Drucken

Lidschwellung, Lid- und Gesichtsödem, Lidgeschwulst

Ein verdicktes Lid kann schmerzen, jucken, manchmal sogar gefährlich sein. Oft stört es kosmetisch, mitunter auch den Blick. Mehr zu Ursachen und Therapien


Infektionen, Entzündungen, Allergien sind nur drei von vielen Auslösern bei Lidschwellungen

Krankhafte Lidschwellungen treten akut oder chronisch, ein- oder beidseitig auf, begrenzt oder ausgedehnt, ohne oder mit Rötungen oder weiteren Hautveränderungen beziehungsweise -verfärbungen. Betroffen sein können das Oberlid, Unterlid oder beide, auch der Lidwinkel oder Lidrand. Je nach Ursache kann die Bindehaut mitreagieren. Dabei kann es auch zu einem roten Auge kommen. Die Schwellungen können von weicher oder harter Beschaffenheit sein, verschieblich oder unverschieblich. Ganz grob kann man Lidschwellungen danach unterscheiden, ob sie entzündlicher oder nicht entzündlicher Natur sind. Wie bei vielen anderen Symptomen gibt es zahlreiche Ursachen.

Kurz zum Stichwort Kosmetik: Selbst „Schlupflider“, medizinisch Dermatochalasis, können durch Entzündungen in den schlaffen, übereinanderliegenden Hautfaltenpartien zu therapiebedürftigen Lidschwellungen führen. Nur um solche krankhaften Situationen geht es in diesem Artikel. Schönheitschirurgischen Maßnahmen zugängliche Lidprobleme sind nicht unser Thema, ebensowenig die normalerweise harmlosen und vorübergehenden Lidschwellungen vor der Menstruation (prämenstruell) bei Frauen.


Warum können die Lider überhaupt anschwellen?

Die Lidhaut ist relativ dünn, das Gewebe darunter locker und weich. Es enthält wenig Fett, dafür viele Blut- und Lymphgefäße. Die innere, formgebende Bindegewebsplatte des Lides ist fest mit den Knochenrändern der Augenhöhle verbunden. Daher findet Flüssigkeit, die sich aus irgendeinem Grund im Lid ansammelt, wenig Platz. Am ehesten kann sie sich noch über den Nasenansatz in Richtung Augenlid auf der Gegenseite ausbreiten. Insofern können sich um das Auge herum schnell sehr starke Schwellungen bilden. Und wenn der Logik nach eigentlich nur ein Auge geschwollen sein müsste, macht das andere trotzdem oft mit. Morgens nach der Nachtruhe fallen Lidschwellungen besonders deutlich auf.

Ein fetthaltiges Sekret (Talg) aus Drüsen, die im Inneren der Lider liegen (Meibom-Drüsen), hält Lider und Wimpern geschmeidig. Weitere Talg- und Schweißdrüsen am Lidrand münden in den Haarbälgen der Wimpern. Wenn sich die Liddrüsen entzünden oder die Ausgänge sich verstopfen, schwillt das Lid vor allem im Rand- oder Kantenbereich an.

Entzündliche Ursachen: Erkrankungen der Haut, Lidränder und Tränenwege

Die Augenlider fallen in das Grenzgebiet zwischen Augenheilkunde und Dermatologie (Fachkunde für Hautkrankheiten). Während für Hauterkrankungen in erster Linie der Hautarzt zuständig ist, gehören zum Beispiel Gersten- und Hagelkörner, die bekanntesten Formen von Lidrandentzündungen, primär in die Hand des Augenarztes. Stellt sich eine zugrunde liegende Hauterkrankung als die eigentliche Ursache heraus, wird der Augenarzt den Patienten, sollte er noch nicht bei einem Hautarzt in Behandlung sein, an diesen überweisen bzw. eng mit ihm zusammenarbeiten (interdisziplinäre Therapie).

Alle entzündlichen Hauterkrankungen können auch die Lider mitbetreffen. Sehr oft liegt beispielsweise ein Ekzem vor. Ekzeme gehören zu den häufigsten Hautkrankheiten überhaupt. Sie treten in vielfältigen Formen auf und sind nicht ansteckend. In der Akutphase kommt es zu Juckreiz, Rötungen, Bläschen, Knötchen, Schwellungen und Krustenbildung. Später verdickt sich die Haut oberflächlich, wird trocken und rissig. Wichtige Beispiele für Ekzeme sind die Kontaktdermatitis und die Neurodermitis (auch atopische Dermatitis genannt).

Kontaktdermatitis

Dieses akut auftretende Krankheitsbild gehört zu den häufigsten Ursachen entzündlicher Lidhautschwellungen. Zugrunde liegt entweder eine allergische Reaktion (allergische Kontaktdermatitis) oder eine chemische Irritation (Reizdermatitis) der Haut. Unter den zahlreichen Auslösern finden sich Bestandteile von (Augen-)Kosmetika, Pflege- oder Färbemitteln, Stoffe und Partikel aus der Arbeits- und Umwelt, Substanzen in Arzneimitteln, etwa in Augentropfen, Augensalben oder Hautpflastern. Die verantwortlichen Stoffe können auch über die Hände ans Auge geraten.

Symptome: Die Lidschwellungen treten in der Regel beidseitig auf. Das Erscheinungsbild mit Rötung der Lider und der Umgebung um die Augen, Juckreiz, nässende Bläschen, später Krusten- und Schuppenbildung sieht dem der atopischen Dermatitis (siehe unten) ähnlich. Die Schwellungen zeigen sich als erhabene, zunächst „saatförmige“ Rötungen, die dann zu Quaddeln werden, wie bei Nesselsucht.


Therapie: Der wichtigste Schritt besteht darin, den Auslöser dingfest zu machen und ihn fortan so gut es geht zu meiden. Bei allergischer Kontaktdermatitis wird der Hautarzt prüfen, ob eine kurzzeitige örtliche Behandlung mit Kortison angebracht ist. Antihistaminika (Anwendung innerlich) lindern den Juckreiz. Bei Reizdermatitis (Irritation der Haut) können kühle, feuchte Augenkompressen und danach Auftragen einer rückfettenden Pflegecreme lindernd wirken. An den Augenlidern am besten abends anwenden. 

