Strategien gegen das Schnarchen

Schnarchen stört. Und es kann der Gesundheit schaden. Welche Ursachen das Phänomen hervorrufen, was dagegen hilft

von Dr. Roland Mühlbauer , 07.03.2016

Nicht nur dem Partner zuliebe sollte man versuchen, das Schnarchen zu vermeiden

Corbis GmbH/Tetra Images

In vielen deutschen Schlafzimmern sind nachts knatternde Geräusche zu hören. Wie kommen diese Töne zustande, die durchaus die Dezibelzahl von Straßenlärm erreichen können?

Was das Schnarchen hervorruft, kann sich bei den Betroffenen stark unterscheiden, erklärt Dr. Hartmut Grüger, Chefarzt der Klinik für Schlafmedizin Grand Arc in Düsseldorf: "Bei ungefähr zwanzig Prozent der Patienten senken sich von oben die weichen Gaumenbögen und das Zäpfchen Richtung Zunge. Bei ungefähr dreißig Prozent der Schnarcher versperrt die zurückfallende Zunge die Atemwege." Bei den restlichen fünfzig Prozent der Schnarcher tritt ein Mischbild auf, bei dem sich der Ort der Störung nicht klar feststellen lässt.


Wenn in Rückenlage die Zunge nach hinten fällt, kann die Engstelle (rot) den Luftstrom (blaue Pfeile) behindern. Die Folge: Schnarchen oder sogar Atemaussetzer

W&B/Jörg Neisel

Schnarchen kann gefährlich werden

Oft werden sich Betroffene ihrer nächtlichen Atemstörung erst bewusst, wenn genervte Angehörige sie darauf ansprechen. Grüger rät, solche Hinweise ernst zu nehmen – nicht nur um des sozialen Friedens willen, sondern auch wegen der eigenen Gesundheit: Denn Studien zeigen, dass starke Schnarcher anfälliger für Herzkreislauferkrankungen sind. "Die Gefahr, einen Schlaganfall zu erleiden, ist bei ihnen mehr als doppelt so hoch!" Das liege am eingeschränkten Luftfluss während des Schnarchens. Durch den vorübergehenden Sauerstoffmangel im Blut können die Blutgefäße Schaden nehmen. Eine Studie kam zudem zu dem Schluss, dass Schnarcher am nächsten Tag unausgeruhter sind – je lauter das nächtliche Konzert, desto müder.

Besonders gefährlich: Aus dem Schnarchen kann sich eine Schlafapnoe mit Atemaussetzern entwickeln. Darunter leiden ungefähr zehn Prozent aller Männer und fünf Prozent der Frauen. Tagesmüdigkeit, Druck im Kopf, trockener Mund, verstärktes Schwitzen in der Nacht, nächtliches Sodbrennen, Bluthochdruck oder Herzrhythmusstörungen können Hinweise auf eine Schlafapnoe sein. "Deshalb sollten Sie die Symptome abklären lassen. Im Zweifelsfall kann ein Schlaflabor die Diagnose Schlafapnoe stellen", so Grüger.


Frauen schnarchen anders

Frauen haben zwar eine engere Rachenöffnung als Männer, weshalb sie eigentlich anfälliger für das Schnarchen sein müssten. Aber ihre Zunge fällt seltener zurück, weil die Muskulatur aufgrund des Östrogeneinflusses bei ihnen eine höhere Spannung aufweist. Außerdem flattern die Weichteile des Rachens weniger beim Atmen. Deshalb schnarchen Frauen wesentlich leiser. "Oft sagen die Partner, dass die Frau im Schlaf nur gelegentlich Geräusche macht, schnalzt oder schluckt", berichtet Grüger. Trotzdem könne auch bei ihnen eine behandlungsbedürftige Schlafapnoe mit mehr als 15 Atempausen pro Stunde vorliegen. "Bei Frauen wird bisher zu selten an eine Schlafapnoe gedacht, deshalb machen sie in den Schlaflaboren nur in etwa zwanzig Prozent der Patienten aus. Der Statistik nach müssten es ein Drittel sein."


