Atemnot (Dyspnoe)

Atemnot ist das Gefühl erschwerten Atmens und von Luftnot (Dyspnoe). Hauptursachen: Atemwegs-, Lungen- und Herzkrankheiten

von Dr. med. Claudia Osthoff, aktualisiert am 17.02.2016

Bewährte Übung: Im Kutschersitz geht das Atmen leichter

W&B/Bernhard Huber

Frei strömende Atemluft gibt uns Zug um Zug frische Energie. Zwar geht das Atmen normalerweise ganz von alleine. Doch wir können die Luft auch sehr bewusst in einem weit gespannten Bogen in uns aufnehmen und sie gezielt einsetzen – etwa um uns selbst stärker zu spüren. Oder beim Singen und Tanzen. Und wer dabei über perfekte Atemtechniken verfügt, hat schon mal ganz gute Voraussetzungen, um es zu großer stimmlicher und körperlicher Ausdruckskraft zu bringen.

Das Gegenteil ist Luftnot (Dyspnoe), womit nicht etwa die Atemlosigkeit nach einer starken körperlichen Anstrengung gemeint ist, sondern jede nicht normale bis krankhafte Kurzatmigkeit. Dyspnoe kann den Betroffenen körperlich schwächen, auch seelisch stark belastend sein und muss im Notfall unverzüglich behandelt werden.


Kein Wunder: Atemnot macht häufig Angst

Manchmal legt sich die Luftknappheit wie ein Panzer um die Brust. Das macht natürlich Angst – im Extremfall Panik wegen Erstickungsangst. Angst allein genügt manchmal schon, um uns die Kehle zuzuschnüren. Neben Husten – mit und ohne Auswurf –, Bluthusten und Brustschmerzen gehört Atemnot zu den Leitsymptomen von Erkrankungen der Atemwege und Lungen.

Aber auch herzkranke Patienten empfinden oft Luftnot. Wenn das Herz zum Beispiel bei Herzschwäche nicht mehr genügend Blut in den großen Kreislauf pumpt, was unter anderem bei einem Herzinfarkt möglich ist, kann sich Flüssigkeit aus dem Blut in der Lunge stauen. Hört der Arzt die Lungen des Betroffenen mit dem Stethoskop ab, stellt er dann häufig krankhafte Atemgeräusche fest, etwa ein feinblasiges Knistern. Es können aber zunächst "gröbere" Atemgeräusche wie Pfeifen und Brummen, die eigentlich für Bronchialasthma typisch sind, dominieren. Daher kennen Ärzte im Zusammenhang mit einer Herzschwäche auch den Begriff Herzasthma (Asthma cardiale). Bei einem Herzinfarkt kann Atemnot auch mal das einzige Symptom sein.

Apropos Asthma: Wer damit im üblichen Sinne – also Asthma das von den Bronchien ausgehend – zu tun hat, spürt häufig einen Widerstand beim Atmen, insbesondere beim Durch- oder Ausatmen. Letzteres ist gerade für Bronchialasthma sehr typisch. Das Ausatmen kann hier auch hörbar erschwert und verlängert sein.

Ein ziehendes oder pfeifendes Geräusch beim Einatmen weist dagegen auf eine Verlegung der großen Atemwege, etwa der Luftröhre, hin. Eine solche Obstruktion kann innen in der Luftröhre oder durch Druck von außen entstehen: Beides sind Notfälle. Dazu gehört unter anderem das akute respiratorische Disstress-Syndrom (ARDS). Es kann sich entwickeln, wenn ein lungengesunder Mensch plötzlich eine Lungenschädigung mit starkem Sauerstoffmangel und Atemnot erleidet, zum Beispiel bei einer Lungenentzündung, durch eine Rauchgasvergiftung oder wenn Magensaft in die Atemwege gelangt ist.

Kurzatmig bei körperlicher Belastung, atemlos bei Stress?

Im Gegensatz zu diesen dramatischen Situationen ist Atemnot in gewisser Weise auch alltäglich. So sind Menschen mit großer Körperfülle, die sich zu wenig bewegen, aber auch schwangere Frauen am Ende der Schwangerschaft häufig etwas luftknapp.

Bei starkem Stress fühlen wir uns manchmal irgendwie atemlos. Das liegt an der in unseren Genen verankerten Reaktionsbereitschaft, die Puls und Atemfrequenz ansteigen lässt. Die gefühlte Atemlosigkeit ist hier einerseits der Ausdruck des Getriebenseins. Sie hat aber auch eine körperliche Entsprechung, denn viele von uns nehmen sich bei Stress buchstäblich keine Zeit mehr, um bewusst durchzuatmen. Sie tun das oberflächlich und dazu oft in ungünstiger Haltung. Den Atemfluss beschwingt das nicht gerade.

