Thema: Heilpflanzen

Heilpflanzen-Lexikon:
Johanniskraut

Johanniskraut wird, in Form von Tabletten, gegen Depressionen eingesetzt. Johanniskrautöl (Rotöl) kann bei Hautproblemen helfen

von Dr. Martina Melzer, aktualisiert am 11.09.2012

Johanniskraut (Hypericum perforatum)

W&B/Winfried Fischer

Geschmückt mit Johanniskrautkränzen tanzten die Menschen früher ums Sonnwendfeuer und feierten den längsten Tag des Jahres. Anschließend warfen sie die Kränze ins Feuer oder übers Hausdach – das sollte vor Hexen, Dämonen und böser Zauberei schützen. Das goldgelbe Kraut blüht um Johanni (24. Juni) und wirkte, zu dieser Zeit gepflückt, angeblich besonders heilkräftig. Schon seit über 2000 Jahren ist Johanniskraut als Heilpflanze bekannt. Zunächst versuchten Heilkundige mit dem Kraut Wunden, Hexenschüsse, Gicht und Rheuma zu kurieren. Im späten Mittelalter setzten Kräuterkundige Johanniskraut auch gegen Angst und Stimmungsschwankungen ein.


Wie sieht Johanniskraut aus und wo kommt die Heilpflanze vor?

Johanniskraut (Hypericum perforatum) kann bis zu einem Meter hoch werden und treibt einen verzweigten Stängel aus. Die gegenständigen Blätter sehen eiförmig bis linealisch aus und tragen zahlreiche durchscheinende Punkte (Drüsen) auf der Oberfläche. Die goldgelben Blüten besitzen auffallend lange Staubblätter und sind ebenfalls mit hellen oder dunklen Drüsen durchsetzt. Die Frucht ist eine eiförmige, vielsamige Kapsel.
 Wer die Blüten zwischen den Fingern zerreibt, bekommt "blutige" Hände, denn die verletzten Blüten sondern eine rötliche Flüssigkeit ab.

Johanniskraut gehört zu den Johanniskrautgewächsen (Hypericaceae) und blüht von Juni bis September.
 Es kommt in Europa und Westasien vor und wächst dort an Wegrändern, auf trockenen Wiesen und in lichten Wäldern.

Welche Pflanzenteile und Inhaltsstoffe werden verwendet?

Arzneilich genutzt wird das ganze Kraut, also alle Pflanzenteile außer der Wurzel. Es enthält zu 0,1 bis 0,3 Prozent rote Farbstoffe (Naphthodianthrone), zum Beispiel die Substanzen Hypericin und Pseudohypericin. Außerdem finden sich zu 0,2 bis 4 Prozent sogenannte Phloroglucinderivate, insbesondere der Stoff Hyperforin, und Flavonoide.

Was bewirken die Inhaltsstoffe? Wogegen hilft Johanniskraut?

Johanniskraut kann die Stimmung aufhellen, Angstzustände lösen und nervöse Unruhe lindern. Welche Inhaltsstoffe diese Wirkungen hervorrufen, konnten Wissenschaftler bislang noch nicht klären. Vermutlich spielen die Substanzen Hyperforin und Hypericin eine Rolle. Ebenso ist der genaue Wirkmechanismus derzeit unbekannt. Zahlreiche Studien haben sich damit beschäftigt, ob – und wenn ja – wie gut Johanniskraut depressive Verstimmungen lindern kann. Immer wieder kamen unterschiedliche Ergebnisse heraus. Nichtsdestotrotz sind Zubereitungen aus Johanniskraut als pflanzliches Arzneimittel gegen leichte bis mittelschwere Depressionen zugelassen.

Hinweis: Wer Johanniskraut einnehmen möchte, sollte dies vorher mit dem Arzt abklären. Der kann abwägen, ob sich im entsprechenden Fall die Heilpflanze oder ein chemisches Mittel besser eignet. Johanniskraut wirkt nicht sofort nach der ersten Tablette. Mehrere Wochen können vergehen, bis sich ein positiver Effekt zeigt. Außerdem müssen die Präparate ausreichend hoch dosiert werden.

Neben den Wirkungen auf die Psyche ist noch ein weiteres Einsatzgebiet bekannt: die Anwendung auf der Haut. Johanniskrautöl, auch Rotöl genannt, hat entzündungshemmende Eigenschaften und beruhigt trockene, schuppige Haut. Erste Studien zeigen, dass Rotöl aufgrund dieser Effekte Menschen mit Neurodermitis helfen kann.

Wichtige Hinweise:

Johanniskraut kann mit zahlreichen Medikamenten wechselwirken. Es schwächt dabei die Wirkung der anderen Mittel ab. Dies gilt unter anderem für Arzneimittel, die gegen HIV/AIDS helfen, die das Blut verdünnen (zum Beispiel Phenprocoumon), für Zytostatika, Medikamente gegen Herz-Kreislauf-Krankheiten und die Antibabypille. Lassen Sie sich deshalb vorher in der Apotheke zu möglichen Wechselwirkungen beraten oder fragen Sie Ihren Arzt.

Experten raten, dass Schwangere und Stillende vorsorglich auf die Einnahme von Johanniskraut verzichten sollten.

Der Inhaltsstoff Hypericin kann die Haut lichtempfindlicher machen und zu sonnenbrandähnlichen Reaktionen führen. Wer helle, leicht zu Sonnenbrand neigende Haut hat, sollte sich daher nicht zu lange in der Sonne oder im Solarium aufhalten – solange Er oder Sie Johanniskraut anwendet.


Tipp: Lassen Sie sich zu Dosierung und Anwendung in der Apotheke beraten.



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