Drucken

Lidschwellung, Lid- und Gesichtsödem, Lidgeschwulst

Ein verdicktes Lid kann schmerzen, jucken, manchmal sogar gefährlich sein. Oft stört es kosmetisch, mitunter auch den Blick. Mehr zu den Ursachen


Infektionen, Entzündungen, Allergien sind nur drei von vielen Auslösern bei Lidschwellungen

Geschwollenes Lid: Makel oder Menetekel?


Nicht gerade schön, ein dickes Lid. Und wenn wenn es juckt, schuppt, nässt oder sogar den Blick verhängt, ist es dazu noch lästig. Dahinter stecken kann vieles. Gefährliche Verläufe gibt es durchaus, aber sie sind eher selten Das Wichtigste dazu in diesem Beitrag.

Eine der wichtigsten Unterscheidungen ist, ob ein dickes Lid entzündlich bedingt ist oder nicht. Weitere Aspekte: Lidschwellungen können örtlich (lokal) begrenzt sein oder das ganze Lid erfassen. Manchmal besteht akute Gefahr für das Auge. Eine Lidschwellung kann aber auch über längere Zeit, also chronisch, vorhanden sein. Sie kann ein oder beide Augen betreffen und am Oberlid, Unterlid oder beiden, innen am Lidwinkel oder außen Lidrand vorkommen. Der geschwollene Bereich kann durch eine Rötung oder andere Hautveränderungen auffallen und sich weich oder hart anfühlen.


Je nach Ursache können benachbarte Augenanteile, etwa die Bindehaut und Hornhaut, mit einbezogen sein. Dabei kann es auch zu einem roten Auge, vermehrter Trockenheit des Auges und zu Sehstörungen kommen. Manche Formen von Lidschwellung sind angeboren, etwa der Blutschwamm (kapilläres Hämangiom) oder ein sogenannter Leberfleck, der sich über das Hautniveau erhebt (Nävuszellnävus) und nicht immer eine braune Farbe haben muss.

Um das eher seltene Menetekel, also dieVorboten drohenden Unheils, gleich vorwegzunehmen: Zu den gefährlichen Lidschwellungen gehören solche, die eine schwere Entzündung des Augeninneren beziehungsweise der Augenhöhle oder ein akutes Geschehen auch mit inneren Schwellungen und teilweise Schockgefahr (Nesselsucht, Angioödem) anzeigen – Notfälle, die in der Regel mit weiteren Warnsymptomen einhergehen. In der Schwangerschaft gehören Lidödeme zu den möglichen Anzeichen für eine schwangerschaftsbedingte Erkrankung, die sogenannte Präeklampsie (siehe unten). Mitunter entpuppt sich eine Lidgeschwulst als bösartiger Tumor.

Kurz noch zum Thema Kosmetik: Schönheitschirurgischen Maßnahmen zugängliche Lidprobleme wie „Schlupflid“ oder fälschlicherweise auch „Tränensack“ genannt (medizinisch: Dermatochalasis) sind kein Thema dieses Beitrags. Wenn es beispielsweise aber zu einer Entzündung in den schlaffen, übereinanderliegenden Hautfaltenpartien am Oberlid kommt und diese dadurch anschwellen, handelt es sich natürlich um ein medizinisches Problem. Zudem sieht die ästhetische Lid-Chirurgie keinesfalls von einer genauen medizinischen Bestandsaufnahme der individuellen Situation am Augenlid ab, da krankhafte Veränderungen die Vorgehensweise beim Operieren und das kosmetische Ergebnis maßgeblich beeinflussen.

Warum können die Lider überhaupt anschwellen?

Die Lidanatomie begünstigt Schwellungen. Die Lider sind dünnhäutig, das Gewebe darunter locker und weich. Es enthält wenig Fett, dafür viele Blut- und Lymphgefäße. Das heißt auch: Hier wird auf engem Raum erstaunlich viel Flüssigkeit bewegt. Eng deshalb, weil die Lider eine Bindegewebeplatte enthalten, die mit zwei Bändchen am Innen- und Außenrand der Augenhöhle verbunden ist und wie eine Barriere wirkt. So schwellen die Lider bei „steigendem Pegel“ schnell und deutlich an (Ödem). Am ehesten kann die Flüssigkeit noch über die Nasenwurzel zum Augenlid auf der anderen Seite ausweichen. Wenn der Logik nach nur ein Auge geschwollen sein müsste, macht daher das andere trotzdem oft mit.

Ein fetthaltiges Sekret (Talg) aus Drüsen im Inneren der Lider, genauer: in der Bindegewebsplatte (Meibom-Drüsen), hält Lider und Wimpern geschmeidig. Ihr Sekret gelangt an den Lidrand und auf die Lidrückseite. Weitere Talgdrüsen (Zeis-Drüsen) sowie Schweißdrüsen (Moll-Drüsen) münden zwischen den Wimpern auf dem Lidrand. Wenn Liddrüsen sich entzünden oder verstopfen, schwillt das Lid besonders am Rand an. Das Gerstenkorn beispielsweise ist eine der bekanntesten krankhaften Lidschwellungen. Zu den wichtigsten Ursachen von Lidschwellungen weiter unten im Überblick mehr.

Lidschwellungen: Wann zum Arzt?

Es kann durchaus mal vorkommen, dass man mit leicht angeschwollenen Lidern aufwacht. Aber sobald der Körper in Schwung kommt, nimmt die Zirkulation zu, die angesammelte Flüssigkeit fließt ab, und die Lider werden wieder schlank. Vielleicht war es ja auch einfach nur eine zu kurze Nacht... Andernfalls versuchen Sie es ein paar Tage mit Schlafen in leichter Kopfhochlage. Hormonell bedingt kommt es bei Frauen vor der Menstruation manchmal zu Lidschwellungen. Aber das sind alles eher Ausnahmen.

Daher im Allgemeinen der Rat: Gehen Sie bei einer Lidschwellung, die nicht wieder von selbst abklingt, zum Hausarzt. Gegebenenfalls wird er Sie an einen anderen Facharzt überweisen. Das wäre zum Beispiel der Hautarzt (Dermatologe), wenn Sie an einer bestimmten Hautkrankheit leiden und nun entsprechende Beschwerden im Lidbereich verspüren. Bei zusätzlichen Augenbeschwerden ist der Augenarzt auf jeden Fall der richtige Ansprechpartner. Er ist natürlich auch bei jedweder Lidverletzung einschließlich Insektenstich, etwa Mückenstich, gefragt.
! Tipp: Nicht an der geschwollenen Stelle kratzen: Es könnten Krankheitserreger hineingelangen und eine Entzündung verursachen (siehe zum Beisiel Erysipel weiter unten im „Überblick“). Falls Verdacht besteht, dass eine innere Erkrankung, etwa ein Herz- oder Nierenleiden, für die geschwollenen Lider verantwortlich ist, wird ein Internist dem weiter nachgehen. Im Allgemeinen fallen hier aber weitere Beschwerden, etwa Müdigkeit, Abgeschlagenheit oder Kurzatmigkeit, auf.


Überblick: Ursachen von Lidschwellungen

Lidentzündungen (Blepharitis)

Entzündliche Hauterkrankungen des Lides und Lidrandes

Die Augenlider fallen in das Grenzgebiet zwischen Augenheilkunde und Dermatologie (Fachkunde für Hautkrankheiten). Alle entzündlichen Hauterkrankungen können auch die Lider mitbetreffen. Sehr oft liegt beispielsweise ein Ekzem vor. Ekzeme gehören zu den häufigsten Hautkrankheiten überhaupt. Sie treten in vielfältigen Formen auf und sind nicht ansteckend. In der Akutphase kommt es zu Juckreiz, Rötungen, Bläschen, Knötchen, Schwellungen und Krustenbildung. Später verdickt sich die Haut oberflächlich, wird trocken und rissig. Zu den Ekzemen gehören die allergische Kontaktdermatitis, die atopische Dermatitis (auch atopisches Ekzem genannt, bei uns besser bekannt unter dem Namen Neurodermitis) und die seborrhoische Dermatitis (seborrhoisches Ekzem). Auch Hauterkrankungen wie Rosazea begünstigen Lid- und  Lidrandentzündungen. Gebrauch von Kontaktlinsen oder Immunschwäche begünstigen ebenfalls Lid(rand)entzündungen. In der Regel tritt die Entzündung in allen diesen Fällen an beiden Augenlidern auf.

