Husten

Husten kann harmlos, ernst, akut oder chronisch sein. Bessert er sich nach ein, zwei Wochen nicht oder bestehen noch andere Beschwerden wie hohes Fieber, ist der Arzt gefragt

von Dr. med. Claudia Osthoff, aktualisiert am 17.10.2016

Husten, Schnupfen, Heiserkeit: Dreimal im Jahr ist noch im Rahmen

iStock / IvanJekic

nach obenHusten: Akut oder chronisch, trocken oder verschleimt?

Husten wirft drei Fragen auf:

1. Warum? Bekanntlich sind heftige Hustenattacken im Alltag die Standardantwort des Körpers, wenn man sich verschluckt oder eine kleine Gräte quer im Hals steckt (Tipp: mit weichem Brot und Wasser runterschlucken). Auch als Reaktion auf zu trockene Raumluft oder langes Sprechen, das Hals und Stimme strapaziert, husten viele gerne. Und da wir schon beim Thema sind: Wer kennt es nicht, das leichte nervöse Hüsteln, die belegte Stimme und das wiederholte Sich-Räuspern beim ersten öffentlichen Auftritt überhaupt!
Die Liste der krankhaften Hustenvarianten aber, die führt mit weitem Abstand nur einer an, nämlich der Erkältungshusten.

 2. Wie? Trocken oder verschleimt? Husten ohne Auswurf von Schleim heißt im Fachjargon unproduktiver Husten. Etwa der staubtrockene Husten bei Asthma oder ein lästiger Reizhusten, der Betroffene manchmal noch Wochen nach einer Erkältung plagt. Geht er in die Schleimphase über, sollte das Abhusten immerhin der Atemwegsreinigung dienen. Je nach Zähigkeit des Sekrets gelingt das mehr oder weniger gut.

3. Wann und wie lange schon? Morgendlicher Husten passt zu einem Raucherhusten, wiederholtes Husten nachts oder bei körperlicher Anstrengung zu Asthma oder einem Herzproblem. Und: Husten bis zu drei Wochen gilt als akut, bis zu acht Wochen als subakut. Wer sich mehr als acht Wochen mit Husten herumschlägt, hat ein chronisches Gesundheitsproblem.


Vorneweg: Tipps gegen Erkältungshusten

Gegen trockenen Reizhusten kann ein hustendämpfendes Mittel mit Wirkstoffen wie zum Dextrometorphan, Pentoxyverin oder (Levo-)Dropropizin helfen.
! Achtung: Die Wirkstoffe können Magen und Darm belasten, müde machen und die Reaktionsfähigkeit beeinträchtigen. Daher einen Hustenblocker am besten abends einnehmen. Halten Sie sich an die empfohlene Dosierung. Bei Kindern bestimmte Altersgrenzen beachten. Lassen Sie sich in der Apotheke und beim (Kinder-)Arzt beraten (mehr im Abschnitt: "Husten, Auswurf: Therapie" weiter unten)

Lutschpastillen mit Isländisch Moos, Eibisch oder Spitzwegerich schirmen für kurze Zeit die Hustenfühler im Rachen ab. Dies unterstützt auch der häufig enthaltene Zucker oder Zuckeraustauschsstoff Xylit, tatsächlich Bestandteile vieler Hustenmittel.

Kommt Schleim zum Vorschein, gilt im Allgemeinen: Schluss mit Hustenblockern. Jetzt sind Hustenlöser sinnvoller, da sie die Reinigung der Atemwege unterstützen können: pflanzliche Mittel mit Extrakten etwa aus Thymian oder mit Eukalyptusöl, chemische Wirkstoffe, etwa Ambroxol oder N-Acetylcystein. Nehmen Sie ein hustenlösendes Medikament – welches, ist eine Frage des Probierens – tagsüber in der empfohlenen Dosis ein, und trinken Sie ausreichend Flüssigkeit dazu. Bei Herz-, Magen- oder Nierenproblemen wird der Arzt Ihnen sagen, wie viel Sie pro Tag trinken dürfen. Mögliche Alternative: Dampfinhalationen, Anleitung hier.


Was ist Husten eigentlich?

Husten ist ein natürlicher Reflex, um Keime, Schad- und Fremdstoffe in den Atemwegen rasch loszuwerden. Wenn die Hustenfühler (Rezeptoren) reagieren, löst das Gehirn den Hustenreflex aus. Den "explosiven" Hustenstoß bewirken die Atemmuskeln, nicht zuletzt das Zwerchfell, und ein druckabhängiger Öffnungsmechanismus am Kehlkopf. Husten lässt sich leichter bewusst auslösen als unterdrücken. Letzteres geht zwar auch, bekanntlich aber nur begrenzt (siehe unten, Abschnitt: "Psychisch bedingter Husten").

Bei der Reinigung der Bronchien teilt sich der Husten die Arbeit mit den ortsansässigen Flimmerhärchen. Diese wedeln das Sekret in Richtung Kehlkopf: Noch ein paar Hustenstöße, und die Atemwege sind wieder freier.

Optimal, wenn der Schleim gut auf die Flimmerhärchen eingestellt ist: weder zu zäh- noch zu dünnflüssig, möglichst auch nicht "randvoll" vorhanden. Bei Rauchern sind die Flimmerhärchen geschädigt, die schleimbilden Drüsen dagegen vermehrt. Das bedeutet Verschleimung, die Bronchialreinigung funktioniert hauptsächlich via Husten. Auf Dauer tut das natürlich nicht so gut.

Die Kehrseite der Reinigungsprozedur: Husten ist körperliche Schwerarbeit, geschwächte Menschen sind schnell erschöpft. Krampfartiges Husten führt bei empfindlichen Naturen oder den Kleinsten mitunter zu Brechreiz, im Extremfall gar zu Bewusstlosigkeit (Fachbegriff: Husten-Synkope) oder Atemstillstand. Ist die Bauchdecke schlaff, kann der Druck beim Husten einen "Bauchbruch" nach sich ziehen: Bauchfell oder Teile der Bauchorgane können in den vorgewölbten Bruchsack gelangen, was je nach Umstand eine Notlage darstellt. Mitunter kommt es beim heftigen Husten auch zu Nasenbluten, oder vorne im Auge platzt ein Äderchen.


Husten: Eines der häufigsten Symptome

Es gibt kaum eine Atemwegserkrankung, bei der Husten fehlt. Entsprechend reichen die Ursachen von Infekten wie Erkältung & Co. einschließlich Lungenentzündungen bis zu chronischen Erkrankungen wie Lungenfibrosen, Sarkoidose oder Lungenkrebs.

Auch Kinder husten viel. Sie sind einfach oft erkältet, im Durchschnitt bis zu achtmal pro Jahr. Zudem gibt es noch die sogenannten Kinderkrankheiten, etwa Pseudokrupp. Diese Kehlkopfentzündung ist nicht mit der ebenfalls gefährlichen Kehldeckelentzündung zu verwechseln. Oder Scharlach, Masern und Keuchhusten.

Infektionsschutz durch Impfen

Gegen Masern und Keuchhusten zum Beispiel beugt eine Impfung vor. Keuchhusten ist eine der bedrohlichsten Krankheiten bei Kindern: Plötzliche Atemstillstände bei Säuglingen gehören zu den Ursachen des plötzlichen Kindstodes, nächtliche Hustensalven mit bedrohlicher Atemnot gefährden an Keuchhusten erkrankte Kleinkinder. Säuglinge so früh wie möglich impfen! Dasselbe gilt für den wichtigsten Auslöser der Kehldeckelentzündung, den Keim Hämophilus influenzae, der auch tödliche Hirnhautentzündungen verursachen kann.