Dr. Hartmut Grüger, Chefarzt in Düsseldorf

W&B/privat

Schlafapnoe großer Risikofaktor

Auch Menschen mit Schlafapnoe haben ein deutlich erhöhtes Risiko, dass sich Herzkreislauferkrankungen entwickeln. Entsprechend verbreitet sind die Atemaussetzer bei Herzkranken: "Ungefähr die Hälfte der Menschen mit erhöhtem Blutdruck leiden unter einer Schlafapnoe, von den Patienten mit schwer behandelbarem Bluthochdruck sogar 80 Prozent", sagt Grüger. Auch jeder Zweite mit Herzschwäche, und jeder Vierte mit Vorhofflimmern habe eine Schlafapnoe.

Grund genug, das Schnarchen so früh wie möglich zu bekämpfen. Grüger gibt dafür folgende Verhaltenstipps:


Maßnahmen gegen das Schnarchen

  • 1. Nasenatmung so frei wie möglich halten

    Ist die Nasenatmung behindert, atmet der Schlafende durch den Mund. Steht er offen, verengt sich im Rachenbereich die Öffnung der Atemwege. Dadurch wird beim Einatmen die Zunge leichter an die Rachenhinterwand gesaugt. Deshalb sollten chronische Nasennebenhöhlenentzündungen, eine Verkrümmung der Nasenscheidewand oder Allergien sorgfältig behandelt werden.


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  • 2. Allergien bekämpfen

    Allergien können nicht nur die Nasenatmung behindern, sondern zusätzlich die Schleimhäute im Rachen anschwellen lassen und so die Atemwege zusätzlich verengen. Tückisch sind vor allem Allergien gegen Baumpollen, denn diese fliegen bevorzugt nachts. Allergiker sollten deshalb in der Nacht die Fenster schließen. Außerdem sollten die Betroffenen antiallergische Arzneimittel gewissenhaft einnehmen. Langfristig ist oft eine Hyposensibilisierung am wirksamsten.


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  • 3. Abends auf üppige Mahlzeiten verzichten

    Sind Magen und Darm stark gefüllt, schieben sie das Zwerchfell etwas nach oben, und damit auch die Lunge oberhalb des Zwerchfells. Durch die Verlagerung der Lunge besteht weniger Zug auf die oberen Atemwege. Somit klappen die anfälligen Stellen im Rachenraum leichter zusammen und versperren dem Luftstrom den Weg.


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  • 4. Körpergewicht regulieren

    Überzählige Pfunde können nachts auf die Atemwege drücken. Fettgewebe im Rachen verengt die Atemwege zusätzlich. Fettpolster im Bauchraum können das Zwerchfell und die Lunge nach oben drücken. Schon eine geringe Gewichtsabnahme kann sich positiv auf das Schnarchen auswirken. Auch die Schlafapnoe korreliert stark mit dem Körpergewicht: Über 70 Prozent der Menschen mit Atemaussetzern haben Übergewicht.


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  • 5. Rückenlage vermeiden

    Schlafen in Rückenlage kann durch das Zurückfallen der Zunge das Schnarchen fördern. Entsprechende Polster wie Seitenschläferkissen oder auch T-Shirts mit eingenähten Rollen am Rücken können eventuell verhindern, dass sich der Schlafende auf den Rücken dreht. Ungünstig ist außerdem eine Flexion des Kopfes, wenn also das Kinn Richtung Brust gezogen ist. Deshalb besser keine hohen Kopfkissen verwenden.


