Fruchtzucker-Unverträglichkeit – was tun?

Wer an einer Fructose-Intoleranz leidet, wird feststellen: Fruchtzucker steckt in sehr vielen Lebensmitteln. Mit der richtigen Ernährung lassen sich Beschwerden jedoch gut vermeiden

von Dr. Martina Melzer, aktualisiert am 03.07.2013

Blähungen durch Äpfel? Das ist möglich. Denn sie enthalten sehr viel Fruchtzucker, den einige Menschen nicht vertragen

Thinkstock/iStockphoto

Erstaunlich viele Menschen vertragen wohl nur kleine Mengen Fruchtzucker – auch Fructose oder Fruktose genannt. Experten schätzen, dass bis zu 30 Prozent der Erwachsenen hierzulande betroffen sind. Zum Vergleich: "Die weitaus bekanntere Milchzucker-Unverträglichkeit kommt bei zirka 15 Prozent der Mitteleuropäer vor", sagt Uschi Buder, Ernährungswissenschaftlerin aus Geretsried bei München. Allerdings seien die Angaben zur Fruchtzucker-Unverträglichkeit weniger verlässlich.

Was passiert bei einer Fruchtzucker-Unverträglichkeit?

Im Darm befinden sich kleine Transporteiweiße, über die Nährstoffe aus dem Darminneren letztendlich ins Blut gelangen. Über einen davon wird – neben Glukose (Traubenzucker) – auch Fruchtzucker ins Körperinnere geschleust. Die Menge an Fruktose, die der Transporter befördern kann, ist natürlicherweise begrenzt. "Das heißt, jeder Mensch verträgt nur ein bestimmtes Maß an Fruchtzucker", erklärt Dr. Andreas Leodolter, Gastroenterologe und Chefarzt der Klinik für Innere Medizin am Evangelischen Krankenhaus Herne.


Ein Obstsalat ist zwar gesund, wird aber nicht von jedem ohne Probleme vertragen

W&B/Brigitte Sporrer

Funktioniert der Transporter nicht richtig, kann er weniger Fruktose verarbeiten als bei einem gesunden Menschen. "Man spricht deshalb richtigerweise von einer Fruktose-Malabsorption, also einer eingeschränkten Fruchtzuckeraufnahme", erläutert der Gastroenterologe. Der Begriff "Fruchtzucker-Unverträglichkeit" (medizinisch: Fruktose-Intoleranz) ist eher umgangssprachlich und bedeutet, dass ein Mensch den Zucker nicht gut verträgt beziehungsweise mit Beschwerden darauf reagiert. Um eine Nahrungsmittelallergie handelt es sich, wenn das Immunsystem Bestandteile von Lebensmitteln als "gefährlich" ansieht und eine allergische Reaktion hervorruft. Das ist beim Fruchtzucker nicht der Fall.

Welche Ursachen für die Fruktoseintoleranz verantwortlich sind, ist noch nicht bekannt. Vermutlich lässt die Funktion des betreffenden Darm-Transporters im Laufe des Lebens nach. Außerdem findet sich Fruchtzucker in den letzten Jahren in immer mehr Lebensmitteln – zum Beispiel in Softdrinks, Light-Produkten und Grillsoßen. Dadurch nehmen Menschen heutzutage mehr Fruktose mit dem Essen auf als früher.

Welche Symptome ruft eine Fruchtzuckerunverträglichkeit hervor?

Blähungen und Durchfall sind die Beschwerden, die am häufigsten vorkommen. Ausgelöst wird dies durch den Fruchtzucker selbst. Gelangt er in den Dickdarm, wird er durch Bakterien zerlegt. Dabei entstehen Gase und teils übel riechende Fettsäuren, die Verdauung gerät aus dem Takt. Daneben kann es auch zu Bauchschmerzen, Völlegefühl, Aufstoßen und Übelkeit kommen. Bei jedem Mensch äußern sich die Symptome unterschiedlich stark.

