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Halsschmerzen

Erkältungsviren und Streptokokken (Bakterien) verursachen sehr häufig eine Halsentzündung oder Mandelentzündung (Pharyngitis), und damit Halsschmerzen. Aber es gibt noch andere Auslöser


Bei Halsschmerzen erfüllen oft einfache Hausmittel ihren Zweck

Was steckt hinter Halsschmerzen?

Eigentlich jeder kennt das: Es kratzt im Hals, das Schlucken schmerzt, und auch beim Sprechen tut der Hals merklich weh. Man fühlt sich matt und ahnt: „Erkältung im Anmarsch“. Tatsächlich sind Erkältungskrankheiten der Hauptgrund für Halsentzündungen mit Schmerzen und Schluckbeschwerden – bei Kindern wie Erwachsenen. Es gibt verschiedene Ausprägungen. Sie reichen von der Rachenentzündung (Pharyngitis) über die Mandelentzündung (Angina tonsillaris oder Tonsillitis) bis zur Kehlkopf- oder Stimmbandentzündung (Laryngitis). Ist der Rachen mitbetroffen, entspricht das einer Pharyngolaryngitis. Auch Rachen- und Mandelentzündung können kombiniert vorkommen (Pharyngotonsillitis). Die Übergänge sind fließend, daher werden sie einfach als Pharyngitis zusammengefasst. Ärzte kennen akute und chronische Verlaufsformen. Bestehen Halsschmerzen seit höchstens zwei Wochen, sind sie akut.

Ursachen von Halsschmerzen

Halsentzündungen gehören zu den Atemwegsinfektionen. Die Ursachen von Halsschmerzen sind meistens schnell gefunden. In über der Hälfte aller Fälle sind Viren die Übeltäter, allen voran Erkältungsviren, und das bevorzugt in der kalten Jahreszeit. Seltener sind andere Viren im Spiel. Sie verursachen erkältungsähnliche Krankheitsbilder und besondere Formen der Mandelentzündung.
Bei Kindern sind acht bis zehn mal im Jahr Halsweh, Husten, Schnupfen, Heiserkeit völlig normal. Gerade bis zum Alter von etwa zwei Jahren spielen Viren als Auslöser dieser Erkältungsbeschwerden eine große Rolle. Doch geht es nicht nur um Erkältungsviren, sondern auch um andere Erreger, darunter solche, die sogenannte Kinderkrankheiten auslösen. Im Schulalter stehen eher bakterielle Infektionen im Vordergrund. Mehr dazu im Kapitel „Hauptursachen: Infektionen“.


An zweiter Stelle stehen Reizstoffe in der Umwelt, vor allem Tabakrauch, aber auch andere Chemikalien, Stäube. Häufig macht trockene Raumluft dem Hals zu schaffen.

Es folgen Bakterien. Besonders vor bestimmten Streptokokken, die die gleichnamige Angina oder Scharlach auslösen können, sind Ärzte auf der Hut.

Ein vergleichsweise häufiger Grund für Halsschmerzen ist auch die Rückfluss- oder Säurekrankheit der Speiseröhre. Dabei gelangen Magensäure und damit versetzte Nahrung in die falsche Richtung im Verdauungstrakt, nämlich in die obere Speiseröhre. In der Folge kann die Schleimhaut dort erheblich gereizt werden. Die damit verbundenen Beschwerden wie Sodbrennen sind manchmal auch im Rachen zu spüren.

Wenn bei einer chronischen Nasennebenhöhlenentzündung die entzündlichen Sekrete in den Rachen abflieißen, kann das häufiges Räuspern, Heiserkeit und Halsschmerzen provozieren. Umgekehrt können Nebenhöhlenentzündungen manchmal aber auch einer eitrigen Halsentzündung als Komplikation folgen (siehe Kapitel „Komplikationen“).

Selten stecken Unverträglichkeiten von Medikamenten hinter Halsschmerzen. Einige Arzneistoffe können krankhafte Immunreaktionen auslösen und dadurch bestimmte weiße Blutkörperchen schädigen (Agranulozytose). In der Folge kommt es zu einer vorübergehenden Immunstörung. Je nach Ausmaß kann sich eine schwere Rachenentzündung entwickeln.

Das bedeutet: Abwehrschwäche erhöht die Neigung zu Infektionen und damit auch zu Entzündungen der Mundschleimhaut (orale Mukositis) und im Hals. Die HIV-Infektion / Aids zum Beispiel ist eine Immunschwächekrankheit. Das HI-Virus greift wichtige Abwehrzellen des Immunsystems an und zerstört sie. Halsentzündungen gehören zu den frühen Symptomen, können aber auch im weiteren Verlauf auftreten.

Auch bei einer Chemo- oder Strahlentherapie ist vorübergehend eine Schleimhautentzündung im Mund und Rachen mit Halsschmerzen möglich. Ist die Schleimhaut im Magen-Darm-Trakt entzündet, treten Durchfälle auf. Alle diese Nebenwirkungen können die Ernährung während der Chemotherapie erheblich erschweren. Das betreuende Behandlungsteam informiert die Betroffenen in der Regel rechtzeitig darüber, wie man mit diesen Problemen umgeht.

