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Nackenschmerzen, steifer Hals

Jeder zweite Erwachsene hat mindestens einmal im Leben mit Nackenschmerzen zu tun. Oft dabei: ein steifer Hals, Schmerzen an Schulter und Arm. Was hilft


Verspannte Muskeln machen dem Nacken besonders häufig zu schaffen

Wenn der Nacken schmerzt: Ein Zeichen der Überlastung?

Bis der Nacken streikt, hat er oft schon viel weggesteckt – mehr jedenfalls, als uns bewusst ist. Die unangenehm ziehenden oder bohrenden Schmerzen: vielleicht nur die Spitze des Eisbergs? Auch wenn der kalte Luftzug tags zuvor auf der Reise oder die Sonderschicht am Computer plausible Auslöser sein mögen: Vermutlich haben wir uns schon lange überfordert, und zwar von Kopf bis Fuß.

Denn: Hauptursachen für Nackenschmerzen sind Haltungsprobleme und überlastete Muskeln im Rücken-, Nacken- und Schulterbereich. Auf Dauer verkürzen und verhärten sie sich, sind bei Druck auf typische Stellen äußerst schmerzhaft. Schon eine geringfügige Zusatzbelastung, auch Stress, kann genügen, und die mühsam aufrechterhaltene Balance kippt. Schmerzen können Fehlhaltungen verstärken und diese wiederum den Schmerz verfestigen – ein Teufelskreis entsteht. Eine Blockade wie der akute Schiefhals kann sogar zum Innehalten zwingen.



Verspannungen am Hals lösen: Sanft mit dem Kopf Widerstand gegen den Druck der Hand ausüben, dann die Seite wechseln

Meist ist es aber nicht zu spät, um einzugreifen. Mehr dazu lesen Sie im Abschnitt „Was Sie selbst tun können“ am Ende dieses Beitrags.

Äußerst selten beruhen Nackenschmerzen auf einer ernsthaften Grunderkrankung (siehe nachfolgend im „Kurzüberblick“ und weiter unten). Häufiger sind da schon Verletzungen der Halswirbelsäule zu beklagen. An den Kopf-Hals-Gelenken, an den unterhalb davon liegenden Halswirbeln und ihren Gelenken, an Bändern und Bandscheiben, sind komplizierte Schäden mit schwerwiegenden neurologischen Folgen möglich. Darauf geht dieser Text allerdings nur am Rande ein.


Kurzüberblick Nackenschmerzen

Nackenschmerzen haben viele Ursachen. Ein ernster Hintergrund liegt jedoch nur  ausnahmsweise vor (unter ein Prozent). Mit weitem Abstand an erster Stelle stehen überlastete, verspannte Muskeln – lästig, aber überwiegend harmlos. Mitunter können die Verspannungen auch einen psychischen Hintergrund haben. Darauf kann, muss aber nicht, zum Beispiel eine begleitende depressive Verstimmtheit hinweisen. Dass anhaltende Nackenschmerzen auch auf die Stimmung schlagen können, ist nicht verwunderlich. Andererseits zeigen sich manche Depressionen mit vielfältigen körperlichen Symptomen, etwa unklaren Schmerzen des Bewegungssystems, eben auch Nackenschmerzen, sodann Schlafstörungen, Müdigkeit und vieles mehr.

Mit zunehmendem Alter kommt es zu Verschleiß (degenerativen Veränderungen) am Bewegungsapparat, der sich vielfältig äußern kann. Dann sind ebenfalls oder erstmals Beschwerden wie Schmerzen und Einschränkungen bei Bewegungen des Halses möglich. Allerdings ist ein gewisser Verschleiß im Laufe des Lebens völlig normal. Würde man zum Beispiel bei allen Menschen über fünfzig Jahren die Halswirbelsäule röntgen, käme eine Menge scheinbar Krankhaftes dabei heraus – auch bei jenen, die sich wohlfühlen, gesund sind oder keine Beschwerden haben. Degeneration am Skelett ist also keineswegs immer gleichbedeutend mit Schmerzen.

Mitunter liegt ein sogenanntes Fibromyalgiesyndrom vor. Es geht mit erheblichen (Muskel-) Schmerzen einher. Der Nacken ist hier nur eine von mehreren Schmerzzonen am Körper.

Keinesfalls auf die leichte Schulter zu nehmen sind Verletzungen der Halswirbelsäule. Wobei jedoch das häufige unkomplizierte Schleudertrauma (auch Dezelerationstrauma oder Distorsion) in der Regel – trotz anfangs oft starker Schmerzen – zu denjenigen Verletzungen gehört, die nicht schwerwiegend sind und zudem eine sehr gute Prognose haben.

Infektionen im Kopf- und Halsbereich, rheumatische Krankheiten, einige Tumor- und Knochenerkrankungen zählen wiederum zu den seltenen Ursachen von Nackenschmerzen. In der Folge kann es zu akuten oder chronischen Beschwerdebildern kommen. Je nach Ursache treten neben Nackenschmerzen meist weitere Symptome auf, etwa Fieber, eingeschränkte Beweglichkeit des Kopfes, ein Gefühl der Steifigkeit oder Instabilität der Halswirbelsäule, Schmerzen in anderen Bereichen des Bewegungssystems, eventuell wiederum Schluckbeschwerden und anderes.

Mit übersteigerter Muskelanspannung gehen auch spezielle neurologische Krankheitsbilder wie die sogenannten zervikalen Dystonien einher. Dystonie bedeutet so viel wie „Fehl-Anspannung“. Sind einzelne Körperbereiche betroffen, handelt es sich um fokale Dystonien. Durch überaktive Hals- und Nackenmuskeln etwa kommt es zu unwillkürlich ausgelösten ungewöhnlichen Kopfstellungen. Je nach Art und Richtung der Bewegungen lassen sich verschiedene Formen unterscheiden. Die Ursachen dieser Dystonien sind ganz unterschiedlich. Mehr dazu weiter unten.

Erster Ansprechpartner für Diagnose und Therapie von Nackenschmerzen ist in der Regel der Hausarzt. Strahlen die Schmerzen in den Arm aus, kribbelt es dort, sind womöglich auch das Berührungsempfinden und die Beweglichkeit am Ober- oder Unterarm, an der Hand, an ein oder mehreren Fingern oder gar an den Beinen beeinträchtigt, ist unverzüglich ein Neurologe gefragt. Bei Bedarf wird er einen Orthopäden hinzuziehen. Die zuständigen Fachärzte entscheiden dann je nach Befund über weitere Diagnoseschritte.

