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Schmerzen – chronisch und akut

Chronische Schmerzen gelten heute als eigenes Krankheitsbild und werden am besten mit einer kombinierten Therapie behandelt


Manchmal nur schwer zu ertragen: chronische Schmerzen wie etwa Migräne

Kein Mensch möchte sie erleben, aber dennoch muss sich jeder von Zeit zu Zeit mit ihnen herumschlagen: mit Kopfschmerzen, Bauchschmerzen, Nervenschmerzen oder Rückenschmerzen. Wer Glück hat, spürt nur kurze Zeit akute Schmerzen. Akute Schmerzen schützen und warnen den Menschen vor drohenden Gewebeschäden – etwa wenn er nicht die Hand von der heißen Herdplatte wegzieht. Doch rund elf Millionen Erwachsene in Deutschland leiden an chronischen Schmerzen, an Beschwerden, die Monate anhalten. Dabei hat chronischer Schmerz im Vergleich zum aktuen Schmerz seine ursprüngliche Schutzfunktion verloren.

Lange Zeit schienen Schmerzen das Stiefkind der Medizin zu sein. Heute wird viel im Bereich der Schmerztherapie geforscht und investiert. Unterschieden werden verschiedene Arten von Schmerzen: Nervenschmerzen oder neuropathische Schmerzen, zentrale Schmerzen, die im Zentralnervensystem (ZNS) entstehen, also in Gehirn oder Rückenmark, sowie die psychosomatischen Schmerzen, bei denen seelisches und körperliches Leiden zusammentreffen.


Die drei größten Irrtümer

  • "Schmerz muss man einfach mal aushalten können", heißt es oft im Volksmund. Das ist falsch. Auch akute, kurzfristige Schmerzen, etwa durch eine Verletzung, sollten fachgerecht behandelt werden. Geschieht das nicht, besteht die Gefahr, dass sich die Schmerzempfindung in Gehirn und Rückenmark "eingräbt". Die (starken) unangenehmen Gefühle werden so chronisch – auch dann, wenn die Ursache der Schmerzen längst behoben ist.
  • "An die Schmerzen werde ich mich gewöhnen", sagen manche Menschen. Doch niemand kann sich durch Schmerzen abhärten. Im Gegenteil. Die Schmerzschwelle der Betroffenen sinkt, so dass sie noch empfindlicher werden.
  • "Mit einem guten Medikament bekomme ich meine Dauerqualen in den Griff", glauben viele. Doch so einfach ist das nicht. Chronische Schmerzen lassen sich meist nur mit einer kombinierten Behandlung nachhaltig bekämpfen, bei der Medikamente nur einen Baustein darstellen. Es stehen eine ganze Reihe von schmerzstillenden Präparten zur Auswahl: Häufig genommen werden Präparate mit den bekannten Wirkstoffen Paracetamol, Acetylsalicylsäure (ASS) und Ibuprofen. Gegen Migräneattacken werden zum Beispiel Vertreter aus der Wirkstoffgruppe der Triptane verschrieben. Sie greifen direkt in den Stoffwechsel der Nervenzellen ein und hemmen Entzündungsreaktionen im Gehirn. Bei sehr starken Schmerzen, nicht nur bei Tumorkranken, werden oft Opioide gewählt, das sind morphinähnliche Wirkstoffe. Dazu muss der Arzt ein spezielles Betäubungsmittelrezept verschreiben. Vorteil: Die Opiat-Pflaster erlauben auch niedrige Dosierungen. Wer unter neuropathischen Schmerzen leidet, bekommt vom Arzt zum Beispiel ein lokales Betäubungsmittel in die Nähe des Nervs gespritzt. Wichtig: Vor dem Griff zu einem Medikament sollte die Diagnose bekannt sein. Unbedingt empfehlenswert ist außerdem eine individuelle Beratung durch den Fachmann. Denn nicht jedes Schmerzmedikament passt zu jedem Patienten.


Therapien bei chronischen Schmerzen

Neben der Behandlung mit Medikamenten werden alternative Verfahren wie etwa die traditionelle chinesische Heilmethode Akupunktur angewandt, unter Umständen eine Psychotherapie empfohlen und oft auch Verhaltensänderungen des Patienten. So auch bei Rückenschmerzen, die als "Volkskrankheit" gelten. Neben einer Therapie mit Medikamenten ist hier die Mitarbeit des Betroffenen gefragt. Rückenschmerzen sind meist die Folge von Muskelverspannungen, deren Ursache ein Haltungsschaden ist. Dagegen hilft ein krankengymnastisches Training oder Physiotherapie. Schonung und Bettruhe hingegen können den Muskelapparat weiter schwächen, so dass sich die Beschwerden verschlimmern. Weitere Methoden, die unter anderem bei Spannungskopfschmerzen und Migräne zum Einsatz kommen: die Muskelentspannung nach Jacobsen und Biofeedback.

Fazit: Wer unter chronischen Schmerzen leidet, wendet sich am besten an einen Schmerzspezialisten oder an einer Schmerzklinik, um eine gezielte Schmerztherapie zu beginnen.




Bildnachweis: PhotoDisc/ RYF

Sibylla Machens / www.apotheken-umschau.de; 07.09.2009, aktualisiert am 26.06.2013
Bildnachweis: PhotoDisc/ RYF

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