Schilddrüse: Was ist ein Kropf?

Vergrößert sich die Schilddrüse, entsteht ein Kropf. Schuld daran ist meist Jodmangel. Was Sie wissen sollten

von Dr. Martina Melzer, 02.03.2015

Die Schilddrüse befindet sich im Hals, vor und beidseits der Luftröhre

Your Photo Today/Phanie

Vor allem früher verzierte ein Kropfband so manchen Frauenhals. Es war – und ist – Bestandteil der weiblichen Tracht im Alpenraum. Mit diesem Schmuckstück kaschierten Frauen einen Kropf oder Narben am Hals.

Auch heute noch kommt ein Kropf, von Medizinern als Struma bezeichnet, häufig vor. Mindestens 20 Millionen Menschen leiden in Deutschland laut Statistiken daran.


Kropf meistens durch Jodmangel bedingt

Bei einer Struma handelt es sich um eine vergrößerte Schilddrüse. Das schmetterlingsförmige Organ befindet sich im vorderen Teil des Halses und liegt der Luftröhre auf. Die Schilddrüse bildet Hormone und beeinflusst darüber zahlreiche Stoffwechselvorgänge und Organe im Körper. Dafür benötigt die kleine Drüse das Spurenelement Jod. Das Problem: Der Organismus kann Jod nicht selbst herstellen, es muss mit dem Essen aufgenommen werden. Da sich Jod nur in sehr wenigen Lebensmitteln findet, kann es zu einem Mangel im Körper kommen.

"Jodmangel ist die häufigste Ursache eines Kropfes", sagt Professor Jochen Kußmann, Schilddrüsenspezialist und Leiter der Klinik für Endokrine Chirurgie an der Schön Klinik Hamburg Eilbek. Bekommt die Schilddrüse zu wenig Jod, kann sie nicht mehr genügend Hormone bilden. Sie versucht, dieses Defizit auszugleichen, indem sie sich vergrößert. Wächst das Organ gleichmäßig in allen Bereichen, liegt eine Struma diffusa vor. Viel öfter werden aber nur einzelne Areale größer. Es entstehen Schilddrüsenknoten, Mediziner sprechen von einer Struma nodosa. In beiden Fällen wird die Vergrößerung des Organs ab einem gewissen Volumen von außen sichtbar.

Kropf kann Schluckstörung verursachen

Erfüllt die Schilddrüse, trotz Vergrößerung, alle Aufgaben normal, bemerkt der Betroffene oft lange Zeit nichts davon. Erst ab einer gewissen Größe ruft ein Kropf Symptome hervor. "Der Patient hat dann zum Beispiel Schluckbeschwerden, der Hemdkragen wird zu eng oder er bemerkt ein pfeifendes Geräusch beim Einatmen", erklärt Kußmann. Geht die Struma mit einer Über- oder Unterfunktion der Schilddrüse einher, können sich die dafür typischen Beschwerden einstellen. Diese können Sie hier nachlesen: Schilddrüsenüberfunktion und Schilddrüsenunterfunktion.

Steht die Diagnose Kropf fest, muss er in der Regel behandelt werden. Prinzipiell stehen drei Therapiemethoden zur Verfügung: die Einnahme von Medikamenten, eine Behandlung mit radioaktivem Jod (Radiojodtherapie) oder eine Operation an der Schilddrüse. Welches Verfahren wann zum Einsatz kommt, hängt von verschiedenen Faktoren ab – unter anderem davon, ob gleichzeitig eine gestörte Schilddrüsenfunktion besteht, wie groß der Kropf ist und ob Knoten vorliegen.

Doch soweit muss es nicht kommen. Wer genügend Jod mit der Nahrung zu sich nimmt, kann damit einem Kropf und verschiedenen Schilddrüsenproblemen vorbeugen. Die Deutsche Gesellschaft für Ernährung rät Gesunden, Jodsalz zu verwenden und ein- bis zweimal pro Woche Seefisch zu essen. Schilddrüsenpatienten sollten ihren Jodbedarf mit dem Arzt klären. Schwangere und Stillende, die einen erhöhten Bedarf haben, sollten mit Ihrem Arzt über eine eventuell notwendige Nahrungsergänzung sprechen.


W&B/Steven Haberland

Der Experte

Unser Experte: Professor Jochen Kußmann, Chefarzt der Klinik für endokrine Chirurgie an der Schön Klinik Hamburg Eilbek



Schilddrüse

rechter Seitenlappen Isthmus Kehlkopf Luftröhre linker
Seitenlappen
Pyramidenlappen Pyramidenlappen Schildknorpel Isthmus Rechte Halsschlagader Innere rechte
Hals-/Drosselvene
Läppchen mit Follikeln

Das Schilddrüsengewebe wird durch Bindegewebshäutchen in unterschiedlich große Läppchen untergliedert. In diesen Bindegewebshäutchen verlaufen sehr viele Blutgefäße, um die starke Durchblutung der Drüse, die direkt aus der Halsschlagader mit sauerstoffreichem Blut versorgt wird, sicherzustellen. Das verbrauchte Blut wird unter anderem über die linke und rechte Hals- bzw. Drosselvene wieder abgeführt. Die Bildung und Speicherung der Schilddrüsenhormone Thyroxin (T4) und Trijodthyronin (T3) erfolgt in kleinen bläschenförmigen Follikeln.

Der Isthmus (gr. schmaler Zugang) verbindet die Seitenlappen miteinander. Nur bei etwa jedem fünften Menschen befindet sich hier noch ein weiterer Lappen, der nach oben zum Schildknorpel zieht und als Pyramidenlappen bezeichnet wird.

In den Läppchen der Schilddrüse liegen die hormonproduzierenden Zellen. Den Hauptteil des Schilddrüsengewebes bilden so genannte Follikel, ungleichmäßig gestaltete Bläschen, die die beiden jodhaltigen Schilddrüsenhormone Thyroxin und Trijodthyronin bilden und speichern. Das Hormon Kalzitonin wird dagegen von C-Zellen gebildet, die eingestreut zwischen den Follikeln liegen. Es reguliert zusammen mit anderen Hormonen den Kalziumhaushalt des Körpers mit dem Ziel, den Kalziumspiegel im Gewebe konstant zu halten: Bei Bedarf wird Kalzium vermehrt in den Knochen eingebaut und damit der Kalziumspiegel im Blut gesenkt oder über die Niere vermehrt ausgeschieden. Gegenspieler des Kalzitonins ist das Parathormon aus den Nebenschilddrüsen, das Kalzium aus den Knochen freisetzt und dadurch den Kalziumspiegel im Blut erhöht.

Newsletter abonnieren

Hier können Sie unseren kostenlosen Newsletter abonnieren »

Krankheits-Ratgeber zum Thema

Krankenschwester bei der Blutabnahme

Hyperparathyreoidismus (HPT)

Der Hyperparathyreoidismus ist eine Funktionsstörung der Nebenschilddrüsen: Sie produzieren zu viel Parathormon. Mehr zu Ursachen, Symptomen und Therapie »

Spezials zum Thema

Junge Frau

Schilddrüse: Wenn sie außer Kontrolle gerät

Bei einer Überfunktion oder Unterfunktion produziert die Schilddrüse zu viele oder zu wenige Schilddrüsenhormone. Das kann vielfältige Beschwerden auslösen »

Lesen Sie den Beipackzettel von Medikamenten?

© Wort & Bild Verlag Konradshöhe GmbH & Co. KG

Weitere Online-Angebote des Wort & Bild Verlages