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Rückenschmerzen

Rückenschmerzen, auch der Hexenschuss im Kreuz, entstehen vor allem durch strapazierte Muskeln und Bänder oder Verschleiß der Wirbelsäule und Bandscheiben. Ursachen, Therapie


Rückenschmerzen entstehen häufig durch Muskelverspannungen

Überblick

Mit Rückenschmerzen macht fast jeder Bekanntschaft, viele Betroffene zum Glück nur einmal.

Meistens sitzt die Pein in der Gegend oberhalb des Gesäßes. Gemeinhin ist dies das Kreuz. Ärzte sprechen hier auch vom tiefen oder lumbalen Rückenschmerz: lumbal bezieht sich auf die Lendenwirbelsäule. Dabei können die Schmerzen mehr in der Mitte, mehr seitlich oder im ganzen Kreuz verspürt werden. Mitunter strahlen sie auch in die Umgebung aus, zum Beispiel ins Bein.


Rückenschmerz ist nicht gleich Rückenschmerz

Wichtige Unterschiede ergeben sich aus

  • dem zeitlichen Verlauf der Rückenschmerzen:

    - akut sind Rückenschmerzen, die erstmals oder nach mindestens sechs schmerzfreien Monaten auftreten und höchstens sechs Wochen anhalten.

    - subakut ist ein Schmerzzustand zwischen akut und chronisch: der Rückenschmerz plagt Betroffene länger als sechs Wochen.

    - chronisch: Der Rücken schmerzt seit mehr als zwölf Wochen.
  • der Häufigkeit: Von der einmal auftretenden (akuten) Episode über chronisch-wiederkehrende Phasen bis zur anhaltenden Schmerzkrankheit gibt es bei Rückenschmerzen viele Varianten.
  • der Ausprägung: Rückenschmerzen können kaum, mäßig oder wechselnd stark spürbar bis geradezu unerträglich sein. Ärzte lassen Patienten dies bei Bedarf anhand einer Schmerzskala oder eines Fragebogens bewerten.
  • der Schmerzlokalisation:

    unterer Rücken (Bereich der Lendenwirbelsäule (LWS), Becken): am häufigsten betreffen Rückenschmerzen die untere, am stärksten belastete Partie. Hier kommt es zum Beispiel gerne zu Muskelverspannungen, aber auch zu Bandscheibenvorfällen. Im Beckenbereich spielen sich mitunter entzündliche Veränderungen ab.

    – oberer Rücken / Nacken (Bereich der oberen Brustwirbelsäule (BWS) und der Halswirbelsäule (HWS)): Schmerzen in der Nackenregion können zum Beispiel durch eine falsche Körperhaltung beim Arbeiten mit Muskelverspannungen und -verhärtungen oder entzündliche Lockerungen an der HWS mit Bandscheibenvorfall entstehen. Nackenschmerzen strahlen oft in den Hinterkopf, in die Schulter oder den Arm aus. Auch Missempfindungen sind dabei möglich, außerdem kann es zu Schwindelgefühl kommen.

    – mittlerer Rücken: Rückenschmerzen auf mittlerer Höhe der Wirbelsäule können unter anderem ebenfalls durch Muskelreizungen, ferner durch Veränderungen der Rippen-Wirbel-Gelenke und durch Skelettverformungen ausgelöst werden.

Eine weitere Unterteilung kennt

  • zwei Hauptgruppen, nämlich unspezifische und spezifische Rückenschmerzen: Die Mehrzahl der Betroffenen hat unspezifische Rückenschmerzen. Das heißt, ihr Rücken leidet unter verspannten, verkürzten und überdehnten Muskeln. Damit verbundene Funktionsstörungen sind eigentlich aber noch keine Krankheit – solange die Diagnose „unspezifisch“ zutrifft, sich kein chronischer Schmerzzustand entwickelt, keine speziellen Schäden am Rückgrat oder eine andere Krankheit mit Bezug zum Rücken nachweisbar sind. Bei spezifischen Rückenschmerzen dagegen ist das der Fall. Auslösend können Rückenleiden selbst sowie andere Erkrankungen sein, die den Rücken mit einbeziehen.


