Cortisol: Das Stresshormon

Cortisol ist ein körpereigenes Hormon, das an vielen Stoffwechselvorgängen beteiligt ist und bei Stress vermehrt freigesetzt wird

von Dr. med. Dunja Voos, aktualisiert am 23.05.2014

Psychischer und physischer Stress führen zu einer erhöhten Freisetzung von Cortisol aus der Nebenniere ins Blut

W&B/Fotolia

Kurz gesagt:

Cortisol ist ein lebenswichtiges Hormon. Die Werte im Blut folgen einem natürlichen Tagesrhythmus und liegen daher zu unterschiedlichen Zeitpunkten tagsüber und nachts in wechselnden Konzentrationen vor. Verschiedene Krankheiten sowie die Einnahme von Kortisonpräparaten beeinflussen den Cortisolspiegel im Blut.


Was ist Cortisol?

Cortisol, auch Hydrocortison genannt, ist ein körpereigenes Hormon, das in der Nebennierenrinde gebildet wird. Es zählt zu den Glucokortikoiden. Der Arzt kann die Cortisolkonzentration im Blutserum, im Urin oder auch im Speichel messen. Cortisol ist zu verschiedenen Tageszeiten in unterschiedlichen Mengen im Blut vorhanden, wobei die Konzentration zwischen sechs und acht Uhr morgens am höchsten ist, während sie gegen Mitternacht ihren Tiefpunkt erreicht. Cortisol hat unter anderem Einfluss auf den Blutzucker, den Fettstoffwechsel, verzögert die Wasserausscheidung und wirkt entzündungshemmend.

Welcher Wert ist normal?

Die Cortisolwerte schwanken im Laufe des Tages. Im Blutserum beträgt die Konzentration zwischen sieben und neun Uhr morgens 45 bis 225 µg/l, wohingegen sie zwischen 15 und 17 Uhr nur bei 30 bis 165 µg/l liegt. Die Konzentration im Speichel liegt um acht Uhr morgens bei 0,15 bis 1,00 µg/dl und um 22 Uhr bei 0,07 bis 0,22 µg/dl.

Wird Urin über 24 Stunden gesammelt, so beträgt die normale Cortisolkonzentration darin 21 bis 150 µg/l.


Oben auf der Niere sitzt die Nebenniere. Hier entsteht unter anderem das Cortisol

W&B/Szczesny

Wann ist der Wert zu hoch?

Bei Stress, Unterzuckerung oder in der Schwangerschaft sind die Cortisolwerte erhöht.

Eine Überfunktion der Nebennierenrinde, die zum Beispiel bei einem Tumor der Nebennierenrinde auftreten kann, führt ebenfalls zu hohen Cortisolkonzentrationen. Weitere Ursachen erhöhter Werte können bestimmte Lungentumore, Alkoholismus, Depressionen oder starkes Übergewicht sein.

Die Cortisolausschüttung der Nebennierenrinde wird durch das Hormon ACTH (adrenocorticotropes Hormon) aus der Hirnanhangsdrüse (Hypophyse) angeregt. Ein Tumor der Hypophyse kann dazu führen, dass zu viel ACTH entsteht, was wiederum erhöhte Cortisolwerte nach sich zieht.

Bei erhöhten Cortisolspiegeln kommt es zum Cushing-Syndrom.

Wann ist der Wert zu niedrig?

Der Cortisolwert kann zu niedrig sein, wenn die Nebennierenrinde nicht richtig funktioniert (Nebenniereninsuffizienz = Addison-Krankheit) oder wenn der Hypophysenvorderlappen zu wenig ACTH produziert.

Ein Adrenogenitales Syndrom (AGS, vermehrte Bildung von Androgenen in der Nebennierenrinde) oder eine innerliche Behandlung mit dem Medikament Dexamethason (ein Kortikosteroid) können ebenfalls die Ursache niedriger Werte sein.

Verschiedene Formen von Kortison werden auch als Medikamente eingesetzt, beispielsweise zur Therapie von Allergien, rheumatischen Erkrankungen oder Asthma.


Wichtig: Die Referenzwerte sowie die ermittelten Werte können sich von Labor zu Labor stark unterscheiden. Weiterhin gibt es unter Umständen starke tageszeitliche und (saisonale) jahreszeitliche Schwankungen ohne Krankheitswert. Bevor Sie sich durch abweichende Ergebnisse verunsichern lassen, bitten Sie daher Ihren Arzt, Ihnen Ihre persönlichen Daten zu erklären. Einzelne Laborwerte alleine sind zudem meistens nicht aussagekräftig. Oft müssen sie im Zusammenhang mit anderen Werten und im zeitlichen Verlauf beurteilt werden.

Fachlich geprüft von Prof. Dr. med. Peter B. Luppa, Institut für Klinische Chemie und Pathobiochemie, Klinikum rechts der Isar der Technischen Universität München



Bildnachweis: W&B/Szczesny, W&B/Fotolia
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