Akute starke Schmerzen im Kiefer, Arm, Rücken oder Nacken können mitunter auch Anzeichen für einen Herzinfarkt oder eine akute Erkrankung der Hauptschlagader (akutes Aortensyndrom) sein. Wichtig: Alarmieren Sie bei solchen Symptomen wie auch bei heftigem Schwindel, hohem Fieber, Benommenheit, Bewusstseinsstörungen, nach einer plötzlichen Ohnmacht in Verbindung mit ungewöhnlichen Schmerzen im Kopf oder Oberkörper sowie nach Verletzungen der Halswirbelsäule umgehend den Notarzt (Tel.: 112).

Die Behandlung richtet sich nach der Ursache. So weh ein „nur gestresster“ Nacken mit akut verspannten Muskeln tun kann, so absehbar erholt er sich auch wieder. Ein kurzzeitig eingenommenes Schmerzmittel (siehe auch unten im Abschnitt „Nackenschmerzen: Therapie“) kann die Schmerzen lindern helfen. Lassen Sie sich dazu auch in der Apotheke beraten und beachten Sie die Hinweise in der Packungsbeilage. Ärzte empfehlen oft, bald mit sanften Bewegungsübungen zu beginnen. Dringend anzuraten ist eine Arbeitsplatzgestaltung nach ergonomischen Gesichtspunkten.

Entspannungsverfahren wie Biofeedback und progressive Muskelrelaxation nach Jacobson können teilweise auch hilfreich sein, etwa bei stressbedingten Muskelverspannungen oder bei Spannungskopfschmerzen, die häufig im Nacken beginnen. Anhaltende Schmerzen und / oder Anzeichen einer (drohenden) Nervenschädigung am Hals, etwa durch einen (hier eher seltenen) Bandscheibenvofall, macht eine Operation meist unumgänglich. Das gilt auch bei Instabilität der Halswirbelsäule beziehungsweise an den Kopfgelenken, zum Beispiel infolge einer rheumatischen Erkrankung oder Verletzung.

Info:

Akut sind Nackenschmerzen, die bis zu drei Wochen dauern. Wenn sie nach einem Monat wieder aufflammen, werden sie als wiederkehrend (rezidivierend) bezeichnet. Halten Nackenschmerzen länger als drei Monate an, gelten sie als chronisch.


Was bei Nackenschmerzen vorliegen kann

Zu den möglichen Ursachen oder Krankheitsbildern bei Nackenschmerzen gehören:

Sehr häufig oder recht häufig:

  • Muskelverspannungen (mit Abstand häufigste Ursache!)
  • Degenerative Erkrankungen des Bewegungssystems: Schäden der Bandscheiben und Wirbelkörper (Chondrose und Osteochondrose) der Halswirbelsäule, Bandscheibenvorfall, degenerative Instabilität, Verschleiß der kleinen Wirbelgelenke (Arthrose, auch Facettengelenkarthrose), Bildung knöcherner Sporne an den Wirbeln (Spondylose) oder Verkalkung von Bändern, dadurch Einengung des Wirbelkanals oder von Zwischenwirbellöchern
  • Psychische Faktoren
  • Krankheiten innerer Organe: Herzkranzgefäßerkrankung, auch koronare Herzkrankheit (Angina pectoris, Herzinfarkt), Erkrankungen der Hauptschlagader des Körpers (Aorta), der Speiseröhre, der Lungen
  • Fibromyalgiesyndrom (chronische Schmerzkrankheit)
  • Verletzungen: Muskelzerrungen, Beschleunigungsverletzungen wie das Schleuder- oder sogenannte Dezelerationstrauma der Halswirbelsäule; Wirbelbrüche oder -verrenkungen, Bänderrisse, Schädigungen / Verlagerungen der Bandscheiben, traumatisch bedingte Instabilität

    Selten oder sehr selten:

  • Fokale zervikale Dystonien (seltene Bewegungsstörung mit unwillkürlichen Kopfbewegungen durch länger anhaltende Muskelkontraktionen, die auch schmerzhaft sein können)
  • Nacken-Zungen-Syndrom (selten; ausgelöst durch verschleißbedingte Veränderungen an der Halswirbelsäule: Schmerzen am Nacken und Hinterkopf, Missempfindungen und vorübergehendes Pelzigkeitsgefühl einer Zungenhälfte bei plötzlichem Kopfdrehen)
  • Infektionen: der Wirbel, Bandscheiben, der Halsweichteile (Abszess) oder der Gehirnhaut
  • Rheuma und andere entzündliche Erkrankungen des Bewegungssystems wie die Bechterew-Krankheit (ankylosierende oder axiale Spondyloarthritis), eine Polymyalgia rheumatica, Knochenstoffwechselkrankheiten wie beispielsweise Osteoporose
  • Geschwulst- und Tumorerkrankungen
  • Gehirnblutung (Subarachnoidalblutung; Notfall: extrem starke Kopf- und nackenschmerzen, Nackensteifigkeit, eventuell Bewusstlosigkeit bei Anstieg des Hirndrucks)
  • Nackenschmerzen als Teilsymptom des sogenannten Spannungs-Kopfschmerzes; mitunter auch in zeitlichem Zusammenhang mit einem Migräneanfall möglich


Schmerzarten am Nacken


Nach der Entstehung lassen sich Nackenschmerzen in vier Gruppen zusammenfassen. Die Einteilung ist jedoch eher beschreibend und sagt nichts über den Schweregrad der einzelnen Schmerzarten aus.

  • Mechanisch ausgelöste Nackenschmerzen
  • Andere Nackenschmerzen
  • Übertragungsschmerzen
  • Nackenschmerzen mit psychischem Hintergrund

Dazu nun noch einige Informationen.

Mechanisch ausgelöste Nackenschmerzen

Hier wie überhaupt führend sind Schmerzen im Nacken durch Muskelverspannungen. Zum anderen sind Verschleiß, Verletzungen der Halswirbelsäule wie das Schleudertrauma und der Schiefhals (Torticollis) bedeutsame Ursachen. Allerdings ist Verschleiß bis zu einem gewissen Grad eine normale Entwicklung. Er erklärt längst nicht alles, was den Nacken plagt, wie er auch völlig beschwerdefrei sein kann. Daneben gibt es noch weitere Auslöser, die in die Kategorie mechanisch passen (siehe Abschnitt „Weitere Ursachen mechanisch bedingter Nackenschmerzen“ etwas weiter unten).

