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Juckreiz

Juckreiz löst das Verlangen nach Kratzen, Reiben oder Scheuern aus. Die Missempfindung kann harmlos sein oder vermitteln, dass mit der Haut oder im Körper etwas nicht stimmt


Es juckt, zwickt und beißt – da kommt eine Hautkrankheit und vieles andere infrage, mitunter auch die Psyche

Überblick

Juckreiz oder Pruritus ist eines der häufigsten Symptome, die sich an der Haut abspielen. Experten zufolge gibt es mehr als hundert Ursachen. Oft ist der Rat verschiedener Fachärzte gefragt, koordiniert vom Hausarzt.

Hoher Leidensdruck möglich

Juckreiz hat viele Gesichter: Die flüchtige Wahrnehmung eines Insektenstichs oder ein lästiger Juckreiz „mit Ansage“, der die Aufmerksamkeit auf ungebetene Gäste vom Typ Laus, Floh oder Hautpilz lenkt. Wiederholtes Jucken erkrankter Haut. Ständige Qual am ganzen Körper. Manchen Betroffenen raubt die Missempfindung schließlich den Schlaf, andere können sogar ihrem Beruf nicht mehr nachgehen.

Trockene Haut und Juckreiz

Oft juckt einfach nur sichtlich trockene Haut, etwa wenn die Sommerbräune nach dem Urlaub abblättert und die Haut sich erst wieder an Textiles gewöhnen muss. In der Heizperiode ist die Raumluft oft sehr trocken, was zusätzlich zu schaffen macht. Meist beruhigt sich die Haut nach guter Pflege, mehr Trinken und Anpassung des Raumklimas wieder.



Hautkrankheiten sind zentrale Juckreiz-Ursachen

Juckreiz bei Hautkrankheiten

Es ist klar, dass Hautkrankheiten bei Juckreiz eine zentrale Rolle spielen. Ein Paradebeispiel ist die Neurodermitis. Sie gehört zu den atopischen Erkrankungen. Atopie besagt, dass der Körper zu einer Allergie neigt. Daher heißt die Neurodermitis auch atopische Dermatitis; Dermatitis bedeutet Hautentzündung.

Bei vielen entzündlichen Hauterkrankungen kommt es zu juckenden Ausschlägen. Liegt keine Infektion zugrunde, werden sie Ekzem genannt. Es gibt hier verschiedene Arten, zudem Überschneidungen mit Allergien und anderen Unverträglichkeitsreaktionen. Mehr dazu sowie zu einer Reihe anderer Hauterkrankungen mit Juckreiz lesen Sie unten im Abschnitt „Weitere Hautkrankheiten als typische Auslöser von Juckreiz“.

Andere Erkrankungen und Umstände, die Juckreiz verursachen

Auch innere Krankheiten führen manchmal zu Juckreiz. Beispiele sind Lebererkrankungen, Nierenversagen infolge verschiedener Nierenkrankheiten, Eisenmangel, Stoffwechselstörungen wie Diabetes, Infektionskrankheiten. Selten ist eine Tumorerkrankung der Grund. Mitunter geht der Juckreiz der Erkrankung als einziges Symptom längere Zeit voraus, oder er tritt zusammen mit anderen Symptomen auf, etwa Müdigkeit, Nachtschweiß, Gewichtsverlust. Der Juckreiz kann sowohl an einzelnen Körperstellen als auch überall am Körper empfunden werden.

In der Schwangerschaft ist starker Juckreiz, mit oder ohne Hautveränderungen, ebenfalls krankheitsverdächtig und gehört ärztlich untersucht. Mehr dazu im Abschnitt „Juckreiz in der Schwangerschaft“.

Nicht zuletzt kann Juckreiz bei einigen neurologischen Krankheiten sowie bei psychischen Belastungen und Erkrankungen vorkommen. Letztere reichen von erhöhter Nervosität und übermäßigen Stressreaktionen bis zu tiefgreifenden Störungen. Der Juckreiz kann hier überall am Körper auftreten, konzentriert sich aber meist auf leicht zugängliche Hautstellen, etwa Kopfhaut oder Arme.

Das Hautbild erscheint anfangs zumeist normal. Ständiges Kratzen oder Scheuern hinterlässt jedoch Spuren: Die Haut wird verletzt, sie entzündet sich dann und juckt noch mehr, auch die Krusten auf wunden Stellen. Schließlich kann die Haut sich punktuell verfärben und sogar vernarben. Um dem vorzubeugen und außerdem eine zugrunde liegende Krankheit nicht zu übersehen, sollte der Arzt hartnäckigem Juckreiz stets auf den Grund gehen.

Juckreiz-Ursachen im Einzelnen



Reife Haut braucht gute Pflege

Besonders die reife Haut neigt zu Trockenheit und Juckreiz

Über die Jahre zu viel Sonne abbekommen? Haut zu intensiv gereinigt, massiert, gerubbelt? Zuwenig auf den Flüssigkeitshaushalt geachtet? Lauter „Kleinigkeiten“, die sich summieren und sich dann auch ein wenig im Bild der reifen Haut mit ihren Schüppchen, braunen Flecken und Aufhellungen, hier und da auch Falten, spiegeln können.
Letztlich führt aber kein Weg daran vorbei: Die Qualität der Haut lässt im Alter nach. Sie verliert an Elastizität, produziert nicht mehr so viel schützenden Talg und nimmt weniger Feuchtigkeit auf. Alles in allem wird sie trockener, neigt vermehrt zu Reizungen, Rissen und Juckreiz (Fachbegriff: Exsikkationsekzem).

Doch ist Hauttrockenheit nicht immer nur ein Pflegeproblem oder allein dem Alter geschuldet. Es gibt auch krankhafte Ursachen. Welche das sind, lesen Sie im Beitrag „Trockene Haut“. Sie erfahren zudem, worauf es bei der Körperpflege ankommt.

Umwelt: Juckreiz-Quellen auf Schritt und Tritt

Die Haut ist zwar eine gute Schutzbarriere nach außen, aber nicht unverwundbar. Einleuchtend, dass viele Verursacher von Juckreiz aus der Umwelt stammen. Hautparasiten (Ektoparasiten) etwa hält die Haut meist schlecht stand. Pilze und bestimmte Bakterien, die ihr normalerweise nichts anhaben, können Probleme machen, wenn die Barriere geschwächt ist.

Mitunter ist ein Parasit (Endoparasit), der über die Haut in den Körper eindringt, für allergische Hauterscheinungen einschließlich Juckreiz verantwortlich. Überhaupt liegen Umwelt, Unverträglichkeit und Allergie eng, um nicht zu sagen hautnah, beieinander. Mögliche Verursacher – Krankheitserreger, Stoffe, die für den Körper zu Allergenen oder Pseudoallergenen werden, sodann chemische und physikalische Einflüsse – sind schier unüberschaubar. Einen kleinen Ausschnitt aus dem großen Spektrum und ein paar Erklärungen liefert der nächste Abschnitt: „Unverträglichkeiten: Allergie oder Pseudoallergie?“.



Mastzelle, die Büchse der Pandora im Immunsystem: Setzt den Juckreizvermittler Histamin frei

Unverträglichkeiten: Allergie oder Pseudoallergie?

Zahlreiche Stoffe, denen wir begegnen oder die wir aufnehmen, fordern die Toleranz des Körpers heraus. Im Konfliktfall mobilisiert er hochaktive Botenstoffe, darunter Histamin. Das Gewebshormon ist einer der stärksten Vermittler von Juckreiz im Körper. In nennenswertem Maße kommt Histamin in der Haut und in Schleimhäuten vor, die es jeweils in Mastzellen speichern.

Eine Allergie entsteht, indem ein eigentlich harmloser Stoff das Immunsystem veranlasst, spezielle Abwehrstoffe zu bilden. Der Auslöser ist damit zum Allergen geworden, der Abwehrstoff ein Antikörper. Beim nächsten Kontakt verbinden sie sich miteinander – und häufig noch mit Mastzellen. Daraufhin setzen diese schlagartig ihre hochaktiven Stoffe frei, vor allem eben Histamin. Dafür genügen schon Spuren des Allergens; die Menge spielt für die Allergie keine Rolle.

Unspezifische Reize – etwa Bestandteile in Nahrungs- oder Arzneimitteln – können bei entsprechender Veranlagung ebenfalls bewirken, dass die Mastzellen plötzlich ihre Schleusen öffnen. Dann liegt eine sogenannte pseudoallergische Reaktion vor. Die Stärke dieser Reaktionen nimmt meist mit der Menge des Auslösers zu.
Manchmal ist der Histaminabbau gestört, weil das zuständige Enzym fehlt oder blockiert wird. Gelangt dann über ein Lebensmittel zu viel Histamin in den Körper, sind ebenfalls Reaktionen möglich.

