Röntgenuntersuchung

Mit Hilfe dieses bildgebenden Diagnose-Verfahrens lassen sich Veränderungen des Körpers beurteilen, zum Beispiel innerhalb des Skelettsystems oder der inneren Organe. Der zu untersuchende Bereich wird dafür kurzzeitig mit Röntgenstrahlen durchleuchtet

aktualisiert am 08.08.2013

Auf einem Röntgenbild werden zum Beispiel die Knochen am Fuß sichtbar

Thinkstock/ Digital Vision

Die Röntgen-Untersuchung gehört zu den sogenannten bildgebenden Verfahren. Dabei entsteht – unter Anwendung von Röntgenstrahlen – ein Abbild eines bestimmten Körperbereichs. Auf diese Weise kann der Arzt beispielsweise feststellen, ob ein Knochen gebrochen ist oder ein Zahn von Karies betroffen ist. Die Computertomografie, ebenso wie die Angiografie, stellen Sonderformen dieses Diagnoseverfahrens dar.

Wie läuft eine Röntgenuntersuchung ab?

Der Patient befindet sich in stehender, sitzender oder liegender Position vor dem Röntgengerät. Um eine unnötige Strahlenbelastung zu vermeiden, wird – in Abhängigkeit des zu untersuchenden Organs – die Beckenregion mit einer Bleischürze abgedeckt. Denn die Geschlechtsorgane reagieren sehr sensibel auf Strahlen.


Ist das Röntgengerät in der richtigen Position angebracht, sendet es kurzzeitig ionisierende Röntgenstrahlen durch den Körper. Sie werden dabei mehr oder weniger stark abgeschwächt. Anschließend treffen die Strahlen auf einen Röntgenfilm, der sich hinter dem Patienten befindet. Ähnlich einem normalen lichtempfindlichen Fotofilm entsteht dadurch das Röntgenbild.

Die Abschwächung der Röntgenstrahlen hängt dabei von der Art des untersuchten Gewebes ab. Ein strahlendurchlässiges Organ, etwa die Lunge, hält kaum Strahlen zurück. Folglich gelangt ein Großteil von ihnen auf den Film, was zu einer Schwarzfärbung führt. Ein strahlenundurchlässiges Gewebe, zum Beispiel ein Knochen, schwächt die Strahlen stärker ab. Das Röntgenbild zeigt somit helle Strukturen.

Digitale Detektorsysteme, wie sie heute gebräuchlich sind, kommen ohne Röntgenfilme aus. Diese modernen Geräte können die Röntgenstrahlen, die hinter dem Patienten ankommen, direkt messen und in ein digitales Röntgenbild umwandeln. Zudem kann durch die sensibleren Empfangssysteme oft eine Dosiseinsparung erreicht werden.

Während der Untersuchung sollte sich der Patient möglichst nicht bewegen, da sonst das Röntgenbild verwackeln kann. Meist werden mehrere Aufnahmen aus unterschiedlichen Blickwinkeln angefertigt. Je nachdem, um welches Gewebe es sich handelt beziehungsweise welche Fragen der Arzt klären möchte.

Welche Arten der Röntgen-Untersuchung gibt es? Was lässt sich damit erkennen?

Der Oberbegriff "Röntgen" untergliedert sich – neben der sogenannten konventionellen Röntgendiagnostik – in eine Reihe spezieller Verfahren.

Erstellt der Arzt ein "klassisches" Röntgenbild, sprechen Experten von der konventionellen Methode. Der Arzt erzeugt dabei ein statisches Abbild des untersuchten Bereichs, den er auf einen Röntgenfilm bannt. Auf diese Weise lässt sich unter anderem feststellen, ob ein Knochen gebrochen ist. Aber auch über Lungenkrankheiten, kariöse Zähne oder eine Arthrose im Kniegelenk gibt eine konventionelle Röntgenaufnahme Auskunft. Da es sich bei dieser Darstellung um ein zweidimensionales Abbild der untersuchten Region handelt (eine sogenannte Projektionsradiographie), werden häufig Aufnahmen aus mindestens einer zweiten Blickrichtung (Ebene) benötigt.

Die Mammographie zählt ebenfalls zu den konventionellen Röntgenaufnahmen. Angepasst an die Brustdrüse, wird dabei jedoch eine etwas andere Röntgenstrahlung verwendet. Damit kann der Arzt unter anderem Brustkrebs in einem sehr frühen Stadium erkennen.

Manche Organe, zum Beispiel die Speiseröhre, der Darm oder das harnableitende System, lassen sich mit einer "klassischen" Röntgenaufnahme nur schwer oder gar nicht beurteilen. Deshalb müssen Radiologen vorab ein Kontrastmittel verabreichen, um das Organ sichtbar zu machen. Der Arzt kann dann den betreffenden Bereich begutachten und zum Beispiel einen Stein im Harnleiter erkennen. Auch die Funktion des Organs lässt sich dadurch ein Stück weit beurteilen.

Möchte der Arzt feststellen, ob der Patient beispielsweise an Schluckstörungen leidet, reicht eine einzelne Röntgenaufnahme nicht aus. Der Radiologe wendet in diesem Fall die sogenannte Röntgendurchleuchtung an. Dieses Verfahren ermöglicht es, eine Serie von Röntgenbildern zu erzeugen. So lassen sich Bewegungsabläufe im Körper darstellen – vom Schluckvorgang bis zur Magen-Darm-Passage. 