Vorsichtig geschätzt, hat mindestens zehn Prozent der Bevölkerung mindestens einmal im Leben mit verspannungsbedingten Nackenschmerzen zu tun, viele Betroffene mehrmals oder anhaltend. Dabei kommt es mitunter auch zu einem mehr oder weniger steifen Nacken. Denn in ihrer Funktion gestörte Muskeln verkürzen sich und können die Mechanik am Hals empfindlich beeinträchtigen. Die Rede ist hier hier auch von myofaszialen oder funktionellen, unspezifischen Beschwerden. Die Schmerzen sind meist auf einer Seite zu spüren. Häufig strahlen sie auch in den Hinterkopf, in die Schulter oder den oberen Rücken aus. Fehlhaltungen können begünstigend sein, die Muskeln verspannen sich noch mehr. So entsteht leicht ein Teufelskreis.

Der Arzt stellt die Diagnose in der Regel klinisch, das heißt aufgrund der Krankengeschichte (Anamnese) und des körperlichen Untersuchungsbefundes. Die Schmerzen klingen nach einfachen Maßnahmen (siehe Abschnitt „Nackenschmerzen: Therapie“ weiter unten) meist wieder ab. Andernfalls wird der Arzt die Diagnose überprüfen.


Früher oder später kommen Verschleißerscheinungen (degenerative Veränderungen) an der Halswirbelsäule hinzu. Sie können, müssen aber nicht, ihrerseits Muskelverspannungen auslösen oder diese verstärken. Der Verschleiß betrifft häufig harte, knöcherne Strukturen, vor allem Wirbel und die kleinen Zwischenwirbelgelenke, wie auch weiche Anteile des Bewegungssystems. Das sind vor allem die Bandscheiben – sie beginnen übrigens schon in jungen Jahren zu „altern“ –, Bänder, Sehnen (etwa Verkalkungen), Gelenkkapseln.

– Was es mit Verschleißproblemen am Hals auf sich hat

Mit dem Älterwerden summieren sich oft haltungsbedingte Beschwerden, etwa durch jahrelange Schreibtisch- (PC-) oder Überkopftätigkeit (etwa Malerarbeit), sodann Muskelverspannungen sowie Verschleiß an Bandscheiben (Chondrose und Osteochondrose) und Wirbeln (Spondylose). Die Bandscheiben verlieren an Elastizität und Höhe. Dadurch kann es zu einer latenten Instabilität kommen. Im Gegenzug können sich Wirbelkanten vermehrt aufwerfen oder Sporne bilden – der neu angesetzte Knochen ist ein Versuch der Stabilisierung.

Allerdings sind der Folge auch entzündliche Veränderungen an den verschiedenen Kontaktstellen innerhalb der Wirbelsäule möglich: etwa zwischen Bandscheiben und Wirbeln (aktivierte Osteochondrose) oder an den kleinen Gelenken zwischen den Wirbeln, den sogenannten Facettengelenken. Nach Ruhephasen wird dann zum Beispiel häufig ein Steifigkeitsgefühl im Nacken verspürt. Wichtig: Hält das Gefühl der Versteifung im Rücken / Nacken morgens länger als 30 Minuten an, sollten man sich beim Arzt genauer untersuchen lassen.

Zudem treten häufig Nackenschmerzen auf, die auch in die Schulter ausstrahlen können. Der Arzt nennt das pseudoradikulär. Dies bedeutet, dass die Beschwerden nicht von gereizten Nervenwurzeln am Rückenmark ausgehen, was eher die günstige Variante ist. Die Nervenwurzeln treten paarig auf beiden Seiten im Wirbelkanal aus dem Rückenmark aus. Eine Wurzel (motorisch) liegt weiter vorne und schickt auszuführende Befehle an Organe, etwa Muskeln. Die andere Wurzel (sensibel) liegt weiter hinten und leitet Empfindungen aus dem Körper ans Gehirn weiter. Beide Wurzeln einer Seite vereinigen sich zum Rückenmarksnerv (Spinalnerv). Am Hals bilden Spinalnerven die Reihe C 5 bis C 8 für Schulter, Brust, Hand und Arm. C steht für cervikal  (auch zervikal) und bezieht sich auf die entsprechenden Etagen oder Segmente des Halsmarks. Jeder dieser C-Nerven ist also in einem bestimmten Bereich an Schulter, Arm und Hand für die Motorik und für Gefühlsempfindungen (Sensibilität) zuständig.

Manchmal engen knöcherne Veränderungen an Wirbeln den Wirbelkanal seitlich ein. Dann entstehende Symptome – Gefühlsstörungen wie Taubheitsgefühle, Kältegefühl, Muskelschwächen oder Lähmungen, also neurologische Defizite oder Ausfälle – beruhen auf beengten Nervenwurzeln (= radikulär). Der Arzt kann bei der Untersuchung in etwa feststellen, ob ein radikuläres Symptombild vorliegt (bei solchen Einengungen im Halswirbelbereich können die Schmerzen auch geringer ausgeprägt sein als die anderen Symptome). Doch können Gefühlsstörungen wie Kribbeln manchmal auch pseudoradikuläre Schmerzen begleiten.

Eine erste (und dann überprüfte) Unterscheidung zwischen pseudoradikulär und radikulär ist wichtig, da insbesondere bei Verdacht auf ein radikuläres Symptombild genauere Untersuchungen erfolgen müssen (siehe unten, Abschnitt „Nackenschmerzen: Diagnose“).

Der Verschleiß kann hauptsächlich drei weitere Probleme nach sich ziehen:

  • 1. Akutes oder chronisches Nacken-Arm- oder Schulter-Arm-Syndrom (Radikulopathie = Nervenwurzelleiden, auch Halswirbelsäulensyndrom, zervikobrachiales Syndrom oder zervikales Wurzelsyndrom): Es löst einen „Nackenschuss“ (Zervikalgie oder Zervikobrachialgie), den Hexenschuss am Hals, aus. Dieser kann relativ schnell wieder vergehen, manchmal aber auch für längere Zeit ein unangenehmer Begleiter sein (siehe Abschnitt „Zervikobrachiales Syndrom“ weiter unten).
  • 2. Hals-Kopf-Syndrom (zervikozephales Syndrom): Dabei verursachen verschiedene Veränderungen an der Halswirbelsäule positionsabhängig Nackenschmerzen bis in den Hinterkopf sowie Durchblutungsstörungen im hinteren Kopfbereich. Diese können sich beispielsweise als Schwindel, Ohrensausen oder Augenflimmern äußern. Auch vegetative Symptome wie etwa Schwitzen an der Innenfläche einer Hand sind möglich.
  • 3. Halsmark-Syndrom (zervikomedulläres Syndrom, Myelopathie = Rückenmarksleiden): Dieses seltene Krankheitsbild geht mit unterschiedlich ausgeprägten Schädigungen bis hin zu Quetschungen des Rückenmarks im Halsbereich (Halsmark) einher. Zustande kommt es entweder dadurch, dass Bandscheibengewebe sich in der Mittellinie zum Wirbelkanal hin etwas vorwölbt (Protrusion) oder vorfällt (Prolaps) und das Halsmark bedrängt. Oder wenn Knochenvorsprünge an den Wirbeln den Wirbelkanal immer mehr einengen (Fachbegriff: zervikale Spinalkanalstenose). Es kommen auch kombinierte Mechanismen vor: „weich“ durch Bandscheibengewebe oder verdickte Bänder an der Wirbelsäule plus „hart“ durch angebauten Knochen. Je nachdem, was vorliegt, sind verschiedene Symptome möglich. Eine akute Quetschung führt zur mehr oder minder ausgeprägten Querschnittlähmung an Armen und Beinen. Sie ist ein Notfall und muss innerhalb weniger Stunden operativ behoben werden. Langsamer sich entwickelnde Schäden können Funktionsstörungen der Beine, etwa Gangstörungen, sodann der Hände verursachen, etwa beim Greifen, Schreiben und anderen feinmotorischen Bewegungen. Nach und nach können sie aber ebenfalls zu ernsten Problemen wie einer Querschnittlähmung führen.