Symptome: Bei einer Allergie wie auch Pseudoallergie fängt die Haut akut zu jucken an, es kann sich ein Ausschlag bilden (Fachbegriff in diesem Zusammenhang: Exanthem). Gehen Sie hier umgehend zum Arzt. Das gilt auch, wenn sich Quaddeln (Nesselsucht, Fachbegriff: Urtikaria) entwickeln oder wenn eine Schwellung in tieferen Hautschichten – ein sogenanntes Quincke-Ödem – entsteht, etwa im Gesicht. Das Quincke-Ödem muss nicht unbedingt mit Juckreiz verbunden sein. Der Arzt schätzt den Schweregrad ein und entscheidet, ob die sofort einzuleitende Behandlung ambulant möglich ist oder besser in der Klinik erfolgt. Kommt es gar zu Atemnot oder akuter Kreislaufschwäche, besteht unmittelbar Lebensgefahr: Alarmieren Sie sofort den Notarzt.

Ob eine Allergie oder Pseudoallergie zugrunde liegt, lässt sich aus den Symptomen also kaum, allenfalls aus den Umständen ablesen. Zur Diagnose, Therapie und weiteren Vorbeugung ist unbedingt ein Spezialist in einem allergologischen Zentrum gefragt.

Unverträglichkeiten und Allergien durch Nahrungsmittel, Medikamente & Co.,  Licht, Kleider, Raupenhaare



Rotwein kann pseudoallergische Reaktionen auslösen

  • Nahrungsmittel

Meist sind es natürliche Bestandteile oder Zusätze wie Farb- oder Konservierungsstoffe in bestimmten Lebensmitteln, die Mastzellen aktivieren und eine pseudoallergische Unverträglichkeitsreaktion auslösen können. Bekannt dafür sind zum Beispiel bestimmte Käsesorten, Fisch, Sauerkraut, Rotwein (enthalten unter anderem Histamin), Hefe, Bananen, Tomaten, Schokolade, Tee, Kaffee. Infrage kommen außerdem scharfe Gewürze oder Geschmacksverstärker wie Glutamat.

Eine der häufigsten Nahrungsmittelallergien ist die Kuhmilcheiweißallergie bei Kleinkindern. Symptome: Beschwerden können an der Haut (juckender Ausschlag, ähnlich wie bei einer Neurodermitis; siehe unten), im Verdauungstrakt (Erbrechen, Bauchweh) oder in den Atemwegen (asthmaartige Atemnot) auftreten. Sie reichen von geringfügig bis stark, selten bis hin zu einer Schockreaktion. Die gute Nachricht: Die meisten Kinder vertragen Milch allmählich und sind zum Zeitpunkt der Einschulung häufig beschwerdefrei.



Achtung, Allergierisiko: Milch, Apfel, Haselnuss, Kiwi

Auch Nahrungsmittel wie Hühnerei, Fisch, Schalentiere, Soja, Haselnuss, Erdnuss stehen auf dem Index. Erkrankungen wie Heuschnupfen (Pollenallergie), allergisches Asthma und auch Neurodermitis erhöhen das Risiko, zusätzlich auf ein Nahrungsmittel allergisch zu reagieren. Eine typische Konstellation zeigt sich zum Beispiel in einer Allergie auf Birkenpollen und Apfel oder Haselnuss.

Symptome: Es kann zu einem pelzigen Gefühl an den Lippen und im Gaumen kommen. Dazu treten häufig Magen-Darm-Störungen wie Durchfall und Übelkeit auf. Bei ausgeprägten Reaktionen bilden sich manchmal juckende Hautquaddeln. Atemwegsbeschwerden, etwa asthmaartige Atemnot, oder gar Kreislaufbeschwerden, sind Notfälle (siehe oben).



Auch Medikamente sind gelegentlich für pseudoallergische oder allergische Reaktionen verantwortlich

  • Medikamente & Co.

Medikamente können ebenfalls Unverträglichkeiten im Sinne einer Pseudoallergie oder Allergie nach sich ziehen. Auch hier ist die Unterscheidung oft nicht einfach oder sogar unmöglich.

Acetylsalicylsäure, Antimalariamittel, ACE-Hemmer, Opiate als Schmerzmittel und Drogen wie Heroin, sodann Röntgenkontrastmittel verursachen mitunter direkte Mastzellreaktionen im Körper und damit pseudoallergische Beschwerden (Symptome: siehe oben).

Im Zusammenhang mit bestimmten Chemotherapien kommt es offenbar ebenfalls zu Juckreiz durch die Aktivierung von Mastzellen. Beobachtet wird das zum Beispiel bei sogenannen Biologicals.

Allergische Reaktionen auf Medikamente beruhen auf verschiedenen Mechanismen und können sich vielfältig äußern. Häufig gehen sie mit unterschiedlichen Hautausschlägen, sogenannten Arzneimittel-Exanthemen, einher. Meist passiert das innerhalb von zwei bis 21 Tagen nach der Einnahme. Auslösend sind beispielsweise Antibiotika, Antidepressiva, Hormonpräparate oder entzündungshemmende Mittel. Praktisch kommt aber jedes Medikament infrage.
Symptome: Es kann zu symmetrischen, fleckigen, manchmal landkartenartig verteilten roten Flecken am ganzen Körper kommen, die häufig auch von Stippchen oder Knötchen durchsetzt sind, mit und ohne Juckreiz. Möglich sind aber auch erhabene oder blasige, juckende Rötungen (Quaddeln, Nesselsucht). Oder es zeigen sich unter der Einnahme eines Medikamentes juckende Hautveränderungen an bestimmten Hautpartien, etwa im Gesicht, an Händen, Füßen. Wird das Medikament erneut eingenommen, reagieren dieselben Stellen. Erste Anzeichen einer schweren Reaktion können Fieber über 38,5 Grad Celsius, eine Beteiligung der Schleimhäute, Schwellungen und Rötungen im Gesicht, eventuell auch anschwellende Lymphknoten sein.

Gehen Sie bei all diesen Symptomen sofort zum Arzt!

Allergien und andere Unverträglichkeitsreaktionen können auch nach Auftragen verschiedenster Mittel auf der Haut auftreten, seien es Arzneimittel, Desinfektionsmittel, Kosmetika, Deos und anderes mehr. Dann kann es sich um eine Kontaktallergie handeln (allergisches Kontaktekzem, Kontaktdermatitis; siehe unten bei „Weitere Hautkrankheiten als typische Auslöser von Juckreiz, Abschnitt Ekzem“).



Sonnenbrand ist eine normale Lichtreaktion. Der Haut zuliebe sollte man sie aber vermeiden

  • „Sonnenallergie“ und andere Lichtdermatosen

Lichtdermatosen entstehen durch Substanzen, die die Haut besonders lichtempfindlich machen. Ob sie nur auf die Haut oder in den Körper gelangen: Unter dem Einfluss von UV-Licht kann es zu anormalen, übermäßigen Hautreaktionen kommen.

– „Sonnenallergie (Polymorphe Lichtdermatose): Nach dem ersten intensiven Sonnenbad der Saison entwickeln nicht wenige, lichtempfindliche Menschen eine Unverträglichkeitsreaktion der Haut. Die zweite Bezeichnung ist die eigentlich korrekte (Dermatose bedeutet Hautkrankheit, polymorph vielgestaltig). Denn die Lichtreaktion ist nicht eindeutig allergisch, sondern in ihrer Entstehung noch unklar. Sie kommt häufiger bei Kindern und jungen Frauen vor.
Symptome: Die Hautreaktion zeigt sich am stärksten im Gesicht, am Hals, Dekolleté und an den Gliedmaßen, und zwar mit Rötungen, Knötchen oder größeren erhabenen Plaques, Bläschen und Juckreiz. Der einzelne Betroffene reagiert immer gleich, ansonsten variieren die Veränderungen vom Einen zum Anderen. Sie heilen ab, ohne Narben zu hinterlassen. Das Krankheitsbild kann über über einige Jahre immer wieder bei der ersten stärken Sonnendosis auftreten, sich mit der Zeit aber auch bessern.