Lid(rand)entzündungen sind ziemlich unangenehm. Man sollte ihnen immer auf den Grund gehen, um die Beschwerden zu lindern, aber auch, um keine ernsthaftere Erkrankung zu übersehen. Die erkrankten Lidränder sind geschwollen und gerötet, morgens oft verklebt. An der Lidkante, in den Augenwinkeln und zwischen den Wimpern an der Basis finden sich gelblich-talgige Schuppen und Krusten. Die Augen können brennen und tränen. Fremdkörpergefühl, erhöhte Lichtempfindlichkeit und „verhangene“ Sicht sind weitere lästige Beschwerden. Lidschlag ist schmerzhaft. Als Folge der Infektion können sich auch Geschwüre am Lid bilden. Der Wimperngrund kann geschädigt werden, Wimpern können ausfallen oder sich verdrehen und auf der Augenoberfläche – Binde- und Hornhaut – scheuern. Nach der Ursache werden eine bakterielle Form (Blepharitis ulcerosa) von der nicht bakteriellen Blepharitis squamosa, der schuppenden Lidrantentzündung, unterschieden. Eine bereits vorhandene Entzündung der Lidhaut bietet nicht zuletzt Parasiten wie Läusen und Milben günstige Siedlungsbedingungen an den Lidrändern. Umso wichtiger ist hier richtige Pflege (siehe Tipps weiter unten).

Stellt sich eine zugrunde liegende Hauterkrankung als Ursache einer Lidentzündung heraus, wird der Augenarzt den Patienten, sollte er noch nicht bei einem Hautarzt in Behandlung sein, an diesen überweisen beziehungsweise eng mit ihm zusammenarbeiten (interdisziplinäre Therapie). Gerstenkorn und Hagelkorn, die bekanntesten Formen von Lidrandentzündungen eines Auges, gehören primär in die Hand des Augenarztes.

  • Hautkrankheiten mit entzündlichen Lidschwellungen:


- - Allergische Kontaktdermatitis: Dieses akut auftretende Krankheitsbild gehört zu den häufigsten Ursachen entzündlicher Lidhautschwellungen. Zugrunde liegt eine allergische Reaktion der Haut. Unter den zahlreichen Auslösern finden sich Bestandteile von (Augen-)Kosmetika, Pflege- oder Färbemitteln, Stoffe und Partikel aus der Arbeits- und Umwelt, Substanzen in Arzneimitteln, etwa in Augentropfen, Augensalben, Hautpflastern, oder aber Schmuck (Piercing). Die verantwortlichen Stoffe können auch über die Hände ans Auge geraten.
Symptome: Die Lidschwellungen treten in der Regel beidseitig auf. Das Erscheinungsbild mit Rötung der Lider und um die Augen, Juckreiz, nässende Bläschen, später Krusten- und Schuppenbildung sieht dem der atopischen Dermatitis (siehe unten) ähnlich. Die Schwellungen zeigen sich als erhabene, zunächst „saatförmige“ Rötungen, die dann zu Quaddeln werden, ähnlich auch wie bei Nesselsucht. Auf Dauer vergröbert sich die Haut und verhornt.
Therapie: Der wichtigste Schritt besteht darin, den Auslöser dingfest zu machen und ihn fortan so gut es geht zu meiden. Bei allergischer Kontaktdermatitis wird der Hautarzt prüfen, ob eine kurzzeitige örtliche Behandlung mit Kortison angebracht ist. Antihistaminika (Anwendung innerlich) lindern den Juckreiz. Bei Reizdermatitis (Irritation der Haut) können kühle, feuchte Augenkompressen und danach Auftragen einer rückfettenden Pflegecreme lindernd wirken. An den Augenlidern am besten abends anwenden.

- - Atopische Dermatitis (atopisches Ekzem, Neurodermitis): Die Auslöser dieser chronischen Hauterkrankung sind vielfältig. Sie reichen von Veranlagung und allergischen Reaktionen auf Stoffe in der Nahrung oder Umwelt, etwa „Aeroallergene“ in der Luft, bis hin zu psychischen Stressfaktoren. Relativ häufig sind Kinder bis zum Jugendalter und junge Erwachsene von dem unangenehmen Hautleiden geplagt. Die Lidprobleme einschließlich chronischer Schwellungen, häufige Symptome der atopischen Dermatitis, treten beidseitig auf. Die Symptome verändern sich mit dem Alter der Betroffenen.
Symptome: Die geschwollenen Lider sind gerötet und jucken. Die Haut neigt zu Bläschen, nässenden Borken und Rissen. Später kann sich die Oberflächenstruktur vergröbern. Außerdem:
- Säuglinge: Kopf, Gesicht und Streckseiten der Gliedmaßen sowie Beugefalten weisen juckende Rötungen bei sehr trockener Haut auf. Durch das Kratzen kommt es zu Hautinfektionen mit Pusteln und gelblichen Krusten, eventuell Fieber.
- Kleinkinder und Jugendliche: Die Erkrankung zeigt sich vor allem an den Beugeseiten der Gliedmaßen, an Nacken und Händen. Juckreiz ist das beherrschende Symptom. Die betroffene Haut neigt weiterhin zu Trockenheit, verdickt sich und zeigt ein vergröbertes Relief.
- Weiterer Verlauf: Nicht selten wird Neurodermitis von Asthma begleitet, oder es liegt gleichzeitig ein allergischer Schnupfen vor. Die Hautveränderungen, vor allem der Juckreiz, lassen teilweise im Laufe der Zeit nach. Die Haut neigt allerdings weiterhin zu Trockenheit, reagiert empfindlich und ist stellenweise verdickt
(ausführliche Informationen im Ratgeber „Neurodermitis (Atopische Dermatitis“).

- - Seborrhoische Dermatitis (seborrhoisches Ekzem): Ursächlich spielen vermutlich eine gewisse Veranlagung, eine veränderte Zusammensetzung des Talges sowie Hefepilze (Malassezia furfur) eine Rolle.
Symptome: Auf der Kopfhaut, im Gesicht, manchmal auch im Brustbereich, um die Ohren oder auch an den Lidern bildet sich ein Ausschlag mit fettigen, weißlich-gelblichen, manchmal juckenden Hautschuppen. Zudem kann es zum Sekretstau von Lidranddrüsen kommen. Häufig sind die Wimpernwurzeln gelblich verkrustet. In der Folge kann es auch zu einer bakteriellen Entzündung am Lidrand durch Hautkeime, ähnlich einem Gerstenkorn, kommen (ausführliche Informationen im Ratgeber „Seborrhoisches Ekzem“).

- - Rosazea: Eine der häufigsten entzündlichen Hauterkrankungen Erwachsener, bei der erbliche Faktoren und Immunvorgänge im Hinblick auf eine sogenannte Haarbalgmilbe (Demodex-Befall) eine Rolle spielen. Die Erkrankung tritt im vierten bis fünften Lebensjahrzehnt auf, häufiger bei Frauen als bei Männern.
Symptome: Manchmal tritt die Rosazea zuerst an den Lidern auf und bleibt auch über längere Zeit auf diese Stellen begrenzt. Erkrankungszeichen sind akneähnlichen Ausschläge, eine Rötung der Lidhaut und Schwellungen der Augenumgebung. Die Lider verdicken sich. Häufig entzünden sich die Lidränder (siehe unten), eventuell auch die Augenbindehaut. Gefäßneubildungen im Bereich der Hornhaut und deren Trübung sind eine Komplikation der Augenrosazea, die das Sehen beeinträchtigen können. Hier ist natürlich zeitnah der Augenarzt gefragt.
Die verschiedenartig ausgeprägten, nur teilweise juckenden Hauterscheinungen finden sich ansonsten überwiegend im Gesicht und am Dekolleté. Oft ist zusätzlich die Haut hinter den Ohren, am Kopf, Hals, auf der Brust und am Rücken betroffen. Das unter der Hautoberfläche gelegene Bindegewebe und die Talgdrüsen verdicken sich. Entzündlich bedingt, erweitern sich feine Äderchen, die Haut rötet sich, es kommt zu Knötchen und Pusteln, vor allem im Bereich von Stirn, Wangen, Nase. De facto nur bei Männern verdickt sich mit der Zeit die Nase knotig und wird unförmig
(ausführliche Informationen im Ratgeber „Rosazea“).