Die Einteilung "unspezifisch und spezifisch" finden nicht alle Experten immer glücklich. Sie hilft aber, die verschiedenen Rückenschmerzen etwas zu ordnen. Daher nimmt auch dieser Beitrag darauf Bezug (siehe zum Beispiel Kapitel „Rückenschmerz-Arten“).


Akute Rückenschmerzen: erste Diagnose

Meist geben das Beschwerdebild des Patienten, seine „Rückengeschichte“ und allgemeine Krankengeschichte dem Arzt schon Hinweise, welche Art von Rückenschmerzen vorliegen. Eine gründliche körperliche Untersuchung stützt die Diagnose. Dabei nutzt der Arzt unter anderem bestimmte Bewegungstests, prüft die Kraft und die Muskelsehnenreflexe. Kurzum: Er stellt die Diagnose zunächst meist klinisch (siehe Kapitel „Diagnose, Therapie: unspezifisch“).

Erste Therapie bei akuten Rückenschmerzen

Die gute Nachricht ist, dass man hier selbst viel tun kann, etwa mit mehr Bewegung und ausgleichender Aktivität im Alltag. Es hilft auch zu entspannen und tut der Psyche gut. Bettruhe ist übrigens nicht angesagt, allenfalls kurze Schonung.

Allerdings funktioniert Bewegung mitunter doch nicht ohne kurzfristige Einnahme eines traditionellen Schmerzmittels oder ein Wärmepflaster (siehe Kapitel „Diagnose, Therapie: unspezifisch“). Dazu kann Sie Ihr Arzt und / oder Ihre Apotheke beraten.

Hauptproblem: chronische unspezifische Rückenschmerzen

Mehrheitlich – in über 80 Prozent der Fälle – bereiten Muskeln, Sehnen, Bänder am Rücken Probleme, akut wie chronisch. Rückenprobleme entstehen häufig durch Überbelastung bei schwerer körperlicher Arbeit oder infolge einseitiger Bewegungsabläufe. Diese können – wie übrigens auch Bewegungsmangel – bestimmte Muskelgruppen unterfordern, sodass es zu Ungleichgewichten am Rücken kommt. Belastend wirkt sich auch Übergewicht aus.

Außerdem spielen verschiedene Risikofaktoren eine Rolle, auf die der Arzt frühzeitig sein Augenmerk richten wird:

  • Ergonomische Probleme: Ungünstige Einstellung der Geräte am Arbeitsplatz
  • Psychosoziale Faktoren: Konflikte im beruflichen und privaten Umfeld, mangelnde Anerkennung, Überforderung, soziale Unzufriedenheit

Sind tatsächlich Risikofaktoren für ein Chronischwerden erkennbar, sollten sie frühzeitig in das Therapiekonzept mit einbezogen werden:

  • bei körperlich schwerer oder bei unbefriedigender Arbeit Anpassungen anstreben; verbesserte Arbeitsbedingungen und -abläufe (Arbeitsergonomie), Anerkennung und anderes mehr können die Arbeitszufriedenheit erhöhen und den Rücken entlasten und stabilisieren helfen
  • Bei belastenden emotionalen Konflikten im Beruf und privat nach Lösungen suchen, gegebenenfalls mit Unterstützung eines Psychologen

Welche Hilfen gibt es sonst noch?

Sanfte Bewegungstherapie, etwa Krankengymnastik unter fachkundiger Anleitung eines Physiotherapeuten, wird in erster Linie bei anhaltenden subakuten oder chronischen Rückenschmerzen empfohlen.

Das gilt auch für Programme wie Rückenschulen. Neben Elementen zur Kräftigung des Rückens und Verbesserung der Haltung sollten solche Programme den Betroffenen auch Strategien vermitteln, um Ängste vermeiden zu lernen und Selbstvertrauen aufzubauen. Ihr Arzt oder Physiotherapeut kann Sie über geeignete Angebote vor Ort informieren.

