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Blähungen, Luft im Bauch

Dass den Körper ab und zu Luft über den Darm verlässt, ist unangenehm bis hoch peinlich. Wann es zu viel oder krankhaft wird (Flatulenz) und was hilft


Beim Arzt die Hemmschwelle überwinden und sagen, was los ist im Bauch

Ein Tabuthema

Über manches spricht man einfach nicht, zum Beispiel über Blähungen (Flatulenz). Selbst beim Doktor macht man lieber einen Bogen um das Problem – verständlich, aber natürlich falsch. Denn wenn es einem wirklich das Leben erschwert oder der Eindruck entsteht, dass mit dem geblähten Bauch etwas nicht stimmt, sollte ein Arzt das auf jeden Fall überprüfen.

Um es gleich vorwegzunehmen: Eine der Hauptursachen für das Gefühl, ständig überbläht zu sein, ist der Reizdarm (Reizdarmsyndrom). Oft kommen noch Bauchschmerzen und Unregelmäßigkeiten beim Stuhlgang dazu. Die Diagnose setzt voraus, dass keine andere Erkrankung für die Beschwerden verantwortlich ist. Mehr dazu im Kapitel „Ursachen“.


Woher kommt die Luft?

Dass nach Verzehr blähender Nahrungsmittel vermehrt Luft im Darm entsteht, ist ganz natürlich. Luft verschlucken wir auch oft mit, wenn wir das Essen hastig verschlingen. Zudem sind viele Nahrungsmittel an sich etwas „luftig“. Den überwiegenden Teil der Darmgase bildet der Darm selbst. Ein bekannter flüchtiger Stoff, der bei Verwertung von Biomasse frei wird, ist Kohlendioxid (CO2). Auch bei der Verdauung fällt es reichlich an, etwa bei der Neutralisation von Magensäure und von Fettsäuren im Darm. Fettsäuren sind Bausteine der Nahrungsfette. Zusammen mit CO2 entstehen sie zudem, wenn Zuckerverbindungen (Kohlenhydrate) unverdaut in den Dickdarm gelangen und dort von Bakterien vergoren werden. Das passiert zum Beispiel bei der Milchzuckerunverträglichkeit, hängt aber auch oft mit ballaststoffreicher Ernährung zusammen.

Ein Teil des täglich anfallenden CO2 gelangt ins Blut und wird abgeatmet. Der übrigen Darmluft – einem Mix aus CO2, Wasserstoff, Stickstoff, Methan und dazu eine Prise Ammoniak, Schwefel und andere Gärungsprodukte (Geruchskomponenten!) –, bleibt nur die „enge Gasse durch den Darm“.

An Völlegefühl nach dem Essen oder einem geblähten Bauch (Meteorismus) sind eine ganze Menge Speisen schuld. Vor allem gesunde, aber blähende, sowie ungesunde süße und fette. Schließlich solche der Marke „Diät“, „Fitness“ oder „fertig & schnell“, auf Neudeutsch „Fast Food“ oder „Convenience Food“. Oft sind die Verdauungsprobleme aber auch ein bisschen Kopfsache: Bei Zeitnot, Stress und Nervosität oder aber aus reiner Gewohnheit essen viele Menschen zu hastig und verschlucken dabei auch eine Menge Luft (Aerophagie). Die sucht sich dann ihren Weg – sei es nach oben oder unten.

Nicht wieder aufgestoßene Luft wandert folglich mit der Nahrung in den Verdauungstrakt. Gase (auch im Darm selbst entstandene), die den Körper nicht über die Blutbahn und Atmung verlassen, passieren den Darm sehr schnell – etwa in einer halben Stunde, freie Fahrt vorausgesetzt. Zum Vergleich: Feste Nahrung braucht gut und gerne ein, zwei Tage.