Der Arzt kann darüber hinaus die Blutgefäße "durchleuchten". Dieses spezielle Röntgenverfahren nennt sich Angiografie. Dabei wird das Kontrastmittel direkt in das zu untersuchende Gefäß verabreicht, wodurch sich dieses sehr gut darstellen lässt. Daneben setzen Mediziner das Verfahren auch ein, um Gefäßkrankheiten zu therapieren. 

Die Computertomografie (CT) gehört ebenfalls zu den Röntgenverfahren. Im Gegensatz zu den konventionellen Röntgenuntersuchungen, kann ein Computertomograf das Gewebe drei- beziehungsweise zum Teil auch vierdimensional abbilden (wiederholte Organdarstellung in kurzer zeitlicher Abfolge als vierte Dimension). Das medizinische Gerät erzeugt dabei viele kleine Schichtaufnahmen des Körpers, während der Patient ruhig in einer Röntgenröhre liegt. Aus den Einzelbildern fertigt ein Computer ein hochauflösendes Abbild des durchleuchteten Organs an. Die Computertomografie ist heutzutage die Methode der Wahl, wenn zum Beispiel der Verdacht auf innere Verletzungen besteht oder um eine mögliche Krebserkrankung zu erkennen.

Welchen Nutzen hat die Röntgenuntersuchung?

Das Diagnoseverfahren bereitet keine Schmerzen und dauert meist nur wenige Sekunden bis Minuten. Anhand eines Röntgenbildes kann der Arzt feststellen, ob Veränderungen, zum Beispiel im Skelett oder inneren Organen vorliegen. Spezielle Röntgenmethoden wie die Mammographie oder die Computertomografie helfen, Krebs in einem frühen, guten behandelbaren Stadium zu entdecken. Nimmt der Arzt eine Angiografie vor, kann er den Zustand der Blutgefäße überprüfen und schon während der Untersuchung entdeckte Gefäßerkrankungen therapieren.

Welche Risiken bestehen?

Es ist bekannt, dass Röntgenstrahlen die Entstehung von Krebs fördern können, wenn sie in großen Mengen auf den Körper einwirken. Dies ist zum Beispiel nach einem Reaktorunglück möglich.

Ob die Strahlen auch in sehr geringen Mengen – wie sie beim Röntgen vorkommen – gesundheitsschädlich sind, schätzen Experten unterschiedlich ein. Wird jemand auf konventionelle Art geröntgt, gilt die Strahlenbelastung derzeit als akzeptabel. Während einer Computertomografie und bei der Angiografie wirkt häufig eine etwas höhere Strahlendosis auf den Körper ein. Nutzen und Risiken sollten Patienten deshalb vorab ausführlich mit dem Arzt besprechen.

Manche Organe lassen sich nur nach der Gabe eines Kontrastmittels auf einem Röntgenbild darstellen. Normalerweise verträgt der Körper die heutzutage verwendeten Kontrastmittel sehr gut. Manchmal verspüren Patienten ein intensives Wärmegefühl, wenn der Arzt das Mittel verabreicht. Oder sie berichten von einem unangenehmen metallischen Geschmack im Mund. Diese Beschwerden klingen jedoch rasch wieder ab.

In seltenen Fällen können Kontrastmittel allergische Reaktionen hervorrufen, die sich durch Juckreiz, Hautausschlag oder leichte Atembeschwerden äußern. Ein allergischer Schock tritt nur sehr selten auf.

Da die für Röntgenuntersuchungen verwendeten Kontrastmittel eine hohe Konzentration an Jod enthalten, eignen sie sich nicht für Patienten mit einer Schilddrüsenüberfunktion. Kontrastmittel, die in das Gefäßsystem eingebracht werden (vor allem bei der Computertomografie und Angiografie), werden hauptsächlich über die Niere ausgeschieden. Liegt eine eingeschränkte Nierenfunktion vor, sind diese Kontrastmittel nur in Ausnahmefällen einzusetzen.

Um solche Risiken auszuschließen, sollte vor einer Untersuchung in jedem Fall ein ausführliches Gespräch mit dem behandelnden Arzt stattfinden.

Wer sollte nicht geröntgt werden?

Schwangere sollten nur im begründeten Einzelfall geröntgt werden, da das ungeborene Kind auf die ionisierenden Strahlen sehr empfindlich reagiert.

Röntgenpass

Experten empfehlen, dass jeder Patient einen Röntgenpass bei sich trägt. Darin vermerken Arztpraxen, wann die letzte Röntgenuntersuchung stattgefunden hat und was geröntgt wurde. So hat der Radiologe und auch der Patient selbst einen Überblick, wie sich ein unnötiges Röntgen vermeiden lässt.


privat

Unser Experte: Dr. Martin Reiß-Zimmermann arbeitet an der Klinik und Poliklinik für Diagnostische und Interventionelle Radiologie der Universität Leipzig


Wichtiger Hinweis: Dieser Artikel enthält nur allgemeine Hinweise und darf nicht zur Selbstdiagnose oder –behandlung verwendet werden. Er kann einen Arztbesuch nicht ersetzen. Die Beantwortung individueller Fragen durch unsere Experten ist leider nicht möglich.



Bildnachweis: privat, Thinkstock/ Digital Vision
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