Was ist eine Seitenstrangangina?

Die Seitenstrangangina ist eine seltenere Sonderform der Rachenentzündung. Sie befällt vor allem Lymphbahnen in der seitlichen Rachenwand
von Dr. Alexandra Kirsten, 30.07.2013

Halsschmerzen und Schluckbeschwerden? Ursache ist manchmal eine Seitenstrangangina

Fotolia/Dan Race

Erkältungen werden meist von einer Entzündung der Rachenschleimhaut begleitet. Diese sogenannte Pharyngitis ist einer der häufigsten Gründe für einen Besuch beim Hausarzt.

Manchmal bleibt es nicht bei Halsschmerzen und Schluckbeschwerden: Es kommen Schmerzen dazu, die ins Ohr ausstrahlen. Die Lymphknoten im oberen Halsbereich reagieren empfindlich auf Druck. Solche Symptome können ein Hinweis auf eine Seitenstrangangina sein. "Diese Erkrankung ist eine Rachenentzündung, die die seitlich der Rachenwand verlaufenden Lymphbahnen betrifft", erklärt der Internist Dr. Clemens Fahrig, Chefarzt und Ärztlicher Direktor des Evangelischen Krankenhauses Hubertus in Berlin.

Wie entsteht eine Seitenstrangangina?

Die Seitenstränge sind Lymphbahnen, die im seitlichen Bereich der hinteren Rachenwand verlaufen. Sie dienen zusammen mit den Rachen- und Gaumenmandeln als Abwehrbarriere der oberen Atemwege gegenüber Krankheitserregern.

"Häufig tritt die Seitenstrangangina als Folge einer Erkältung auf", sagt Fahrig. Sind die Seitenstränge durch einen vorausgegangenen Schnupfen oder eine Rachenentzündung geschwächt, können sie leichter von Krankheitserregern besiedelt werden. Die Erreger sind oft Viren, aber auch Bakterien wie Pneumokokken oder Staphylokokken.

"Patienten, denen die Mandeln entfernt werden mussten, sind besonders für Seitenstrangangina anfällig, da hier die Schutzfunktion der Mandeln nicht mehr vorhanden ist", erklärt der Facharzt für innere Medizin. Ohne die Mandeln können Krankheitserreger leichter in den Rachenraum eindringen.

Welche Beschwerden treten auf?

Bei einer Seitenstrangangina sind die seitlichen Lymphbahnen in der Rachenwand gerötet und geschwollen. In manchen Fällen können sie auch mit weißlichen Stippchen belegt sein. "Die klassischen Symptome der Erkrankung sind Schluckbeschwerden und Halsschmerzen. Zusätzlich können Lymphknotenschwellungen auftreten sowie Ohren- und Kopfschmerzen", erzählt Fahrig. Die Ohrschmerzen entstehen durch die Nähe der Seitenstränge zur sogenannten Eustachischen Röhre. Sie bildet die Verbindung vom Ohr zum Nasen-Rachen-Raum. Eine Mögliche Komplikation der Seitenstrangangina ist daher auch eine Mittelohrentzündung.

"Die betroffenen Patienten fühlen sich insgesamt deutlich geschwächt, klagen über Gliederschmerzen, Abgeschlagenheit, häufig tritt auch hohes Fieber auf", weiß der Internist aus seiner Praxis. Wird die Erkrankung nicht rechtzeitig behandelt, können die Erreger vor allem bei abwehrgeschwächten Patienten einen Abszess in den Gaumenmandeln oder im Rachenraum verursachen.

Diagnose und Behandlung der Seitenstrangangina

Erkältungszeichen, besonders zusammen mit Schmerzen, die in die Ohren ausstrahlen, geben einen ersten Hinweis auf eine Seitenstrangangina. Bei einer Untersuchung des oberen Rachenraumes (hintere Rhinoskopie) sieht der Arzt die geschwollenen Lymphbahnen und kann mit Hilfe eines Abstrichs der Rachenschleimhaut herausfinden, durch welche Erreger die Entzündung ausgelöst wird.

Eine Seitenstrangangina heilt in der Regel ohne Komplikationen aus. "Leichtere Fälle können auch ohne Antibiotikum behandelt werden", sagt Fahrig. "Der Patient sollte sich allerdings schonen und ausreichend Flüssigkeit zu sich nehmen." Eventuell empfiehlt ihm der Arzt warme Halswickel, Nasentropfen, Inhalation sowie Lutschtabletten oder Husten- und Kamillentee, um Symptome zu lindern. Schmerzmittel wie Paracetamol helfen gegen die Schluckbeschwerden und senken zusätzlich das Fieber. (Wichtig: Packungsbeilage beachten oder in der Apotheke beraten lassen!)

"Verschwinden die Allgemeinsymptome nach einigen Tagen nicht oder verschlechtern sich die Beschwerden, wird ein Arztbesuch unumgänglich, um abschätzen zu lassen, inwieweit jetzt noch ein Antibiotikum eingesetzt werden muss", sagt Fahrig. Der rechtzeitige Einsatz von Antibiotika ist zur Vermeidung von Abszessen oder Komplikationen wie der Mittelohrentzündung wichtig. "Daher sollte nicht zu lange gezögert werden, sich ärztlich untersuchen zu lassen", fügt der Facharzt für innere Medizin hinzu.

Beratender Experte: Dr. med. Clemens Fahrig

W&B/Martin Thomas

Beratender Experte: Dr. med. Clemens Fahrig, Facharzt für Innere Medizin, Chefarzt/Ärztlicher Direktor am Evangelischen Krankenhaus Hubertus, Berlin

Quellen:

Michael Reiß (Hrsg.): Facharztwissen HNO-Heilkunde: Differenzierte Diagnostik und Therapie, 1. Auflage, Heidelberg, Springer Medizin Verlag, 2009

Leitlinien der Dt. Ges. f. Hals-Nasen-Ohren-Heilkunde, Kopf- und Hals-Chirurgie, Antibiotikatherapie der Infektionen an Kopf und Hals, 2010 (Abgerufen am 15.07.2013)

Universität Witten/Herdecke, Patientenleitlinie Halsschmerzen: http://patientenleitlinien.de/Halsschmerzen/halsschmerzen.html (Abgerufen am 15.07.2013)


Wichtiger Hinweis: Dieser Artikel enthält nur allgemeine Hinweise und darf nicht zur Selbstdiagnose oder –behandlung verwendet werden. Er kann einen Arztbesuch nicht ersetzen. Die Beantwortung individueller Fragen durch unsere Experten ist leider nicht möglich.



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