Überblähung und mehr

Wenn der Darm sich aber verkrampft, kann er die Luft „einklemmen“. Die Folgen: Überblähung, Bauchschmerzen, heftiges Rumoren. Eine „Einklemmung“ kann viele Gründe haben. Häufig ist sie nur durch angestrengtes Zurückhalten der Luft bedingt. Ursache kann jedoch auch eine ausgeprägte Verstopfung sein. Seltener steckt eine Verengung des Darms, etwa durch Narben, Entzündungen oder eine Geschwulst dahinter. Oder eben ein Reizdarm.

Wenn die krampfartigen Schmerzen mehr rechts im Oberbauch, unter dem Zwerchfell, sitzen, wird manch einer vielleicht erstmal an eine Gallenkolik denken. Auf der linken Seite könnten sie mit einem Herzinfarkt verwechselt werden. Den Eindruck eines Herzanfalles unterstreichen manchmal noch weitere, bei Überblähung keineswegs seltene Beschwerden wie Atemnot, Herzbeklemmungen, Herzstolpern, Schmerzen in der Brust. Selbst Schweißausbrüche und Schwindel sind möglich. Das Ganze hat sogar einen Namen: Ärzte sprechen vom sogenannten Roemheld-Syndrom. Sie werden aber immer ausschließen, dass zum Beispiel nicht doch ein Herzinfarkt vorliegt.

Eine akute Überblähung, also ein akuter Meteorismus, kann im äußersten Fall auf einen Darmverschluss oder eine Darmlähmung hinweisen (siehe unten). Luft ist hier zwar vermehrt vorhanden, sie ist jedoch, wie auch der Stuhl, blockiert. Außer Darmgeplätscher rührt sich bei einem Darmverschluss nichts mehr. Bei einer Darmlähmung herrscht große Stille. Beide können aus ganz unterschiedlichen Gründen mit starken Bauchschmerzen verbunden sein. Es sind Notfälle, die jedoch viel seltener vorkommen als zum Beispiel eine Verstopfung. Diese kann bei sehr starker Ausprägung einer Darmlähmung ähneln, aber die Betroffenen wirken längst nicht so krank.

Wann zum Arzt?

Meistens sind Blähungen harmlos und beruhen auf bestimmten Vorlieben bei der Ernährung, beispielsweise für ballaststoffreiche Kost. Sie ist zwar gesund, kann aber den Darm belasten. Wenn sich keine Erklärung finden lässt, die Überblähung neu und sehr unangenehm ist oder weitere Beschwerden dazukommen, gilt es, genauer nach der Ursache zu forschen.

Der erste Schritt ist das Gespräch mit dem Arzt. Dabei geht es um die Lebensgewohnheiten, soweit sie die Gesundheit betreffen, und die aktuellen Beschwerden. Alle Karten müssen auf den Tisch, auch wenn es peinlich ist. Dann folgt eine körperliche Untersuchung. Je nach Ergebnis schließen sich gezielte Maßnahmen an. Weitere Informationen dazu jeweils in den Kapiteln „Diagnose“ und „Ursachen“.



Ursachen auf einen Blick


Zu viel Gas im Darm

  • Ballaststoffreiche Ernährung mit hohem Anteil löslicher Ballaststoffe, die vor allem in Obst und verschiedenen Gemüsesorten enthalten sind; kohlensäurehaltige Getränke
  • Zuckeraustauschstoffe wie Sorbit, Xylit, Mannit; Sorbit findet sich zum Beispiel in vielen Diät- und Lightprodukten
  • Unverträglichkeit von Milchzucker (Laktoseintoleranz) oder Fruchtzucker (sogenannte Fruktoseintoleranz)
  • Zöliakie (glutensensitive Enteropathie): Unverträglichkeit von Gliadin, einem Bestandteil im Klebereiweiß (Gluten) in Getreiden
  • Bakterielle Überwucherung im Darm (Blindsacksyndrom): Bakterien aus dem Dickdarm besiedeln den Dünndarm, wo sie eigentlich nicht hingehören. Dort stören sie unter anderem die Fettverdauung. Die Folgen: Fettstühle, Überblähung.
  • Kurzdarmsyndrom: komplexe Verdauungsstörung nach Entfernung eines größeren Dünndarmstücks. Unter anderem entstehen vermehrt Darmgase.
  • Giardiasis: Der Dünndarmparasit Giardia lamblia ist zwar eigentlich in den Tropen und Subtropen heimisch, tritt aber auch in unseren Breiten auf. Stärkerer Befall führt zu Darmbeschwerden mit Bauchschmerzen, Durchfällen und Blähungen.
  • Sonden-, Trink- und Aufbaunahrung zur Nahrungsergänzung oder vollen Ernährung verursachen je nach Zusammensetzung und Leistungsfähigkeit der Verdauung manchmal Blähungen. Die Wahl anderer Präparate kann den Darm entlasten.
  • Dickdarmkrebs (Kolonkarzinom): Stellt jemand fest, dass beim Abgang eines Windes neuerdings geringe Mengen Stuhl nicht gehalten werden, oder entweichen auffallend oft übelriechende Winde, so kann eventuell eine bösartige Darmgeschwulst die Ursache sein. Es gibt aber zahlreiche andere Gründe dafür.


