Bauchschmerzen

Bauchschmerzen sind oft harmlos und vergehen wieder. Mitunter bereiten sie aber auch richtig Probleme. Mehr über die Ursachen. Mit Bauchschmerz-Check

von Dr. med. Claudia Osthoff, aktualisiert am 05.02.2016

Spurensuche: Bei Bauchschmerzen liefert mitunter die Stelle, wo es wehtut, ein Indiz

W&B/ Martin Ley

Bauchschmerzen sind ein sehr allgemeines Symptom. Ursächlich kommt etliches von dem infrage, woran der Mensch erkranken kann, denn Bauchschmerzen treten bei vielen Krankheiten auf. Wir geben einen Überblick über die wichtigsten Ursachen.

Bauchschmerzen gehören zu den häufigsten Beschwerden

Meistens sind die Auslöser harmlos und bald gefunden: eine üppige Mahlzeit, ein Gläschen zu viel am Abend, die Menstruation. Manchmal war es eine verdorbene Speise oder es ist die „Magen-Darm-Grippe“, etwa wenn Erbrechen und Durchfall mit dabei sind oder derartige Beschwerden auch im näheren Umfeld die Runde machen.


Mitunter ist die Diagnose komplizierter. Denn viele Krankheiten, die sich in Organen nahezu der gesamten oberen Körperhälfte – vom Kopf bis zur Leistengegend – abspielen, können auch für Bauchschmerzen verantwortlich sein. Nicht einfacher wird es dadurch, dass bei drohender Lebensgefahr schnell und gezielt gehandelt werden muss. Das kann – muss aber keineswegs immer – eine (Not-)Operation bedeuten.

nach obenBauchschmerzen gehen meist von den Verdauungsorganen aus

Am häufigsten entstehen Bauchschmerzen in den VerdauungsorganenMagen, Darm, Gallenblase, Gallengang, Bauchspeicheldrüse. Gelegentlich gehen die Schmerzen von einer vergrößerten Leber, genauer: der unter Druck stehenden Leberkapsel, aus.

Der Bauch beherbergt aber noch mehr, nämlich die Milz, Blutgefäße und Nerven. Nicht zu vergessen: die Nieren, die weiter hinten, zum Rücken hin liegen, sodann Lymphgewebe und das Bauchfell. Die Harnwege ziehen bis zum Unterbauch beziehungsweise zum kleinen Becken und treten dort in die Harnblase ein. In enger Nachbarschaft finden sich die inneren Geschlechtsorgane. Bei Frauen sind das Gebärmutter, Eierstöcke und Eileiter, bei Männern Prostata, Samenblasen und Samenleiter. Auch für den Enddarm nebst Mastdarm gibt es noch Platz. Alle diese Organe kommen in unterschiedlicher Häufigkeit als Ausgangspunkt von Leibschmerzen infrage.

Schließlich können Muskeln, Sehnen oder Nerven der Bauchwand eine Quelle von Bauchschmerzen sein. Letzteres zum Beispiel kommt beim sogenannten Bauchwandschmerz vor. Der häufig rechts im Oberbauch, sehr punktuell und an derselben Stelle als dumpf oder stechend verspürte Schmerz wird durch einen gereizten Bauchwandnerv vermittelt. Auslöser gibt es viele, etwa erhöhter Druck im Bauch oder von außen oder Einklemmung des Nervs auf seinem verwinkelten Weg zur Körperoberfläche. Im Liegen ist der Schmerz geringer als im Sitzen. Anspannen der Bauchdecke, ebenso eng anliegende Kleidung, Husten, Lachen oder körperliche Aktivität können ihn verstärken. Der Arzt erkennt das Problem anhand einfacher Untersuchungstechniken. Die punktgenaue Injektion eines Betäubungsmittels, eventuell auch wiederholt oder kombiniert mit Kortison, führt vielfach zu Beschwerdefreiheit. Dies stützt zudem die Diagnose. Selten ist die Ausschaltung des Nervs nötig.

nach obenManchmal liegt die Quelle von „Bauchschmerzen“ woanders

Damit ist gemeint: Der Ausgangspunkt befindet sich woanders im Körper, außerhalb des Bauchraumes. Mögliche Quellen reichen vom Herz über die Atemwege bis zur Psyche. Dann sind die Bauchschmerzen nur mehr eine Art Ausstrahlung oder Spiegelung. Andere Symptome können dann bessere Hinweise geben: So deutet etwa ein atemabhängiger Schmerz in Richtung Lungenfell oder Herzbeutel, etwa eine Herzbeutelentzündung.

Das Zwerchfell, ein flacher, kuppelförmiger Muskel, trennt den Brust- und Bauchraum voneinander. Krankhafte Veränderungen des Zwerchfells führen eher zu Schmerzen im Brust- als im Bauchbereich. Letzteres ist aber nicht ausgeschlossen, es kommt beispielsweise vereinzelt bei Geschwulstbildungen vor.

Lungenentzündungen und / oder Rippenfellentzündungen sind Erkrankungen des Brustraums. Dennoch können sie manchmal auch Schmerzempfindungen im Oberbauch auslösen. Das gilt ebenso für einen Pneumothorax – ein Lungenkollaps bei Eintritt von Luft in den Lungenfellspalt –, und eine Lungenembolie. Bei dieser Erkrankung verstopft ein Blutgerinnsel ein Lungengefäß. Sie kann nahezu unbemerkt bleiben, manchmal jedoch schwerwiegend verlaufen.

Auch Stoffwechselerkrankungen, hormonelle Störungen, Infektionen, Nahrungsmittelunverträglichkeiten und Vergiftungen verursachen mitunter Schmerzen im Bauch. Schließlich kommen bestimmte Systemerkrankungen als Auslöser infrage. Bei einer Systemerkrankung erkrankt Gewebe, das in vielen Organen vorkommt, etwa Bindegewebe. Das kann zu vielfältigen Beschwerden führen. Ein Beispiel ist der systemische Lupus erythematodes.

In der Schwangerschaft sind darüber hinaus besondere Komplikationen möglich (siehe Abschnitt ganz unten).


nach obenKinder und Bauchweh: Wie Licht und Schatten

Bei Kindern sind Bauchschmerzen häufig und dazu noch schwierig einzuschätzen, denn die Kleinen beziehen vieles auf den Bauch und können den Schmerz nicht anders beschreiben. Oft weist er tatsächlich auf eine Erkrankung hin, die gar nichts mit dem Bauch zu tun hat, etwa eine Mittelohrentzündung, Mandelentzündung oder eine andere Kinderkrankheit. Auch bei einer beginnenden Lungenentzündung klagen Kinder häufig über Schmerzen im Bauch.