Neurodermitis (atopische Dermatitis)

Die Auslöser dieser chronischen Hauterkrankung sind vielfältig. Sie reichen von Veranlagung und allergischen Reaktionen auf Stoffe in der Nahrung oder Umwelt, etwa „Aeroallergene“ in der Luft, bis hin zu psychischen Stressfaktoren. Relativ häufig sind Kinder bis zum Jugendalter und junge Erwachsene von dem unangenehmen Hautleiden geplagt. Die Lidprobleme einschließlich chronischer Schwellungen, häufige Symptome der atopischen Dermatitis, treten beidseitig auf.

Symptome: Die geschwollenen Lider sind gerötet und jucken. Die Haut neigt zu Bläschen, nässenden Borken und Rissen. Später kann sich die Oberflächenstruktur vergröbern. Es können natürlich auch andere Hautbereiche betroffen sein. Nicht selten wird Neurodermitis von Asthma begleitet, oder es liegt gleichzeitig ein allergischer Schnupfen vor. Die Hautveränderungen, vor allem der Juckreiz, lassen im Laufe der Zeit nach. Die Haut neigt allerdings weiterhin zu Trockenheit, reagiert empfindlich und ist stellenweise verdickt.


Therapie: Intensive Hautpflege nach hautärztlicher Empfehlung. Zur Basispflege geeignet sind je nach Hautzustand feuchtigkeitsspendende Pflegemittel (bei mäßig trockener Haut) sowie rückfettende Salben (bei trockener Haut). Die örtliche Behandlung mit Immunmodulatoren wie Tacrolimus und Pimecrolimus werden nach den neuen Leitlinien an Gesicht und Hals als Therapie der ersten Wahl empfohlen. Ansonsten kann eine kortisonhaltige Zubereitung sinnvoll sein, sollte aber nur kurzzeitig angewendet werden. Die Einnahme von H1-Antihistaminika kann den Juckreiz innerlich lindern und damit die Therapie unterstützen. Bei stärkerer Ausprägung / Ausdehnung der Erkrankung sind meist spezielle, innerlich anzuwendende Immuntherapeutika notwendig (gilt für Erwachsene). Besteht gleichzeitig eine Allergie gegen Hausstaubmilben, dann kann eine spezifische Immuntherapie (früher Desensiblisierung genannt) auch die Neurodermitis verbessern. Bei vielen Patienten kann auch eine geeignete Frm der Psychotherapie helfen, über die Psyche auch die Haut zu stabilisieren.

Hauterkrankungen wie Rosazea, Psoriasis und seborrhoische Dermatitis erfassen ebenfalls die Lider. Oft sind dann auch die Lidränder mitbetroffen.

Rosazea

Die auch Kupferfinne genannte Krankheit ist eine chronische Hautentzündung mit Schwerpunkt Gesicht (Nase, Wangen, Lidränder). Die Ursache ist unklar. Mit den Hautveränderungen sind offenbar Durchblutungsstörungen kleiner Blutgefäße verbunden. Die Erkrankung tritt im vierten bis fünften Lebensjahrzehnt auf, häufiger bei Frauen als bei Männern.

Symptome: Es bilden sich Rötungen, Gefäßerweiterungen, Knötchen, Pusteln. Das unter der Hautoberfläche gelegene Bindegewebe und die Talgdrüsen verdicken sich. Meist wird auch die Nase etwas unförmig. Oft ist zusätzlich die Haut hinter den Ohren, am Kopf, Hals, auf der Brust und am Rücken betroffen. Manchmal tritt die Rosazea zuerst an den Lidern auf und bleibt auch über längere Zeit auf diese Stellen begrenzt. Erkrankungszeichen sind akneähnlichen Ausschläge, eine Rötung der Lidhaut und Schwellungen der Augenumgebung. Die Lider verdicken sich. Häufig entzünden sich die Lidränder (siehe unten), eventuell auch die Augenbindehaut. Gefäßneubildungen im Bereich der Hornhaut und deren Trübung sind eine Komplikation der Augenrosazea, die das Sehen beeinträchtigen können. Hier ist natürlich zeitnah der Augenarzt gefragt.

Therapie: siehe weiter unten, Abschnitt: „Therapie bei Rosazea“.

Lidrandentzündung (Blepharitis)

Gerade Lind(rand)entzündungen sind ziemlich unangenehm. Man sollte ihnen immer auf den Grund gehen, um die Beschwerden zu lindern, aber auch, um keine ernsthaftere Erkrankung zu übersehen. Die erkrankten Lidränder sind geschwollen und gerötet, morgens oft verklebt. An der Lidkante, in den Augenwinkeln und zwischen den Wimpern an der Basis finden sich gelblich-talgige Schuppen und Krusten. Die Augen können brennen und tränen. Fremdkörpergefühl, erhöhte Lichtempfindlichkeit und „verhangene“ Sicht sind weitere lästige Beschwerden. Wimpern können ausfallen oder sich verdrehen und auf der Augenoberfläche – Binde- und Hornhaut – scheuern. Nach der Ursache werden eine bakterielle Form (Blepharitis ulcerosa) von der nicht bakteriellen Blepharitis squamosa, der schuppenden Lidrantentzündung, unterschieden.

Dazu passt auch die Lokalisation: Entzündungen des vorderen Lidrands betreffen die Wimpernbasis. Ursächlich spielen hier Infektionen mit Bakterien, vor allem Staphylokokken, eine Rolle (siehe weiter unten: Infektionen der Haut). Das sind normale Haut- und Schleimhautbewohner, die aber auch Schaden anrichten können, wenn die Umstände es erlauben. Hintere Lidrandentzündungen – zu den inneren Lidkanten hin gelegen – werden mit Funktionsstörungen der Meibom-Drüsen in Verbindung gebracht. Dabei kommt es zur vermehrten Produktion von Talg und Drüsensekret. Es bilden sich auch häufiger Hagel- oder Gerstenkörner (siehe unten).

Einige Hauterkrankungen begünstigen wie gesagt Lidrandentzündungen, in der Regel auf beiden Seiten: Das sind die Rosazea, die Psoriasis und die seborrhoische Dermatitis.

Mehr zur Rosazea siehe weiter oben.