Voraussetzung der Übungsbehandlung, besonders bei Begleit- oder Grunderkrankungen ist, dass der Arzt die Trainingsfähigkeit bestätigt. Auch bei spezifischen Rückenschmerzen können Rückenschul-Programme sinnvoll sein.

Entlastung für den Rücken bringt natürlich auch Abnehmen bei Übergewicht, rückenfreundliches Schuhwerk, gegebenenfalls die passende Matratze.

Wichtig: Vermeiden, dass Rückenschmerzen chronisch werden

Bestehen unspezifische Rückenschmerzen und eine dadurch begründete Arbeitsunfähigigkeit trotz Therapie länger als zwei Wochen, wird der Arzt prüfen, ob sich Risikofaktoren für ein Chronischwerden abzeichnen (siehe oben). Gegebenenfalls kann eine frühzeitige begleitende psychologische oder psychotherapeutische Beratung oder auch Behandlung dann die richtigen Weichen stellen. Anderenfalls wird der Arzt die Schmerztherapie intensivieren.

Bleiben die Beschwerden auch nach sechs Wochen noch bestehen, sind spätestens jetzt Maßnahmen empfehlenswert, um die Diagnose zu überprüfen: etwa eine umfassende neuro-orthopädische Untersuchung und einmalig ein bildgebendes Diagnoseverfahren, zum Beispiel Röntgenaufnahmen oder eine Magnetresonanztomografie. Bei länger anhaltenden Rückenschmerzen sollte unbedingt eine umfassende psychosoziale Diagnostik durchgeführt werden, um relevante psychosoziale Krankheitsfaktoren zu erkennen.

Diese können im Rahmen einer sogenannten multimodalen Therapie angegangen werden mit dem Ziel, Rücken und Psyche wieder aufzurichten.

Wenn die Schmerzen länger als zwölf Wochen anhalten, also tatsächlich chronisch geworden sind oder erst jetzt einem Arzt präsentiert werden, da sie den Alltag erheblich beeinträchtigen, und wenn behandlungsbedürftige Organbefunde (weiterhin) nicht erkennbar sind, ist eine multimodale Therapie grundsätzlich angezeigt. Mehr dazu im Kapitel „Diagnose, Therapie: unspezifisch“.


Spezifische Rückenschmerzen: mögliche Ursachen?

Nach Studien kann zum Beispiel bei weniger als zehn Prozent der Patienten mit Rückenschmerzen ein Bandscheibenvorfall mit Druck auf einen benachbarten Nerven festgestellt werden. Doch gehört Verschleiß an der Wirbelsäule beziehungsweise an den Bandscheiben zu den ausgesprochen häufigen Diagnosen: mit und ohne Rückenschmerzen.

Infrage kommen bei spezifischen Rückenschmerzen vor allem Krankheiten des Bewegungssystems – Osteoporose, chronisch-entzündliche Erkrankungen, die zur Gruppe rheumatischer Krankheiten gehören, Entzündungen im Bereich der Wirbelsäule durch Bakterien oder Viren. Auch Fehlbildungen oder Formstörungen der Wirbelsäule, Verletzungen, Knochen- und Stoffwechselerkrankungen spielen eine Rolle, manchmal außerdem Tumoren. Mitunter können auch Nebenwirkungen von Medikamenten wie zum Beispiel Kortison in Betracht kommen. Kortison kann eine Osteoporose beschleunigen oder verstärken.

Zu den Hauptursachen spezifischer Rückenschmerzen gehören vor allem Erkrankungen des Bewegungsapparates wie:

  • Osteomalazie (Knocherweichung)
  • Wirbelgleiten (Spondylolisthesis)
  • Rheumatisch-entzündliche Erkrankungen (Spondylarthropathien), darunter auch
  • Entzündungen von Wirbeln, Bandscheiben oder Nervenwurzeln bei Infektionen mit Bakterien oder Viren
  • Stoffwechselbedingte Knochenerkrankungen
  • Morbus Paget
  • Tumoren

