Zecken: Blutsauger mit Risikopotenzial

Zecken können Borreliose oder FSME übertragen. Doch über die kleinen Vampire kursieren auch jede Menge Gerüchte. Wir klären auf

von Dr. Martina Melzer, aktualisiert am 26.03.2012

Barfuß durchs Grüne? Das macht Spaß, birgt jedoch Risiken. Unter anderem die Gefahr eines Zeckenstiches

iStock/Elenathewise

Gemein ist er wirklich, der gemeine Holzbock. Ixodes ricinus, wie sich das hinterlistige Spinnentier in der Fachsprache nennt, lauert draußen im Grünen. Das heißt, normalerweise hockt die Zecke faul auf Halmen oder ähnlichem und wartet ab. Kommt ein geeigneter Wirt vorbei – zum Beispiel ein Mensch, ein Hund oder ein Reh – erwacht die Zecke, lässt sich abstreifen und klammert sich am Wirt fest.

Zecken sitzen also nicht auf Bäumen und lassen sich herunterfallen. Sie treiben sich auf Gräsern, Farnen oder losem Laub im Wald herum. Erspähen die Tierchen ein potenzielles Opfer, krallen sie sich an Schuhen, Hosen oder direkt an der Haut fest. Dort krabbelt die Zecke solange umher, bis sie eine gut durchblutete Stelle ausfindig macht – beispielsweise die Kniebeuge. Dann sticht die Zecke zu und saugt Blut.


Eine Zecke: Mit dem bloßen Auge schwer zu erkennen

Panthermedia/Herbert Riemann

Die Minivampire beißen also nicht, sie stechen. Zecken sind hauptsächlich zur warmen Jahreszeit aktiv, von März bis Oktober. Doch warm ist relativ, denn Ixodes ricinus reichen gerade einmal acht Grad Celsius aus, um sich weitervermehren zu können. So krabbeln Zecken auch an milden Wintertagen aktiv durchs Gestrüpp. Einzelne Tierchen wurden zudem bereits in Höhen über 1300 Meter ausgemacht. "Das sind jedoch Einzelfälle, die man nicht überbewerten sollte", beruhigt Susanne Glasmacher vom Robert Koch-Institut. Glasmacher rät: "Achten Sie  hinsichtlich der Zecken weniger auf die Jahreszeit, sondern vielmehr auf die Temperatur."

Eigentlich ist ein Zeckenstich nicht weiter tragisch, bestünde da nicht das Risiko für Borreliose und Frühsommermeningoenzephalitis (FSME). Laut dem Robert Koch-Institut tragen zehn bis 35 Prozent der Zecken Borrelien in sich. Die Erreger befinden sich im Darm des gemeinen Holzbocks. Saugt der an seinem Wirt, regt das die Borrelien an. Sie gelangen in den Speichel und können darüber auf den Wirt übertragen werden. In Deutschland infizieren sich etwa zwei bis sechs Prozent der Menschen, die von einer Zecke gepikst wurden, mit Borrelien.

Weitaus seltener sind Zecken mit FSME-Viren befallen. In den deutschen FSME-Risikogebieten tragen zirka 0,1 bis 5 Prozent der kleinen Spinnentiere das Virus in sich – vor allem Teile Bayerns und Baden-Württembergs, daneben auch Südhessen und einzelne Landkreise in Rheinland-Pfalz und Thüringen. Gegen FSME gibt es eine Impfung (oft ungenau als "Zeckenimpfung" bezeichnet). Ausführliche Informationen finden Sie in unseren Krankheitsratgebern zu FSME und Borreliose.

Da Zecken äußerst lästige Gesellen sind, sollten Sie sich die kleinen Biester vom Leib halten. Ziehen Sie hohe, geschlossene Schuhe an, wenn Sie einen Spaziergang im Grünen unternehmen. Tragen Sie – wenn möglich – eine lange Hose. Spielen Sie nicht Pfadfinder und spurten querfeldein durch den Wald. Bleiben Sie besser auf breiteren Wegen. Nach dem Ausflug sollten Sie sich gründlich nach auffälligen, dunklen Pünktchen absuchen, die sich auf Haut oder Kleidung befinden. Haben Sie Kinder oder waren mit dem Hund unterwegs, suchen Sie die gleich mit ab.

Hat Sie eine Zecke erwischt, sollten Sie das Tierchen schleunigst entfernen. Denn je länger es saugt, desto höher wird das Risiko für übertragbare Krankheiten – insbesondere Borreliose. Wie Sie Zecken am besten beseitigen, darüber kursieren zahlreiche Gerüchte. Doch Sie sollten weder Öl, Kleber noch Alkohol auf die Zecke träufeln. "Dadurch übergibt sich die Zecke und kann erst recht Erreger übertragen", sagt Dr. Nikolaus Frühwein, Allgemeinarzt aus München. Auch Methoden wie das Spinnentier nach links oder rechts drehen hält Frühwein für zweifelhaft. "Da bleiben häufig die Beißwerkzeuge der Zecke in der Haut stecken", merkt der Arzt an.

Besser: Langsam und kontinuierlich den Holzbock mit einer feinen Pinzette, einer Zeckenzange oder -karte aus der Haut ziehen. Dabei die Zecke möglichst nicht quetschen und dicht über der Haut packen. Anschließend die Einstichstelle desinfizieren. Erwischen Sie die Zecke nicht vollständig, brauchen Sie nicht in Panik zu geraten. Beobachten Sie die Stelle einige Tage. Entzündet sich die Hautregion – wird also rot, schmerzt oder juckt – gehen Sie am besten zum Arzt.



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