Pneumokokken sind besonders häufig für eine Lungenentzündung verantwortlich – sollten sie nicht gerade mal hinter einer aufkeimenden Mittelohrentzündung stecken. Heimtückische Hirnhautentzündungen gehören ebenfalls zu ihrem Repertoire. Eine Pneumokokkenimpfung kann gegen die ernsten Infektionen schützen. Sie wird für alle Kinder bis zwei Jahren und für Erwachsene über 60 Jahren empfohlen, außerdem für Menschen mit erhöhtem Infektionsrisiko. Nicht zu vergessen: die Grippeimpfung. Sie richtet sich in erster Linie an die Altersgruppen über 60 Jahren, chronisch Kranke ab dem Kindesalter, in Pflegeheimen untergebrachte Menschen und medizinisches Personal.

Husten ohne Infekt – auch das gibt es

Manchmal hat Husten eine ungewöhnliche Herkunft. Zum Beispiel eine Lungenembolie, also ein Gefäßverschluss in der Lunge, oder Herzschwäche (siehe unten). Ein weiterer, keineswegs seltener Husten-Auslöser außerhalb der Atemwege ist die Rückflusskrankheit der Speiseröhre. Dabei fließt saurer Mageninhalt in die Speiseröhre zurück, sodass diese sich entzündet. Dabei auftretende Reize können von Nerven aufgefangen werden, die auch das Hustenzentrum aktivieren. Zudem kann es bei ausgeprägter Rückflusskrankheit zu einer Kehlkopfentzündung oder Bronchitis kommen (Refluxbronchitis).

Nicht zuletzt ist Husten eine mögliche Nebenwirkung mancher Medikamente. Im Husten-Check (akut, chronisch) weiter unten in diesem Beitrag lesen Sie mehr dazu.


nach obenHusten, Auswurf: Wann zum Arzt?

Die nachfolgende Liste gibt Hinweise, erhebt aber keinen Anspruch auf Vollständigkeit:

Hartnäckiger Husten, der sich nach einer bis höchstens zwei Wochen Selbstbehandlung nicht bessert
Husten, der vorwiegend nachts auftritt
Starke Hustenanfälle, auffällige Atemgeräusche wie Keuchen oder Pfeifen beim Ein- oder Ausatmen
Husten mit auffälligem Auswurf (Farbe, Menge, Beschaffenheit)
Husten mit Begleitsymptomen (mehr siehe unten: Abschnitt "Husten: Diagnose") wie
 - Anhaltendes oder hohes Fieber
 - Schmerzen beim Atmen
 - Druck- und Wärmegefühl im Brustbereich
 - Brustschmerzen
 - Luftnot in Ruhe oder bei Belastung
 - Schmerzen, eventuell dazu Schwellung und Rötung im Bein (Vorboten einer möglichen Lungenembolie)
 - Muskel- Gliederschmerzen
 - Ungewollter Gewichtsverlust
 - Nachtschweiß
 - Krankheitsgefühl
 - Husten bei bekannter Immunschwäche
! Achtung: Husten und deutlich blutiger Auswurf (siehe auch weiter unten: "Diagnose...") beziehungsweise Bluthusten ist ein Notfall, genauso wie Bluterbrechen. Nicht immer ist das alles auf Anhieb voneinander zu unterscheiden. Verlieren Sie darüber keine Zeit, sondern rufen Sie den Notarzt (Notruf  112).
Gehen Sie auch zum Arzt, wenn Sie schwanger sind und Husten haben.
Hustet Ihr Kind vermehrt, empfiehlt sich ein Besuch mit ihm beim Kinderarzt.


nach obenHusten & Auswurf: Diagnose

Für die Diagnose wertet der Arzt zunächst das Gespräch mit dem Patienten (Anamnese) aus. Stichworte hier: Nichtraucher ja oder nein? Wann tritt der Husten auf? Kommt es zu Auswurf, und wie sieht er aus? Weitere Fragen des Arztes gelten Begleitsymptomen, berufsbezogenen Aspekten, Besonderheiten im Umfeld (Infektionsherd, Tierkontakte). Es folgt die körperliche Untersuchung. Je nach Ergebnis schließen sich technische Diagnoseverfahren an.

Auswurf: Schleimauswurf in geringer Menge ohne weitere Beschwerden ist ein alltägliches Resultat der Bronchialreinigung. Auffällig verfärbter oder vermehrter Auswurf und der Zeitpunkt des Auftretens können dem Arzt erste Hinweise auf die Ursache geben. Für die Diagnose genügt das aber noch nicht.

– Wenig Schleim, Husten trocken: Asthma, Nebenwirkung von Medikamenten, manchmal bei Lungengewebserkrankungen wie Lungenfibrosen.

– Weißlich oder glasig-schleimig (Abhusten vor allem morgens): Kann für chronische Bronchitis, Bronchialasthma oder eine Mukoviszidose sprechen.

– Flüssig bis schaumig-weiß: Unter anderem bei Überwässerung der Lungen (Lungenödem).

– Weiß-graue Farbe, krümelig: Tritt zum Beispiel bei Pilzerkrankung oder Tuberkulose auf.

– Gelbe oder grüne Farbe: Möglicher, aber unsicherer Hinweis auf eine bakterielle Infektion; bei auffallend viel und eitrigem Auswurf ist diese wahrscheinlich (bis hin zu einem möglichen Abszess).

– Mit Blutbeimengung: Hellrot, rosafarben, rotbraun, dazu eventuell schaumig: Spuren von Blut im Auswurf nennen Mediziner Hämoptyse, Abhusten größerer Blutmengen Hämoptoe (im englischen Sprachgebrauch gibt es nur "hemoptysis"). Zu den Ursachen gehören  Herzkrankheiten und Lungenerkrankungen, ebenso Verletzungen oder Fremdkörper. So kommt zum Beispiel rotbrauner Auswurf bei Lungenentzündungen, aber mitunter auch bei Lungenkrebs vor.

! Wichtig: Blutspuren können auch schlicht aus der Mundhöhle, dem Nasen-Rachen-Raum oder der Speiseröhre stammen: muss der Arzt abklären!) Bei geringfügiger Blutbeimengung und gutem Zustand geht das ambulant, bei stärkerem oder gar bedrohlichem Ausmaß Notarzt rufen (siehe oben: "Wann zum Arzt?").

– Auswurf in größeren Mengen, aus Schichten mit Schaum, Schleim und Eiter bestehend: Kann auf sogenannte Bronchiektasen hinweisen (siehe unten, Abschnitt "Husten-Check: Chronischer Husten").

– Dunkle Verfärbung: Bei starken Rauchern (abhusten besonders morgens) oder Grubenarbeitern möglich (Kohleabbau).

Begleitsymptome: Hat der Patient Erkältungsbeschwerden wie Schnupfen, Halsweh, Heiserkeit, eventuell auch Schluckbeschwerden? Leidet er an Augenjucken, Niesattacken, Fließschnupfen, behinderter Nasenatmung? Dies kann auf eine Atemwegsallergie, etwa Heuschnupfen, die sich zu Asthma ausgeweitet hat, hindeuten. Auch nach Schmerzen im Bereich der Stirn, des Oberkiefers oder Brustraums wird der Arzt fragen. Mehr oben im Abschnitt: "Wann zum Arzt?".

Aktuelle und frühere Erkrankungen des Patienten, Krankheiten in der Familie: Ebenfalls wichtig beim Arztgespräch.

Berufsasthma: Klare Indizien können auch berufliche Besonderheiten mit Auswirkungen auf die Atemwege sein, zum Beispiel regelmäßiger Kontakt mit bestimmten Stoffen wie Chemikalien, Metallen, Mehl.

Körperliche Untersuchung: Sie folgt einem bestimmten Schema, fokussiert dabei aber klar auf die Lungen, die der Arzt zunächst von außen manuell "abklopft" und mit dem Stethoskop abhört.

Laborwerte: Für die Diagnose und Therapie ist es häufig notwendig zu unterscheiden, ob eine bakterielle oder eine Virusinfektion vorliegt. Bei Bedarf kann hier zum Beispiel  ein Procalcitonin (PCT)-Test weiterhelfen. Weitere Blutuntersuchungen richten sich nach der Verdachtsdiagnose: unter anderem Erregernachweise und Antikörpertests, sei es gegen einen mutmaßlichen Erreger oder Allergieauslöser (Allergen).

