Gelbsucht (Ikterus)

Erst die Augen gelb, dann die Haut – so zeigt sich ein Ikterus. Von einer leichten Gelbsucht Neugeborener abgesehen, ist die Tönung krankhaft oder zumindest nicht normal

von Dr. med. Claudia Osthoff, aktualisiert am 26.01.2015

Gelbsucht und Hepatitis: manchmal, aber nicht immer ein und dasselbe

W&B/Martina Ibelherr/Photodisc

Verfärben sich die Augen oder die Haut, so hat das nicht nur etwas Unheimliches. Es ist auch nicht gerade ansehnlich. Der nächste Gedanke: gelbe Augen, kranke Leber. Aber stimmt das überhaupt? Für viele sind Gelbsucht und Hepatitis (Leberentzündung) identisch. Demgemäß sorgt man sich nicht nur um die eigene Gesundheit, sondern auch darum, womöglich andere anzustecken.

Doch die Ursachen von Gelbsucht sind zahlreich und betreffen keineswegs nur die Leber. Und: Weder verbirgt sich hinter jeder "Hepatitis" eine ansteckende Infektion, noch tritt jedes Mal eine Gelbsucht auf. Trotzdem ist am Anfangsverdacht gelbe Augen = kranke Leber prinzipiell etwas dran. Am besten also schnell Klarheit schaffen und zum Arzt.


Szenenwechsel: Eine frischgebackene glückliche Mutter und ihr Kleines. Kaum auf der Welt, saugt es schon eifrig an Mamas Brust und scheint wohlauf. Am vierten Tag wirkt das Baby leicht gebräunt. Der goldgelbe Teint zeigt an, dass es nach der Geburt noch etwas Mühe mit der Umstellung hat. In der Tat bekommen mindestens 60 Prozent aller Neugeborenen den sogenannten physiologischen Ikterus (Neugeborenen-Gelbsucht). Der Gallenfarbstoff im Blut steigt dann etwas zu stark an. Meistens ist die Störung harmlos und klingt von selbst wieder ab.

Der Stoff, der gelb macht

Eine zentrale Rolle bei Gelbsucht spielt der Gallenfarbstoff Bilirubin. Der normale Grenzwert beträgt bei Erwachsenen 1,2 mg/dl Blut (Milligramm pro Deziliter). Höhere Werte zeigen eine Hyperbilirubinämie an. Bei Werten über 2 mg/dl werden die Augen, genauer: das Augenweiß, und die Haut gelb. Ikterus ist zwar eine Blickdiagnose. Letztlich ist er aber nur ein Symptom – allerdings eines, dem der Arzt auf die Spur kommen muss, um die Weichen richtig zu stellen.


Verschlungene Wege: So fließt die Galle

W&B/Ulrike Möhle

Bilirubin (von lat. bilis = Galle und ruber = rot) stammt großteils aus dem roten Blutfarbstoff, dem Hämoglobin. Spontan anfallendes Bilirubin wird auch indirektes Bilirubin genannt. Die Leber macht daraus direktes Bilirubin. Es ist wasserlöslich und gelangt mit der Galle in den Darm. Darmbakterien bilden aus Bilirubin Abbauprodukte wie Urobilinogen, die großteils über den Stuhl eliminiert werden. Ein kleiner Teil kreist zwischen Darm, Leber und Galle, findet den Weg über die Nieren oder geht endgültig mit dem Stuhl ab. Neue Forschungsergebnisse zeigen übrigens, dass der Körper auch Abbauprodukte des Blutfarbstoffes wie Bilirubin in gewissem Umfang nutzt. Als Signalmoleküle scheinen sie nämlich verschiedene Körperfunktionen zu beeinflussen. Es bestätigt sich wieder mal die Regel, dass die Dosis das Gift macht.

Die Abkömmlinge von Bilirubin sind ebenfalls Farbstoffe. Das erklärt, warum zum Beispiel bei Gelbsucht der Stuhl manchmal sehr dunkel ist. Staut sich die Galle, statt abzufließen, ist nur der Urin dunkel und der Stuhl dafür sehr hell. Der Grund: Das Färbemittel fehlt hier weitgehend im Darm. Dafür ziehen die Nieren es vermehrt aus dem Blut in den Urin. Neben der Gelbsucht tritt dann allerdings auch starker Juckreiz auf. Schuld daran sind die Gallensäuren, die sich ebenfalls im Blut ansammeln.

Gelbsucht: die drei Arten des Ikterus

Ärzte unterscheiden einen hämolytischen, einen hepatischen und einen cholestatischen Ikterus.

