsichern lassen, bitten Sie daher Ihren Arzt, Ihnen Ihre persönlichen Daten zu erklären. Einzelne Laborwerte alleine sind zudem meistens nicht aussagekräftig. Oft müssen sie im Zusammenhang mit anderen Werten und im zeitlichen Verlauf beurteilt werden.

Fachlich geprüft von Prof. Dr. med. Peter B. Luppa, Institut für Klinische Chemie und Pathobiochemie, Klinikum rechts der Isar der Technischen Universität München




Bildnachweis: W&B/Shutterstock, W&B/Fotolia

Dennis Ballwieser / www.apotheken-umschau.de; aktualisiert am 28.05.2014, erstellt am 12.04.2011
Bildnachweis: W&B/Shutterstock, W&B/Fotolia

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