Insgesamt funktioniert das Atemsystem in diesen Situationen aber normal. Insofern kann der Arzt hinsichtlich der Atemfunktion Entwarnung geben. Wichtig wäre es allerdings, den Stress in den Griff zu bekommen, ebenso das Übergewicht und die schlappen Muskeln. Wer den Körper auf Trab bringt, schlägt gleich allen drei Übeln ein Schnippchen.

Normal ist auch das Hecheln nach Luft nach einer starken sportlichen Leistung. Viele kennen das: Bei Trainingsmangel reicht die Puste gerade mal für einen kurzen Sprint. Athleten dagegen haben nach einer Höchstleistung sogar oft noch etwas Luft für ein flottes Interview.

Atemnot gehört zu den häufigsten Symptomen überhaupt

Zu Luftknappheit kommt es bei Erkrankungen oder mechanischen Behinderungen der Atemwege, außerdem durch Störungen der Atemfunktion und Atemregulation (siehe Kapitel "Atmen ohne Not: Wie es uns atmet"). Allen voran spielen natürlich Krankheiten der Atemwege, der Lungen und des Rippenfells eine Rolle.

Bedeutsam sind außerdem Herz- und Gefäßerkrankungen mit Beeinträchtigung der Lungen. Es folgen Störungen des Gehirns, der Nerven und Muskeln beziehungsweise Atemmuskeln. Auch sogenannte Immun- und Systemerkrankungen können zu Atemnot führen, wenn atmungsaktives Gewebe Schaden nimmt.

Zudem beeinträchtigen Stoffwechselstörungen, Krankheiten des Blutes wie Blutarmut (Anämie) und solche des Skelettsystems, etwa Verformungen des Brustkorbs, die Atmung. Das gilt auch für allergische Reaktionen, Verletzungen wie etwa Rippenbrüche und Lungenveränderungen durch Vergiftungen oder Medikamente.

Probleme mit den Stimmbändern spielen ebenfalls eine Rolle, ebenso Schmerzen im Brustbereich. Diese können wiederum zahlreiche Ursachen haben. Dazu gehört auch das Krankheitsbild der Fibromyalgie mit chronischen Schmerzen und vielfältigen anderen Beschwerden, darunter Atemnot. Damit ist die Liste aber noch keineswegs zu Ende.

Denn Atemnot kann mitunter auch (unbewusster) Ausdruck einer tiefer liegenden seelischen Belastung sein. Auch hier ist professionelle Hilfe wichtig, etwa in Form einer Psychotherapie, damit sich das Problem nicht festsetzt.

Übersicht: Die wichtigsten Ursachen von Atemnot

  • Physiologische "Atemnot":

- Spätschwangerschaft
- Anstrengung (nicht zu verwechseln mit Anstrengungsasthma, siehe dazu Kapitel "Atemnot – Ursachen: Untere Atemwege, Abschnitt "Bronchien", Punkt "Asthma")

Kehlkopf:

- Pseudokrupp (subglottische Laryngitis); Epiglottitis

- Diphtherie ("echter Krupp")

- Akute Ödeme: Angioödem (früher: Quincke-Ödem) und Nesselsucht (Urtikaria)

- Stimmbandstörung (Vocal Cord Dysfunction, Laryngospasmus)

- Stimmbandlähmung; phonatorische Dyspnoe

  • Untere Atemwege (mehr wiederum im Kapitel "Atemnot – Ursachen: Untere Atemwege"):

Luftröhre:

- Verengung (Trachealstenose)

- Verlegung (zum Beispiel durch einen Fremdkörper: Aspiration)

Bronchien:

- Asthma

- Chronische (obstruktive) Bronchitis / chronisch obstruktive Lungenerkrankung (COPD)

- Bronchiektasen

- Mukoviszidose

- Bronchiolitis

- Lungenkrebs (Bronchialkarzinom) 

- Atelektase

- Lungenemphysem (Lungenüberblähung)

- Lungenentzündungen (Pneumonie) durch Infektionerreger

- Andere entzündliche Lungenerkrankungen wie Sarkoidose (Morbus Boeck) oder Pneumonitis bei Autoimmunkrankheiten, zum Beispiel Systemischer Lupus erythematodes (SLE) oder Gelenkrheuma (rheumatoide Arthritis)

- Lungentuberkulose (Tbc, Erstinfektion)