Therapie bei Rosazea: Die Haut kann beispielsweise örtlich mit Metronidazol behandelt werden. Zusätzlich kann die Einnahme eines Antibiotikums (ein Tetrazyklin) notwendig sein; bei Augenrosazea muss es sein. Darüberhinaus gibt es für Rosazea, die in vielen Erscheinungsformen auftritt, je nach Ausprägung weitere, innerlich wirkende Therapien. Da Sonnenlicht die Hauterkrankung begünstigt, ist konsequenter UV-Schutz ganz wichtig, gute Lidrandpflege ebenso (siehe unten, Pflegetipps).

Auch Psoriasis oder Schuppenflechte ist eine Art Verwandlungskünstler, zeigt also viele unterschiedliche Befunde. Und: Sie ist eine Autoimmunerkrankung. Dabei geht das Immunsystem fälschlicherweise gegen körpereigene Strukturen vor. Warum, ist nach wie vor unbekannt. Die Schuppenflechte verläuft chronisch und in Schüben. Es kommt zu den charakteristischen „Plaques“ unterschiedlichen Ausmaßes, zu Nagelveränderungen, und bei fünf bis zehn Prozent der Betroffenen außerdem zu einer rheumatischen Gelenkentzündung (Arthritis). Häufig sind alle Gelenke eines Fingers oder einer Zehe befallen. Erkranken können auch die gelenknahe Knochenhaut, Muskeln und das Bindegewebe.

Therapie: Die Behandlung der Schuppenflechte wird vom Hautarzt (Dermatologen) – bei Gelenkmitbefall auch in Zusammenarbeit mit einem Rheumatologen – festgelegt, da zahlreiche Medikamente zur Verfügung stehen und die Auswahl individuell getroffen werden muss. Mildere Krankheitsformen können örtlich therapiert werden, während bei schweren Krankheitsformen innerlich anzuwendende Präparate notwendig sind. Zum Beispiel Methotrexat, Sulfasalazin und Ciclosporin A, außerdem sogenannte Biologicals, die gegen körpereigene Signalstoffe wie TNF und Interleukin wirken. Sie sind insbesondere bei begleitender Gelenkentzündung angezeigt. Neuerdings werden bei ausgeprägten Hauterscheinungen auch sogenannte Fumarsäureester zum Einnehmen verordnet. Psoriasis am Augenlid erfordert besondere Umsicht bei örtlichen Therapiemaßnahmen. Die Lichttherapie kommt vor allem bei großflächigen Hauterscheinungen am Körper in Betracht.

Seborrhoische Dermatitis: Das ist eine schuppende, entzündliche Hauterkrankung,  schwerpunktmäßig an der Gesichts- und Kopfhaut. Dort ist die Talgproduktion vermehrt. In dem dadurch veränderten Hautmilieu kann sich ein bestimmter Hefepilz erfolgreich ansiedeln. Das quittiert die Haut mit einer entzündlichen Reaktion.

Therapie: Sie umfasst außer klimatischen Faktoren und Stressabbau auch das Auftragen spezieller Cremes, zum Beispiel mit Wirkstoffen wie Erythromycin oder Metronidazol, eventuell auch mit Kortison.

Hagelkorn

Hagelkörner sind erbsgroße, nahezu reizlose Knötchen am Lidrand, die  aber auch bohnengroß werden können. Sie bilden sich bei einem Sekretstau, der entsteht, wenn die Drüsenausgänge verstopft sind. Die Knötchen beruhen auf einer chronischen, letztlich sterilen (also nicht bakteriellen) Entzündung der Meibom-Drüse(n) des Ober- oder Unterlides. Kleinere Gebilde können eventuell von selbst verschwinden. Tun sie das nicht oder sind sie zu groß, entfernt der Augenarzt sie durch einen kleinen Schnitt in örtlicher Betäubung. Daran schließt sich immer die feingewebliche Untersuchung an.

Infektionen der Lidhaut

Bei einer infektiösen Lidentzündung kommt es zu mehr oder weniger starker Rötung, Schwellung, Hauterwärmung, Schmerzen, oft auch zu einer Funktionsstörung des Lides. Es hängt dann meist herab und kann den Blick versperren. Lidentzündungen können generell durch alle maßgeblichen Erreger-Gattungen, die einen Hang zur Haut haben, nämlich Bakterien, Viren, Pilze und Parasiten, verursacht werden. Paradebeispiel einer bakteriellen Ursache ist die Entzündung durch Staphyolokokken beim Gerstenkorn.

Gerstenkorn

Dahinter steckt eine akute Entzündung der Meibom-Drüsen oder der Talgdrüsen unmittelbar am Lidrand. Die oben genannten Hauterkrankungen können zwar ein Gerstenkorn begünstigen, sind aber keine zwingende Voraussetzung. Die Entzündung wird, wie schon erwähnt, durch Bakterien namens Staphylokokken ausgelöst. Nicht nur die entzündete Stelle, die sehr druckschmerzhaft und gerötet ist und oft auch einen Eiterpunkt entwickelt, sondern das gesamte Lid kann geschwollen sein. Auch Gerstenkörner gibt es sowohl am Ober- als auch Unterlid. Wenn sie immer wieder auftreten, sollte ein Diabetes (Diabetes Typ 1, Diabetes Typ 2) ausgeschlossen werden. Mögliche Komplikationen: eitrige Einschmelzung der Lidhaut (Abszess, abgegrenzt oder abgekapselt) oder eine flächig-einschmelzende Entzündung tieferer Bindegewebsschichten (Phlegmone des Lides oder der Augenhöhle, siehe jeweils weiter unten).

Therapie: Normalerweise heilt ein Gerstenkorn spontan ab. Auflegen feucht-warmer Kompressen, Rotlicht und gegebenenfalls ein antibiotikumhaltiges, örtlich anwendbares Präparat (zum Beispiel eine entsprechende Salbe) können den Heilungsprozess beschleunigen.

Auch Gebrauch von Kontaktlinsen oder Immunschwäche begünstigen Lid(rand)entzündungen. Dann haben Erreger, meist die schon erwähnten Staphylokokken, leichteres Spiel (Blepharitis ulcerosa, allgemeine Bezeichung für bakterielle Lidrandentzündungen). Die Lidränder entzünden sich, sind geschwollen, der Lidschlag ist schmerzhaft. Als Folge der Infektion können sich auch Geschwüre am Lid bilden. Der Wimperngrund kann geschädigt werden, Wimpern können verloren gehen, nicht mehr oder „verkehrt“ nachwachsen, dann auf der Augenoberfläche schleifen, sie reizen und verletzen. Das zieht weitere Augenkomplikationen nach sich.

