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Hexenschuss

Der Hexenschuss ist ein akuter Kreuzschmerz. Dahinter stecken meist funktionelle Rückenprobleme, manchmal auch Verschleiß der Bandscheiben oder ein gereizter Ischiasnerv. Diagnose und Therapie


Bei einem Hexenschuss wird das Kreuz "blockiert"

Hexenschuss: akute Pein im Kreuz

Der Hexenschuss oder akute Kreuzschmerz (weitere Bezeichnungen sind Lumbago, Lumbalgie oder Lumbalsyndrom und engl. low back pain) stellt meist ein funktionelles Rückenproblem dar. Das heißt, es geht häufig um strapazierte Muskeln und Bänder am Kreuz, die nicht mehr richtig miteinander harmonieren. Eine zusätzliche Belastung kann genügen, und das Kreuz streikt.

Statistisch erwischt die „Hexe“ irgendwann fast jeden zumindest einmal im Leben. Betroffen sind häufig jüngere Jahrgänge – meist im Alter zwischen 30 bis 50 Jahren oder noch darunter. Nach dem 60. Lebensjahr kommen Hexenschüsse offenbar seltener vor. Schäden an Bandscheiben und knöchernen Anteilen der Wirbelsäule nehmen natürlich zu. Auch ältere Menschen geben in der Tat häufig Rücken- oder Kreuzschmerzen an. Doch klagen sie seltener über „leichte“ Rückenbeschwerden als jüngere.


Über Kreuz?

  • Der Rücken

    Unterschiedliche Muskelgruppen halten und bewegen ihn. Damit das schmerzfrei vor sich geht, müssen Knochen und Bandscheiben intakt sein, und das Teamwork zwischen Nerven, Muskeln, Sehnen, Gelenken, Bändern muss stimmen  (nach Klick auf die Lupe sehen Sie das gesamte Bild).


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  • Wo der Rücken schmerzt

    Wichtige Abschnitte der Wirbelsäule sind:

    • Halswirbelsäule
    • Brustwirbelsäule
    • Lendenwirbelsäule

    Die Lendenwirbelsäule bildet den Übergang zum Kreuzbein. Sie trägt die Hauptlast und hier treten auch am häufigsten Schmerzen auf (vollständiges Bild nach Klick auf die Lupe).

     


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  • Bandscheibenvorfall

    Es gibt mehrere Varianten. Häufig ragt der Faserring etwas aus dem Bandscheibenfach heraus (engl. bulging disc), ein Zeichen von Verschleiß. Bei einer Protrusion wölbt sich Material aus dem Bandscheibenkern an einer Schwachstelle im Faserring vor. Bei einem Vorfall (Prolaps) tritt das Material durch Riss im Faserring hindurch, wie hier zu sehen. Trennt es sich völlig ab, handelt es sich um einen Sequester (bitte auf die Lupe klicken, um das vollständige Bild zu erhalten).


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Symptome

Beim Hexenschuss wird das Kreuz akut "blockiert". Die Betroffenen können sich wegen der erheblichen Schmerzen meist kaum noch aufrichten. Auch das Vornüberbeugen geht wegen der akut verspannten, teils verhärteten Rückenmuskeln praktisch nicht. Außer dass die Geplagten vorübergehend außer Gefecht gesetzt sind, gibt es bei einem unkomplizierten akuten Kreuzschmerz im Allgemeinen aber keine weiteren Beeinträchtigungen.

In der Regel sind die Beschwerden nach wenigen Tagen wieder vorbei. Mit anderen Worten: Die Selbstheilungstendenz beim Hexenschuss, unterstützt durch einfache Therapiemaßnahmen, ist hoch: Jeder zweite hat sich nach sieben Tagen wieder erholt, 65 Prozent nach zwei Wochen und 90 Prozent innerhalb von vier bis sechs Wochen.


Mehr als ein Hexenschuss?

Ist das nicht der Fall oder strahlt der Schmerz ins Bein aus (Ischias, radikulärer Schmerz, „komplizierter Kreuzschmerz“, siehe Kapitel „Ischias & Co.“, „Komplikationen“) und stellen sich eventuell auch Taubheitsgefühle oder gar Lähmungserscheinungen ein, muss unbedingt ein Arzt hinzugezogen werden.

Möglicherweise liegt ein Bandscheibenvorfall vor, der zu einer Reizung oder Einklemmung des Ischiasnervs geführt hat. Es kommen aber auch andere krankhafte Veränderungen infrage. Rückenschmerzen, denen eine andere körperliche Erkrankung des Bewegungssystems zugrunde liegt, werden als „spezifisch bezeichnet. Manchmal ist es gar nicht der Rücken, sondern ein Problem im Bauch oder Becken.

