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Divertikel im Darm / Divertikulitis

Als Darmdivertikel werden Ausstülpungen der Darmschleimhaut an strukturell schwachen Stellen – wie zum Beispiel Gefäßlücken in der Darmwand – bezeichnet. Divertikel im Darm sind meist harmlos, können aber zu starken Beschwerden führen, wenn sie sich entzünden. Dann spricht man von einer Divertikulitis


Divertikel: Oft sind sie harmlos, manchmal führen sie aber auch zu Komplikationen. Beispiele sind in der Grafik dargestellt (um das Bild ganz zu sehen, bitte auf die Lupe klicken!)

Was ist eine Divertikulose/ Divertikulitis?

Vor allem bei älteren Menschen finden sich häufig Ausstülpungen der Darmschleimhaut; meist durch Lücken in der Darmwand, die eigentlich für durchtretende Darmgefäße gedacht sind. Diese Ausstülpungen bezeichnet man als Darmdivertikel. Sind zahlreiche solcher Darmdivertikel vorhanden, sprechen Mediziner von einer Divertikulose.

Solange die Divertikel keine Beschwerden bereiten (asymptomatische Divertikulose) – was in über 80 Prozent der Fall ist - sind diese harmlos und bedürfen keiner Behandlung. Treten jedoch Beschwerden auf, spricht man von einer Divertikelkrankheit. Die Divertikel können sich entzünden und dann starke Beschwerden und Komplikationen hervorrufen. Dies bezeichnet man als Divertikulitis. Seltener können Divertikel auch ohne Entzündung zu starken Blutungen in den Darm führen.



Unser Experte: Dr. Wolfgang Wegerle, Internist und Gastroenterologe

Stülpt sich nicht die gesamte Darmwand, sondern nur die Darmschleimhaut durch die Gefäßlücken aus, sprechen Mediziner von „falschen“ Divertikeln oder „Pseudodivertikeln“. Bei den sogenannten „echten“ Divertikeln handelt es sich meist um eine angeborene Ausstülpung der Darmwand im Bereich des Blinddarmabganges (Zäkum, Caecum oder Coecum) oder Dünndarms. Diese Divertikel und das im Dünndarm lokalisierte sogenannte Meckel-Divertikel sind an sich harmlos, können sich aber entzünden und Symptome ähnlich einer Blinddarmentzündung (Appendizitis) verursachen. In etwa drei Prozent aller Blinddarm-Operationen wird das Meckel-Divertikel zufällig entdeckt.

Im Gegensatz zu den Dickdarm-Divertikeln kommen Divertikel im Dünndarm allerdings selten vor und verursachen meist keine Beschwerden. Man schätzt, dass rund 0,5 Prozent der Bevölkerung Dünndarm-Divertikel aufweisen.



Die Abschnitte des Dickdarms: Über 90 Prozent der Divertikel liegen im Sigma (um die Grafik größer zu sehen, bitte auf die Lupe klicken!)

Divertikel treten zu über 90 Prozent im vorletzten Dickdarm-Abschnitt (Sigma, Colon sigmoideum) linksseitig auf. Entzündungen dieser Divertikel (Sigmadivertikulitis), bei denen es sich üblicherweise um Pseudodivertikel handelt, äußern sich dementsprechend mit starken Schmerzen im linken Unterbauch, die sich aber auch über den gesamten Bauchraum erstrecken können. Fieber und allgemeines Krankheitsgefühl kommen hinzu. Auch Verstopfung, starke Blähungen und selten Durchfall sowie Blut- und Schleimbeimengungen im Stuhl werden bei einer akuten Divertikulitis beobachtet. Oft bessern sich die Bauchschmerzen nach dem Stuhlgang oder nach dem Abgang von Luft.

Treten solche Symptome auf, muss unverzüglich der Arzt aufgesucht werden, um die Divertikulitis zu behandeln und schweren Komplikationen, wie einem Darmdurchbruch oder einer Bauchfellentzündung, vorzubeugen, aber auch um andere Darmerkrankungen (zum Beispiel Darmkrebs) als Ursache der Beschwerden auszuschließen.

Mithilfe einiger Untersuchungen, beispielsweise einer Blutuntersuchung, Ultraschall-Untersuchungen oder einer Computertomografie (CT) des Bauchs, kann der Arzt die Divertikulitis diagnostizieren. Je nach Schwere der Divertikulitis, kommen diätetische Maßnahmen (vorübergehende Nahrungskarenz, flüssige oder auch schlackenarme Kost), Medikamente (Antibiotika), sowie in schweren Fällen operative Eingriffe in Betracht.

Durch eine gesunde, ausgewogene Ernährung und ausreichend Bewegung lässt sich der Entstehung von Darmdivertikeln vorbeugen.


Wichtiger Hinweis:
Dieser Artikel enthält nur allgemeine Hinweise und darf nicht zur Selbstdiagnose oder –behandlung verwendet werden. Er kann einen Arztbesuch nicht ersetzen. Die Beantwortung individueller Fragen durch unsere Experten ist leider nicht möglich.



Bildnachweis: W&B/Jörg Kühn, W&B/Privat, W&B/Swen Sallwey
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www.apotheken-umschau.de; aktualisiert am 08.08.2013,
Bildnachweis: W&B/Jörg Kühn, W&B/Privat, W&B/Swen Sallwey

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