Depressive Verstimmung

Niedergeschlagen, antriebslos, müde und traurig – das sind typische Empfindungen für ein Seelentief. Düstere Gefühle gehören zum Leben, sie können aber auch Zeichen einer Depression oder Angsterkrankung sein

von Andrea Blank-Koppenleitner, aktualisiert am 07.09.2015

Seele in Not: Manchmal ist professionelle Hilfe notwendig, um wieder neue Kraft zu schöpfen

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Jeder Mensch durchlebt auch schwierige Phasen, in denen er deprimiert ist. Dahinter steht das lateinische Wort deprimere, niederdrücken. Wer sich in einem Stimmungstief befindet, fühlt sich bedrückt, oft traurig, mutlos, hat keine Energien mehr, möchte sich zurückziehen. Solche Gemütsschwankungen haben meist einen konkreten Anlass, etwa Ärger im Beruf oder im Privatleben, ein Verlusterlebnis, eine Krankheit. Dabei reagiert jeder Mensch unterschiedlich intensiv.

Leichtere seelische Verstimmungen klingen mit der Zeit wieder ab

Meist ist ein leichtes Stimmungstief nach ein, zwei Wochen wieder vorbei. Für viele durchlebte Krisen gilt, dass sich bald wieder positive Gefühle durchsetzen. Auch Phasen der Trauer werden nach einigen Monaten schwächer, innere Lebenskräfte gewinnen die Oberhand. Vielen Menschen helfen dabei soziale Aktivitäten, Sport, ein künstlerisches Hobby und oft auch der Rat eines Psychotherapeuten.


Wenn die depressive Stimmung tiefer geht

Eine ausgeprägtere depressive Verstimmung unterscheidet sich vom normalen Deprimiertsein. Die Gefühle des Niedergeschlagenheit, der Traurigkeit und inneren Leere sind stärker ausgeprägt und halten deutlich länger an. Die Betroffenen können oft keine Freude mehr empfinden, fühlen sich völlig ausgelaugt und lustlos. Jede Unternehmung, und sei es nur ein Besuch bei Freunden, kostet übermäßig Kraft und wird deshalb gerne vermieden. Der soziale Rückzug verstärkt das Seelentief noch weiter. Oft kommen Selbstzweifel, Ängste und Zwangsgedanken dazu.

Körperliche Begleitsymptome wie Kopfschmerzen, Abgeschlagenheit, Schwindel und Schlafstörungen sind häufig. Weitere Beschwerden sind unter anderem ungeklärte Magen-Darm-Beschwerden, Appetitlosigkeit oder Hautveränderungen.

Manchmal äußern sich depressive Verstimmungen auch in erhöhter Nervosität und Gereiztheit. Überaktivität, Arbeits- oder Sportsucht können ebenfalls Hinweis auf psychische Probleme sein. Im Gegenzug sind Konzentrationsstörungen und Leistungsabfall sehr oft Teil einer depressiven Verstimmung.
Mit anderen Worten: Eine Depression beeinflusst das Befinden erheblich – seelisch wie körperlich. Darunter kann auch die Arbeitsfähigkeit leiden.

Stimmungstief als psychische Störung

Eine heftige depressive Verstimmung kann sich zu einer ernsten Depression oder Angststörung entwickeln. Das ist manchmal nach einschneidenden Lebensereignissen wie Trennung oder Tod eines geliebten Menschen der Fall. Allerdings lassen sich nicht immer konkrete Auslöser finden. Einer scheinbar grundlosen, lange dauernden depressiven Phase liegt häufig eine noch nicht erkannte Depression, Angsterkrankung oder Psychose zugrunde. Ausführliche Informationen zu Ursachen, Symptomen und Therapien finden Sie jeweils im Ratgeber "Depressionen", im Ratgeber "Angst" und im Ratgeber "Schizophrenie".

Ist ein Mensch ständig depressiv verstimmt, ohne jedoch dadurch in seinem Alltagsleben nachhaltig beeinträchtigt zu sein, leidet er möglicherweise an einer Dysthymie (ein anderes Wort für Verstimmheit). Diese Form der Depression, auch dysthymes Syndrom genannt, äußert sich oft in anhaltend gedrückter Stimmung, mangelndem Selbstwertgefühl, Müdigkeit, Freudlosigkeit. Dazu stellen sich Schlafstörungen ein. Auch hier ist es wichtig, sich von einem Psychiater oder Psychotherapeuten beraten zu lassen.

Was auf die Seele wirkt

Einige Menschen, die anhaltend unter Stress und Arbeitsdruck stehen, geraten schleichend oder plötzlich in einen Zustand völliger seelischer und körperlicher Erschöpfung. Sie empfinden sich als innerlich leer, körperlich geschwächt, ohne Energien, wie ausgebrannt. Hinter einem Burn-out-Syndrom (englisch burn out = ausbrennen) kann eine ernsthafte Depression stecken. Die Symptome müssen also immer ernstgenommen werden. Zu Ursachen, Symptomen und Wegen aus der Krise informiert der Ratgeber "Burn-out-Syndrom".

