Thema: Heilpflanzen

Heilpflanzen-Lexikon:
Schwarzer Holunder

Holunderblüten, ebenso wie Holunderbeeren, sollen eine schweißtreibende Wirkung haben und damit Schnupfen und Fieber lindern
von Dr. Martina Melzer, aktualisiert am 22.12.2016

Schwarzer Holunder (Sambucus nigra)

W&B/Winfried Fischer

"Birnbaum und Hollerstaun." Dieser Ausdruck geht auf eine Geschichte zurück, in der ein Schmied den Tod auf einen Birnbaum verbannt. Von da an sitzt der Handwerksmann unter dem Holunderbusch und wird älter und älter. Irgendwann stellt er verärgert fest, dass das ewige Leben für ihn nicht nur positiv ist – und beginnt zu fluchen.

Der schwarze Holunder hat schon seit alters her eine mythologische Bedeutung. So glaubten die Germanen, dass im Hollerstrauch die Schutzgöttin Holda wohnte. Sie pflanzten den Strauch vor Häuser und Scheunen und hofften, dass Holda Hexen und böse Zauberer abwehrte. Auch Blitz und Feuer sollte der Holunderbusch fern halten. Die Gebrüder Grimm ließen die germanische Gottheit in ihrem Märchen "Frau Holle" wieder aufleben.


Auch als Heilpflanze ist schwarzer Holunder schon lange bekannt. Hippokrates, Arzt im antiken Griechenland, empfahl den Strauch als wassertreibendes Mittel. Erst viel später, etwa im 18. Jahrhundert, setzten Heilkundige den Holunder bei Fieber und Atemwegsinfekten ein. Daneben spielt er in der Küche eine Rolle: In Form von "Hollerkücherl", Sirup oder Holunderbeerensaft.

Wie sieht schwarzer Holunder aus und wo kommt die Heilpflanze vor?

Schwarzer Holunder (Sambucus nigra) ist ein Strauch, der drei bis sieben Meter in die Höhe wächst. Die junge Rinde des Stamms ist anfangs braun gefärbt und wird mit zunehmendem Alter graubraun. Die gegenständigen Blätter sind gestielt, unpaarig gefiedert und unregelmäßig gesägt. Die kleinen gelblich-weißen Blüten besitzen gelbe Staubbeutel, duften stark und ordnen sich in großen schirmförmigen Trugdolden an. Die Frucht glänzt schwarz-violett, sieht kugelig aus und ist eine Beere. Schwarzer Holunder gehört zu den Geißblattgewächsen (Caprifoliaceae) und blüht zwischen Juni und Juli. Er kommt fast in ganz Europa sowie in Kleinasien vor und wächst vor allem in Auwäldern und Gebüschen.

Welche Pflanzenteile und Inhaltsstoffe werden verwendet?

Die wirksamen Inhaltsstoffe befinden sich in Holunderblüten ebenso wie in Holunderbeeren. Die Blüten enthalten etwas ätherisches Öl und bis zu 3,5 Prozent an sogenannten Flavonoiden. Dabei kommt hauptsächlich die Substanz Rutin vor sowie organische Säuren.

Holunderfrüchte enthalten ebenfalls ätherisches Öl und Flavonoide. Hierbei spielen vor allem die Substanzen Rutin und Hyperosid eine Rolle. Anthocyane, zum Beipsiel Sambucin und Sambucyanin, verleihen den Beeren ihre schwarzblaue Farbe. Außerdem steckt in ihnen Vitamin C, B-Vitamine und Folsäure. Sambunigrin ist in unreifen Holunderbeeren enthalten. Aus ihm kann Blausäure freigesetzt werden.

Was bewirken die Inhaltsstoffe? Wogegen hilft schwarzer Holunder?

Holunderblüten und -beeren sind ein traditionelles Mittel gegen Fieber, Schnupfen und Husten. Mit einem Tee oder Aufguss soll der Erkältete den Infekt "ausschwitzen". Auch Schleim, der sich in den Nasennebenhöhlen oder den Bronchien festgesetzt hat, soll schwarzer Holunder lösen. Wissenschaftlich nachweisen konnten Forscher dies bislang nicht. Es ist unklar, ob die Inhaltsstoffe oder lediglich das heiße Wasser den schweißtreibenden Effekt herbeiführen. Immerhin deuten kleine Studien an, dass eine Erkältung mit Hilfe von Holunder schneller wieder abklingt.

Schwarzer Holunder kommt häufig zusammen mit Lindenblüten in Erkältungstees vor, da Heilkundler ihnen ebenfalls eine schweißtreibende Wirkung zusprechen. Auch als homöopathisches Mittel soll Sambucus nigra, in Form von Globuli, Infekte abwehren.

Wer seine Abwehrkräfte stärken möchte, kann auch auf Holunderbeerensaft setzen. Denn dieser enthält recht viel Vitamin C. Doch Vorsicht: Wer den Saft erhitzt, zum Beispiel als Punsch, zerstört schnell das hitzeempfindliche Vitamin C. Deshalb nicht kochen lassen, sondern nur kurz erwärmen.

Holunderbeeren haben noch einen zusätzlichen Effekt: Sie wirken leicht wassertreibend. Das heißt, sie regen die Nieren dazu an, mehr Wasser auszuscheiden und können so gegen leichte Harnwegsinfekte helfen. Denn Keime werden durch die erhöhte Flüssigkeitsmenge ausgeschwemmt.

Wichtige Hinweise:

In unreifen Früchten kommt die Substanz Sambunigrin vor, aus der Blausäure freigesetzt werden kann. Sie kann Übelkeit und Erbrechen hervorrufen. Deshalb: Nur reife Früchte in der Küche verwenden und diese kochen. Das macht sie bekömmlich.

Hält die Erkältung an, wird schlimmer oder haben Sie hohes Fieber, dann muss dies ein Arzt abklären.


Tipp: Lassen Sie sich zu Dosierung und Anwendung in der Apotheke beraten.



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