  • Lidentzündungen durch Bakterien und Viren


- Bakterien als Auslöser

- -Erysipel (hier: Gesichtsrose): Darunter versteht man eine akute, ganz überwiegend durch Streptokokken-Bakterien ausgelöste Infektion der Haut. Schon die kleinste Verletzung kann eine Eintrittspforte sein. Der Erreger breitet sich auch über die Lymphspalten im Zwischenzellgewebe der Haut aus. Verschiedene Faktoren können die Infektion begünstigen, etwa Diabetes mellitus, Abwehrschwäche, hohes Alter.
Symptome: Es kommt zu einer starken Rötung, Schwellung und brennenden Schmerzen im erkrankten Gesichtsbereich beziehungsweise Lid. Schon zu Anfang treten Symptome wie Krankheitsgefühl, Fieber, Frösteln und Schüttelfrost auf. Da Lymphwege beteiligt sind, schwellen auch nahe gelegene Lymphknoten an.
Wichtig: Ärztliche Behandlung dieser akuten Hautinfektion ist dringend erforderlich – nicht zuletzt auch, weil einige, mehrheitlich sogar gefährliche Komplikationen möglich sind. Die entzündeten Lymphspalten im Augenlid können veröden, wodurch sich ein chronisches Lidödem entwickelt. Der Sehnerv kann angegriffen werden, mit der Gefahr zu erblinden. Möglich ist außerdem eine Verschleppung der Bakterien ins Gehirn, was zu einem lebensbedrohlichen Krankheitsbild namens Hirnvenenthrombose (sogenannte Sinusvenenthrombose) führen kann. Auf dem Blutweg können die Erreger außerdem Entzündungen im Herzen oder in den Nieren verursachen (ausführliche Informationen im Ratgeber „Erysipel“).

- - Lidabszess, Lidphlegmone: Ein Lidabszess ist die Komplikationen einer Lidinfektion, meistens mit Staphylokokken- (siehe weiter unten: Gerstenkorn) oder Streptokokken-Keimen (siehe vorangehend: Erysipel). Bei einem Abszess bildet sich eine Art Kapsel, er kann auch nach außen durchbrechen.
Eine Phlegmone breitet sich dagegen flächenhaft in tieferen Hautschichten aus. Zu einer Lidphlegmone kommt es in den seltenen Fällen, wo eine bakterielle Entzündung in der Nachbarschaft des Auges, etwa eine Nebenhöhlenentzündung, direkt auf das Augenlid übergreift. Wenn eine Phlegmone eitrig einschmilzt, entsteht wiederum ein Abszess.
Symptome: Es kommt bei beiden Entzündungen, die üblicherweise jeweils an einem Auge auftreten, zu einer erheblichen Rötung, Lid- und Gesichtsschwellung (das Lid des anderen Auges kann mit angeschwollen sein!), Erwärmung und Schmerzen. Das Lid lässt sich häufig nicht aktiv öffnen. Das Auge scheint wegen der Lidschwellung etwas hervorzutreten, es lässt sich aber normal bewegen. Fieber tritt auf. Bei einem Abszess kann eine sogenannte weiche „Fluktuation“, eine Art Schwappen, tastbar sein.
Therapie Lidabszess, Liphlegmone: Feucht-warme Umschläge auf das Lid, Antibiotika, die gegen Staphylokokken und Streptokokken wirklsam sind, gegebenenfalls auch über die Blutbahn. Ein Abszess wird eröffnet und drainiert. Die Behandlung kann dann an die Keimanalyse angepasst werfden.

- - Orbitaphlegmone: Diese dramatische, aber seltene Infektion der Augenhöhle – Notfall! – entsteht durch eine fortgeleitete Infektion, die meist von den Nebenhöhlen aus direkt auf die vordere Augenhöhle übergreift. Nasennebenhöhlen sind luftgefüllte, mit Schleimhaut ausgekleidete Räume im an diesen Stellen sehr dünnen Schädelknochen, die über dünne Gänge mit der Nasenhöhle verbunden sind. Bis ins Kleinkindalter sind hier nur die schon vorhandenen Siebbeinzellen relevant. Später kann zum Beispiel auch die Kieferhöhle Ausgangspunkt der Infektion sein. Die Siebbeinzellen liegen im Knochen zwischen Nasenwurzel und innerem Augenwinkel. Eine Orbitaphlegmone entwickelt sich rasch zu einem dramatischen Notfall.
Symptome: Das betroffene Auge schmerzt stark und lässt sich kaum bewegen, es tritt deutlich hervor, die gesamte Umgebung des Auges / Lider sind stark geschwollen, die Bindehaut glasig geschwollen und gerötet. Es kommt zu Sehstörungen. Die Kinder wirken sehr krank und haben Fieber.
Achtung: Die seltenen Lid- und Orbitaphlegmonen treten in erster Linie bei Kleinkindern auf. Dank der heute meist rechtzeitig einsetzenden Behandlung sind Komplikationen selten. Die Impfung gegen Hämophilus-influenza-Typ b-Keime kann der gerade für Kleinkinder lebensgefährlichen Atemwegsinfektion mit diesem Erreger (und den damit ebenfalls verbundenen möglichen Komplikationen wie zum Beispiel eine Phlegmone im Augenbereich) nachhaltig vorbeugen.
Diagnose und Therapie: Umgehend in der Augenklinik bildgebendes Verfahren, etwa Magnetresonanztomografie (MRT) zur Untersuchung der Augenhöhle und auch des Ursprungsortes der Entzündung, also etwa der Siebbeinzellen; intensive Antibiotika-Gabe, eventuell notfallmäßige Operation.

- - Gerstenkorn: Dahinter steckt eine akute bakterielle Entzündung der Meibom-Drüsen im Lid oder der Talgdrüsen unmittelbar am Lidrand, im Bereich der Wimpern. Sie wird durch Keime namens Staphylokokken ausgelöst. Wenn ein immer wieder auftritt, sollte ein Diabetes (Diabetes mellitus Typ 1, Diabetes mellitus Typ 2) ausgeschlossen werden.
Symptome: Nicht nur die entzündete Stelle, die sehr druckschmerzhaft und gerötet ist und oft auch einen Eiterpunkt entwickelt, sondern das gesamte Lid kann geschwollen sein. Gerstenkörner gibt es sowohl am Ober- als auch Unterlid.
Mögliche Komplikationen: eitrige Einschmelzung der Lidhaut (Abszess, abgegrenzt oder abgekapselt) oder eine flächig-einschmelzende Entzündung (Phlegmone des Lides siehe weiter oben;
ausführliche Informationen im Ratgeber „Gerstenkorn (Hordeolum)“).

- - Hagelkorn: Das chronische Krankheitsbild entsteht, wenn Drüsengänge von Talgdrüsen im Lid (Meibom-Drüsen) oder am Lidrand (Zeis-Drüsen) verstopft sind. In der Folge staut sich das Sekret, und es entsteht sich ein festes Gebilde. Das umliegende Gewebe entzündet sich anhaltend. Die Entzündung ist nicht bakteriell bedingt. Mediziner sprechen von einer granulomatösen Entzündung. Dabei bilden bestimmte Entzündungszellen kleine Knötchen. Es gibt verschiedene Ursachen. Dabei kommen unter anderem auch Stpffwechselerkrankungen wie ein Diabetes mellitus oder gar ein Gerstenkorn infrage, seltener ein Lidtumor (siehe weiter unten).
Symptome: Es kommt zu einem in der Regel schmerzlosen, etwa trauben- oder kirschkerngroßen derben Knoten am Lid, der sich mit sanftem Fingerdruck nicht verschieben lässt. Der erkrankte Bereich kann auch gerötet und geschwollen sein.
Diagnose und Therapie: In erster Linie ist der Augenarzt zuständig, gegebenenfalls in enger Abstimmung mit einem Hautarzt. Sehr kleine Hagelkörner können sich teilweise von selbst zurückbilden. Auch örtliche Behandlungsmaßnahmen können helfen, etwa entzündungshemmende Augenmittel, Wärmeanwendung wie Rotlicht, feucht-warme Kompressen auf den geschlosssenen Lidern. Wenn ein Hagelkorn zu groß ist beziehungsweise die konservativen Maßnahmen nicht helfen, wird es unter Schonung der Lidkante operativ entfernt. Außerdem ist bei der Therapie eine mögliche andere Augenerkrankung oder Grunderkrankung zu berücksichtigen (ausführliche Informationen im Ratgeber „Hagelkorn (Chalazion)“).