Neben seeelischen Wunden, etwa auch traumatischen Lebenserfahrungen, ist die seelische Verfassung abhängig von vielen körperlichen Faktoren. Hormonumstellungen in der Pubertät, Schwangerschaft oder in den Wechseljahren beeinflussen die Psyche stark. Gemütsschwankungen sind dann sehr häufig.

Frauen leiden öfter unter typischen Depressionssymptomen als Männer. Bei diesen äußern sich depressive Verstimmungen eher verdeckt in Arbeitswut, Alkoholmissbrauch und riskantem, aggressivem Lebensstil. Selbsttötungen sind auch häufiger bei Männern die dramatische Folge einer verkannten oder nicht behandelten Depression.

Tritt ein seelisches Tief regelmäßig in den lichtärmeren Herbst- und Wintermonaten auf, kann es sich um eine Winterdepression handeln. Wer darunter leidet, ist nicht immer unbedingt niedergeschlagen und traurig, sondern vor allem müde, abgeschlagen und lustlos. Typisch für eine solche saisonal abhängige Depression sind Heißhunger nach süßen, kalorienreichen Speisen und ein erhöhtes Schlafbedürfnis.

Bestimmte Stoffwechselkrankheiten wie Diabetes, Schilddrüsenfunktionsstörungen, neurologische Erkrankungen wie die Parkinson-Krankheit oder Demenzen gehen sehr oft mit ausgeprägten Stimmungstiefs und Depressionen einher. Auch Infektionskrankheiten, zum Beispiel eine Lungenentzündung, und Herzerkrankungen wirken auf die Psyche.

Besonders anfällig für depressive Verstimmung sind ältere Menschen. Einschneidende Lebensveränderungen, Krankheiten, Medikamente beeinflussen in den höheren Jahren oft in vielfältiger Weise das Gemüt.

Medikamente können ebenfalls für ein seelisches Tief verantwortlich sein. Dazu gehören einige Herz-Kreislaufmittel, Schlafmittel oder Medikamente gegen Allergien. Nicht zuletzt entwickeln alkoholabhängige Menschen teilweise anhaltende depressive Symptome.

Rechtzeitig zum Arzt

Dauert die seelische Verstimmtheit länger als zwei Wochen an oder stellt sie sich über Monate immer wieder regelmäßig und heftig ein, sollten die Betroffenen in jedem Fall mit einem Arzt sprechen und gegebenenfalls einen Psychotherapeuten aufsuchen. Manchmal erweist sich ein Verlusterlebnis als so überwältigend, dass es noch nach Monaten die Seele lähmt. Dann kann oft nur therapeutische Hilfe Wege aufzeigen, um die Trauer zu verarbeiten. Höchstes Alarmzeichen ist es, wenn die depressive Verstimmung mit Selbsttötungsgedanken verbunden ist.

 


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Dieser Selbsttest wurde von der Weltgesundheitsorganisation WHO entwickelt und gibt Ihnen eine erste Einschätzung. Er ersetzt keine Diagnosestellung durch den Arzt.


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1) In den letzten zwei Wochen war ich froh und guter Laune.

Fachliteratur und Fachredaktion

 

Möller H-J, Laux G., Deister A: Psychiatrie und Psychotherapie, Stuttgart, Thieme Verlag, 2009

Wittchen, H-U et al.: Depressive Erkrankungen, aus: Gesundheitsberichterstattung des Bundes, Hrsg.: Robert Koch Institut, in Zusammenarbeit mit dem Statistischen Bundesamt, Heft 51, 2010

Deutsche Gesellschaft für Psychiatrie, Psychotherapie und Nervenheilkunde (Hrsg.), et al.:

- S3-Leitlinie/Nationale Versorgungsleitlinie Unipolare Depression, AWMF-Register-Nr. nvl-005, Langfassung, 1. Auflage 2009 (im Juni 2015 verlängert bis 30.08.2016, abgerufen am 30.08.2015). Online: http://www.leitlinien.de/mdb/downloads/nvl/depression/depression-1aufl-vers5-lang.pdf

- S3-Leitlinie/Nationale Versorgungsleitlinie Unipolare Depression, AWMF-Register-Nr. nvl-005, Langfassung, 2. Auflage, Konsultationsfassung, Stand: 20.07.2015 (abgerufen am 30.08.2015). Online: http://www.leitlinien.de/mdb/downloads/nvl/depression/depression-2aufl-konsultation.pdf

Institut für Qualität und Wirtschaftlichkeit im Gesundheitswesen (IQWiG): Arbeitspapier Leitliniensynopse zum Thema "Depression", Nr. 34, IQWiG-Berichte 2009

 

Fachredaktion: Dr. med. Claudia Osthoff

 

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