LDL-Cholesterin: Risikofaktor für Gefäße

LDL wird auch als "böses Cholesterin" bezeichnet, da hohe LDL-Werte als Risikofaktor für Herz-Kreislauf-Krankheiten gelten

aktualisiert am 23.05.2014

Übergewicht kann zur Erhöhung des LDL-Cholesterins beitragen. Daneben bestimmen vor allem auch erbliche Faktoren die Höhe des LDL-Spiegels

W&B/Fotolia

Kurz gesagt:

LDL-Cholesterin gilt als das "böse Cholesterin", da erhöhte Serumkonzentrationen eine Gefäßverkalkung mit gefährlichen Folgen nach sich ziehen können. Welche Werte bei einer Person als normal und welche als risikoreich gelten, muss der Arzt individuell in Abhängigkeit der vorliegenden Risikofaktoren entscheiden.


Was ist LDL?

LDL bedeutet Low Density Lipoprotein. Lipoproteine sind Fett-Eiweiß-Verbindungen, die fettlösliche Substanzen wie Cholesterin binden und durch den Blutkreislauf transportieren. Das LDL weist im Gegensatz zum HDL (High Density Lipoprotein) eine niedrige physikalische Dichte auf – daher die Bezeichnung "low density". LDL befördert das lebenswichtige Cholesterin von der Leber in die verschiedenen Gewebe.

Befindet sich zu viel LDL-Cholesterin im Blut, kann sich das Cholesterin an den Gefäßinnenwänden einlagern. Insbesondere dann, wenn diese bereits vorgeschädigt sind – zum Beispiel durch Bluthochdruck oder Rauchen. Die Ablagerungen an den Gefäßwänden, die sogenannten Plaques, enthalten neben Fett eine Vielzahl von Zellen, unter anderem auch Entzündungszellen.


"Verkalken" die Gefäßinnenwände durch die Abla­gerungen, engen sie damit die betroffenen Blutgefäße ein. Angina Pectoris, Durchblutungsstörungen an den Beinen (Schaufensterkrankheit) oder im Ge­hirn sind die möglichen Folgen.

Die Oberfläche einer Plaque kann einreißen, und sofort heften sich die im Blut vorbeischwimmenden Blutplättchen (Thrombozyten) an der Einrissstelle der Plaque an. Dabei können sie das betreffende Blutgefäß ganz oder teilweise verschließen. Bei vollständigem Verschluss eines Gefäßes, zum Beispiel eines Herzkranzgefäßes, entsteht ein Infarkt.

Wann ist LDL erhöht?

Erhöhte LDL-­Cholesterinwerte findet man beson­ders ausgeprägt bei bestimmten Formen der famili­ären Hypercholesterinämie. Genetisch bedingt werden bei dieser Fettstoffwechselstörung an der Oberfläche der Leberzellen weniger LDL­-Rezepto­ren (Andockstellen von LDL-­Cholesterin) gebildet. Oder deren Fähigkeit, LDL­-Cholesterin aufzuneh­men, ist eingeschränkt. Bei den meisten Fettstoff­wechselstörungen spielen genetische Faktoren zwar eine Rolle. Doch kommen sie häufig erst bei einer ungesunden Lebensweise – wie ungesunde Ernährung, Übergewicht oder Bewegungsmangel – zum Vorschein.

Erhöhte LDL-­Cholesterinwerte können böse Folgen ha­ben: unter anderem eine Arteriosklerose, einen Herzinfarkt oder einen Schlaganfall.

Welche LDL-Werte sind wann anzustreben?

Wie hoch das LDL-­Cholesterin idealerweise sein darf, hängt vom sogenannten Herzkreislauf­-Gesamtrisiko ab. Grundsätzlich gilt: Je mehr Risikofaktoren für die Entstehung von Herz-­ und Kreislaufkrankheiten vorhanden sind und je bedeutender diese Risikofaktoren sind, desto niedriger sollte das LDL-­Cholesterin sein. Zu diesen Risikofaktoren gehören Bluthochdruck, Rauchen oder fa­miliär gehäuft vorkommende Herzinfarkte. Der Arzt ori­entiert sich bei seiner Therapieempfehlung am Gesamt­risiko des Patienten.

LDL-Zielwerte nach Herzkreislauf-Gesamtrisiko

Niedriges Risiko: Liegt gar keiner oder höchstens ein Ri­sikofaktor vor, sollte das LDL­Cholesterin bei maximal 160 mg/dl (4,1 mmol/l) liegen oder darunter.

Moderates Risiko: Bei Vorliegen von zwei oder mehr Ri­sikofaktoren sollte der Wert unter 130 mg/dl (3,4 mmol/l) liegen.

Hohes Risiko: Für Menschen mit hohem Risiko, zum Be­ispiel nach einem Herzinfarkt oder bei Diabetes mellitus, sollte der LDL­-Wert unter 100 mg/dl (2,5 mmol/l) betra­gen.

Sehr hohes Risiko: Liegt eine gemischte Fettstoffwech­selstörung, ein Diabetes mellitus und eine Gefäßerkran­kung (zum Beispiel ein Herzinfarkt) vor oder ist ein aku­tes Koronarsyndrom vorausgegangen, wird ein LDL­-Wert unter 70 mg/dl (1,8 mmol/l) angestrebt.


Wichtig: Die Referenzwerte sowie die ermittelten Werte können sich von Labor zu Labor stark unterscheiden. Weiterhin gibt es unter Umständen starke tageszeitliche und (saisonale) jahreszeitliche Schwankungen ohne Krankheitswert. Bevor Sie sich durch abweichende Ergebnisse verunsichern lassen, bitten Sie daher Ihren Arzt, Ihnen Ihre persönlichen Daten zu erklären. Einzelne Laborwerte alleine sind zudem meistens nicht aussagekräftig. Oft müssen sie im Zusammenhang mit anderen Werten und im zeitlichen Verlauf beurteilt werden.

Fachlich geprüft von Prof. Dr. med. Peter B. Luppa, Institut für Klinische Chemie und Pathobiochemie, Klinikum rechts der Isar der Technischen Universität München



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