Herzkatheter: Formen, Ablauf, Risiken

Eine Herzkatheteruntersuchung erfolgt zur Diagnose und oft auch Therapie von Erkrankungen der Herzkranzgefäße, der Herzklappen und des Herzmuskels sowie bei Rhythmusstörungen
aktualisiert am 16.01.2017

Vor dem Eingriff findet ein eingehendes Gespräch zwischen Arzt und Patient statt

istock/Alexander Raths

Die Herzkatheteruntersuchung ermöglicht dem Arzt, die Herzkammern sowie die Herzkranzgefäße auf einem Röntgen-Bildschirm sichtbar zu machen. Dafür injiziert er durch den Katheter ein Röntgenkontrastmittel. Zusätzlich kann er den Druck in den jeweiligen Herzkammern messen. Der Arzt erhält durch den Eingriff wichtige Informationen über die Pumpfunktion der Herzkammern, über den Schweregrad eventueller Herzklappenfehler und vor allem über eventuelle Verengungen in den Herzkranzgefäßen.

Befinden sich Engstellen in den Herzkranzgefäßen, versorgen sie den Herzmuskel schlechter mit Sauerstoff. Im schlimmsten Fall führt dies zu einem Herzinfarkt. Entdeckt der behandelnde Arzt eine kritische Engstelle in den Herzkranzgefäßen, beseitigt er diese meist gleich während des Eingriffs. Dafür setzt er einen Ballonkatheter und/oder einen Stent ein, der das verengte Gefäß offen hält.

Therapeutischer Einsatz: Der Katheter wird bis zum verengten Herzkranzgefäß geschoben. Mit Hilfe eines kleinen Ballons und/oder Stents wird die Engstelle erweitert

W&B/Dr. Ulrike Möhle

Welche Arten der Herzkatheter-Untersuchung gibt es?

Mediziner unterscheiden zwei Formen der Herzkatheter-Untersuchung: den "Linksherz-Katheter" und den "Rechtsherz-Katheter". Fast immer führen Ärzte einen Linksherz-Katheter durch. Damit untersuchen sie die linke Herzkammer, die Aorten- und Mitralklappe und die Herzkranzgefäße (Koronarangiografie). Den Katheter schieben sie dabei über die große Körperschlagader (Aorta) in die linke Herzkammer beziehungsweise bis zu den Herzkranzgefäßen vor.

Mit dem Rechtsherzkatheter misst der Kardiologe den Druck in der rechten Herzkammer und in den Lungenschlagadern. Zudem überprüft er die Auswurfleistung des Herzens. Dazu führt der Arzt den feinen Schlauch über eine Vene in der Ellenbeuge oder der Leiste ein. Häufig verwenden Mediziner sogenannte "Einschwemmkatheter", die über den venösen Blutstrom in das rechte Herz sowie in die Lungenschlagadern "eingeschwemmt" werden.

Wie läuft eine Herzkatheter-Untersuchung ab?

Bei diesem Verfahren führt ein spezialisierter Arzt einen vorgeformten dünnen Kunststoffschlauch, den sogenannten Katheter, über Blutgefäße ein, die sich in der Leiste, der Ellenbeuge oder dem Handgelenk befinden. Den Katheter schiebt der Arzt dann unter Röntgenkontrolle bis zu den Herzkranzgefäßen oder den Herzkammern vor. Bevor er den Katheter einführt, betäubt der Arzt die Einstichstelle lokal.

Sobald der Katheter sein Ziel (zum Beispiel die linke oder rechte Herzkammer) erreicht hat, wird er an ein externes Druckmessgerät angeschlossen. Nun misst der Arzt die Drucke in den jeweiligen Herzkammern, der Aorta und der Lungenschlagader. Dadurch kann er zum Beispiel über die Druckunterschiede beurteilen, ob eine Herzklappe krankhaft verengt ist.

Einsatz von Kontrastmittel

Anschließend spritzt der Arzt ein Röntgen-Kontrastmittel durch den Katheter in die zu untersuchende Herzkammer sowie die Herzkranzgefäße. Auf diese Weise macht er die Strukturen auf dem Röntgenbildschirm sichtbar und kann sie eingehend überprüfen. So misst er beispielsweise die Pumpfunktion der Herzkammern samt deren Auswurffraktion. Auch vernarbtes Muskelgewebe nach einem Herzinfarkt lässt sich so entdecken, weil es sich nicht mehr zusammenzieht.

Gelangt das Kontrastmittel in die Herzkammern, kann sich für wenige Sekunden ein Wärmegefühl im ganzen Körper entwickeln. Werden nur die Herzkranzgefäße untersucht, spürt der Patient nichts, da hierfür kleinere Kontrastmittelmengen gespritzt werden.

Ist die Untersuchung beendet, wird der Katheter üblicherweise aus dem Blutgefäß entfernt. Damit es an der Einstichstelle zu keiner "Nachblutung" kommt, legt der Arzt einen Druckverband an.