Zu wenig Gas verlässt den Darm über das Blut (gestörte Gasabsorption):

  • Pfortaderhochdruck (Portale Hypertension): Die Pfortader transportiert das nährstoffreiche Blut in die Leber. Bei Hochdruck in diesem Gefäßgebiet staut sich Blut zurück. Das hat verschiedene, meist ernsthafte Gründe und wirkt sich auch auf die Verdauung aus. Es kommt zu Völlegefühl, Überblähung und Appetitlosigkeit. Eine der Ursachen sind Lebererkrankungen. Hier können auch Gallensäuren im Darm fehlen, was ebenfalls zu Verdauungsproblemen führt.
  • Herzschwäche: Wenn die reche Herzkammer (Rechtsherzinsuffizienz) oder das Herz insgesamt stark geschwächt ist (Herzinsuffizienz), staut sich mitunter Venenblut, das eigentlich zum Herzen fließen soll, bis in die Leber zurück. Daraufhin verhärtet sie sich, und es kann zum Pfortaderhochdruck kommen (siehe oben). Neben damit verbundenen Problemen, nicht zuletzt Verdauungsbeschwerden, beeinflusst hier vor allem das geschwächte Herz die körperliche und seelische Verfassung der ernsthaft kranken Patienten.
  • Behandlung mit Antibiotika: Antibiotika beeinträchtigen mitunter die natürliche Darmflora. Gewinnen dann unerwünschte Bakterien die Überhand, kann das zum Beispiel die Belastung mit Darmgasen erhöhen und zu Durchfall führen.


Die Magen- oder Darmbewegungen sind gestört (chronische oder akute Motilitätsstörung)

  • Reizdarm: Dieses Krankheitsbild ist eine der häufigsten Ursachen für „Blähungsbeschwerden“ im Darm. Das Bewegungsmuster des Darmes ist hier chronisch gestört, und er reagiert zum Beispiel auf Luftansammlungen vermehrt schmerzhaft. Häufig kommt es bei einem Reizdarm auch zu Unregelmäßigkeiten beim Stuhlgang.
  • Magenlähmung (Gastroparese, Magenatonie): Die Muskeltätigkeit in der Magenwand kann durch verschiedene Ursachen geschwächt oder gelähmt sein. Zu einer akuten Lähmung kommt es zum Beispiel durch spezielle Infektionen oder einen entgleisten Blutzucker bei Diabetes mellitus. Nach dem Essen – sofort und / oder später – treten dann ein Völlegefühl, Druck oder Schmerzen im Oberbauch, Sodbrennen, Übelkeit, Erbrechen von Magensäure und auch von Nahrung auf. Bei chronischer Störung der Magenentleerung drohen Mangelernährung und Gewichtsverlust.
  • Darmlähmung: Hier handelt es sich um einen Notfall, der unverzüglich ärztlicher Hilfe bedarf. Die Darmtätigkeit ist zum Erliegen gekommen, der Bauch aufgebläht. Manchmal geht ein Darmverschluss aufgrund eines mechanischen Hindernisses voraus. Doch kann die Lähmung auch eine Reaktion auf ein anderes akutes Ereignis sein, etwa eine Operation, eine Nierenkolik, eine akute Bauchspeicheldrüsenentzündung oder Durchblutungsstörung des Darms.