Therapie: Gemäß augenärztlicher Diagnose. Bei Verdacht auf ein bakterielles Geschehen wird der Augenarzt einen Erregerabstrich durchführen und eine geeignete Augensalbe mit einem enthaltenen Antibiotikum verordnen.

Streptokokken sind ebenfalls Hautbewohner, bevorzugen aber ganz klar die Scheimhaut, zum Beispiel in Mund und Rachen. Bei Kontakt mit Hautverletzungen oder -einrissen (gerade auch wenn die Haut geschwächt ist, etwa durch ein Ekzem), mit Wunden, Geschwüren oder im Schlepptau eines Insektenstiches können sie in die Haut eindringen und sich dort über die Lymphgefäße ausbreiten (Erysipel). Dieser Ablauf ist auch am Lid möglich.

Eine im Bindegewebe des Augenlids (Lid-Phlegmone) oder der Augenhöhle sich ausbreitende Entzündung (Orbitalphlegmone) kommt bei Kindern öfter vor als bei Erwachsenen, da sie stärker zu Streptokokkeninfekten neigen. Meist greift ein entzündlicher Prozess aus der Nachbarschaft auf das Auge über. Auch ein Lidabszess ist möglich. Von Entzündungen im Rachen- und Lippenbereich über das Augenlid selbst (Gerstenkorn, Erysipel, infizierter Insektenstich) und die Nebenhöhlen bis zur Entzündung von Zahnwurzeln, der Speicheldrüsen und im Bereich des angrenzenden Kieferknochens (Osteomyelitis) gibt es viele mögliche Quellen (vgl. auch Artikel Schwellung am Hals). Ein Insektenstich verursacht allein schon durch das in die Haut eingeimpfte Gift eine unterschiedlich starke Schwellung.

Symptome:
Ein Erysipel zeigt sich mit einer schmerzhaften Rötung, Schwellung und Hauterwärmung im Bereich des erkrankten Lides. Es wird von Fieber, Schüttelfrost und Kopfschmerzen begleitet. Meist sind auch die Lymphknoten in der Nähe geschwollen und schmerzhaft.
Bei einem Lidabszess ist das Lid erheblich geschwollen, schmerzhaft und gerötet. Es kann nicht ohne Hilfe geöffnet werden. Auch das Lid des anderen Auges kann geschwollen sein. Dramatischer noch ist eine Phlegmone. Dabei sind die Lider und die Umgebung des Auges massiv geschwollen und dunkelrot verfärbt. Es besteht hohes Fieber. Kennzeichen der Orbitalphlegmone sind außerdem die eingeschränkte Beweglichkeit des Augapfels und damit des Sehens sowie starke Schmerzen des Auges. Es handelt sich um einen absoluten Augennotfall!


Therapie: Das Erysipel bedarf der gezielten antibiotischen Behandlung gemäß Diagnosesicherung. Ein Abszess wird eröffnet, entleert und zusätzlich mit Antibiotika über die Blutbahn behandelt. Auch eine Phlegmone in Augennähe bzw. im Gesicht muss intensiv antibiotisch therapiert werden, um eine drohende Ausdehnung der Infektion auf den Sehnerv oder lebensgefährliche Komplikationen (Blutvergiftung, Gefäßverschlüsse im Gehirn, möglich auch als Komplikation bei Erysipel) zu vermeiden. Diese Risiken sind aber heute dank guter Behandlungsmöglichkeiten deutlich gesunken.

Zu Pilzerkrankungen siehe oben, seborrhoische Dermatitis. Schwere Pilzinfektionen (der Arzt spricht von invasven Infektionen, wenn die Erreger sich auch über das Blut im Körper verbreiten) kommen hauptsächlich bei ausgeprägter Immunschwäche vor. Doch kann es auch bei einer therapeutisch erwünschten Unterdrückung des Immunsystems, etwa bei einer Organverpflanzung, passieren, dass ursprünglich physiologische Haut- und Schleimhautbewohner, zu denen auch Pilze wie Candida gehören, außer Kontrolle geraten und eine ernsthafte Infektion in Gang setzen.

Eine bereits vorhandene Entzündung der Lidhaut bietet nicht zuletzt Parasiten wie Läusen und Milben günstige Siedlungsbedingungen an den Lidrändern. Umso wichtiger ist hier richtige Pflege.

  • Pflegetipps bei Lidrandentzündungen


Feucht-warme Kompressen für mehrere Minuten auf die geschlossenen Augenlider auflegen. Dadurch kann sich zähes Drüsensekret verflüssigen und durch vorsichtige Massage zu den Wimpern hin leichter herauspressen. Dabei sehr hygienisch vorgehen. Vielfach wird vorsichtiges Lösen der Schuppen und Reinigen des Lidrandes mittels eines mit lauwarmem Wasser, Paraffinöl oder Olivenöl getränkten Watteträgers empfohlen. Olivenöl wirkt offenbar entzündungshemmend. Möglicherweise stabilisieren Bestandteile wie Vitamin E und einfach ungesättigte Fettsäuren die „Barrierefunktion“ der Haut. Watteträger stets nur einmal pro Anwendungsstelle benutzen.

Äußere Umgebungsfaktoren (Reize wie trockene Luft, Rauch oder Staub) oder ein trockenes Auge begünstigen ebenfalls Lid(rand)entzündungen. Rauchen ist nicht nur für die Augen, sondern bekanntlich generell gesundheitsschädlich. Daher ist ein Rauchstop immer einen Versuch wert. Die Raumluft sollte angenehm befeuchtet, die Wohn- und Arbeitsräume staubarm gehalten werden, Einhalten der Arbeitsschutzbedingungen muss die Regel sein. Trockene Augen unbedingt rechtzeitig vom Augenarzt behandeln lassen.



Die Gürtelrose wird durch das Windpocken-Virus ausgelöst

Viruserkrankungen

Infektionen mit Herpes zoster (Gesichtsrose; Zoster ophthalmicus) und Herpes-simplex stehen ebenfalls auf der Ursachenliste von Lidschwellungen. In der Regel treten solche Infektionen einseitig auf.