Behandlung mit dem Herzkatheter

Der Herzkatheter kommt heutzutage nicht nur als Diagnoseverfahren zum Einsatz, sondern auch in der Therapie verschiedener Herzerkrankungen – beispielsweise nach einem Herzinfarkt.

Am häufigsten wird dabei die sogenannte Ballondilatation durchgeführt. Hierzu schiebt der Arzt einen sehr dünnen Katheter über einen Führungsdraht bis zur verengten Stelle des betroffenen Herzkranzgefäßes vor. An der Spitze des feinen Schlauches befindet sich ein zusammengefalteter Ballon, der an der Engstelle durch die Gabe von Kontrastmittel mit einem Druck von 4 bis 20 atü entfaltet wird. Dadurch weitet sich die Engstelle. In den meisten Fällen wird gleichzeitig ein auf dem Ballon aufgebrachter Stent entfaltet. Dabei handelt es sich um eine Gefäßstütze aus Edelstahl. Diese soll verhindern, dass sich die aufgedehnte Engstelle nach Entfernen des Ballons wieder verengt. Die Stents und die Ballons sind oft mit Medikamenten beschichtet, die das Wachstum von Narbengewebe in den Stent hinein verhindern sollen.

Auch Herzklappenfehler wie eine Verengung der Aortenklappe oder der Mitralklappe können per Katheter korrigiert werden. Ebenso ist es möglich, per Herzkatheter ein Loch im Vorhofseptum, der Trennwand zwischen den beiden Vorhöfen, zu verschließen.

Große Bedeutung hat heutzutage außerdem die Behandlung bestimmter Rhythmusstörungen mit dem Katheter, die sogenannte Katheterablation. Dazu zählen Vorhofflimmern, Vorhofflattern und Arrhythmien der Herzkammern.

Gibt es Tipps zur Vorbereitung?

Im Vorgespräch wird der Patient vom Arzt schriftlich und mündlich über den Ablauf des Eingriffs sowie über mögliche Risiken aufgeklärt. Dabei sollte der Patient unbedingt auf Allergien gegen Kontrastmittel und Vorerkrankungen hinweisen wie Diabetes, Schilddrüsenstörungen oder Niereninsuffizienz.

Wer Medikamente einnimmt, sollte den Arzt, der die Untersuchung macht, vorab darüber informieren. Wichtig ist das beispielsweise bei Gerinnungshemmern. Nimmt ein Patient wegen einer Zuckerkrankheit Medikamente mit dem Wirkstoff Metformin, so wird es in der Regel in Absprache mit dem Arzt zwei Tage vor dem Herzkatheter abgesetzt. Andernfalls könnte durch das Metformin das verabreichte Kontrastmittel dem Körper schaden.

Am Abend vor der Untersuchung dürfen Patienten noch etwas Leichtes essen, und bis zu sechs Stunden vor dem Eingriff etwas trinken.

Welche Risiken bestehen?

Die diagnostische Herzkatheteruntersuchung gilt als ein sicheres Untersuchungsverfahren. Ernste Komplikationen treten sehr selten auf.
An der Stelle, an welcher der Katheter eingeführt wurde, kann es relativ häufig zu kleinen Nachblutungen oder auch zu größeren Hämatomen kommen. Besteht eine Jodallergie, kann der Patient auf das Kontrastmittel allergisch reagieren. Eine entsprechende Vorbehandlung kann allergische Reaktionen jedoch fast immer verhindern. Das kurzzeitige Wärmegefühl, dass durch das Kontrastmittel hervorgerufen wird, stellt keine allergische Reaktion dar.

Es ist zudem nicht ungewöhnlich, dass die Untersuchung Herzrhythmusstörungen auslöst. Vor allem, wenn die Herzkammern untersucht werden. Diese Arrhythmien sind meist ungefährlich und können im Ernstfall durch Elektroschock behandelt werden.

Nach dem Einsetzen eines Stents muss der Patient längere Zeit Medikamente einnehmen, die einer Verklumpung von Blutplättchen in den Gefäßen entgegenwirken, damit es nicht zur erneuten Bildung von Engstellen kommt.

Prof. Wolfram Delius

W&B/Bernhard Huber

Beratender Experte: Professor Dr. med. Wolfram Delius ist Facharzt für Innere Medizin und Kardiologie. Er habilitierte sich an der medizinischen Universitäsklinik Uppsala, Schweden, und hatte anschließend eine außerordentliche Professur für Medizin an der Technischen Universität München inne. Der Herzspezialist war lange Zeit als Chefarzt tätig, zuletzt zwei Jahrzehnte an der Abteilung Kardiologie/Pneumologie am Städtischen Krankenhaus München-Bogenhausen (Akademisches Lehrkrankenhaus). Inzwischen führt er eine eigene Praxis.

Wichtiger Hinweis:
Dieser Artikel enthält nur allgemeine Hinweise und darf nicht zur Selbstdiagnose oder –behandlung verwendet werden. Er kann einen Arztbesuch nicht ersetzen. Die Beantwortung individueller Fragen durch unsere Experten ist leider nicht möglich.

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