Pflegetipps für die Lider

Feucht-warme Kompressen für mehrere Minuten auf die geschlossenen Augenlider auflegen. Dadurch kann sich zähes Drüsensekret verflüssigen und durch vorsichtige Massage zu den Wimpern hin leichter herauspressen. Dabei sehr hygienisch vorgehen. Vielfach wird vorsichtiges Lösen der Schuppen und Reinigen des Lidrandes mittels eines mit lauwarmem Wasser, Paraffinöl oder Olivenöl getränkten Watteträgers empfohlen. Olivenöl wirkt offenbar entzündungshemmend. Möglicherweise stabilisieren Bestandteile wie Vitamin E und einfach ungesättigte Fettsäuren die „Barrierefunktion“ der Haut. Watteträger stets nur einmal pro Anwendungsstelle benutzen.

Äußere Umgebungsfaktoren (Reize wie trockene Luft, Rauch oder Staub) oder ein trockenes Auge begünstigen ebenfalls Lid(rand)entzündungen. Rauchen ist nicht nur für die Augen, sondern bekanntlich generell gesundheitsschädlich. Daher ist ein Rauchstop immer einen Versuch wert. Die Raumluft sollte angenehm befeuchtet, die Wohn- und Arbeitsräume staubarm gehalten werden, Einhalten der Arbeitsschutzbedingungen muss die Regel sein. Trockene Augen unbedingt rechtzeitig vom Augenarzt behandeln lassen.


- Viren als Auslöser

- - Herpes simplex: Herpes-simplex-Viren gedeihen auf Schleimhäuten. Lippenherpes (Lippenbläschen) gehören zu den häufigsten Infektionen mit Herpes-Viren; er wird überwiegend durch die Herpesart HSV-1 verursacht. Der erste Kontakt findet schon sehr früh im Leben statt, nämlich als umsorgter und liebkoster Säugling. Die Infektion geschieht entweder unbemerkt oder äußert sich als schmerz- und fieberhafte Infektion im Mund (Aphthen, Gingivostomatitis herpetica, Mundfäule). Auch die weniger geläufige Herpes-Infektion am Augenlid – die Herpes-simplex-Blepharitis (oder Blepharokonjunktivitis, falls die Bindehaut mitbetroffen ist) – spielt sich im Rahmen einer Herpes-Erstinfektion und insofern meist im Kindesalter ab. Über Handkontakt mit den hochinfektiösen Bläschen können die Viren außen ans Auge geraten und dort die entzündlichen Bläschen  verursachen. Wie alle Herpes-Viren überdauert Herpes-simplex nach der Erstinfektion im Körper: Das Virus nistet sich in sensiblen Nervenzellen in der Nähe des Infektionsortes ein (Latenz). Bei Stress, unter Sonnenbestrahlung, veränderter Hormonlage oder Schwächung des Immunsystems kann es wieder aktiv werden und hangelt sich am Nerv entlang wieder zum ursprünglichen „Tatort“ zurück. Im Falle der Augen ist dann aber vor allem die Hornhaut betroffen (gefürchtete Herpes-Hornhautentzündung = Herpes-Keratitis).

Symptome der Lid(- und Bindehaut-)infektion: Am leicht geschwollenen Lidrand zeigen sich flüssigkeitsgefüllte Bläschen. Häufig ist auch die Bindehaut ist gerötet und geschwollen. Nahe gelegene Lymphknoten vor dem Ohr können vorübergehend anschwellen. Die Entzündung heilt unter der Therapie mit einem Virostatikum (Augensalbe und innerlich) in wenigen Tagen aus. Wichtig: Bei einer Lidschwellung im Zusammenhang mit Herpes immer zum Augenarzt (ausführliche Informationen zum Beispiel im Ratgeber "Herpes labialis (Lippenherpes)").


- - Herpes zoster im Gesicht: Die auch Gesichtsrose genannte Erkrankung wird durch das Windpocken-Virus (Varizella-Zoster-Virus) ausgelöst. Sie gilt  als Komplikation der „normalen“ Gürtelrose am Rumpf (zoster, gr., gürtelförmig). Herpes zoster ist eine Haut- und Nervenerkrankung. Die eigentliche Infektion spielt sich in der Regel als Windpockenerkrankung in der Kindheit ab. Danach sind die Betroffenen gegen eine Neuinfektion geschützt. Allerdings kann das Immunsystem nicht verhindern, dass dasselbe Virus zu einem späteren Zeitpunkt wieder aktiv wird. Denn auch das Herpes-Zoster-Virus überlebt in nicht infektiöser Form im Körper. Es überdauert in sensiblen Nervenknoten am Rückenmark, wo es in eine Art Schlummer oder „Latenz“ verfällt. Durch begünstigende Faktoren, etwa im höheren Lebensalter oder bei Immunschwäche, kann der Erreger nach vielen Jahren wieder aktiv werden. In der Regel ist das bei gesunden Erwachsenen aber nur ein einmaliges Ereignis. Ein gegen Windpocken nicht immuner Mensch kann an Windpocken erkranken, wenn er direkt mit dem Sekret in Berührung kommt und das Virus aufnimmt. Die „Rose“ selbst entsteht immer nur durch Aktivierung der seinerzeit akquirierten Windpocken-Viren. Sie ist also keine Neuinfektion.
Symptome: Es treten heftige, neuralgieähnliche, einschießende Schmerzen im Versorgungsgebiet (Hautsegment, Dermatom) des betroffenen Nervs (Trigeminus- oder Drillings-Nerv) auf einer Seite im Gesicht auf. Ist das erste Astgebiet betroffen, zeigen sich die Symptome an der Stirn- und angrenzenden Kopfhaut, am Oberlid, an den Augenbrauen und am Nasenflügel. Im Falle des zweiten Astgebietes handelt es sich um das Unterlid, die Wange und die Oberlippe. Drei bis vier (jedenfalls weniger als sieben) Tage nach Schmerzbeginn treten gruppierte Knötchen auf, die schnell zu klaren Bläschen werden. Der hochinfektiöse Inhalt trübt sich dann gelblich ein, schließlich trocknen die Bläschen aus und verkrusten innerhalb von sieben bis zehn Tagen. Ansteckung besteht, solange Bläschen vorhanden sind. Im Verlauf der Zoster-Erkrankung, manchmal auch schon vorher, treten Allgemeinsymptome wie Müdigkeit, Kribbeln, Abgeschlagenheit und Fieber auf. Außerdem kann es im Vorfeld zu Schmerzen in bestimmten Körperbereichen kommen, etwa im Nacken. Die Zosterinfektion des Augenlides kann auf die Hornhaut und Regenbogenhaut übergreifen (Zoster opthalmicus) und das Sehvermögen gefährden, wenn sie nicht rechtzeitig behandelt wird. Wenn einen Monat nach Abklingen der Hauterscheinungen weiterhin Schmerzen im betroffenen Gesichtsbereich bestehen, sprechen Ärzte von einer postzosterischen Neuralgie. Die Schmerzen können mitunter lange, sogar über mehrere Jahre, anhalten.
Therapie: Eine frühzeitig einsetzende virostatische Therapie (Infusion) ist bei Zoster im Gesicht wegen der Gefahr weiterer Komplikationen immer notwendig. Sie kann die Heilung beschleunigen und das Risiko der Zosterneuralgie senken (ausführliche Informationen im Ratgeber „Herpes zoster“).

- - Dellwarzen (Mollusca contagiosa): Auslöser sind bestimmte Viren sogenannte humane Papilloma-Viren). Dellwarzen kommen bei Kindern häufig im Lidbereich vor, dazu im Nacken, an Armen und Händen vor.
Symptome: Es bilden sich millimetergroße, weißliche,schmerzlose Knötchen mit zentraler Delle. Die Knötchen sind sehr ansteckend, die Viren werden leicht über direkten Hautkontakt oder eine Schmierinfektion, zum Beispiel infizierte Gegenstände wie Kleidung oder Handtücher weitergereicht. Am Auge kann es begleitend zu einer Bindehautentzündung kommen (ausführliche Informationen im Ratgeber „Dellwarzen“).


Entzündungen der Tränendrüse und Tränenwege, veränderte Tränenflüssigkeit, Tränenwegsverschluss bei Säuglingen


Kurz etwas Anatomie vorweg: Die große Tränendrüse liegt zum Teil seitlich oben in der Augenhöhle, zum Teil im Oberlid. Die Tränen fließen in den seitlichen oberen Bindehautsack – die Umschlagsfalte der Bindehaut unter dem Oberlid. Dort befinden sich noch weitere Tränendrüsen. Der Lidschlag verteilt die Tränenflüssigkeit über der Hornhaut. Sie werden bis zum inneren Lidwinkel gespült, wo sie über die Tränenpünktchen am Ober- und Unterlid und die ableitenden Tränenkanälchen in den tatsächlichen Tränensack gelangen. Er liegt innen unter dem Nasenflügel. Nun ist der Weg der Tränen in die Nase nur noch kurz.

