Unterleibsschmerzen: Diagnose

Die Art des Schmerzes, begleitende Symptome, Krankengeschichte und erste körperliche Untersuchungen geben dem Arzt wichtige Hinweise auf mögliche Ursachen
von Andrea Blank-Koppenleitner, aktualisiert am 25.01.2017

Ultraschall gehört zur Diagnostik bei Schmerzen im Bauch oder Unterleib

Thinkstock/Hemera

Setzen Bauchschmerzen akut und heftig ein, kann das eine bedrohliche Situation bedeuten. Hier heißt es, umgehend einen Arzt oder eine Klinik aufzusuchen. Vor allem, wenn Begleitsymptome wie Übelkeit, Erbrechen, Blutungen, Fieber oder Kreislaufprobleme dazukommen. Auch bei chronischen Krankheiten können Schmerzen sich aufgrund einer akuten Entwicklung zuspitzen. Mehr zu akuten Bauchschmerzen, die sich nicht nur auf den Unterbauch beziehen, finden Sie in dem Ratgeber "Bauchschmerzen, akuter Bauch".

Wegweisend bei Unterbauchschmerzen: Krankengeschichte und erste körperliche Untersuchungen

Zunächst wird der Arzt, anfangs meist der Hausarzt oder Frauenarzt, versuchen, die Schmerzen genauer zu bestimmen. Wichtig ist für ihn, wie der Schmerz sich äußert und ob er sich auf einen bestimmten Punkt beziehungsweise Bauchbereich eingrenzen lässt oder ob er eher den ganzen Unterbauchraum erfasst. Der Schmerz kann dumpf und gleichbleibend sein, wellenförmig, bohrend, stechend, krampf- oder kolikartig. Er kann bedrohlich stark einsetzen, wieder abklingen und sich dann als unbestimmter Schmerz dauerhaft einnisten. Je nach Ursache verändert sich mitunter der Schmerz, wenn der Betroffene sich bewegt oder seine Lage wechselt. In manchen Schonhaltungen, etwa mit angezogenen Beinen, verringern sich die Beschwerden.

Der Arzt tastet den Bauch und nochmals gezielt den Unterbauch ab. Dabei zeigt sich auch, ob der Schmerz zu- oder abnimmt. Weitere Hinweise liefert dem Arzt der Zustand der Bauchdecke, ob sie entspannt ist, oder angespannt und aufs Höchste druckempfindlich, sodass der Patient Berührungen wegen der starken Schmerzen abwehrt. Der Frauenarzt prüft zudem, welche Reaktionen sich ergeben, wenn er den Gebärmutterhals leicht hin- und herschiebt (Portioschiebeschmerz). Dadurch erhält er Aufschluss über mögliche Entzündungen an den Geschlechtsorganen.

Außerdem stellt der Arzt fest, ob zusätzliche Krankheitszeichen wie Übelkeit, Fieber, Blutungen, Ausfluss vorhanden sind.

Damit der Arzt den Schmerz besser beurteilen kann, ist es ratsam, nicht vorschnell ein Schmerzmittel einzunehmen. Das könnte es, gerade bei akuten Schmerzen, dem Arzt erschweren, möglichst rasch die Ursache aufzudecken.

Aufschlussreich ist darüber hinaus die Krankengeschichte, die der Hausarzt beziehungsweise der Frauenarzt meist schon kennt. Neben zurückliegenden oder bestehenden Gesundheitsproblemen spielt oft auch die aktuelle Lebenssituation eine wichtige Rolle, etwa bei chronischen Unterleibsschmerzen. Denn hier gehören psychische Belastungen zu den möglichen Auslösern, die nicht vernachlässigt werden sollten.

Falls die Patientin schwanger ist, wird der Frauenarzt Schmerzursachen abgrenzen, die in der Schwangerschaft häufiger vorkommen, bis hin zu einer Erkrankung der Beckenvenen. Venenleiden wie zum Beispiel eine Gerinnselbildung (Thrombose) können auch für bettlägerige Menschen oder nach einer Operation ein Problem darstellen. Außerdem sind sie eine alles in allem seltene, wenn auch ernstzunehmende Nebenwirkung der Pille.

Je nachdem, welchen Verdacht erste Befragungen und Untersuchungen ergeben haben, überweist der Arzt seinen Patienten entweder in eine Klinik, etwa bei Verdacht auf eine akute Blinddarmentzündung, oder an einen Facharzt. Das kann der Frauenarzt sein oder ein Magen-Darm-Spezialist, ein Gastroenterologe. Ein Urologe diagnostiziert und behandelt Erkrankungen der Harnwege, bei Männern auch der Geschlechtsorgane. Viele Frauen suchen gleich ihren Frauenarzt auf. Möglicherweise wird dieser, seinen Untersuchungsergebnissen entsprechend, ebenfalls einen Kollegen aus einem anderen Fachgebiet hinzuziehen. Manchmal sind auch ein Orthopäde, ein Neurologe, ein Psychiater oder ein Psychotherapeut gefragt.

Weiterführende Untersuchungen bei Schmerzen im Unterleib

Zu den aufschlussreichen Untersuchungsverfahren gehören unter anderem Ultraschallaufnahmen der Bauchorgane, Laboruntersuchungen von Sekretabstrichen, etwa von Scheidensekret bei Frauen, Bluttests, Urinanalysen sowie ein Schwangerschaftstest bei Frauen im gebärfähigen Alter.

Mit einem minimal-invasiven Eingriff können Chirurgen zu Untersuchungs- sowie auch zu Behandlungszwecken eine Bauchspiegelung (Laparoskopie) durchführen. Dieses Verfahren erlaubt es, die Organe im Bauch- und Beckenraum mit Hilfe optischer Geräte zu beurteilen. Die Ärzte erwägen eine solche Methode vor allem, wenn die anderen grundlegenden Untersuchungsmaßnahmen noch keine Klärung bringen konnten. Mitunter kann eine Röntgendarstellung der Harnwege, selten eine Blasenspiegelung (Zystoskopie) notwendig sein.


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