Hämolytischer Ikterus: Diese Form der Gelbsucht entsteht, wenn die roten Blutkörperchen vorzeitig ausrangiert werden oder zerfallen (Hämolyse). Fällt viel (indirektes) Bilirubin an, ist die Leber überfordert, und das Bilirubin weicht notgedrungen ins Blut aus. Da das Problem eigentlich außerhalb, sozusagen vor der Leber liegt, hat sich die Bezeichnung prähepatisch eingebürgert (lat. prä = vor und hepar = Leber).
Ursachen: Meistens liegen Erkrankungen des Blutes zugrunde. Zum Beispiel erbliche Blutkrankheiten wie die Kugelzellenanämie oder andere Störungen der roten Blutkörperchen. Verschiedene immunbedingte Erkrankungen können das Abwehrsystem veranlassen, Antikörper zu bilden, die die roten Blutzellen zerstören. Dazu kann es auch nach wiederholten Bluttransfusionen kommen. Weitere Ursachen reichen von der Malaria und anderen schweren Infektionen über Verbrennungen bis zur Schädigung der Blutkörperchen durch ständigen Kontakt mit Metall, etwa einer mechanischen Herzklappe. Folgen zu wenig neue Blutkörperchen nach, entsteht zudem eine Blutarmut (hämolytische Anämie).
Symptome bei hämolytischem Ikterus: Der Stuhl ist dunkel, der Urin kann im Extremfall rot-braun sein. Die weiteren Symptome hängen von den Auslösern der Hämolyse ab (siehe auch unten, Symptome-Check).
Zur Diagnose: Das indirekte Bilirubin ist im Blut erhöht, und der Urin enthält unter anderem Urobilinogen. Mehr Informationen zur Diagnose im entsprechenden Abschnitt weiter unten.

Hepatischer Ikterus: Die Leber lässt sich mit einem Großlabor vergleichen. Speicherung, Aufbau, Umbau, Abbau und Entgiftung von Stoffen – Tag für Tag läuft hier ein umfangreiches Programm ab. Nehmen Leberzellen Schaden, können sie ihre Aufgaben nur noch eingeschränkt oder gar nicht mehr erfüllen. Dass eine Gelbsucht mit einer Erkrankung oder Schädigung der Leber zusammenhängt, ist gängige Meinung – oft zu Recht.
Ursachen: Alkohol belegt bei uns einen Spitzenplatz als Auslöser schwerer Leberschäden. Eine gewisse Rolle spielen aber auch Medikamente. Bei Frauen lässt sich eine Gelbsucht zum Beispiel mitunter auf die Anti-Baby-Pille zurückführen. Eine Lebererkrankung, die überwiegend Frauen betrifft, ist die sogenannte Autoimmunhepatitis. Gelbsucht ist hier nur ein Krankheitszeichen von vielen; manchmal fehlt sie auch. Schädlich oder gefährlich für die Leber sind natürlich auch verschiedene Pilzgifte und andere Giftstoffe, etwa Chemikalien. Nicht zu vergessen: die Infektionserreger der Virus-Hepatitis. Bei Kindern verläuft eine akute infektiöse Hepatitis, anders als bei Erwachsenen, übrigens häufig ohne Gelbsucht!

Auch Komplikationen in der Schwangerschaft gehören in die Rubrik hepatischer Ikterus. Beispiele: die genetisch bedingte, allerdings extrem seltene akute Leberverfettung und das HELLP-Syndrom (dazu mehr im Kapitel "Diagnose 2", Ratgeber "Bluthochdruck"). Zur Erklärung der Abkürzung: H steht für "H(a)emolysis", Zerfall roter Blutkörperchen; EL für "Elevated Liver Enzymes" (krankhaft veränderte Leberwerte), und LP für "Low Platelet Counts" = erniedrigte Zahl der Blutplättchen, die bei der Blutgerinnung eine Schlüsselfunktion haben.

Viel häufiger plagt Frauen in der Frühschwangerschaft eine ungewohnte Übelkeit. Wenn häufiges Erbrechen dazukommt und die Beschwerden im Laufe der Zeit nicht abklingen (Hyperemesis gravidarum), kann es problematisch werden. Bei rechtzeitiger Überwachung und Therapie in der Klinik lassen sich Komplikationen wie Austrocknung, Kreislaufkollaps sowie eine mögliche Gelbsucht vermeiden, und die Prognose für Mutter und Kind ist gut.

