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Ultraschall-Untersuchung: Wofür ist sie gut?

Per Ultraschall kann der Arzt zum Beispiel Tumore und verengte Gefäße erkennen. Er kann aber auch den Eltern das Baby im Bauch der Mutter präsentieren. Wann die Methode zum Einsatz kommt, wie sie funktioniert


Mit einem Ultraschallgerät kann der Arzt zum Beispiel die Bauchorgane untersuchen

Wale unterhalten sich per Ultraschall. Fledermäuse orten darüber ihre Beute. Ärzte leuchten damit in unser Inneres. Fährt der Arzt mit dem Gerät über den Bauch, sendet der Schallkopf Ultraschallwellen aus. Sie wandern durch unseren Körper, ohne dass wir etwas bemerken – oder hören. Denn im Gegensatz zu Schallwellen anderer Frequenz liegt der Ultraschall außerhalb unserer Hörweite.

Wie funktioniert die Ultraschall-Untersuchung (Sonografie)?

Trifft die ausgesandte Welle auf ein Organ, durchdringt ein Teil davon das Gewebe, ein Teil wird aufgenommen, ein Teil zurückgeschickt. Mediziner sprechen von absorbieren oder reflektieren. „Organe, die viel Flüssigkeit enthalten, stellen für Ultraschallwellen kein wirkliches Hindernis dar. Sie lassen den Schall durch“, erklärt Professor Christoph Dietrich, Chefarzt der Medizinischen Klinik 2 am Caritas-Krankenhaus Bad Mergentheim. Solche Organe – etwa die Harn- oder die Gallenblase – erscheinen auf dem Ultraschallbild schwarz.


Stößt die Welle auf ein dichtes Gewebe, wirft es den Schall zurück – es reflektiert ihn, erzeugt ein Echo. Dies nimmt der Schallkopf auf. Der Computer wandelt das Signal in ein Bild um. Je nachdem, wie dicht das Gewebe ist, sieht es am Monitor heller oder dunkler aus. Die Knochen und die Lunge zum Beispiel sind derart undurchlässig, dass sie die Wellen komplett zurückwerfen und sich weiß zeigen.

Damit der Schallkopf fehlerfrei arbeitet, schmiert der Arzt die zu untersuchende Stelle vorher mit einem Gel ein.

Was kann der Arzt per Ultraschall feststellen?

Ungeübte Augen erkennen am Monitor nur ein schwarzes und weißes Chaos, das von verschiedenen Grautönen durchsetzt ist. Der Fachmann jedoch liest daraus eine Menge ab. Bis auf die gesunde Lunge und Knochen kann der Arzt mit diesem Verfahren im Prinzip alle Organe unter die Lupe nehmen. Beim Bauch-Ultraschall inspiziert er die Eingeweide – von der Leber über die Gallenblase bis zum Darm. „Auf dem Ultraschallbild sieht man beispielsweise, ob in einem Organ wie der Leber ein Tumor wächst“, sagt der Internist, der Ärzte im Umgang mit der Ultraschalldiagnostik lehrt. Allerdings muss die Geschwulst dafür eine gewisse Größe haben. In Hohlorganen wie Gallenblase, Gallengang oder Blutgefäßen kann der Mediziner Engstellen oder erweitere Abschnitte entdecken und so Rückschlüsse auf mögliche Krankheiten ziehen.

Auch die Schilddrüse machen Ultraschallwellen sichtbar. Spezialisten nutzen die Methode zum Beispiel, um Knoten oder Tumoren zu entdecken. Während der Schwangerschaft überprüft der Frauenarzt, wie das Ungeborene liegt und wie es sich entwickelt. „Ein sehr erfahrener Gynäkologe kann im Ultraschall auch sehen, ob eine Fehlbildung vorliegt“, fügt Dietrich hinzu.

Ist Ultraschall gleich Ultraschall?

Nein. Welchen Schallkopf der Arzt einsetzt und wie er die Untersuchung vornimmt, hängt davon ab, welches Organ er begutachten möchte – zum Beispiel die Schilddrüse oder die Leber. Neben diesen „klassischen“ Ultraschallvarianten gibt es inzwischen Spezialverfahren. Dazu zählt die Doppler-Sonografie. Mit ihr kann der Arzt beurteilen, wie gut Blutgefäße und Organe durchblutet werden. „Das Gerät zeigt die Fließgeschwindigkeit des Blutes an, zudem lassen sich verengte, verschlossene oder erweiterte Gefäße aufdecken“, sagt der Ultraschallspezialist Dietrich. Die Doppler-Sonografie wendet der Arzt unter anderem an, wenn der Verdacht auf ein Aneurysma, eine Thrombose oder einen Herzklappenfehler besteht.

Eine weitere Spezialmethode ist die Kontrastsonografie. Der Patient muss sich dazu ein Kontrastmittel spritzen lassen, bevor der Ultraschall zum Einsatz kommt. Es enthält kein Jod, sondern winzige Gasbläschen, die der Patient über die Lunge wieder abatmet. Das Verfahren arbeitet laut Dietrich noch genauer als die Doppler-Sonografie, stellt Gefäße noch detaillierter dar. „Mit der Kontrastsonografie kann ein erfahrener Arzt zum Beispiel einen bösartigen von einem gutartigen Tumor unterscheiden“, meint Dietrich. Das Verfahren kommt vor allem zum Einsatz, um Tumoren in der Leber aufzuspüren.

Darüber hinaus gibt es noch Techniken wie die 3D- und die vaginale Sonografie. Bei letzterer bringt der Frauenarzt einen speziellen Schallkopf in die Scheide ein, um Gebärmutter und Eierstöcke auf Veränderungen zu untersuchen. Mit der 3D-Technik erscheint ein ungeborenes Baby auf dem Bild greifbar nah.

Gibt es Risiken?

„Ultraschallwellen gelten als unbedenklich, die Untersuchung als risikofrei“, beruhigt Spezialist Dietrich. Er rät trotzdem, dass Ärzte das Verfahren nur einsetzen, wenn es wirklich angebracht ist. Die Deutsche Gesellschaft für Ultraschall in der Medizin beurteilt zum Beispiel die 3D-Sonografie eher zurückhaltend. Vom „Baby-Fernsehen“ – wie die 3D-Technik in der Gynäkologie manchmal scherzhaft genannt wird – sei eher abzuraten. Nicht nur aus Sicherheitsgründen, sondern auch, weil die Eltern vermeintlich etwas entdecken, das sie unnötig verunsichert.


Unser Experte: Professor Christoph Dietrich, Facharzt für Innere Medizin




Bildnachweis: iStock/Choja, W&B/Privat

Dr. Martina Melzer / www.apotheken-umschau.de; 01.02.2012
Bildnachweis: iStock/Choja, W&B/Privat

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