- Tränendrüsenentzündung: Dakryoadenitis heißt die Entzündung der Tränendrüse. Sie tritt weitaus seltener als die Tränensackentzündung und meist einseitig auf. Es gibt akute und chronische Formen. Zur akuten Entzündung kommt es vor allem im Rahmen bestimmter Virusinfektionen wie Mumps, Grippe oder infektiöse Mononukleose (Morbus Pfeiffer). Mitunter sind auch Bakterien die Auslöser, etwa Streptokokken und Staphylokokken, die selten auch einen Abszess in Gang setzen können.
Eine chronische Tränendrüsenentzündung beruht zum Beispiel auf speziellen Infektionen, etwa einer Tuberkulose, oder auf Erkrankungen wie eine Sarkoidose, eine Leukämie oder Lymphknotenererkrankung
Symptome:
- Akut: Das Oberlid ist schläfenseitig geschwollen und tritt bei mäßiger Schwellung auch nur in diesem Bereich tiefer, weshalb Ärzte in diesem Fall von der „Paragrafenform“ sprechen. Es ist spontan und bei sanftem Druck schmerzhaft und auch gerötet.
- Chronisch: Die Schwellung der Tränendrüse entwickelt sich hier langsam, ist schmerzlos und betrifft ein oder beide Augen. Der Augapfel ist meist nach innen unten verlagert, was eine krankhafte Veränderung der Augenhöhle vortäuschen kann.
- Chronische Sonderformen: Neben einer schmerzlosen chronischen Schwellung beider Tränendrüsen können bei manchen Patienten auch die Ohrspeicheldrüsen anschwellen. Diese Symptome können zum Formenkreis des Sjögren-Syndroms passen (ausführliche Informationen im Ratgeber “Sjögren-Syndrom“). Neben Lidschwellungen gehört hier ausgeprägte Mundtrockenheit zu den Leitsymptomen. Ursachen sind zum Beispiel Bluterkrankungen wie die chronisch lymphatische Leukämie, Hodgkin-Lymphome oder eine Sarkoidose. Letzteres wiederum ist eine Systemerkrankung, die mehrere Organe erfasst (ausführliche Informationen im Ratgeber “Sarkoidose (Morbus Boeck)“.)
Die Kombination aus chronischer Tränendrüsenentzündung, Uveitis beider Augen – eine Uveitis betrifft mittlere Augenanteile, unter anderem die Regenbogenhaut –, Speicheldrüsenentzündung auf beiden Seiten und Gesichtslähmung kennzeichnen das Heerfordt-Syndrom. Auch hier kann eine Sarkoidose zugrundeliegen.
Diagnose: Eine geschwollene Tränendrüse kann der Augenarzt anteilig bei der Untersuchung des Auges erkennen. Weitere Maßnahmen, die entweder auf das Auge selbst oder die Abklärung einer Allgemeinerkrankung abzielen, hängen von der jeweiligen Verdachtsdiagnose ab.
Therapie: Sie richtet sich nach der Ursache. Bei einer akuten Entzündung im Rahmen einer Virusinfektion können feuchte warme Umschläge und entzündungshemmende Mittel hilfreich sein. Bei einer bakteriellen Infektion setzt der Arzt Antibiotika ein. Ansonsten richtet sich die Therapie nach der möglichen Grunderkrankung (siehe angegebene Textlinks). Zum Abszess siehe nachfolgend.

- Tränensackentzündung: Ein Stau im Tränensack begünstigt die Keimbesiedelung (häufiger bei älteren Menschen). In der Folge entzündet sich der Tränensack oder der Gang akut (Dakryozystitis).
Symptome: Die Umgebung des Tränensacks (was nicht dasselbe ist wie das Unterlid!) unterhalb des Lidbändchens – der kleinen, im Augenwinkel sichtbaren Falte – ist schmerzhaft geschwollen und gerötet. Ins Auge kann Eiter austreten, das Auge ebenfalls gerötet sein. Wenn das umgebende Gewebe sich entzündet (Dakryophlegmone), schwellen auch die Lider an, möglicherweise sogar auf der Gegenseite.
Im weiteren Verlauf ist auch ein Abszess möglich, was der Arzt durch rechtzeitige Behandlung natürlich möglichst zu vermeiden sucht.
Therapie: Dabei werden testgerecht Antibiotika und desinfizierende feuchte Umschläge eingesetzt. Bei chronischer Entzündung des Tränensacks ist dieser oft oberhalb einer engen Stelle erweitert. Gegebenenfalls muss ein kleiner, umleitender Eingriff durchgeführt werden, um den Tränensack zu entlasten. Ein Abszess wird eröffnet und zusätzlich antibiotisch behandelt.

- Tränenwegsverschluss bei Säuglingen: Normalerweise wird der Tränennasengang, der normale Abflussweg der Tränen, nach der Geburt beim Säugling von selbst durchgängig. Manchmal bleibt er jedoch durch ein Häutchen verschlossen (angeborene Tränenwegstenose).
Symptome: Dann stauen sich in den ersten Lebenswochen Sekrete in dem Bereich, es kommt zu Tränenträufeln und Eiter im geschwollenen Lidwinkel, die umgebende Haut ist etwas gerötet. Schlimmstenfalls kann sich eine Tränensackentzündung mit Abszess oder Entzündung des umgebenden Gewebes (Phlegmone; sie jeweils weiter oben) entwickeln.
Therapie: Der Arzt wird zunächst versuchen, das Häutchen durch sanften Druck auf den Tränenwinkel zu sprengen. Er wird den Eltern zeigen, wie sie die sanft, aber gezielt ausstreichenden Bewegungen hin zur Nase selbst mehrmals täglich durchführen können. Zusätzlich kann der Arzt bestimmte Augentropfen verordnen. Wirkt die Therapie nicht, kann er den Tränenabfluss durch einen kleinen Eingriff mit einer Sonde öffnen. Über den passenden Zeitpunkt der Intervention und ob eine Kurznarkose empfehlenswert ist, werden der Kinder- und Augenarzt beraten. Allgemein lautet die Empfehlung, nicht bis zum ersten Lebensjahr abzuwarten, ob der Kanal sich öffnet, weil es durch wiederholte Entzündungen zu Verklebungen kommen kann.


Nicht entzündliche Lidschwellungen


Lidgeschwülste (Tumoren)

Der Begriff „Tumor“ bedeutet eigentlich Schwellung eines Gewebes oder Organteiles. Er sagt nichts darüber aus, ob es sich um eine gut- oder bösartige Veränderung oder Geschwulst handelt. Dennoch wird er inzwischen oft gleichbedeutend mit Krebs gebraucht. Am Augenlid kommen zahlreiche Geschwulstformen vor – gut- und bösartige.

Steckbrief gutartige Geschwülste

- Xanthelasma: Gelbliche, flache fetthaltige Plaque am inneren Lidwinkel, Oberlid oder Unterlid; teilweise Ausdruck von Fettstoffwechselstörungen, was der Hausarzt anhand einer Blutanalyse abklären kann (wichtig wegen Vorbeugung möglicher Herz-Kreislauf-Krankheiten). Therapie: Entfernung (laserchirurgisch oder operativ), dadurch auch kosmetisch zufriedenstellende Lidstraffung möglich.

- Neurofibrom: Bindegewebsgeschwulst, die einzeln oder im Zusammenhang mit einer Neurofibromatose Recklinghausen vorkommt. Diese kann das gesamte Gesicht und andere Körperpartien mit zahllosen gestielten Hauttumoren einnehmen.

- Seborrhoische Hyperkeratose: Warzenähnliche, oberflächlich gelegene Geschwulst des Lides, meist im höheren Lebensalter, gefördert durch Lichtexposition.
Symptome: häufig gestieltes, flaches Gebilde mit schuppender Oberfläche und bräunlicher Farbe.

- Keratoakanthom: Der zentral verhornende Hauttumor wächst recht schnell. Da er einem Basalzellkarzinom ähnelt, muss er meist entfernt feingeweblich eingehend untersucht werden, es sei denn, er bildet sich absehbar von selbst zurück.