Ebenfalls auf der Ebene der Leber spielen sich die erblichen Störungen des Bilirubin-Stoffwechsels ab. Dabei geht es um sogenannte familiäre Hyperbilirubinämien. Die häufigste Form ist das harmlose Gilbert-Syndrom (alias Morbus Meulengracht) junger Erwachsener. Andere, weitaus seltenere Formen betreffen schon die Allerkleinsten. Die Leber ist bei diesen angeborenen Stoffwechseldefekten eigentlich aber nicht krank. Sie kann nur das Bilirubin nicht richtig verarbeiten. Ein zu hoher Bilirubingehalt im Blut schadet dem Körper, insbesondere den empfindlichen Gehirnzellen. So verhält es sich zum Beispiel beim Crigler-Najjar-Syndrom I. Die wenigen betroffenen Neugeborenen können nur durch eine Lebertransplantation überleben. Vielleicht hilft ihnen künftig eine Gentherapie. Daran arbeiten Medizinforscher derzeit intensiv.

Schließlich finden sich noch folgende Krankheiten in der Liste des hepatischen Ikterus: fortgeschrittene Lebervernarbung (Leberzirrhose), Leberabszess, Abstoßungsreaktionen nach Lebertransplantation, Leberversagen (akute Leberdystrophie). Bei der Leberzirrhose kennen Ärzte wiederum viele Ursachen, genauso für das Leberversagen. Eine der vielen Auslöser hier: eine Überdosierung des Schmerzmittels Paracetamol. Chronische Schwäche auf der rechten Herzseite beispielsweise zieht eine schleichende Vernarbung und Verhärtung des Lebergewebes nach sich (kardiale Zirrhose). Schließlich kann es zum Leberversagen kommen. Aber auch ein akut geschwächtes Herz (Rechtsherzinsuffizienz) kann die Leber überlasten.
Symptome des hepatischen Ikterus: Neben der Gelbsucht treten je nach Ursache verschiedene Begleitsymptome auf wie Müdigkeit, Übelkeit, Erbrechen, Bauchschmerzen (siehe unten, Liste der Symptome bei Gelbsucht). Der Stuhl hat eine normale oder etwas hellere Farbe.
Zur Diagnose: Im Blut zeigt sich bei dieser Gelbsuchtform unter anderem meist zu viel indirektes und direktes Bilirubin, im Urin entsprechend Bilirubin und Urobilinogen.

Gelbsucht durch Gallenstau (Cholestase, cholestatischer Ikterus, Verschlussikterus): Diese dritte Gelbsucht-Form trägt auch den Titel posthepatisch (lat. post = nach, hepar = Leber). Denn es hakt hier, nachdem die Leber das Bilirubin gallengängig gemacht hat und die Galle aus der Leber in die Gallenkanälchen übertreten soll, um dann über die großen Gallenwege in den Darm abzufließen.
Ursachen: Zu den bekanntesten Ursachen eines Staus im Gallensystem gehören Steine. Frauen neigen mehr zu Gallensteinen als Männer. Neben genetischen Faktoren gibt es auch einen Zusammenhang mit Übergewicht. Aber nur bei etwa einem Viertel der Betroffenen machen die Steine Beschwerden, etwa Übelkeit  und Schmerzen im Oberbauch nach einer fettreichen Mahlzeit. Mitunter strahlen die Schmerzen in den Rücken aus und verlaufen kolikartig. Koliken sind heftige, krampfartige, wellenförmig an- und abschwellende Schmerzen. Manchmal treten die Beschwerden ohne konkreten Auslöser auf. Blockiert ein Stein den Gallengang, sind eine schmerzhafte Entzündung, die auch die Gallenblase und / oder Bauchspeicheldrüse erfassen kann, mit Fieber und Schüttelfrost möglich. Falls sich die Blockade nicht löst oder beseitigt wird, kann zudem eine Gelbsucht auftreten.
An der primär-biliären Zirrhose, einer Entzündung der kleinen Gallenkanälchen und des umgebenden Lebergewebes, erkranken vorwiegend Frauen. Dagegen diagnostizieren Ärzte bei Männern doppelt so oft wie bei Frauen eine primär-sklerosierende Cholangitis, bei der sich die mittleren und größeren Gallengänge entzünden. Als auslösend gelten jeweils krankhafte Immunvorgänge (Autoimmunerkrankung), Leitsymptome sind starker Juckreiz und später eine Gelbsucht.