Außerdem können Bauchschmerzen eine Reaktion auf verschiedene psychische Belastungen sein, etwa Angst und Stress. Andererseits kann es auch wirkliches Bauchweh sein, was nichts über die Harmlosigkeit oder Schwere aussagt. Im Übrigen schlägt Stress auch Erwachsenen häufig auf den Magen.

Schon die Kleinsten müssen erfahren, was es heißt, wenn der Bauch heillos rebelliert. Beispiel Dreimonatskoliken, eine schwierige Lebensphase für viele Säuglinge. Es bleibt ihnen nichts anderes übrig: Sie schreien viel, mehr als drei Stunden an mindestens drei Wochentagen, sehr zur eigenen Verzweiflung wie auch der ihrer Eltern. Meistens beginnt das Problem im ersten Lebensmonat. Dass es meist etwa drei Monate lang dauert, ist eine ziemlich verlässliche Erfahrung.

Das Drama setzt meistens am Spätnachmittag oder Abend nach einer Mahlzeit ein. Es betrifft mit dem Fläschchen gefütterte Babys, aber auch gestillte. Genaues weiß man noch nicht über die Auslöser, offenbar sind mehrere Faktoren beteiligt. Babys Darm könnte mit der Verdauung anfangs noch überfordert sein. Auch die Ernährungsweise der Mutter, der Trinkrhythmus des Kindes, Rauchen und Stress in der Familie könnten eine Rolle spielen.

Die Diagnose Dreimonatskoliken ist eine Ausschlussdiagnose, das heißt, dass der Kinderarzt keine andere Ursache festgestellt hat.

Mehr dazu im Beitrag „Dreimonatskoliken“ auf www.baby-und-familie.de


nach obenBauchschmerzen: Wann zum Arzt?

Immer dann, wenn man den Eindruck hat, dass über das zunächst harmlos erscheinende Symptom hinaus etwas nicht stimmt oder eine ansteckende Magen-Darminfektion in Umlauf ist. Kurzfristig bei ungewöhnlichem Unwohlsein, wenn dieses, wie der Bauchschmerz selbst, nach ein bis zwei Tagen nicht weichen will. Sofort – das heißt den Arzt oder Notarzt einschalten – wenn Bauchschmerzen sehr stark sind oder rasch zunehmen und möglichst entspannte Körperhaltungen die Pein kaum noch lindern helfen („akuter Bauch“, siehe Abschnitt unten).

! Achtung: Treten Sie bei starken Bauchschmerzen keine Flug- oder Überseereise auf dem Schiff an.

Und bei (weiteren) Alarm- oder Notfallsymptomen wie nachfolgend gelistet sollten Sie ebenfalls unverzüglich den Arzt beziehungsweise Notarzt alarmieren:

  • Anhaltendes oder wiederholtes Erbrechen; Erbrechen von Blut, von schwarz Gefärbtem („Kaffeesatz“) oder gar von Stuhl
  • Blutiger Durchfall
  • Stuhl, der schwarz wie Teer aussieht
  • Stuhl- oder Urinblockade
  • Stark aufgetriebener Bauch
  • Plötzliche Blutung aus der Scheide oder Harnröhre
  • Hohes Fieber, Schüttelfrost
  • Kreislaufschwäche oder Ohnmacht; kaltschweißige, blasse, fahle oder bläulich-violette Haut und Lippen, Schock
  • Lähmungen oder Bewusstseinsstörungen

nach obenDiagnose bei Bauchschmerzen

Zuerst gilt es zu erkennen, ob ein Notfall vorliegt. Hinweise ergeben sich aus der Prüfung der sogenannten Vitalzeichen – Kreislauf, Atmung, Bewusstsein –, dem Ausmaß und Typ der Schmerzen und weiteren Alarmsymptomen (siehe obige Liste).

Ganz wichtig für die Diagnose sind Angaben des Patienten zu seiner Krankengeschichte und zur Art der Schmerzen. Dieser Informationsaustausch heißt Anamnese. Fragen, die den Arzt hier interessieren, sind zum Beispiel: Waren die Schmerzen plötzlich da (akut) oder oder setzten sie allmählich ein (subakut)? Bestehen sie schon länger, sind also chronisch? Sind es wiederkehrende, eher gleichförmige oder attackenartige Schmerzen? Hängen sie mit dem Essen zusammen? Oder mit bestimmten Körperbewegungen oder enger Kleidung?

Die Schmerzen können sich zum Beispiel auf eine bestimmte Körperstelle konzentrieren: den Oberbauch oder den Unterbauch. Ein Nüchternschmerz im Oberbauch, etwa nachts und morgens, kann auf ein Geschwür des Zwölffingerdarms hinweisen. Oder der Schmerz wandert, breitet sich aus und ist überall im Bauch zu spüren. Manchmal strahlen Bauchschmerzen in die Seite – Taille oder Flanke – aus, so etwa bei einer Nierenkolik. Bei einer Gallenkolik oder Zwerchfellreizung können Schmerzen bis zur Schulter verspürt werden.

Auch nach der Art der Schmerzen erkundigt sich der Arzt. Wie ist der Schmerz: krampfartig, stechend, schneidend, bohrend, dumpf? Und: Bestehen noch andere Beschwerden, also Begleitsymptome wie Fieber, Appetitlosigkeit, Übelkeit, Erbrechen, Durchfall oder Verstopfung? Und bei Frauen im gebärfähigen Alter: Ist die Betroffene schwanger oder hat vor kurzem entbunden?

Bei der körperlichen Untersuchung steht natürlich vor allem der Bauch im Mittelpunkt. Der Arzt schaut hier nach Narben und Schwellungen, etwa in der Leiste, und nach auffallenden Hautveränderungen.

Mit dem Stethoskop hört er den Darm ab und beurteilt so die Darmfunktion. Falls der Betroffene das Abtasten des Bauches toleriert, die Bauchdecke sich also nicht wegen der Schmerzen extrem anspannt, kann der Arzt sich ein Bild davon machen, ob eine Überblähung, eine tastbare Veränderung oder eventuell Bauchwasser vorhanden ist.