- Zysten (Retentionszysten): Meist abgekapselte, sackförmige Höhlen unterschiedlichen Inhalts im Gewebe. An den Lidern, vor allem den Lidkanten, gibt es zum Beispiel unter der Haut gelegene Schweißdrüsenzysten. Da sie die Lidfunktionen stören können, ist es in der Regel angebracht, das Gebilde zu entfernen.

Therapie: Jeweils Entfernung der Schwellung beziehungsweise Geschwulst mittels unterschiedlicher, möglichst behutsam-sparsamer Schnitttechniken und feingewebliche Untersuchung des entfernten Gewebes (insbesondere bei „verdächtigen“ Veränderungen, hier kein Laser; bei Neurofibromatose Recklinghausen Eingriffe am Lid wenigstens teilweise zwecks funktioneller und ästhetischer Korrektur). Dabei wird so vorgegangen, dass idealerweise keine Narbe und keine Lidverlagerung entsteht. Je nach Befund regelmäßige Kontrollen beim Hautarzt.

Steckbrief bösartige Geschwülste

- Lymphom: Beginnt manchmal als Lidschwellung, eventuell mit Herabhängen des Lides. Auch eine veränderte Stellung und eingeschränkte Beweglöichkeit des Augapfels kann auftreten. In der Folge sind Schmerzen und Doppelbilder möglich. Ob das Gewebe bösartig ist, ergibt sich aus einer Gewebeprobe.
Selten kommen Lymphome mit unterschiedlich ausgeprägter Bösartigkeit auch in der Tränendrüse vor. Etwas häufiger finden sich dort sogenannte adenozystische Karzinome. Die weitere Diagnostik und Behandlung übernimmt ein Facharzt für innere Medizin beziehungsweise Krebsmedizin (internistische Onkologie / Hämatologie).

- Basalzellkarzinom (Basaliom): Dieser häufigste bösartige Lidtumor tritt in vielfältigen Formen auf, meist am Unterlid. Der Tumor bildet ganz überwiegend keine Metastasen, kann aber wachsen und die nähere, auch knöcherne Umgebung zerstören. Am inneren Lidwinkel können diese Tumoren recht rasch in den Tränensack und die Nebenhöhlen vordringen.
Symptome: Geschwulst mit aufgeworfenem Rand und kleinem Krater in der Mitte, dort auch oft blutend. Die übrige Oberfläche wirkt glänzend, zeigt eine feine Gefäßzeichnung, ist manchmal auch bräunlich verfärbt. Manche Basaliome wachsen eher flach und rasch recht tief.
Therapie: Vollständige chirurgische Entfernung, nach Möglichkeit mit gesundem Geweberand(mikroskopisch kontrollierte Chirurgie). Kosmetisch ungünstige Gewebedefekte lassen sich mit Hilfe plastisch-chirurgischer Maßnahmen decken. Daneben gibt es verschiedene, auch dem Alter des Patienten angepasste Behandlungsalternativen, etwa Kälteverödung (Kryotherapie), photodynamische Therapie und örtliche Behandlungen mit bestimmten Substanzen. In den ersten drei Jahren nach der Therapie sollte jährlich eine Kontrolluntersuchung beim Hautarzt stattfinden (ausführliche Informationen im Ratgeber „Basaliom (Heller Hautkrebs)“).

- Plattenpithelkarzinom (Spinaliom): Flächige oder erhabene Schwellung mit „unruhiger“ Oberfläche (Verhornung, Geschwür- oder Krustenbildung). Risikofaktor: langjährige Sonnenbestrahlung, höheres Lebensalter. Vorstufe ist die aktinische Keratose. Hier sind die bösartigen Zellen noch auf die Oberhaut beschränkt. Therapie nach Diagnosesicherung mit Dematoskop (Lupenbetrachtung mithilfe einer Lichtquelle) und feingeweblich: in erster Instanz chirurgisch. In fortgeschrittenen Stadien kommen eine Chemo- oder Immuntherapie infrage. Für die Therapie der Vorstufe (aktinische Keratose) stehen zahlreiche Verfahren zur Verfügung (ausführliche Informationen im Ratgeber „Aktinische Keratose (solare Keratose, aktinische Präkanzerose)“).

- Malignes Melanom: Am Lid selten. Pigmentierte (dunkle Verfärbung) oder nicht pigmentierte (haut- oder fleischfarbene) Hautveränderung (ausführliche Informationen im Ratgeber „Malignes Melanom (Schwarzer Hautkrebs)“).

Therapie (Basaliom, Spinaliom, Malignes Melanom): Entsprechend den  Behandlungsleitlinien (siehe beispielsweise Kurzleitlinie Malignes Melanom, Arbeitsgemeinschaft Dermatologische Onkologie (ADO), unter „Fachliteratur“ am Ende des Beitrages).

! Achtung: Hinter einer Lid(rand)schwellung, auch einem Hagelkorn, kann sich eventuell eine bösartige Geschwulst verbergen, auch wenn dies insgesamt eher selten ist. Sicherheitshalber grundsätzlich immer damit zum Arzt gehen, auch wenn das Gebilde schmerzlos ist.


Lidschwellungen bei inneren Erkrankungen


Hautschwellungen (Ödeme) können örtlich, also zum Beispiel an den Lidern, im gesamten Gesicht oder anderen Körperpartien, etwa an den Gliedmaßen, auftreten. Zahlreiche Krankheiten und Störungen kommen als Auslöser infrage. Bei systemischen Krankheiten sind in der Regel beide Lider geschwollen. Ob die jeweiligen Krankheitsvorgänge entzündlicher oder nicht entzündlicher Art sind, entscheidet mit darüber, ob die Ödeme reizlos sind oder mit weiteren Krankheitszeichen einhergehen.

- Melkersson-Rosenthal-Syndrom: Im Zusammenhang mit einem Morbus Crohn, einer bestimmten, chronisch-entzündlichen Darmerkrankung, oder auch einer Sarkoidose kann mitunter ein Melkersson-Rosenthal-Syndrom auftreten.
Symptome sind eine verstärkt gefurchte Zunge (Lingua plicata), attackenartige Schwellungen der Lippen durch vergrößerte Lippenspeicheldrüsen und des Gesichts, und dabei auch der Lider, Wangen oder Stirn (Fachbegriff: orofaciale Granulomatose, was die zugrundeliegende Entzündungsform beschreibt). Manchmal kommt es auch zu anfallsartigen ein- oder beidseitigen Lähmungen des Gesichtsnervs, wenn dieser an der Durchtrittsstelle durch den Schädelknochen anschwillt. Das Krankheitsbild klingt häufig spontan ab, kann allerdings wiederkehren. Die Gesichtslähmungen oder Störungen anderer Hirnnerven können im Verlauf in unterschiedlich ausgeprägter Form vorhanden sein oder bestehen bleiben.

Die Therapie setzt eine genaue Diagnose voraus. Hierzu können umfassende Untersuchungen, unter anderem feingewebliche Analysen von entnommenen Gewebeproben (aus dem Darm, aus geschwollenem Gewebe im Gesichtsbereich) notwendig sein. Ärzte setzen verschiedene Medikamente ein, ohne dazu jeweils dass gesicherte Studienergebnisse vorlägen. Im Einzelfall können Injektionen von Kortison in die geschwollenen Areale hilfreich sein.

- Basedow-Krankheit der Schilddrüse / endokrine Orbitopathie: Autoimmunbedingte Überfunktion der Schilddrüse, mit und ohne Kropf. Die Überfunktion entsteht durch körpereigene Immunstoffe (Autoantikörper) gegen den Ansatzpunkt eines zentralen Hormons im Regelkreis der Schilddrüse, den TSH-Rezeptor. Diesen Ansatzpunkt nutzt normalerweise das Hormon TSH aus der Hirnanhangsdrüse, um die Schilddrüse zur Hormonbildung anzuregen. Die krankhaft gebildeten Autoantikörper wirken genauso. Wichtige Symptome betreffen bei dieser Schilddrüsenkrankheit gerade auch die Augen (das beinhaltet der Name Orbitopathie; endokrin bezieht sich auf die hormonelle Störung). Symptome an den Augen: Schwellungen der Augenumgebung einschließlich der Lider und des Bindegewebes der Augenhöhle, eventuell Myxödem mit teigiger Schwellung an den Unterschenkeln; die Augäpfel treten hervor, die Augenbindehaut kann sich entzünden (ausführliche Informationen im Ratgeber “Morbus Basedow (Basedowsche Erkrankung“)).
 