Im letzten Drittel der Schwangerschaft tritt gelegentlich ein sogenannter idiopathischer Schwangerschaftsikterus auf. Idiopathisch besagt, dass die Ursache unbekannt ist. Offenbar spielt Veranlagung eine Rolle. Die meist leichte Gelbsucht ist mit lästigem Juckreiz gepaart – Anzeichen eines Gallenstaus. Die Prognose für die Mutter ist günstig, die Babys kommen manchmal etwas früher auf die Welt.
Leitsymptome bei Gallenstau: Neben der Gelbfärbung der Augen und der Haut stellt sich häufig ein lästiger Juckreiz ein. Der Urin ist bierbraun, der Stuhl dagegen hell, fast lehmfarben. Wird das Nahrungsfett nicht richtig aufgenommen, treten grau-glänzende Fettstühle auf (Steatorrhö). Je nach Ursache sind verschiedene Begleitsymptome möglich (siehe unten, Symptome-Check).
Zur Diagnose: Im Blut und Urin findet sich zum Beispiel eine Menge direktes Bilirubin.


Symptome-Check Gelbsucht

Eine Gelbsucht kommt selten allein. Oft gibt es typische Begleitsymptome.

Das erlaubt gewisse Rückschlüsse auf die Art der Gelbsucht. Daher müssen Sie dem Arzt unbedingt immer alle Beschwerden mitteilen, die Sie plagen.

Symptome bei Gelbsucht und mögliche Ursachen*

(*beispielhaft, Auswahl betrifft in erster Linie Erwachsene, teilweise auch Kinder)

 

  • Gelbes Augenweiß, gelb oder bronzefarben getönte Haut und gelbe Schleimhäute: Typische Gelbsuchtzeichen. Hauptursachen sind ganz allgemein Erkrankungen und erbliche Stoffwechseldefekte der Leber, Erkrankungen der Gallenwege, der Bauchspeicheldrüse und des Blutes mit gesteigertem Abbau der roten Blutkörperchen. Auch nach Operationen tritt mitunter ein Ikterus auf. Gelbsucht nach einer Lebertransplantation kann auf eine – heutzutage seltene – Abstoßungsreaktion oder andere Komplikationen hinweisen.
    Ebenfalls selten: eine Gelbsucht in der Schwangerschaft.
  • Heller, lehmfarbener Stuhl, Juckreiz, bierbrauner Urin: Gallenstau

    Einem Gallenstau, fachsprachlich Cholestase genannt, liegt ein Verschluss der Gallenwege zugrunde. Die Blockade kann in den Gallenwegen, in der Bauchspeicheldrüse oder in der Leber liegen.

    Ursachen im Bereich der Gallenwege:

    - Steine in der Gallenblase (Cholelithiasis) oder im Gallengang (Choledocholithiasis), - Entzündung der Gallenblase (Cholezystitis) oder des Gewebes um die Gallenblase herum (Pericholezystitis)
    - Entzündung der kleineren Gallengänge oder des Hauptgallengangs (Cholangitis)
    - Verengte Gallengänge (Strikturen)
    - Verengte Mündung des Gallengangs im Dünndarm: gutartige Papillenstose oder bösartige Geschwulst
    - Primär-sklerosierende Cholangitis: immunbedingte Entzündung der mittleren und größeren Gallengänge
    - Angeborener Gallenstau: eine Cholestase, die sich im Kleinkindalter bemerkbar macht.
    - Mukoviszidose
    , auch zystische Fibrose genannt: Ein bestimmter Gendefekt führt dazu, dass der Salz- und Wassertransport gestört ist. Dadurch sind die Sekrete vieler Körperdrüsen zähflüssiger als normal, Drüsen verstopfen, das umgebende Gewebe leidet darunter. Am häufigsten betrifft dies die Atemwege und Lungen, die Bauchspeicheldrüse, Leber und Gallenwege
    - Gallengangsschwund nach Lebertransplantation (engl. vanishing bile duct syndrome)
    - Befall der Gallengänge mit Parasiten (sogenannter Leberegel)

    Ursachen im Bereich der Bauchspeicheldrüse:

    - Entzündung der Bauchspeicheldrüse (akute Pankreatitis, chronische Pankreatitis)
    - Bauchspeicheldrüsenkrebs
    - Pankreaspseudozyste: Eine Zyste ist ein abgegrenzter Hohlraum, eine Pseudozyste hat keine eigene Wand. Sie entsteht mitunter nach Entzündungen der Bauchspeicheldrüse.