Falls bei der Tastuntersuchung punktuell ein Schmerz auslösbar ist, lässt dies manchmal auf eine bestimmte Ursache schließen. So ist für eine Blinddarmentzündung (Appendizitis) der Druck- und Loslass-Schmerz als Zeichen der Bauchfellreizung im rechten, mitunter auch im mittleren Unterbauch typisch, wenn auch nicht unabdingbar. Auch ein sogenannter Bauchwandschmerz kann an einer punktförmigen Stelle, meist rechts im Oberbauch, verspürt werden.

Bei einer ausgeprägten entzündlichen Divertikelkrankheit des Darms (siehe unten, Abschnitt „Gesamter Bauch“, Stichwort Divertikulitis) können dieselben Phänomene vor allem im linken Unterbauch auftreten.

In der Regel untersucht der Arzt auch Herz und Lungen, die mitunter als mögliche Schmerzquellen außerhalb des Bauchraumes, aber mit Ausstrahlung in den Bauch, infrage kommen. Ferner wirft er einen Blick auf das Augenweiß, die Haut (Gelbverfärbung (Gelbsucht, medizinisch Ikterus)?) und die Zunge (Austrocknung der Schleimhäute? Krankhafter Belag?). Auch die Prüfung von Blutdruck, Puls und Gefäßen allgemein, sodann orientierend der Muskelkraft und Reflexe gehört zur Basisuntersuchung.

Gibt es Anhaltspunkte für eine Schmerzursache im Bereich der Harnwege, ist ein Urologe gefragt. Eine mutmaßlich gynäkologische Krankheitsursache klärt ein Frauenarzt ab. Weitere Anhaltspunkte können Laboruntersuchungen und technische Verfahren wie EKG (Aufzeichnung der Herzstromkurve, Elektrokardiogramm) und Ultraschall (Sonografie) geben. Bei Bedarf schließen sich weitere Untersuchungen an, etwa möglichst frühzeitig eine Computertomografie (CT) des Bauchraums. Weitere Diagnoseschritte können eine endoskopische Untersuchung (Spiegelung) oder eine Gefäßdarstellung (Angiografie, zum Beispiel mittels CT oder Magnetresonanztomografie, MRT), etwa bei akuten Blutungen des Magen-Darm-Traktes, sein.

Medizinische Erstversorgung

Je nach Diagnose / Verdachtsdiagnose übernimmt der zuständige Facharzt – etwa ein Chirurg, Gastroenterologe (Facharzt für Magen- Darmerkrankungen), Urologe, Frauenarzt (Gynäkologe) oder Gefäßspezialist – die weitere Betreuung des Patienten. Verschiedene Möglichkeiten kommen infrage: eine ambulante Betreuung, Überwachung in der Klinik, eine intensivmedizinische Behandlung, ein Eingriff.

Lässt sich nach sorgfältiger Untersuchung kein krankhafter Befund erheben, wird der Hausarzt den Patienten medizinisch weiter beobachten und bei wiederholten Beschwerden erneut untersuchen (lassen). Bleibt auch dies ergebnislos, ist gegebenenfalls fachpsychologischer Rat gefragt.


Bauchschmerz-Check

  • Ganzer Bauch schmerzt

Für die wenigsten Erkrankungen der Bauchorgane gibt es eine einzige, typische Schmerzlokalisation. Zwar können einige der nachfolgend genannten Krankheitsbilder mehr oder weniger an einer bestimmten Stelle im Bauch Beschwerden bereiten. Doch verlagern sich die Schmerzen mitunter auch oder werden phasenweise überall im Bauch empfunden. Manche Krankheitsbilder können sich von vornherein als akuter Bauch (siehe unten) äußern oder in diesen übergehen.

- - Bei einer Magen-Darminfektion (Gastroenteritis) oder bei chronisch entzündlichen Darmerkrankungen wie Morbus Crohn und Colitis ulcerosa treten zwar häufiger im mittleren und unteren Bauch Schmerzen auf. Doch letztlich kennen sie, was den Bauch betrifft, keine Grenzen. Es kann hier außerdem zu Durchfällen kommen, die nicht selten auch schleimig oder blutig sind. Auf Bauchschmerzen im Rahmen von Tropenkrankheiten oder Wurmerkrankungen geht dieser Beitrag nicht ein.

- - Schmerzen bei einer Divertikulitis (entzündete Divertikel; das sind Schleimhautausstülpungen in Muskellücken der Darmwand), bei Verengung des Darmes, beim Reizdarmsyndrom oder schlicht infolge von Blähungen betreffen ebenfalls mitunter den gesamten Bauch. Es sind aber auch Schmerzen mit Betonung auf dem Mittelbauch oder Unterbauch möglich.

- - Schmerzen im gesamten Bauch kommen teilweise oder phasenweise auch bei einer akuten Bauchspeicheldrüsenentzündung (akute Pankreatitis) vor, ebenso bei einer chronischen Pankreatitis (siehe dazu weiter unten, „Notfall: Akuter Bauch“). Schwerpunktmäßig kommt hier auch der Oberbauch in Betracht. Die Schmerzen können sich gürtelförmig ausbreiten.

- - Schmerzen, die bei krankhaften Veränderungen der Hauptschlagader (Aorta) auftreten, entwickeln sich meist plötzlich. Sie können sehr ausgeprägt sein oder sogar als vernichtend empfunden werden. Je nachdem, wo der Gefäßschaden liegt, werden sie im Brustraum und Rücken, im Oberbauch oder tief im Inneren des Bauches empfunden. Mehr dazu unten bei „Wenn es im mittleren Bauch wehtut“ und im Abschnitt „Notfall: Akuter Bauch“.

- - Eine Bauchfellreizung oder -entzündung (Peritonitis) verursacht je nach Auslöser entweder an bestimmten Stellen oder überall im Bauch deutliche Schmerzen, in Richtung akuter Bauch (siehe dort). Letzteres kann zum Beispiel bei einer Stoffwechselkrise durch einen entgleisten Diabetes passieren.

- - Auch die Bauchschmerzen bei erblichen Erkrankungen wie das familiäre Mittelmeerfieber betreffen oft den gesamten Bauch. Übergänge zum akuten Bauch sind ebenfalls möglich.