Das zervikobrachiale Syndrom ist die häufigste Konstellation. Falls verlagertes Bandscheibengewebe der Auslöser ist, findet dieses sich meist seitlich und bedrängt so Nervenwurzeln ab C 5. Bandscheibenvorfälle kommen jedoch an der Halswirbelsäule insgesamt deutlich seltener vor als an der Lendenwirbelsäule.
Symptome: Neben heftigen Nackenschmerzen mit erheblicher Muskelverspannung sind Schmerzausstrahlungen in Richtung Schulter und Arm möglich. Schmerzen können auch fehlen. Verdächtige Anzeichen für eine Nervenwurzelreizung sind vor allem auch Muskelschwäche, Gefühlsstörungen und Kältegefühl an bestimmten Stellen am Arm – von der Schulter bis zu einzelnen Fingerspitzen kann jede Etage betroffen sein. Die Beschwerden können zeitweise wieder vergehen und dann erneut, eventuell auch verstärkt auftreten. Manchmal stellen sie sich nach besonders intensiven Arbeitsphasen am Computer ein oder nach anderen übermäßigen – auch plötzlichen – Belastungen der Halswirbelsäule. In der Nacht können sie sich verstärken, eventuell auch bei Husten und Niesen oder Wenden des Kopfes zur betroffenen Seite. Die Betroffenen versuchen mitunter, dem Schmerz durch bestimmte Kopfhaltungen auszuweichen.

Sehr selten entwickelt sich ein sogenanntes Nacken-Zunge-Syndrom. Kennzeichnend sind hier anfallsartige Schmerzen am Hinterkopf und im Nacken bei plötzlichem Kopfdrehen. Dazu entsteht ein Gefühl, als ob eine Zungenhälfte eingeschlafen ist. Zugrunde liegt vermutlich eine Veränderung im Bereich des Kopfgelenkes, wodurch die obere Nervenwurzel C 2 gereizt wird.

Nächtliche Schmerzen und eine Muskelschwäche im Schulter-Arm-Bereich sind zudem bei Reizzuständen und Entzündungen in der Umgebung des Schultergelenks möglich (insbesondere, wenn man auf der entsprechenden Seite liegt). Übrigens: Kurzfristiges Kribbeln und Taubheitsgefühle, die bald wieder abklingen, können mitunter auch nur eine Frage der Schlafposition sein.

Eine weitere häufige Ursache für mechanisch ausgelöste Nackenschmerzen sind Verletzungen der Halswirbelsäule wie das Schleudertrauma, auch Dezelerationstrauma (Verletzung durch einen abrupten Stopp einer schnellen Bewegung) der Halswirbelsäule.

 – Schleudertrauma der Halswirbelsäule

Wegen des großen Bewegungsspielraums der Halswirbelsäule kommen Beschleunigungsverletzungen in diesem Bereich häufig vor. Ein Beispiel ist das Schleudertrauma. Sofern keine größeren Verletzungen, etwa von Wirbeln oder Bandscheiben vorliegen, entspricht es sozusagen einer Zerrung (Distorsion) an der Halswirbelsäule. Die indirekt einwirkenden Kräfte, die den Kopf erst nach hinten und dann nach vorne werfen, sind zum Beispiel typisch für Auffahrunfälle.
Symptome: Stunden oder Tage nach dem Ereignis entwickeln bei einem (einfachen) Schleudertrauma meist sehr starke Nackenschmerzen, eine schmerzhafte Bewegungseinschränkung der Halswirbelsäule (steifer Hals), häufig auch Kopfschmerzen. Die Nackenschmerzen können in Schulter oder Arme ausstrahlen. Bei Bewegungen können sie sich verstärken. Daher nehmen viele Patienten eine Ausweich- oder Schonhaltung ein (Schiefhals, siehe unten). Manche Betroffenen verspüren in der akuten Phase Übelkeit und Schwindel. Letzterer hält manchmal noch längere Zeit an.

Etwa ein Fünftel der Betroffenen hat nach einem Jahr immer noch Probleme mit dem Hals, meistens wegen Muskelverspannungen. Verschleiß kann, muss aber nicht – als Verletzungsfolge – früher einsetzen oder sich verstärken. Umgekehrt können Verletzungen bestehende Verschleißprobleme verschärfen, sodass es beispielsweise in der Folge zu einem Nacken-Arm-Syndrom (siehe oben) kommt. Oft ist es unmöglich, Ursache und Wirkung voneinander zu trennen und die Beschwerden zu objektivieren. Die gute Nachricht: Studien haben gezeigt, dass zum Beispiel Betroffene, die ausreichend von der Harmlosigkeit des Beschwerdebildes informiert wurden und sich schnelle Besserung versprachen, sich tatsächlich früher erholten als jene, die in der Folge mit chronischen Schmerzen rechneten.

– Schiefhals (Torticollis)

Ein akuter schmerzhafter Schiefhals kann eine Extremform der Muskelverspannung am Nacken sein. Bei Erwachsenen kann er zum Beispiel ganz plötzlich durch eine Fehlbeanspruchung, „Zug“ oder infolge eines Schleudertraumas am Hals (siehe oben) entstehen. Auch Seh-, Hör- oder Gleichgewichtsprobleme können zu einer verdrehten oder schiefen Kopfhaltung führen. Auf Dauer sind dann ebenfalls verspannungsbedingt Schmerzen möglich. Daneben kommen verschiedene Erkrankungen oder angeborene Schädigungen im Muskel-Skelettbereich des Halses infrage.

Zeichnet sich bei einem akuten Schiefhals unklarer Ursache nach höchstens drei Tagen keine Besserung ab, sollte ein Arzt hinzugezogen werden, bei weiteren akuten Beschwerden natürlich umgehend.