Photoallergische Dermatitis: Hier wird die Haut unter UV-Einfluss gegen einen Stoff auf der Haut oder im Körper sensibilisiert, der sich an ein Eiweiß gebunden hat. Gegen das so entstandene Allergen reagiert die Haut dann allergisch. Es handelt sich um eine sogenannte allergische Spättyp-Reaktion. Betroffen sind „belichtete“ Hautstellen nach Kontakt mit bestimmten Substanzen wie Duftstoffe, Sonnenschutz- oder Desinfektionsmittel oder auch nach Einnahme bestimmter Medikamente, etwa Östrogenpräparate, Antihistaminika oder Psychopharmaka.
Symptome: Unscharf begrenzte Rötungen (Erytheme) entstehen und bilden Streuherde. Es bilden sich Knötchen, die auch kleine Bläschen hervorbringen können. Die Hautveränderungen können nässen, schuppen und jucken. Zurück bleibt mitunter eine leichte Hautverfärbung. Mitunter vergröbert sich das Hautbild auch und reagiert ständig überempfindlich auf UV-Licht.

– Aktinisches Retikuloid: Eine chronische allergische Lichtreaktion der Haut kann selten zu einem aktinischen Retikuloid führen. Aktinisch bedeutet durch Strahlung erzeugt; Retikuloid steht für eine Ansammlung bestimmter Zellen in der Haut, etwa weißer Blutzellen namens Lymphozyten. Das Krankheitsbild gilt als Variante der chronisch-aktinischen Dermatitis (zu letzterer Erkrankung siehe Hinweis / Link im übernächsten Absatz). Selten kann es in einen bösartigen Lymphdrüsenkrebs übergehen.
Symptome: An dem Licht ausgesetzten Stellen, vor allem im Gesicht, am Hals und im Brustbereich, entwickeln sich ekzemartige Rötungen, Schuppen, Knötchen und größere Erhabenheiten (Plaques) mit starkem Juckreiz. Die Hautstruktur vergröbert sich stark.

Weitere Lichtdermatosen der Haut, die mit Juckreiz und verschiedenen Hautveränderungen einhergehen, sind die Lichturtikaria, die aktinische Prurigo und die chronisch-aktinische Dermatitis. Mehr darüber erfahren Sie, wenn Sie auf den Beitrag „Sonnenallergie (Polymorphe Lichtdermatose, PLD)“ klicken.



Besser für Textilempfindliche: helle Naturfarben, weiter Schnitt

  • Kleiderallergie – gibt es das?

Kleidung soll heute nicht nur schön aussehen, sondern auch gut funktionieren: etwa bügel- und knitterfrei sowie schmutzabweisend sein, kein Verfilzen und Fusseln. Das alles geht nur mit Chemikalien, natürlich möglichst innerhalb festgelegter Grenzwerte. Die Haut reagiert mitunter dennoch: entweder, weil sie überempfindlich ist oder weil ein Kleidungsstück tatsächlich einen bestimmten Stoff in problematischer Konzentration enthält. Der Nachweis ist allerdings meist sehr schwierig.

Falls es also zu jucken beginnt, ist vielleicht eine allergische Kontaktdermatitis oder Textildermatitis im Anzug. Diese tritt meist da auf, wo Kleidung eng anliegt und Haut leicht schwitzt. Die ekzemartige Hautreaktion mit Rötung, Schuppung und Juckreiz zeigt sich somit bevorzugt in Beugen des Körpers (zu Ekzem siehe weiter unten: “Weitere Hautkrankheiten als typische Auslöser von Juckreiz“). Auslösend können eine unübersehbare Anzahl von Substanzen sein.

Häufig sind es Textilbegleitstoffe oder Veredelungsstoffe für Kunstfasern, seltener Farbbestandteile oder -mischungen. Einige Farbstoffe verursachen manchmal chemisch bedingte Reizungen auf der Haut. Mitunter richtet sich der Verdacht auch gegen mögliche Rückstände von Insektenvernichtungsmitteln – Motto: vom Feld in die Faser – oder Stoffe wie Schimmelpilzblocker als „Transportschutz.

In Schuhleder oder Lederaccessoires kann sich neben anderen Chemikalien ab und zu noch Chrom nach dem Gerben finden. Und: Auf vielfachen Kundenwunsch ist Kleidung oft gespickt mit Metall. Leider können die daraus gefertigten „niet- und nagelfesten“ Stücke zum Beispiel Nickel freisetzen. Chrom wie Nickel lösen öfter allergische Kontaktekzeme aus.

Leicht reizbare, mehr noch allergiebereite Haut verträgt Schurwolle, Seide oder einige Kunstfasern oft nicht. Die rauen Wollhaare oder Textiloberflächen reizen die Haut. Darauf reagieren überempfindliche Nervenendigungen, und so entsteht, kurz gesagt, Juckreiz. Bei Neurodermitis kann sich die Hautkrankheit dadurch mitunter deutlich verschlechtern. Mit sorgfältig ausgewählter und vor dem ersten Tragen gründlich gewaschener, heller und weiter Baumwollkleidung, eventuell auch nach Öko-Standard, kommen viele Betroffene oft noch am besten klar.



Die Raupe (oben) und was ihre Haare auf der Haut (unten) bewirken können (Kombi-Bild)

  • Raupenhaare: Eichenprozessionsspinner

Die Schmetterlingsraupen bauen sich ihre „Gespinstnester“ an Eichenstämmen und Astgabeln. Auf Blätterfraß begeben sie sich nachts in langen und breiten, prozessionsartigen Zügen. Abgebrochene feine Raupenhaare fliegen weit, halten sich jahrelang und können beim Menschen wiederholt zu unangenehmen bis gefährlichen Reaktionen führen. Auf die Haut üben die mikroskopisch kleinen Partikel mit ihren Widerhaken einen mechanischen und mit den enthaltenen Nesselgiften einen chemischen (toxischen) Reiz aus, oder es entwickelt sich eine Allergie.
Symptome: Wer mit den „Brennhaaren“ in Berührung kommt, reagiert nach dem Kontakt mit Juckreiz und Hauterscheinungen. Diese Raupendermatitis zeigt sich in Form von Ausschlägen mit Rötungen, Quaddeln oder rötlichen Knötchen wie nach Insektenstichen, die länger bestehen bleiben. Auch der Juckreiz hält typischerweise länger an. Nach Einatmen der Härchen (auch als Staub) ist asthmaartige Atemnot möglich. Die Giftwirkungen können sich zudem in allgemeinen Symptomen wie Fieber, Müdigkeit und Schwindel äußern. Schlimmstenfalls kann sogar ein Schock auftreten.


Weitere Hautkrankheiten als typische Auslöser von Juckreiz

  • Ekzeme: die häufigsten Hauterkrankungen weltweit

Ein Ekzem ist ein entzündlicher, meist juckender, ursprünglich nicht infizierter Hautausschlag. Da die meist zerkratzte Haut jedoch Erregern wie Viren, Bakterien und Pilzen leichter Zugang verschafft, sind im zweiten Schritt doch Infektionen und in der Folge Hautschäden möglich. Ein Beispiel dafür ist die oft juckende Windeldermatitis bei Säuglingen (den Link finden Sie auf www.baby-und-familie.de).
Für Ekzeme, die überall am Körper auftreten können, gibt es viele Auslöser. Sie führen zu ähnlichen, aber der Art nach unterschiedlichen Erkrankungen.



Kontaktallergie (Kontaktekzem)

– Allergisches Kontaktekzem / Kontaktdermatitis: Im Zusammenhang mit Allergien (siehe oben) wurde die Hautkrankheit bereits erwähnt. Ein allergisches Kontaktekzem beruht auf einer sogenannten Spättyp-Allergie, die manchmal noch Jahre später nach dem ersten Kontakt mit dem Auslöser auftreten kann. Auf der Liste der Ursachen findet sich neben Medikamenten, Kosmetika, Reinigungsmitteln, Arbeitsstoffen und physikalischen Reizen auch Chemie in Kleidern (siehe oben: „Kleiderallergie – gibt es das?“).
Symptome: Ein Kontaktekzem der Haut präsentiert sich anfangs häufig mit einer akuten Rötung und Schwellung. Veränderungen wie Bläschen und starker Juckreiz lassen aber bei fortgesetztem Kontakt mit dem Auslöser meist nicht lange auf sich warten. Die Bläschen können nässen. Mit der Zeit zeigen sich ständig Kratzspuren, die Haut wird trockener, schuppt, bildet Knötchen, kann sich verhärten und ein vergröbertes Bild aufweisen (chronisches Kontaktekzem).

– Toxisches Kontaktekzem: Es ist nicht allergisch bedingt, sondern entsteht durch eine direkte Hautschädigung des verantwortlichen Stoffes. Dazu gehören etwa Öle, Säuren, Laugen, Seifen (sogenanntes Hausfrauenekzem), aber auch physikalische Reize, etwa Sonnenlicht oder starke Temperaturschwankungen. Allergische und toxische Kontaktekzeme sind allerdings nicht immer leicht voneinander abgrenzbar.
Symptome: Hier juckt die Haut eher selten, falls sich nicht im zweiten Schritt eine Allergie entwickelt. Weitere Hautveränderungen entsprechen denen bei Kontaktallergie. Streuherde fehlen allerdings. Typische Stellen sind Hände und Unterarme.