- - Nahrungsmittelunverträglichkeiten wie zum Beispiel Zöliakie oder Nahrungsmittelallergien können verschiedene Körperreaktionen auslösen, darunter diffuse, überall im Bauch spürbare Schmerzen. Eventuell treten auch Erbrechen und Durchfall auf. Relativ typisch bei einer allergischen Reaktion: Die Beschwerden beginnen oftmals schon beim Kontakt mit dem verantwortlichen Auslöser. Dabei kommt es zu pelzigen, geschwollenen Lippen und einem pelzigen Gefühl an der Mundschleimhaut, vielleicht Fließschnupfen und Augentränen. Auch Hautveränderungen wie bei Nesselsucht mit Juckreiz sind möglich, eventuell sogar Asthmaanfälle oder ein Schockzustand.

  • Schmerzausstrahlung in den (Ober-)Bauch

- - Schmerzen bei Herzkranzgefäßerkrankungen – von einer Angina pectoris bei einer koronaren Herzkrankheit bis hin zum Herzinfarkt –, außerdem bei Herzbeutelentzündungen strahlen nicht selten in den Oberbauch aus oder werden hauptsächlich dort verspürt, manchmal auch mehr rechts oder links oben.

- - Die Rückfluss- oder Refluxkrankheit der Speiseröhre macht sich zwar meist im Brustraum unter dem Brustbein bemerkbar, vorzugsweise beim Liegen. Sie kann mit ihren Beschwerden aber auch den Oberbauch erreichen. Leitsymptom ist Sodbrennen.

- - Roemheld-Syndrom heißt eine Störung, die mit Druckgefühl im Oberbauch, vor allem aber mit Herzbeschwerden wie Herzstechen, Herzstolpern, eventuell auch Atembeklemmung einhergeht. Auslösend ist eine Überblähung des Magens oder von Darmanteilen im Oberbauch. Auch nach einer Anti-Reflux-Operation zwischen Speiseröhre und Magen (Fundoplicatio) können solche Beschwerden auftreten, vor allem nach Trinken kohlensäurehaltiger Getränke. Die Fundoplicatio ist ein bewährter Eingriff bei anders nicht beeinflussbaren Rückflussbeschwerden, lässt sich aber meist vermeiden.

- - Weitere Schmerzursachen im Brustraum, die auch auf den Oberbauch zielen: siehe ebenfalls oben, Abschnitt: „Manchmal liegt die Quelle von „Bauchschmerzen“ woanders“. Zum sogenannten Bauchwandschmerz, der häufiger auf der rechten Seite im Oberbauch, aber mehr außen, zu spüren ist, siehe oben unter "Bauchschmerzen gehen meist von den Verdauungsorganen aus".

  • Schmerzursachen im Oberbauch

- - Magenerkrankungen wie Magenschleimhautentzündung, Reizmagen oder ein Magengeschwür stecken sehr häufig hinter Schmerzen im Oberbauch. Nicht von ungefähr heißt diese Körpergegend auch Magengrube. Schmerzen in dieser Körpergegend, die sofort nach dem Essen oder unabhängig davon auftreten und ständig vorhanden sind, können ein Magengeschwür anzeigen. Gelegentlich stellt der Arzt anlässlich der Oberbauchschmerzen die seltene „Riesenfalten-Erkrankung“ (Morbus Ménétrier) des Magens fest.

- - Krankheiten des Zwölffingerdarms (Zwölffingerdarmgeschwür, -entzündung) stehen bei dieser Schmerzlage ebenfalls zur Diskussion. Auf ein Zwölffingerdarmgeschwür können zum Beispiel Beschwerden bei nüchternem Magen (nachts, frühmorgens) hindeuten, die sich nach dem Essen bessern.

- - Darmverengung, Lympherkrankung: Mitunter steckt eine Verengung des Dünndarms (Stenose), etwa durch eine Geschwulsterkrankung hinter Oberbauchschmerzen, selten eine Erkrankung des Lymphsystems.

- - Lebererkrankheiten, von Entzündungen über eine Leberschwellung infolge anderer Krankheiten bis hin zu einem Leberabszess können sich mit einem Druckgefühl oder Schmerzen im Oberbauch bemerkbar machen.

- - Rechts im Oberbauch lokalisierte Beschwerden lassen an Lebererkrankungen denken, zum Beispiel eine Leberentzündung (Hepatitis). Oder es liegt eine Gallenwegserkrankung vor, etwa eine Gallenblasenentzündung. Häufig sind Gallensteine die Ursache. Der Schmerz bei einer Gallenkolik ist anhaltend, kann Stunden dauern und bis in die rechte Schulter ausstrahlen. Übelkeit, Brechreiz oder Erbrechen, Schweißausbrüche, eventuell auch Gelbsucht kommen häufig dazu. Auch bei Erkrankungen der Leber und des rechten Zwerchfells können Schmerzen in der rechten Schulter auftreten.

- - Nach einer Gallenblasenoperation bestehen Beschwerden hier gelegentlich weiter fort oder treten wieder auf.

- - Auch ein Gallenstein, der den Gallengang blockiert, kommt ursächlich infrage. Häufig kommt es dabei auch zu Rückenschmerzen mit Betonung der rechten Seite, außerdem zu einer Gelbsucht.

- - Da eine Blinddarmentzündung anfangs manchmal „Versteck spielt“, können entsprechende Schmerzen zunächst rechts oben anstatt, wie üblicherweise zu erwarten, rechts unten im Bauch auftreten. Auch in der Spätschwangerschaft ist das möglich. Ansonsten wandert der Schmerz meist doch noch in den rechten Unterbauch.

- - Manchmal bereitet auf der rechten oberen Bauchseite eine Geschwulst an der rechten Dickdarm (Grimmdarm-)biegung Beschwerden.

- - Links im Oberbauch sitzt die Milz. Mit Erkrankungen dieses Organs verbundene Schmerzen spielen sich meist in diesem Körperwinkel ab. Sie können über die linke Körperseite in die linke Schulter, aber auch in den übrigen Bauch ausstrahlen. Mögliche Probleme hier sind ein Milzinfarkt, zum Beispiel infolge eines eingeschwemmten Blutgerinnsels in die Milzarterie, oder verletzungsbedingt ein Milzriss (Ruptur). Bei starker Milzvergrößerung kann es spontan zu einer Ruptur kommen. Selten, aber im Prinzip möglich ist das zum Beispiel bei einer Infektionskrankheit wie das Pfeiffersche Drüsenfieber (infektiöse Mononukleose). Ein Milzriss kann infolge eines Blutungsschocks lebensbedrohlich sein. Bei der erblichen Sichelzellkrankheit sind unter anderem Schäden der Milz mit Bauchschmerzen und vielfältige Schmerzkrisen in den Genen „programmiert“. Allerdings kann in schweren Fällen im Prinzip eine Stammzellverpflanzung helfen. Sie wird bislang hierzulande nur selten in wenigen, spezialisierten Zentren durchgeführt.

