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Stromschlag: Warum ist er gefährlich?

Ein Stromschlag kann böse Folgen haben. Durch welche Haushaltsgeräte es am häufigsten zu einem Stromunfall kommt, wann der Arzt gefragt ist


Kinder und Erwachsene sollten mit einem Föhn immer vorsichtig umgehen

Elektrischer Strom kann – gerade in Verbindung mit Wasser – für einen Menschen lebensgefährlich werden. „Fließt der Strom durch das Herz, kann das Reizleitungssystem gestört werden“, sagt Dr. Walter Russ, Notarzt und Leiter von Erste-Hilfe-Seminaren aus Staufen.

Das Herz koordiniert seine Pumptätigkeit durch elektrische Reize, die das Organ erzeugt. Wird dieses fein abgestimmte System durch einen Stromschlag gestört, können Herzrhythmusstörungen auftreten, die mitunter in ein Kammerflimmern münden. Das Herz schlägt dann derart schnell, dass es nicht mehr effektiv Blut in den Kreislauf pumpt. Es kommt zum Herz-Kreislaufstillstand. Daneben droht durch den Strom auch die Lungenmuskulatur zu verkrampfen, was im schlimmsten Fall zum Atemstillstand führt.


Folgen: Welche Risiken bestehen nach einem Stromschlag?

Ab wann ein Elektrounfall, wie Experten einen Stromschlag nennen, gefährlich wird, hängt zum einen vom Weg ab, den der Strom durch den Körper nimmt. Zum anderen von der Stromart, der Spannung, der Einwirkzeit und der Stromstärke. Bei sogenannter Niederspannung (Haushaltsstrom) ist vor allem das Herz gefährdet. Bei Hochspannung (Hochspannungsleitung) stehen Verbrennungen – äußerlich wie innerlich – im Vordergrund.

Je länger der Strom auf den Körper einwirkt, desto höher ist das Risiko für böse Folgen. Nicht nur das Herz kann dann in Mitleidenschaft gezogen werden. Verkrampfen sich auch die Muskeln, hängt der Betroffene an der Stromquelle regelrecht fest und steht somit dauerhaft unter Strom. Da bei einem Blitzschlag die Einwirkzeit extrem kurz ist, kann ein Mensch ihn überleben, obwohl oft eine sehr hohe Stromstärke vorliegt. Bei längerer Einwirkzeit wird bereits eine Stromstärke von schon etwa 20 Milliampere unter Umständen gefährlich.

Ursache: Wo passieren die meisten Stromunfälle?

Die meisten Stromunfälle passieren im Haushalt, in denen Niederspannung – üblicherweise 230 Volt – und Stromstärken zwischen 50 und 100 Milliampere herrschen. Allerdings bekommt man in der Badewanne eher selten einen Stromschlag – auch wenn diese Szene aus Fernsehfilmen bekannt ist. „In Neubauten sind Badewannen normalerweise geerdet, außerdem gibt es einen Schutzschalter“, beruhigt Russ. Fällt der Haartrockner also tatsächlich ins Wasser, schaltet sich der Strom automatisch ab – oder salopp gesagt: Die Sicherung fliegt heraus. Gerade in Altbauten fehlen diese Sicherheitsmaßnahmen jedoch oft, deshalb gilt trotzdem erhöhte Vorsicht. Ein Elektrogerät gehört niemals in die Nähe von Wasser, sei es die eingelassene Badewanne oder das Waschbecken.

Deutlich öfter bekommen Mann und Frau einen Stromschlag, wenn sie sich als Handwerker betätigen. Einen typischen Fall beschreibt Notarzt Russ so: Das Toastbrot hängt im Toaster fest, das Kabel verbleibt in der Steckdose, Er oder Sie versuchen mit einem Messer die geröstete Scheibe herauszuholen – und dann funkt es. Ähnliche Zwischenfälle ereignen sich, wenn Glühbirnen ausgetauscht, Kaffeemaschinen gereinigt oder Wasserkocher zerlegt werden. Besonders alte oder nicht-fachmännisch reparierte Geräte und beschädigte Kabel stellen eine ernste Gefahr dar. Deshalb immer erst den Stecker ziehen und nur anfangen zu basteln, wenn sicher ist, dass das Gerät vom Netz getrennt ist. Besser ist allerdings, gleich einen Fachmann zu fragen oder ein neues Gerät anzuschaffen.

Kinder sollten nie an eine ungesicherte Steckdose gelangen. Zwar passiert laut Russ meistens noch nichts, wenn das Kleine die Stromquelle lediglich am Plastiküberzug berührt. „Stecken Kinder aber einen leitenden Gegenstand, etwa einen Schraubenzieher, in die Steckdose, wird es gefährlich“, warnt der Experte. Deshalb immer eine geprüfte Kindersicherung installieren!

Symptome: Wann zum Arzt?

Wer einen Schlag bekommt, sollte – auch wenn es ihm vermeintlich gut geht – grundsätzlich einen Arzt oder ein Krankenhaus aufsuchen. Denn Herzrhythmusstörungen können auch verspätet auftreten. Wer direkt nach dem Stromunfall Herzrasen, Herzstolpern, Atemnot, oder ein Krampfgefühl in der Brust verspürt, muss sofort den Rettungsdienst rufen.

Therapie: Was tun bei einem Stromschlag?

Kommt der Betroffene nicht von der Stromquelle los, sollte man folgendermaßen vorgehen: Erstens den Stromkreis unterbrechen. Also Stecker ziehen, Gerät ausschalten oder Sicherung herausnehmen. Denn sonst besteht die Gefahr, dass auch der Helfer einen Schlag bekommt. Insbesondere, wenn es sich um ein Hochspannungskabel handelt, kann der Strom auch aus einigen Metern Entfernung auf den Menschen überspringen. Dann denjenigen mit einem Holzstiel oder einem anderen nicht-leitenden Gegenstand von der Stromquelle wegziehen und den Notarzt rufen. Ist der Betroffene bewusstlos, dann gilt – nachdem die 112 gewählt wurde: Erste Hilfe leisten.

Nicht gefährlich aber unangenehm sind Mini-Stromschläge. Wer die Türklinke umgreift oder den Pullover der Freundin anfasst, bekommt unter Umständen einen Schlag. „Schuld daran ist eine elektrostatische Entladung“, erklärt der Bucher Mediziner. Gehen Sie zum Beispiel über den Teppich, lädt sich Ihr Körper durch die dabei entstehende Reibung elektrisch auf. Berühren Sie dann einen Gegenstand, kann sich die körpereigene Spannung schlagartig entladen.



Unser Experte: Dr. Walter Russ

Beratender Experte: Dr. Walter Russ, Notfallmediziner aus Staufen


Wichtiger Hinweis: Dieser Artikel enthält nur allgemeine Hinweise und darf nicht zur Selbstdiagnose oder –behandlung verwendet werden. Er kann einen Arztbesuch nicht ersetzen. Die Beantwortung individueller Fragen durch unsere Experten ist leider nicht möglich.




Bildnachweis: istock/Hallgerd, W&B/Wolf Heider-Sawall

Dr. Martina Melzer / www.apotheken-umschau.de; 08.10.2010, aktualisiert am 27.06.2013
Bildnachweis: istock/Hallgerd, W&B/Wolf Heider-Sawall

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