    Ursachen im Bereich der Leber:

    - Hepatitis mit Gallenstau (sogenannte cholestatische Verlaufsform).
    - Primär-biliäre Zirrhose: immunbedingte Erkrankung der Leber, die an den kleinen Gallenkanälchen in der Leber beginnt und dann auf das angrenzende Lebergewebe übergeht. Unbehandelt droht längerfristig eine Leberzirrhose. Insofern ordnen Ärzte das Krankheitsbild der Leber zu.
    - Budd-Chiari-Syndrom: Seltene Erkrankung, bei denen blutableitende Lebervenen verstopfen; in der Folge kann es auch zu einem Leberversagen kommen.
    - Erbliche Speicherkrankheiten wie Hämochromatose und Morbus Wilson
    - Befall der Leber mit Parasiten (zum Beispiel Fuchsbandwurm = Echinococcus alveolaris)
    - Leberabszess
  • Bierbrauner Urin: Verschluss der Gallenwege (siehe oben).
    Es kann auch ein starker Zerfall roter Blutkörperchen = ausgeprägte Hämolyse vorliegen; dann kommt es zur Hämoglobinurie, das heißt Ausscheidung von Hämoglobin, dem roten Blutfarbstoff, im Urin (akutes ernstes Krankheitsbild).
  • Gelbliche flache Flecken oder Knötchen am Ober- und Unterlid (Xanthelasmen, Xanthome): Ohne Gelbsucht kommen die Flecken auch bei gesunden Menschen oder aber bei bestimmten Fettstoffwechselstörungen vor. In Verbindung mit Gelbsucht können sie auf eine primär-sklerosierende Cholangitis oder primär-biliäre Zirrhose hindeuten.
  • Appetitlosigkeit: Leberkrankheiten, vor allem Hepatitis oder Leberzirrhose, Gallenwegserkrankungen, Krankheiten der Bauchspeicheldrüse, Nebenwirkung von Medikamenten
  • Bauchschmerzen: Erkrankungen der Gallenwege, etwa Steine oder Entzündung, und der Bauchspeicheldrüse, infektiöse Hepatitis, HELLP-Syndrom (schwere Erkrankung in der Schwangerschaft; siehe Hinweis weiter oben im Abschnitt hepatischer Ikterus), akute Hämolyse, Budd-Chiari-Syndrom, Zyste des Gallengangs (Choledochuszyste), Verwachsungen (sogenannte Briden), Weil-Krankheit (Auslöser dieser seltenen Infektion sind Spirochäten-Bakterien; gefährdet ist zum Beispiel Dienstpersonal im Abwasser- und Forstbereich), Leberabszess, akute Leberüberlastung, zum Beispiel bei schwerer Rechtsherzschwäche
  • Fettstühle: Folge eines Gallenstaus, etwa bei einem Gallengangsverschluss durch einen Stein, eine Gallengangsentzündung (Cholangitis) oder Bauchspeicheldrüsenentzündung (Pankreatitis), außerdem bei der Mukoviszidose. Mitunter verbirgt sich auch eine bösartige Geschwulst der Bauchspeicheldrüse dahinter. Zu Fettstühlen kommt es bei einem Mangel an Gallensäuren und des Enzyms Lipase aus der Bauchspeicheldrüse. Erstere bringen die Nahrungsfette in Lösung, Letztere spalten sie auf. Der Mangel bei einem Gallenstau führt zur sogenannten Maldigestion, also einer gestörten Verdauung von Kohlenhydraten und Fetten, und in der Folge zum Gewichtsverlust.
  • Übelkeit, Erbrechen: Erkrankungen der Leber, etwa infektiöse Hepatitis, Leberzirrhose, HELLP-Syndrom (siehe oben), Entzündungen der Gallenblase (Cholezystitis) oder Bauchspeicheldrüse (Pankreatitis), Weil-Krankheit (siehe oben), Knollenblätterpilzvergiftung
  • Fieber: Erkrankungen der Leber, etwa akute infektiöse Hepatitis, akute Gallenblasen- oder Gallengangsentzündung (Cholezystitis oder Cholangitis; Fieber und Schüttelfrost möglich), Leberabszess (Fieber und Schüttelfrost möglich), Arzneimittelschädigung, Weil-Krankheit (siehe oben), Gelbfieber (Virusinfektion durch Stechmücken, Verbreitung vor allem in subtropischen und tropischen Ländern), Parasiten
  • Gewichtsverlust, Schwäche: Leberzirrhose, chronische Bauchspeicheldrüsenentzündung, Maldigestion (siehe oben), bösartige Erkrankungen der Leber, Gallenwege und Bauchspeicheldrüse, Mukoviszidose, Amyloidose der Leber (Ablagerungen von krankhaftem Eiweiß, das die Leber schädigt; ist oft Folge anderer chronischer Grunderkrankungen)
  • Schwellungen der Beine: Leberzirrhose, Herzschwäche, hepato-renales Syndrom (Nierenschwäche oder Nierenversagen als Folge einer schweren Lebererkrankung)
  • Zunahme des Bauchumfangs (Bauchwassersucht): Leberzirrhose, Herzschwäche, Budd-Chiari-Syndrom, akutes Leberversagen
  • Müdigkeit, Abgeschlagenheit, Leistungsknick: Leberzirrhose, chronische Hämolyse mit Blutarmut, akute und chronische Leberentzündung, Autoimmunhepatitis, Maldigestion mit Fettstühlen
  • Verwirrtheit, Bewusstseinstrübung: Leberzirrhose, akutes Leberversagen im Zuge einer schweren (fulminanten) Virushepatitis, ausgeprägte Wilson-Krankheit, HELLP-Syndrom, akute Leberverfettung in der Schwangerschaft, sodann Zieve-Syndrom (akute, alkoholbedingte Leberverfettung mit Schädigung der roten Blutkörperchen (Hämolyse) und Gelbsucht), ferner Knollenbätterpilzvergiftung und andere Vergiftungen (Chemikalien)
  • Grobschlägiges Zittern (Tremor): Leberzirrhose, ausgeprägte Wilson-Krankheit
  • Lebergeruch aus dem Mund (Foetor hepaticus): Süßlicher, an Azeton, aber auch an frische Leber erinnernder Geruch der ausgeatmeten Luft: Kommt bei Patienten mit einer schweren Lebererkrankung / Leberversagen vor.