- - Innerer Eingeweidebruch (Hiatushernie, Gleitbruch): Im (linken) Oberbauch kann ein neben den Speiseröhrenausgang verlagerter Teil des Magens für „Missempfindungen“ wie Druckgefühl nach dem Essen und Bauchschmerzausstrahlungen sorgen. Leitsymptome sind aber Sodbrennen und Schluckbeschwerden. Der Hiatus gehört hier zum Zwerchfell (siehe oben, Abschnitt: „Manchmal liegt die Quelle von „Bauchschmerzen“ woanders“).

- - Bei krankhaften Veränderungen des linken Zwerchfells können Schmerzen vom linken Oberbauch auch bis zur linken Schulter ausstrahlen.

- - Erkrankungen der Nieren können ebenfalls auf einer Körperseite – links wie rechts – Schmerzsignale in den Oberbauch und Rücken aussenden.

- - Bei Krankheiten der Bauchspeicheldrüse wie Entzündungen und Zysten – sie führen nicht selten auch zu Rückenschmerzen – und des Magens reichen die Schmerzen weit nach links oder rechts, sozusagen gürtelförmig, im Oberbauch. Im Verlaufe einer Bauchspeicheldrüsenkrebs-Erkrankung gehören Schmerzen im Oberbauch und Rückenschmerzen ebenfalls zu den möglichen Beschwerden.

- - Gelegentlich macht sich eine Geschwulst an der linken Biegung des Dickdarms (auch Grimmdarm) mit einem Druckgefühl oder Schmerzen im linken Oberbauch bemerkbar.

- - Hinter Schmerzen auf beiden Seiten oben im Bauch können mitunter auch entzündete Darmdivertikel stecken (Divertikulitis, zum Beispiel am Dünndarm; bei Erwachsenen kommt sie dort aber eher selten vor).

  • Besonderheiten am Rande

- - Außerdem ist der Oberbauch eine mögliche Lokalisation der Gürtelrose (Herpes zoster). Die stets einem bestimmten Hautgebiet auf einer Körperseite zugeordneten, oft extrem unangenehmen Nervenschmerzen – keine Bauchschmerzen! – gehen den typischen Hautbläschen meist zwei bis drei Tage voraus.

Zum Bauchwandschmerz, der eher unter chronischen Bauchschmerzen eingeordnet wird, siehe oben (Abschnitt: "Bauchschmerzen gehen meist von den Verdauungsorganen aus").

Was Seitenstechen ist, lesen Sie unter „Seitenstechen? Das hilft!“.

  • Nabelgegend & Co.: Wenn es mitten im Bauch wehtut

- - Reizdarmsyndrom und die seltene intestinale Pseudoobstruktion: Schmerzen bei diesen Erkrankungen, die oft als „Darmkrämpfe“ empfunden werden, finden sich oft im mittleren Bauch. Sie können aber auch in wechselnde Richtungen gehen.

Die intestinale Pseudoobstruktion ist eine Art Stillstand von Teilen des Darms und betrifft meist den Dünndarm. Es gibt erbliche Ursachen, dann tritt das Problem meistens schon nach der Geburt auf. Darüber hinaus sind Menschen im höheren Lebensalter betroffen. Ursachen sind dann meist andere Erkrankungen, die Muskeln und Nerven des Darms in Mitleidenschaft ziehen. Zu den Leitbeschwerden der Darmerkrankung gehören Bauchschmerzen, Übelkeit, Verstopfung und Völlegefühl bis hin zu einer Darmlähmung (siehe unten: „Notfall: Akuter Bauch“). Andererseits kommen auch Durchfälle und Gewichtsverlust vor.

- - „Verwachsungen“ am Dünndarm führen häufig einige Stunden nach der Nahrungsaufnahme zu krampfartigen Beschwerden, eventuell auch zu Erbrechen. Bei der Milchzuckerunverträglichkeit (Laktoseintoleranz) geht das Rumoren im Bauch meist schon früher los.

- -  Eine (beginnende) Blinddarmentzündung, eine Entzündung der Bauchspeicheldrüse oder eine Verengung des Darms bereitet manchmal in der Nabelgegend Schmerzen.

- -  Auch die Hauptschlagader (Aorta) entpuppt sich wie bereits erwähnt ab und zu als Quelle von Schmerzen im Bauch – in der Mitte oder im gesamten Bauch. Die Aorta, das größte Gefäß des Körpers, verläuft im Brust- und Bauchraum. Manchmal weitet es sich. Ein solches Aneurysma betrifft häufiger den Abschnitt im Bauch unterhalb des Abgangs der Nierenarterien. Das Bauchaortenaneurysma tritt bei etwa einem Prozent der Bevölkerung auf. Zu den Hauptrisikofaktoren gehören Rauchen, Arteriosklerose und Bluthochdruck. Bei Männern, die zu hohen Blutdruck haben, steigt das Risiko für ein Bauchaortenaneurysma schon auf etwa zehn Prozent.
Symptome: Ein Aneurysma der Bauchschlagader ist meistens symptomarm. Mitunter treten Bauchschmerzen, eventuell auch zur Körperseite (Flanke) hin, auf. Wenn die Gefäßaussackung sehr groß ist, lässt sie sich manchmal als pulsierende „Geschwulst“ im Bauch tasten.

Mögliche Komplikationen sind ein Riss oder die Bildung von Blutgerinnseln, die sich von der inneren Aortenwand lösen und mit dem Blutstrom in eine andere Ader gelangen können. Der Vorgang heißt Embolie. Insbesondere der akute Riss ist ein lebensbedrohlicher Notfall (siehe unten: „Notfall: Akuter Bauch“). Doch auch die Embolie bedeutet je nach Lage eine ernsthafte Komplikation.

  • Unterleibsgeschichten? Schmerzursachen im Unterbauch

- - Typisch Blinddarm? Schmerzen im Unterbauch (rechts, manchmal auch mehr in der Mitte) sind charakteristisch, wenn auch nicht beweisend für eine Blinddarmentzündung. Immerhin kommen auch Divertikelentzündungen (links, manchmal auch rechts) als Schmerzursache infrage (zur Divertikelkrankheit / Divertikulitis siehe weiter oben, Abschnitt „Gesamter Bauch“).

