Östrogene: Weibliche Geschlechtshormone

Östrogene sind weibliche Geschlechtshormone. Zur Gruppe der Östrogene zählen das Östron, das Östradiol und das Östriol, wobei das Östradiol das wichtigste weibliche Geschlechtshormon ist

von Dr. med. Dunja Voos, aktualisiert am 26.05.2014

Östrogene stimulieren unter anderem das Wachstum der Brustdrüsen

W&B/Fotolia

Kurz gesagt:

Östrogene sind weibliche Hormone, die an der Steuerung des Zyklus beteiligt sind und in der Schwangerschaft eine wichtige Rolle spielen. Sie werden bei Frauen vor allem in den Eierstöcken, aber auch in der Plazenta und der Nebennierenrinde produziert. Das follikelstimulierende Hormon (FSH) der Hypophyse regt die Östrogenbildung an. Östrogene wirken zudem auf Stoffwechsel und Knochenbildung ein. Sie kommen in geringen Mengen ebenso beim Mann vor.


Was ist Östrogen?

Östrogene – auch Estrogene, abgekürzt E – ist der Oberbegriff für die weiblichen Hormone wie Östron, Östradiol und Östriol. Sie werden im Eierstock, in der Plazenta sowie in der Nebennierenrinde gebildet. Auch beim Mann kommen Östrogene vor. Sie werden zum Beispiel im Hoden produziert. Angeregt wird die Östrogenbildung durch das follikelstimulierende Hormon (FSH) aus dem Hypophysenvorderlappen (= Vorderlappen der Hirnanhangsdrüse).
Östrogene sind an der Steuerung des Menstruationszyklus beteiligt. Sie sorgen dafür, dass der Follikel (unbefruchtetes Ei mit umgebendem Gewebe) im Eierstock heranreift. Unter Östrogeneinfluss verändert sich der Schleimpfropf im Gebärmutterhals zum Zeitpunkt des Eisprungs so, dass die Spermien leichter hindurchwandern können. Östrogene sind beteiligt am Schleimhautaufbau der Gebärmutter und beeinflussen das Wachstum des Brustgewebes.
Östrogene können Wassereinlagerungen im Körper begünstigen. Sie hemmen aber auch den Knochenabbau und erhöhen die Konzentration des sogenannten guten HDL-Cholesterins.
Das "Hauptöstrogen" Östradiol wird sehr schnell in der Leber abgebaut. Daher eignet es sich eher nicht zur Einnahme als Tablette. Die Östrogene der "Pille" sind deshalb chemisch etwas anders aufgebaut als die natürlichen Hormone.


Welcher Wert ist normal?

Bei Frauen in der ersten Zyklushälfte beträgt die Blutserum-Konzentration des Östradiols 25 bis  95 ng/l. Während des Eisprungs liegt sie bei 75 bis 570 ng/l, wobei sie in der zweiten Zyklushälfte auf 60 bis 250 ng/l abfällt. Frauen nach den Wechseljahren (Postmenopause) weisen einen Wert von weniger als 45 ng/l auf.

Bei Männern beträgt die Östradiolkonzentration zwischen 12 und 42 ng/l.

Bei Mädchen und Jungen vor dem Eintritt der Pubertät liegen die Östradiolwerte unter 30 ng/l.

Wann steigt der Wert?

Die Östrogene, vor allen Dingen das Östradiol, steigen in der ersten Zyklushälfte an. Kurz vor dem Eisprung ist der Anstieg rasant. Dies bewirkt einen ebenfalls sprunghaften Anstieg des luteinisierenden Hormons (LH). Das LH löst schließlich den Eisprung aus. Die Östrogenkonzentration nimmt schon zu diesem Zeitpunkt wieder rapide ab.

In der Schwangerschaft steigt der Östrogenwert stark an, in dieser Zeit werden die Östrogene Östradiol und Östriol hauptsächlich von der Plazenta produziert. Der Wert erreicht seinen Höchstpunkt zum Ende der Schwangerschaft.

Östrogene werden vor allem in der Leber abgebaut und größtenteils über die Niere ausgeschieden. Erhöhte Östrogenwerte können damit auch bei Leber- und Nierenschädigungen auftreten. Sie können aber auch auf Tumoren mit Östrogenproduktion hinweisen.

Wann ist der Wert zu niedrig?

Die Östrogenkonzentration fällt schon kurz vor dem Eisprung wieder rapide ab. Zwar gibt es in der zweiten Zyklushälfte noch einmal einen leichten Anstieg, doch dann nimmt die Konzentration weiter ab.

Da die Östrogenproduktion durch das follikelstimulierende Hormon (FSH) aus dem Hypophysenvorderlappen angeregt wird, können die Werte dann zu niedrig sein, wenn eine Funktionsstörung des Organs besteht. Aber auch die Eierstöcke selbst können bei Funktionsstörungen zu wenig Östrogene produzieren.


Wichtig: Die Referenzwerte sowie die ermittelten Werte können sich von Labor zu Labor stark unterscheiden. Weiterhin gibt es unter Umständen starke tageszeitliche und (saisonale) jahreszeitliche Schwankungen ohne Krankheitswert. Bevor Sie sich durch abweichende Ergebnisse verunsichern lassen, bitten Sie daher Ihren Arzt, Ihnen Ihre persönlichen Daten zu erklären. Einzelne Laborwerte alleine sind zudem meistens nicht aussagekräftig. Oft müssen sie im Zusammenhang mit anderen Werten und im zeitlichen Verlauf beurteilt werden.

Fachlich geprüft von Prof. Dr. med. Peter B. Luppa, Institut für Klinische Chemie und Pathobiochemie, Klinikum rechts der Isar der Technischen Universität München



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