- Schilddrüsenunterfunktion (Hypothyreose): Auch eine ausgeprägte Schilddrüsenunterfunktion kann unter anderem zum Myxödem, also teigigen Schwellungen des Bindegewebes unter der Haut an Armen, Beinen und im Gesicht, verquollenen Augen (Lidödeme) und verdickter, trockener und kühler Haut führen. Verschiedene geistige und körperliche Funktionen sind bei Schilddrüsenunterfunktion verlangsamt (ausführliche Informationen im Ratgeber “Schilddrüsenunterfunktion (Hypothyreose“)).

- Herzschwäche: Beinödeme, Lidschwellungen hauptsächlich morgens (ausführliche Informationen im Ratgeber “Herzschwäche (Herzinsuffizienz“).)

- Nierenerkrankungen, zum Beispiel Glomerulonephritis (Entzündung der Nierenkörperchen), Nierenschwäche: Schwellungen der Oberlider und des Gesichtes.

- Zu wenig Natrium (ein Blutsalz) oder Eiweißmangel sind weitere mögliche Ursachen für Schwellungen und in der Regel mit ernsteren Krankheitstbildern verbunden Dabei kann das eigentliche Problem zum Beispiel in einer Lebererkrankung wie Leberzirrhose liegen. Allerdings gibt es noch weitere Ursachen für einen Natrium- wie auch Eiweißmangel. Bei Letzterem spielt vor allem das Albumin eine Rolle, das für die Flüssigkeitsverteilung im Körper bedeutsam ist. Neben den schon genannten Nierenerkrankungen sind das zum Beispiel eine ausgeprägte Mangelernährung, Verbrennungen, verschiedene schwere Krankheitsbilder, unter anderem ein ARDS (Adult Respiratory Disstress Syndrome), und in normalerweise geringerem Ausmaß eine Schwangerschaft (siehe weiter unten).

Die genannten Krankheiten oder Störungen gehen meist mit weiteren, mehr oder weniger typischen Beschwerden einher. Diese hängen zudem von der speziellen Ursache im Einzelfall ab.

- Angioödem: Nicht allergisch – oder doch? Angioödem heißt die Erkrankung, weil Blutgefäße in der Tiefe der Haut plötzlich durchlässig werden. Wie durch einen Filter treten große Mengen Flüssigkeit aus dem Blut in die Umgebung über. Dabei spielt ein körpereigener Stoff namens Bradykinin eine zentrale Rolle. Dabei kommt es zu einer wiederholt und unvorhersehbar auftretenden, heftigen Hautreaktion mit monströser Schwellung der Lider und des Gesichts, vor allem der Lippen. Die geschwollene Gesichtshaut ist schmerzhaft gespannt, blass, juckt aber nicht. Auch ist die Haut nicht gerötet und zeigt keine Quaddeln (vgl. weiter unten: Urikaria). Nach wenigen Tagen bildet sich das Ödem zurück. Bei den Attacken, die in monatlichem oder sogar wöchentlichem Abstand, in jedem Fall völlig unvorhersehbar auftreten, sind jedoch auch heftige Bauchschmerzen möglich, falls auch der Verdauungstrakt betroffen ist. Shöchst schmerzhafte Bauchschmerzanfälle können den Ödemattacken auch Jahre vorausgehen. Selbst Hände, Füße, Harnwege und Genitalien bleiben mitunter nicht verschont.  Gefährliche Verläufe eines Angioödems sind nicht auszuschließen, etwa wenn auch Zunge und Kehlkopf mitreagieren oder ein erheblicher Flüssigkeitsverlust über den Darm einsetzt. Die Stimmbänder im Kehlkopf bilden die Stimmritze (Glottis). Schwillt nun die Zunge an oder die Glottis zu (Glottisödem), tritt erhebliche Atemnot auf, es besteht Lebensgefahr durch Ersticken. Warnsymptome: Engegefühl im Hals, veränderte Stimme, beginnende ziehende Atemnot.

Das erbliche Angioödem (hereditäre Angioödem, HAE) ist eine sehr seltene Variante; es beruht auf verschiedenen Gendefekten, von denen derzeit zwei bekannt sind, und es geht mit einer Störung oder einem Mangel eines bestimmten Eiweißes (C1-Esterase-Inhibitor-, INH) einher. Dieses Enzym ist genau in denjenigen Körpersystemen aktiv, wo auch das zuvor erwähnte Bradykinin wirkt. Zur Behandlung stehen in Deutschland fünf verschiedene Medikamente zur Verfügung. Jeder Patient mit HAE durch INH-Mangel sollte mit einem Notfallausweis und einem Notfallmedikament ausgestattet sein. Am besten werden betroffene Patienten, auch Schwangere, Patienten in einem HAE-Behandlungszentrum mibetreut.

Bradykinin spielt außerdem bei Angioödemattacken eine Rolle, die durch ACE-Hemmer ausgelöst werden, bei physikalischen Reizen wie Kälte oder Vibrationen, Infektionen, operative Eingriffe, hormonelle Veränderungen, Anwendung östrogenhaltiger Verhütungsmittel, schließlich auch bei Angioödemen unklarer Ursache. Die Verwechslungsgefahr mit Allergien ist stets groß, jedoch sind die genannten Formen des Angioödems nicht allergisch bedingt. Daher nützen hier auch Antihistaminika nichts.

Anders verhält es sich mit Angioödemen, die bei einer Nesselsucht (Urtikaria) auftreten. Diese ist mit starkem Juckreiz verbunden und betrifft, ebenfalls anders als das Angioödem, mehr oberflächliche Hautschichten und nicht die Schleimhäute. In der Regel handelt es sich um eine sogenannte Mastzell- oder Basophilenzell-vermittelte Reaktion, bei der das Gewebshormon Histamin frei wird. Daneben gibt es noch weitere, ähnliche Mechanismen. Hier sind in aller Regel allergische oder Unverträglichkeits-Reaktionen vorrangig im Spiel. Verschiedene Auslöser können verantwortlich sein, darunter Medikamente, Infektionen, Nahrungsmittel, Insektengift.

- Allergische Reaktion / Anaphylaxie: Im Extremfall kann eine allergische Reaktion mit begleitendem „Angioödem“ (streng genommen entspricht es hier nicht der Definition) in einen allergischen Schock münden. Das heißt: Auch bei einer akuten allergischen Reaktion (Anaphylaxie, Notfall) können anfangs die Lider wie auch andere Partien des Gesichtes, insbesondere Lippen, dazu Mund und Zunge anschwellen. Der weitere Verlauf kann dann mit Symptomen wie Schwindel, Kopfschmerzen, Hautreaktionen (Rötung, Juckeiz, Quaddeln) Blutdruckabfall und Atemnot zu einem lebensbedrohlichen Atem- und Kreislaustillstand münden. Die Auslöser (Allergene) stammen nicht selten von Nahrungsmitteln wie Krustentiere, Fisch, Nüsse oder Erdnüsse. Naturlatex spielt ebenfalls eine Rolle. Sehr starkes Allergenpotenzial hat Insektengift.

Aber damit nicht genug: Obwohl es sich ähnlich äußert wie ein allergisches Angioödem: Ein pseudoallergisches Angioödem läuft anders ab, es wird nicht durch IgE-Antikörper vermittelt, dennoch kommt es zu Kettenreaktionen im Körper, bei denen etwa Mastzellen Histamin ausschütten. Beispiele: Angioödeme durch Acetylsalicylsäure, nichtsteroidale Antirheumatika und in die Blutbahn injiziertes Kontrastmittel.

Je nach Schweregrad kann die Reaktion von selbst wieder abklingen oder aber ziemlich schnell lebensbedrohlich werden. Warnzeichen: Asthma, Atemnot, Juckreiz, Hautausschlag, Unruhe, Kopfschmerzen, Übelkeit, Kreislaufkollaps: Notfall! Wer seine Insektengiftallergie kennt, sollte stets ein Insektenstich-Set mit vorbereiteter Adrenalinspritze zur Selbstinjektion bei sich haben. Das Set enthält außerdem weitere antiallergische Medikamente wie Kortison, ein Antihistaminikum und ein inhalierbares Betasympathomimetikum. Unbedingt dennoch immer den Arzt oder Notarzt hinzuziehen.