Wie lässt sich eine Fruktoseintoleranz feststellen?

Oft suchen Betroffene viele Ärzte auf und kämpfen jahrelang mit den Beschwerden, bis endlich die Diagnose feststeht. Das Problem: Die Symptome sind sehr unspezifisch. Das heißt, die verschiedensten Ursachen können dahinter stecken. "Es kann eine Unverträglichkeit gegenüber Milchzucker vorliegen, ein Reizdarm, entzündliche Darmkrankheiten – um nur ein paar Beispiele zu nennen", erläutert Leodolter. Manchmal ist schlicht die Ernährung schuld. So wirken Zwiebeln, Kohlsorten, Hülsenfrüchte und ein Übermaß an Vollkornprodukten blähend.

Wer über entsprechende Beschwerden klagt, den fragt Leodolter gezielt, ob diese nach bestimmten Lebensmitteln auftreten. Vermutet der Magen-Darm-Spezialist, dass Fruchtzucker der Auslöser ist, findet ein Atemtest statt. Dazu trinken Sie – auf nüchternen Magen – eine Fruktoselösung und pusten anschließend in bestimmten Zeitabständen in ein Gerät. Es misst den Wasserstoffgehalt in der Atemluft. Übersteigt dieser einen festgelegten Wert und verspüren Sie Beschwerden, dann spricht das für eine Fruchtzucker-Unverträglichkeit.

Wie sieht die Therapie aus?

Steht die Diagnose fest, schickt Gastroenterologe Leodolter die Betroffenen zu einem Ernährungsexperten. So geraten sie nicht in Versuchung, in Eigenregie Verbotslisten zu erstellen und damit zu experimentieren. "Mancher versucht, den Fruchtzucker gänzlich vom Speiseplan zu streichen", sagt Ernährungsberaterin Buder. Dies sei erstens nicht nötig (einzige Ausnahme: hereditäre Fruchtzuckerunveträglichkeit, siehe Kasten), zweitens fehlen auf Dauer wichtige Nährstoffe.

Ein Ernährungsfachmann geht mit Ihnen Ihre Essgewohnheiten durch und sagt Ihnen, wie Sie sich zunächst und langfristig ernähren sollten. Die Therapie beginnt mit einer zwei- bis vierwöchigen Phase, in der Sie weitestgehend auf Fruktose verzichten. In einem Ernährungstagebuch dokumentieren Sie, was Sie gegessen haben und wie Sie sich danach fühlen. "Die Beschwerden sollten sich in dieser Zeit deutlich verbessern", meint Buder. Anschließend beginnt die Testphase. Sie nehmen langsam wieder fruchtzuckerhaltige Lebensmittel zu sich – zunächst solche, die wenig davon enthalten. Nun gilt es, die Lebensmittel zu erkennen, die Sie gut vertragen und die Ihnen Probleme bereiten. Wieder hilft hierbei ein Esstagebuch. Danach überprüfen Expertinnen wie Uschi Buder, ob Sie mit Ihrer angepassten Ernährung alle Nährstoffe ausreichend abdecken oder ob Ihnen etwas fehlt.