Herpes zoster wird durch das Varizella-Zoster-Virus ausgelöst. Die Infektion spielt sich meist als Windpockenerkrankung in der Kindheit ab. Das Virus überlebt in Nervenknoten im Körper, verfällt aber in eine Art Schlaf oder „Latenz“. Durch begünstigende Faktoren, beispielsweise eine altersbedingte Abnahme der Immunabwehr gegen das Virus oder eine krankhafte Schwächung des Immunsystems allgemein kann der lauernde Erreger nach Jahren wieder aktviert werden. Dann treten heftige, neuralgieähnliche, einschießende Schmerzen im Versorgungsgebiet des betroffenen Nervs (Trigeminus- oder Drillings-Nerv) auf.

Ist das erste Astgebiet betroffen, zeigen sich die Symptome an der Stirn- und angrenzenden Kopfhaut, am Oberlid, an den Augenbrauen und am Nasenflügel. Im Falle des zweiten Astgebietes handelt es sich um das Unterlid, die Wange und die Oberlippe. Drei bis vier (jedenfalls weniger als sieben) Tage nach Schmerzbeginn brechen die Bläschen auf den bereits stark geröteten und geschwollenen Hautpartien aus. Ihr Inhalt ist insofern infektiös, als ein gegen Windpocken nicht immuner Mensch an Windpocken erkranken kann, wenn er direkt mit dem Sekret in Berührung kommt und das Virus aufnimmt. Die „Rose“ selbst ist nicht ansteckend. Sie entsteht immer nur durch Aktivierung der seinerzeit aufgenommenen Windpocken-Viren. Im Verlauf der Zoster-Erkrankung, manchmal auch schon vorher, treten Allgemeinsymptome wie Müdigkeit, Kribbeln, Abgeschlagenheit und Fieber auf. Außerdem kann es im Vorfeld zu Schmerzen in bestimmten Körperbereichen kommen, etwa im Nacken. Die Zosterinfektion des Augenlides kann auf die Hornhaut und Regenbogenhaut übergreifen und dann zu weiteren Komplikationen (Glaukom, dabei drohen Sehstörungen bis hin zu Erblindung) führen, wenn sie nicht rechtzeitig behandelt wird.

Eine weitere, keineswegs seltene Komplikation ist die postzosterische Neuralgie. Sie beruht auf teilweiser Schädigung des befallenen Nerven und geht mit oftmals unerträglichen anhaltenden oder aber einige Zeit nach der „Rose“ neu auftretenden Nervenschmerzen einher, hier als Gesichtsschmerzen.

Therapie: Virushemmende Medikamente innerlich, möglichst innerhalb von drei Tagen, und begleitende Schmerztherapie. Je früher die Behandlung einsetzt, desto günstiger der Krankheitsverlauf. Bei drohendem Augenbefall (der Sehstrukturen!) ist eine intensivierte Therapie mit Injektionen des virushemmenden Mittels in die Blutbahn erforderlich.

Herpes-simplex-Infektionen (Lippen- und Genitalherpes) werden durch die gleichnamigen Viren verursacht, ebenfalls Mitglieder der Herpes-Familie. Abgekürzt heißen sie HSV-1 und HSV-2. Auch Herpes-simplex-Viren überdauern in Nerven. Diesmal sind allerdings die sensiblen Hautnerven in der Nähe des Infektionsortes das Rückzugsgebiet. Die ursprüngliche Infektion handelt man sich schon im zartesten Alter ein, nämlich als umsorgter und liebkoster Säugling (HSV-1), entweder unbemerkt oder als schmerzhafter Infektion im Mund (Aphthen). Das Genitale wird dagegen beim Geschlechtsverkehr infiziert, was häufiger das HSV-2-Virus betrifft. Die wiederkehrenden Entzündungen machen meist jüngeren Menschen zu schaffen. Intensive Sonnenbestrahlung, Stress, Infektionskrankheiten, die Menstruation oder eine Entbindung sind bekannte Auslöser (zum Beispiel Lippenherpes). Darüber hinaus gibt es weitere Erkrankungsformen, zum Beispiel bei gleichzeitig vorhandenem Hautekzem, und dann mitunter recht komplizierte Verläufe.

Symptome: Die Herpesviren vermehren sich in den Schleimhautzellen, bevorzugt an der Grenze zwischen Haut und Schleimhaut (HSV-1 gerne am Lippenrot, im Mundwinkel), wo sich dann auch die geschwürigen Bläschen bilden. Es kommt zu einem Spannungsgefühl, manchmal auch zu leichten Schmerzen. Die Bläschen verheilen normalerweise nach Verschorfen ohne Narben ab. Werden sie zusätzlich bakteriell infiziert, entspricht das einer Komplikation.
Über Handkontakt mit den hochinfektiösen Bläschen können die Viren ans Augenlid geraten und dort eine Infektion mit Schwellung verursachen. Am Auge besteht, ähnlich wie beim Herpes zoster, die Gefahr des Übergreifens der Infektion auf die Binde- und Hornhaut. Es kann zu Hornhautvernarbungen und Sehstörungen kommen.


Therapie: Salben, die ein Virustatikum (zum Beispiel Aciclovir oder vergleichbare Wirkstoffe) oder den Wirkstoff Docosanol enthalten (nicht in Augennähe anwenden!), können den Krankheitsverlauf bei Lippenherpes etwas verkürzen. Es gibt auch Augensalben mit einem Virostatikum. Bei einer Lidschwellung im Zusammenhang mit Herpes  immer zum Augenarzt! Eine bakterielle Zusatzinfektion bedarf der örtlichen Behandlung mit einem desinfizierenden Mittel und einem Antibiotikum.

Infektionen der Tränenwege und -drüse

Eine der beiden größeren Tränendrüsen liegt im Schläfenbereich der oberen Augenhöhle, die andere im Oberlid oberhalb der Bindwebsplatte. Die Tränen fließen in den seitlichen oberen Bindehautsack. Dort befinden sich noch weitere Tränendrüsen – gewissermaßen als Reserve.

Der Lidschlag verteilt die Tränen über der Hornhautoberfläche. Sie werden bis zum inneren Lidwinkel gespült, wo sie über die am Ober- und Unterlid gelegenen beiden Tränenpünktchen und dann über das obere und untere Tränenkanälchen in den Tränensack gelangen. Von dort erfolgt der weitere Abfluss über den Tränennasengang in den unteren Nasengang.