Überprüfen Sie in einem ruhigen Moment einmal jährlich die Haltbarkeit der Notfallmittel und ersetzen Sie sie bei Bedarf. Eine Immuntherapie, früher Desensibilisierung genannt, ist bei einigen Allergien, darunter solche auf Pollen, Hausstaubmilben, Tierhaare und Insektengift grundsätzlich möglich (siehe auch Ratgeber „Heuschnupfen, allergischer Schnupfen“). Dabei ist ein gewisses Anaphylaxie-Risiko nicht auszuschließen. Vor der Behandlung informiert der Arzt genau über die möglichen Risiken. Ganz wichtig sind Schulungen zum Umgang beziehungsweise Vermeiden des Allergens und zur Anwendung des Notfall-Sets. Allergiker, besonders wenn sie ein Anaphylaxie-Risiko haben, erhalten einen Allergiepass. Den sollten sie überall dabei haben.

- Einseitiges Ödem im Lid- und Gesichtsbereich: Bei einer nicht das Auge selbst betreffenden Erkrankung kommt eine einseitige Lidschwellung eher selten vor, abgesehen von Insektenstichen. Mgliche Ursache kann eine Schädigung im Zentralnervensystem sein, bei der die Nervenbahnen für die Gefäßmotorik (Vasomotion) auf einer Kopfseite mitbetroffen sind. Gesichtslähmungen (Fazialisparesen) können sich ungünstig auf den venösen Abfluss auswirken und dadurch ebenfalls zu örtlichen Schwellungen führen. Der Venenabfluss aus dem Kopfbereich kann möglicherweise auch einmal etwas tiefer, zum Beispiel in der Halsregion, liegen, und zu einer Schwellung auf der entsprechenden Seite führen. Das betrifft dann aber auch den Hals, es zeigt sich ein verdickter Venenstrang. Vor allem sind dann auch noch weitere Symptome zu erwarten. Mögliche Ursachen: zum Beispiel vergrößerte Lymphknoten oder Tumoren am Hals, am Kehlkopf oder im oberen Brustfellraum.


Lid- und Gesichtsödeme in der Schwangerschaft

In der Schwangerschaft ist der Anstieg des Flüssigkeitsvolumens im Körper ein normaler Vorgang, solange er durch eine gesteigerte Harnbildung einigermaßen kompensiert wird. Andernfalls bilden sich Schwellungen (Ödeme). Ödem und Ödem ist aber nicht dasselbe. Schwellungen vor allem an den Beinen, besonders abends, sind in erster Linie eine Antwort auf hormonelle und mechanische Effekte. Steigende Hormonspiegel führen zu einem vermehrten Flüssigkeitsgehalt der Gewebe und zur Weitstellung der Beinvenen. Beides begünstigt Beinschwellungen. Die sich vergrößernde Gebärmutter vermindert den venösen Rückstrom des Blutes aus den Beinen in Richtung Herz. Dadurch können sich Krampfadern bilden, die ihrerseits Schwellungen und das Gefühl schwerer Beine bedingen. Die Schwellungen treten vor allem im letzten Schwangerschaftsdrittel auf.

Schwellungen in den Händen, im Gesicht einschließlich Lidern oder im Steißbeinbereich dagegen sind keine normalen schwangerschaftsbedingten Veränderungen. Vielmehr können sie auf eine sogenannte Schwangerschaftsvergiftung (Präeklampsie) hinweisen, wobei dies aber ein unsicheres Zeichen ist. Die Präeklampsie gehört zu den häufigsten Gründen für eine vorzeitige Entbindung. Schwangere über 40 Jahren und Frauen mit Erst- und Mehrlingsschwangerschaften sind vorrangig betroffen.

Verdächtig ist eine Gewichtszunahme ab einem Kilogramm pro Woche im letzten Schwangerschaftsdrittel oder ausgeprägte Schwellungen im Gesicht (Gesichtsödem). Bei dem Krankheitsbild, das ganz überwiegend nach der 20. Schwangerschaftswoche auftritt, kommt es zu Eiweißverlusten über die Nieren, oft auch zu Bluthochdruck.

Der Frauenarzt (Gynäkologe) wird zur Sicherheit auch außerhalb des normalen Kontrollrhythmus den Blutdruck, den Augenhintergrund (zuständig ist hier der Augenarzt), die Eiweißausscheidung im Harn überprüfen. Daneben gibt es verschiedene weitere Untersuchungsparameter, die auf die Entstehung einer Präeklampsie hinweisen und die Entscheidung für eine vorbeugende Therapie stützen können. Sie kommt für Frauen mit erhöhtem Präeklampsie-Risiko infrage und beinhaltet die Einnahme von Acetylsalicylsäure ab der Frühschwangerschaft bis etwa zur 34. Schwangerschaftswoche. Der betreuende Gynäkologe wird hier rechtzeitig die Weichen stellen.


Fachliteratur:

Grehn F: Augenheilkunde, 31. Auflage, Berlin Heidelberg Springer-Verlag, 2012

Kampik A, Grehn F: Augenärztliche Differenzialdiagnose, 2. Auflage, Stuttgart New York Georg Thieme Verlag 2008
Mattle H, Mumenthaler M: Neurologie, 13. Auflage, Stuttgart Thieme Verlag, 2013

Herold, Gerd und Mitarb.: Innere Medizin, 2014

Scully C: Cheilitis Granulomatosa Clinical Presentation, Online: http://emedicine.medscape.com/article/1075333-clinical (Abgerufen am 19.1.2015)
Leilinie „Angioödem“: Online: http://www.awmf.org/uploads/tx_szleitlinien/061-029l_S1_Heredit%C3%A4res_Angio%C3%B6dem_durch_C1-Inhibitor_Mangel_2012-03.pdf (Abgerufen am 19.1.2015)

Leitlinie „Malignes Melanom“ (DGO): Online: http://www.awmf.org/uploads/tx_szleitlinien/032-024k_S3_Melanom_Diagnostik_Therapie_Nachsorge_2013-02.pdf (Abgerufen am 19.2.2015)

Leitlinie „Diagnostik und Therapie hypertensiver Schwangerschaftserkrankungen“: Online: http://www.awmf.org/uploads/tx_szleitlinien/015-018l_S1_Diagnostik_Therapie_hypertensiver_
Schwangerschaftserkrankungen_2014-01.pdf (Abgerufen 19.1.2015)


Achtung: www.apotheken-umschau.de ist nicht verantwortlich und übernimmt keine Haftung für die Inhalte externer Internet-Seiten

 


Wichtiger Hinweis:
Dieser Artikel enthält nur allgemeine Informationen und darf nicht zur Selbstdiagnose oder -behandlung verwendet werden. Er kann einen Arztbesuch nicht ersetzen.

 




Bildnachweis: Thinkstock/iStockphoto

www.apotheken-umschau.de; aktualisiert am 20.01.2015,
Bildnachweis: Thinkstock/iStockphoto

Newsletter abonnieren

Hier können Sie unseren kostenlosen Newsletter abonnieren »

Bitte beachten Sie!

Dieses Informationsangebot ersetzt keinen Arztbesuch. Bei unklaren Beschwerden sollten Sie stets Ihren Arzt konsultieren. Lesen Sie hier mehr dazu »

Symptome-Finder

Zum Thema

Augen – stets gute Sicht

Das Sehvermögen ist vielleicht unser wichtigster Sinn. Doch es lässt im Alter oft nach. Zudem können es verschiedene Augenkrankheiten bedrohen. So steuern Sie gegen »

Augensymptome

Augenschmerzen

Augenschmerzen haben ihren Ursprung meistens im Auge selbst, seltener im Umfeld. Sie sind nicht immer von Kopfschmerzen zu unterscheiden und oft mit Sehstörungen verbunden »

Rotes (trockenes) Auge

Ein rotes Auge ist oft, aber nicht immer ein trockenes Auge. Eine wichtige Rolle spielen Bindehautentzündungen  »

Sehstörungen

Sehstörungen oder Minderung und Verlust der Sehkraft beruhen auf Erkrankungen der Augen oder anderer Organe. Überblick über die Ursachen  »

Experten-Rat

Experten-Sprechstunde: Themenübersicht

Kompaktes Expertenwissen in Fragen und Antworten »

Alle Symptome von A bis Z

Suchen Sie hier nach Symptomen und ihren Ursachen alphabetisch von A bis Z. Beachten Sie bitte auch den Hinweis rechts  »

© Wort & Bild Verlag Konradshöhe GmbH & Co. KG

Weitere Online-Angebote des Wort & Bild Verlages