- -  Harnwege und innere Fortpflanzungsorgane gehören ebenfalls zum Unterbauch. Kein Wunder, dass beispielsweise Blasenentzündungen hier verspürt werden oder Frauen den Mittelschmerz bemerken. Der Mittelschmerz ist nicht krankhaft, sondern entsteht beim Eisprung, normalerweise in der Mitte des Monatszyklus. Dabei ist vorübergehend eine leichte Blut- und Schleimabsonderung aus der Scheide möglich.

- - Schmerzen im Zusammenhang mit der Menstruation bereiten in der Regel keine Probleme bei der Zuordnung. Eine weitere mögliche Ursache von Unterleibsbeschwerden sind Myome der Gebärmutter sowie Eileiter- und Eierstockentzündungen (Oberbegriff: Adnexitis). Oft damit verbunden sind schmerzhafte und unregelmäßige Monatsblutungen.

- - Zyklisch wiederkehrende Schmerzen können auch von Endometriose-Gewebe im Unterbauch ausgehen. Es kommt hier häufig auch zu Rückenschmerzen, Zwischenblutungen, Schmerzen beim Sex. Bei Darmendometriose sind zudem Blutungen aus dem Darm möglich.

- - Eine Gebärmutterentzündung ist erst dann wirklich schmerzhaft, wenn sie sich bis in die Wandmuskulatur ausgedehnt hat (mögliche Ursachen: zum Beispiel sexuell übertragene Infektionen, Infektionen nach Eingriffen wie Kürettage oder durch eine Spirale).

- - Bei Männern kann eine Entzündung der Prostata, seltener eine Samenblasenentzündung, Unterbauchschmerzen verursachen.

- - Schmerzen im Genital- und Leistenbereich kommen bei beiden Geschlechtern bei Harnleiterkoliken vor, wobei hier eine Schmerzausstrahlung bis in den Oberschenkel möglich ist.

- - Eher seitlich im Unterbauch verursachen mitunter auch eine Beckenvenenthrombose oder ein womöglich sich einklemmender Leistenbruch (Hernie) Beschwerden. Dieselbe Lokalisation kommt häufig auch für chronisch-entzündliche Darmerkrankungen (Morbus Crohn, Colitis ulcerosa) infrage. Weitere mögliche Schmerzphänomene sind rechtsseitig Ausstrahlungen von der Gallenblase und vom Magen, linksseitig unter anderem entzündete Dickdarmdivertikel.


Akuter Bauch: Häufig ist eine Operation nötig

Thinkstock/Hemera

nach obenNotfall: Akuter Bauch

Ein akuter Bauch ist lebensbedrohlich. Kennzeichen sind häufig Bauchschmerzen und  eine bei der Tastuntersuchung stark angespannte, druckschmerzhafte Bauchdecke, die sich hart anfühlt. Diese Abwehrspannung weist auf eine Bauchfellreizung oder -entzündung hin (Fachbegriff: Peritonismus oder Peritonitis). Der Bauch ist oft aufgetrieben. Dazu kommen häufig Alarmsymptome wie beispielsweise anhaltende Übelkeit oder Erbrechen, Kreislaufschwäche, Schock, hohes Fieber. Die Betroffenen müssen notfallmäßig in einer Klinik behandelt werden.

  • Akute Bauchschmerzursachen im Bauch

–  Verdauungsorgane: Viele mögliche Schmerzquellen

- - Durchbrechendes oder durchgebrochenes Magen- oder Zwölffingerdarmgeschwür (Perforation) und Bauchfellentzündung (Peritonitis);

- -  Durchbruch eines entzündeten Darmabschnittes, zum Beispiel bei der Divertikelkrankheit und Bauchfellentzündung;

- - Bakterielle, eitrige Gastritis (seltene Form der Magenschleimhautentzündung, kommt zum Beispiel bei Immunschwäche vor);

- - Schwere Entzündung oder Vereiterung der Gallenblase;

- - Akute oder chronische Entzündung der Bauchspeicheldrüse, eventuell mit sogenannter Pseudozyste; die Gewebeveränderungen können auch Nachbarorgane wie den Zwölffingerdarm, den Gallengang, umgebende Blutgefäße und auch den Gang der Bauchspeicheldrüse selbst einengen;

- - Akute Lebererkrankung (Stauung, Entzündung, Abszess oder Platzen (Ruptur), beispielsweise bei Befall mit Amöben);

- - Akute Milzerkrankung (Milzinfarkt, Abszess, Riss);

- - Akute Blinddarmentzündung mit Durchbruch oder Tendenz dazu, mit Abszess und / oder Bauchfellentzündung;

- - Bauchfellreizung oder -entzündung, zum Beispiel bei Nierenversagen oder entgleistem Diabetes;

- - Darmverschluss, in der Fachsprache mechanischer Ileus genannt. Im Bereich des Dünndarms kann der Verschluss durch Narbengewebe (sogenannte Bride), ab und zu durch einen Tumor, einen durchgebrochenen Gallenstein oder einen Dünndarmstein entstehen. Letzterer ist selten – gelegentlich Folge von Entzündungen oder „Verwachsungen“. Ein innerer Eingeweidebruch mit Einklemmung und Abschnürung des Dünndarms gehört ebenfalls zu den Auslösern. Häufiger treten Verschlüsse im Bereich des Dickdarms auf. Ursachen sind Verengungen, ein Durchbruch oder Abszess bei Entzündungen, etwa im Zuge eines Morbus Crohn oder einer Divertikelkrankheit. Möglich auch, dass ein Tumor den Dickdarm blockiert. Mitunter ist ein Kotstein, Gallenstein oder ein um die Achse seiner „Aufhängung“ verdrehtes Darmstück (Volvulus, bei Erwachsenen wiederum eher selten) schuld daran. Bei Säuglingen und Kleinkindern stülpt sich gelegentlich ein Stück vom Dünndarm und Blinddarm in den angrenzenden Dickdarm ein (Invagination).

- - Ein sogenanntes toxisches Megakolon droht bei hochakuten, chronisch entzündlichen Darmerkrankungen. Dabei bläht sich der erheblich entzündete und dadurch geschädigte Darm massiv auf. Das Risiko, dass es zu einem Darmdurchbruch mit einer Bauchfellentzündung und Schock kommt, ist groß.