Diagnose und Therapie spezifischer Rückenschmerzen

Der Arzt wird bei mutmaßlich spezifischen Rückenschmerzen neben einer umfassenden körperlichen Untersuchung frühzeitig geeignete Untersuchungen veranlassen, um die möglichen Ursachen einzugrenzen und die Diagnose zu stellen. Das gilt auch, wenn zunächst als unspezifisch eingestufte Rückenschmerzen unter sachgerechter Therapie nach vier bis sechs Wochen nicht abgeklungen sind (siehe oben). Die Therapie richtet sich nach der Diagnose und umfasst verschiedene konservative (nicht operative) Maßnahmen einschließlich Medikamenten und Physiotherapie, gegebenenfalls gezielte Eingriffe und operative Verfahren. Die Kapitel „Andere Ursachen: spezifisch“ und „Therapie: spezifisch“ (siehe auch Kapitelübersicht oben) informieren Sie genauer darüber.

Was tun im Akut- oder Notfall?

Klingen akute Rückenschmerzen – im Kreuz oft als Hexenschuss (Lumbalgie) bezeichnet – nicht sehr bald wieder ab, nehmen zu, breiten sich aus oder kehren nach kurzer Besserung zurück, sollten Betroffene den Arzt konsultieren. Kommt es zu weiteren Beschwerden, etwa Schmerzen, Missempfindungen oder Muskelschwäche im Bein ("Ischias", siehe auch Kapitel „Ursachen: unspezifisch“ / „Andere Ursachen: spezifisch“), muss ein Arzt den Patienten erneut untersuchen.

Treten akute Störungen der Blase, des Mastdarms und der Potenz auf, ist das ein Notfall: Rufen Sie unverzüglich den Notarzt.

Tun Sie das auch bei Alarmsymptomen wie starken Schmerzen im Rücken- oder Brustbereich, deutlichem Unwohlsein und Schwäche.

Akute Nackenschmerzen mit Ausstrahlung in den Arm und Begleitsymptomen gehören ebenfalls in die Hand eines Arztes.

Dasselbe gilt, wenn Rückenschmerzen in Verbindung mit Allgemeinsymptomen wie Fieber, Schüttelfrost, Müdigkeit, Gewichtsabnahme, Muskelschwäche und / oder im Zusammenhang mit einer anderen (Vor-)Erkrankung auftreten.

„Rückenschmerzen“: Nicht nur vom, sondern auch zum Rücken

In den Rücken können manchmal Schmerzen ausstrahlen, die an ganz anderer Stelle im Körper entstanden sind: beispielsweise in den Nieren (Koliken), im Unterleib (etwa bei einer Eileiter- und Eierstockentzündung), in der Bauchspeicheldrüse (besonders bei akuter Entzündung) oder Gallenblase (Entzündung, Koliken), im Herzen (Verengungen der Herzkranzgefäße, Herzinfarkt) und nicht zuletzt in der Hauptschlagader (Aortenaneurysma, Ausbuchtung der Gefäßwand, eventuell Wandeinriss).

Auf die Psyche hören

Seelische Faktoren und ängstliche Denk- und Verhaltensmuster – beides greift oft ineinander – können Rückenschmerzen begünstigen oder verstärken. Bei Depressionen sind Rückenschmerzen neben Schlafstörungen sogar ein sehr häufiges körperliches Symptom.

Wenn Sie vermuten, dass bei Ihnen eine Konstellation dieser Art vorliegen könnte und Sie aktiv nach einer Lösung suchen möchten, sprechen Sie mit Ihrem Arzt darüber. Er kann Sie an einen Spezialisten überweisen, der Ihnen und Ihrem Rücken weiterhelfen kann.


Wichtiger Hinweis:
Dieser Artikel enthält nur allgemeine Hinweise und darf nicht zur Selbstdiagnose oder -behandlung verwendet werden. Er kann einen Arztbesuch nicht ersetzen. Die Beantwortung individueller Fragen durch unsere Experten ist leider nicht möglich.



Bildnachweis: W&B/Image 100, W&B/Ojo Images, W&B/Martin Ley, Stockbyte
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www.apotheken-umschau.de; aktualisiert am 26.11.2014,
Bildnachweis: W&B, W&B/Image 100, W&B/Ojo Images, W&B/Martin Ley, Stockbyte

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