Technische Diagnoseverfahren: Bei Verdacht auf eine spezielle Krankheitsursache helfen meist technische Untersuchungen weiter. Das können Röntgenaufnahmen sein, ein Elektrokardiogramm, Bluttests. Auch Analysen des Auswurfs auf Keime und krankhafte Zellen oder Allergie- und Lungenfunktionstests können Aufschluss geben. Bei Bedarf wird der Lungenfacharzt ein Verfahren veranlassen, das die Atemwege genauer abbildet, wie eine (hochauflösende) Computertomografie (CT), gegebenenfalls auch eine sogenannte PET-Untersuchung. Oder ein endoskopisches Verfahren: Spiegelung der Bronchien (Bronchoskopie) oder endobronchialer Ultraschall. So lassen sich auch Sekrete und Gewebeproben (Biopsien) aus noch so verwinkelten Atemwegen entnehmen.

Welcher Arzt ist zuständig? Erste Anlaufstelle ist im Allgemeinen der Hausarzt. Er wird prüfen, ob eine Beratung bei einem anderen Arzt gefragt ist, etwa einem Facharzt für Lungenheilkunde (Pneumologe) oder einem Hals-Nasen-Ohren (HNO)-Arzt. Beide Arztgruppen behandeln häufig auch allergische Atemwegserkrankungen. Manchmal kommt ein Spezialist für Rheumaerkrankungen in Betracht.


nach obenHusten-Check: Akuter Husten

  • Akuter Husten, eventuell mit leichtem Fieber: Das kommt klassischerweise bei einer Erkältung vor. Erkältungsviren bevorzugen den Nasen-Rachen-Raum.
    Weitere Symptome sind bekanntlich Halsschmerzen, Schnupfen, Niesen, behinderte Nasenatmung. Der anfänglich noch trockene Husten fördert nach und nach einen zähflüssigen, weißlichen, kurzfristig vielleicht gelblichen Schleim zutage. Hohes Fieber ist untypisch, allenfalls leicht erhöhte Temperatur (unter 38,5 °C). Das Ganze verläuft meist glimpflich. Nach Abklingen der akuten Symptome besteht jedoch oft noch tagelang ein Reizhusten. Nimmt die Erkältung einen schwereren Lauf, kann dies eine akute Bronchitis oder Lungenentzündung bedeuten.

    Entzündet sich im Weiteren der Kehlkopf (Laryngitis), dann leidet vor allem die Stimme: Das bedeutet Heiserkeit, ständiges Räuspern, manchmal vorübergehende Stimmlosigkeit.

    Sind die Nasennebenhöhlen (Fachbegriff: Rhinosinusitis) mitbetroffen, kommt es häufig zum Sekretfluss in den Rachen. Kopfschmerzen oder Schmerzen in Stirn oder Oberkiefer, die sich beim Bücken, Niesen, Husten oder anderen Erschütterungen verstärken, sind weitere charakteristische Beschwerden (siehe auch chronische Nasennebenhöhlenenzündung unten).
    Lesetipps: Ratgeber "Erkältung" und "Nasennebenhöhlenentzündung".
  • Eine akute Erkältungs-Bronchitis ist nicht ungewöhnlich. Mehrheitlich sind dieselben Viren verantwortlich, die sich schon mit der Erkältung hervorgetan haben. Seltener sind andere Erreger schuld, darunter der Keim Hämophilus influenzae (siehe oben, "Vorbeugen durch Impfen"), Mykoplasmen und Chlamydien (können auch sogenannte atypische Lungenentzündungen auslösen), außerdem Krankenhauskeime, Pilze und Schadstoffe wie Reizgase. Bei Patienten mit chronischer Bronchitis als Grunderkrankung sind bei akut aufflammender Bronchitis häufig Pneumokokken im Spiel, falls der Betroffene nicht dagegen geinpft wurde.
    Die Symptome bestehen in zunächst meist trockenem Husten, Schmerzen in der Brust beim Husten, Fieber, Kopfschmerzen, häufig auch Halsschmerzen und einem geröteten Rachen. Lymphknoten am Hals können zeitweise anschwellen. Im weiteren Verlauf entwickelt sich vielfach ein eher zähes, klares bis weißliches Hustensekret. Mitunter enthält es Blutspuren, die gewöhnlich auf harmlosen Reizungen der Schleimhaut in den Bronchien beruhen. Das sollte der Arzt aber überprüfen. Die Übergänge in eine Lungenentzündung (Bronchopneumonie) sind fließend.
    Weitere Informationen zur akuten Bronchitis hier.
  • Ist es etwa die Grippe? Zu den Kennzeichen gehören plötzliche Gliederschmerzen, rasch ansteigendes Fieber über 38,5°C, Schüttelfrost, Kopf und Muskelschmerzen, manchmal auch Magen-Darmbeschwerden, trockener Husten, Schnupfen, Bindehautentzündung, Lichtscheu, starkes Krankheitsgefühl. Mögliche Komplikationen bei Grippe sind wiederum akute Lungenentzündungen (Pneumonien): nicht nur durch die Viren selbst, sondern häufig durch Bakterien, die auf die Viren folgen. Ein Hinweis kann sein, dass das Fieber erneut ansteigt.
    Mehr Grippeinfos auf unserer Homepage.
  • Lungenentzündung (Bronchopneumonie, Lobärpneumonie): Haupterreger der normalen Lungenentzündung, worunter man "außerhalb eines Krankenhauses" erworbene, typische Krankheitsbilder wie Bronchopneumonie (kann mehrere Lungenbereiche betreffen) oder Lobärpneumonie (es erkrankt ein Lungenbereich) versteht, sind Pneumokokken (siehe oben). Es gibt aber noch viele andere Ursachen. Dabei spielen das Umfeld des Betroffenen, die Umstände (Reise, Flucht), die Immunlage und die Infektionskraft (Virulenz) der Erreger eine Rolle.
    Für eine Lungenentzündung sprechen Symptome wie ausgeprägter, plötzlich einsetzender, anfangs meist trockener, gegebenenfalls schmerzhafter Husten mit anhaltend hohem Fieber über 38,5°C und Schüttelfrost oder aber niedriger Körpertemperatur (unter 36,5°C), sodann Atemnot, schneller Puls und schweres Krankheitsgefühl. Oft zeigt sich ein leichter, rötlich bis rotbrauner oder eitriger Auswurf. Das Atmen kann schmerzhaft sein, und der Schmerz kann in den Bauch ausstrahlen. Häufiges Begleitphänomen bei Atemwegsinfekten, insbesondere Lungenentzündungen: aufblühende Lippenbläschen (Lippenherpes).
    Über das Thema einschließlich Diagnose und Therapie sagt Ihnen der Beitrag "Lungenentzündung" mehr.

    - Atypische Lungenentzündung:
    Hier entwickeln sich die Beschwerden eher langsam und halten länger an. Die Krankheit kann akut und chronisch auftreten (siehe auch Abschnitt "Husten-Check: Chronischer Husten": "Interstitielle Pneumonie"). Im Vordergrund stehen meist Glieder- und Kopfschmerzen. Das Fieber ist nicht so hoch, der Husten, falls vorhanden, eher trocken, Schüttelfrost fehlt.
    Beispiele:

    - - Eosinophile Pneumonie: Seltene Erkrankung unklarer Ursache (vollständiger Name: idiopathische akute eosinophile Pneumonie). Bei den akuten Formen spielen wohl starke Überempfindlichkeitsreaktionen auf verschiedene Chemikalien in der Umwelt eine Rolle.
    Problematisch: Die neben trockenem Husten, Fieber, eventuell auch Schmerzen beim Atmen und Muskelschmerzen auftretende, zunehmende Atemnot kann in ein Atemversagen münden, sodass die Betroffenen, meist eher jüngere Patienten, beatmet werden müssen.
    - -  Farmerlunge (exogen- (extrinsische) allergische Alveolitis): Alveolitis bedeutet Entzündung der Lungenbläschen. Die Krankheit kommt bei Beschäftigten in der Landwirtschaft vor. Akut zeigt sich das Krankheitsbild als allergische Reaktion auf Schimmelpilz- oder Tierkotbestandteile in Staub.
    Zu den Symptomen gehören
    Atembeschwerden, Husten, Fieber, Schüttelfrost und Kopfschmerzen. Rechtzeitige Diagnose ist wichtig, um einer chronischen Entzündung vorzubeugen (siehe unten: "Chronischer Husten").
  • Rippenfellentzündung: Mitunter greift eine Lungentzündung auf das Rippenfell über (Pleuritis, Pleuro-Pneumonie).
    Eine Rippenfellentzündung verursacht neben trockenem Reizhusten meist starke, stechende Schmerzen beim Atmen. Bildet sich ein Rippenfellerguss, dominieren Beschwerden wie Atemnot, Druck- und Engegefühl in der Brust.
    Zum Nachlesen: Ratgeber "Rippenfellentzündung".
  • Notfälle: Starker Husten oder Reizhusten mit Atemnot bei Ruhe oder Belastung, flache, beschleunigte Atmung, akuter Brustschmerz, Blaufärbung von Lippen und Haut, kalter Schweiß, Kreislaufschwäche, Schock (Notruf: 112).

    Mögliche Notfall-Ursachen, weitere Symptome:


    - Schwerer Asthmaanfall: Ausatmung kann, muss aber nicht hörbar ziehend, oder pfeifend sein.

    - Fremdkörper in den Atemwegen (Verlegung des Rachens, Kehlkopfes oder der Luftröhre, typische Gefahr im Kleinkindalter): Je nach Lage und Art des Fremdkörpers keuchende oder pfeifende Atmung, eventuell Bluthusten, Würgereiz, Einziehungen am Brustkorb und vorgewölbter Bauch beim Versuch zu atmen.

    - Lungenembolie: Verstopfung einer Lungenader durch ein Blutgerinnsel, das sich meist von einer ein Bein- oder Beckenvenenthrombose abgelöst hat. Auch bei einer Lungenembolie kann es zu einer Lungenentzündung kommen. Sie entsteht im nicht mehr durchbluteten und folglich geschädigten Lungengewebe, in dem sich leicht Keime festsetzen. Neben den zuvor beschriebenen Symptomen kann flüssig-schaumiger Auswurf auftreten.

    - Pneumothorax: Kollaps einer oder beider Lungen bei Eintritt von Luft in den Lungenfellspalt. Weitere Symptome außer den oben genannten: Eventuell knisternde Geräusche unter der Haut durch eingedrungene Luft (Hautemphysem), verdickte Venen am Hals, vermindertes Atmen auf einer Seite des Brustkorbs.

    - Herzinfarkt mit akuter Herzschwäche: In der Folge kann es zu einem Lungenödem kommen, wobei Flüssigkeit aus den kleinsten Gefäßen in die Lungenbläschen übertritt.
    Symptome:
    Häufig hörbar "brodelnde" Atmung, eventuell schaumiger Auswurf. Verengen sich auch die Bronchien, verstärkt das die Atembeschwerden. Haut, Lippen, Nägel und Schleimhäute verfärben sich graublau (Fachbegriff: Zyanose). Die Betroffenen haben starke Angstgefühle, sind sehr unruhig.
    Zum Nachlesen: Ratgeber "Herzinfarkt", "Herzschwäche" und "Lungenödem".

    - Ein Lungenödem kann auch bei anderen Herzerkrankungen auftreten, wenn das Herz zu wenig Blut in den Körperkreislauf pumpt, etwa bei sehr langsamem Herzschlag. Außerdem kann es Folge eines entgleisten Bluthochdrucks, Nierenversagens, allergischen Schocks und von Vergiftungen sein, etwa Brand- oder Reizgasvergiftungen. Hier kommt es zunächst neben Husten und Atemnot meist zu Augenbrennen und -tränen (Bindehautentzündung), auch die Schleimhaut in Nase und Rachen ist gereizt.

    - Höhenlungenödem: In circa über 3.000 Metern Höhe entwickeln Bergsteiger mitunter ein sogenanntes Höhenlungenödem. Die Gefahr dafür steigt und fällt mit der Höhe. Begünstigend sind unzureichende Höhenanpassung oder zu schnelles Aufsteigen.
    Zu den Symptomen gehören Leistungsabfall, starke Müdigkeit, Druck im Brustkorb, Husten, zunächst mit Auswurf eines klaren, später blutigen Sekretes, Atemnot, brodelndes Atmen, blaugraue Lippen und Fingernägel, Verwirrung, Kollaps. 

    ! Erste Hilfe: Sofort langsam absteigen oder den Betroffenen langsam in eine tiefere Lage transportieren; etwa alle hundert Meter können sich die Symptome bessern; wenn möglich, zusätzlich Sauerstoffgabe oder, falls zur Hand, Überdrucksack.

nach obenHusten-Check: Chronischer Husten

Spätestens wenn ein Husten länger als acht Wochen anhält, wird der Arzt die Atemwege, bei Bedarf auch andere Organe, auf eingehendere Untersuchungen drängen.


Obere Atemwege: Sie reichen vom Mund- und Nasen-Rachen-Raum einschließlich Nebenhöhlen bis zum Kehlkopf nebst Stimmbändern. In erster Linie zuständig: Hals-Nasen-Ohren (HNO)-Ärzte.

Untere Atemwege: Luftröhre, Bronchien und Lungen – darum kümmern sich Lungenfachärzte. Im Blick haben sie auch den Bereich zwischen den Lungen, den Mittelfellraum (Mediastinum) und das Brustfell (Fachbegriff Pleura, umgangssprachlich meist Rippenfell genannt). Es kleidet die Brusthöhle aus.

Chronischer Husten: Ursachen in den oberen Atemwegen

  • Nasennebenhöhlen: Wenn sich hier eine Entzündung festsetzt, beruht das meistens auf Belüftungsstörungen. Schuld daran sind häufig anatomische Veränderungen wie Fehlstellungen der Nasenscheidewand oder eine zu große, mittlere Nasenmuschel. Das ist ein Knochenwulst mit Schleimhautüberzug, der in die Nasenhöhle ragt. Ein weiterer Grund sind Nasenpolypen – Vorwölbungen der Schleimhaut der Nasennebenhöhlen (Polyposis nasi), die in die Nase reichen. Bei Kleinkindern behindern neben winzigen Fremdkörpern, die sich in die Nase verirrt haben, häufig verdickte Mandeln die Belüftung der Nebenhöhlen. Zu den selteneren Ursachen bei Erwachsenen gehören Erkrankungen wie Granulomatose mit Polyangiitis (früher: Wegener Granulomatose). Dabei kommt es unter anderem in verschiedenen Bereichen der Atemwege zu entzündlichen Knötchen, die Geschwüre bilden. Die Nase kann sich verformen.
    Zu den Symptomen der chronischen Nebenhöhlenentzündung gehören eine behinderte Nasenatmung, ein Druckgefühl oder Schmerzen im betroffenen Bereich, zum Beispiel über der Kieferhöhle, und ein schleimig-eitriger Sekretfluss in den Rachen. Das ständig fließende Sekret (engl. postnasal drip) löst offenbar einen permanenten Reizzustand mit Kloßgefühl im Hals, Hustenreiz, Heiserkeit und Räusperzwang aus. Teilweise ist auch der Geruchs- und Geschmackssinn beeinträchtigt. Mit diesen auch Postnasal-drip-Syndrom genannten Beschwerden haben vor allem Kinder und jüngere Erwachsene zu tun. Den ständigen Hustenreiz führen Ärzte auch auf überempfindliche Hustenreflexe zurück.