– Nummuläres Ekzem: Es zeigt sich mit münzförmigen, gruppierten Hautveränderungen. Meist finden sich die ekzemtypischen, juckenden Hautveränderungen symmetrisch an Unterarmen und Unterschenkeln oder im Gesicht. Diese Form des Ekzems kann im Zusammenhang mit einem bakteriellen Infektionsherd im Körper auftreten, etwa einer chronischen Zahn- oder Atemwegsinfektion.

Dyshidrotisches Ekzem: Hierfür gibt es mehrere Ursachen, unter anderem eine allergische oder toxische Kontaktdermatitis oder eine Neurodermitis. Es erkranken vor allem jüngere Erwachsene, häufiger Frauen als Männer.
Symptome: In der Akutphase kommt es zu dicht an dicht liegenden Bläschen an Innenflächen der Hände, auch zwischen den Fingern, oder an den Fußsohlen, die stark jucken und  mit einer hellen Flüssigkeit (ist aber kein Eiter) gefüllt sind. Schuppung, Risse, verstärkte Verhornung (Hyperkeratose) sind Zeichen einer chronischen Entwicklung.

– Exsikkationsekzem: Austrocknungsekzem, siehe ganz oben, Abschnitt „Haut im Alter“.

– Seborrhoisches Ekzem: Dazu mehr weiter unten im Abschnitt „Juckreiz an der Kopfhaut und im Gesicht“.

Im weitesten Sinn zählen auch die Neurodermitis und die Knötchenflechte zu den Ekzemen. Dazu nachfolgend mehr.



Neurodermitis an der Armbeuge

  • Neurodermitis (atopische Dermatitis)

Die Erkrankung tritt häufig schon im ersten Lebensjahr auf. Zugrunde liegen teils genetische, teils noch ungeklärte Ursachen. Es kommt zu einer gestörten Barrierefunktion und infolgedessen zu einer veränderten Empfindlichkeit und Immunlage der Haut. Neurodermitis wird wie Heuschnupfen und allergisches Asthma zu den atopischen Erkrankungen gerechnet.
Symptome: Die geröteten, entzündeten und juckenden Hautstellen bei Neurodermitis zeigen sich beispielsweise bei Kindern und Jugendlichen typischerweise an den Beugen der Gliedmaßen, Handgelenken und Händen, am Hals und Nacken. Es gibt jedoch verschiedene Verlaufsformen. Juckreiz ist das führende Symptom. Viele Kinder werden mit der Zeit beschwerdefrei.
Im Beitrag „Neurodermitis (atopische Dermatitis)“ gibt es ausführliche Informationen.

  • Knötchenflechte (Lichen ruber planus)

Lichen-Erkrankungen gehören zu den Autoimmunerkrankungen der Haut. Autoimmun bedeutet, dass das Immunsystem irrtümlich mit bestimmten Antikörpern gegen körpereigene Strukturen vorgeht. Bei der ekzemähnlichen Knötchenflechte werden dabei Zellen in der obersten Hautschicht angegriffen, die Haut entzündet sich.
Symptome: Rötliche bis bräunliche, mattglänzende, flache, stark juckende Knötchen (Papeln) mit herdförmiger Anordnung auf weißlicher oder netzförmiger Streifung der Haut oder Schleimhaut sind hier kennzeichnend. Sie hinterlassen nach dem Kratzen rundliche Herde oder stärker verfärbte Flecken. Es kann auch zu Nagelschäden, Veränderungen an der Kopfhaut und an den Schleimhäuten (Mund, Genitale) kommen. Mögliche Folgen dann: Haarausfall und eventuell bösartige Veränderungen an der vernarbenden Schleimhaut.
Der Beitrag „Lichen ruber planus (Knötchenflechte)“ widmet sich der Hautkrankheit im Detail.

  • Acne vulgaris

Welche Teenager kennt die leidigen Pickel nicht? Akne tritt vorzugsweise in Hautbereichen auf, die viele Talgdrüsen enthalten, vor allem im Gesicht, am Dekolleté, Nacken, Oberarmen und den Schultern.
Symptome: Bei Akne sind die Talgdrüsen vermehrt aktiv, verhornendes Material verstopft die Drüsenausgänge, es bilden sich Mitesser. Diese können aufplatzen und sich entzünden, auch beim Ausdrücken. Es bilden sich Knötchen und Pusteln. Die Entzündung kann das gesamte Gebilde aus Haarbalg und Talgdrüse erfassen. Es entstehen dann tiefgehende, entzündliche Knoten, Gänge, die sich mit eigenen Poren nach außen öffnen (Fisteln), Abszesse, schließlich Narben. Diese schwere Form betrifft häufiger Männer. Daneben gibt es noch andere Akne-Arten. Zu den Symptomen der Acne vulgaris gehört auch Juckreiz. Mehr zu diesem Thema unter „Akne“.



Schuppenflechte

  • Schuppenflechte (Psoriasis)

Bei der Entstehung dieser chronisch-entzündlichen Hauterkrankung spielen viele Faktoren eine Rolle. Es ergibt sich ein Mosaik aus Vererbung, Umweltfaktoren, Infektionen, psychischen Auslösern, die in unterschiedlicher Gewichtung zum Tragen kommen.
Symptome: Vorherrschende Zeichen sind die Hautveränderungen mit ihren glänzenden, silberfarbenen bis weißlichen Schuppen auf geröteter Haut. Sie finden sich oft an den Streckseiten der Arme und Beine, vor allem am Ellenbogen und Schienbein. Außerdem können die Kopfhaut, Brust, Achselhöhlen und der Rücken, die Gesäßfalte und die Geschlechtsorgane betroffen sein. Die Hautveränderungen müssen nicht immer jucken. Juckreiz tritt mitunter deutlicher zutage, wenn sie sich ausdehnen. Lesen Sie dazu auch unter „Schuppenflechte“ nach.

  • Blasenbildende Krankheiten der Haut

Auch bullöse Dermatosen, also bestimmte blasenbildende Hauterkrankungen, gehören zu den Autoimmunkrankheiten der Haut. Sie verlaufen chronisch, manchmal in Schüben. Die beiden nachfolgend genannten Varianten führen unter anderem zu Juckreiz.

– Dermatitis herpetiformis Duhring: Die Krankheit betrifft häufiger Männer als Frauen und eher jüngeren Alters (20 bis 50 Jahre). Das Immunsystem bildet hier Antikörper gegen Hautstrukturen namens Ankerfibrillen, außerdem unter anderem gegen Gliadin. Das ist das Klebereiweiß in Getreiden. Dies bringt es mit sich, dass die Hauterkrankung mit einer weiteren Autoimmunerkrankung, nämlich der glutensensitiven Enteropathie (Zöliakie), verknüpft ist. Diese selbst bleibt hier jedoch meist symptomlos.
Symptome: Es zeigen sich Bläschen oder Blasen in Gruppen auf geröteter, entzündeter Haut (ähnlich wie Herpes, daher der Name herpetiform), vor allem an den Streckseiten der Gliedmaßen – Ellbogen, Knien –, sodann an der Schulter, in der Steißbeingegend und am behaarten Kopf. Die Stellen schmerzen, es kommt zu brennendem Juckreiz, Wunden, Krusten, schließlich Narben. Der Juckreiz kann den Hautveränderungen auch vorausgehen. Die Schleimhäute sind nicht betroffen.

– Bullöses Pemphigoid: Im Unterschied zur vorher genannten tritt diese blasenbildende Autoimmunerkrankung im Alter von über 60 Jahren auf, zudem häufiger bei Frauen. Möglicherweise gibt es Zusammenhänge mit anderen Autoimmunerkrankungen. Als Auslöser kommen außerdem einige Medikamente und UV-Licht in Betracht.
Symptome: Die unterschiedlich großen Blasen, die sich manchmal erst nach längerer Krankheitsdauer bilden, sind prall gefüllt, aber fest, da sie vollständig von der Oberhaut bedeckt sind. Die entstehen auf normaler oder geröteter Haut, die schmerzt, stark juckt, manchmal auch Knötchen aufweist. Beim Eröffnen bluten die Blasen leicht, bilden flache Wunden und Krusten, jedoch meist keine Narben. Die Beugeseiten der Arme, die Oberschenkel innen, der Bauch und die Achselhöhlen sind hauptsächlich betroffen, teilweise auch die Mundschleimhaut und Augenbindehaut.
Mehr zu diesem Krankheitsbild entnehmen Sie bitte dem Ratgeber „Bullöses Pemphigoid“.