- - Nach Operationen an den Verdauungsorganen können Komplikationen auftreten wie eine Darmlähmung, selten eine Bauchfellentzündung. Ob einer Darmlähmung Schmerzen vorausgehen, hängt vom Auslöser ab. Ein schmerzhafter Darmverschluss kann in eine Darmlähmung übergehen.

–  Blutgefäße: Entzündungen, akute Verschlüsse, Risse

- - Auch Entzündungen der Eingeweidearterien führen manchmal zu einem akuten Bauch. Solche Gefäßentzündungen können beispielsweise im Rahmen bestimmter immunologischer Erkrankungen, sogenannten Autoimmunerkrankungen, entstehen. Gefäße können sich infolge der Entzündung verengen oder verschließen. Dann kann es akut zu Durchblutungsstörungen des betroffenen Organs kommen – auch im Bauchraum.

- - Bei einigen Krankheiten des Herzens oder der Hauptkörperschlagader (Aorta) gelangt mitunter ein Blutgerinnsel in ein kleineres Bauchgefäß (eine Arterie, also Schlagader) und verstopft es. Seltener bildet sich ein Venenverschluss im Bauchraum. Der Fachbegriff bezüglich der Bauchgefäße lautet Mesenterialarterien- oder Mesenterialvenen-Verschluss. Mesenterium steht für das Gekröse.

- - Abflussstörungen in Lebervenen (Budd-Chiari-Syndrom), eher ein seltenes Krankheitsbild, verursachen ebenfalls akute Bauchsymptome.

- - Entwickelt sich in der Bauchschlagader (betrifft den im Bauchraum gelegenen Abschnitt der Hauptkörperschlagader) ein sehr kleiner Wandeinriss über längere Zeit, kann das symptomlos bleiben. Ganz anders der Riss (Ruptur) einer größeren Wandausbuchtung (Aneurysma): Leitsymptom hier ist ein extrem starker, als vernichtend empfundener Rücken- oder (Ober-)Bauchschmerz, dazu kommt bei innerem Blutverlust meist ein Kreislaufschock. Ähnliche Symptome können bei einem Herzinfarkt auftreten, obwohl sie hier ganz anders entstehen. Wie auch immer: Unverzüglich den Notarzt (Rettungsdienst, Notruf: 112) alarmieren!

– Harn- und Geschlechtsorgane: Entzündung, Steine & Co.

- - Eine Nierenbeckenentzündung oder ein Nierenabszess, ein akuter Harnstau der Niere durch Steine oder andere Ursachen macht sich mit schmerzhaften „Koliken“ bemerkbar, die vorübergehend auch den Darm lahmlegen können. Die Schmerzen werden häufig im Unterbauch bis hin zum äußeren Genitale, manchmal auch im Rücken empfunden. Dies gilt auch für einen Niereninfarkt – dazu kann es durch ein aus dem Herzen eingeschwemmtes Blutgerinnsel kommen –, oder für eine akute Überdehnung der Blase bei Harnverhalt. Dieser entsteht häufig durch ein mechanisches Abflusshindernis. So kann bei Männern eine stark vergrößerte Prostata die Blasenentleerung blockieren und zu einer äußerst schmerzhaften Überdehnung führen. Mögliche Begleitsymptome: Blut im Urin, Fieber.

- - Bei Kleinkindern, Jungen und männlichen Heranwachsenden vermittelt mitunter eine Hodentorsion, also eine Drehung des Hodens nebst Samenstrang um die eigene Achse (Stiehldrehung), das Bild eines akuten Bauches.

- - Stiehldrehung des Eierstocks: Als eine weitere mögliche Schmerzquelle gilt eine Torsion des Eierstocks. Das kommt häufiger bei größeren Zysten oder einem Tumor des Eierstocks vor. Wenn ein solches Gebilde platzt, droht Lebensgefahr durch eine Blutung im Bauchraum (Notfall!). Ähnliche Komplikationen kann eine Eileiterschwangerschaft (siehe unten) verursachen.

– Wenn die Bauchdecke selbst akut Probleme bereitet

- - Auch eine Blutung in der Sehnenhülle der Bauchwandmuskulatur ist in der Lage, einen extrem starken Druckschmerz insbesondere an der Bauchdecke auszulösen. Im Falle von äußeren Eingeweidebrüchen (= Hernien; bei Leistenhernien häufiger als bei Schenkelhernien) können Darmschlingen mit eingeklemmt werden. Dabei ist ein Darmverschluss möglich, ebenso eine starke Schädigung des Darms.

  • Akute Bauchschmerzursachen außerhalb des Bauches

– Vitalorgane: Herz, Lungen, Hauptschlagader im Brustbereich in Not?

Die nachfolgend genannten Erkrankungen treten nicht nur mit hochakuten Brustschmerzen und Kreislaufproblemen in Erscheinung. Manchmal gehen sie auch mit Zeichen des akuten (Ober-)Bauches einher. Zu nennen hier:

- - Herzinfarkt, akute Herzschwäche (kann zu Bauchschmerzen durch Kapselspannung infolge einer Leberstauung führen),

- - Lungenembolie, Pneumothorax (Lungenkollaps bei Luft im Lungenfellspalt), schwere Lungenentzündung, Lungenfell- und Brustmittelfellentzündung (Mediastinitis).

- - Ähnlich verhält es sich gelegentlich bei manchen akuten Speiseröhrenerkrankungen und mitunter bei einer Aussackung (Aneurysma) der Brustaorta (Hauptschlagader im Brustbereich: Aorta thoracalis descendens) mit Einriss. Zudem sind hier Rückenschmerzen möglich.

– Stoffwechsel- und Hormonkrisen: Am bekanntesten sind entgleiste Zuckerwerte

- - Diabetes, Nierenversagen: Akute Bauchschmerzen (Pseudoperitonitis, „chemische Peritonitis“) bei entgleistem Diabetes (Ketoazidose) oder infolge Vergiftung des Körpers bei Nierenversagen (Urämie) können sich als akuter Bauch bemerkbar machen. Unter anderem kommt es dabei auch zu Übelkeit und Erbrechen.

- - Ausgeprägte Fettstoffwechselstörungen, etwa eine massive Erhöhung der Triglyzeridwerte im Blut, wirken sich mitunter ähnlich aus: Folge kann hier eine Bauchspeicheldrüsenentzündung sein, die zu einem akuten Bauch führt.