    Zwischen Polypen, Allergien und Asthma gibt es enge Zusammenhänge. Lesen Sie mehr darüber im Ratgeber "Nasenpolypen" und im Beitrag "Nasennebenhöhlentzündung".
  • Ohren, Erkrankungen des äußeren Gehörgangs: Gelegentlich können chronische Erkrankungen im Gehörgang Husten auslösen. Als Vermittler wirken letztlich Nervenreize aus dem Ohrnerv, der wiederum Verbindung zum vegetativen Nervensystem hat. Es bahnt den Hustenreflex. Meist machen weitere Beschwerden den HNO-Arzt auf die Hustenquelle aufmerksam, etwa Juckreiz im Ohr, Ausfluss aus dem Ohr oder Hörminderung.
  • Rachen: Hier kommen vor allem chronische Entzündungen (Fachbegriff in der Einzahl: Pharyngitis sicca) als Ursachen von Husten infrage. Ausstülpungen der Rachenwand, sogenannte Divertikel, und Tumoren sind weitere, jedoch seltene Ursachen. Eine Pharyngitis sicca der Rachenschleimhaut kann vorliegen, wenn länger als drei Monate Beschwerden wie Reizhusten, Räusperzwang und Trockenheitsgefühl im Hals vorhanden sind. Da die Nasenatmung behindert ist, atmen viele Betroffene fast nur noch durch den Mund. Das Problem tritt auch bei chronischer Nasennebenhöhlenentzündung (siehe oben) auf.

    - Tumoren im Rachenbereich spielen hinsichtlich Husten eine untergeordnete Rolle. Am häufigsten kommt das sogenannte Hypopharynxkarzinom vor. Dieser bösartige Tumor führt in erster Linie zu Schmerzen beim Schlucken, die auf der betroffenen Seite ins Ohr ausstrahlen. Weitere mögliche Symptome sind Schluckstörungen und Mundgeruch, ab einer bestimmten Größe eventuell auch Hustenreiz und Atemnot.
  • Kehlkopf: Kehlkopfentzündungen sowie Erkrankungen und Funktionsstörungen der Stimmbänder können die Stimme erheblich verändern. Oft kommt es zu Heiserkeit, oder die Stimme klingt gepresst. Manchmal bleibt sie auch ganz weg. Viele Betroffene empfinden ein Kloßgefühl im Hals, manche haben außerdem Reizhusten.

    An Kehlkopfkrebs erkranken Männer deutlich häufiger als Frauen, meist ab dem mittleren Lebensalter. Es ist der häufigste bösartige Tumor im Hals-Nasen-Ohrenbereich. Daher wird der HNO-Arzt bei Heiserkeit, die länger als drei Wochen anhält, immer auch einen Kehlkopfkrebs ausschließen. Weitere Symptome: Druck- und Kloßgefühl oder Schmerzen im Hals, ins Ohr ausstrahlende Schmerzen, später Beschwerden wie Atemnot, Hustenreiz, blutiger Auswurf, Schluckstörungen. Mehr über das Krankheitsbild erfahren Sie im Ratgeber "Kehlkopfkrebs".
  • Ein spezielles Problem der Stimmbänder, das häufig mit chronischem Husten verbunden ist, heißt "Vocal cord dysfunction" (VCD, aus dem Englischen übersetzt: Stimmbandfunktionsstörung). Bei den Betroffenen haben die Stimmbänder die Tendenz, sich anfallsweise krampfhaft beim Atmen zu verschließen. Die Folge sind teilweise beträchtliche Atemnotanfälle. Die Beschwerden ähneln Asthma, sprechen aber nicht auf entsprechende Medikamente an, es sei denn, es liegt gleichzeitig Asthma vor. Die Betroffenen, überwiegend jüngere Frauen, erleben die Störung oft als extrem bedrohlich und reagieren entsprechend panisch. Auslösend sind unter anderem Hustenanfälle als solche, zudem psychische Faktoren (siehe unten, Abschnitt: "Psychisch bedingter Husten").

Chronischer Husten: Ursachen in den unteren Atemwegen

Nach der anatomischen Reihenfolge geht es zunächst um die Bronchien:

  • Instabile Luftröhre / Hauptbronchien (Tracheo- und / oder Bronchomalazie): Dahinter verbirgt sich eine Ausatmungsstörung aufgrund einer Schwäche der Luftröhre und Hauptbronchien. Der Grund: Deren Wand ist zu weich und schlaff. Malazie besagt genau das. In der Folge fallen die "Atemröhren" beim Ausatmen sozusagen in sich zusammen, was die Ausatmung behindert. Ist die Kollapsneigung angeboren, macht sie sich natürlich schon im Kindesalter bemerkbar. Mitunter liegen zugleich Fehlbildungen der Speiseröhre vor. Deutlich instabile Atemwege können sich zum Beispiel auch verschließen, wenn das betroffene Kind hustet, da der Druck von außen auf die Atemwege dann stark zunimmt.
    Häufiger kommt die Störung im Erwachsenenalter zum Tragen, etwa als Folge einer chronischen Bronchitis oder COPD, nach einer langen Phase mit künstlicher Beatmung über einen Tubus oder über eine Atemkanüle bei Luftröhrenschnitt (Tracheostoma), ferner nach Verletzungen der Luftwege. Mitunter sind sehr spezielle Erkrankungen der Luftröhre schuld. Auch Rückfluss von Magensäure kann wohl die Malazie begünstigen (siehe unten, Rückflusskrankheit der Speiseröhre).
    Zu den Symptomen gehören chronischer, teils unstillbarer Husten, mitunter mit der Folge einer kurzen Ohnmacht (Hustensynkope), oder – in ausgeprägten Fällen, vor allem bei Kindern – ein lebensbedrohlicher Atemstillstand. Der Husten kann trocken sein oder mit Auswurf einhergehen, der mitunter auch blutig ist. Außerdem kommt es zu Atemnot mit "ziehenden Pfeifgeräuschen" bei der Ausatmung. Die Betroffenen neigen immer wieder zu Atemwegsinfekten. Aufgrund der Beschwerden kommt es mitunter zur Verwechslung mit Asthma.
  • Chronische (einfache) Bronchitis alias Raucherhusten gilt als häufigste Ursache chronischen Hustens überhaupt. Die Weltgesundheitsorganisation (WHO) definiert ihn so: "An den meisten Tagen des Jahres kommt es zu Husten und Auswurf, mindestens aber drei Monate lang in zwei aufeinander folgenden Jahren. Zugleich müssen andere Erkrankungen, die zu Husten führen, ausgeschlossen sein." Ein Problem ist, dass die Betroffenen sich mit der Zeit an ihren Husten gewöhnen und ihn für normal halten. Daher gehen die wenigsten damit zum Arzt. Unter Umständen wird eine andere, möglicherweise ernsthafte Ursache so übersehen.
  • Sind die kleineren Bronchien chronisch entzündet, kommt es zu einer chronisch-obstruktiven Bronchitis. Aulösend sind eingeatmete Schadstoffe, zu über 90  wiederum Tabakrauch. Die Neigung zu wiederholten Atemwegsinfekten fördern die Krankheitsentwicklung, die dazu führt, dass die Bronchien sich dauerhaft verengen, was den Atemfluss behindert (Obstruktion). Die Erkrankung heißt dann COPD; die Abkürzung steht für die englische Bezeichnung "chronic obstructive pulmonary disease". In der Folge kommt es häufig zur Überblähung der Lungenbläschen (Lungenemphysem). Die gute Nachricht: Rauchstopp kann das Problem mildern beziehungsweise, wenn frühzeitig in die Tat umgesetzt, verhindern, dass es überhaupt so weit kommt. Weitere Schäden lassen sich so ebenfalls eher vermeiden. Schließlich fördert Rauchen auch Krebs.
    Was man unter einer chronischen (obstruktiven) Bronchitis und Folgen wie einem Lungenemphysem genau versteht, lesen Sie im Ratgeber "Chronische Bronchitis /COPD". Auch zu Asthma gibt es auf dieser Homepage einen eigenen Beitrag.
  • Chronischer asthmaähnlicher Husten: Husten und Asthma gehen oft Hand in Hand. Bei Asthma, sei es akut oder chronisch, gehört Husten zu den Leitsymptomen. Umgekehrt kann heftiger Reizhusten in einen akuten Asthmaanfall übergehen.
  • Doch es ist noch komplizierter: Es gibt nämlich auch chronischen Husten ohne weitere Asthmazeichen, allerdings mit einer gewissen Asthmabereitschaft. Das bedeutet: Der Lungenfacharzt stellt ein überempfindliches Bronchialsystem wie bei Asthma fest. Jedoch verengen sich die Bronchien nicht, wenn sie zum Beispiel bei einer Lungenfunktionsprüfung typischen Asthmareizen ausgesetzt sind. Daher wird dieser Husten auch als Asthmaäquivalent (asthmaähnlich) bezeichnet. Dazu passt, dass er gut auf Asthmamedikamente anspricht.
  • RADS und IrIA: "Reactive airways dysfunction syndrome (RADS)" steht für ein asthmaähnliches Krankheitsbild, das sofort oder innerhalb weniger Stunden nach einmaliger Inhalation von Rauch, Gasen, Stäuben und Dämpfen auftritt, die atemwegsreizende Stoffen in hoher Konzentration enthalten. IrIA (Irritant-induced asthma) dagegen ist überwiegend eine Reaktion der Atemwege auf wiederholte Reizexposition. Die Liste der infrage kommenden Substanzen ist jeweils lang. Voraussetzung für die Diagnose ist neben der lungenärztlichen beziehungsweise arbeitsmedizinischen Abklärung unter anderem, dass die Betroffenen vor dem Inhalationszwischenfall keine Atembeschwerden hatten.
    Die Symptome ähneln denen von Asthma: Hustenreiz, bestimmte Geräusche bei der Ausatmung, Ärzte nennen es "Pfeifen und Giemen", Atemnot.
  • Eosinophile Bronchitis: Eosinophile sind bestimmte weiße Blutkörperchen, die sich eigentlich vermehrt bei allergischen Erkrankungen finden. Im vorliegenden Fall fallen sie bei der Untersuchung des Auswurfes als Beimengung auf. Die Betroffenen haben chronischen trockenen Husten, aber die Lungenfunktionsprüfung ist ohne asthmatypischen Befund. Vermutlich besitzen die Patienten aber eine gewisse allergische Veranlagung (Fachbegriff Atopie). Feingeweblich zeigen Gewebeproben, die der Arzt bei einer Spiegelung der Bronchien (Bronchoskopie) entnimmt, Parallelen zu einem allergischen Asthma. Das Krankheitsbild ist aber nicht mit einer sogenannten eosinophilen Granulomatose Churg Strauss, eine der vielen rheumatischen Gefäßentzündungen (mehr dazu unter: "Lungen – im Mittelpunkt vieler Krankheiten" weiter unten), zu verwechseln. Dagegen gibt es Parallelen zur eosinophilen chronischen Pneumonie (siehe ebenfalls weiter unten).
  • Bronchiektasen: Darunter versteht man dauerhaft erweiterte Abschnitte der Bronchien. Die Erweiterungen sind Folge anderer erworbener Lungenkrankheiten, etwa chronischer Lungengewebserkrankungen (siehe unten), Entzündungen, COPD oder anderen Einengungen von Bronchien. Außerdem treten Bronchiektasen bei angeborenen Erkrankungen wie der Mukoviszidose (cystische Fibrose) auf. Husten gehört hier frühzeitig zu den führenden Beschwerden. Patienten mit Bronchiektasen neigen auch zu wiederholten bakteriellen Infektionen der Bronchien oder Lungen: Schleim, der liegen bleibt, zieht Bakterien an, was immer wieder zu erheblichen Entzündungen in den Bronchien und noch mehr Schleim führt.
    Leitsymptome sind Husten und große Mengen Auswurfs (siehe auch Abschnitt "Husten und Auswurf: Diagnose"). Auf Dauer kann sich ein sogenanntes Lungenherz entwickeln (siehe unten, Lungenfibrose).
  • Lungenkrebs beginnt in der Regel in den Bronchien und wird daher auch Bronchialkarzinom genannt. Er führt anfangs kaum zu Beschwerden. Bei einer Diagnose wie Raucherhusten (siehe oben) sollten Betroffene sich nicht in falscher Sicherheit wiegen: Husten und Auswurf, besonders mit Blutbeimengungen, sind immer verdächtig und sollten sorgfältig kontrolliert werden. Im weiteren Verlauf der Lungenkrebserkrankung können unter anderem Heiserkeit, Schluckbeschwerden, Brustschmerzen, Atemnot, Abgeschlagenheit und Gewichtsverlust auftreten.
  • In den Bronchien kommen auch noch andere Tumoren vor, sie sind aber selten. Leitsymptom ist meistens Husten.
    Eingehend informiert Sie der Beitrag "Lungenkrebs" (Bronchialkarzinom)" über die Erkrankung.

Die Lunge: Im Mittelpunkt vieler Krankheiten mit Husten

Dass sich hinter chronischem Husten, häufig gepaart mit Atemnot (unter Belastung / in Ruhe), auch eine Lungenerkrankung verbergen kann, ist einleuchtend.