Die Liste ließe sich noch erweitern. Verschiedene, meist seltene Krankheitsbilder sind nicht berücksichtigt. Und: Über Gelbsucht bei Neugeborenen informiert Sie umfassend der Beitrag "Neugeborenengelbsucht"


Wichtig bei Gelbsucht: die körperliche Untersuchung

PhotoDisc/RYF

Diagnose

Von der Blickdiagnose zur Gewebeprobe – Ärzte haben bei Gelbsucht ein großes Spektrum an Diagnoseverfahren zur Hand.

Aufschlussreich für die Diagnose ist oft schon die Krankengeschichte oder Anamnese. So können Informationen über Arbeiten mit Chemikalien, Vorerkrankungen wie Gallensteine oder infektiöse Hepatitis, Auslandsreisen, vorausgegangene Arzneibehandlungen oder eine Schwangerschaft erste Anhaltspunkte geben. Über den Konsum von Genussmitteln, etwa Alkohol, sollte man mit dem Arzt seines Vertrauens offen reden, genauso über alle Beschwerden (siehe Liste oben). Ganz wichtig hier die Frage: Hat der Betreffende auch Schmerzen? Der Arzt möchte zudem genau wissen, wann und unter welchen Umständen (allmählich? plötzlich? Im Zusammenhang mit einem Medikament?) die Gelbsucht aufgetreten ist.

Findet sich bei der körperlichen Untersuchung eine weiche, aber vergrößerte Leber mit abgerundeter Kontur, könnte das für eine Verfettung sprechen. Eine derbe, nicht deutlich vergrößerte, dafür eher knotige Leber passt zum Beispiel zu einer Leberzirrhose. Dies umso mehr, wenn auch "Leberhautzeichen" vorliegen. Dazu gehören zum Beispiel gerötete Handinnenflächen, weiße, uhrglasartige Fingernägel, eine glatte rote Zunge, erweiterte kleine Hautäderchen (Gefäßspinnen, Spider-Naevus) und gelbliche Flecken oben am inneren Augenwinkel oder am Unterlid (Xanthelasmen). Eine vergrößerte Milz begleitet unter anderem Blutkrankheiten mit Blutkörperchenzerfall (Hämolyse). Ist die Gallenblase tastbar (Courvoisier-Zeichen, falls das Tasten schmerzhaft ist: Murphy-Zeichen), deutet das auf einen eventuell bösartigen Stau der Gallenwege außerhalb der Leber hin.

Auch Labortests verraten bei Gelbsucht einiges. Im Blut interessieren vor allem das Bilirubin (meist gesamtes und direktes), das "Cholestase-Duo" Gamma-Glutamyltransferase (Gamma-GT) und alkalische Phosphatase sowie die Leberenzyme Glutamat-Oxalacetat-Transaminase (GOT / AS(A)T) und Glutamatpyruvattransaminase (GPT / (ALAT). Außerdem ordnet der Arzt ein Blutbild an. Im Urin geht es um Parameter wie Bilirubin, Urobilinogen, Hämoglobin und Eiweiß. Bei Bedarf nutzt der Arzt weitere Tests.

