Hexenschuss

Hexenschuss – akuter Kreuzschmerz: Dahinter stecken meist harmlosere Rückenprobleme, mal die Bandscheiben, mal ein gereizter "Ischias". Mehr zu Diagnose und Therapie

von Dr. med. Claudia Osthoff, aktualisiert am 07.12.2015

Bei einem Hexenschuss wird das Kreuz "blockiert"

iStock/Valentin Russanow

Hexenschuss: Akute Pein im Kreuz

Der Hexenschuss oder akute Kreuzschmerz (weitere Bezeichnungen sind Lumbago, Lumbalgie oder Lumbalsyndrom und engl. low back pain) stellt meist ein funktionelles Rückenproblem dar. Das heißt, es geht häufig um strapazierte Muskeln und Bänder am Kreuz, die nicht mehr richtig miteinander harmonieren. Eine zusätzliche Belastung kann genügen, und das Kreuz streikt.

Statistisch erwischt die "Hexe" irgendwann fast jeden zumindest einmal im Leben. Betroffen sind häufig jüngere Jahrgänge – meist im Alter zwischen 30 bis 50 Jahren oder noch darunter. Nach dem 60. Lebensjahr kommen Hexenschüsse offenbar seltener vor. Schäden an Bandscheiben und knöchernen Anteilen der Wirbelsäule nehmen natürlich zu. Auch ältere Menschen bekunden in der Tat häufig, mit Rücken- oder Kreuzschmerzen zu tun zu haben. Doch klagen sie seltener über leichte bis mäßige Rückenbeschwerden als jüngere.


Über Kreuz?

  • W&B/Martina Ibelherr

    Der Rücken

    Unterschiedliche Muskelgruppen halten und bewegen ihn. Damit das schmerzfrei vor sich geht, müssen Knochen und Bandscheiben intakt sein, und das Teamwork zwischen Nerven, Muskeln, Sehnen, Gelenken und Bändern muss stimmen (nach Klick auf die Lupe sehen Sie das gesamte Bild).


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  • W&B/Martina Ibelherr

    Wo der Rücken schmerzt

    Wichtige Abschnitte der Wirbelsäule sind:

    • Halswirbelsäule
    • Brustwirbelsäule
    • Lendenwirbelsäule

    Die Lendenwirbelsäule bildet den Übergang zum Kreuzbein. Sie trägt die Hauptlast, und hier treten auch am häufigsten Schmerzen auf (vollständiges Bild nach Klick auf die Lupe).

     


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  • W&B/Szczesny/bearb. Neisel

    Bandscheibenvorfall

    Es gibt mehrere Varianten. Häufig ragt der Faserring etwas aus dem Bandscheibenfach heraus (engl. bulging disc), ein Zeichen von Verschleiß. Bei einer Protrusion wölbt sich Material aus dem Bandscheibenkern an einer Schwachstelle im Faserring vor. Bei einem Vorfall (Prolaps) tritt das Material durch Riss im Faserring hindurch, wie hier zu sehen. Trennt es sich völlig ab, handelt es sich um einen Sequester (bitte auf die Lupe klicken, um das vollständige Bild zu erhalten).


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Hexenschuss: Wie lange kreuzlahm?

Beim Hexenschuss wird das Kreuz akut "blockiert". Die Betroffenen können sich wegen der erheblichen Schmerzen meist kaum noch aufrichten. Auch das Vornüberbeugen geht wegen der akut verspannten, teils verhärteten Rückenmuskeln praktisch nicht. Abgesehen davon, dass die Geplagten vorübergehend außer Gefecht gesetzt sind, gibt es bei einem unkomplizierten akuten Kreuzschmerz im Allgemeinen keine weiteren Beeinträchtigungen.

In der Regel sind die Beschwerden nach wenigen Tagen wieder vorbei, man muss nicht unbedingt zum Arzt. Mit anderen Worten: Die Selbstheilungstendenz beim Hexenschuss, unterstützt durch einfache Therapiemaßnahmen (siehe Kapitel "Hexenschuss: Symptome, Therapie & Tipps") ist hoch: Jeder zweite hat sich nach sieben Tagen wieder erholt, 65 Prozent nach zwei Wochen und 90 Prozent innerhalb von vier bis sechs Wochen.


Mehr als ein Hexenschuss?

Klingen die Beschwerden nicht bald wieder ab oder strahlt der Schmerz ins Bein aus ("Ischias", siehe Kapitel "Hexenschuss: Ursachen", "Hexenschuss: Komplikationen" und "Hexenschuss: Ischias, radikuläre Schmerzen" in diesem Beitrag), stellen sich eventuell auch Taubheitsgefühle oder gar Lähmungserscheinungen ein, muss unbedingt ein Arzt hinzugezogen werden.

Möglicherweise liegt ein Bandscheibenvorfall vor, der zu einer Reizung oder Einklemmung des Ischiasnervs geführt hat. Es kommen aber auch andere krankhafte Veränderungen infrage. Rücken- und Kreuzschmerzen, denen eine andere körperliche Erkrankung, meist des Bewegungssystems, zugrunde liegt, werden als spezifisch bezeichnet. Manchmal ist es auch gar nicht der Rücken, sondern ein Problem im Bauch oder Becken.

Diagnose bei Hexenschuss

Wer zum Arzt geht, dem wird dieser schon anhand der Krankengeschichte, des Verlaufs der Beschwerden, eventueller Begleitsymptome und der körperlichen Untersuchung die Diagnose benennen können: Mehrheitlich wird sie auf unspezifischer (beziehungsweise nichtspezifischer) akuter Kreuzschmerz lauten, hinter dem sehr wahrscheinlich keine andere Krankheit steckt.