In der Schwangerschaft kann ein verwandtes Krankheitsbild auftreten, der stark juckende Herpes gestationis, auch Pemphigoid gestationis genannt (siehe unten im Abschnitt „Juckreiz in der Schwangerschaft“).



Schwarzer Hautkrebs

  • Schwarzer Hautkrebs (Malignes Melanom)

Verändert sich ein „Pigmentmal“, also ein Muttermal oder brauner Fleck, farblich, in der Form, Begrenzung oder Größe, oder kommt es zu Juckreiz, einer Blutung oder Rötung im Randbereich, könnte das Gebilde sich bösartig verändert haben. Gehen Sie damit unverzüglich zum Hautarzt. Mehr zu diesem Thema erfahren Sie im Spezial „Hautkrebs“ und unter „Malignes Melanom (Schwarzer Hautkrebs)“.

  • Stoffwechselstörung plus Licht: Erythropoietische Protoporphyrie

Die seltene genetisch bedingte Stoffwechselerkrankung betrifft ein Enzym, das für die Bildung des roten Blutfarbstoffes wichtig ist. Durch den Defekt sammelt sich ein Zwischenprodukt in der Haut an und macht sie lichtempfindlicher. Die Krankheit tritt im Kindesalter auf. Zudem sind Gallensteine und Leberkomplikationen möglich.
Symptome: In der Haut kommt es schon nach kurzer Lichteinwirkung zu entzündlichen, rötlichen Schwellungen mit Brennen und Juckreiz (Nesselsucht, Urtikaria). Sichtbare Veränderungen fehlen ansonsten meist.

  • Mastozytose: Hautmastozytose und systemische Mastozytose

Mastozytose ist der Oberbegriff für verschiedene seltene Krankheiten, bei denen die Mastzellen vermehrt sind (zu Mastzellen siehe oben, Abschnitt „Unverträglichkeiten: Allergie oder Pseudoallergie?“). Es gibt Formen, bei denen die Hauterscheinungen im Vordergrund stehen, und solche, bei denen andere Organe (mit-)beteiligt sind.

– Hautmastozytose: Hier liegen spontan auftretende Störungen der Mastzellen zugrunde. Es existieren drei verschiedene Hauptvarianten. Bei der früher „Urticaria pigmentosa“ genannten, häufigsten Variante sind weite Strecken der Haut und die Schleimhäute mit rötlich-braunen Flecken oder Knötchen besetzt. Bei Kindern sind das eher größere Gebilde. Typischerweise kommt es spontan, besonders aber bei mechanischer Reizung, zu Schwellungen (Blasen), Rötung und Juckreiz. Die Veränderungen sind entweder schon von Geburt an vorhanden oder treten in den ersten zwei Lebensjahren auf, mitunter auch erst im Jugend- oder Erwachsenenalter. Meist sind sie bis dahin jedoch verschwunden.

– Systemische Mastozytose: Die Mastzellvermehrung in anderen Organen als der Haut, überwiegend im Knochenmark, kennzeichnet die systemische Form der Erkrankung, die nur Erwachsene betrifft. Sie verläuft schleichend-chronisch. Ein zusätzlich möglicher Hautbefall zeigt sich hier eher anhand kleinerer Flecken und Knötchen, die zuerst an den Oberschenkeln beginnen und sich dann weiter ausbreiten. Gesicht, die Kopfhaut, Handinnenflächen und Fußsohlen bleiben ausgespart. Der Ursprung liegt hier meist in bestimmten, spontanen Genveränderungen. Die systemische Mastozytose wird manchmal den sogenannten myeloproliferativen Erkrankungen zugeordnet. Das sind tumorähnliche Veränderungen, die vor allem das Knochenmark, seltener die Lymphorgane betreffen. Es gibt hier gutartige wie bösartige Ausprägungen.

Bestimmte Reize – Ärzte nennen sie „Trigger“ – können bei beiden Mastozytoseformen zu Entladungen der Mastzellen führen: Nahrungs- und Genussmittel, Medikamente oder Giftstoffe, physikalische Phänomene wie starke Temperaturänderungen, etwa kalte Dusche, Hitze, bei Hautbefall Druck oder Reiben auf der Haut (siehe oben) und vieles mehr. Einflüsse wie Sport, Schlafmangel, Hormonwirkungen und psychische Faktoren, etwa Stress und Aufregung, spielen ebenfalls eine Rolle.

Die Symptome hängen davon ab, wie stark und wo im Körper die Mastzellen jeweils vermehrt sind. Das häufigste Symptom bei Hautbeteiligung ist Juckreiz. Dass Betroffene bei systemischer Mastozytose wenig Beschwerden haben oder keine besonderen Trigger kennen, ist insgesamt eher die Regel als die Ausnahme. Einige Patienten sind jedoch ständig sehr beeinträchtigt. Andererseits können vielfältige Beschwerden sowohl bei der systemischen Form als auch bei starker Hautmastozytose auftreten, wenn Mastzellen ihre Stoffe in großen Mengen ausschütten. Dann kann es beispielsweise zu Krankheitsgefühl, Gewichtsverlust, Bauchschmerzen, Übelkeit, Durchfall, Kopfschmerzen, Fieber und Hitzewallungen  kommen. Auch kann der Blutdruck anfallsweise absinken – bis hin zu Kollapszuständen.

  • Histiozytom (Dermatofibrom)

Manchmal bildet sich nach einem Insektenstich oder einer harmlosen Hautverletzung ein derber, gutartiger Knoten aus Bindegewebe an der entsprechenden Stelle. Es können auch mehrere Knötchen sein, jedoch meist nicht größer als etwa fünf Millimeter. Der oder die Knoten können eine recht unterschiedliche Färbung annehmen, von rötlich-braun bis blauschwarz, und jucken. Oft kommt das Histiozytom am Unterschenkel vor. Stören die Knoten, lassen Betroffene sie meist entfernen.

  • Frostbeulen

Die rotbläulichen, knotigen Schwellungen, die nach längerer Unterkühlung entstehen können, beginnen bei Wiedererwärmung häufig zu brennen und zu jucken. Sie kommen besonders an den Streckseiten der Finger und Zehen, Unterschenkeln, Nase und Ohren vor.

  • Hautparasiten: Läuse, Flöhe, Bettwanzen

Die Drei beißen zu, saugen unser Blut und verursachen dabei ganz erheblichen Juckreiz.

– Läuse: Kopfläuse, Filzläuse, Kleiderläuse – die Auswahl ist groß. Bei uns herrschen Kopfläuse vor. Mehr dazu im Abschnitt „Juckreiz an besonderen Körperstellen; Kopfhaut und Gesicht“) weiter unten.



Sprungtalent Floh

– Flöhe: Heute sind vor allem auf den Menschen überspringende Hunde- und Katzenflöhe relevant. Die Stiche finden sich auch hier in Reihen und Gruppen, da der Floh „Probebohrungen“ durchführt, bis er auf ein Blutgefäß zum Anzapfen stößt. Es kommt zu kleinen Wunden, von denen ein starker Juckreiz ausgeht.


– Bettwanzen: Die Bisse finden meist auf unbekleideter Haut statt, vor allem an Armen und Beinen. Grüppchenweise blühen kleine Quaddeln (Wanzenstraßen) auf. Bei empfindlichen Menschen entwickeln sich mitunter Einblutungen oder flächige Blasen an den Bissstellen. Auch allergische Reaktionen, etwa Asthma, kommen vor. Andere Menschen wiederum reagieren kaum.
Tipps zur Vorbeugung gibt es im Beitrag „Parasiten: So schützen Sie sich vor einem Befall“.



Krätzmilbe

Krätze (Scabies): Wenn es nachts zwischen den Fingern und Zehen, in den Achseln, am Nabel oder im Genitalbereich juckt, könnten Hautparasiten vom Typ der Krätzmilben am Werk sein. Die Milbe gräbt sich in die oberste Hautschicht ein und legt dort ihre Eier und Ausscheidungen ab. Befall des Partners oder anderer Familienmitglieder durch engen Kontakt ist möglich.
Symptome: Der stäbchenförmige Tunnel nebst Milbe an der Hautoberfläche ist mit bloßem Auge sichtbar. In die juckende, vom Kratzen wunde Haut können Bakterien eindringen. Oft sind Entzündungen oder eitrige Ausschläge die Folge. Zudem lösen Immunreaktionen gegen die Milben Entzündungen aus. Meist entwickeln sich auch kleinste Knötchen (Ekzem), Blasen oder Quaddeln. Bei Säuglingen und Kleinkindern können die behaarte Kopfhaut und Innenflächen von Händen und Füßen befallen sein.
Der Ratgeber „Krätze (Scabies)“ informiert Sie ausführlich.