Tränensackentzündung

Ein Stau im Tränensack begünstigt die Keimbesiedelung (häufiger bei älteren Menschen). In der Folge entzündet sich der Tränensack oder der Gang akut (Dakryozystitis). Die Umgebung des Tränensacks (was nicht dasselbe ist wie das Unterlid!) unterhalb des Lidbändchens – der kleinen, im Augenwinkel sichtbaren Falte – ist schmerzhaft geschwollen und gerötet. Ins Auge kann Eiter austreten, das Auge ebenfalls gerötet sein. Wenn das umgebende Gewebe sich entzündet (Dakryophlegmone), schwellen auch die Lider an, möglicherweise sogar auf der Gegenseite.

Im weiteren Verlauf ist auch ein Abszess möglich, was der Arzt durch rechtzeitige Behandlung natürlich möglichst zu vermeiden sucht. Dabei werden testgerecht Antibiotika und desinfizierende feuchte Umschläge eingesetzt. Bei chronischer Entzündung des Tränensacks ist dieser oft oberhalb einer engen Stelle erweitert. Gegebenenfalls muss ein kleiner, umleitender Eingriff durchgeführt werden, um den Tränensack zu entlasten. Ein Abszess wird eröffnet und zusätzlich antibiotisch behandelt.

Tränendrüsenentzündung

Dakryoadenitis heißt die Entzündung der Tränendrüse. Sie kommt weitaus seltener als die Tränensackentzündung und meist einseitig vor. Das Oberlid ist schläfenseitig geschwollen und tritt bei mäßiger Schwellung auch nur in diesem Bereich tiefer, weshalb Ärzte in diesem Fall von der „Paragrafenform“ sprechen. Es ist druckschmerzhaft und gerötet. Zur Infektion kommt es eher im Rahmen anderer Infektionskrankheiten, zum Beispiel bei Viruserkrankungen wie Masern, Mumps oder Grippe. Das Miculicz-Syndrom ist eine schmerzlose Schwellung beider Tränen- und Ohrspeicheldrüsen, somit auch der Oberlider. Ursache sind verschiedene andere Erkrankungen, darunter Leukämien.
Therapie: Sie richtet sich nach der Ursache

Augenentzündungen

Binde- und Hornhautentzündungen sowie Entzündungen in den Binnenräumen des Auges (Endophthalmitis) können allesamt auch mit Lidschwellungen einhergehen. Sie machen außerdem unterschiedlich ausgeprägte, weitere Beschwerden wie Sehstörungen, Augenschmerzen (beides ist bei einfachen Bindehautentzündungen jedoch eher nicht typisch), Augenrötungen, Absonderungen eines wässrigen, schleimigen oder eitrigen Sekretes, kleine Geschwüre. Gefährlich wird es fürs Auge, wenn eine Hornhautentzündung sich ins Augeninnere ausbreitet (Endophthalmitis). Die Ursachen – darunter Infektionen – sind vielfältig und geben die Richtung für die Therapie vor.


Nicht allergisch – oder doch? Angioödem, Anaphylaxie

Beim Thema Angioödem herrscht verwirrende Begriffsvielfalt. Namen wie erbliches (hereditäres) Angioödem oder Angio-Ödem, früher auch angioneurotisches Ödem genannt, und Quincke-Ödem bezeichnen alle denselben Sachverhalt: eine wiederholt und unvorhersehbar auftretende, heftige Hautreaktion mit monströser Schwellung der Lider und des Gesichts, vor allem der Lippen, aber auch der Mund- und Rachenschleimhaut bis hinab zum Kehlkopf, außerdem im Verdauungstrakt. Der Kehlkopf beherbergt die Stimmbänder. Sie bilden die Stimmritze, vereinfacht Glottis genannt. Schwillt die Glottis zu (Glottisödem), tritt erhebliche Atemnot auf, es besteht Lebensgefahr durch Ersticken. Bei den Attacken, die in monatlichem oder sogar wöchentlichem Abstand, in jedem Fall völlig unvorhersehbar auftreten, kommt es meist auch zu heftigen Bauchschmerzen, ähnlich einer Blinddarmentzündung.

Angioödem heißt die Erkrankung, weil Blutgefäße in der Tiefe der Haut plötzlich undicht werden. Wie durch einen Filter treten große Mengen Flüssigkeit aus dem Blut in die Umgebung über. Dabei spielt ein körpereigener Stoff namens Bradykinin eine Rolle. Die geschwollene Gesichtshaut ist schmerzhaft gespannt, blass, juckt aber nicht. Nach wenigen Tagen bildet sich das Ödem zurück. Das erbliche Angioödem ist sehr selten; es beruht auf verschiedenen Gendefekten, von denen derzeit zwei bekannt sind, und es geht mit einer Störung oder einem Mangel eines bestimmten Eiweißes einher. Dieses Enzym ist genau in denjenigen Körpersystemen aktiv, wo auch das zuvor erwähnte Bradykinin wirkt. Hier liegt also eine Art Schlüssel zu dem Ganzen (siehe unten).

Angioödeme treten auch bei einer Nesselsucht (Urtikaria) auf. Sie ist wiederum mit starkem Juckreiz verbunden. Außerdem kommen Angioödeme bei anderen Erkrankungen oder aus völlig unklarer Ursache vor. Die Verwechslungsgefahr mit Allergien ist groß. Es stecken aber pseudoallergische, also nur allergieähnliche Körperreaktionen, dahinter. Viele verschiedene Auslöser scheinen verantwortlich zu sein, darunter Medikamente (zum Beispiel die „Plille“), Infektionen, Kälte, Stress.
Mittlerweile kann das hereditäre Angioödem mit einem neuen Medikament gegen die Attacken behandelt werden. Es wird unter die Haut gespritzt und blockiert die Andockstelle von Bradykinin.

Auch bei einer akuten, wirklich allergischen Reaktion (Anaphylaxie) können die Lider rasch anschwellen – meist beidseitig. Dies gilt auch für andere Partien des Gesichtes, insbesondere Lippen, Mund und Zunge. Die Haut zeigt meist leicht erhabene, gerötete Stellen (Ausschlag); bei einem Blutdruckabfall ist sie blass und kalt. Die Auslöser (Allergene) stammen nicht selten von Medikamenten oder bestimmten Nahrungsmitteln, etwa Krustentieren, Fisch, Nüssen oder Erdnüssen, Eiern. Naturlatex spielt ebenfalls eine Rolle. Sehr starkes Allergenpotenzial hat Insektengift.

