Zahnstein: Unbedingt entfernen lassen

Zahnstein lagert sich auf der Zahnoberfläche ab. Wird er nicht regelmäßig beseitigt, kann er dem Gebiss schaden
von Dr. Martina Melzer, aktualisiert am 14.06.2016

Zahnstein kann normalerweise nur der Zahnarzt entfernen

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Was ist Zahnstein und wie entsteht er?

In der Mundhöhle befinden sich zahlreiche Bakterienarten. Ein Teil davon, insbesondere bestimmte Kokken, haben sich darauf spezialisiert, auf der Zahnoberfläche zu wachsen. Sie schaffen sich dort eine bestimmte, organisierte Struktur, die ihren Lebensraum vor mechanischen und chemischen Angriffen schützt – Fachleute nennen das Plaque. Die Mikroorganismen nutzen Essensreste als Nahrungsquelle, vor allem Zucker. Je mehr sie vorfinden, desto mehr wird das Bakterienwachstum befördert.

Verbleibt die Plaque länger auf den Zähnen – zum Beispiel an Stellen, die Sie mit der Zahnbürste nur schwer erreichen – lagern sich Mineralien aus dem Speichel ein und verhärten im Laufe der Zeit. Das Ergebnis ist Zahnstein. Da vor allem Kalziumphosphat als Mineralstoff im Zahnstein vorkommt, spricht man auch von verkalktem Zahnbelag oder einer Verkalkung der Plaque.


Zahnstein führt zu gelblichen bis bräunlichen Verfärbungen auf der Zahnoberfläche

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Woran erkenne ich Zahnstein?

Zahnstein bildet sich bevorzugt in der Nähe der Austrittsöffnungen der Speicheldrüsen und tritt deshalb häufig an der Innenseite der unteren Schneidezähne auf sowie an den ersten Backenzähnen im Oberkiefer. Dort setzt sich der Zahnstein in den Zahnzwischenräumen fest oder an winzigen Unebenheiten auf der Zahnoberfläche. Er kann auch unter dem Zahnfleisch in sogenannten Zahnfleischtaschen entstehen, im Fachjargon nennt man das Konkremente.

Frischer Zahnstein ist meist weißlich-gelblich. Später können sich gelbliche bis bräunliche (bei Rauchern bis hin zu schwarze) Verfärbungen auf den Zähnen bilden. Durch Zähneputzen können Sie die Stelle nicht beseitigen. Wenn Sie mit der Zunge darüberfahren, fühlt sich der Bereich rau an. Die "individuelle" Färbung erhält der Zahnstein durch Farbstoffe aus der Nahrung, gegebenenfalls aber auch durch Blutungen aus dem Zahnfleisch. Besonders intensiv färben Inhaltsstoffe aus Tee, Kaffee und Rotwein sowie der Teer aus dem Tabakrauch.

Was begünstigt Zahnstein?

Es variiert von Mensch zu Mensch, wie schnell und ausgeprägt Zahnstein auftritt. Eine Rolle spielt dabei der Mineralgehalt des Speichels. Die Verkalkung taucht mit größerer Wahrscheinlichkeit auf, wenn Sie Ihre Zähne nicht gründlich genug pflegen. Dadurch lagert sich Zahnbelag ab, der verhärten kann.

Risiken: Ist Zahnstein gefährlich?

Die Bakterien, die sich im Zahnstein angesiedelt haben, werden durch die Verkalkung größtenteils unschädlich gemacht. So findet sich unter Zahnstein praktisch nie Karies. Auf der rauen Oberfläche des Zahnsteins finden Bakterien aber ideale Wachstumsbedingungen. Das kann eine Zahnfleischentzündung (Gingivitis) begünstigen, aus der sich eine Parodontitis entwickeln kann. Auch das Risiko für Karies ist erhöht. Tragen Sie Implantate, kann Zahnstein am betreffenden Zahnersatz eine Entzündung im Weichgewebe hervorrufen, welches das Implantat umgibt. Es kommt zur Periimplantitis.

Behandlung: Wie sich Zahnstein entfernen lässt

Während Sie weichen Zahnbelag selbst entfernen können, lässt sich der verhärtete Zahnstein normalerweise nur vom Zahnarzt beseitigen. Mit speziellen Geräten löst der Arzt oder eine ausgebildete Zahnarzthelferin die Verkalkung ab. Häufig findet dies im Rahmen einer professionellen Zahnreinigung statt. Die gesetzlichen Krankenkassen übernehmen einmal im Jahr die Kosten für die Zahnsteinentfernung. Eine professionelle Zahnreinigung oder eine öfter vorgenommene Zahnsteinbehandlung müssen Sie meist selbst bezahlen. Fragen Sie am besten bei Ihrer Krankenversicherung nach.

Vorbeugen: Der Zahnsteinbildung entgegenwirken

Gänzlich verhindern können Sie Zahnstein meistens nicht. Aber Sie können den verkalkten Stellen entgegenwirken, indem Sie gründlich die Zähne pflegen. Dazu gehört: Zweimal täglich die Zähne putzen und regelmäßig mit Zahnseide und/oder entsprechenden Bürstchen die Zahnzwischenräume reinigen. So verhindern Sie, dass sich Plaque bildet. Zahnärzte empfehlen, zusätzlich ein- bis zweimal pro Jahr eine professionelle Zahnreinigung machen zu lassen.


ZAEK-SH

Beratender Experte

Dr. Joachim Hüttmann arbeitet seit 1986 als niedergelassener Zahnarzt in Bad Segeberg. Nach einer Zahntechnikerlehre und dem Studium der Zahnmedizin promovierte er in dem Thema Parodontologie. Dr. Hüttmann ist Landesvorsitzender des Freien Verbandes Deutscher Zahnärzte und Chefredakteur der Verbandszeitschrift DFZ.


Quellen:

Bundeszahnärztekammer: Information zur Zahnsteinentfernung nach BEMA-Position 107. Online: http://www.bzaek.de/fileadmin/PDFs/pati/BEMA107.pdf (Abgerufen am 20.08.13)

Willershausen B, Gängler P, Hoffmann T: Konservierende Zahnheilkunde und Parodontologie, 3. Auflage, Stuttgart Thieme Verlag 2010


Wichtiger Hinweis: Dieser Artikel enthält nur allgemeine Hinweise und darf nicht zur Selbstdiagnose oder -behandlung verwendet werden. Er kann einen Arztbesuch nicht ersetzen. Die Beantwortung individueller Fragen durch unsere Experten ist leider nicht möglich



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