Wie Ozon der Gesundheit schadet

Ist es für mehrere Tage sonnig und heiß, steigt die Ozonkonzentration an. Bei manchen Menschen ruft das Beschwerden hervor. Was Sie über das Gas wissen sollten
von Dr. Martina Melzer, aktualisiert am 07.09.2015

Ab einer Ozonkonzentration von 180 Mikrogramm pro Kubikmeter Luft geben die Behörden Verhaltensempfehlungen ab. Ozonalarm rufen sie aus, wenn die Ozonkonzentration den Schwellenwert von 240 Mikrogramm pro Kubikmeter Luft übersteigt. Im Jahr 2012 war dies an einem Tag der Fall, im Jahrhundertsommer 2003 an 13 Tagen, in den Jahren 2013 und 2014 an keinem Tag. Erhöhte Werte, bei denen aber kein Alarm ausgelöst wird, misst das Umweltbundesamt weitaus öfter. Während die Spitzenwerte seit 1990 eher zurückgehen, nehmen die Jahresmittelwerte und damit die permanente Ozonbelastung zu.

Was ist Ozon und wie entsteht es?

Ozon ist ein Gas, das aus drei Sauerstoffatomen besteht (chemische Formel: O3). Es zählt zu den Treibhausgasen und ist Hauptbestandteil des Sommersmogs. Ozon bildet sich in der Stratosphäre, also ab einer Höhe von zehn Kilometern, und ummantelt dort als Ozonschicht die Erde. Diese Schicht schirmt einen Teil der UV-Strahlung ab. Ozon kommt auch in Bodennähe vor. Dort entsteht es aus Sauerstoff und Luftschadstoffen, die vorwiegend aus Autoabgasen und der Industrie stammen.

Wann und wo ist die Ozonbelastung besonders hoch?

Von Mai bis September treten meist die höchsten Ozonwerte auf. Das Gas bildet sich in Bodennähe verstärkt, wenn es sonnig und heiß ist und sich für mehrere Tage ein Hochdruckgebiet aufbaut. Morgens sind die Werte am niedrigsten, die höchste Ozonkonzentration herrscht am Nachmittag zwischen 14 und 17 Uhr. Dr. Andreas Gies, Biologe und Leiter der Abteilung "Umwelthygiene" am Umweltbundesamt, erklärt: "Die Ozonwerte bleiben solange hoch, wie es hell ist." Erst in der Nacht sinken sie allmählich ab.

Hier finden Sie die aktuellen Ozonwerte, ermittelt vom Umweltbundesamt (bitte Daten eingrenzen und Ergebnis anzeigen lassen): Mittelwerte der Ozonkonzentration

Obwohl Ozon aus Luftschadstoffen entsteht, sind Städte weniger belastet. Vermehrt findet sich das Gas am Stadtrand und in ländlichen Gegenden, die nahe einer Großstadt liegen. Der Grund: Stoffe aus Autoabgasen reagieren mit dem Ozon und bauen es ab. Zugleich werden die Substanzen, aus denen das Gas gebildet wird, mit dem Wind aus den Metropolen herausgetrieben – und reagieren dann im Umland.

Warum gilt Ozon als gesundheitsschädlich?

Ozon wird eingeatmet und reizt in erster Linie die Atemwege. Das Gas dringt bis in die kleinsten Verästelungen der Lunge ein und kann dort das Gewebe schädigen, "was entzündliche Prozesse begünstigt", erklärt Experte Gies.

Hustenreiz, Atemwegsprobleme, Kopfschmerzen

Durch die Ozonbelastung hervorgerufene Symptome können zum Beispiel Hustenreiz und Atembeschwerden sein. Wer empfindliche Atemwege hat, an Asthma oder chronischer Bronchitis leidet oder zu Allergien neigt, bekommt unter Umständen schlechter Luft, weil sich die Bronchien verengen. Hohe Ozonkonzentrationen können darüber hinaus Kopfschmerzen auslösen und besitzen systemische Effekte. Das heißt, das reaktive Gas wirkt nicht nur in der Lunge, sondern teilweise auf den ganzen Körper. "Es kann unter anderem zu verminderter Leistungsfähigkeit kommen", sagt Gies. Zusammen mit anderen Luftschadstoffen reizt Ozon außerdem die Augen – sie können tränen.

Mögliche langfristige Auswirkungen von Ozon

Neben diesen akuten Auswirkungen, schadet Ozon möglicherweise auch langfristig der Gesundheit. "Es gibt begründete Hinweise darauf, dass sich das Risiko insbesondere für Lungenkrebs erhöht und das Herz-Kreislauf-System negativ beeinflusst wird", meint Biologe Gies.

Ab welcher Ozonkonzentration ein Mensch mit Beschwerden auf das reizende Gas reagiert, ist individuell sehr unterschiedlich. Generell gilt: Je länger Sie es einatmen und je höher die Ozonwerte sind, desto eher spüren Sie die negativen Effekte. Babys, Kleinkinder, kranke und alte Menschen sollten besonders vorsichtig sein.

Wie Sie sich richtig verhalten

Beim Sport nehmen wir besonders viel Ozon auf, da wir öfter und tiefer einatmen. Jogger, Radfahrer und andere, die sich an heißen Sommerabenden körperlich ertüchtigen, sind daher unter Umständen hohen Ozonkonzentrationen ausgesetzt. Der Rat des Experten: "Den Sport in die frühen Morgenstunden verlegen".

Haben Sie am Abend lange die Fenster und Türen offen, gelangt mehr Ozon in die Innenräume. Lüften Sie deshalb bevorzugt frühmorgens ausgiebig.


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