Juckreiz bei inneren Krankheiten

Ein weiterer Grund, warum der Arzt einen unklaren Juckreiz unter die Lupe nehmen sollte: Pruritus ist nicht selten auch ein Warnzeichen für Krankheiten „unter der Haut“.

Häufig betrifft das innere Organe wie die Leber und die Gallenwege.



Leber und Gallengang (Schemazeichnung, angeschnitten auch Dünndarm und Bauchspeicheldrüse)

Die Bildung der Gallenflüssigkeit ist eine wichtige Aufgabe der Leber. Die Flüssigkeit gelangt zuerst in die kleinsten Gallenkanälchen in der Leber und wird nach der Passage schließlich über den großen Gallengang in den Darm abgeleitet. Bestimmte Entzündungen können die Bildung der Galle oder ihren Übertritt in die Gallenkanälchen beeinträchtigen. Das passiert zum Beispiel bei einer primär-biliären Zirrhose, die meist Frauen betrifft. im Falle einer primär sklerosierende Cholangitis – hier erkranken mehr Männer als Frauen (mehr dazu jeweils unter „Leberzirrhose“, Kapitel: „Ursachen“, Abschnitt: „Immunbedingte Entzündungen“) –, entzünden sich die Gallengänge innerhalb und außerhalb der Leber. Bei beiden Krankheiten gilt der Juckreiz als Frühsymptom.

Oder es kommt durch einen Gallengangsverschluss durch Steine zu einem Gallestau. Mitunter kann auch ein Tumor der Gallenwege oder der Bauchspeicheldrüse die Gallenwege blockieren, seltener noch ein Darmparasit, etwa ein Leberegel.

Gelegentlich greifen Medikamente, zum Beispiel Erythromycin, Hormonpräparate zur Verhütung oder Phenothiazin das Leber-Galle-System an und lösen einen Gallestau mit Juckreiz aus.

Im Zuge des Gallestaus kann sich außerdem eine Gelbsucht entwickeln. Dann nehmen die Haut, die Schleimhäute und das Augenweiß eine gelbliche Tönung an, der Urin wird dunkler, der Stuhl heller. Der Juckreiz kann allerdings auch ohne Gelbsucht auftreten, oder diese folgt erst später. Auch bei einer virusbedingten Leberentzündung (Hepatitis) gehört Juckreiz zu den möglichen Symptomen.

Mit unerträglichem Juckreiz können auch fortgeschrittene Nierenerkrankungen verbunden sein. Häufig lässt sich die Qual durch eine Blutwäsche-Behandlung (Dialyse) beherrschen, die bei Nierenversagen zur Anwendung kommt.



Probe zur näheren Analyse des Blutes

Erkrankungen des Blutes lösen mitunter ebenfalls Juckreiz aus. Manchmal liegt ein Eisenmangel mit Blutarmut, trockener Haut, Blässe und Juckreiz vor.

Selten steckt eine Polycythaemia vera hinter einem Pruritus. Bei der Erkrankung sind die Blutzellen, vor allem die roten Blutkörperchen, vermehrt. Es handelt sich um eine genetisch bedingte Stammzellstörung im blutbildenden Knochenmark.
Haut-Symptome bei Polycythaemia vera: Der Juckreiz tritt hier vermehrt bei raschen Temperaturschwankungen sowie Kontakt mit Wasser, etwa warmen Bädern, auf. Die Betroffenen haben zudem ein auffallend rotes Gesicht und leiden unter anderem an plötzlichen, schmerzhaften Überwärmungen und Rötungen an den Füßen.

Zink- und Vitaminmangel können ebenso Juckreiz auslösen wie eine Vitamin-Überdosierung, etwa von B-Vitaminen. Auch Stoffwechselerkrankungen beeinflussen die Haut. So kommt es zum Beispiel bei Diabetes, Gicht und Funktionsstörungen der Schilddrüse (Überfunktion, Unterfunktion) häufig zu Pruritus.



Scharlach juckt selten, aber es kann durchaus vorkommen

Unter den zahlreichen Infektionskrankheiten können Windpocken, Herpesvirus-Infektionen, seltener auch Masern, Röteln, Scharlach mit Juckreiz einhergehen. Infrage kommen mitunter auch eine chronische Hepatitis C oder eine HIV-Infektion.

In den Tropen werden bestimmte Wurmerkrankungen (Filariosen) durch Insektenstiche übertragen. Dabei gelangen die Larven in die Haut. Juckreiz und Hautschwellungen können Hinweise geben.

Haben die Ärzte alle denkbaren Ursachen als Auslöser von Juckreiz ausgeschlossen, steht eventuell eine bösartige Erkrankung zur Diskussion. Aber denken Sie bei einem juckenden Ausschlag nicht gleich an Krebs! Hören Sie sorgfältig in Ihren Körper hinein, ob Sie noch andere Veränderungen feststellen, und lassen Sie sich von Ihrem Arzt beraten. Prüfen Sie zunächst auch, ob die Ursache vielleicht „von außen“ kommt (Nahrungsmittel? Medikament? Ein anderer Stoff?). Bestehen Sie aber bei hartnäckigem Juckreiz auf sorgfältiger medizinischer Abklärung.

Ganz gelegentlich weist Juckreiz in Richtung eines Lymphdrüsenkrebses, etwa ein Hodgkin-Lymphom – hier zum Beispiel auch nach Alkoholkonsum – oder eine chronisch-lymphatischen Leukämie, die oft auch mit chronischer Urtikaria und zahlreichen anderen Hauterscheinungen verbunden sein kann.

Mycosis fungoides ist ein mäßig bösartiger Lymphdrüsenkrebs, der sich zuerst an der Haut bemerkbar macht.
Symptome: Es entwickeln sich ein Juckreiz und längere Zeit wechselhafte, manchmal schuppende Ausschläge, vor allem am Rumpf. Später dehnt sich die Erkrankung womöglich aus, es kommt unter anderem zu rundlichen, erhabenen Hautveränderungen, schließlich rot-bräunlichen Knoten in weiten Hautbereichen, auch im Gesicht. In sehr ausgeprägten Fällen entsteht ein großflächiger, schuppender Ausschlag. Auch innere Organe können miterkranken.

– Das Sézary-Syndrom ist eine Sonderform der Mycosis fungoides.
Symptome: Die lymphatische Erkrankung der Haut geht mit starken Rötungen und Hautverdickungen einher, ähnlich einer Erythrodermie (siehe unten). Die Haut verhornt stark, die gesamte Körperbehaarung kann ausfallen. Außerdem führt sie zu Lymphknotenschwellungen und kann schließlich Züge einer Leukämie annehmen. Auch hier tritt häufig ein starker Juckreiz auf.

Selten kommen auch noch andere Krebserkrankungen als Auslöser von Juckreiz infrage, etwa ein Bronchial- und Magenkarzinom, sodann Darm-, Brust- und Prostatakrebs. Hier können Veränderungen an der Haut zunächst fehlen. Doch zeigen sich eventuell bald deutliche Kratzspuren.

Andererseits kann sich bei einer Krebserkrankung vereinzelt schon längere Zeit vor der Diagnosestellung die Haut stellenweise verändern. Das hängt offenbar mit Autoimmunreaktionen zusammen. Dabei greift die Körperabwehr außer den Krebszelllen auch die Haut an. Ein Beispiel hierfür ist die sogenannte Erythrodermie, eine fast den ganzen Körper erfassende, juckende, schuppende Rötung. Das schwere Krankheitsbild kann ebenfalls im Rahmen bestimmter Formen von Lymphdrüsenkrebs (siehe oben) oder bei Krebs der Schilddrüse, Prostata oder Lunge, des Enddarmes oder Eierstocks entstehen.



Juckreiz in der Schwangerschaft: nicht immer wirklich normal


Juckreiz in der Schwangerschaft

In der zweiten Hälfte der Schwangerschaft verspüren viele Frauen irgendwann ein leichtes Hautjucken. Am Bauch kann die Überdehnung der Haut Juckreiz fördern, in Hautfalten eine vermehrte Schweißbildung. Aber auch hormonell bedingte Veränderungen des Stoffwechsels können die Missempfindung begünstigen. Falls ein deutlicher bis starker oder gar unerträglicher Juckreiz auf normaler Haut auftritt, zum Beispiel erst an Handinnenflächen und Fußsohlen, dann am ganzen Körper, unbedingt den Frauenarzt zu Rate ziehen. Er klärt, ob zum Beispiel ein Gallestau in Form einer Schwangerschaftscholestase vorliegt. Es ist wichtig, diese sehr seltene Komplikation schnell zu erkennen und zu behandeln, um mögliche Schäden von Mutter und Kind abzuwenden. Häufiger bilden sich zum Beispiel Gallensteine. Sie machen aber auch eher selten Beschwerden, etwa Koliken.