Bei Verdacht auf eine spezielle Ursache, bei anhaltenden Schmerzen oder Komplikationen sind jedoch weitere Diagnoseschritte notwendig, zum Beispiel Röntgenaufnahmen, eventuell eine Magnetresonanztomografie oder ein anderes bildgebendes Verfahren, eine neurologische Untersuchung, Labortests. Mehr dazu im Beitrag "Rückenschmerzen".

Verlauf und Therapie

So zahlreich die möglichen Ursachen bei akuten Kreuzschmerzen sind, so unterschiedliche Verläufe gibt es. Nochmals: Bei einem einfachen Hexenschuss klingen die Kreuzschmerzen in aller Regel nach kurzer Zeit wieder ab. Dauern die Schmerzen länger als sechs Wochen, nunmehr trotz angemessener medizinischer Behandlung, werden sie als subakut eingestuft. Das heißt: Sie sind nicht mehr ganz akut, aber auch noch nicht chronisch. Möglicherweise bergen sie aber das Risiko einer chronischen Entwicklung. Als chronisch gelten Kreuz- oder Rückenschmerzen, die länger als drei Monate bestehen, auch wechselnd stark oder wiederkehrend. Dann ist natürlich nicht mehr von einem Hexenschuss die Rede, es sei denn, es tritt ein neuer, akuter Kreuzschmerz nach Art eines Hexenschusses auf.

Wie beim Hexenschuss können aber auch bei einem "Ischias" die Beschwerden oft mit wenig eingreifenden Behandlungsmaßen wieder zurückgehen, beim "Ischias" womöglich mit deutlich mehr Geduld. Feststeht aber: Spätestens nach dem ersten Warnschuss sollte man zu einem rückenfreundlichen Lebensstil übergehen.


Frau mit Schmerzen im Rücken

Das Kreuz mit dem Kreuz

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Aktive Physiotherapie (Krankengymnastik) wird in erster Linie bei subakuten oder chronischen Kreuz- oder Rückenschmerzen empfohlen, sofern sie nicht spezifischer Art sind. Dasselbe gilt für ergänzend angewandte Massagen. Eine weitere Behandlungsoption bei diagostisch zuverlässig als unspezifisch eingestuften Kreuzschmerzen: manual- beziehungsweise chirotherapeutische Maßnahmen wie Manipulation und Mobilisation. Diese kann bei Bedarf der Hausarzt koordinieren.

Im Einzelfall – bei einem unkomplizierten Hexenschuss praktisch nie – können weitere Behandlungsschritte bis hin zu einer Operation an der Wirbelsäule nötig werden, um wieder auf die Beine zu kommen. Vorher muss der Arzt eine genaue Diagnose stellen und die Frage klären, ob der Eingriff auch wirklich angezeigt ist. Anschließend kann eine Bewegungstherapie mit gezielten Übungen die Rücken- und Bauchmuskulatur – auch Letztere stützt das Rückgrat – kräftigen helfen.


Hexenschuss: Fachliteratur

Wülker N (Hrsg.): Orthopädie und Unfallchirurgie. Stuttgart New York Georg Thieme Verlag, 3. Auflage 2015

Elsen A, Eppinger M, Müller M: Orthopädie und Unfallchirurgie für Studium und Praxis., Breisach Medizinische Verlags- und Informationsdienste, 1. Auflage 2014/2015

Deutsche Gesellschaft für Neurologie: Lumbale Radikulopathie. S2k-Leitlinie, September 2012, gültig bis 1. Oktober 2016. AWMF-Registernummer: 030/058. Online:
http://www.dgn.org/leitlinien/2420-ll-75-2012-lumbale-radikulopathie (Abgerufen am 28.10.2015)

Bundesärztekammer (BÄK), Kassenärztliche Bundesvereinigung (KBV), Arbeitsgemeinschaft der Wissenschaftlichen Medizinischen Fachgesellschaften (AWMF). Nationale VersorgungsLeitlinie Kreuzschmerz  – Langfassung. Version 5 November 2010, zuletzt geändert: Oktober 2015, gültig bis 31.12.2016. Online:
http://www.leitlinien.de/mdb/downloads/nvl/kreuzschmerz/kreuzschmerz-1aufl-vers5-lang.pdf (Abgerufen am 04.11.2015)

Grifka J, Kuster M (Hrsg.): Orthopädie und Unfallchirurgie, 1. Auflage, Berlin Heidelberg Springer-Verlag, 2011

Robert-Koch-Institut, Berlin (Hrsg.): Rückenschmerzen, Gesundheitsberichterstattung des Bundes, Heft 53, Dez. 2012

Marschall U, L’hoest H, Wolik A: "Vergleich der Kosteneffektivität von Operation, multimodaler und interventioneller Schmerztherapie bei Rückenschmerzen: Eine Analyse mit Krankenkassendaten", in: Repschläger U, Schulte C, Osterkamp N (Hrsg.): BARMER GEK Gesundheitswesen aktuell 2012, Seite 262-285. Online:
http://www.barmer-gek.de/barmer/web/Portale/Versicherte/Rundum-gutversichert/Infothek/Wissenschaft-Forschung/Publikationen/Gesundheitswesen-aktuell-2012/12-Marschall-Wolik-2012,property=Data.pdf (Abgerufen am 27.10.2015)

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Wichtig: Dieser Artikel enthält nur allgemeine Informationen und darf nicht zur Selbstdiagnose oder -behandlung verwendet werden. Er kann einen Arztbesuch nicht ersetzen.

 



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Bildnachweis: iStock/Valentin Russanow, W&B, W&B/Szczesny/bearb. Neisel, W&B/Martina Ibelherr
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