  • Dazu gehören zum Beispiel parenchymale (interstitielle) Lungengewebserkrankungen. Parenchym steht für das organeigene Gewebe, im Unterschied etwa zu Bindegewebe, das in vielen Organen vorkommt. Dabei entstehen durch verschiedenartige Entzündungsursachen  Schädigungen im schmalen Saum zwischen Lungenbläschen und Lungengefäßen (= interstitiell). Teilweise bilden sich flächige Narben, etwa bei chronischen Lungenfibrosen. Lungenfibrosen können auch durch Strahlenbehandlungen, einige Medikamente und Rauchen verursacht werden. Insgesamt reihen sich bei den parenchymatösen Lungenerkrankungen mehr als 300 verschiedene, teilweise seltene Krankheiten ein. Die Ursachen sind nur teilweise bekannt, etwa bei der Staublunge oder Vorliegen bestimmter Grunderkrankungen wie rheumatische Krankheitsbilder. Diese betreffen häufig außer den Lungen auch noch andere Organe.
  • Rheumatische Gefäßentzündungen (Vaskulitis, Mehrzahl: Vaskulitiden) wie die Granulomatose mit Polyangiitis (älterer Name: Wegener-Granulomatose): Im ausgeprägten Erkrankungsstadium mit Befall vieler Organe treten unter anderem Bluthusten, Fieber, Gelenk- und Muskelschmerzen, schwere Nierenentzündung und neurologische Symptome auf.
  • Rheumatische Bindegewebserkrankungen wie der systemische Lupus erythematodes (SLE): Hier kann es unter anderem zu einer speziellen Form der Lungenentzündung mit Fieber, (blutigem) Husten und Atemnot kommen (Lupuspneumonitis).
  • Granulomatöse Erkrankungen ergänzen das Spektrum, zum Beispiel die Sarkoidose. Symptome sind bei akuten Formen der Sarkoidose unter anderem Fieber, Husten und Gelenkschmerzen, häufig der Sprunggelenke, bei chronischen Formen Reizhusten und Atemnot bei Belastung. Mehr im Ratgeber "Sarkoidose".
  • Staublunge (Gruppe der Pneumokoniosen): Die inzwischen rückläufigen Krankheiten können sich bei anhaltender Belastung durch Einatmen bestimmter Stäube entwickeln, etwa siliziumhaltiger Emissionen (Silikose; anerkannte Berufskrankheit).
  • Allergische Alveolitis: Organische Stäube, die zum Beispiel Bestandteile von Vogelkot oder Pilzen enthalten, lösen mitunter eine allergische Gewebereaktion in den Lungen aus. Sie beginnt meist akut, zum Beispiel als sogenannte extrinsische allergische Alveolitis (siehe oben, Abschnitt Husten-Check akut). Unbehandelt beziehungsweise ohne vorbeugende Maßnahmen kann das Krankheitsbild in ein chronisches Stadium mit Fibrose übergehen.
  • Eosinophile Pneumonie (chronisch): Das ist ein komplexes Krankheitsbild unbekannter Ursache. Auslöser wie beispielsweise eine Wurmerkrankung, eine rheumatische Gefäßentzündung oder eine allergische Aspergillose wird der Arzt durch Bluttests ausschließen. Im Lungengewebe und im Blut der Patienten sammeln sich eosinophile Zellen an – bestimmte weiße Blutkörperchen, die auch bei allergischen Reaktionen auftreten. Beschwerden entwickeln sich allmählich: Husten, Fieber, Atemnot, Asthmaneigung, Gewichtsverlust, Nachtschweiß. Die Diagnose ergibt sich aus Blut- und Bronchialsekretproben via Bronchoskopie sowie Röntgen- und CT-Befunden. Teilweise kann eine Behandlung mit Kortison das Krankheitsbild günstig beeinflussen, sofern  eine Infektion wie zum Beispiel eine Wurmerkrankung ausgeschlossen wurde.
  • Bleibt die Ursache einer parenchymatösen Lungenerkrankung unklar, kann zum Beispiel eine idiopathische interstitielle Pneumonie beziehungsweise ganz allgemein eine atypische Lungenentzündung (siehe oben) vorliegen.
    Symptome bei parenchymatösen Lungenerkrankungen: Meist entwickelt sich ein trockener Reizhusten, je nach Krankheitsbild tritt eventuell zeitweise leichtes Fieber auf. Später kommen Kurzatmigkeit und Atemnot dazu, zunächst bei Belastung. Lippen, Hände und Füße können sich bläulich-violett verfärben, was auf einen Sauerstoffmangel im Blut hinweist.
  • Lungenherz bei chronischen Atemwegserkrankungen: Hier treten zu Beschwerden wie Husten und Atemnot verschiedene Veränderungen dazu. Es entsteht eine Herzschwäche, die zunächst die rechte Herzseite betrifft. Diese ist den Veränderungen in der Lunge am meisten ausgesetzt. Später kann die Schwäche das gesamte Herz erfassen und in ein Herzversagen münden.
  • Bei chronischen Erkrankungen der linken Herzhälfte ist Husten ebenfalls nicht ungewöhnlich, oft bei körperlicher Anstrengung oder im Liegen. Ursache ist meist eine chronische Linksherzschwäche (Linksherzinsuffizienz).
  • Nicht zuletzt husten Patienten mit Schluckstörungen viel, weil bei ihnen wiederholt Nahrung in die Luftwege gelangt (Aspiration). In der Folge kann es zu einer Entzündung und Schädigung eines Bronchus (siehe oben: Bronchiektasen) oder zu einer Lungenentzündung kommen. Der Arzt spricht dann von einer Aspirationspneumonie. Mehr über die Hintergründe im Ratgeber "Schluckstörungen".
  • Ein Beispiel für Infektionskrankheiten der Lungen, die (unbehandelt, unzureichend therapiert oder aufgrund resistenter Erreger) mit Beschwerden wie chronischem Husten einhergehen, ist die Tuberkulose. War sie seit Längerem in Deutschland deutlich zurückgegangen, wurde zuletzt wieder ein Anstieg gemeldet. Als Reise- oder Migrationskrankheit sowie bei Immunschwäche spielt sie durchaus eine gewisse Rolle, wobei die Fallzahlen bei uns insgesamt nach wie vor niedriog sind.
    Einen umfassenden Überblick dazu gibt Ihnen der Ratgeber "Tuberkulose".
  • Chronischer Husten unbekannter Ursache (nach abgeschlossener Diagnostik): Diese Diagnose stellen Ärzte nur dann, wenn sie alle denkbaren Krankheitsursachen ausgeschlossen haben. Angenommen wird, dass manche Betroffenen eine niedrigere Hustenschwelle haben.

Medikamente als Ursachen von Husten

Einige Medikamente, darunter sogenannte ACE-Hemmer und Betablocker, die bei Herz-Kreislauf-Krankheiten eingesetzt werden, ferner entzündungshemmende Arzneistoffe (sogenannte nicht steroidale Antirheumatika) oder Präparate zum Inhalieren gegen Asthma, etwa kortisonhaltige Sprays, können als Nebenwirkung Husten auslösen. Die Liste der infrage kommenden Arzneimittel ist aber noch länger. Bei Verdacht auf einen Arzneistoff als mögliche Husten-Ursache empfiehlt es sich, den Arzt oder Apotheker um Rat zu fragen. Der Arzt wird entscheiden, ob das verdächtigte Medikament zumindest testweise abgesetzt werden kann.

Husten: Kann auf eine Rückflusskrankheit der Speiseröhre hinweisen

Am Übergang vom Magen in die Speiseröhre liegt eine ungewöhnlich anmutende Ursache von chronischem Husten, nämlich die Rückflusskrankheit (Fachbegriff: gastroösophageale Refluxkrankheit, engl. Abkürzung = GERD). Dabei fließt vor allem im Liegen saurer Mageninhalt über die Speiseröhre (gastroösophageal) bis in den Kehlkopf oder gar in die Bronchien. Das hängt damit zusammen, dass der Schließmuskel, der nach der Nahrungspassage die Speiseröhre abdichtet, geschwächt ist. Der Rückfluss heißt Reflux. In der Speiseröhre kann die Magensäure Entzündungen oder sogar Geschwüre verursachen. Ärzte sehen auch Zusammenhänge zwischen dem Rückfluss von Magensäure und bestimmten Stimmbandveränderungen (Granulomen) sowie Malazien (Erweichungen) der Luftröhre und großen Bronchien (siehe oben, Tracheomalazie).
Symptome: Reizhusten bei einem Reflux kann auch durch Aktivierung spezieller Nerven in der Speiseröhre entstehen. Doch haben nicht alle Patienten mit einem Reflux auch Husten. Häufig dagegen kommt es zu Sodbrennen, das mitunter auch als Herzschmerz – gewöhnlich eher nach dem Essen – wahrgenommen wird, oder zu einer chronischen Kehlkopfentzündung mit Heiserkeit. Ähnliche Beschwerden können auftreten, wenn der obere Schließmuskel der Speiseröhre nicht fest genug schließt, meist bei Bewegungen aus einer aufrechten Körperhaltung heraus wie Vornüberbeugen. Es handelt sich dann um einen Rückfluss von Magensaft in den Kehlkopf und gegebenenfalls Rachen-Raum.


nach obenHusten: Wenn die Psyche den Körper umfängt

Mitunter kann Husten auch psychische Ursachen haben. Ärzte sprechen dann von psychogenem Husten. Im aktuellen Sprachgebrauch hat sich statt psychogen der Begriff somatoforme Störung durchgesetzt (von soma-, griech. Körper). Er bezieht sich auf körperliche Störungen, bei denen sich keine körperlichen Ursachen finden lassen.

Psychisch bedingter Husten kommt insgesamt eher selten vor. Diagnose und Therapie liegen in der Hand eines Facharztes für Psychiatrie und Psychotherapie beziehungsweise psychosomatische Medizin. Zuvor muss eine jegliche Atemwegs- oder andere Organerkrankung ausgeschlossen worden sein.

Husten ist als vegetative Reaktion, ähnlich wie kalte Hände oder vermehrtes Schwitzen, auch ohne auslösende Organveränderungen möglich. Besonders wenn jemand zum Beispiel in der vegetativen Richtung Beschwerden hat und zudem häufiger einen Hustenreiz, ständiges Hüsteln oder einen Räusperzwang verspürt, kann ein psychischer Hintergrund infrage kommen. Möglicherweise lässt sich bei der psychotherapeutischen Aufarbeitung eine seelische Belastung, ein Konflikt oder eine Angstsituation ausmachen.

Bei anderen psychischen Störungen wie sogenannten Tics kann ebenfalls ein nicht organischer Husten auftreten.