– Herpes gestationis (Pemphigoid gestationis): Auch diese blasenbildende Autoimmunerkrankung ist ein seltenes Krankheitsgeschehen in der zweiten  Schwangerschaftshälfte. Das Immunsystem greift hier mittels spezieller Antikörper bestimmte Hautbestandteile an. Um den Nabel herum, im Bereich von Schwangerschaftsstreifen oder an den Gliedmaßen entwickeln sich herpes- oder nesselähnliche Bläschen. Schon Tage oder Wochen vorher kommt es zu Juckreiz am ganzen Körper. Die Hautveränderungen heilen nach der Entbindung ab, können aber bei einer erneuten Schwangerschaft wieder auftreten. Auch beim Säugling können sie sich vorübergehend und in abgeschwächter Form zeigen. Mehr zu blasenbildenden Autoimmunkrankheiten der Haut im gleichlautenden Abschnitt oben (unter „Weitere Hautkrankheiten als typische Auslöser von Juckreiz“).

Neurologische Krankheiten

Bei einzelnen Erkrankungen des Zentralnervensystems können neben den jeweils auftretenden neurologischen Symptomen mitunter mitunter auch bestimmte Hautbereiche jucken. Beispiele sind die multiple Sklerose, Abszesse, Hirntumoren oder die Parkinson Krankheit (wegen möglicher Neigung zu einem seborrhoischen Ekzem, das mit Juckreiz verbunden sein kann, aber nicht muss. Zum seborrhoischen Ekzem siehe weiter unten, Abschnitt „Juckreiz an besonderen Körperstellen; Kopfhaut und Gesicht“).



Juckreiz: Ist es die Psyche?


Juckreiz und Psyche

In der Haut spiegelt sich auch die Seele. Daran ist sicher etwas Wahres. Umgekehrt beeinflussen seelische Vorgänge auch die Haut. Wer extrem nervös ist, muss mitunter feststellen, dass selbst die Haut gereizt reagiert – und zu jucken anfängt. Psychische Belastungen nehmen gerade anfällige Haut oft spürbar mit. So machen viele von Neurodermitis Betroffene die Erfahrung, dass ihre Krankheit sich unter Stress verschlechtert. Hartnäckiger Juckreiz wiederum raubt vielen Betroffenen den letzten Nerv. Es entsteht so etwas wie ein Teufelskreis. An der Haut selbst gibt es diese Selbstverstärker-Effekte auch: Juckreiz führt zu Kratzen und Scheuern, und dies unterstreicht den Juckreiz noch.

Einige psychische Erkrankungen, darunter die Magersucht (Anorexia nervosa), können mit ausgeprägtem Juckreiz am ganzen Körper einhergehen. Hier kommen oft mehrere Auslöser zusammen, unter anderem sehr trockene Haut. Von Hypochondrie, etwa Krebsangst, über andere Angsterkrankungen bis zu schizophrenen Zwangsgedanken oder Wahnvorstellungen, etwa einem sogenannten Ungezieferwahn, gibt es zahlreiche Störungen, die auf die eine oder andere Weise mit Juckreiz verbunden sein können. Dabei ist zu bedenken, dass seelische und körperliche Erkrankungen gelegentlich auch kombiniert auftreten.

Juckreiz an besonderen Körperstellen

Manchmal plagt der Juckreiz hartnäckig eine bestimmte Körpergegend. Zum einen kann eine der zuvor genannten Hautkrankheiten vorliegen. Zum anderen gibt es örtliche Besonderheiten. Dazu nachfolgend ein kurzer Überblick.



Kopflaus

Kopfhaut und Gesicht

Typische Ursachen hier: eine Kontaktdermatitis, meist durch Haarpflegemittel (siehe dazu oben: „Weitere Hautkrankheiten als typische Auslöser von Juckreiz“) oder auch bei Befall mit der Kopflaus. Deren Bisse hinterlassen rote, juckende Stellen auf der Kopfhaut, die leicht zerkratzt werden, bluten und sich entzünden. Klassische Stellen: hinter den Ohren und im Nacken.

Infrage kommt außerdem ein seborrhoisches Ekzem. Es beruht auf einer veränderten Zusammensetzung der Hautfette und Hautflora, in der ein bestimmter Pilz überhand nimmt. In der Folge bilden sich wiederkehrende, schuppende, entzündliche Rötungen. Teilweise entwickelt sich mit mäßiger Juckreiz dort, wo die Talgbildung ausgeprägt ist: eben an der Kopfhaut (bei Säuglingen: Gneis), an den Augenbrauen, im Gesicht an der Nasen-Lippenfurche (reicht von den oberen Enden der Nasenflügel bis zu den Mundwinkeln) und mitunter noch etwas darüber hinaus, im Gehörgang, hinter den Ohren.



Trockene Augen jucken oft

Augen

Bei einer allergischen Bindehautentzündung juckt das Auge oft. Zudem sondert es hier häufig Schleim ab, und die Bindehaut kann gerötet oder glasig geschwollen sein. Häufigste Ursache ist der Heuschnupfen (allergische Rhinokonjunktivitis). Weitere Beschwerden wie Niesreiz, Fließschnupfen oder Neigung zu Asthma, abhängig von der Pollensaison, weisen deutlich auf einen Heuschnupfen hin. Die Symptome kommen allerdings auch mit Schwankungen ganzjährig vor, etwa bei einer Hausstaubmilbenallergie.

Trockene Augen gehen typischerweise mit ständigem Jucken und brennen einher. Mehr dazu unter „rotes (trockenes) Auge“.



Allergische Reizungen und andere Entzündungen am Ohr können jucken

Ohren

Möglicherweise löst hin und wieder eine Portion Ohrschmalz einen gewissen Juckreiz aus. Manchmal hat sich der äußere Anteil des Ohres – die Ohrmuschel und der äußere Gehörgang – entzündet (Otitis externa). Kleine Verletzungen durch Manipulationen oder eingedrungene Fremdkörper können eine Infektion durch Bakterien oder Pilze nach sich ziehen.

Auch „Auswüchse“ von Knochen (Exostosen) – sie kommen häufig bei passionierten Schwimmern vor – können den Gehörgang einengen und Infektionen begünstigen. Eine Otitis externa tritt außerdem im Zuge anderer Erkrankungen auf, etwa bei Allergien. Zu den Symptomen gehören Ohrenschmerzen und Juckreiz. An der Haut können sich Knötchen, kleine Wunden oder Pusteln bilden. Der Gehörgang sondert abgeschilfertes Zellmaterial ab und nässt gerne. Oft ist das Hörvermögen vermindert (Schallleitungsschwerhörigkeit).
Schmuck, Parfums, Shampoos, Haarsprays, Ohrschmuck können allergische Reaktionen mit Entzündung und Juckreiz (Kontaktekzeme, siehe oben: „Ekzeme: die häufigsten Hauterkrankungen weltweit“), Infektionen und andere Komplikationen nach sich ziehen.

 



Der Intimbereich ist besonders empfindlich

Intimbereich

  • Frauen

Entzündungen im Schambereich (Vulvitis) kommen sehr häufig vor. Die Ursachen sind vielfältig. Leicht vermeidbar sind Faktoren wie enge, scheuernde Kleidung oder synthetische, wenig atmungsaktive Fasern, welche die Schweißbildung fördern. Feuchte Haut reibt stärker aneinander, wird schneller wund und infiziert sich leichter. Bei älteren Frauen ist der Intimbereich noch empfindlicher und wehrt Erreger schlechter ab. Häufig in Betracht kommen auch Unverträglichkeiten oder allergische Reaktionen auf Hygiene- oder Arzneimittel. Infektionen, etwa mit Viren (zu Herpesviren siehe unten) oder Hefepilzen sind ein weiteres Kapitel.

Auch bei Scheidenentzündungen (Vaginitis, Kolpitis) hängen die Beschwerden von der zugrunde liegenden Erkrankung ab. Zu den Leitsymptomen gehört Ausfluss. Auch hier kommen Infektionen mit Pilzen vor. Bei einer Vulvovaginitis sind beide Genitalbereiche erkrankt.