Je nach Schweregrad kann die Reaktion von selbst wieder abklingen oder aber ziemlich schnell lebensbedrohlich werden. Warnzeichen: Asthma, Atemnot, Juckreiz, Unruhe, Kopfschmerzen, Übelkeit, Kreislaufkollaps: Notfall! Wer seine Insektengiftallergie kennt, sollte stets ein Insektenstich-Set mit vorbereiteter Adrenalinspritze zur Selbstinjektion (das Set enthält außerdem weitere antiallergische Medikamente wie Kortison, ein Antihistaminikum und ein inhalierbares Betasympathomimetikum) bei sich haben (Haltbarkeit regelmäßig überprüfen). Unbedingt dennoch immer den Arzt oder Notarzt hinzuziehen. Eine Immuntherapie (früher Desensibilisierung genannt) ist bei einigen Allergien, darunter solche auf Pollen (siehe auch Heuschnupfen, allergischer Schnupfen), Hausstaubmilben, Tierhaare und Insektengift grundsätzlich möglich. Dabei ist ein kleines Anaphylaxie-Risiko nicht auszuschließen. Vor der Behandung informiert der Arzt genau über die möglichen Risiken.

Ganz wichtig sind Schulungen zum Umgang bzw. Vermeiden des Allergens und zur Anwendung des Notfall-Sets. Allergiker, besonders wenn sie ein Anaphylaxie-Risiko haben, erhalten einen Allergiepass. Den sollten sie überall dabei haben.

Lidgeschwülste (Tumoren)

Der Begriff „Tumor“ bedeutet eigentlich Schwellung eines Gewebes oder Organteiles. Er sagt nichts darüber aus, ob es sich um eine gut- oder bösartige Veränderung oder Geschwulst handelt. Dennoch wird er inzwischen oft gleichbedeutend mit Krebs gebraucht. Am Augenlid kommen zahlreiche Geschwulstformen vor – gut- und bösartige.

Gutartige Gewebeveränderungen

- Xanthelasma: Gelbliche, flache Plaque am inneren Lidwinkel, Oberlid oder Unterlid; oft Ausdruck von Fettstoffwechselstörungen
- Atherom: Grützbeutel, oft im Bereich der Augenbrauen
- Fibrom: Bindegewebsgeschwulst
- Papillom: Zottenartige Geschwulst, breit aufsitzend oder gestielt
- Seborrhoische Keratose: Warzenähnliche, oberflächlich gelegene Geschwulst des Lides
- Warzen: Virusbedingt
- Zysten: meist abgekapselte, sackförmige Höhlen unterschiedlichen Inhalts im Gewebe. An den Lidern gibt es mehrere Arten von Zysten, etwa unter der Haut gelegene Zysten, Talgzysten, Schweißdrüsenzysten.
Therapie: Entfernung der Schwellung bzw. Geschwulst mittels unterschiedlicher, möglichst sanfter Schnittechniken und feingewebliche Untersuchung (insbesondere bei „verdächtigen“ Veränderungen). Dabei wird so vorgegangen, dass idealerweise keine Narbe entsteht. Gegebenenfalls an regelmäßige Kontrollen beim Hautarzt denken.

Bösartige Neubildungen

- Lymphom: Beginnt manchmal als Lidschwellung, eventuell mit Herabhängen des Lides. Auch eine veränderte Stellung des Augapfels kann auftreten. Ob das Gewebe bösartig ist, zum Beispiel einem Non-Hodgkin-Lymphom entspricht, ergibt sich aus einer Gewebeprobe. Manchmal entpuppt es sich auch als ein Myelom oder Plasmazytom. Die weitere Diagnostik und Therapie übernimmt ein Facharzt für innere Medizin bzw. Krebsmedizin (internistische Onkologie).
- Basaliom: Tritt in vielfältigen Formen auf. Am häufigsten entsteht die Hautgeschwulst am Unterlid. Der Tumor bildet keine Metastasen, kann aber wachsen und die nähere Umgebung zerstören
- Plattenpithelkarzinom (Spinaliom): Flächige oder erhabene Schwellung mit „unruhiger“ Oberfläche (Verhornung, Geschwür- oder Krustenbildung). Risikofaktor: langjährige Sonnenbestrahlung, höheres Lebensalter.
- Malignes Melanom: Am Lid selten. Pigmentierte (dunkle Verfärbung) oder nicht pigmentierte (haut- oder fleischfarbene) Hautveränderung.
Therapie (Basaliom, Spinaliom, Malignes Melanom): Entsprechend den  Behandlungsleitlinien (siehe beispielsweise Kurzleitlinie Malignes Melanom, Arbeitsgemeinschaft Dermatologische Onkologie (ADO) 2008: http://www.ado-homepage.de (www.apotheken-umschau.de ist nicht verantwortlich und übernimmt keine Haftung für die Inhalte externer Internet-Seiten)).

Achtung: Hinter einer Lid(rand)schwellung, auch einem Hagelkorn, kann sich eventuell eine bösartige Geschwulst verbergen, auch wenn dies insgesamt eher selten ist. Sicherheitshalber grundsätzlich immer damit zum Arzt gehen, auch wenn das Gebilde schmerzlos ist.

Lidschwellungen bei körperlichen Krankheiten

Hautschwellungen (Ödeme) können örtlich, also zum Beispiel an den Lidern, im ganzen Gesicht und in bestimmten Körperpartien, etwa an den Gliedmaßen, auftreten. Zahlreiche Krankheiten und Störungen kommen als Auslöser infrage. Bei „systemischen“ Krankheitsvorgängen sind in der Regel beide Lider geschwollen. Ob diese Vorgänge entzündlicher oder nicht entzündlicher Art sind, entscheidet mit darüber, ob die Ödeme reizlos sind oder mit weiteren Hauterscheinungen einhergehen. Bei Störungen des Immunsystems kommt es oft zu entzündungsähnlichen Veränderungen im Laufe des Krankheitsgeschehens.