Andere mögliche, wenn auch seltene Ursachen des Schiefhalses sind neurologische Störungen, zum Beispiel sogenannte fokale zervikale Dystonien, früher Torticollis spasmodicus genannt. Fokale Dystonien bezeichnen Bewegungs- und Haltungsstörungen eines Körperbereiches, hier am Hals (zervikal). Bei einem Teil der Dystonien ist die Ursache unbekannt (Fachbegriff: idiopathisch oder primär), es wird aber eine genetische Komponente angenommen. Vermutlich liegt die Störung in einem bestimmen Gehirnbereich, wo die Motorik moduliert wird. In dieser idiopathischen Gruppe ist die zervikale Form die häufigste Ausprägung.
Symptome fokale zervikale Dystonie: Sie zeigt sich erstmals im mittleren Erwachsenenalter, meist zwischen dem 30. und 50. Lebensjahr. Zu Beginn kommt es häufiger zu starken Muskelverspannungsschmerzen. Die unwillkürliche Bewegungsstörung entsteht dadurch, dass Muskeln sich wiederholt und langsam zusammenziehen. Manchmal treten aber auch rascher wechselnde Muskelaktionen, sogenannte Myoklonien oder Zuckungen, auf. Auch Zittern gehört häufiger zu den Begleitsymptomen. Bei den oft sehr abnorm anmutenden Bewegungen des Halses / Kopfes gibt es beispielsweise solche mit einer Dreh-, einer Rückwärts (Retro-) und einer Seitwärtskomponente.
Das Krankheitsbild wird als vergleichsweise „gutartig“ eingeschätzt. Neurologen können nach Diagnosestellung mit örtlichen Injektionen von Botulinum-Toxin helfen.


Mitunter können auch bestimmte Medikamente, zum Beispiel Phenothiazine (einige werden als Psychopharmaka eingesetzt), eine Torticollis-Symptomatik auslösen.

– Weitere Ursachen mechanisch bedingter Nackenschmerzen

Die Nackensteifigkeit bei einer Hirnhautentzündung (Meningitis) entsteht durch reflexhafte Anspannung der Nackenmuskeln. Sie ist hier jedoch eine zwanghafte „Schonhaltung“ infolge der erheblichen Schmerzen, die von der empfindlichen Hirnhaut ausgehen.

Auch bei einem Abszess im hinteren Rachenraum (Retropharyngealabszess, siehe unter „Schwellung am Hals“, Kapitel „Abszesse“) kann es reflexartig zu einem steifen Hals kommen.

Schilddrüsenkrebs im fortgeschrittenen Stadium kann dazu führen, dass umliegendes Gewebe geschädigt oder bedrängt wird und es dann, mechanisch bedingt, zu Schmerzen im Hals- und Nackenbereich kommt. Zusätzlich können Lymphknoten im Halsbereich mit einbezogen sein, sich derb anfühlen und Schmerzen verursachen.
Dass die genannten Krankheitsbilder (Näheres unter den angegebenen Links) jeweils weitere ernste Symptome verursachen, ist nachvollziehbar.

Andere Nackenschmerzen (nicht mechanisch)

Hier kommen zahllose Ursachen infrage, die das Bewegungssystem (mit-)betreffen. Dabei geht es in erster Linie um Erkrankungen innerer Organe oder des Bewegungssystems selbst.

Zum Beispiel Schmerzen, denen eine spezielle entzündlich-systemische Erkrankung zugrundeliegt. Systemisch bedeutet, dass mehrere Organe erkranken können. Beispiele hier: die rheumatoide Arthritis (auch Rheuma; entzündliche Schädigung von Anteilen der oberen Halswirbelsäule, eventuell Instabilität) oder auch die Bechterew-Krankheit und verwandte Krankheitsbilder mit Verknöcherungen und Versteifungen an der Wirbelsäule (sogenannte ankylosierende oder axiale Spondyloarthritis beziehungsweise seronegative Spondylarthropathien, SPA: mehr dazu im Kapitel „Bechterew & Co.“ im Beitrag „Schmerzen im Gesäß/Kreuz“) .

Zum anderen kommen bei Systemkrankheiten entzündliche Muskelschmerzen vor. Das trifft zum Beispiel für die sogenannte Polymyalgia rheumatica zu. Diese Erkrankung tritt hauptsächlich nach dem 50. Lebensjahr auf und betrifft Frauen deutlich häufiger als Männer. Außer den Muskelschmerzen im Nacken-, Schulter- oder Hüftbereich und auffallender Morgensteifigkeit kann es zu schmerzhaften Entzündungen an den Schultergelenken, ferner an den Verbindungen zwischen Brustbein und Schlüsselbein sowie an den Handgelenken kommen. Damit sind jeweils entsprechend lokalisierbare Schmerzen verbunden. Zugleich liegt als systemische Komponente oft eine entzündliche Gefäßerkrankung (Vaskulitis, hier: sogenannte Riesenzellarteriitis) vor.

Weitere, bei Nackenschmerzen mögliche Krankheitsursachen reichen von Erkrankungen des Skeletts wie zum Beispiel der Osteoporose und eigenständigen Muskelkrankheiten über bakterielle Entzündungen der Bandscheiben (Diszitis) oder Wirbel (Spondylitis) bis hin zu bösartigen Veränderungen. Insgesamt fügen sich die Nackenschmerzen dann meist in eine Reihe ernster Symptome ein, etwa deutliche Schmerzen am Rücken oder an den Schläfen (Schläfen-Kopfschmerz), Fieber, ungewollter Gewichtsverlust, Beschwerden an mehreren Gelenken, sichtbare Veränderungen wie Skelettverformungen (eventuell auch durch spontane Brüche bedingt), Schwellungen und auffallend gerötete Hautstellen, die auf einen nach außen durchbrechenden Abszess hindeuten können, und anderes.

Schließlich können Nackenschmerzen mitunter auch bei Spannungskopfschmerzen oder in zeitlichem Zusammenhang mit einer Migräne-Attacke auftreten. Nicht immer lassen sich diese Kopfschmerzarten genau voneinander abgrenzen. Der Spezialist kann hier jedoch anhand der Schmerzbeeinflussung durch verschiedene Faktoren und Medikamente weiteren Aufschluss erhalten.