Meist stützt sich die Diagnose außerdem auf organabbildende  Untersuchungen. Organe wie Leber und Milz und Gallenblase sind mittels Ultraschall (Sonografie) von außen schnell erfasst, aber es sind indirekte Bilder. Die endoskopische Ultraschalluntersuchung (Endosonografie, Ultraschall von innen über ein schlauchförmiges Endoskop) kommt dem untersuchten Organ schon deutlich näher. Direkten Einblick, zumindest teilweise, liefert ein spezielles endoskopisches Verfahren (ERC(P), endoskopisch-retrograde Cholangio-(Pankreatiko)Grafie). Dabei lässt sich die Mündung der Gallen- und Bauchspeicheldrüsengangs im Dünndarm anschauen und das Gangsystem mit Kontrastmittel röntgen. Eine Betäubung erleichtert die lästige Prozedur des Schlauchschluckens. Aufwendige Techniken wie Computertomografie (CT), Magnetresonanztomografie (MRT, hier vor allem die MRCP = Magnetresonanz-Cholangio-Pankreatikografie), sodann nuklearmedizinische Verfahren wie das PET-CT, das die Krankenkassen nur eingeschränkt bezahlen, liefern hoch detaillierte Bilder, hilfreich bei schwierigen Diagnosen.

Letzte Gewissheit gibt eine Gewebeprobe (Biopsie). Aus der Leber lässt sie sich mittels ultraschallgesteuerter Punktion durch die Bauchdecke oder Bauchspiegelung (Laparoskopie) gewinnen.


Therapie

Wie immer gilt das Prinzip, dass die Diagnose die Behandlung bestimmt.

Denn Gelbsucht ist wie gesagt zunächst nur ein Symptom. Mehr zur Therapie lesen Sie in den jeweils verlinkten Ratgebern, in denen die einzelnen Krankheitsursachen, Diagnose- und Behandlungsmöglichkeiten näher beschrieben sind.


Alkohol: Frauen vertragen halb so viel wie Männer. Und: für beide gibt es empfohlene Grenzen

W&B/Ingram

Vorbeugung

Eine Gelbsucht ist keineswegs nur Schicksal. Teilweise kann man auch vorbeugen.

Leber, Galle und Bauchspeicheldrüse reagieren positiv auf eine leichte, gesunde Ernährung, die besonders von frischen Zutaten wie Obst und Gemüse lebt. Wichtig dabei ist zum Beispiel, tierisches Fett sowie Kohlenhydrate ohne nennenswerten Ballaststoffanteil zu reduzieren. Das heißt: weniger Weißbrot, mehr Vollkornbrot. Süßigkeiten und Backwaren enthalten viele Kohlenhydrate in Form von Haushaltszucker und Weißmehl, oft auch jede Menge Fett. Überschüssige Kohlenhydrate und Fette landen in den Depots der Leber. Bei vollen Zuckerspeichern (Fachbegriff: Glykogen) lagert auch Zucker als Fett. Die Leberverfettung wird inzwischen nicht nur für die Leber als Gesundheitsrisiko angesehen, sondern auch für Herz und Gefäße.

Übrigens: Wer in rauen Mengen Karotten verspeist, kann davon einen getönten Teint bekommen, aber keine gelben Augen und somit keine Gelbsucht.

Pilzsammler, auch erfahrene, sollten ihre Beute vor dem Verzehr sicherheitshalber von einem ausgewiesenen Kenner in einer öffentlichen Pilzberatungsstelle in Augenschein nehmen lassen. Und: Vom Waldpilz zum Fuchsbandwurm ist es manchmal nicht weit. Befall mit dem Parasiten ist zwar selten, aber gravierend. Hier das Wichtigste: Die Wurmeier werden nur durch Aufkochen oder Austrocknen vernichtet. In einem Gebiet mit erhöhter Infektionsgefahr durch Echinokokken empfehlen Fachleute, Pilze nur erhitzt oder getrocknet zu verzehren. Hunde und Katzen sollten Sie alle sechs Wochen entwurmen. Erdverschmutze Kleidung nicht ins Haus schleppen.

Allgemeiner Rat zur Lebensmittelhygiene: Hände nach Arbeiten im Freien und vor jeder Zubereitung von Speisen immer sehr gründlich mit Wasser und Seife reinigen. Alles, was vom Boden – egal, ob vom Wald oder von der Plantage – auf den Teller kommt, sollten Sie vorher grundsätzlich ausgiebig waschen und bei erhöhtem Infektionsrisiko möglichst nur gegart verzehren. Verdorbene Lebensmittel bitte umgehend entsorgen.

