Abszess – was ist das?

Auf der Haut, im Gehirn, in der Leber – ein Abszess kann sich überall bilden. Wie Symptome und Behandlung aussehen und wann ein Abszess gefährlich wird

von Dr. Martina Melzer, aktualisiert am 12.06.2014

Bildet sich ein Abszess in der Haut, macht sich dies durch eine gerötete und schmerzhafte Stelle auf der Haut bemerkbar. Tritt der Abszess im Bereich der Haarwurzeln auf, liegt ein Furunkel vor

W&B/Martina Ibelherr

Plötzlich schmerzt es am Gesäß. Im Stehen, im Sitzen, beim Gehen. Die betreffende Stelle reagiert äußerst empfindlich auf Druck, ist gerötet, angeschwollen und pocht. Das klingt nach einer Entzündung, und potenziell nach einem Abszess. Denn der äußert sich typischerweise mit solchen Symptomen. 
Unser Experte, Dr. Ulrich Klein, Dermatologe und Immunologe in Witten, klärt die wichtigsten Fragen zu diesen schmerzhaften Eiteransammlungen:

Was ist ein Abszess?

Ein Abszess ist eine Ansammlung von Eiter in einem neu gebildeten Gewebshohlraum – so steht es in medizinischen Lehrbüchern. Eiter besteht unter anderem aus Immunzellen und Bakterien. Er entsteht meist, wenn Krankheitserreger in den Körper eingedrungen sind und sich vermehren. Das körpereigene Immunsystem bekämpft die Erreger, löst eine Entzündungsreaktion aus. Dabei entsteht Eiter, der "Zellmüll" und Abwehrzellen enthält. Bildet sich dabei ein neuer Hohlraum im Gewebe, sprechen Mediziner von einem Abszess.


Doch es gibt nicht den Abszess. Die Eiteransammlung kann überall im und am Körper auftauchen. Sie kann sich genauso gut im Gehirn bilden wie auch in der Leber, am Po oder im Kiefer. Am häufigsten ist jedoch die Haut betroffen, da sie als erstes mit Krankheitserregern in Kontakt kommt. Tritt ein Abszess im Bereich der Haarwurzeln auf, handelt es sich um ein Furunkel. Entstehen gleich mehrere dieser Gebilde nebeneinander, sprechen Dermatologen von einem Karbunkel. Die Eiterherde, egal wo sie auftauchen, können unterschiedlich groß sein – vom kleinen roten Knötchen bis hin zum handflächengroßen Abszess.

Wann ist ein Abszess gefährlich?

Nicht jeder Abszess, der auf der Haut entsteht, gilt als risikoreich. Trotzdem sollten Abszesse vom Arzt untersucht werden. Wie gefährlich die Eiteransammlung ist, hängt unter anderem von den Beschwerden, dem Ort und der Größe des Abszesses ab. Bildet sich der eitrige Knoten zum Beispiel im Gesicht, vor allem in der Nähe von Nase oder Augen, gilt größte Vorsicht. Dort besteht die Gefahr, dass die Erreger ins Gehirn gelangen. In Folge kann sich ein lebensgefährlicher Gehirnabszess entwickeln, der sofort in einer Klinik behandelt werden muss.

Abszess: Wann zum Arzt?

Bei einem Abszess im Gesicht vorsorglich immer zum Arzt gehen! Treten nicht nur die typischen Entzündungssymptome auf, die ein Abszess hervorruft, sondern auch Fieber, Schüttelfrost oder andere Krankheitszeichen, sollte der Betroffene ebenfalls schleunigst einen Arzt aufsuchen. Diese Zeichen deuten daraufhin, dass der Körper nicht selbst mit den Krankheitserregern fertig wird.

Verläuft ein rötlicher Streifen auf der Haut, der seinen Ursprung im Abszess hat, kann dies im schlimmsten Fall auf eine Blutvergiftung hinweisen. Auch hier umgehend eine Praxis oder ein Krankenhaus aufsuchen! Liegt ein Kieferabszess vor, muss der Zahnarzt helfen. Betrifft die Eiteransammlung innere Organe, ist dies immer einen Notfall, der sofort einer ärztlichen Therapie bedarf. Vorsicht: Solche Abszesse äußern sich nicht unbedingt mit den oben genannten typischen Beschwerden!

Behandlung: Wie bekommt man einen Abszess in den Griff?

Wie der Abszess behandelt wird, hängt davon ab, wo er auftritt. Während innerliche Eiteransammlungen Spezialfälle darstellen, gestaltet sich die Therapie auf der Haut etwas einheitlicher: Ist der Abszess noch unreif, hat sich der schmerzende Hohlraum also noch nicht vollständig mit Eiter gefüllt, wartet der Hautarzt zunächst ab. Ist das Gebilde reif, hat sich in der Höhle also Eiter angesammelt, schneidet der Arzt den Abszess auf – meist unter örtlicher Betäubung. Die Flüssigkeit entleert sich, die Wunde verheilt. Ein Analabszess lässt sich ähnlich in den Griff bekommen, wobei dieser ziemlich schnell reift.

In einigen Fällen kann der Arzt die Abszessreifung etwas beschleunigen. Dazu legt er einen sogenannten Zugsalbenverband an. Die Inhaltsstoffe der Salbe bewirken, dass die Durchblutung angeregt wird und damit auch Immunzellen schneller zu ihrem Zielort gelangen. Das wiederum fördert die Eiterbildung. Obwohl es diese Salben auch freiverkäuflich in der Apotheke gibt, raten Ärzte davon ab, selbst an einem Abszess herumzudoktern. Denn wer versucht, den Eiter herauszudrücken oder die Stelle aufzustechen, verschlimmert den Abszess unter Umständen und verteilt die Bakterien.

Hinweis: Tritt ein Abszess immer wieder auf oder verheilt dieser schlecht, kann ein geschwächtes Immunsystem, ein Diabetes oder eine andere Krankheit dahinter stecken.


Wichtiger Hinweis:

Dieser Artikel enthält nur allgemeine Hinweise und darf nicht zur Selbstdiagnose oder -behandlung verwendet werden. Er kann einen Arztbesuch nicht ersetzen. Die Beantwortung individueller Fragen durch unsere Experten ist leider nicht möglich.


Quellen:

Mattle H, Mumenthaler M: Neurologie, 13. Auflage, Stuttgart New York Thieme Verlag 2013

Behrbohm H, Kaschke O, Tadeus N: Kurzlehrbuch Hals-Nasen-Ohren-Heilkunde, 2. Auflage, Stuttgart New York Thieme Verlag 2012

Moll I: Dermatologie, 7. Auflage, Stuttgart Thieme Verlag 2010



Bildnachweis: W&B/Martina Ibelherr
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