Mögliche Ursachen

- Immunologische Erkrankungen wie die Sarkoidose: Lidschwellungen und Knoten unter der Haut der Oberlider.
- Im Zusammenhang mit der Basedow-Krankheit der Schilddrüse die endokrine Orbitopathie: Schwellungen der Augenumgebung einschließlich Lider und des Bindegewebes der Augenhöhle, eventuell Myxödem mit teigiger Schwellung an den Unterschenkeln; die Augäpfel treten hervor, die Bindehaut kann sich entzünden.
- Schilddrüsenunterfunktion (Hypothyreose): Auch eine ausgeprägte Schilddrüsenunterfunktion kann zum Myxödem, verquollenen Augen und verdickter, trockener und kühler Gesichtshaut führen.
- Herzschwäche, vor allem des rechten Herzens: Beinödeme, Lidschwellungen hauptsächlich morgens.
- Nierenerkrankungen, zum Beispiel Glomerulonephritis (Entzündung der Nierenkörperchen): Schwellungen der Oberlider und des Gesichtes.
- Zu wenig Natrium (ein Blutsalz) oder Eiweißmangel sind weitere mögliche Ursachen für Schwellungen. Dabei kann das eigentliche Problem zum Beispiel in einer Lebererkrankung liegen.

Die genannten Krankheiten oder Störungen gehen in der Regel mit weiteren, mehr oder weniger typischen Beschwerden einher. Diese hängen zudem von der speziellen Ursache im Einzelfall ab.

Ein einseitiges Ödem im Lid- und Gesichtsbereich ist eher selten und möglicherweise Folge einer Schädigung im Zentralnervensystem, bei der die Nervenbahnen für die Gefäßmotorik (Vasomotion) auf einer Seite mitbetroffen sind. Lähmungen von Gesichtsmuskeln können sich ungünstig auf den venösen Abfluss auswirken und dadurch ebenfalls zu örtlichen Schwellungen führen. Der Venenabflusses aus dem Kopfbereich kann möglicherweise auch einmal etwas tiefer, zum Beispiel in der Halsregion, liegen, und zu einer Schwellung auf der entsprechenden (oder auf beiden Seiten) führen. Das betrifft dann aber auch den Hals, es zeigt sich ein verdickter Venenstrang. Vor allem sind dann aber auch noch weitere Symptome zu erwarten. Mögliche Ursachen: zum Beispiel vergrößerte Lymphknoten oder Tumoren am Hals, am Kehlkopf oder im oberen Brustfellraum.

Lid- und Gesichtsödeme in der Schwangerschaft

In der Schwangerschaft ist der Anstieg des Flüssigkeitsvolumens im Körper ein normaler Vorgang, solange er durch eine gesteigerte Harnbildung einigermaßen kompensiert wird. Andernfalls bilden sich Schwellungen (Ödeme). Ödem und Ödem ist aber nicht dasselbe. Schwellungen vor allem an den Beinen, besonders abends, sind in erster Linie eine Antwort auf hormonelle und mechanische Effekte. Steigende Hormonspiegel führen zu einem vermehrten Flüssigkeitsgehalt der Gewebe und zur Weitstellung der Beinvenen. Beides begünstigt Beinschwellungen. Die sich vergrößernde Gebärmutter vermindert den venösen Rückstrom des Blutes aus den Beinen in Richtung Herz. Dadurch können sich Krampfadern bilden, die ihrerseits Schwellungen und das Gefühl schwerer Beine bedingen.

Schwellungen in den Händen, im Gesicht einschließlich Lidern oder im Steißbeinbereich dagegen sind keine normalen schwangerschaftsbedingten Veränderungen. Vielmehr können sie auf eine sogenannte Präeklampsie hinweisen. Bei dem Krankheitsbild, das ganz überwiegend nach der 20. Woche in der Schwangerschaft auftritt, kommt es zu Eiweißverlusten über die Nieren, oft auch zu Bluthochdruck. Der Frauenarzt wird zur Sicherheit auch außerhalb des normalen Kontrollrhythmus den Blutdruck, den Augenhintergrund (zuständig ist hier der Augenarzt), die Eiweißausscheidung im Harn und andere Parameter überprüfen.


Literatur:

A. Kampik, F. Grehn (Hrsg.): Augenärztliche Differenzialdiagnose, Thieme, 2., überarb. Aufl. 2008

 


Wichtiger Hinweis:
Dieser Artikel enthält nur allgemeine Informationen und darf nicht zur Selbstdiagnose oder -behandlung verwendet werden. Er kann einen Arztbesuch nicht ersetzen. Die Beantwortung individueller Fragen durch unsere Experten ist leider nicht möglich.

 




Bildnachweis: Visuals Unlimited, Thinkstock/iStockphoto

www.apotheken-umschau.de; aktualisiert am 02.04.2014,
Bildnachweis: Visuals Unlimited, Thinkstock/iStockphoto

Arzt bewerten und so 1 Euro spenden

Helfen Sie anderen, einen guten Arzt zu finden. Für jede Arztbewertung spendet die Weisse Liste 1 Euro an die Stiftung "Humor hilft heilen" »

Jetzt mitmachen »

Newsletter abonnieren

Hier können Sie unseren kostenlosen Newsletter abonnieren »

Bitte beachten Sie!

Dieses Informationsangebot ersetzt keinen Arztbesuch. Bei unklaren Beschwerden sollten Sie stets Ihren Arzt konsultieren. Lesen Sie hier mehr dazu »

Symptome-Finder

Zum Thema

Augen – stets gute Sicht

Das Sehvermögen ist vielleicht unser wichtigster Sinn. Doch es lässt im Alter oft nach. Zudem können es verschiedene Augenkrankheiten bedrohen. So steuern Sie gegen »

Augensymptome

Augenschmerzen

Augenschmerzen haben ihren Ursprung meistens im Auge selbst, seltener im Umfeld. Sie sind nicht immer von Kopfschmerzen zu unterscheiden und oft mit Sehstörungen verbunden »

Rotes (trockenes) Auge

Ein rotes Auge ist oft, aber nicht immer ein trockenes Auge. Eine wichtige Rolle spielen Bindehautentzündungen  »

Sehstörungen

Sehstörungen oder Minderung und Verlust der Sehkraft beruhen auf Erkrankungen der Augen oder anderer Organe. Überblick über die Ursachen  »

Experten-Rat

Experten-Sprechstunde: Themenübersicht

Kompaktes Expertenwissen in Fragen und Antworten »

Alle Symptome von A bis Z

Suchen Sie hier nach Symptomen und ihren Ursachen alphabetisch von A bis Z. Beachten Sie bitte auch den Hinweis rechts  »

© Wort & Bild Verlag Konradshöhe GmbH & Co. KG

Weitere Online-Angebote des Wort & Bild Verlages