Überflüssig der Hinweis, Alkohol nur in Maßen zu genießen? Keineswegs. Jedes Glas zu viel ist Stress für die Leber, sie kann sich entzünden, verfetten und sich auf Dauer verhärten (Zirrhose). Schließlich kann sogar bösartiges Gewebe wachsen. Als risikoarmer Konsum gilt eine Aufnahme reinen Alkohols von höchstens zwölf Gramm pro Tag bei Frauen (zum Beispiel höchstens ein Glas Wein) und 24 Gramm pro Tag bei Männern. Noch weniger davon verspricht mehr Wohlsein.

Hepatitis-Vorbeugung: Schützen Sie sich durch Impfen vor einer Hepatitis A, gegebenenfalls auch einer Hepatitis B, wenn Sie noch nicht dagegen geimpft worden sind und zum Beispiel für längere Zeit in ein Verbreitungsgebiet für Hepatitis B reisen möchten. Dazu zählen unter anderem einige Regionen Afrikas oder Südostasiens. Schon seit geraumer Zeit gehört in Deutschland und vielen anderen Ländern die Hepatitis-B-Impfung zu den empfohlenen Impfungen. Sie startet im frühen Säuglingsalter. Der Hepatitis-B-Impfschutz steht darüber hinaus auch Ärzten und Pflegepersonal sowie zahlreichen anderen Risikogruppen zu, die potenziell dem Virus ausgesetzt (exponiert) sind.

Denken Sie auf Reisen auch an die bewährten Hygiene-Empfehlungen zum Verzehr von Nahrungsmitteln, Trinkwasser und anderen Getränken. Je nach Reiseziel und -stil ist das natürlich manchmal schwierig. Haben Sie den Verdacht, dass eine Speise verdorben oder unrein sein könnte, verzichten Sie lieber darauf.

Schützen Sie sich beim Sex.

Injizierender Konsum von Heroin und anderen Opiaten erhöht das Risiko einer Hepatitis-B- und Hepatitis-C- Infektion wie auch von HIV/Aids signifikant.

Malaria-Prophylaxe: Lassen Sie sich von Ihrem Arzt oder einem Reisemediziner (Tropeninstitut) beraten, wie Sie am besten vorsorgen. Mehr dazu auch im Ratgeber Malaria.

Falls Ihnen Ihr Arzt ein Medikament verordnet hat, so wird er das wohl überlegt getan haben. Um ganz sicher zu sein, informieren Sie sich auch selbst anhand des Beipackzettels über mögliche Unverträglichkeiten, Wechselwirkungen und Gegenanzeigen. Dies ist auch dann besonders wichtig, wenn Sie erstmals bei einem Arzt in Behandlung sind und ein Gesundheitsproblem, das Sie betrifft, unerwähnt blieb.

Bei Menschen mit einer erblichen Hyperbilirubinämie wie beispielsweise Morbus Meulengracht kann der Abbau verschiedener Medikamente in der Leber vermindert sein. Als Kandidaten werden unter anderem Substanzen wie Ketoconazol, Ketoprofen, Amitryptilin oder Irinotecan genannt.

Frauen, die eine seltene Erbkrankheit wie das Dubin-Johnson-Syndrom oder das Rotor-Syndrom haben, erfreuen sich meist guter Gesundheit, von gelegentlichen Phasen mit Gelbsucht abgesehen. Sie dürfen nur keine Anti-Baby-Pille einnehmen. Diese Einschränkung gilt aber allgemein bei Leberstörungen oder -erkrankungen. Es gibt jedoch Alternativen, die ebenfalls eine weitgehend sichere Verhütung ermöglichen, etwa die Kupferspirale (Intrauterinpessar).

 



Fachliteratur
:

Gerd Herold und Mitarbeiter: Innere Medizin 2012

Mark B. Mengel, L. Peter Schwiebert, ed.: Family Medicine. Ambulatory Care and Prevention, McGrawHill Lange 2009

M. Classen, V. Diehl, K. Kochsiek: Innere Medizin, hrsg. von M. Böhm, M. Hallek, W. Schmiegel, 6. Aufl. 2009, Urban & Fischer, München

Deutsche Forschungsmeneinschaft (DFG) Pressemitteilung Nr. 63, 9. 12. 2011

Robert-Koch-Institut, Berlin:
http://www.rki.de/cln_151/nn_467478/DE/Content/Infekt/EpidBull/Merkblaetter/Ratgeber__Echinokokkose.html

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Dieser Artikel enthält nur allgemeine Informationen und darf nicht zur Selbstdiagnose oder -behandlung verwendet werden. Er kann einen Arztbesuch nicht ersetzen. Die Beantwortung individueller Fragen durch unsere Experten ist leider nicht möglich.



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