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  • 6. Bett kippen

    Tagsüber sammelt sich Flüssigkeit in der unteren Körperhälfte. Nachts verteilt sich die Flüssigkeit wieder um, wenn man sich flach in das Bett legt. Die umverteilte Flüssigkeit kann jedoch Weichteile des Halses anschwellen lassen, was bei ungünstigen anatomischen Verhältnissen die Atmung zusätzlich erschwert. Diese Umverteilung lässt sich verringern, wenn das Bett am Kopfende zehn bis 15 Zentimeter aufgebockt wird, sodass es durchgehend vom Kopf bis zu den Füßen ein leichtes Gefälle hat.


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  • 7. Abends nicht zu viel trinken

    Durch erhöhte Aufnahme von Flüssigkeit schwillt ebenfalls das Gewebe an, deshalb am Abend nicht übermäßig viel trinken. Auch Medikamente wie Kortison können Wassereinlagerungen fördern und damit das Schnarchen verstärken. Besonders ungünstig ist das Trinken von Alkohol, weil es die Muskelspannung herabsetzt und deshalb unter anderem im Rachenraum das Gewebe erschlafft.


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  • 8. Beruhigende Medikamente wenn möglich meiden

    Wie beim Alkohol entspannen sich die Muskeln auch durch beruhigende Medikamente, was das Schnarchen fördert. Dazu zählen zum Beispiel bestimmte Schlafmittel, Antidepressiva und Neuroleptika. Deshalb sollten Patienten mit dem behandelnden Arzt besprechen, inwiefern eine Umstellung der Medikamente auf andere Inhaltsstoffe vertretbar ist.


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  • 9. Nicht rauchen

    Rauchen irritiert die Schleimhäute. Dadurch schwellen sie an und können die Atmung behindern. Außerdem bildet sich durch das Rauchen im Blut aus dem Blutfarbstoff Hämoglobin ein gewisser Anteil funktionsunfähiges Methämoglobin. Das verschlechtert den Weitertransport des Sauerstoffs zu den Zellen, was den schädlichen Effekt einer Schlafapnoe zusätzlich verstärken kann.


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  • 10. Nackenmuskeln nicht zu stark trainieren

    Wer sich zum Beispiel durch Bodybuilding oder Gewichtheben einen starken Nacken antrainiert, kann dadurch die Atemwege verengen. Tatsächlich haben laut Grüger in etwa vierzig Prozent der Bodybuilder ein Schlafapnoesyndrom.


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Schnarchschiene, die den Unterkiefer nach vorne zieht (Protrusion)

Fotolia/anknv

Mechanische Hilfsmittel und Operationen

Reichen solche Verhaltensregeln nicht aus, setzen Ärzte verschiedene Hilfsmittel ein: Bei Schnarchen mit nach hintem versetzten Unterkiefer kommen Protrusionsschienen infrage. Sie fixieren die Lage des Unterkiefers im Verhältnis zum Oberkiefer. Die Schiene wirkt ungefähr bei der Hälfte der Patienten. "Effektiver, aber lästiger ist eine Atemmaske mit Überdruckbeatmung", sagt Grüger. Sie kommt vor allem bei der Schlafapnoe zum Einsatz. Alternativ gibt es auch Stents, also flexible Röhren, die sich manche Patienten nachts über die Nase einführen, um die Atemwege von innen zu schienen und offen zu halten. Experten entwickeln derzeit weitere Hilfsmittel wie Zungenschrittmacher und Spiralen, die in den Zungengrund eingebracht werden.

Hals-Nasen-Ohren-Ärzte haben zudem verschiedene chirurgische Eingriffe entwickelt, um das Schnarchen zu beheben. Dazu gehört zum Beispiel die Entfernung von Gewebe am Zäpfchen und den Gaumenbögen.

Begleiterkrankungen behandeln

Asthma, Herzschwäche oder Niereninsuffizienz können das Atmen erschweren und zu Wassereinlagerungen führen. Diese Krankheiten sollten deshalb vom Arzt so gut wie möglich behandelt werden, um das Schnarchen zu verringern.



Bildnachweis: Fotolia/anknv, W&B/privat, Corbis GmbH/Tetra Images, W&B/Jörg Neisel

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