Pilze, vor allem Hefepilze vom Typ Candida albicans gehören zum natürlichen Ökosystem der Scheide und machen normalerweise keine Beschwerden. Wenn das System aber aus dem Gleichgewicht gerät, etwa bei Hormonmangel (Östrogenmangel) nach den Wechseljahren wie auch bnei Hormonbehandlungen oder unter der Einnahme von Antibiotika, können die Pilze überhand nehmen und Entzündungen auslösen. Die Zuckerkrankheit (Diabetes mellitus) oder altersbedingte Veränderungen fördern dies ebenfalls. Eine aus anderen Gründen geschwächte Abwehr oder kleine Verletzungen der Haut machen diese ebenfalls anfälliger für Infektionen. Manchmal ist mangelhafte oder falsche Hygiene schuld daran, dass Pilze oder Bakterien vom Darm aus in den Genitalbereich übertreten. Krankheitserreger werden auch durch Geschlechtsverkehr übertragen.
Symptome: Bei Pilzbefall (Candidamykose) ist die Vulva stark gerötet, es kommt zu Juckreiz und Brennen. Zudem kann ein krümeliger Ausfluss aus der Scheide auftreten. Ein Übergang auf die Harnröhre macht sich mit Brennen beim Wasserlassen bemerkbar. Auch Schmerzen beim Sex sind möglich. Ständiges Kratzen verschlimmert die Lage – die Haut kann sich infizieren oder verdicken und vergröbern. Manchmal heilt die Infektion nicht aus, tritt wiederholt auf und ist somit chronisch.

Manche Vorstadien bösartiger Entwicklungen im äußeren Genitalbereich, sogenannte Dysplasien, wie auch Gewebeveränderungen, die bereits entartet sind, führen mitunter zu Juckreiz. Gehen Sie daher bei entsprechenden Beschwerden immer zum Frauenarzt.

  • Männer

Auch bei Männern gehören Pilze zur normalen Hautflora. Wenn sich die Erreger bei ihnen ausbreiten und eine sogenannte Candida-Balanitis am Penis verursachen, ist hauptsächlich eine geschwächte Abwehr der Grund. Wie bei Frauen können auch bei Männern Diabetes mellitus oder Antibiotika Pilzerkrankungen fördern. Die Betroffenen stecken sich nicht selten auch beim Geschlechtsverkehr an. Wenn sie von der eigenen Infektion nichts wissen, da diese bei Männern häufig auch symptomlos bleibt, ist das Risiko erhöht, dass sie ihre Partnerin wiederholt infizieren.
Mögliche Symptome beim Mann: Eventuell ist die Eichel unter der Vorhaut gerötet, die Haut juckt, brennt und schmerzt. Auch im Harnröhrenbereich ist manchmal ein Brennen vorhanden, eventuell auch Ausfluss. Mitunter zeigen sich weißliche Auflagerungen oder kleine Knötchen auf der Haut, die Vorhaut kann anschwellen.

  • Beide Geschlechter

Bei Männern wie Frauen können zudem Ekzeme (siehe oben, Abschnitt „Weitere Hautkrankheiten als typische Auslöser von Juckreiz“), sodann Befall mit Würmern (Oxyuren), Krätzmilben oder Filzläusen für Juckreiz im Genitalbereich verantwortlich sein. Typischerweise gehen auch Herpesinfektionen – vor allem bei Frauen –, Lichen sclerosis et atrophicus oder eine sogenannte Erythroplasie de Queyrat oft mit hartnäckigem Juckreiz im Intimbereich einher. Dazu nun noch ein paar Informationen.

– Herpesinfektionen (Herpes-simplex-Virus Typ 2 und Typ 1). Sie betreffen prinzipiell Männer wie Frauen und werden beim Geschlechtsverkehr übertragen. Der Hauptunterschied: Bei Männern bleiben sie oft symptomlos. Bei Frauen machen sich Herpes-Infektionen häufig mit Juckreiz, Spannungsgefühl, Schmerzen und schließlich in Gruppen auftretenden Bläschen bemerkbar. Diese öffnen sich, bilden kleinste Geschwüre und heilen nach etwa acht Tagen wieder ab. Die Viren überdauern in Nerven. Bei Stress oder Schwächung des Immunsystems können die Bläschen jederzeit wieder auftreten. Die Erstinfektion verläuft meistens schwerer als spätere Ausbrüche.

– Lichen sclerosis et atrophicus: Die Autoimmunerkrankung kann sich schon bei Kindern, vor allem aber bei Erwachsenen im Alter über 40 Jahren zeigen. Autoimmun bedeutet, dass das Immunsystem bestimmte Gewebestrukturen im Körper angreift. Mit Juckreiz gehen auch noch weitere Lichen-Erkrankungen der Haut – unter anderem im Genitalbereich – wie Lichen chronicus simplex und squamöse Hyperplasie einher.
Symptome: Es bilden sich weißliche juckende Knötchen, die sich zu größeren Plaques zusammenschließen können; die Haut schrumpft. Bei den deutlich häufiger betroffenen Frauen finden sich die Veränderungen vor allem an den Schamlippen. Bei Männern können die Penis-Vorhaut und deren Bändchen schrumpfen. In der Folge kann sich die Vorhaut verengen, und mit ihr eventuell auch die Öffnung der Harnröhre.
Achtung:
Um eine bösartige Entwicklung nicht zu übersehen, sollte der Arzt den Befund regelmäßig kontrollieren.

– Erythroplasie de Queyrat: An dieser Krebsvorstufe erkranken Männer häufiger als Frauen. Die Krankheit ist durch eine helle, klar begrenzte, langsam sich vergrößernde Rötung der Haut im Bereich der Eichel und Vorhaut oder an den Schamlippen (Vulva) gekennzeichnet. Juckreiz ist möglich.

– Extramammärer Morbus Paget: Die sehr seltene, bösartige Erkrankung führt zu recht starkem Juckreiz. Extramammär bedeutet außerhalb der Brüste. Die bekanntere Variante der Paget-Erkrankungen kommt als Sonderform von Brustkrebs vor. Auch die extramammäre Erkrankung betrifft Frauen häufiger als Männer.
Symptome: Die Hautveränderung tritt in der Leisten-, Genital- oder Analgegend auf, seltener in den Achselhöhlen, an der Vulva manchmal noch im Verein mit einer anderen Krebserkrankung. Es bildet sich eine scharf begrenzte, mitunter sehr großflächige Rötung mit Auflagerungen, die sich nicht wegstreichen lassen. Dazu kommen Juckreiz, Schuppen- und Krustenbildung.

Lässt sich bei einem hartnäckigen Juckreiz im Genitalbereich keine Ursache finden, ist an einen psychischen Hintergrund zu denken (siehe auch oben). Dabei kommt zum Beispiel ein aus dem Bewusstsein verdrängter Konflikt mit dem Partner infrage.



Analjucken empfinden viele Betroffene als extrem nervend

Juckreiz am After

Auch hier kommen als Auslöser zunächst einmal äußere Faktoren infrage. Einengende Kleidung oder synthetische, wenig atmungsaktive Fasern fördern die Schweißbildung und reizen leicht die Haut. Ein weiterer Punkt: unsachgemäße Hygiene, der Gebrauch von Feuchttüchern oder Waschmittelzusätze, die zu einem Ekzem führen können.

Häufig sind Hefepilze im Spiel. Sie bevorzugen feucht-warme Körperpartien und verbreiten sich dort etwa bei Diabetes oder nach einer Antibiotika-Behandlung schnell über das normale, harmlose Maß hinaus aus.

Stauungszustände im unteren Darmbereich im Zusammenhang mit Hämorriden oder eine Enddarm- und Analentzündung (Proktitis) sowie Bestandteile in örtlich angewandten Mitteln sind ebenfalls häufig für Juckreiz verantwortlich. Auch Analfissuren können vorliegen, sodann ein Krebsleiden (Analkrebs). Infrage kommen außerdem zahlreiche Hauterkrankungen, darunter Schuppenflechte, Lichen sclerosis et atrophicus oder ein extramammärer Morbus Paget (zu den beiden Letztgenannten siehe vorhergehender Abschnitt: Intimbereich). Nicht zu vergessen: Wurmbefall mit Oxyuren.
Weitere Infos in den Ratgebern „Hämorriden“ und „Blut am After“.


Fachliteratur:

S. Furter, K.Ch. Rasch: Crashkurs Dermatologie, Urban & Fischer, 1. Aufl. 2007
Gerd Herold und Mitarbeiter: Innere Medizin, 2012
M. Stauber, Th. Weyerstahl: Gynäkologie und Geburtshilfe, Thieme, 3. Auflage 2007


Wichtig:
Dieser Artikel enthält nur allgemeine Informationen und darf nicht zur Selbstdiagnose oder -behandlung verwendet werden. Er kann einen Arztbesuch nicht ersetzen. Die Beantwortung individueller Fragen durch unsere Experten ist leider nicht möglich.




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Dr. med. Claudia Osthoff / www.apotheken-umschau.de; 03.06.2008, aktualisiert am 02.01.2014
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