Andere Auslöser und Umstände

  • Psychische Faktoren, die zu Magen-Darm-Beschwerden und Überblähung führen können, sind Angst und Stress. Häufig essen die Betroffenen dann zu hastig und verschlucken zu viel Luft (Aerophagie). Das kann natürlich auch aus reiner Gewohnheit passieren. Eventuell bringen eine Verhaltens- und Entspannungstherapie oder auch eine Ernährungsberatung Abhilfe.
  • Medikamente: Für die Nebenwirkung Flatulenz sind zum Beispiel Wirkstoffe wie Acarbose oder Miglitol zur Senkung eines erhöhten Blutzuckers bei Diabetes mellitus Typ 2, einige penicillinhaltige Antibiotika, entzündungshemmende Medikamente wie der Arzneistoff Diclofenac, sodann Laktulose und andere Abführmittel bekannt.
  • Schwangerschaft: Vor allem in der Frühschwangerschaft werden viele Frauen von Verstopfung und Blähungen geplagt, weil der Darm sich entspannt und ungewohnt träge wird. Später kann das Baby ihm in die Quere kommen, sodass er sich noch schwerer tut.
  • Säuglinge leiden in den ersten Lebensmonaten öfter unter einer Überblähung. Luft im Bauch spielt wohl auch bei den Dreimonatskoliken eine Rolle. Dabei kommt es meist zu Schreiattacken, die für das Baby und die Eltern strapaziös sind. Sie setzen regelmäßig nach Mahlzeiten oder am frühen Abend ein. Nach Wochen der Anpassung sind die Schwierigkeiten überwunden. Die genauen Ursachen sind unbekannt.

Therapie

Zweifelsohne sind Blähungen unangenehm und manchmal sehr peinlich. Eine Therapie ist aber normalerweise nicht notwendig. Erste Gegenmaßnahme: Den eigenen Lebensstil überprüfen. Ein paar Veränderungen können schon Wunder wirken, etwa Verzicht auf blähende oder schlecht verträgliche Speisen. Statt weniger üppiger Mahlzeiten empfehlen sich mehrere kleine, leicht verdauliche Portionen am Tag. Dies wie auch regelmäßige Bewegung im Freien entlastet den Darm spürbar. Weitere Tipps im Kapitel „Selbsthilfe, Therapie“.

Verschiedene Heilpflanzen, etwa Fenchel als Teezubereitung, wirken entlastend (carminativ) und krampflösend. Kurzfristig leisten auch entschäumende Präparate aus der Apotheke mit Wirkstoffen wie Dimeticon oder Simeticon gute Dienste.

Falls eventuell starker Stress auf den Magen und Darm geschlagen hat, liegt ein Ansatzpunkt darin, die persönliche Situation zu hinterfragen, Schwerpunkte zu setzen und weniger Wichtiges zurückzustellen. Eventuell wirkt kurzfristig eine psychologische Therapie stabilisierend, zum Beispiel ein Entspannungsverfahren.

Liegt der Flatulenz eine bestimmte Krankheit zugrunde, so zielt die Therapie natürlich auf das medizinisch jeweils Notwendige. Mehr dazu im Ursachen-Kapitel.


Dieser Artikel enthält nur allgemeine Informationen und darf nicht zur Selbstdiagnose oder -behandlung verwendet werden. Er kann einen Arztbesuch nicht ersetzen. Die Beantwortung individueller Fragen durch unsere Experten ist leider nicht möglich.




Bildnachweis: Brand X Pictures/RYF
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Dr. med. Claudia Osthoff / www.apotheken-umschau.de; 30.03.2011, aktualisiert am 29.01.2014
Bildnachweis: Brand X Pictures/RYF

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