- Lungenfibrose, Staublungenkrankheit (Silikose, Asbesterkrankungen)

- BOOP-Syndrom

- Exogen-allergische Alveolitis

- Akutes Lungenversagen (ARDS)(eigentlich Brustfell oder Pleura; siehe Kapitel " Atemnot - Ursachen: Rippenfellerkrankungen")

- Lungenembolie

- Lungenhochdruck

- Lungenödem, Höhenlungenödem

- Rippenfellentzündung, Rippenfellerguss

- Pneumothorax

- Tumoren (Mesotheliom, Tochtergeschwülste bei anderen Krebserkrankungen)

- Herzinfarkt

-
Herzschwäche (siehe auch Lungenödem)

- Neuromuskuläre Erkrankungen

- Zwerchfellerkrankungen

- Verformung oder Versteifung des Brustkorbs (zum Beispiel Skoliose, Trichterbrust, Bechterew-Krankheit)

- Verletzungen des Brustkorbs (zum Beispiel Rippenbrüche)

- Blutarmut (Anämie)

- Gesteigerter Sauerstoffverbrauch: zum Beispiel bei Schilddrüsenüberfunktion (Hyperthyreose)

- Hyperventilationssyndrom

Was tun bei Atemnot?

Ganz klar: Bei plötzlicher Luftnot sollte man unverzüglich einen Arzt oder Notarzt (Rettungsdienst, Notruf 112) alarmieren. Häufig kennzeichnet Atemnot chronische Erkrankungen wie Asthma, obstruktive Bronchitis, Herzschwäche, und begleitet sie mehr oder weniger ständig, wechselnd stark. Dabei kann sie sich jederzeit akut verschlechtern.

Halten Sie sich an einen Notfallplan, den Sie genau für diesen Fall mit Ihrem Arzt festgelegt haben. Dazu gehört, auch das Notfallspray und andere Bedarfsmedikamente nach Plan einzusetzen. Bewahren Sie Ruhe, nehmen Sie eine Körperhaltung ein, die das Atmen erleichtert.

Spüren Sie keine Erleichterung, ist Ihr Arzt, ein Arzt im Bereitschaftsdienst oder ein Notarzt gefragt. Er wird prüfen, ob es ein Problem bei der Behandlung oder eine andere Ursache gibt, ob sich die Therapie eventuell umstellen lässt oder ob eine Klinikaufnahme angeraten ist. Oft bessert sich die Atemnot durch eine intensivierte Therapie und begleitende Maßnahmen wieder.

Vorbeugung und Selbsthilfe

Einiges kann man auch selbst dazu beitragen, um die Atemwege frei zu halten. Nahe liegend: Rauchverzicht. Auch ein normales Körpergewicht, regelmäßige körperliche Bewegung und Einnahme der verordneten Medikamente nach Plan statt "nach Gefühl", was insbesondere für Asthmamittel gilt, zählen.

Asthmakranke oder Patienten mit chronisch-obstruktiver Lungenerkrankung (COPD) können mit einem kleinen, handlichen Gerät namens Peakflowmeter ihr Ausatmungsvolumen (den maximalen Atemfluss beim Ausatmen oder Peakflow) bestimmen und protokollieren. Das hilft ihnen nachzuvollziehen, wie gut sie ihre Erkrankung unter Kontrolle haben. Die Anwendung lernt man in einem Asthma-Schulungs-Programm. Das gilt auch für eine Atemtherapie. Dabei werden unter anderem bestimmte Atemtechniken trainiert. Das Training wirkt sich oft positiv auf die Atemtätigkeit und das Befinden aus. Es gibt fließende Übergänge zu meditativen Übungen und Entspannungsverfahren.

Leichte körperliche Bewegung trägt ebenfalls dazu bei, den Atemfluss anzuregen und die Atmung zu stärken. Das gilt selbst bei eingeschränkter Belastbarkeit, wie sie beispielsweise eine Herz- oder Lungenkrankheit mit sich bringen kann.

Und wer weiß, dass er zum Beispiel auf einen Stoff in der Atemluft, etwa bestimmte Pflanzenpollen, allergisch reagiert (Heuschnupfen), wird den Auslöser so gut es geht meiden. Eine Allergieimpfung kann häufig eine Allergie stoppen und die Entwicklung von allergischem Asthma verhindern.


Wichtiger Hinweis:
Dieser Artikel enthält nur allgemeine Informationen und darf nicht zur Selbstdiagnose oder -behandlung verwendet werden. Er kann einen Arztbesuch nicht ersetzen.



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Bildnachweis: W&B, W&B/Bernhard Huber
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