Übertragungsschmerzen am Nacken

Das noch nicht genau erforschte Phänomen ist offenbar zusammen mit anderen Faktoren relevant, wenn zum Beispiel akute Rücken- oder Nackenschmerzen chronisch werden. Das kann unter anderem zunächst an sogenannten Triggerpunkten beginnen, schmerzhaften Stellen in verspannten und verhärteten Muskeln. Das Konzept: Triggerpunkte senden Signale an nahe gelegene Schmerzempfänger (Nozizeptoren). Diese können auf verschiedenste Reize reagieren, auch solche, die von der Haut oder dem Bindegewebe ausgehen. Sind die Schmerzempfänger durch anhaltende Reize ständig „auf Sendung“, bleibt auch der Schmerz aktiv. Schmerzsignale können auf entfernte Schmerzempfänger überspringen und schließlich das zentrale Nervensystem (Rückenmark, Gehirn) erreichen. Im Bewusstsein ständig aktiv, kann der wahrgenommene Schmerz sich verändern und festsetzen. Teilweise wird so aus einem zunächst nozizeptiven ein neuropathischer, gewissermaßen von „leidenden Nerven“ ausgehender Schmerz.

Von Übertragungsschmerzen ist allerdings auch manchmal die Rede, wenn zum Beispiel bei krankhaften Vorgängen in bestimmten Organen Schmerzen am Rücken, zwischen den Schulterblättern oder im Nacken auftreten. Dazu kann es zum Beispiel als ein weniger bekanntes Symptom bei einem Herzinfarkt kommen. Übertragungs- oder besser fortgeleitete Schmerzen werden durch bestimmte Verschaltungen sensibler Nerven nicht am Ursprung, sondern weiter weg im Körper empfunden. Neben anderen, richtungweisenden Warnsymptomen – häufig handelt es sich ja um Akutsituationen bis hin zu Notfällen – mag ein Hinweis in die richtige Richtung sein, dass solche Schmerzen nicht von Bewegungen zum Beispiel des Halses abhängen.

– Fibromyalgiesyndrom: Neuropathisch?

Leitsymptom sind oft peinigende (Muskel-)Schmerzen in verschiedenen Körperbereichen, darunter im Nacken. Die Betroffenen leiden zudem unter verschiedenen anderen Symptomen, zum Beispiel nicht erholsamer Schlaf, Müdigkeit, körperliche und seelische Erschöpfung. Auch über Morgensteifigkeit, Konzentrations- und Antriebsschwäche, Wetterfühligkeit oder Schwellungen von Händen, Füßen und im Gesicht klagen sie häufiger.

Die Ursache ist noch nicht bekannt. Diskutiert werden Zusammenhänge mit einer genetischen Veranlagung. Offenbar kommt es zu einer Schädigung kleiner Nervenfasern, was eine Charakterisierung der Schmerzen als neuropathisch, also von Nerven ausgehend, erlaubt. Manchmal entwickelt sich ein Fibromyalgiesyndrom im Anschluss an eine andere Erkrankung, beispielsweise eine körperliche Verletzung oder ein seelisches Trauma, eine Operation oder eine orthopädische Erkrankung.

Lesen Sie mehr im Ratgeber „Fibromyalgiesyndrom (FMS)“.


Psychische Ursachen von Nackenschmerzen

Nacken-, Rücken- und Kreuzschmerzen wurzeln auch oft in der Psyche, oder die Psyche greift irgendwann in das Schmerzgeschehen ein. So fördert zum Beispiel starker Stress im Beruf oder auch in der Partnerschaft Verspannungen, die sich unter anderem leicht auf den Nacken niederschlagen können.

Wie auch immer: Psychisch verstärkt können sich Schmerzen verändern, leider aber auch im Körper oder Kopf festsetzen. Dass seelische oder sogenannte psychosoziale Faktoren – man könnte auch sagen: die individuelle Persönlichkeit – mit darüber entscheiden, ob ein Rücken- oder Nackenschmerz chronisch wird, ist seit langem bekannt. Das soll nicht heißen, dass hier immer bewusste Gedanken und Reaktionen Einfluss nehmen. Bei psychischen Erkrankungen nämlich, etwa bei Depressionen, können Schmerzen am Bewegungsapparat sogar das einzige Symptom sein, während die psychische Grundstörung selbst verborgen bleibt und sich auch dem Betroffenen selbst nicht erschließt.

Sodann gibt es auch psychisch geprägte (psychogene) Weichgewebeschmerzen. Es sind subjektiv sehr stark erlebte Schmerzen im Bereich von Sehnen, Muskeln, Nerven (Neuralgien) und Bindegewebe. Krankhafte Veränderungen des Bewegungssystems sind zwar oft vorhanden, erklären aber nicht das Ausmaß der emotional verstärkten Beschwerden. Auch hier spielen psychosoziale Faktoren oft eine wichtige Rolle.

Nackenschmerzen: Diagnose

Grundsätzlich zuständig ist zunächst einmal der Hausarzt oder Orthopäde. Wenn nötig, werden Ärzte anderer Fachrichtungen hinzugezogen, etwa ein Neurologe oder Internist, eventuell mit weiterer Spezialisierung als Rheumatologe oder Endokrinologe (also ein Facharzt für innere Erkrankungen sowie Rheuma oder für hormonelle Störungen). Wenn organische Ursachen ausgeschlossen sind, ist eventuell auch ein Facharzt für Psychiatrie und Psychotherapie (beziehungsweise für Psychosomatische Medizin und Psychotherapie oder ein ärztlicher oder psychologischer Psychotherapeut) der richtige Ansprechpartner.

Unkomplizierte Nackenschmerzen mit vorwiegender Muskelverspannung diagnostiziert der Arzt klinisch. Das heißt, dass ihm das Beschwerdebild, die Krankengeschichte und der körperliche Befund bei fehlenden weiteren Symptomen vorerst als Hinweise genügen. Bei der körperlichen Untersuchung stehen der Körperbau, die Beweglichkeit des Kopfes, Halses, der Schultern, Arme und der übrigen Gelenke im Mittelpunkt. Der Arzt beurteilt den Spannungszustand der Muskeln, die Muskelkraft, die Muskelreflexe, die Berührungsempfindlichkeit. Er prüft, ob bestimmte Bewegungen des Kopfes oder Armes schmerzauslösend sind. Außerdem kontrolliert er, ob die Wirbelsäule beim Beklopfen irgendwo schmerzt oder ob sich bestimmte Punkte finden lassen, von denen bei sanftem Tastdruck Schmerzen ausgehen. Sodann kontrolliert er auch Mund und Rachen und erkundigt sich (sofern er den Patienten nicht selbst betreut) nach eingenommenen Medikamenten, etwa auch Kortison. Außerdem oft aufschlussreich: ein Schmerzfragebogen, den der Patient ausfüllt.