Diagnose Hexenschuss

Meistens kann der Arzt anhand der Krankengeschichte, des Verlaufs der Beschwerden, eventueller Begleitsymptome und der körperlichen Untersuchung schon die Diagnose stellen: Mehrheitlich wird er einen sogenannten unspezifischen akuten Kreuzschmerz diagnostizieren, also einen, hinter dem sehr wahrscheinich keine andere Krankheit steckt.

Bei Verdacht auf eine spezielle Ursache, bei nicht nachlassenden Schmerzen oder Komplikationen jedoch sind weitere Untersuchungen sinnvoll, zum Beispiel Röntgenaufnahmen, eine Magnetresonanztomografie, bestimmte Bluttests. Mehr dazu im Beitrag Rückenschmerzen.

Verlauf und Therapie

So zahlreich die möglichen Ursachen bei akuten Kreuzschmerzen sind, so unterschiedliche Verläufe gibt es. Nochmals: Bei einem typischen, einfachen Hexenschuss klingen die Kreuzschmerzen nach wenigen Tagen wieder ab. Dauern die Schmerzen aber trotz eingeleiteter Therapie länger als sechs Wochen, werden sie als subakut eingestuft: als nicht mehr ganz akut also, aber auch noch nicht als chronisch, möglicherweise jedoch mit dem Risiko einer chronischen Entwicklung. Als chronisch gelten Kreuz- oder Rückenschmerzen, die länger als drei Monate, auch wechselnd ausgeprägt oder wiederkehrend, bestehen. Dann ist natürlich nicht mehr von einem Hexenschuss die Rede.

Wie beim Hexenschuss können aber auch bei einem „Ischias“ die Beschwerden oft mit wenig eingreifenden Behandlungsmaßen allmählich wieder zurückgehen. Spätestens nach dem ersten „Warnschuss“ sollte man zu einem rückenfreundlichen Lebensstil übergehen.


Das Kreuz mit dem Kreuz

Die Wirbelsäule gilt mit ihren vielen Gelenken als Bewegungskünstler. Dennoch macht der Rücken vielen Menschen zu schaffen. Infos & Tipps für ein rückenfreundliches Leben  »

Aktive Physiotherapie (Krankengymnastik) wird in erster Linie bei subakuten oder chronischen Kreuz- oder Rückenschmerzen empfohlen.

Im Einzelfall – bei einem unkomplizierten Hexenschuss praktisch nie – können verschiedene Maßnahmen bis hin zu einer Operation an der Wirbelsäule nötig werden, um wieder auf die Beine zu kommen. Vorher muss der Arzt eine genaue Diagnose stellen und die Frage klären, ob der Eingriff auch wirklich angezeigt ist. Anschließend kann Krankengymnastik mit gezielten Übungen die Rücken- und Bauchmuskulatur kräftigen helfen.


Fachliteratur:

Bundesärztekammer (BÄK), Kassenärztliche Bundesvereinigung (KBV), Arbeitsgemeinschaft der Wissenschaftlichen Medizinischen Fachgesellschaften (AWMF). Nationale VersorgungsLeitlinie Kreuzschmerz  – Kurzfassung. Version 4. 2010 zuletzt verändert: August 2013. Online Available from: http://www.kreuzschmerz.versorgungsleitlinien.de;
Internet: http://www.versorgungsleitlinien.de, http://www.awmf-leitlinien.de (abgerufen am 6.9.2013)

Grifka J, Kuster M (Hrsg.): Orthopädie und Unfallchirurgie, 1. Auflage, Berlin Heidelberg Springer-Verlag, 2011

Robert-Koch-Institut, Berlin (Hrsg.): Rückenschmerzen, Gesundheitsberichterstattung des Bundes, Heft 53, Dez. 2012

Marschall U, L’hoest H, Wolik A: „Vergleich der Kosteneffektivität von Operation, multimodaler und interventioneller
Schmerztherapie bei Rückenschmerzen: Eine Analyse mit Krankenkassendaten“, in: Repschläger U, Schulte C, Osterkamp N (Hrsg.): BARMER GEK Gesundheitswesen aktuell 2012, Seite 262-285 (abgerufen am 1.10.2013)


Wichtig: Dieser Artikel enthält nur allgemeine Informationen und darf nicht zur Selbstdiagnose oder -behandlung verwendet werden. Er kann einen Arztbesuch nicht ersetzen.

 




Bildnachweis: W&B/Jörg Steffens, W&B/Szczesny/bearb. Neisel, W&B/Martina Ibelherr
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www.apotheken-umschau.de; aktualisiert am 30.01.2014, erstellt am 13.09.2005
Bildnachweis: W&B/Jörg Steffens, W&B/Szczesny/bearb. Neisel, W&B/Martina Ibelherr

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