Tipps: Richtig essen bei Fruchtzucker-Unverträglichkeit

  • Zu den Lebensmitteln, die viel Fruktose enthalten, gehören Äpfel, Birnen, Mangos, Trauben, Trockenfrüchte, Honig, Birnendicksaft, Apfelkraut, Frucht- und Gemüsesäfte. Haushaltszucker besteht zu gleichen Teilen aus Trauben- und Fruchtzucker. Damit kommt in allen Süßigkeiten reichlich Fruktose vor. "Achten Sie auch bei Light-Produkten, Gemüsekonserven und Softdrinks auf die Zutatenliste", rät Buder. Sie werden oft mit dem fruchtigen Süßungsmittel versetzt. Gehen Sie mit diesen Lebensmitteln sparsam um.
  • Viele Obstsorten gelten als gut verträglich, weil sie wenig Fruchtzucker enthalten oder gleichzeitig Glukose in einem günstigen Verhältnis vorliegt. Hierzu gehören unter anderem Bananen, Aprikosen und Beerenfrüchte. "Glukose, also Traubenzucker, erleichtert die Fruktoseaufnahme im Darm", merkt Buder an. Alternativ können Sie etwas Traubenzucker dem Obst beimischen.
  • Essen Sie Obst nicht pur, sondern zu einer Mahlzeit (etwa als Nachtisch) oder zusammen mit Milchprodukten. Fett und Eiweiß bewirken, dass der Fruchtzucker langsamer aufgenommen wird. Das erleichtert dem angeschlagenen Darmtransporter die Arbeit.
  • Zuckeraustauschstoffe wie Sorbit, Xylit und Mannit behindern die Aufnahme von Fruchtzucker aus dem Darm. Essen Sie diese möglichst selten. Sie finden sich zum Beispiel in Kaugummis, zuckerfreien Bonbons und Diabetikerprodukten.

Haben Sie mit Hilfe eines Ernährungsexperten festgestellt, welche Lebensmittel und welche Menge Fruchtzucker Ihnen keine Probleme bereiten, dann können Sie in vielen Fällen ohne Beschwerden leben. Wichtig: Es gibt keine allgemeinen Tipps und Verbote. "Sie dürfen das essen, was Sie persönlich vertragen", sagt Buder. "Testen Sie zudem immer wieder die Verträglichkeitsschwelle aus", empfiehlt Leodolter. Manchmal erholt sich das lädierte Transportsystem im Darm und Sie können sogar einen Apfel oder etwas Honig ohne Reue essen.


Sonderfall hereditäre Fruktose-Intoleranz

Die hereditäre, also erbliche Fruchtzucker-Unverträglichkeit kommt nur sehr selten vor und ist angeboren. Hierbei fehlt dem Körper ein spezielles Enzym, weshalb er Fruktose nicht abbauen kann. Der Zucker reichert sich in der Darmwand, in den Nieren und in der Leber an. "Unbehandelt kann diese Unverträglichkeit zu schweren Leber- und Nierenfunktionsstörungen führen", warnt Leodolter. Die erbliche Form äußert sich meist schon bei Babys. Nehmen sie das erste Mal Fruchtzucker zu sich, reagieren sie mit Beschwerden wie Erbrechen und Durchfall. Der Arzt kann die Unverträglichkeit durch einen Bluttest feststellen. Wer an der hereditären Fruktose-Intoleranz leidet, muss sein Leben lang komplett auf Fruchtzucker verzichten.


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Unser Experte: Dr. Andreas Leodolter, Gastroenterologe und Chefarzt der Klinik für Innere Medizin am Evangelischen Krankenhaus Herne


Uschi Buder
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Unsere Expertin: Uschi Buder, Diplom-Ernährungswissenschaftlerin aus Geretsried bei München


Wichtiger Hinweis:

Dieser Artikel enthält nur allgemeine Hinweise und darf nicht zur Selbstdiagnose oder –behandlung verwendet werden. Er kann einen Arztbesuch nicht ersetzen. Die Beantwortung individueller Fragen durch unsere Experten ist leider nicht möglich.


Quellen:

"Fructosemalabsorption" und "Ernährungstherapie bei Fructosemalabsorption", Deutsche Gesellschaft für Ernährung, Stand Mai 2012

Informationen zu Fruktose-Unverträglichkeit, aid-Infodienst, Stand Mai 2012

Fink: Ernährung und Diätetik, Wissenschaftliche Verlagsgesellschaft (WVG), 2. Auflage

Biesalski, Bischoff, Puchstein: Ernährungsmedizin, Thieme Verlag, 4. Auflage



Bildnachweis: W&B/Brigitte Sporrer, W&B/Privat, Thinkstock/iStockphoto
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