Nicht zuletzt ist auch bei anderen chronischen Erkrankungen, etwa Diabetes mellitus, die Neigung zu Infektionen erhöht. Autoimmunerkrankungen, bei denen das Immunsystem den Körper selbst angreift, können die Immunabwehr ebenfalls beeinträchtigen. Dasselbe gilt für Behandlungen mit Kortison, erhöhten Stress, chronische Übermüdung, Unterernährung oder krankheitsbedingte Mangelernährung (Maldigestion).

Unzureichende Mundhygiene und schlecht sitzendende Prothesen begünstigen Entzündungen des Zahnfleisches, der Mundschleimhaut und des Rachens. Dies gilt auch für übermäßigen Tabak- und Alkoholkonsum. Die Genussgifte erhöhen zudem das Risiko für einen bösartigen Tumor im Rachenbereich. Allerdings ist die Wahrscheinlichkeit, dass sich hinter Halsschmerzen und Schluckbeschwerden tatsächlich eine Krebserkrankung verbirgt, eher gering.

Dagegen zählen Allergien wiederum zu den häufigen Ursachen von Halsbeschwerden. So sind in Deutschland zum Beispiel Millionen Menschen von Heuschnupfen betroffen, darunter zunehmend viele Kinder. Neben typischen Beschwerden wie Fließschnupfen treten häufig Halsschmerzen oder Reizungen mit Brennen und „Jucken“ im Hals auf.

Am Rande erwähnt: Es gibt, wie manch eine/r aus Erfahrung weiß, auch einen ganz harmlosen Grund für Ärger mit dem Hals: Wahlkämpfer, Fußballfans oder Partylöwen wissen, was gilt, wenn die Stimme wieder einmal überstrapaziert und der Schlund wund ist: „Redeverbot“. Die Stimmbänder brauchen ein paar Tage Schonung, um sich wieder zu erholen. Statt Sprechen heißt es also höchstens Flüstern.

Weitere Symptome bei Halsschmerzen

Halsschmerzen können bis ins Ohr ausstrahlen. Sie sind mit Schluckbeschwerden gepaart, eventuell mit Mundgeruch. Die Stimme kann belegt, kloßig oder heiser sein und vorübergehend sogar völlig versagen. Bei einer Körpertemperatur über 38 Grad Celsius spricht man von Fieber. Frösteln und Schüttelfrost gehen häufig voraus. Je nach Ursache sind weitere Beschwerden möglich: Husten, Abgeschlagenheit, deutliches Krankheitsgefühl, Muskel-, Glieder- und Kopfschmerzen, Gelenkschmerzen, juckende, brennende, tränende oder gerötete Augen und Lichtscheu (Bindehautentzündung). Häufig zeigen sich auch schmerzhaft vergrößerte Lymphknoten („Knubbel“) auf beiden Seiten am Hals oder im Nacken. Mitunter treten Übelkeit, Bauchschmerzen, Hautausschlag und Juckreiz auf.

Gerade Kleinkinder klagen bei Infektionserkrankungen, auch wenn diese gar nichts mit dem Bauch zu tun haben, über Bauchschmerzen oder Brechreiz. Es ist also durchaus möglich, dass dann beispielsweise eine Mandelentzündung im Anzug ist.

Diagnose

Der Arzt erfragt die Krankengeschichte und untersucht den Patienten gründlich. Dabei betrachtet er (außer bei Verdacht auf eine Kehldeckelentzündung wegen der Gefahr, dass die Atemwege sich komplett verschließen oder es zu einem reflexartigen Herz-Kreislauf-Stilstand kommt) auch den Mund und Rachen des Patienten. Falls notwendig, entnimmt der Arzt einen Rachenabstrich zur Untersuchung im Labor (Schnelltest auf Streptokokken). Gegebenenfalls schließt sich eine Bakterienkultur an. Weitere Bluttests und spezielle diagnostische Verfahren sind nur in besonderen Situationen sinnvoll. Manchmal ergibt sich die Notwendigkeit, den Betroffenen an einen Facharzt zu überweisen, beispielsweise für Hals-Nasen-Ohren-(HNO-)Heilkunde, oder gleich in die Klinik. Mehr dazu in den Kapiteln „Diagnose“ und „Selbsthilfe, Therapie“

Therapie

Halsschmerzen klingen meistens von selbst wieder ab. Daher genügen häufig allgemeine Selbsthilfemaßnahmen zur Linderung der vorübergehend unangenehmen Beschwerden (siehe Kapitel „Therapie“). Reizstoffen in der Umgebung sollte man möglichst aus dem Weg gehen. Auch wäre die Gelegenheit günstig, sich für immer vom Rauchen zu verabschieden. Nur wenn Halsschmerzen auf einem bakteriellen Infekt beruhen, kommt ein Antibiotikum infrage. Zur Linderung der Halsschmerzen und Schluckbeschwerden empfiehlt sich für wenige Tage ein Schmerzmittel wie Paracetamol, das auch Fieber senkt, oder ein entzündungshemmendes Medikament. Bei Komplikationen oder speziellen Krankheitsbildern ist eine entsprechend ausgerichtete Therapie notwendig.


Dieser Artikel enthält nur allgemeine Informationen und darf nicht zur Selbstdiagnose oder -behandlung verwendet werden. Er kann einen Arztbesuch nicht ersetzen. Die Beantwortung individueller Fragen durch unsere Experten ist leider nicht möglich.




Bildnachweis: W&B/Marcel Weber
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Dr. med. Claudia Osthoff / www.apotheken-umschau.de; aktualisiert am 21.01.2014, erstellt am 13.01.2011
Bildnachweis: W&B/Marcel Weber

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