Bei Auffälligkeiten oder Komplikationen und je nach Ausprägung der dann vorhandenen Symptome werden mehr oder weniger dringlich weitere Schritte notwendig sein. Dies gilt vor allem bei:

  • Von Anfang an sehr starken Schmerzen, nicht abklingenden oder zunehmenden Schmerzen
  • Weiteren dringend abklärungs- und behandlungsbedürftigen Situationen wie Muskelschwäche, Gefühlsstörungen, Schwindel, Sehstörungen
  • Notfällen wie Lähmungen, Bewusstseinsstörungen, hohes Fieber, Krämpfe, Verdacht auf Herzinfarkt, Kollaps oder Schock
  • Verletzungen

Die weiterführende Diagnostik umfasst dann bildgebende Verfahren wie Röntgenaufnahmen, eine Computertomografie oder Magnetresonanztomografie zur Schichtbilddarstellung der (Hals-)Wirbelsäule, gegebenenfalls auch des Halses oder Kopfes, eventuell Untersuchungen der Gefäße am Hals mit dem Farbdoppler (Duplexsonografie), ferner Blutuntersuchungen, kardiologische Diagnoseverfahren und eine Untersuchung beim Neurologen. Wer dann letztlich die Therapie in die Hand nimmt, hängt von den jeweiligen Untersuchungsergebnissen ab. Geht es um eine Operation an der Wirbelsäule, fällt diese Aufgabe je nach Krankheitsgeschehen einem Neurochirurgen, orthopädischen Chirurgen oder Unfallchirurgen zu.

Beim Fibromyalgiesyndrom sind objektivierbare Zeichen noch nicht für die Diagnose etabliert. Daher ist diese nicht einfach zu stellen und bedarf des Experten, etwa eines Schmerztherapeuten. Angesichts der Symptomenvielfalt sind aber zunächst meist Fachärzte für Innere Medizin, Orthopädie und Neurologie gefragt, um andere Krankheiten auszuschließen.

Dies gilt auch für die psychisch bedingten oder mitverursachten Weichgewebeschmerzen.


Nackenschmerzen: Therapie

Verspannungsbedingte Nackenschmerzen klingen meist von alleine nach wenigen Tagen bis Wochen wieder ab. Ein kurze Zeit eingenommenes einfaches Schmerzmittel wie zum Beispiel Paracetamol oder ein entzündungshemmendes Mittel (nicht steroidales Antiarheumatikum), sodann Auflegen von Kälte- oder Wärmepackungen können die Genesung beschleunigen. Andere in Entzündungsprozesse eingreifende Arzneimittel setzt der Arzt als Behandlung ein, wenn er eine entzündlich-systemische Krankheitsursache der Beschwerden feststellt. Die Wahl der Medikamente hängt jeweils von der genauen Diagnose ab.

Physikalische Anwendungen wie Strom- oder Ultraschallbehandlungen (Elektrotherapie) und Massagen verordnen Ärzte heute zurückhaltend oder im Rahmen eines umfassenden Therapiekonzeptes, bei dem auch psychologische Techniken zum Einsatz kommen (siehe unten: multimodal). Die genannten Anwendungen können die Durchblutung und Stoffwechselprozesse im Gewebe fördern und entspannend wirken. Gelockerte Muskeln werden besser durchblutet, was Schmerzen lindern helfen kann. Aussagekräftige Studienergebnisse zur gründlichen Nutzenbewertung fehlen allerdings.

Halskrawatten (Zervikalstützen, Cervicalorthesen) gibt es zu verschiedenen Zwecken: Ruhigstellung, Mobilisierung, Stabilisierung der Halswirbelsäule (HWS). Nach einem einfachen Schleudertrauma beispielsweise ist man von entsprechenden Modellen zur Stabilisierung weitgehend abgekommen, da inaktive Muskeln nur weiter geschwächt werden. Mögliche Einsatzgebiete zur Ruhigstellung (Immobilisierung) sind bestimmte Arten von Instabilitäten an der HWS, etwa bei entzündlichen Schädigungen im Rahmen axialer Spondyloarthropathien wie der Bechterew-Krankheit oder bei andersartigen Entzündungen von Wirbeln. Ausführungen, bei denen schrittweise auch eine Mobilisierung möglich ist, können bei bestimmten Verletzungen der HWS, etwa stärkeren Distorsionen, hilfreich sein.

Physiotherapie (Übungsbehandlung) wird der Arzt vor allem bei subakuten oder chronischen Schmerzen verordnen, etwa für Patienten, die mehr als vier Wochen unter Nackenschmerzen leiden. Verspannte Muskeln sind verkürzt und sollten daher gedehnt und gekräftigt werden. Dann sind sie bald auch wieder beweglicher. Durch passende Übungen ist dies sanft, aber gezielt möglich. Überhaupt ist in die Therapie wörtlich viel aktive Bewegung gekommen. Die Übungsbehandlung ist nicht nur bei unspezifischen, funktionellen Nackenschmerzen wichtig, sondern zum Beispiel auch bei Krankheitsbildern, die in die Gruppe der Arthrosen oder aber Spondyloarthropathien gehören wie etwa die Bechterew-Erkrankung. Nebenbei kann man lernen, die Haltung zu optimieren. Auch meditative Bewegungstherapien eignen sich teilweise gut, zum Beispiel bei Fibromyalgiesyndrom.

Zu Entspannungsverfahren gehört auch die progressive Muskelrelaxation nach Jacobson. Mit Anspannungs- und Entspannungsübungen soll der Betroffene Tiefenentspannung erfahren und so zu mehr Ruhe zu kommen. Biofeedback ermöglicht es, den Spannungszustand von Muskeln und die Hauttemperatur zu messen und die Daten zur Erfolgskontrolle beim bewussten Entspannen einzusetzen.

Verfahren, bei denen Bewegung und Entspannung im Mittelpunkt stehen, finden oft im Rahmen sogenannter multimodaler Therapien Anwendung. Sie spielen vor allem bei subakuten und chronischen Rücken- und Nackenschmerzen eine wichtige Rolle. Multimodal bedeutet, dass verschiedenste Therapierichtungen sich zu einem individuell abgestimmten Konzept verbinden. Dabei stehen psychosoziale Behandlungsansätze im Vordergrund.

Bei einer überlagernden Depression können zusätzlich bestimmte Antidepressiva zum Einsatz kommen. Dies sollten Sie mit Ihrem Hausarzt, Orthopäden oder einem Arzt / einer Ärztin für Psychiatrie und Psychotherapie sorgfältig klären.