Auch Stimmstörungen (siehe oben: Abschnitt "Chronischer Husten, Kehlkopf und Stimmbänder, VCD") sind mitunter psychisch geprägt. So wird für die VCD mit ihren erheblichen Atemnotanfällen und Hustenreiz unter anderem psychischer Stress als Auslöser beschrieben. Therapeutische Ansätze bieten hier Verfahren wie die Logopädie (Sprach- und Stimmtherapie), Atemphysiotherapie (siehe unten) und Verhaltenstherapie.

Manche funktionellen Stimmstörungen haben aus Sicht von Psychologen einen dissoziativen Hintergrund. Dissoziativ bedeutet in etwa, dass psychische und körperliche Vorgänge, die man normalerweise als untrennbare Einheit seiner selbst wahrnimmt, sich voneinander entfernen. Etwas davon spaltet sich schließlich ab und entwickelt ein Eigenleben. Dahinter stehen vielfältige mögliche Motive. Meist sind es ungelöste seelische Konflikte oder unangenehme Gefühle, die nicht zugelassen werden, für den Betroffenen also tabu sind. Begleitend kann eine depressive Störung oder ein Erschöpfungszustand vorliegen. Nicht selten geht aber tatsächlich auch ein Atemwegsinfekt voraus.
Symptome bei funktionellen Stimmstörungen: Es kommt zu einem veränderten Stimmklang, zu Wechseln der Tonhöhe, erschwertem Stimmeinsatz und geschwächter Lautstärke der Stimme. Manchmal können die Betroffenen nur noch flüstern. In anderen Fällen kann die Stimme auch zu laut oder zu hoch klingen. Dazu treten unter anderem Beschwerden wie Heiserkeit, Räusperzwang, Brennen und Trockenheitsgefühl im Hals auf.


nach obenHusten, Auswurf: Therapie

Wann immer gerechtfertigt, wird der Arzt bei Atemwegsinfektionen ein Antibiotikum verordnen oder eine Rückflusskrankheit der Speiseröhre gezielt behandeln. Ein hustenstillendes Medikament (dazu und auch zu Hustenlösern mehr ganz oben: "Tipps gegen Erkältungshusten") wird der Arzt befürworten, wenn trockener Husten stark belästigend ist, vor allem auch nachts, oder wenn bei einem Reizhusten zunächst keine spezielle behandelbare Ursache gefunden wurde. Dämpfend auf das Hustenzentrum wirkt zum Beispiel der Hustenstiller Kodein, ein natürlich vorkommendes, verschreibungspflichtiges Opiat. Auch der verwandte, nicht verschreibungspflichtige Arzneistoff Dextrometorphan lindert Hustenreiz. Er kann aber das Reaktionsvermögen vermindern. Aufgrund einer bestimmten Veranlagung kann es bei manchen Menschen schon bei eher niedrigen Dosierungen zu psychischen Veränderungen kommen. Das Medikament verträgt sich zudem nicht mit bestimmten Antidepressiva oder Alkohol. Bei Asthma, COPD oder Atemschwäche ist Dextrometorphan beispielsweise nicht angezeigt. Ihr Arzt oder Apotheker wird Sie genau informieren. Lesen Sie bitte auch den Beipackzettel.

! Tipp: Auch wenn die Unterscheidung gerade bei pflanzlichen Hustenmitteln nicht immer genau möglich ist, wird im Allgemeinen angeraten, Hustenstiller und Hustenlöser nicht gleichzeitig einzunehmen. Bildet sich spontan viel Sekret, soll dieses möglichst abgehustet, der Husten also nicht unterdrückt werden.

Zink, etwa in Form von Lutschtabletten, kann die Dauer von Erkältungsbeschwerden um einen Tag verkürzen. Halten Sie sich auch hier an die empfohlenen Dosierungen.

Anhänger der Homöopathie setzen auf diesbezügliche, häufig komponentenreiche Hustenmittel. Homöopathische Mittel eignen sich auch für Kinder.

Mitunter sind spezielle Behandlungswege notwendig. Dazu gehören bei einigen Lungengewebserkrankungen zum Beispiel Medikamente, die die Entwicklung einer Fibrose (vermehrte Bindegewebsbildung) verlangsamen können. Manche Arzneistoffe verändern Immunreaktionen, so etwa Kortisonpräparate bei Autoimmunerkrankungen oder Pirfenidon bei idiopathischer Lungenfibrose. Andere wie Nintedanib, ein sogenannter Tyrosinkinase-Inhibitor, der ebenfalls gegen idiopathische Lungenfibrose eingesetzt wird, bremsen das Zellwachstum.

In der Atemphysiotherapie geht es zum Beispiel darum, Körperhaltungen und Atemtechniken zu erlernen, die eine stark geforderte Atemmuskulatur entspannen helfen. Atemtherapeuten ziehen auch Geräte zum Üben heran. Bei Rehabilitationsmaßnahmen und im Alltag ist außerdem Lungensport wichtig. Darunter versteht man ein speziell für Patienten mit chronischen Atemwegserkrankungen wie etwa Asthma und chronisch-obstruktiver Lungenerkrankung (COPD) ausgerichtetes Training. Vielleicht finden Sie eine Lungensportgruppe, in der Sie sich wohlfühlen? Gemeinsam fällt das Üben oft leichter.

Operative Verfahren wie eine Lungenverkleinerung (auch endoskopische Lungenvolumenreduktion, etwa bei COPD mit Emphysem; nur Einzelfallentscheidung nach Beratung in erfahrenem Zentrum) oder eine Lungentransplantation sind Reserve-Optionen. Bei vielen Patienten mit schwerer chronischer Atemnot, etwa bei ausgeprägter COPD, ist eine Sauerstofflangzeittherapie oder Heimbeatmung notwendig.


nach obenFachliteratur für diesen Ratgeber

Leitlinien der Deutschen Gesellschaft für Pneumologie und Beatmungsmedizin e.V.: Online: http://www.pneumologie.de/109.0.html (Abgerufen am 12.2.2016)

Deutsche Gesellschaft für Allgemeinmedizin und  Familienmedizin (DEGAM): Leitlinie Husten, AWMF-Register-Nr. 053/013. Online: http://www.awmf.org/uploads/tx_szleitlinien/053-013l_S3_Husten_2014-02.pdf (Abgerufen am 12.2.2016)

Idiopathic Pulmonary Fibrosis Guidelines Released 2015 (Abgerufen am 12.2.2016)

Bundesverband der Pneumologen, Deutsche Lungenstiftung e.V., Verband pneumologischer Kliniken e. V.: Lungenärzte im Netz. Online: http://www.lungenaerzte-im-netz.de/krankheiten/bronchitis-chronisch-obstruktive/was-ist-chronisch-obstruktive-bronchitis/ (Abgerufen am 12.2.2016)

Deutsche Atemwegsliga e.V.: Informationen für COPD-Patienten. Was ist COPD? Online: www.atemwegsliga.de/copd.html (Abgerufen am 12.2.2016)

Gerd Herold und Mitarbeiter: Innere Medizin, Gerd Herold Köln 2016

Kardos P. et al.: Leitlinie der Deutschen Gesellschaft für Pneumologie und Beatmungsmedizin zur Diagnostik und Therapie von erwachsenen Patienten mit akutem und chronischem Husten Pneumologie 2010; 64: 336-373

H. Morschitzky: Somatoforme Störungen, Springer Wien New York, 2. Aufl. 2007

"Mein Arzt findet nichts" – so genannte nicht-spezifische, funktionelle und somatoforme Körperbeschwerden. Eine Leitlinie für Betroffene und ihre Angehörigen. Online: http://www.awmf.org/uploads/tx_szleitlinien/051-001pl_S3_Nicht-spezifische_funktionelle_somatoforme_Koerperbeschwerden_2012-12.pdf (Abgerufen am 12.2.2016)


Wichtiger Hinweis:
Dieser Artikel enthält nur allgemeine Hinweise und darf nicht zur Selbstdiagnose oder -behandlung verwendet werden. Er kann einen Arztbesuch nicht ersetzen.




Bildnachweis: iStock / IvanJekic

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