- - Akute Nebennierenschwäche: Eine andere mögliche Ursache von akuten Bauchschmerzen verbirgt sich in den allgemein wenig bekannten Nebennieren. Eine Nebennierenschwäche oder Addison-Krankheit beispielsweise kann sich manchmal krisenhaft zuspitzen. Dabei sind Symptome wie Brechreiz, starke Bauch- oder Flankenschmerzen, Ohnmacht und Schock möglich. Die Therapie besteht hier unter anderem im Ersatz der fehlenden Hormone.

- - Auch eine massive Überfunktion der Schilddrüse (thyreotoxische Krise) oder ein stark erhöhtes Kalzium im Blut (hyperkalzämische Krise) lösen neben anderen bedrohlichen Störungen mitunter einen akuten Bauch aus.

- - Bei einer bestimmten, akuten Form der Porphyrie mit Bezug zur Leber können wiederholt schwere akute Bauchschmerzen und neurologische Störungen auftreten. Porphyrien sind Stoffwechselstörungen, die einen Bestandteil des roten Blutfarbstoffes betreffen.

– Bluterkrankungen, Infektionskrankheiten

- - Krankhafter Abbau der roten Blutkörperchen (Hämolyse, unter anderem bei Malaria) führt zu Blutarmut mit allgemeiner Schwäche, Müdigkeit, eventuell blasser Haut. Möglich sind auch akute, krisenartige Bauchschmerzen. Auslösend können Gerinnungsstörungen sein, zum anderen können Leber und Milz stark anschwellen. Das Augenweiß kann eine leicht gelbliche Färbung annehmen – Ausdruck einer beginnenden Gelbsucht. Sie entsteht, weil der Gallenfarbstoff Bilirubin vermehrt anfällt. Bilirubin ist ein Abbauprodukt des Blutfarbstoffs Hämoglobin.

- - Bei einer Blutkrankheit wie der Sichelzellkrankheit können unter anderem innere Organe wie die Milz Schaden nehmen (siehe oben, Abschnitt „Schmerzursachen im Oberbauch“). Wiederum sind heftige Bauchkrisen die Folge.

– Schwangerschaft: Die große Mehrzahl verläuft normal; nur selten treten Probleme auf

- - In der Schwangerschaft (www.baby-und-familie.de) treten akute Bauchsymptome etwa als Folge einer Blinddarmentzündung, Gallen- oder Nierenkolik genauso häufig (oder selten) auf wie bei nicht schwangeren Frauen. Wenn eine Operation nötig ist, lässt sich die Schwangerschaft in der Regel aufrechterhalten.

- - Eine Besonderheit ist das sogenannte HELLP-Syndrom. Die aus dem Englischen abgeleitete Abkürzung setzt sich aus den Buchstaben für die Begriffe Hämolyse (Blutzerfall; (H)), erhöhte Leberwerte (EL) und niedrige Zahl der Blutplättchen (LP) zusammen. Das Krankheitsbild gehört zu den Gestosen. Das sind Erkrankungen, die nur in der Schwangerschaft auftreten. Oft entwickelt sich bei einer Gestose zum Beispiel ein Bluthochdruck. Beim Übergang der Gestose in ein HELLP-Syndrom – betroffen sind schätzungsweise etwa zwei bis sechs von tausend Schwangeren – kommt es zum Zerfall roter Blutkörperchen, Blutgerinnungsstörungen, Erbrechen, akuten Leberstörungen und starken Schmerzen im rechten Oberbauch. Es drohen Nierenversagen, ein Riss der geschwollenen Leber und Ablösung der Plazenta. Die einzige Therapie besteht in der vorzeitigen Entbindung per Kaiserschnitt.

- - Weitere schwangerschaftsbedingte Ursachen des akuten Bauches sind Fehlgeburten. Daneben kommen schwere Entzündungen der Gebärmutter, eventuell auch der Eierstöcke durch Infektionen nach einer normalen Entbindung oder Kaiserschnitt in Betracht. Platzt bei einer Eileiterschwangerschaft der Eileiter, geht dies mit starken, auf einer Seite oder im gesamten Unterbauch empfundenen Schmerzen einher. Es besteht Schockgefahr. Diese Komplikation ist jedoch deutlich seltener als ein natürlicher Abbruch der Schwangerschaft durch eine Fehlentwicklung beim Embryo oder eine Störung bei der Mutter.

nach obenBauchschmerzen: Therapie

Die Behandlung richtet sich nach der Ursache, den Umständen und dem Schweregrad der Symptome (siehe auch oben, Abschnitt „Bauchschmerzen: Wann zum Arzt?“). Bei leichten Beschwerden können pflanzliche Präparate und Tees die Verdauung unterstützen. Dazu gibt es Rat auch in Apotheken. Wämeanwendungen – von der Wärmflasche bis zum Kirschkernkissen – können guttun, solange beispielsweise keine entzündliche Erkrankung wie etwa ein entzündeter Blinddarm vorliegt. Selbsthilfemaßnahmen erstmal nur kurzfristig anwenden und bei fortbestehenden Beschwerden den Arzt hinzuziehen.

Beim akuten Bauch kommt es neben der Notfallhilfe auf die Entscheidung der Ärzte an, ob unverzüglich eine Operation angezeigt ist. Achtung: Nehmen Sie keine Schmerzmittel auf eigene Faust ein, essen und trinken Sie vorübergehend nichts mehr, bis der Notarzt entschieden hat, was zu tun ist.


nach obenRatgeber Bauchschmerzen: Fachliteratur

Herold G und Mitarbeiter: Innere Medizin, 2016, Köln Gerd Herold

HFH – Hausätztliche Fortbildung Hamburg (26. März 2013): Beratungsanlass chronische Bauchschmerzen. Online:

https://www.uke.de/institute/allgemeinmedizin/downloads/institut-allgemeinmedizin/HFH_Handout_Chronische_Bauchschmerzen_2013.pdf (Abgerufen am 30.09.2015)

Koop H, Koprdova S, Schürmann C: Chronischer Bauchwandschmerz. Dtsch Arztebl Int 2016; 113: 51-7. Online: DOI: 10.3238/arztebl.2016.0051 (Abgerufen am 05.02.2016)

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Wichtig: Dieser Artikel enthält nur allgemeine Hinweise und darf nicht zur Selbstdiagnose oder -behandlung verwendet werden. Er kann einen Arztbesuch nicht ersetzen.




Bildnachweis: W&B/ Martin Ley, Thinkstock/Hemera
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