Chirotherapie oder Manuelle Medizin findet im Halsbereich eher zurückhaltend Anwendung. Chiro- oder Manualtherapeuten setzen Weichteiltechniken, Manipulation und Mobilisation, außerdem eine sogenannte neuromuskuläre Therapie ein. Vor einer Manipulation am Hals müssen auf jeden Fall kritische Veränderungen an der Wirbelsäule und eine Reihe weiterer Gegenanzeigen ausgeschlossen werden. Man sollte immer nur den kundigen Arzt oder Physiotherapeuten nach ärztlicher Verordnung an den Hals heranlassen. Bei einer Bechterew-Erkrankung der Wirbelsäule soll zum Beispiel keine Manipulationstechnik angewandt werden. Ein sinnvolles Einsatzgebiet für sogenannte Extensions-, Traktions- oder Zugbehandlungen – eine Mobilisationstechnik – kann zum Beispiel eine schmerzhafte Muskelverspannung sein, etwa als „akuter Schiefhals“, ohne weitere Probleme, etwa struktureller Art am Hals. Vorsichtig-mobilisierende Verfahren, möglichst immer in Verbindung mit einer Übungsbehandlung, sollen gemäß einer Leitlinie (siehe Abschnitt „Fachliteratur“) manipulierenden Maßnahmen vorgezogen werden.

Bevor – außerhalb von Notfällen – ein operativer Eingriff an der Halswirbelsäule erwogen wird, etwa wegen eines Nervenwurzel-Schmerzsyndroms (Radikulopathie, siehe oben, „Mechanisch ausgelöste Nackenschmerzen“, Punkt 1. Akutes oder chronisches Nacken-Arm- oder Schulter-Arm-Syndrom), sind gegebenenfalls „Schmerzblockaden“ durch spezielle Injektionstechniken mit Röntgenunterstützung eine Option. Dabei bringt der Arzt ein Depot mit Kortison und einem örtlich betäubenden Mittel in die Nähe einer gereizten Nervenwurzel oder eines entzündeten Bandes oder Wirbelgelenkes. Eventuell kommen auch Injektionen mit einem betäubenden Mittel in die tiefe Halsmuskulatur in Betracht. Der Arzt wird den Patienten zuvor über alle möglichen Risiken – und die sind zahlreich – sorgfältig aufklären. Manchmal ist aber eine Operation tatsächlich der bessere oder einzige Weg. Liegt den Nackenschmerzen eine andere Erkrankung zugrunde, so behandelt der Arzt diese so gezielt wie möglich.


Praktische Tipps für einen entspannteren Nacken

  • Finden Sie innerlich Abstand zum „kranken“ Nacken, nehmen Sie ihn an und richten Sie den Blick zuversichtlich nach vorne.
  • Wärmeanwendungen, etwa mithilfe von Rotlicht, durchblutungsfördernden Salben oder Wärme-Pflastern (Wirkstoffe sind beispielsweise Nonivamid, Cayenne-Pfeffer; Beratung in der Apotheke empfehlenswert) können unter anderem bei schmerzhaften Muskelverspannungen und -zerrungen hilfreich sein. Fragen Sie dazu auch Ihren Arzt und Apotheker.
  • Vermeiden Sie Überlastungen, aber auch übertriebene Schonung wie etwa Bettruhe.
  • Beginnen Sie langsam mit leichten Übungen zur Muskeldehnung unter Anleitung eines/r Physiotherapeuten/in, die Sie dann regelmäßig fortführen und steigern.
  • Korrigieren Sie gegebenenfalls Ihre Haltung unter Anleitung eines/r Physiotherapeuten/in, und lernen Sie, wie Sie Ihren Hals entspannen können.
  • Stress sollten Sie so gut wie möglich meiden, abbauen oder ausgleichen.
  • Arbeiten Sie in einer wirbelsäulenfreundlichen Sitzposition (ergonomischer Arbeitsplatz, regelmäßige Entspannungs- und Bewegungspausen nicht vergessen).
  • Meiden Sie Zugluft und Feuchtigkeit, schützen Sie Nacken und Hals vor Kälte.
  • Wählen Sie eine optimale Matratze, und sorgen Sie eventuell auch für einen flachen Ausgleich der Nackenwölbung.


Weitere ausführliche Informationen zu Ursachen, Diagnostik und Therapie von Nackenschmerzen finden Sie außerdem im Beitrag „Rückenschmerzen“ in den Kapiteln „Andere Ursachen: spezifisch“, „Therapie: spezifisch“ und „Selbsthilfe“.

 


Fachliteratur:

Grifka J,  Kuster M (Hrsg.): Orthopädie und Unfallchirurgie, 1. Auflage, Berlin-Heidelberg Springer-Verlag, 2011

Mengel, MB, Schwiebert LP, Familiy Medicine, 5. Auflage, London McGrawHill Medical Lange, 2009

Robert-Koch-Institut, Berlin (Hrsg.): Rückenschmerzen, Gesundheitsberichterstattung des Bundes, Heft 53, Dez. 2012

Deutsche interdisziplinäre Vereinigung für Schmerztherapie (DIVS): Definition, Pathophysiologie, Diagnostik und Therapie des Fibromyalgiesyndroms, Leitlinie Nr. 041/004, 2012. Online: http://www.awmf.org/uploads/tx_szleitlinien/041-004l_S3_Fibromyalgiesyndrom_2012-04_01.pdf
Abgerufen am 17.11.2014

http://www.dgn.org/pressemitteilungen/fibromyalgie-organische-ursache-statt-psychisches-problem.html?q=fibromyalgie
Abgerufen am 17.11.2014

Leitlinien für Diagnostik und Therapie in der Neurologie. Deutsche Gesellschaft für Neurologie (DGN): Dystonie. In: Extrapyramidalmotorische Störungen, Leitlinie Nr. 030/039, 2012. Online: http://www.dgn.org/component/content/article/45-leitlinien-der-dgn-2012/2389-ll-11-2012-dystonie.html?q=zervikale+dystonie
Abgerufen am 17.11.2014

Evidenzbasierte Leitlinie der Deutschen Gesellschaft für Rheumatologie (DGRh) und der beteiligten medizinisch-wissenschaftlichen Fachgesellschaften und weiterer Organisationen: Langfassung zur S3-Leitlinie "Axiale Spondyloarthritis inklusive Morbus Bechterew und Frühformen", AWMF-Leitlinien Register Nummer060/003, November 2013.

Online: http://www.awmf.org/uploads/tx_szleitlinien/060-003l_S3_Axiale_Spondyloarthritis_Morbus_Bechterew_2013-11.pdf
Abgerufen am 21.11.2014

Nackenschmerzen. Deutsche Gesellschaft für Allgemeinmedizin und Familienmedizin (DEGAM), DEGAM-Leitlinie Nr.13, AWMF Register Nr. 053/007, Stand: Juni 2009, op omikron publishing Düsseldorf 2009
Online: http://www.awmf.org/uploads/tx_szleitlinien/053-007_S3_Nackenschmerzen_Lang_06-2009_12-2014.pdf
Abgerufen am 21.11.2014

 

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